Zeitmanagement-Methoden eignen sich nicht fürs Fernstudium? – Patricia Findel im Interview

In Podcast 6 spricht Christian mit Zeitmanagement-Expertin Patricia Findel vom @rockyourstudium darüber, warum sich klassische Zeitmanagement-Methoden nicht immer für Fernstudierende eignen. Christian und Patricia reden über die Eisenhower-Methode, die ALPEN-Methode, Pomodoro und viele andere Themen rund um Selbstorganisation im berufsbegleitenden Studium. Natürlich erzählt Patricia auch, welche Methode sich fürs Fernstudium besser eignet. Außerdem erzählt Patricia ausführlich über ihren eigenen interessanten Bildungsweg.

Inhalt:

00:00:00 Vorschau
00:01:37 Schönen guten Tag
00:03:13 Kann man Zeit überhaupt „managen“?
00:08:24 Patricia über ihren Werdegang
00:10:55 Patricia über das Studium an der FOM
00:21:41 Über das Eisenhower-Prinzip
00:28:51 Über die ALPEN-Methode
00:35:33 Über das Pareto-Prinzip
00:37:34 Über die Pomodoro-Technik
00:43:05 Über Eat the frog
00:44:59 Welche Methode ist für Fernstudierende geeignet?
00:51:17 Warum es wichtig ist, NEIN zu sagen
01:03:28 Tools für Zeitmanagement im Überblick
01:10:55 Deep Work – fokussierter Lernen

Patricia im Internet:

➡️ Website: https://www.rockyourstudium.de
➡️ Youtube: https://www.youtube.com/channel/UCgPZYzDtkwk1EDmAbEi8A6Q
➡️ Instagram: https://www.instagram.com/rockyourstudium/
➡️ Facebook: https://www.facebook.com/rockyourstudium
➡️ LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/patricia-findel-ll-m-b3a788b0/

Im Podcast erwähnt:

👉 Getting Things Done (GTD) https://de.wikipedia.org/wiki/Getting_Things_Done
👉 Tim Ferriss: Die 4-Stunden-Woche https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1034834674
👉 ClickUp: https://clickup.com/
👉 Workona: https://workona.com/
👉 Notion: https://www.notion.so
👉 Studium organisieren: Tutorial für Notion in 45 Minuten – Todos, Notizen, Literaturverwaltung & mehr https://www.youtube.com/watch?v=PGu0QWjhlhw
👉 Aktuelles Buch von Christian: https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1062789139
👉 Cal Newport: Deep Work: Rules for Focused Success in a Distracted World https://www.thalia.de/shop/home/suggestartikel/A1045528497

Christian: So, Patricia, dann willkommen im Podcast! Ich freue mich, dass du da bist und dass wir jetzt über das spannende Thema Zeitmanagement reden können.

Patricia: Vielen Dank für die Einladung, finde ich super!

Christian: Deine These ist ja so ein bisschen, dass sich die klassischen Zeitmanagement-Methoden nicht ganz so richtig oder nicht wirklich gut für Fernstudierende oder für Leute, die berufsbegleitend studieren, eignen. Darüber wollen wir jetzt so ein bisschen in diesem Podcast reden. Ich will das mal, bevor wir loslegen, so eine ganz kleine These von mir in den Raum werfen. Eigentlich wollte ich dich ja jetzt ganz zu Anfang fragen, wie kommst du zum Thema Zeitmanagement, aber ich glaube, das wird sich auch gleich ergeben, wenn wir so ein bisschen über deinen Bildungsgang reden.

Christian: Meine These: Beim Spazierengehen ist mir aufgefallen, dass ein paar Bäume schon ihre Blätter verlieren. Wir haben jetzt Spätsommer, die Jahreszeit wechselt gerade, und dann bin ich jetzt auch endlich beim Thema meiner These. Da steckt ja auch das Wort Zeit drin. Und dann habe ich mir so überlegt: Zeit, wie soll man das denn eigentlich managen? Das ist doch eigentlich etwas, was passiert, was abläuft. Die Uhrzeit ist ja eigentlich auch so ein Gedankenkonstrukt, und wie soll man das denn managen? Irgendwie passt das ja nicht so richtig zusammen. Ist das eigentlich ein adäquater Begriff für das, worüber wir jetzt reden wollen?

Patricia: Eigentlich, ohne dass ich mir genau diese Gedanken vorher darüber gemacht habe, sprichst du damit ein ziemlich gutes Thema an. Weil mit dem Management hast du vollkommen recht, natürlich kann ich meine Zeit managen, und vor allen Dingen im Thema Produktivität geht es immer darum, ich packe da irgendwie gefühlt immer mehr in meine Zeit rein und muss halt gucken, dass das möglichst bestgenutzt ist. Aber das ist halt auch so die Sache, wo ich sage: Super, besonders als berufsbegleitender Student hast du überhaupt gar nicht die Möglichkeit, noch mehr reinzupacken, weil dann kannst du direkt warten, direkt danach kommt dann irgendwie der Burnout, das hältst ein halbes Jahr durch, und dann bist du selber auch durch.

Patricia: Deswegen Zeitmanagement, ja, klar gibt es Zeitmanagement-Methoden, aber ich finde, der Ansatz für berufsbegleitende Studierende ist irgendwo falsch. Deswegen nehme ich mir auch so die eine oder andere Zeitmanagement-Methode mal vor und hinterfrage das Ganze mal. Ich versuche eigentlich den Ansatz zu finden, erstmal zu gucken: Wie funktioniere ich als Mensch? Wie funktioniert mein Gehirn? Und wenn ich weiß, wie das funktioniert, dann habe ich so ein eingebautes Zeitmanagement in mir selber, wo ich halt weiß: Folgende Sachen stehen im Laufe des Tages vor mir, das muss ich alles irgendwie bewältigt kriegen. Abends kann ich halt jetzt nichts groß Kognitives mehr machen, wenn ich vorher den ganzen Tag gearbeitet habe. Also weiß ich dadurch, wie es funktioniert, dass ich da irgendwas tun muss.

Christian: Genau, also Biorhythmus spielt da eigentlich auch so ein bisschen rein. Aber gehen wir vielleicht erstmal ein bisschen auf deinen Bildungsweg, um auch mal zu schauen, wie du auf dieses Thema gekommen bist. Auf deiner Webseite RockYourStudium.de findet man relativ schnell raus, was über deine Biografie. Du hast angefangen mit einer Bankausbildung, also vermutlich eine Ausbildung zur Bankkauffrau?

Patricia: Genau, im Jahre 1999.

Christian: 99 Jahre, da habe ich gerade auch mein Abitur so um die Drehe gemacht. Da hast du angefangen eigentlich mit deinem Bildungsgang, vorher warst du in der Schule. Kannst du dich noch an deine Schulzeit erinnern?

Patricia: Schulzeit, ich war weder ein Überflieger noch sonst irgendetwas, ich habe auch meine Klasse wiederholt, muss ich gestehen, war mal ein Jahr im Ausland. Meine Schule ist irgendwann mal geschlossen worden, war am Ende auf dem Gymnasium, habe so wilde Sachen wie Latein und Griechisch gelernt. Und ich bin dann halt ein halbes Jahr Pause, ich habe erst im Februar angefangen mit der Ausbildung, weil ich zuerst ganz wild eine Bäckerlehre angefangen habe, weil mein Bruder ist Konditormeister. Ich wollte Bäcker werden. Das habe ich genau einen Monat durchgehalten und gesagt, nee, irgendwie, weder mit dem Frühaufstehen noch mit dem, ich brauche irgendwas Kognitives zum Arbeiten. Und dann habe ich halt bei der Bank angefangen.

Christian: Okay, dann hast du eine Ausbildung gemacht, Abitur hast du gemacht, dann danach hast du gleich eine Aufstiegsfortbildung gemacht zur Bankfachwirtin?

Patricia: Genau. Das war mein Gedanke, heute würde ich das anders machen. Deswegen habe ich ja hinterher mit dem Bankbetriebswirt auch weitergemacht, den ich übrigens, muss ich ehrlich dazu sagen, nicht abgeschlossen habe. Ich habe die letzte Klausur geschrieben und habe drei aus fünf bestanden und habe dann aber gesagt, ist mir egal, mache ich nicht, weil es eh keine Auswirkung hat auf das, was dann in der Bank bezüglich Aufstieg passiert. Aber um deine Frage zu beantworten: Es war genau so, dass ich eigentlich gedacht habe, um schneller voranzukommen, machst du halt so eine Ausbildung. In dem Sinne erstmal drei Ausbildungen so nacheinander eigentlich gemacht.

Christian: Und dann hast du irgendwann einen Bachelor gemacht in International Management, aber nicht im Fernstudium?

Patricia: Nein, das habe ich live vor Ort in Hannover gemacht. Die FOM hatte erst ein Semester oder zwei Semester davor überhaupt in Hannover einen Standort. Ich habe den Bus gesehen und mir so gedacht, du könntest ja mal wieder, ist schon so viel Zeit dazwischen, und dann habe ich an der FOM angefangen.

Christian: Präsenzstudium dann allerdings. Die FOM, die Fachhochschule für Ökonomie und Management, tatsächlich auch lange die größte private Hochschule in Deutschland gewesen. Um die 50.000 Studierende müssen es mittlerweile sein, da ist jetzt die IU vorbeigezogen mit ihren 80.000, 90.000 Studierenden. Aber trotzdem eine riesige Hochschule mit super vielen Standorten in ganz Deutschland verteilt, auch mit sehr interessanten Zeitmodellen. Was hattest du da für ein Zeitmodell gewählt?

Patricia: Also bei mir war das das Abendstudium oder Samstagsstudium. Ursprünglich gab es damals sogar noch die Open Business School, wo man den Fachwirt und ähnliches hätte anrechnen können, aber dann brauchst du halt mindestens zehn Leute, die das machen. Das hat halt nicht funktioniert. Bin ich im Nachhinein sehr froh drüber, dass ich mit dem Studium von vorne angefangen habe. Und das war dann halt das Freitagsmodell und das Samstagsmodell, genauso wie ich es im Master dann halt weitergemacht habe, wobei da war noch ein Termin unter der Woche, allerdings alle zwei Wochen.

Christian: Wie denkst du jetzt Abendstudium versus Fernstudium? Kannst du da irgendwie eine Empfehlung geben?

Patricia: Also es kommt ein bisschen drauf an, wie ich selber gestrickt bin. Beim Fernstudium musst du unglaublich diszipliniert sein, und mit der Disziplin kannst du nicht erst während des Fernstudiums anfangen. Wenn du von Haus aus jemand bist, der nur von der Schule gestrickt worden ist und dort immer Vorgaben bekommen hat, dann fällt dir das ziemlich schwer, in so einen Bereich reinzukommen. Vor allen Dingen wenn wir jetzt bei der FernUni Hagen als Beispiel bleiben, da wird man schon mit ganz vielen Sachen relativ alleine gelassen.

Patricia: Es ist deutlich einfacher bei einem Präsenzstudium, sich aufzufinden, dorthin zu gehen und sich den Unterricht direkt live anzuhören, als sich da selber hinsetzen zu müssen. Also ich sehe das manchmal auf Instagram, die ganzen Leute, die da wirklich fleißig sich jeden Abend hinsetzen oder in jeder freien Minute und dann irgendetwas machen, das ist verdammt schwer, wenn man das vorher noch nie gemacht hat. Und da würde ich auch, egal wofür ich mich entscheide, alles vorher immer einmal ausgetestet haben. Ich glaube, es ist viel wichtiger, sich bei einer Fernuni vorher einmal anzugucken, wie wäre das jetzt, wenn ich das mache. Vielleicht gibt es da auch mal ein Schnupperstudium, wo ich das mal ein Semester austesten kann.

Christian: Ja, das ist ein sehr guter Tipp, den habe ich ja auch schon öfter gegeben. Man hat ja zum einen die Probemonate zumindest bei den privaten Hochschulen, man kann an der FernUni Hagen das Akademiestudium nutzen, da kann man wirklich mal über ein Semester ausprobieren. Also das auf jeden Fall mal ausprobieren und mit dem ersten Semester mal damit rechnen, dass man vielleicht den Studiengang wechselt oder vielleicht sogar das Studienmodell wechselt.

Christian: Generell vielleicht noch eine Frage zur FOM, die Qualität des Studiums. Kannst du da vielleicht eine Einschätzung geben?

Patricia: Einen direkten Vergleich mit einer staatlichen Uni kann ich so jetzt nicht geben. Aber was man bei einer FOM überhaupt nicht unterschätzen darf, ist, was für Koryphäen sich da einsetzen. Ich weiß noch, mein erster Master Mergers and Acquisitions, der erste Professor war ehemaliger Chief Investment Officer von der Züricher Versicherung, der sich dann da hinstellt vor sechs Leute, wir waren halt sechs in der Vorlesung, und dazu Mergers and Acquisitions erzählt, und zwar direkt an seinen Beispielen, die er aus seiner Berufspraxis hatte. Das kriegt man sonst nicht zu sehen. Da wird die FOM ihrem Ruf, sie ist eine Fachhochschule und somit aus der Praxis für die Praxis, absolut gerecht.

Christian: Dann hast du noch zweimal an der FOM studiert, einmal den Master Mergers and Acquisitions oder Unternehmensrecht und jetzt bist du noch an der FOM und machst dort den Master of Science in Marketing and Communications?

Patricia: Genau richtig, ich habe mir gedacht, wenn ich mich selbstständig mache, macht ein bisschen Wissen in Sachen Marketing sich da vermutlich gut, also studiere ich einfach mal weiter. Ich lasse mich eigentlich ganz gerne neue Dinge beibringen.

Christian: Sehr schön, das ist auch ein schönes Beispiel für jemanden, der aus so einer intrinsischen Motivation heraus lernt und studiert. Du hast auch einzelne Module an der FernUni Hagen gemacht, und daran sieht man ja schon wirklich einen sehr interessanten Bildungsverlauf, immer berufsbegleitend. Und ich denke mal, das prädestiniert dich dann eben auch für das Thema Zeitmanagement. Da wollen wir jetzt mal ein bisschen einsteigen.

Christian: Also wir reden jetzt mal so ein bisschen über die klassischen Zeitmanagement-Methoden. Die allererste, die ich nennen möchte, ist das Eisenhower-Prinzip. Vielleicht reden wir ganz kurz drüber, was sagt diese Methode aus und warum ist die ungeeignet?

Patricia: Ich glaube, über die Eisenhower-Methode habe ich noch nie was geschrieben, deswegen kann ich noch gar nicht sagen, ob sie ungeeignet ist oder nicht, das werden wir jetzt herausfinden. Eisenhower ist ja die Methode mit den vier Quadranten, wo du aufteilst nach dem, was dringend ist und wichtig ist. Dringend und wichtig musst du natürlich gleich bearbeiten. Was ich ganz kritisch sehe im berufsbegleitenden Studium: Wenn du Zeitmanagement-Methoden hast, wo du von vorne nach hinten alles durchorganisieren musst, alles durchpriorisieren, und wenn dann irgendwas dazwischenkommt, musst du das Ganze neu machen.

Patricia: Lange Rede kurzer Sinn, was ich halt wirklich schwierig finde: So Methoden, die wirklich alles von vorne bis hinten, also jeden einzelnen Tag, jeden Task, den du hast, aufteilen. Weil das im Umkehrschluss dazu führt, dass du dich echt schlecht fühlst, weil immer was hinten runterfallen wird, und dann hast du jeden Abend das Gefühl, ich bin nicht fertig geworden. Bei der Eisenhower-Methode ist es schon gut zu wissen, was dringend und wichtig ist. Die Frage ist, muss ich mit diesem Tool jeden Tag arbeiten oder einmal die Woche.

Christian: Also bei dieser Eisenhower-Methode, die klingt natürlich erstmal interessant, man hat hier einfach so eine Matrix, wo man die Dinge einordnen kann. Was vielleicht ganz sinnvoll ist an dieser Methode: dass man einfach lernt, das einzuschätzen, ist das jetzt wirklich dringend, ist das jetzt wirklich wichtig oder nicht.

Patricia: Wobei da würde ich noch nicht mal hundert Prozent zustimmen, weil die Matrix ist sehr generisch. Wenn du jetzt jemanden nimmst, der von Priorisierung so Medium Ahnung hat, der lernt damit halt auch nicht, richtig einzuordnen. Da gibt es zum Beispiel ein anderes Beispiel, wie man einordnen kann, wie wichtig jetzt ein Task ist: Wenn man versucht, den Geldwert zuzuordnen. Also man sagt, dieser Task wäre potenziell 10 Euro wert, der andere wäre 100 Euro wert. So ist es einfacher zuzuordnen.

Christian: Das merke ich mir auf jeden Fall mal, das probiere ich mal im Alltag aus. So, das war die erste Methode, das Eisenhower-Prinzip. Kommen wir mal zur zweiten Methode, das ist die sogenannte ALPEN-Methode. A steht für Aufgaben, die man sich notieren soll, L steht für die Länge, also für die Schätzung, P steht für Pufferzeiten einplanen, E steht für Entscheidungen treffen und N für Nachkontrolle.

Patricia: Wenn ich mir schon rauslesen muss, was das Akronym einer Zeitmanagement-Methode bedeutet, ist es schon zu kompliziert. Pufferzeiten ist eine wichtige Sache, aber das ist so ziemlich das Einzige, was ich aus der Methode mitnehmen würde, weil die häufig unterschätzt werden, vor allen Dingen im berufsbegleitenden Studium. Eigentlich im Grunde genommen: Du hast keine Zeit, aber du musst dir eigentlich dafür, dass du keine Zeit hast, viel mehr Pufferzeit einplanen als jemand anders, der normal studiert.

Christian: Was für mich zum Beispiel interessant ist, ist das Länge-Schätzen. Das ist ein Task, den ich auch aus dem Projektmanagement kenne. Das andere ist, Entscheidungen zu treffen. Und dann hast du das Parkinsonsche Gesetz erwähnt, das ja sagt, dass sich Arbeit genau in dem Maße ausdehnt, wie viel man dafür zur Verfügung hat. Also wenn ich mir sage, ich brauche für dieses Studienskript zwei Monate, dann brauche ich da auch zwei Monate. Aber wenn ich mir sage, ich kann das auch in einer Woche schaffen, dann schaffe ich das in einer Woche.

Christian: Also das Pareto-Prinzip, 80 Prozent der Ergebnisse kann man mit 20 Prozent des gesamten Aufwands erreichen. Was sagst du dazu?

Patricia: Also Pareto, mein ganz großer Freund! Ohne Pareto wäre ich nicht durchs Studium gekommen, weil mir war es immer wichtig, ich will Spaß am Leben haben, das muss noch alles funktionieren. Ich hatte nie den Anspruch, mit 1,0 durchs Studium zu gehen. Mein Ziel war immer, besser als der Durchschnitt zu sein, hat bis auf ein oder zwei Klausuren eigentlich auch fast immer geklappt. Und wenn ich sehen muss, dass irgendwie 80 Prozent, die ich noch an Arbeit investieren müsste, nur 20 Prozent der Note ergeben, da muss man sich seine Kriege genau auswählen.

Christian: Dann haben wir noch die Pomodoro-Technik, wo man seine Zeit auf eine Art strukturiert und vielleicht auch seine Aufmerksamkeit. Kannst du dazu was sagen?

Patricia: Pomodoro wird quasi in jedem Zeitmanagement-Buch gekreuzt. Du lernst 20, 25 Minuten, machst 5 Minuten Pause, dann machst du nochmal so einen Durchgang, und dann machst du irgendwie eine längere Pause. Ziel des Ganzen ist es, dass du dich innerhalb dieser fünf Minuten so regenerierst, dass du wieder einen höheren kognitiven Zustand erreichst. Was man bedenken muss: Neben dem positiven Effekt der Unterbrechung gibt es immer den negativen Effekt. Der negative Effekt einer Unterbrechung führt dazu, dass du ungefähr 8 bis 25 Minuten brauchst, um wieder ins Thema reinzukommen. Das heißt, der gesamte Erholungseffekt wird im schlimmsten Fall komplett zunichte gemacht.

Christian: Ich habe Pomodoro auch mal eine Zeit lang genutzt und ausprobiert. Ich habe keine 25 Minuten gemacht, ich habe glaube ich 35 oder 45 Minuten gemacht, und ich war wirklich super produktiv in dieser Zeit. Also ich habe Pomodoro zum Programmieren genutzt, und da konnte ich wirklich den ganzen Tag gut durchziehen damit. Wichtig ist auch, dass man wirklich alle Ablenkungen abschaltet, Browser weg, Handy aus, Tür zu, am besten abschließen.

Patricia: Das Ding ist, wenn du irgendwann mittendrin im Flow bist und dann eine Pause machen sollst, das ist halt auch irgendwie doof. Man holt sich selber von der Höchstleistung, die man rein theoretisch leisten könnte, runter.

Christian: Dann haben wir eine Technik, das ist die letzte, die wir hier ansprechen, Eat the Frog. Man versucht ganz wichtige Aufgaben so schnell wie möglich zu machen, Sachen, die man eigentlich gar nicht machen möchte.

Patricia: Generell richtig. Bitte nicht das Buch verlinken, in dem Buch steht nichts anderes drin als das, was wir jetzt einmal zusammenfassen. Zusätzlich hat es noch das Problem, dass das Ganze negativ behaftet ist. Viel sinnvoller wäre zu sagen: Ich suche mir die Aufgabe, die mich am weitesten bringt. Meistens sind halt diese Frösche auch die Aufgaben, die dich in deiner Entwicklung am weitesten bringen. Und wenn du das positiv konnotierst, ist die Wahrscheinlichkeit, dass du sie machst, viel höher.

Christian: Also ein bisschen mehr im Mindset arbeiten. So, jetzt haben wir diese ganzen klassischen Methoden durch. Was ist die Alternative? Was kann man machen?

Patricia: Also als Allererstes muss es so einfach wie möglich sein. Kompliziert ist das ganze Leben sowieso, und wenn du parallel studierst und noch arbeitest, wird es sowieso nicht besser. Das Zweite ist, am besten sich bestimmte Systeme zusammenzubauen. Ein kleines Beispiel: Wenn du morgens aufstehst, gehst du duschen und putzt dir die Zähne. Das ist in sich ein System, ein Ablauf, der kommt immer so vor. Und so was kannst du dir selber auch bauen, zum Beispiel, dass du sagst, wenn du nach Hause kommst, hast du da deine Box mit deinen Lernutensilien, die sind immer fertig, du kannst sie dir auf deinen Tisch stellen, kannst sie auspacken und anfangen zu lernen. Man reduziert quasi all die Sachen, die diesen Abrieb verursachen, Friction nennt man das.

Christian: Das ist ein sehr guter Tipp. Das was ich auch schon automatisch eigentlich seit Jahren so mache, nämlich dass man seine Umgebung so einrichtet, dass es einem möglichst leicht fällt, das Ganze zu erledigen. Ich war halt als Kind sehr unsportlich, und habe das eben so gemacht, dass ich meine Umgebung sportlich gemacht habe. Es gibt immer eine Ecke in meiner Wohnung, wo ich alles habe, was ich brauche, um schnell Sport zu machen. Und aus meinem Umfeld habe ich dann sehr oft gehört, du bist ja diszipliniert. Und dann sage ich einfach immer, nee, ich habe mir einfach mein Leben räumlich und zeitlich so eingerichtet, dass es mir wirklich super leicht fällt.

Patricia: Und es muss ja gar nicht viel sein. Manchmal hat man einfach nicht den Platz, weil man in einem kleinen Ein-Zimmer-Apartment wohnt. Wenn man die Sachen wirklich in einer Box hat und sagt, auf den Küchentisch, dann ist eine Sache von 5 Sekunden und damit ist es erledigt. Je kleiner diese Einheiten sind, die du drauf baust, desto besser. Es kommt immer die Frage: Wie stellst du sicher, dass du jeden Tag anderthalb Stunden lernst? Nächster falscher Ansatz! Du musst dich fragen, wie stellst du sicher, dass du jeden Tag fünf Minuten lernst. Weil wenn du dich da fünf Minuten hinsetzt, machst du halt weiter. Aber auch wenn du dann nur die fünf Minuten machst, merkt sich dein Unterbewusstsein: Ah, ist wirklich hingegangen, die fünf Minuten. Und wenn du das immer machst, das zu erreichen ist viel einfacher, als wenn ich mir ein viel zu hohes Ziel hinsetze.

Christian: Hast du noch was zum Hinzufügen? Man sollte sich auch wirklich kleine Ziele setzen, versuchen das irgendwie in seinen Alltag zu integrieren, sein Leben. Das Andere ist einfach Nein zu sagen zu Dingen, die irgendwie auf einen zukommen und einem dann auch irgendwie Zeit und Aufmerksamkeit klauen wollen.

Patricia: Richtig, genau. Wenn wir wieder zurückgehen auf die 168 Stunden, die dir zur Verfügung stehen: Vorher konntest du vielleicht auch alle möglichen Sachen machen, du konntest am Wochenende auf jede Party gehen. Aber es gibt bestimmte Sachen, die im Studium immer wichtiger werden. Dazu gehört auf der einen Seite Schlaf, auf der anderen Seite Sport. Und dafür muss man ganz klar bei anderen Dingen halt einfach Nein sagen.

Patricia: Einer der großen Fehler: Die Grundeinstellung bei den meisten Leuten ist Ja. Es ist nicht bei uns so von Haus aus antrainiert, dass man sagt, ich verteidige meine Zeit. Man kann immer noch hilfsbereit sein, aber man muss nicht alles machen. Wenn man diese Einstellung mal überdenkt und sagt, für jedes Mal, wenn ich Ja sage zu etwas anderem, sage ich zu mir selber Nein. Das sollte man sich auf jeden Fall, wenn man berufsbegleitend studiert, einmal mehr stellen als im normalen Leben.

Christian: Das kenne ich aus meiner eigenen Erfahrung, ich musste das auch erstmal lernen, Nein zu sagen. Ich habe dann auch eine Phase in meinem Leben gehabt, da bin ich so ein bisschen aus dem Burnout rausgekommen, da habe ich wirklich angefangen, zu allem Nein zu sagen. In meinem familiären Umfeld war das zum Beispiel so, dass ich angefangen habe, einfach nicht mehr erreichbar zu sein. Mein Telefon einfach im Flugmodus. Und das hat erstmal zu super vielen Konflikten geführt. Hast du da vielleicht einen Tipp, wie man mit Konflikten umgehen kann?

Patricia: Erstmal ansprechen, das ist ganz klar. Aber eine kleine Superpower, die man viel zu wenig macht: Um Hilfe bitten. Wenn du sagst, ich möchte das gerne, brauche dabei aber deine Hilfe. Den anderen versuchen, so ein bisschen ins eigene Boot mit reinzuholen. Dann ist der gefühlsmäßig ganz woanders, als wenn er sagt, du hast ja überhaupt gar keine Zeit mehr für mich.

Patricia: Noch ein Tipp: Es gibt so bestimmte Menschen, die saugen dich mit allem aus. Die fragen immer um Hilfe, die wollen immer was von dir. Und sobald du denen eine Antwort gibst, warum du aus irgendeinem Grund etwas nicht tun kannst, dann wirst du totgeredet, dass du am Ende doch Ja sagst. Da an manchen Stellen, eher im beruflichen Umfeld, einfach Nein sagen und dann keine Erklärung geben. Wenn du da einmal für dich in die Bresche gesprungen bist, dann bist du es meistens auch dauerhaft los.

Christian: Jetzt haben wir schon eine ganze Menge Zeit rum, aber ich würde trotzdem noch gerne über ein Thema reden: Deep Work. Also die Fähigkeit, wirklich fokussiert an etwas zu arbeiten. Mir passiert das zum Beispiel beim Programmieren, da komme ich wirklich in so einen Flow-Zustand, wo man wirklich im Fluss ist mit dem, was man tut, seine Umwelt so ein bisschen vergisst, die Zeit auch vergisst. Ich frage mich, ob man das nicht auch irgendwie auf das Lernen übertragen kann.

Patricia: Da muss man erstmal trennen: Deep Work und Flow sind zwei getrennte Ansätze. Flow kann potenziell ein Resultat aus Deep Work sein. Die deutsche Übersetzung ist konzentriertes Arbeiten. Es besagt eigentlich nur, dass man besonders hochwertiges Wissen so schnell als möglich erlernen sollte. Der Unterschied zwischen Deep Work und Shallow Work: Du nimmst dir Zeit, wo du nur an diesen Sachen arbeitest, die dich wirklich nach vorne bringen.

Patricia: Es gibt die Theorie von Cal Newport, der besagt, man kann im Laufe eines Tages sowieso nur vier bis maximal fünf Stunden wirklich in einem voll konzentrierten Zustand arbeiten. Wenn man zum Beispiel voll konzentriert an einer Hausarbeit arbeiten will, sollte man sich schon einen Block setzen von so um die zwei Stunden, wo man sich ohne Unterbrechung rein findet in das Problem, sich von allem abschottet und sich nur um diese Sache kümmert.

Christian: Also das ist dann sozusagen Next Level für all das, was wir jetzt so am Anfang genannt haben. Ich habe immer sehr gerne geschrieben, auch im Studium, und das ist eigentlich auch etwas, wo ich immer in so einen Deep-Work-Zustand gekommen bin. Und bei meinem allerersten Roman habe ich so gemacht, dass ich vor dem Schreiben immer erstmal meditiert habe, um meine Gedanken frei fließen zu lassen zu einem bestimmten Thema. Und dann kam das Thema einfach, und dann habe ich wirklich super konzentriert eine Stunde lang einfach den Text runtergeschrieben.

Patricia: Genau, und das funktioniert auch beim Studium. Widerspricht natürlich dem, was ich vorhin gesagt habe, dass man möglichst kleine Einheiten machen soll. Aber das eine ist, sich daran zu gewöhnen, generell ein Studierender zu werden und regelmäßig zu lernen. Und das andere ist, okay ich muss etwas erledigen, und sich am Wochenende mal zwei Stunden hinzusetzen und sich wirklich voll zu konzentrieren. Diese zwei Stunden werden unterm Strich so viel mehr Erfolg bringen als das ganze andere auch summiert, dass es sich lohnt, sich von allem abzuschotten.

Christian: So, Patricia, anderthalb Stunden sind jetzt super schnell vorbeigegangen. Sag uns doch noch, wo unsere Zuhörer dir folgen können, wo sie dich finden können.

Patricia: Also die üblichen Verdächtigen natürlich, die neuesten Dinge werden immer auf der Webseite und auf YouTube zu finden sein. Auf Instagram werde ich nur noch posten, wenn ich wirklich was zu sagen habe, weil ich für mich gemerkt habe, dass es mir unglaublich meine Kraft wegzieht. Primäre Kanäle sind die Webseite und YouTube.

Christian: Also Patricia, vielen Dank! Das war sehr interessant, hat mich die ganze Woche schon gefreut auf das Thema. Vielen Dank, dass du teilgenommen hast, und bis bald!

Patricia: Vielen Dank, tschüss!

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