Wegweiser FernstudiumFernstudium ist ein Begriff, der eigentlich ein akademisches Studium bezeichnet, das nicht durch Präsenzunterricht an einer Uni oder FH absolviert wird, sondern in der Regel von zu Hause aus. Häufig werden auch nicht-akademische, weiterbildende Kurse als Fernstudiengänge bezeichnet, sprachlich korrekter ist es allerdings, diese Fernkurse zu nennen.
Im Folgenden erhalten Sie einen Überblick über alle Themen, die relevant für das Thema Fernstudium sind und Ihnen als Wegweiser und ersten Einstieg dienen soll. Der Inhalt im Einzelnen:
Geschichte und Entwicklung, Zielgruppe, Studieren neben dem Beruf, Studienabschlüsse, Anerkennung durch Arbeitgeber, Private oder staatliche Hochschule?, Fernunis und Fernfachhochschulen, Akkreditierung und ZFU, Studienvoraussetzungen und Fernstudium ohne Abitur, Immatrikulation und Probestudium, Ablauf eines Fernstudiums (Studiendauer, Studienmaterialien, Einsendeaufgaben, E-Learning und Onlinestudium, Präsenzseminare, Prüfungen), Fernstudium Kosten, Abbrecherquoten, Studienberatung, Links, Literatur
Das Selbstlernen hat sicher eine lange Tradition, deren Ursprung wohl in der Antike und im Mittelalter zu suchen ist, im Aufkommen von schriftlichen Aufzeichnungen auf Papyrus oder Pergament. Mit dem Bücherdruck, dem Entstehen der ersten Verlage und der Möglichkeit, günstige Bücher zu erwerben, dürfte sich auch die Nutzung von Büchern zum Selbstlernen vervielfacht haben. "Selbstlernen", das mit der Hilfe von Büchern praktiziert wurde, ist allerdings noch kein Fernunterricht oder gar ein Fernstudium, da keinerlei aktive Beziehung zwischen dem Lehrenden/dem Autor und dem Lernenden besteht.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es Fernlehrbriefe, die Aufgaben enthielten, die zurückgeschickt werden konnten und im Verlag korrigiert wurden. Ein akademisches Studium per Fernlehre in Deutschland sollte es allerdings erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geben.
Am 1. Dezember 1974 wurde das "Gesetz über die Errichtung einer Fernuniversität in Nordrhein Westfalen" verabschiedet. Damit war die FernUni Hagen geboren, und mit ihr die Möglichkeit, in Deutschland per Fernstudium einen akademischen Hochschulabschluss zu erlangen.
Ein akademisches Fernstudium eignet sich insbesondere für:
Der größte Vorteil eines Fernstudiums ist es, dass es neben einem Beruf absolviert werden kann. Das erfordert viel Organisationstalent, denn der Abschluss wird - wie auch an einer Präsenzuniversität - hart erarbeitet. Fernhochschulen unterstützen in der Regel aber ihre Studenten dabei, das Studium gut in den Alltag zu integrieren; meist ist es auch möglich, das Fernstudium in Teilzeit zu absolvieren, wodurch der wöchentliche Aufwand sich zwar veringert, das Studium aber dann einige Semester länger dauert.
Möglich ist häufig auch ein so genanntes Duales Studium, das mit einer Berufsausbildung kombiniert wird.
Ein Studienabschluss, der an einer staatlich anerkannten Hochschule per Fernstudium erworben wird, ist einen Abschluss, der im Präsenzstudium erlangt wird, zu 100 % gleichgestellt. Auch durch Fernstudiengänge werden ECTS-Punkte erworben, welche die Abschlüsse international vergleichbarer machen sollen.
Möglich sind die meisten der üblichen Studienabschlüsse Bachelor oder Master: Bachelor of Arts, Bachelor of Science, Master of Science, MBA usw. Vereinzelt können auch noch Fernstudiengänge zum Diplom belegt werden.
Ein Fernstudium stellt viele Fähigkeiten unter Beweis, die in Unternehmen gefragt sind: die Fähigkeiten zur Selbstmotivation und zum Selbstmanagement, Organisationstalent, Fleiß, Ausdauer, Zielstrebigkeit oder auch Flexibilität. Dass Arbeitgeber Absolventen von Fernstudiengängen schätzen, belegen auch verschiedene repräsentative Umfragen, die Forsa u.a. im Auftrag der Fernhochschule Euro-FH durchgeführt hat.
Ob Sie sich für das Fernstudium an einer staatlichen Hochschule oder einer privaten Hochschule entscheiden sollten, hängt von vielen Faktoren ab:
Eine Universität zeichnet sich durch ihren hohen wissenschaftlichen Anspruch aus sowie durch ein "universales" Studienangebot. In Deutschland haben nur Universitäten die Erlaubnis, Promotionen durchzuführen. Typisch für Fachhochschulen sind Studiengänge in den Bereichen BWL, Ingenieurswissenschaften oder Sozialwissenschaften. Das Studium an einer Fachhochschule ist in der Regel weitaus praxisbezogener als einer Universität.
Fernstudiengänge werden zum einen von Universitäten angeboten, die ihr Studienangebot um einzelne Fernstudiengänge erweitern, etwa die Uni Kiel. Zum anderen bieten Fachhochschulen zusätzlich zum normalen Studienangebot Fernstudiengänge an, etwa die FH Schmalkalden.
In Deutschland gibt es nur zwei Fernuniversitäten: die staatliche FernUni Hagen und die private DUW Berlin. Daneben gibt es zahlreiche Fernfachhochschulen, z.B. die Euro-FH, die AKAD-Privat-Hochschulen oder die Hamburger FH.
Ob Sie sich für eine Universität oder für eine Fachhochschule entscheiden, hängt von verschiedenen Faktoren ab, etwa:
Um die Qualität eines Fernstudiengangs sicherzustellen, muss er zum einen von der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) geprüft und zugelassen sein. Die ZFU prüft, ob der Fernstudiengang den Ansprüchen des Fernunterrichtsschutzgesetzes genügt.
Zum anderen kann ein Studiengang akkreditiert werden, ein weiterer Weg, Qualität zu sichern und Transparez zu erhöhen. Verschiedene Agenturen sind dabei berechtigt, Akkreditierungssiegel zu vergeben, etwa AQUAS, ACQUIN oder FIBAA. Weitere Infos zu Akkreditierung erhalten Sie auf der Website des Akkreditierungsrats www.akkreditierungsrat.de. Achten Sie bei der Wahl Ihres Fernstudienganges auch darauf, ob er akkreditiert ist.
Für ein Fernstudium zu einem ersten Abschluss wie den Bachelor wird in der Regel eine Hochschulzugangsberechtigung vorausgesetzt. Das kann entweder ein Abitur sein, das als Nachweis für die Hochschulreife an Unis und FHs gelten kann. Oder eine fachgebundene Hochschulreife, die das Studium einer bestimmten Fachrichtung an einer Uni oder einer FH ermöglicht.
Unter bestimmten Umständen ist auch ein Studium ohne Abitur möglich. Die Bedingungen hierfür sind von Hochschule zu Hochschule und von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In der Regel werden hierbei eine abgeschlossene Berufsausbildung und mehrere Jahre Berufserfahrung vorausgesetzt, zusätzlich eine Aufnahmeprüfung. Wer die Voraussetzungen erfüllt, kann ggf. ohne Abitur studieren.
Für einen Masterstudiengang wird ein erster Hochschulabschluss vorausgesetzt, also ein Bachelor oder auch ein Diplom. Dieser Abschluss muss oft eine bestimmte Anzahl an ECTS-Punkten beinhalten. So genannte konsekutive Masterstudiengänge fordern zudem einen Abschluss in einer ähnlichen Fachrichtung wie der Masterstudiengang. Häufig wird auch Berufserfahrung oder ein Bewerbungsschreiben vorausgesetzt.
Den ersten Schritt zur Anmeldung zum Fernstudium können Sie häufig über die Website der jeweiligen Hochschule gehen. Sie erhalten dann in der Regel Anmeldeformulare, die Sie ausfüllen und zusammen mit Nachweisen wie der Hochschulzugangsberechtigung einschicken. Immatrikulationen sind entweder zum Wintersemester, zum Sommersemester oder bei einigen Hochschulen jederzeit möglich.
Manche Hochschulen bieten auch die Möglichkeit eines Probestudiums. Der Gesetzgeber sieht bei Fernunterrichtsangeboten eine Widerrufsfrist für Verbraucher von 14 Tagen vor. Einige Hochschule ergänzen diese 14 Tage um weitere 2 Wochen, was ein unverbindliches Probestudium von insgesamt einem Monat ermöglicht.
Ein Fernstudium dauert, je nach Abschlussziel, zwischen 3 und mehr als 10 Semestern. Verschiedene Faktoren beeinflussen die Dauer eines Fernstudiums, u.a.:
StudienmaterialienDie Studienmaterialien sind gewissermaßen das Zentrum Ihres Fernstudiums. Sie liegen in der Regel in Form von Studienbriefen vor, die Ihnen den Lernstoff Schritt für Schritt vermitteln. Studienmaterialien bekommen Sie meist per Post direkt nach Hause geschickt. Die Qualität der Studienmaterialien kann von Hochschule zu Hochschule erheblich differieren.
Einsendeaufgaben dienen der Überprüfung des Lernfortschritts. Sie werden teilweise maschinell, zum großen Teil aber durch Dozenten und Tutoren korrigiert und ermöglichen Feedback zum indivduellen Lernfortschritt. Einsendeaufgaben können benotet werden, das Bestehen kann auch Vorausetzung für die Teilnahme an einer Klausur sein.
EDV-Technik ermöglicht viele innovative Lernformen gerade für ein Fernstudium. Fast alle Hochschulen haben eine Art Online-Studienzentrum, über das Einsendeaufgaben eingereicht und Noten abgerufen werden können, auf dem ein Austausch mit Kommilitonen stattfinden kann und direkter Kontakt zu Dozenten hergestellt wird.
Auch Online-Vorlesungen oder Online-Seminare sind so möglich. Die Studienmaterialien enthalten oft auch multimediale Lerneinheiten, die Lernstoff über den PC vermitteln.
Präsenzseminare dienen nicht nur der Vertiefung des Stoffes, sondern auch dazu, mit Dozenten und Kommilitonen in Kontakt zu treten. Die meisten Fernhochschulen unterhalten mehrere Studienzentren in größeren Städten über Deutschland verteilt, in denen dann die Seminare stattfinden können. Seminare dauern dann etwa 1 bis 2 Tage und finden dann oft am Wochenende statt.
Fernstudium-Prüfungen finden auch oft in Studienzentren statt, erfordern also auch physische Anwesenheit. Ein- oder mehrmals pro Semester werden so Klausuren geschrieben, die benotet werden und erforderlich sind für den nächsten Studienabschnitt.
Auch Hausarbeiten bzw. Seminararbeiten können geschrieben, die thematisch oft mit den Lehrenden abgesprochen werden und innerhalb einer bestimmten Zeit verfasst werden müssen, wie an einer Präsenzhochschule.
Die Kosten für ein Fernstudium hängen von verschiedenen Faktoren ab:
Ein Fernstudium kann wenige hundert Euro pro Semester kosten, aber auch 200–300,– EUR monatlich, je nach Fernhochschule und Studienfach. Letztendlich ist ein Fernstudium eine Investition in die eigene Bildung und auch in die eigene Karriere.
Wie auch bei einem Präsenzstudium gibt es verschiedene Möglichkeiten, das Fernstudium zu finanzieren. Da ein Fernstudium in der Regel neben dem Beruf absolviert wird, ist die Finanzierung selbst eines Studiums an einer Privathochschule häufig kein so großes Problem, da es durch eigenes Einkommen finanziert werden. Weitere Finanzierungsmöglichkeiten sind z.B. BAföG, Studienkredite oder Stipendien. Zudem kann ein Fernstudium steuerlich geltend gemacht werden.
Weitere Informationen zu den Kosten eines Fernstudiums erhalten Sie hier.
Abbrecherquoten sind ein heiß diskutiertes Thema, wenn es um Fernstudiengänge geht. Ein Fernstudium erfordert Disziplin, Durchhaltevermögen und einen starken Willen. Wer sich vor seinem Fernstudium bewusst macht, was auf ihn zukommt, wer sich einen genauen Studienplan erstellt, wird das Fernstudium eher bestehen als jemand, der gar nicht weiß, was da auf ihn eigentlich zukommt. Die Abbrecherquoten bei Fernstudiengängen sind sicherlich höher als bei normalen Studiengängen. Mit einem durchdachten Studienplan und Durchhaltevermögen sowie Selbstmotivation werden Sie aber sicher nicht zu den Studienabbrechern zählen.
Für alle Fragen rund ums Fernstudium nutzen Sie bitte die kostenlose und auf Wunsch anonyme Fernstudienberatung hier auf fernstudi.net. Stellen Sie eine Frage im Forum, auch ohne Registrierung, und lassen Sie die Frage von Experten bzw. Mitarbeitern von Fernhochschulen beantworten.
Gehen Sie den ersten Schritt für Ihr Fernstudium und werden Sie Fernstudi auf fernstudi.net, dem sozialen Netzwerk für Fernstudenten, um mit anderen Fernstudierenden in Kontakt zu treten.