Abi nachholen in Berlin: Abendgymnasium oder Kolleg

Wege zum Abitur und zur Fachhochschulreife in Prenzlauer Berg, Wilmersdorf, Moabit, Charlottenburg, Schöneberg und Marzahn – schulgeldfrei und mit BAföG
 · Letzte Aktualisierung 27.06.2026

In Berlin holst du deinen Schulabschluss an einer der staatlichen Schulen des Zweiten Bildungswegs nach – berufsbegleitend am Abendgymnasium oder in Vollzeit am Kolleg. Beide Wege führen zum Abitur und zur Fachhochschulreife, sind schulgeldfrei und werden über BAföG gefördert. Wer noch keinen mittleren Schulabschluss mitbringt, erwirbt ihn unterwegs: Mit der Versetzung in die Qualifikationsphase gilt ein dem mittleren Schulabschluss (MSA) gleichwertiger Abschluss als erreicht. Die Schulen verteilen sich über die Bezirke – von Prenzlauer Berg über Moabit und Charlottenburg bis Marzahn.

Kollegs und Abendschulen in Berlin auf einen Blick

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Welche Schulformen gibt es in Berlin?

Berlin kennt im Zweiten Bildungsweg zwei staatliche Schulformen: das Abendgymnasium für Berufstätige mit Unterricht am Nachmittag und Abend und das Kolleg mit Vollzeit-Tagesunterricht für Erwachsene ohne parallele Berufstätigkeit. Beide führen über eine einjährige Einführungsphase und eine zweijährige Qualifikationsphase zum Abitur. Der Besuch ist an allen öffentlichen Schulen schulgeldfrei.

SchulformUnterrichtszeitFür wenAbschlüsse
Abendgymnasium Nachmittag und Abend, berufsbegleitend Berufstätige, die neben dem Job lernen Abitur, Fachhochschulreife, MSA-gleichwertig
Kolleg Tagsüber, Vollzeit Erwachsene ohne parallele Berufstätigkeit Abitur, Fachhochschulreife, MSA-gleichwertig

Die Berliner Schulen im Überblick

Die beiden Berliner Abendgymnasien sind die Peter-A.-Silbermann-Schule in Wilmersdorf mit gesellschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt und das Abendgymnasium Prenzlauer Berg im Nordosten. Als Kollegs in Tagesform stehen das Berlin-Kolleg in Moabit, das Charlotte-Wolff-Kolleg in Charlottenburg mit ausgeprägtem digitalen Profil (Laptop-Leihe, Online-Anteile), das Kolleg Schöneberg mit vormittags konzentriertem Unterricht und das Victor-Klemperer-Kolleg im Berliner Osten zur Wahl.

Am Abendgymnasium und am Kolleg lernst du in festen Klassen mit anderen Erwachsenen.

Wer kann sich an einer Abendschule in Berlin bewerben?

Für die Aufnahme an einem Berliner Kolleg oder Abendgymnasium musst du im Schuljahr der Anmeldung mindestens 18 Jahre alt werden, mindestens die Berufsbildungsreife (Hauptschulabschluss) oder einen gleichwertigen Abschluss besitzen und eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine mindestens zweijährige geregelte Berufstätigkeit nachweisen. Eine Aufnahmeprüfung gibt es nicht.

Was als Berufstätigkeit anerkannt wird

  • sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Voll- oder Teilzeit (mindestens 20 Wochenstunden)
  • eine abgeschlossene Berufsausbildung
  • das Führen eines Haushalts mit mindestens einem Kind oder einer pflegebedürftigen Person
  • Wehr- oder Ersatzdienst, Bundesfreiwilligendienst
  • nachgewiesene Arbeitslosigkeit bis zu eineinhalb Jahren

Am Abendgymnasium bist du während des Unterrichts in der Regel weiter berufstätig oder arbeitssuchend gemeldet. Am Kolleg gilt das Gegenteil: Wer dort in Vollzeit lernt, darf keine regelmäßige Berufstätigkeit ausüben – dafür gibt es elternunabhängiges BAföG.

Ausländischer Schulabschluss

Einen im Ausland erworbenen Schulabschluss bewertet die Zeugnisanerkennungsstelle der Senatsverwaltung; eine erste Einschätzung der Gleichwertigkeit liefert die anabin-Datenbank der KMK. Für den Schulbesuch sind ausreichende Deutschkenntnisse nötig, in der Regel auf dem Niveau B2 bis C1.

Die verbindlichen Aufnahmeregeln stehen in der Information der Senatsverwaltung zum Zweiten Bildungsweg und in § 40 des Berliner Schulgesetzes.

Was kostet der 2. Bildungsweg in Berlin?

Der Besuch der staatlichen Berliner Kollegs und Abendgymnasien ist schulgeldfrei. Es fallen nur Kosten für Lernmittel an – Bücher, Kopien und Material liegen typischerweise bei rund 100 bis 200 € pro Schuljahr. Dazu kommen Fahrtkosten.

BAföG nach Schulform

  • Kolleg (Vollzeit): elternunabhängiges BAföG nach § 2 BAföG ab dem ersten Schultag – ein zentraler Grund, warum viele den Vollzeit-Weg wählen.
  • Abendgymnasium (berufsbegleitend): BAföG ist ab der Qualifikationsphase möglich, sobald du deine Berufstätigkeit reduzierst.

Wie läuft der Unterricht am Kolleg und Abendgymnasium ab?

Der Bildungsgang gliedert sich in eine einjährige Einführungsphase und eine zweijährige Qualifikationsphase – in der Regel drei Jahre bis zum Abitur. Wer in die Qualifikationsphase versetzt wird, hat damit bereits einen dem mittleren Schulabschluss gleichwertigen Abschluss erreicht. Am Abendgymnasium liegt der Unterricht abends, am Kolleg tagsüber in Vollzeit.

Tempo, Fächer und Prüfungen

Pro Kurshalbjahr stehen rund 20 Wochenstunden an, verteilt auf mehrere Wochentage. In der Einführungsphase gleichen die Schulen unterschiedliche Vorkenntnisse an – vor allem in Mathematik und in der zweiten Fremdsprache, die viele nach Jahren ohne Schule erst wieder aufbauen. Wer keine zweite Fremdsprache mitbringt, belegt sie an der Schule, häufig Französisch oder Spanisch. Am Ende steht die zentrale Abiturprüfung Berlins.

Beide Schulformen erlauben einen flexibleren Einstieg als ein reguläres Gymnasium: An mehreren Schulen kannst du zum Winter- oder Sommerhalbjahr beginnen. Wer eine fachgebundene Hochschulreife oder andere Vorleistungen mitbringt, klärt eine mögliche Verkürzung im Aufnahmegespräch.

Schichtdienst oder weite Wege? Das Abitur lässt sich auch ortsunabhängig per Fernunterricht nachholen.
Wer wegen Schichtdienst, Familienlogistik oder eines Wohnorts am Stadtrand nicht regelmäßig zur Abendschule pendeln kann, holt das Abitur oder den mittleren Schulabschluss auch über eine Fernschule nach. Der Unterricht läuft ortsunabhängig im eigenen Tempo, die Prüfung ist eine staatliche Externenprüfung, der Abschluss bundesweit anerkannt. Dafür ist das Fernabitur kostenpflichtig und verlangt mehr Selbstdisziplin als ein fester Klassenverband. Worauf es dabei ankommt, liest du im Ratgeber Abendschule oder Fernabitur.

Welcher Weg passt zu dir in Berlin?

Die Wahl entscheidet sich über deine Lebenssituation: ob du nebenher arbeitest, wie viel Zeit du tagsüber hast und ob du auf BAföG angewiesen bist. Diese Übersicht ordnet die typischen Ausgangslagen den Berliner Schulen zu.

Deine SituationEmpfohlener Weg
Vollzeit berufstätig, willst den Job behalten Abendgymnasium – Peter-A.-Silbermann-Schule (Wilmersdorf) oder Abendgymnasium Prenzlauer Berg
Schule abgebrochen, willst zügig und in Vollzeit zum Abitur Kolleg mit elternunabhängigem BAföG – Berlin-Kolleg (Moabit) oder Victor-Klemperer-Kolleg (Osten)
Familie oder Pflege im Haushalt, brauchst planbare Vormittage Kolleg Schöneberg – vormittags konzentrierter Unterricht
Lernst gern digital, willst Online-Anteile und Technik-Ausstattung Charlotte-Wolff-Kolleg (Charlottenburg) – Laptop-Leihe und Blended-Learning-Anteile
Ausländischer Abschluss, brauchst Anerkennung und Beratung Zeugnisanerkennungsstelle plus Aufnahmegespräch an einer der Schulen
Schichtdienst, weite Wege oder Wohnort im Umland Fernabitur über eine bundesweite Fernschule – ortsunabhängig

Häufige Fragen zum 2. Bildungsweg in Berlin

Ja. Am Kolleg und am Abendgymnasium erwirbst du mit der Versetzung in die Qualifikationsphase einen dem mittleren Schulabschluss gleichwertigen Abschluss – auch ohne danach das Abitur abzulegen. Unabhängig davon kannst du den MSA oder die Berufsbildungsreife in Berlin über eine Nichtschülerprüfung oder über Lehrgänge an Volkshochschulen nachholen.

Das Kolleg unterrichtet tagsüber in Vollzeit und richtet sich an Erwachsene, die während der Schulzeit nicht regelmäßig arbeiten – dafür gibt es elternunabhängiges BAföG ab dem ersten Schultag. Das Abendgymnasium unterrichtet am Nachmittag und Abend und ist auf Berufstätige zugeschnitten, die ihren Job behalten. Beide führen zum gleichen Abitur.

Nein. Die staatlichen Berliner Kollegs und Abendgymnasien sind schulgeldfrei. Es fallen lediglich Kosten für Lernmittel an – Bücher, Kopien und Material liegen typischerweise bei rund 100 bis 200 € pro Schuljahr. Kostenpflichtig sind nur private Anbieter und das Fernabitur über eine Fernschule.

Nicht zwingend. Verlangt wird eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine mindestens zweijährige geregelte Berufstätigkeit. Als gleichwertig anerkannt werden unter anderem das Führen eines Haushalts mit Kind oder pflegebedürftiger Person, Wehr- oder Ersatzdienst, Bundesfreiwilligendienst sowie nachgewiesene Arbeitslosigkeit bis zu eineinhalb Jahren.

In der Regel drei Jahre: eine einjährige Einführungsphase und eine zweijährige Qualifikationsphase. Wer eine fachgebundene Hochschulreife oder andere Vorleistungen mitbringt, kann den Weg unter Umständen verkürzen – das klärst du im Aufnahmegespräch an der jeweiligen Schule.

Ja, wenn dein ausländischer Abschluss als gleichwertig anerkannt ist. Die Bewertung übernimmt die Zeugnisanerkennungsstelle der Senatsverwaltung; eine erste Orientierung gibt die anabin-Datenbank der KMK. Zusätzlich brauchst du ausreichende Deutschkenntnisse, in der Regel auf dem Niveau B2 bis C1.

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