Fernabitur & Schule

Alles zum Schüler-BAföG fürs Fernabitur: Voraussetzungen, Höhe, Antrag, Erfahrungen

Das Fernabitur ist teuer – neben den Kursgebühren von über 130 € im Monat musst du auch deinen Lebensunterhalt finanzieren. Schüler-BAföG kann helfen, aber die Regeln dafür sind kompliziert. Hier erfährst du, wer es bekommt, wie viel es gibt und was du aus der Praxis wissen solltest.

  • Schüler-BAföG gibt es beim Fernabitur nur für die letzten 12 Monate des Lehrgangs. Du musst zudem bereits 6 Monate am Kurs teilgenommen haben.
  • Die Förderung ist ein Vollzuschuss – du musst nichts zurückzahlen. Das unterscheidet Schüler-BAföG vom Studenten-BAföG.
  • Die Altersgrenze liegt seit 2022 bei 45 Jahren (zuvor 30 Jahre).

Wer bekommt Schüler-BAföG fürs Fernabitur?

Die Voraussetzungen werden in § 3 des Bundesausbildungsförderungsgesetzes geregelt. Für Fernschülerinnen und Fernschüler gelten folgende Bedingungen:

  • Für Teilnehmerinnen und Teilnehmer an einem Fernabitur gelten die gleichen Voraussetzungen wie für die Besucher von Abendgymnasien und ähnlichen Einrichtungen des Zweiten Bildungswegs.
  • Du darfst höchstens 45 Jahre alt sein (seit der 27. BAföG-Novelle von 2022 – zuvor lag die Grenze bei 30 Jahren).
  • Der Fernkurs muss nach § 12 Fernunterrichtsschutzgesetz (FernUSG) zugelassen sein. Das trifft auf die Fernabitur-Kurse bei ILS, SGD, Fernakademie und Killesberg zu.
  • Du musst bereits 6 Monate am Kurs teilgenommen haben, um den Antrag stellen zu können. Und du musst den Kurs in spätestens 12 Monaten beenden. Deine Fernschule stellt dir hierfür eine Bescheinigung aus.
  • Während der letzten 12 Monate erwartet das Amt, dass du dich voll auf den Kurs konzentrierst. Diese ununterbrochene Lernphase muss mindestens drei Monate dauern und von der Fernschule bescheinigt werden.
  • Du musst einen eigenen Haushalt führen und darfst nicht mehr bei deinen Eltern leben. Ausnahmen sind in bestimmten Fällen möglich.

Du siehst: Die Voraussetzungen sind kompliziert, und der Antrag wird immer individuell geprüft. Wenn du dir nicht sicher bist, ob du Schüler-BAföG erhalten würdest, wende dich an die Studienberatung einer Fernschule oder an ein Amt für Ausbildungsförderung in deiner Nähe.

Wie viel Schüler-BAföG bekommt man?

Die Höhe des Schüler-BAföG hängt vor allem davon ab, wo du wohnst und welcher Schulform dein Fernkurs gleichgestellt wird. Seit der 29. BAföG-Novelle (August 2024) gelten folgende Bedarfssätze:

Schultyp / EinrichtungBei Eltern wohnendEigene Wohnung
Weiterführende allgemeinbildende Schulen 276 € 666 €
Abendhaupt-/Abendrealschulen 498 € 775 €
Abendgymnasien / Kollegs 498 € 855 €

Für das Fernabitur mit eigener Wohnung – und das ist die Voraussetzung – liegt der Bedarfssatz bei 666 € pro Monat. Dazu kommen noch Zuschläge:

  • Kranken- und Pflegeversicherung: 102 + 35 = 137 €/Monat (wenn du dich selbst versichern musst). Oft springt aber die Familienversicherung ein.
  • Kinderbetreuungszuschlag: 160 € pro Kind unter 14 Jahren – pauschal, unabhängig vom Einkommen.

Der maximale Förderbetrag liegt damit bei rund 800 € pro Monat (ohne Kinderbetreuungszuschlag).

Dein Vermögen und Einkommen werden auf die BAföG-Höhe angerechnet. Auch das Einkommen deines Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartners und sogar das deiner Eltern wird berücksichtigt. Es gelten allerdings Freibeträge, die das anzurechnende Einkommen mindern:

  • Eigenes Einkommen: 556 €/Monat (ab 2026: 603 €, orientiert am Minijob-Limit)
  • Ehegatte / Lebenspartner: 850 €/Monat
  • Eigene Kinder: 770 €/Monat pro Kind
  • Eltern (verheiratet): 2.540 €/Monat
  • Eltern (alleinstehend): 1.690 €/Monat je Elternteil

Das Einkommen deiner Eltern bleibt außen vor, wenn du nach dem 18. Lebensjahr bereits fünf Jahre gearbeitet hast oder eine dreijährige Ausbildung absolviert und danach mindestens drei Jahre gearbeitet hast.

Schüler-BAföG in der Praxis: Erfahrungen

Ich habe damals das Schüler-BAföG für mein Fernabitur nicht beantragt, weil ich die Voraussetzungen nicht erfüllt hätte. Gerne berichte ich aber darüber, was ich von anderen Fernschülerinnen und Fernschülern mitbekommen habe.

Grundsätzlich sieht es so aus, dass die Entscheidungen der Ämter in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich ausfallen. Während bei den einen der Antrag problemlos durchgeht, wird er bei anderen in derselben Situation kommentarlos abgelehnt.

Ich habe mitbekommen, dass Fernschülerinnen und Fernschüler, die bei der SGD eingeschrieben sind, überdurchschnittlich oft Probleme mit ihrem Antrag haben – während die Anträge der ILS- und Fernakademie-Teilnehmer oft schneller durchgehen. Woran das liegt, kann ich leider nicht sagen.

Mein Rat: Bleibt dran! Wenn du einen negativen Bescheid bekommst, kannst du Einspruch einlegen und argumentieren. Einen Versuch ist das allemal wert – schließlich geht es um dein Geld.

Weitere Finanzierungsmöglichkeiten neben BAföG

Schüler-BAföG ist nicht die einzige Möglichkeit, das Fernabitur zu finanzieren. Hier ein Überblick über die wichtigsten Alternativen:

  • Kindergeld: Wenn du unter 25 bist und mindestens 10 Stunden pro Woche lernst, gilt das Fernabitur als Berufsausbildung – und du hast Anspruch auf 250 € Kindergeld pro Monat. Mehr dazu: Fernabitur und Kindergeld.
  • Bildungsgutschein: Wenn du arbeitssuchend bist, kann die Agentur für Arbeit die Kosten über einen Bildungsgutschein zu 100 % übernehmen.
  • Steuerlich absetzen: Die Fernschul-Gebühren sind als Werbungskosten (bei Zweitausbildung) oder Sonderausgaben (bei Erstausbildung, max. 6.000 €/Jahr) steuerlich absetzbar.
  • Abendgymnasium / Kolleg: Wer kein Geld für eine Fernschule hat, kann das Abitur auch kostenlos an einem Abendgymnasium oder Kolleg nachholen – und dort gibt es Schüler-BAföG sogar ab dem ersten Tag, nicht erst in den letzten 12 Monaten.

Alle Kosten im Detail: Fernabitur Kosten: Schulgebühren, Nebenkosten und wie du sparen kannst.

Mit diesen Fernschulen kannst du BAföG bekommen

Voraussetzung für Schüler-BAföG ist, dass der Fernkurs nach § 12 FernUSG zugelassen ist. Das trifft auf alle großen Fernabitur-Anbieter zu:

KursAnbieterStudiendauerKosten
24 Monateab 2844 € insgesamt
ab 237 € monatlich
30 Monateab 4620 € insgesamt
ab 154 € monatlich
30 Monateab 4620 € insgesamt
ab 154 € monatlich
36 Monateab 5256 € insgesamt
ab 150 € monatlich
32 Monateab 6720 € insgesamt
ab 210 € monatlich
24 Monateab 7176 € insgesamt
ab 299 € monatlich

Einen ausführlichen Anbietervergleich findest du hier: Fernabitur-Anbieter im Vergleich: Welche Fernschule passt zu dir?

Häufige Fragen zum Schüler-BAföG fürs Fernabitur

Nein, nach aktueller Gesetzeslage ist Schüler-BAföG für Fernlehrgänge nur für den Erwerb der Hochschulreife (Abitur) vorgesehen. Für den Hauptschulabschluss oder den Realschulabschluss per Fernschule gibt es kein Schüler-BAföG. Deine Eltern bekommen aber ggf. Kindergeld, und du könntest einen Bildungsgutschein über die Agentur für Arbeit beantragen.

Für die ersten 6 Monate deines Fernabiturs besteht kein Anspruch auf Schüler-BAföG. Mögliche Alternativen für diese Zeit: Kindergeld (unter 25 Jahre), ein Bildungskredit der KfW, oder ein Minijob neben dem Lernen. Du darfst bis zur Minijob-Grenze dazuverdienen, ohne dass es auf ein späteres BAföG angerechnet wird.

Grundsätzlich nein. Für Schüler-BAföG beim Fernabitur musst du einen eigenen Haushalt führen. Es gibt wenige Ausnahmen – etwa wenn die Ausbildungsstätte zu weit vom Elternhaus entfernt ist. Beim Fernunterricht greift diese Ausnahme aber in der Regel nicht. Wende dich im Zweifel an dein zuständiges BAföG-Amt.

Ja, aber mit Einschränkungen. Das Amt erwartet, dass du dich in den letzten 12 Monaten voll auf den Kurs konzentrierst. Arbeiten ist bis zur Freibetragsgrenze von 556 € pro Monat (ab 2026: 603 €) möglich, ohne dass es auf das BAföG angerechnet wird. Ein Minijob ist also in der Regel kein Problem.

Ja – und dort sogar unter besseren Bedingungen als beim Fernabitur. Am Abendgymnasium oder Kolleg gibt es Schüler-BAföG ab dem ersten Tag, nicht erst in den letzten 12 Monaten. Außerdem ist die Ausbildung selbst kostenlos. Wenn die Finanzierung ein entscheidender Faktor für dich ist, kann ein Abendgymnasium oder Kolleg die bessere Wahl sein.

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