Zeitmanagement im Fernstudium: Das sagen Experten über die Methoden & Wirkung im Studium
Ein Fernstudium bietet die Chance, flexibel und ortsunabhängig zu lernen – doch genau diese Freiheit erfordert ein hohes Maß an Selbstorganisation. Insbesondere das Zeitmanagement stellt viele Studierende vor Herausforderungen, da Beruf, Familie und Studium unter einen Hut gebracht werden müssen.
Christian hat in vielen Folgen von fernstudi.fm mit erfahrenen Persönlichkeiten aus dem Bildungsbereich gesprochen: Studimentorin Manuela Gnann, Produktivitäts-Spezialistin Patricia Findel, Dr. Tim Reichel vom Studienscheiss-Verlag, Prof. Dr. Daniela Voigt von der SRH Fernhochschule, Dr. Julia Simon von der Akademie für Aus-, Fort- und Weiterbildung am Klinikum Nürnberg sowie Lerncoach Gabriel Gorbach teilten ihre Erkenntnisse und Tipps.
Die Experten und Expertinnen gaben praxisnahe Einblicke in zentrale Aspekte wie Zielsetzung und Motivation, die Anwendung etablierter Methoden wie des Pareto-Prinzips oder der IVY-Lee-Methode sowie den kritischen Umgang mit Tools und Routinen. Weitere Themen waren die Bedeutung von Selbstfürsorge und Pufferzeiten, der Umgang mit Prokrastination sowie konkrete Strategien zur Integration des Studiums in den beruflichen und privaten Alltag.
Inhalt:
00:00:00 Intro
00:02:26 Manuela Gnann über Motivation und Zielsetzung im Fernstudium
00:05:04 Patricia Findel über die Bedeutung von Routinen und Selbstdisziplin
00:15:27 Tim Reichel über das Pareto-Prinzip und die 5-Minuten-Regel
00:24:58 Daniela Voigt über Burnout-Prävention und Selbstfürsorge
00:28:51 Julia Simon über effektive Lernmethoden und Konzentrationstechniken
00:45:58 Gabriel Gorbach über die 3DW-Methode und effizientes Lernen
Die Gäste im Internet:
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Die Podcasts mit unseren Experten im Überblick:
👉 "Schneller lernen im Studium" mit Gabriel: https://www.fernstudi.net/podcast/1
👉 "Zeitmanagement-Methoden ungeeignet fürs Fernstudium?" mit Patricia Findel: https://www.fernstudi.net/podcast/6
👉 "Trotz Doppelbelastung schnell studieren" mit Gabriel: https://www.fernstudi.net/podcast/10
👉 "Alles über Motivation im Fernstudium" mit Manuela: https://www.fernstudi.net/podcast/15
👉 "Mehr Produktivität im Fernstudium" mit Tim: https://www.fernstudi.net/podcast/18
👉 "Alles über Burnout im Studium! Symptome, Bewältigung etc." mit Daniela Voigt: https://www.fernstudi.net/podcast/20
👉 "Selbstzweifel & Prüfungsangst im Studium überwinden" mit Gabriel: https://www.fernstudi.net/podcast/21
👉 "Skripte im Fernstudium schnell & effizient lernen" mit Gabriel: https://www.fernstudi.net/podcast/22
👉 "Wie man alles unter einen Hut bekommt" mit Gabriel: https://www.fernstudi.net/podcast/30
👉 "So gelingt effizientes Zeitmanagement" mit Julia: https://www.fernstudi.net/podcast/34
👉 "Toxische Menschen in der Arbeitswelt - Wie wir uns schützen können" mit Daniela Voigt: https://www.fernstudi.net/podcast/37
👉 "Wie du KI im Studium optimal nutzt" mit Patricia Findel: https://www.fernstudi.net/podcast/48
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Christian begrüßt die Zuhörer zur Kompilationsfolge über Zeitmanagement im Fernstudium. In dieser Folge kommen verschiedene Experten zu Wort, die in früheren Podcast-Episoden über ihre Erfahrungen und Methoden gesprochen haben: Manuela Gnann zu den Grundlagen des Zeitmanagements beim Studienstart, Patricia Findel zur kritischen Hinterfragung klassischer Zeitmanagement-Methoden, Tim Reichel zum Pareto-Prinzip, Daniela Vogt zu Prokrastination und psychosozialer Beratung, Dr. Julia Simon zu Zeitmanagement im Fernstudium sowie Gabriel Gorbach zur Integration des Studiums in den Alltag.
Planung, Zielsetzung und Pufferzeiten
Manuela Gnann betont die Bedeutung einer realistischen Planung zu Beginn des Studiums. Man müsse zunächst ehrlich zu sich selbst sein und prüfen, wie viel Zeit tatsächlich zur Verfügung stehe – unter Berücksichtigung von Job, Familie, Pendeln und Ehrenamt. Sie empfiehlt ausdrücklich, großzügige Pufferzeiten einzuplanen: „Ich bin tatsächlich großer Fan von Pufferzeiten, dass man schon bei der Planung, schon bei seinem eigenen Zeitmanagement sich bewusst macht, hey, ich brauche einfach einen bestimmten Puffer." Dazu gehöre auch die Zeit für Rückantworten, Gruppenarbeit-Abstimmungen und das Gegenlesen von Hausarbeiten durch Dritte. Module liefen unterschiedlich gut, weshalb Flexibilität bei der Zeiteinteilung entscheidend sei.
Kritik am Begriff „Zeitmanagement" und individuelle Herangehensweisen
Patricia Findel stellt die grundsätzliche Frage, ob der Begriff „Zeitmanagement" überhaupt passend sei. Zeit lasse sich nicht managen – sie laufe einfach ab. Besonders für berufsbegleitend Studierende sei der klassische Produktivitätsansatz, immer mehr in die vorhandene Zeit zu packen, der falsche Weg: „Besonders als berufsbegleitender Student hast du überhaupt gar nicht die Möglichkeit, noch mehr reinzupacken, weil dann kannst du direkt warten, direkt danach kommt dann irgendwie der Burnout." Statt Methoden blind auszuprobieren, empfiehlt sie, zunächst zu verstehen, wie das eigene Gehirn funktioniert – wann man leistungsfähig sei und wann nicht. Von diesem Verständnis aus könne man dann gezielt eine passende Methode wählen, statt zwanzig verschiedene durchzutesten.
Tools und Selbstorganisation
Christian beschreibt seine eigene minimalistische Herangehensweise: Notizzettel für die wichtigsten Tagesaufgaben, ein Kalender und gelegentlich Notion oder OneNote für Wissensstrukturierung. Patricia Findel teilt diesen Ansatz und betont, das System müsse so einfach wie möglich sein – egal ob Papier oder digital. Für das Studium selbst empfiehlt sie allerdings spezialisierte Tools wie ClickUp für die Organisation von Hausarbeiten und Abschlussarbeiten sowie Workona für die Verwaltung von Browser-Tabs und Webadressen: „Bei solchen Tools kann man sich total schnell verzetteln mit all dem ganzen Gedöns." Deshalb erstelle sie fertige Templates, damit Studierende nicht erst stundenlang das Tool lernen müssten. Beide warnen davor, die Beschäftigung mit Tools als Prokrastination zu missbrauchen. Auch Siri-Erinnerungen auf dem iPhone werden als praktisches Werkzeug genannt, um Gedanken schnell abzulegen und am nächsten Morgen wieder aufzugreifen.
Das Pareto-Prinzip
Tim Reichel erklärt das Pareto-Prinzip: 20 Prozent des Inputs seien für 80 Prozent des Outputs verantwortlich. Übertragen auf das Studium bedeute das, dass ein kleiner Teil der Lerninhalte den größten Einfluss auf den Prüfungserfolg habe. Er betont, das Prinzip könne sogar extremer ausfallen – bis hin zu einem Verhältnis von 1:99. Die wirklich wirkungsvollen Aufgaben seien häufig die unangenehmen, die man aufschiebe: „Hätte ich auch eine Stunde ekelhafte Arbeit machen können und hätte 80 Prozent rausgeholt." Das Pareto-Prinzip verschaffe beim Priorisieren einen „unfairen Vorteil", weil man erkenne, welche Aufgaben keinen Wert hätten – auch wenn sie einfach zu erledigen seien. Christian ergänzt, man solle seine Lernaktivitäten kritisch analysieren: Lohne sich etwa das Schreiben von Karteikarten, oder sei es effizienter, direkt aus dem Skript zu lernen?
Tim Reichel weist darauf hin, dass das Pareto-Prinzip auch gegen übertriebenen Perfektionismus helfen könne. Es gebe Aufgaben, bei denen 80 Prozent nicht ausreichten – etwa in der Medizin oder beim Brückenbau. Doch wer fünf Stunden für die perfekte Beschriftung von Ordnerrücken aufwende, verschwende seine Zeit. Das Prinzip diene als Denkmodell und Entscheidungshilfe: „Das Pareto-Prinzip kann erster Ansatzpunkt sein, um da mal gegenzusteuern, weil das halt auch wirklich ein theoretisch fundiertes Modell ist."
Eat the Frog
Manuela Gnann erläutert die Methode „Eat the Frog": Die unangenehmste, schwierigste Aufgabe solle man als Erstes am Tag erledigen, weil die Willenskraft morgens am größten sei. Nach der Bewältigung gebe das zusätzliche Energie für den restlichen Tag: „Wenn ich die dann geschafft habe, dann gibt's mir das total viel Energie und Power noch für den Tag." Christian räumt ein, dass berufsbegleitend Studierende mit Familie die Methode flexibel anpassen müssten – etwa nach der Morgenroutine mit Kindern oder an Wochenenden und Urlaubstagen, an denen ganze Lerntage zur Verfügung stünden.
Die ALPEN-Methode
Manuela Gnann stellt die ALPEN-Methode vor, ein Akronym für: Aufgaben ordnen, Länge abschätzen, Pufferzeiten einplanen, Entscheidungen treffen und Nachkontrolle durchführen. Man schreibe alle anstehenden Aufgaben auf – sowohl studien- als auch alltagsbezogene – und schätze den Zeitbedarf ab. Sei die verfügbare Zeit knapper als die Summe der Aufgaben, müsse man priorisieren. Christian merkt an, die Methode eigne sich besonders für die Planung ganzer Semester oder Prüfungsphasen, erfordere aber eine gewisse Erfahrung, da man im ersten Semester den Zeitbedarf noch schlecht einschätzen könne. Beide betonen, man solle sich nicht überorganisieren – viele dieser Schritte liefen ohnehin unbewusst im Kopf ab.
Die Eisenhower-Matrix
Manuela Gnann erläutert das Eisenhower-Prinzip: Aufgaben werden in vier Kategorien eingeteilt – wichtig und dringend (selbst sofort erledigen), wichtig, aber nicht dringend (terminieren), dringend, aber nicht wichtig (delegieren) sowie weder wichtig noch dringend (streichen). Als Beispiel für eine wichtige und dringende Aufgabe nennt sie die fristgerechte Rückmeldung zum neuen Semester, während das Fensterputzen während der Prüfungsphase in die Kategorie „streichen" falle. Christian hebt die Fähigkeit zum Delegieren als wichtige Kompetenz hervor. Manuela Gnann ergänzt, dass mangelndes Delegieren häufig mit Perfektionismus zusammenhänge: „Da steckt häufig dahinter, dass man niemand anderem zutraut, dass er irgendwie was macht, weil man eine bestimmte Vorstellung hat, wie eine Aufgabe erledigt sein muss."
Die Ivy-Lee-Methode
Manuela Gnann beschreibt die Ivy-Lee-Methode als eine ihrer Lieblingsmethoden. Am Ende eines Arbeitstages schreibe man alle unerledigten Aufgaben auf und priorisiere sie für den nächsten Tag. Der Vorteil liege darin, dass man abends noch im Thema sei und sich nicht am nächsten Morgen erst wieder eindenken müsse. Die wichtigsten Aufgaben erledige man dann als Erstes – in Kombination mit der Eat-the-Frog-Methode. Sie betont: „Alles, was auf dem Papier ist, ist aus dem Kopf. Ich kann vielleicht auch besser in den Feierabend gehen." Christian bestätigt, dass er ähnlich vorgehe – mit kleinen Zetteln, die er sich auf den Schreibtisch lege, oder mit Erinnerungen im Handy.
Prokrastination als eigentliches Problem
Daniela Vogt relativiert die Bedeutung von Zeitmanagement-Methoden und identifiziert Prokrastination als das zentrale Problem. Viele Studierende glaubten, ihr Problem sei schlechtes Zeitmanagement oder Perfektionismus – doch hinter den Kulissen zeige sich oft etwas anderes: „Diese Aufschieberitis ist das viel größere Problem als Zeitmanagement, weil wir sind erwachsene Leute, wir schaffen das, wenn wir uns einen Termin eintragen." Das eigentliche Hindernis sei, nicht anzufangen. Sie vergleicht es mit ihrer eigenen Diplomarbeit, während derer sie ständig die Wohnung geputzt und das Auto gewaschen habe. Ein einfacher Trick gegen das Aufschieben sei, Erholungs- und Entspannungstermine fest in den Kalender einzutragen – das Gehirn halte sich dann eher daran.
Aktive Erholung und soziale Aktivitäten
Christian betont die Bedeutung aktiver Erholung im Gegensatz zum passiven Konsum. Statt auf der Couch zu liegen und Netflix zu schauen, solle man bewusst Aktivitäten wählen, die wirklich erholsam seien – etwa Saunabesuche, Hobbys wie Fotografie, die gleichzeitig Bewegung und Konzentration förderten, oder soziale Treffen. Wichtig sei, diese Erholungszeiten aktiv im Kalender zu verplanen: „Heute mache ich diesen aktiven Erholungstag oder was auch immer."
Regelmäßiges Lernen und Lerneinheiten
Gabriel Gorbach plädiert für regelmäßiges, tägliches Lernen statt langer Lernmarathons. Statt freitags und samstags jeweils acht Stunden zu büffeln, solle man lieber montags bis freitags jeweils eine Stunde lernen – insgesamt weniger Zeitaufwand, aber ein deutlich größerer Lerneffekt. Für Berufstätige empfiehlt er feste Lerneinheiten mit Timer: „Eine Stunde zu lernen und dann hört man aber auch auf, auch wenn man jetzt noch motiviert ist." Das habe einen psychologischen Grund: Wie man das Lernen beende, beeinflusse die Einstellung zum nächsten Mal. Wer immer erst aufhöre, wenn die Energie verbraucht sei, programmiere sich negativ. Wer dagegen motiviert aufhöre, finde leichter wieder den Einstieg. Am Wochenende könne etwas mehr gelernt werden, doch mindestens ein Tag solle der Erholung dienen.
Leerlaufzeiten nutzen und passives Lernen
Christian und Gabriel Gorbach diskutieren, wie sich Leerlaufzeiten im Alltag für das Studium nutzen lassen. Podcasts zum Studienthema, YouTube-Kanäle, Hörbücher oder Audio-Zusammenfassungen über Dienste wie Blinkist könnten beim Pendeln, Kochen oder Joggen gehört werden. Gorbach berichtet von einem Kunden, der monatlich 5.000 Kilometer Auto fahre und seine Lernzeit am Schreibtisch drastisch reduziert habe, indem er sich selbst aufgenommene Audio-Zusammenfassungen seiner Skripte im Auto anhöre: „Wenn er dann zum Skript geht, das Ganze lernt, ist überall so: Ja, passt, kenne ich schon." Dabei solle man allerdings nicht das gesamte Skript Wort für Wort vorlesen, sondern sich auf das Wichtigste konzentrieren und es interaktiv gestalten. Gorbach rät davon ab, jede freie Minute zum Lernen zu nutzen – etwa fünf Minuten an der Bushaltestelle: „Ich bin vielleicht eher nicht so der Fan davon, jetzt jede Minute oder so etwas zu nützen."
Mentale Organisation und Perfektionismus
Christian spricht das Thema mentale Organisation an: Vor Studienbeginn solle man sich bewusst machen, welchen Notenschnitt man realistisch anstrebe. Für die meisten berufsbegleitend Studierenden sei ein Einser-Schnitt neben einem Vollzeitjob kaum erreichbar – und das Abrücken von diesem Perfektionismus könne das Studium deutlich erleichtern. Gabriel Gorbach sieht gute Noten dennoch als sinnvolles Ziel, weil die Fähigkeiten, die man dafür entwickle, an sich wertvoll seien.
Umgang mit Prüfungsangst und der Wenn-dann-Plan
Gabriel Gorbach stellt den sogenannten „Wenn-dann-Plan" vor – eine Methode gegen dysfunktionale Gedanken und Prüfungsangst. Wenn belastende Gedanken auftreten wie „Das ist so viel, wie soll ich das ganze schaffen?", reagiere man mit einem bewussten Pattern Interrupt – etwa einem Fingerschnippen – und formuliere dann positiv: „Ich werde das Ganze können. Ich habe jetzt eine deutlich bessere Lerntechnik." Er erklärt, dass nicht nur das aufgenommene Wissen, sondern auch die Fähigkeit, es in der Prüfungssituation abzurufen, entscheidend sei. Nervosität blockiere den Zugriff auf vorhandenes Wissen. Christian bestätigt dies mit seinem eigenen Beispiel einer Trainerlizenzprüfung, bei der er bewusst entspannt geblieben sei: „Was soll denn passieren? Selbst wenn ich da durchfallen würde – ich lebe weiter, mein Leben geht weiter." Als Ergänzung schlägt er vor, die positive Formulierung im Wenn-dann-Plan mit einer bewussten körperlichen Entspannung zu kombinieren, um den Effekt in der Prüfungssituation zu verstärken.

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