Fernstudium + Familie & Beruf: So gelingt effizientes Zeitmanagement ⏰ mit Dr. Julia Simon

Ein Fernstudium kommt für viele Studierende nicht allein, denn die meisten entscheiden sich schließlich aufgrund der örtlichen und zeitlichen Flexibilität für diese Studienform, um z.B. neben Beruf und Familie studieren zu können. Das bedeutet nicht selten aber auch bis zu 30 Stunden mehr Arbeit pro Woche. Woher nimmt man also diese zusätzliche Zeit?

Dr. Julia Simon ist Leiterin der Akademie für Aus-, Fort- & Weiterbildung am Klinikum Nürnberg. Zuvor hat sie berufsbegleitend in Pflegewissenschaften promoviert und war lange als wissenschaftliche Mitarbeiterin an Uni Bamberg und TU München tätig. Seitdem betätigt sie sich auch als Lernbegleiterin für Studierende.

In Podcast 34 spricht Julia mit Christian darüber, wie man sich in der Konstellation von Fernstudium mit Familie und Beruf ein geeignetes Zeit- und Selbstmanagement organisiert, um den typischen Problemen vorzubeugen oder diese zu überwinden.

Inhalt:

00:00:00 Vorschau
00:01:40 Julia stellt sich vor
00:06:21 Typische Hindernisse & Probleme
00:19:36 Zeitmanagement-Methoden: „Eat the Frog“
00:24:09 ALPEN-Methode
00:27:55 Eisenhower-Methode
00:32:50 Ivy-Lee-Methode
00:36:49 Das Pareto-Prinzip (80/20-Prinzip)
00:40:10 Routinen adaptieren & etablieren
00:51:20 „Deep Work“
00:58:57 Effiziente Lernmethoden
01:03:07 Wo man Julia im Web begegnet

Julia im Internet:

➡️ Website: https://www.schreibtischtalente.de/
➡️ Youtube: https://www.youtube.com/@schreibtischtalente5458
➡️ Instagram: https://www.instagram.com/schreibtischtalente

Im Podcast erwähnt:

👉 Julias Buch „Der ultimative Study Guide: Alles, was du für ein erfolgreiches Studium brauchst“: https://www.amazon.de/ultimative-Studyguide-erfolgreiches-Studium-brauchst/dp/3825261263

Christian: Schönen guten Tag, liebe vielbeschäftigte Studierende! In diesem Podcast geht's mal wieder um das spannende Thema Zeitmanagement, und wir wollen so ein bisschen Fokus darauf legen, wie man seine Zeit und Aufmerksamkeit managen kann, wenn man nicht nur ein Fernstudium absolviert, sondern auch noch berufstätig ist und auch noch ein Familienleben zu managen hat, mit Kindern oder mit Kind. Und deswegen habe ich in diesen Podcast eingeladen Dr. Julia Simon, die Expertin für dieses Thema ist. Vielleicht kennt ihr sie sogar schon vom Instagram-Account Schreibtischtalente.

Christian: Julia, dann herzlich willkommen hier im Podcast. Ich freue mich sehr, dass du dich bereit erklärt hast, mit mir über das Thema Zeitmanagement zu reden. Wir wollen noch ein bisschen über Deep Work reden, zum Beispiel auch ein Thema, was ich super interessant finde. Und vielleicht stellst du dich als Allererstes mal vor und sagst uns, wer du bist und was du machst.

Julia: Ja, hallo Christian, vielen Dank für die Einladung. Ich bin jetzt auch ganz gespannt und freue mich sehr auf unser Interview. Ich stelle mich natürlich auch gerne zu Beginn erstmal selbst vor. Mein Name ist Julia Simon, ich arbeite aktuell als Leitung der Akademie am Klinikum Nürnberg. Wir machen dort den gesamten Aus- und Weiterbildungsbereich für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Klinikums Nürnberg. Das heißt, wir haben dort über 8000 Mitarbeiter und der Bereich reicht von, ich sag mal, von der Fortbildung für Ärztinnen und Ärzte für einen Ultraschallkurs bis hin zur Weiterbildung Intensivfachkrankenschwester oder -pfleger. Aber wir haben auch vier Berufsfachschulen, unter anderen eine Berufsfachschule für Pflege. Also das ist mein aktueller Aufgabenbereich.

Julia: Das ist aber jetzt nicht der Grund, warum du mich hier eingeladen hast oder warum ich hier sein darf. Der liegt ein bisschen zurück, reicht aber auch noch bis in die Gegenwart. Also ich habe lange als wissenschaftliche Mitarbeiterin gearbeitet, zunächst an der Uni in Bamberg und dann an der TU in München, und habe dort in vielen Projekten gearbeitet, habe dort auch im Zuge dessen promoviert und habe viele, viele Studierende bei ihren Abschlussarbeiten begleitet, habe Vorlesungen gehalten und so weiter. Und da kam mir die Idee, weil mir das einfach auch schon unheimlich viel Spaß gemacht hat, dass ich Schreibtischtalente gründe. Und Schreibtischtalente, ich habe dazu einen Instagram-Account, ich habe dazu einen YouTube-Kanal, also da geht's alles rund ums Studieren. Und habe auch im vergangenen Jahr dazu ein Buch geschrieben, Der ultimative Study Guide, das im OTB-Verlag erschienen ist. Und somit reicht das Interesse noch bis in die jetzige Zeit, und das mache ich sozusagen neben meinem Job, und es macht mir totalen Spaß.

Christian: Schreibtischtalente hatte ich auch schon im Intro erwähnt, ist den Instagram-Channel. Daher kennen dich wahrscheinlich auch einige unserer Zuhörer und Zuschauer schon. Ich gehe noch mal einen kleinen Schritt zurück: Also du hast eine Ausbildung, habe ich gesehen, zur Pflegekraft eigentlich gemacht, bist eigentlich ausgebildete Pflegerin und hast dann im Anschluss studiert, oder?

Julia: Ganz genau. Also ich habe tatsächlich eine Ausbildung, damals hieß der Beruf noch Krankenschwester. Die habe ich gemacht und wusste aber eigentlich, ich wollte immer schon in den pädagogischen Bereich. Ich wollte schon immer, ich sag's jetzt mal ganz platt, Krankenschwestern ausbilden. Und habe dann daraufhin Pflegepädagogik studiert im Bachelor, habe dann im Master Pflegewissenschaft studiert. Und irgendwie habe ich dann währenddessen zwar auch als Pflegepädagogin gearbeitet, war also schon an der Schule angestellt, hab dort mit ausgebildet. Und hatte dann die Möglichkeit, eben an der Uni in Bamberg in einem Projekt mitzuwirken als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Und so kam das, dass ich dann auch die akademische Karriere noch stärker angestrebt habe. Ja, aber ich kann mich nicht so ganz entscheiden, mir macht beides super viel Spaß. Also Hauptsache, es geht irgendwie um Pädagogik und hat mit Menschen irgendwas zu tun. Und jetzt ist es halt eben auch noch mal an der Akademie im Klinikum Nürnberg eben der gesamte Aus- und Weiterbildungsbereich, der auch super spannend ist.

Christian: Ja, man merkt, du bist Pädagogin durch und durch, und so schließt sich das dann irgendwie auch wieder. Deswegen passt das auch super gut, dass wir hier reden über das Thema Zeitmanagement. Und deine Promotion vielleicht noch eine Frage dann zu dir: Die hast du auch berufsbegleitend gemacht, oder? Du weißt also Bescheid sozusagen, was auch die Probleme sind von unseren Zuschauern und Zuhörern?

Julia: Ja, ja. Ich habe da tatsächlich auch knapp 6 Jahre, also über 5 Jahre gebraucht. Von daher, das war schon auch nicht ganz so einfach, und ich glaube, ich kann da die Probleme gut nachvollziehen, die einfach da sind, weil man einfach sich über so einen langen, langen Zeitraum immer wieder disziplinieren muss, immer wieder motivieren muss.

Christian: Und diese Promotion, die hat dir dann aber letztendlich auch den Weg eröffnet zur Schulleitung, oder?

Julia: Da hätte tatsächlich schon der Masterabschluss gereicht, um in die Schulleitung zu gehen. Das habe ich davor gemacht, genau, bevor ich jetzt die gesamte Akademieleitung übernommen habe. Aber also ich hätte das jetzt von, ich sag mal, von den formalen Vorgaben nicht gebraucht. Aber es eröffnet natürlich trotzdem schon noch mal andere Türen, das ist ganz klar. Und bei mir war es immer irgendwie so, wenn ich Chancen bekommen habe, dann habe ich die auch genutzt, und so ging es immer irgendwie weiter.

Christian: Genau. Gut, wir wollen ja den Fokus im Podcast so ein bisschen legen auf diese – ich will es nicht unbedingt Mehrfachbelastung nennen, man hat sich das ja irgendwie auch ausgesucht, und Familienleben ist jetzt zum Beispiel keine Belastung – also auf diese dreifachen Hürden oder Schwierigkeiten, auf die man stoßen kann, wenn man eben ein Fernstudium macht, jetzt ein Bachelor- oder Masterstudium, und auch noch berufstätig ist, sei es in Vollzeit oder in Teilzeit, und eben auch noch irgendwie ein Familienleben hat, vielleicht Kinder hat.

Christian: Lass uns vielleicht mal zu Beginn so ein bisschen aufdröseln, was so ganz typische Probleme und Hindernisse sind. Ich nenne erstmal ein ganz banales Problem jetzt vielleicht von meiner Seite aus: Müdigkeit. Gerade wenn man jetzt vielleicht ganz kleine Kinder noch hat oder irgendwie ein Neugeborenes im Haushalt, dann ist der Schlaf wahrscheinlich ein bisschen geringer. Aber generell auch mit Kindern, die kommen dann irgendwie frühestens, die stehen frühestens als Erster auf, und dann wird schon ein bisschen lauter, und dann kann man nicht so viel ausschlafen. Und das ist ja irgendwie auch so ein bisschen hinderlich, wenn man viel lernen möchte, da ist ja Schlaf besonders wichtig. Das wäre jetzt mal eins, was ich nenne. Ich weiß auch nicht, was man dagegen machen kann, außer vielleicht Mittagsschlaf oder sowas, und da versuchen, noch mehr Ruhezeiten irgendwie auch so in seinen Alltag mit einzubauen. Was hast du denn so für Sachen, die so ganz typische Hindernisse sind?

Julia: Ja, also wie gesagt, Müdigkeit ist eins der Hindernisse, da gehe ich auch gleich noch mal drauf ein. Ich habe mir das natürlich auch noch mal angeguckt, wie sich das vielleicht auch so ein Stück weit in Zahlen darstellen lässt. Wenn jemand sich für ein Fernstudium entscheidet und das in Vollzeit macht, dann sind es ja häufig noch mal über 30 Stunden, die man pro Woche aufwenden muss, neben einem bestehenden Arbeitsverhältnis, neben dem Job, neben der Familie. Und das ist natürlich schon mal echt knackig, also über 30 Stunden noch mal irgendwie in das ganz normale Leben mit einzubauen.

Julia: Also von daher gehe ich schon davon aus, dass diejenigen, die sich dafür entscheiden, die wissen natürlich häufig, okay, das kommt auf mich zu, und sind natürlich häufig schon auch noch mal organisiert und wissen, wie kann ich das Ganze machen. Es gibt auch Studienlagen, die einfach sagen, die lernen auch anders, also die lernen eher am Wochenende, über 50 % in den Abendstunden, in den Morgenstunden, auch im Urlaub. Also das braucht man natürlich, da erstmal ein gutes Zeitmanagement. Und natürlich hat man trotzdem einen gewissen Zeitmangel, der da irgendwie vorherrscht.

Julia: Und dann kommen so Hindernisse wie du gerade angesprochen hast eben noch mal wie Müdigkeit hinzu. Bei Müdigkeit gibt's natürlich unterschiedliche Möglichkeiten. Also Müdigkeit, man muss sich erstmal angucken, woher kommt die ganze – also ist es so, dass ich jede Nacht zu wenig Schlaf abbekomme, dann ist es natürlich schon echt schwierig. Habe ich da irgendwelche Möglichkeiten, das zu verändern? Wenn es am Tag ist, dann hat man zum Beispiel die Möglichkeit, einfach mal so einen Powernap zu machen. Also da gibt's tatsächlich auch gute Erkenntnisse dazu, dass bis maximal 20 Minuten, bevor man in diese REM-Phase kommt, ein Powernap wirklich förderlich ist, dass man sich danach wieder gut konzentrieren kann. Weil es bringt oft gar nichts, wenn man sich an den Schreibtisch setzt, müde ist, zwei Stunden lang, und eigentlich total unproduktiv ist in der Zeit.

Julia: Und dann gibt's eine Strategie, die heißt Wenn-dann-Strategie. Zum Beispiel kennen das viele, dass sie von der Arbeit nach Hause kommen und dann ist man erstmal so ziemlich platt und müde und hat so das Gefühl, boah, ich kann da gar nichts mehr machen. Man könnte sich aber jetzt so ein bisschen überlisten und auch zum Ziel setzen zu sagen: Wenn ich nach Hause komme, dann lerne ich noch eine halbe Stunde oder gehe einmal meine Karteikarten durch. Und das kann auch dazu beitragen, dass man seine Ziele noch besser erreicht.

Christian: Okay, das ist sehr interessant, das ist auch ein völlig neuer Aspekt so im Zusammenhang mit diesem Zeitmanagement. Also ich kenne so ein bisschen dieses Wenn-dann im Sinne, um irgendwelchen Ängsten oder Vorstellungen vorzubeugen, die man hat. Weiß nicht, was passiert, wenn ich diese Prüfung nicht bestehe, so. In diesem Zusammenhang kenne ich das, aber das ist auch ziemlich interessant. Was die Joggingschuhe angeht, ja, oder dieses Sportliche, da reden wir dann vielleicht auch ein bisschen drüber, wenn es um die Routinen geht. Hast du noch irgendwelche Probleme und Hindernisse, die ganz typisch sein könnten für Fernstudierende?

Julia: Ja, also wir haben ja vorhin schon mal gesagt, dieser Zeitmangel, der besteht ja in dem Fall, oder der kommt ja zustande, weil wir alle nur 24 Stunden am Tag haben. Und wenn ich natürlich jetzt eine große Säule habe Arbeit, dann habe ich noch eine Säule Familie, und dann habe ich die Säule Studium. Dann ist automatisch eine gewisse Anzahl an Stunden vorhanden, die ich nur noch fürs Studium heranziehen kann, weil ich einfach einen Zeitmangel habe.

Julia: Und wenn man sich jetzt anschaut, was macht mich eigentlich unproduktiv, dann ist das einmal die Prokrastination. Also das bedeutet, ich kann mich überhaupt nicht zu der Arbeit irgendwie überwinden. Und vielleicht kennen wir das alle, dass wir uns an den Schreibtisch setzen wollen, dann fällt uns auf, oh, wir wollen noch einen Kaffee oder ein Tee, dann stehen wir wieder auf, dann holen wir uns den, dann stehen wir wieder auf und gucken den Kühlschrank, stellen fest, dass da genauso wenig drin ist wie vor 15 Minuten als ich das letzte Mal in den Kühlschrank geguckt habe. Dann setzt man sich wieder hin, und das liegt häufig daran, dass entweder die Aufgabe viel zu groß ist, zum Beispiel Abschlussarbeit schreiben. Das ist so ein Ziel, wo man sich denkt, oh Gott, wie gehe ich das überhaupt an. Da gibt's die Möglichkeit, zum Beispiel erstmal das Ganze in kleinere Aufgaben zu teilen, das ist eine Strategie.

Julia: Und dann gibt's die andere Säule: Was macht uns unproduktiv neben dieser Prokrastination? Das ist einfach, dass wir total ineffektiv die Zeit dann nutzen. Es gibt Studien, die sagen, dass wir uns selbst alle 3 Minuten unterbrechen. Das bedeutet, dass wir zum Beispiel lernen wollen und dann: Oh, ich muss noch schnell die Mail schreiben. Oh, ich mache noch schnell einen Arzttermin aus. Oh, die Push-Benachrichtigung am Handy. Und das Wichtige ist aus meiner Sicht erstmal, dass wir wissen, wir brauchen einen Fokus auf das Lernen. Auch wenn viele immer von Multitasking-Fähigkeit und so weiter sprechen – ja, wir können Multitasking-fähig sein, wenn wir gleichzeitig kochen und eine Netflix-Serie schauen. Aber wir können nicht gleichzeitig konzentriert lernen und nebenbei unseren Kindern zuhören. Das ist einfach unmöglich. Da springen wir dann permanent und sind weder hier noch dort.

Christian: Genau, da können wir gleich dazu übergehen. Aber vorher hatte ich noch ein Hindernis, was mir so aus meinem Alltag auch einfällt. Das ist so ein bisschen das schlechte Gewissen auch. Also wenn man irgendwie ein Familienleben hat und dann sind da eben die Kinder und der Partner oder die Partnerin, und man möchte eigentlich Zeit mit der Familie verbringen, oder da ist vielleicht auch ein neugeborenes Kind, und man möchte da wirklich jede Minute, jede Sekunde nutzen, um auch so das Aufwachsen mitzubekommen. Und dann denkt man sich so: Aber eigentlich müsste ich ja dann doch noch lernen, und das irgendwie auch noch fristgemäß alles zu schaffen, vielleicht für eine Klausur oder irgendwelche Einsendeaufgaben, Hausarbeiten oder was auch immer. Aber so richtig kann ich mich da jetzt nicht hinsetzen, wenn hier alle so um mich rum irgendwie spielen und dem Familienleben nachgehen, und ich soll mich da jetzt hinsetzen und lernen. Also da habe ich auch keine so richtige Lösung dafür, außer vielleicht Kommunikation, darüber zu reden. Und eben noch ein besseres Zeitmanagement und da wirklich ganz in der Zeit, die mir da verbleibt, auch ganz fokussiert und ablenkungsfrei zu arbeiten.

Julia: Ja, also ich glaube, dieses schlechte Gewissen, das kennen alle, die irgendwie an mehreren Baustellen gleichzeitig arbeiten. Und wenn man dann der Familie gerecht wird, dann wird man dem Studium nicht gerecht und andersrum. Also ich glaube, das ist wirklich ein Thema. Und natürlich, darüber sprechen hilft. Einmal hilft es natürlich auch dann zu sagen, im Studium dann zum Beispiel so Methoden wie 80/20 anzusetzen: Okay, ich kann das nicht mehr perfekt machen, ich muss es auch nicht perfekt machen. Dann schaffe ich eben die Abschlussarbeit nicht mit einer Eins, dann bin ich eben auch zufrieden, wenn es eine Zwei oder eine Drei ist. Dann einfach die Ziele noch mal verändern.

Julia: Ich glaube aber, du hast es auch gerade angesprochen, Neugeborenes zu Hause – gegebenenfalls muss man dann auch sagen, okay, ich mache vielleicht noch ein Urlaubssemester oder sowas, wenn das dann einfach zu groß wird. Weil ich glaube, es ist auch niemandem geholfen, wenn man alles und nichts macht am Ende.

Christian: Absolut, das ist auch meine Empfehlung. Also wenn da wirklich jetzt ein Baby unterwegs ist oder gerade geboren worden ist, dann kann ich auch nur empfehlen, jetzt nicht unbedingt irgendwie auf Teufel komm raus das Fernstudium weiter zu betreiben, sondern vielleicht doch ein Urlaubssemester zu nehmen, in die Elternzeit eben auch mitzugehen, vielleicht auch mit dem Partner oder der Partnerin, und sich da wirklich erstmal auf diesen neuen Lebensabschnitt zu konzentrieren. Da passieren so viele Sachen im Alltag, die auch so unberechenbar sind, da ist ganz viel Zeit auch nötig, weiß ich nicht, jetzt fürs Stillen beispielsweise. Die muss man als Mann jetzt in dem Sinne nicht aufwenden, aber man muss dann trotzdem auch da sein und Dinge organisieren und machen, die eben dann die Partnerin vielleicht nicht machen kann. Und da passt ein Studium vielleicht nicht ganz so optimal rein, da sollte man sich wirklich zweimal überlegen, ob man jetzt nicht doch besser ein Urlaubssemester macht.

Julia: Ja, genau. Häufig bieten die jeweiligen Unis ja auch noch mal Unterstützungsangebote oder dass die vielleicht sagen, okay, man kann noch eine Prüfung noch mal schieben oder so. Auch da, ich glaube, das Wichtige ist wirklich, auch da frühzeitig offen und ehrlich in die Kommunikation zu gehen und nicht erst, wenn dann irgendwie die Probleme so groß sind. Sondern dass man da einfach vielleicht auch versucht, Unterstützungsangebote zu bekommen und auch generell Unterstützung einzufordern, innerhalb der Familie. Und nicht das Gefühl haben zu müssen, ich muss das jetzt alles selbst schaffen, sondern vielleicht auch wirklich, vielleicht kann man Freunde, vielleicht kann man die Oma oder den Opa noch mit einbinden, dass die sich auch noch mal kümmern. Weil wie du sagst, gerade wenn so unvorhergesehene Ereignisse eintreten, auch Kind krank und so weiter, das ist einfach unheimlich schwer, in der Zeit an sich selbst noch irgendwas zu optimieren. Das ist fast nicht möglich.

Christian: Gut, dann lass uns mal über Zeitmanagement-Methoden im Einzelnen reden. Wir haben uns ein paar rausgesucht, über die wir reden möchten. Sind so die Klassiker, viele Fernstudierende kennen die wahrscheinlich auch schon, weil man sich eigentlich auch häufig von Seiten der Hochschulen aus im ersten Semester so ein bisschen damit beschäftigt. Die allererste Methode, die wir uns jetzt überlegt haben, über die wir reden wollen, die heißt Eat the Frog. Kannst du vielleicht mal ganz kurz erklären, was das genau bedeutet? Soll man jetzt Frösche essen?

Julia: Das ist eine ganz wunderbare Methode. Und zwar Eat the Frog bedeutet, dass man die Kröte, die am bittersten ist, die so am allerschwierigsten ist, also natürlich ist es keine Kröte, sondern die Aufgabe, die einen so richtig – wo man einfach keine Lust hat, die zu machen – dass man die wirklich an den Tagesanfang setzt. Und warum? Weil wir am Morgen noch die meiste Willenskraft haben, Aufgaben zu erledigen, und weil wir hier auch noch die meisten Entscheidungen treffen können. Also wir haben hier einfach noch viel mehr Energie, was anzugehen. Und das bedeutet, wenn man sagt, okay, die Aufgabe, die mir am schwersten fällt, wenn ich die gleich als Allererstes hinter mich bekomme, dann kann ich das durch diese morgendliche Willenskraft erstmal besser tun. Und zusätzlich, wenn ich die dann geschafft habe, dann gibt mir das total viel Energie und Power noch für den Tag, weil ich mir ja auf die Schulter klopfen kann und sagen kann: Super, habe ich geschafft heute, jetzt bin ich im Flow und schaffe auch noch andere Aufgaben.

Christian: Also so mache ich das eigentlich auch schon seit Jahren, die wichtigsten Aufgaben, ob nun unangenehm oder angenehm, die versuche ich eben immer so in die Morgenstunden zu legen. Vielleicht mache ich das aber auch nicht so richtig – ist es besser, wenn man gar nicht erst E-Mails checkt, sondern eben gleich an diese Aufgabe geht? Und auf das Fernstudium gemünzt muss man natürlich schauen, wenn man da so ein Familienleben hat, das sind ja so die ersten wichtigen Aufgaben des Tages: keine Ahnung, Kinder beispielsweise in die Einrichtung zu bringen, das ist erstmal wichtiger als sich da irgendwie hinzusetzen und zu lernen oder sowas. Aber vielleicht kann man sich das auch so einrichten, dass man einfach eine Stunde früher aufsteht und dann eben schon vielleicht noch eine Stunde wirklich effektiv an seinen Aufgaben arbeitet und ein bisschen lernt. Da muss man einfach gucken. Wenn nicht, kann man das ja dann nach der Zeit machen, die man gebraucht hat, um die Kinder etwa in die Einrichtung zu bringen, oder man versucht es eben, wenn es möglich ist, noch eine halbe Stunde vor der Arbeit irgendwie zu packen. Das ist ja auch etwas, was dann auf die meisten von uns zukommt, ist dann eben die Arbeit, und da kann man jetzt auch nicht unbedingt die Aufgaben fürs Fernstudium erledigen. Hast du da vielleicht irgendwie eine Idee? Einfach später anfangen zu arbeiten, oder?

Julia: Also gibt's natürlich ganz, ganz viel unterschiedliche Möglichkeiten. Also ich habe jetzt natürlich diese Eat-the-Frog-Methode jetzt noch nicht auf die alltäglichen Routinen mitbezogen. Also wenn ich jetzt früh die Kinder in den Kindergarten bringe, dann ist das aus meiner Sicht jetzt noch nicht so die Aufgabe – die ist natürlich total wichtig, aber das ist wahrscheinlich nicht die Aufgabe, vor der ich mich scheue oder wo ich mir denke, oh, da gehe ich überhaupt nicht gerne ran. Also bei der Methode geht's wahrscheinlich eher darum, dass es Aufgaben sind, die extrem wichtig sind, die gemacht werden müssen und die eben auch vor denen ich – die mir nicht so ganz leicht von der Hand fallen. Und da ist es einfach nur wichtiger, dass man die eher am Tag irgendwie erledigt, weil die Chance, dass ich sie dann erledige, einfach deutlich höher ist. Als dass ich zum Beispiel, wenn ich lernen muss, oder ich will zum Beispiel beginnen mit einer Seminararbeit und muss die Literaturrecherche machen, und es ist erstmal so eine Aufgabe, wo ich mich ein bisschen überwinden muss, dann werde ich die wahrscheinlich nicht am Abend um 9 Uhr machen. Und wenn man die irgendwie versucht, zumindest in den Tagesablauf so einzubauen, dass sie dann stattfindet, wenn man vielleicht jetzt seine Morgenroutine mit Kindern und so weiter erstmal abgeschlossen hat und das erste Mal an den Schreibtisch kommt. Also super praktische Methode, man muss eben nur gucken, dass man das irgendwie so in seinen Alltag bekommt.

Christian: Und definitiv kann man es anwenden für die Zeiten, wo man sich auch wirklich dann ganze Tage zum Beispiel zum Lernen genommen hat, oder Teile der Tage, wie das Wochenende. Oder man hat einfach mal eine Auszeit auch von der Arbeit und Urlaub und hat jetzt Zeit, da mal zwei Wochen intensiv zu lernen. Dann wirklich dann früh auch gleich die ganz, ganz wichtigen Sachen. Dann gibt's eine Methode, die heißt die ALPEN-Methode. Worum geht's? Da geht's drum, irgendwie Berge zu besteigen, ganz schwierige Aufgaben zu besteigen, oder was bedeutet diese Methode?

Julia: Da ist es eigentlich auch noch mal so, dass ich die Aufgaben oder dass ich meinen Arbeitsalltag organisiere und dass ich die, meine ganzen Aufgaben, die anstehen, mir noch mal im Einzelnen angucke. Und das A steht dann für die Aufgaben ordnen. Also das bedeutet, wenn ich jetzt meine ganzen Aufgaben niederschreibe, die ich machen muss: Ich muss eine Mail an meine Betreuerin schreiben für die Abschlussarbeit, ich muss ein Buch in der Unibibliothek bestellen, ich muss vielleicht eine Literaturrecherche machen, und ich muss eine PowerPoint-Präsentation für irgendwas zu Ende machen, oder vielleicht noch etliche weitere Dinge. Das kann man natürlich mit den ganzen Aufgaben, die man für die Uni machen muss, machen. Aber man kann das natürlich erweitern, indem man natürlich auch noch sowas drauf schreibt wie Arzttermin vereinbaren, Kuchen fürs Kindergartenfest backen oder irgendwie sowas in der Art.

Julia: Und dann, das A steht dann für erstmal die Aufgaben ordnen, also A von ALPEN. Das L steht dann für die Länge abschätzen, also wie lange brauche ich für die jeweiligen Aufgaben. Und wenn ich natürlich dann abschätze, dass ich für die jeweiligen Aufgaben natürlich mehrere Stunden brauche und ich habe nur zwei Stunden, dann muss ich natürlich im nächsten Schritt auch noch mal priorisieren. Bzw. das P steht dann erstmal für Pufferzeiten einplanen, weil wir wissen es alle, es kommt immer so viel Leben dazwischen. Und dann das E steht für eben diese Entscheidung zu treffen, was ist jetzt hier, was muss ich machen. Wenn das Kindergartenfest am nächsten Tag ansteht, dann muss ich den Kuchen vielleicht an dem Tag backen, das heißt, das muss da irgendwie mit priorisiert werden. Und das N steht dann eigentlich für die Nachkontrolle.

Julia: Also ich denke, wir müssen natürlich auch immer ein bisschen aufpassen, dass wir uns nicht überorganisieren. Dass wir so viel in unserer Organisation der Aufgaben sind, dass wir gar nicht mehr zu den Aufgaben kommen. Aber das Ganze muss jetzt auch nicht schriftlich sein, sondern man kann das ja auch im Kopf machen. Und ich denke, viele Dinge machen wir ja auch schon so im Kopf.

Christian: Genau. Ja, ich denke mal, das ist auch im Großen und Ganzen vielleicht ein ganz gutes Tool, also wenn man jetzt sein Studium plant über mehrere Monate und vielleicht sogar über die ersten ein, zwei Semester. Dann kann man hier wahrscheinlich auch einfach gucken, was sind die ganz großen Dinge, die ich jetzt hier zu tun habe, und kann sich da auch versuchen, die Zeit ein bisschen abzuschätzen. Wie lange werde ich für dieses oder jenes Modul brauchen, wie lange werde ich für die Hausarbeit möglicherweise brauchen. Ganz wichtig bei der Methode ist auch, dass da eigentlich ein bisschen Erfahrung auch da sein muss, um abschätzen zu können, wie lange brauche ich jetzt. Im ersten Semester ist es wahrscheinlich ein bisschen schwer, da kann man jetzt nicht sagen, wie lange brauch ich jetzt für diese allererste Hausarbeit. Da muss man erstmal gucken. Aber für kleinere Dinge kann man da denke ich mal ganz gut schätzen.

Christian: Ich nutze es im Berufsleben, da ist es mal wichtig, Aufgaben abzuschätzen, um einfach zu schauen, auch für die Kollegen, wie viel sollte man da jetzt schaffen, wie viel müssen wir da jetzt schaffen, wie lange brauchst du für diese Dinge. Aber im Privatleben muss ich sagen, mach ich das eher selten, das ist eher so intuitiv, dass ich weiß, okay, ich brauche jetzt so und so viel Zeit, um diese Aufgaben da abzuarbeiten.

Julia: Genau, für die Prüfungsvorbereitung würde es sich vielleicht auch lohnen, dass man sich dann sagt, okay, ich habe vielleicht am 25. Juli eine Prüfung, und dann einfach mal so zurückzurechnen: Was habe ich da alles für Inhalte, die ich lernen muss, und dann einfach zurückzurechnen, wie lange brauche ich dafür? Okay, drei Wochen, und dann sollte man Anfang Juli vielleicht anfangen, oder besser noch ein bisschen Puffer einplanen und dann schon Ende Juni anfangen.

Christian: Genau, dann haben wir einen wichtigen Namen, der im Zusammenhang mit Zeitmanagement auch mal wieder genannt wird: Das ist der Name Eisenhower, und diese Methode oder das Prinzip, kannst du uns das vielleicht mal kurz erläutern, das Eisenhower-Prinzip?

Julia: Ja, genau. Also beim Eisenhower-Prinzip ist es ja so, dass ich die Aufgaben in dringend und wichtige Aufgaben sozusagen erstmal aufteile. Also ich habe unterschiedliche Aufgaben und schaue mir erstmal an, sind die wichtig, sind die dringend. Und dann gibt's vier Kategorien: Also es gibt dann Aufgaben, die sind wichtig und dringend. Dann gibt's Aufgaben, die sind wichtig, aber nicht dringend. Dann gibt's Aufgaben, die sind nicht wichtig, aber dringend. Und dann gibt's Aufgaben, die sind weder wichtig noch dringend.

Julia: Und dann kann ich entscheiden. Also wenn ich jetzt zum Beispiel eine wichtige und dringende Aufgabe habe, das könnte sein, ich muss mich rückmelden für das nächste Semester, die Rückmeldegebühren in der vorlesungsfreien Zeit bezahlen. Dann ist es eine Aufgabe, die wichtig und dringend ist, weil wenn ich das nicht tue, wäre ich gegebenenfalls exmatrikuliert, und das wäre natürlich ziemlich ungünstig. Und dann ist das eine Aufgabe, die man selbst tun sollte.

Julia: Dann gibt's Aufgaben, die sind dringend, aber nicht so wichtig. Wie zum Beispiel, ich muss ein Buch in der Bibliothek abgeben, sonst muss ich Mahngebühren bezahlen. Das ist dringend, weil vielleicht der Abgabetermin ist heute oder morgen, Worst Case müsste ich eben die Mahngebühren bezahlen. Okay, aber das könnte jemand anders für mich erledigen. Da könnte ich meinen Partner bitten, die Oma bitten, da könnte ich vielleicht sogar meinen Sohn oder meine Tochter bitten, irgendjemand bitten: Kannst du das für mich dort abgeben?

Julia: Dann gibt's Aufgaben, die sind wichtig, aber nicht so dringend. Und auch hier wäre es natürlich besser, wenn man die selber dann irgendwie durchführt, weil die sind deshalb noch nicht so dringend, weil man zum Beispiel die Abgabefrist erst in drei Wochen hat oder sowas. Und dann gibt's weder wichtig noch dringend. Und da muss man einfach sagen, okay, Fenster putzen in der Zeit der Prüfungen, das ist so der Klassiker. Vielleicht ist es für den ein oder die andere wichtig, aber das wären so Sachen, wo man dann einfach sagt, okay, das kommt jetzt auch erstmal in die Mülltonne. Oder man kriegt irgendwie eine Anfrage, ob man in der Zeit noch irgendwo zusätzlich eine Aufgabe übernehmen kann, oder das Kind ist vielleicht im Sportverein, ob man da jetzt vielleicht irgendwie noch eine zusätzliche Aufgabe übernehmen kann, wo man dann sagen muss: Nee, aktuell nicht, vielleicht irgendwann zu einem anderen Zeitpunkt.

Christian: Ja, ist auch ein ganz wichtiges Tool, dass man nur am Rande lernt: Nein zu sagen, Dinge auch eben abzulehnen. Aber was ich aus dieser Methode mitnehme und mir auch ganz unbewusst eigentlich immer angewandt habe, ist zum einen, meine Aufgaben priorisieren zu können. Dafür ist das eigentlich ein ziemlich cooles Tool, um sowas auch zu lernen. Wenn man das noch nicht so gut kann, dann kann man einfach mal diese Matrix anwenden, um mal zu gucken, wie ist jetzt eigentlich die Priorität der ganzen Aufgaben, die ich habe, wie sortiere ich das, was kann ich weglassen. Und Nummer zwei ist glaube ich auch, zu delegieren. Das ist auch was, was man lernen kann und sollte, wenn man wirklich viel zu tun hat, dann auch mal zu gucken, ja okay, hier die Kinder, die machen jetzt den Abwasch, ich habe jetzt keine Zeit dazu.

Julia: Ja, und das ist tatsächlich ein Thema, da muss man sich auch selber mal hinterfragen, warum man manchmal gar nicht delegiert. Ist es der eigene Perfektionismus? Das steckt häufig dahinter, dass man niemand anderem zutraut, dass er irgendwie was macht, oder weil man eine bestimmte Vorstellung hat, wie eine Aufgabe erledigt sein muss. Und da wirklich mal über seinen Schatten zu springen und sagen, es kann auch sein, dass da was Besseres rauskommt, als hätte ich das selbst gemacht. Oder auch einfach mal aushalten, ja gut, dann ist das eben jetzt nicht alles perfekt einsortiert und nicht super sauber oder sowas. Aber dann muss man das halt auch mal aushalten, dass andere zu dem Ergebnis kommen, vielleicht anders zu dem Ergebnis kommen. Und diese Delegation ist tatsächlich ein Thema, wo man sich selber mal gut reflektieren kann.

Christian: Ja, dann haben wir eine Methode, die war mir neu oder ist mir neu. Die habe ich jetzt erst im Zusammenhang mit der Vorbereitung auf diesen Podcast gehört. Ich habe vielleicht schon mal davon gelesen, aber hatte jetzt keine Vorstellung im Kopf: die Ivy-Lee-Methode. Kannst du uns sagen, was das genau bedeutet?

Julia: Ja, also da muss ich wirklich sagen, in Verbindung mit Eat the Frog ist das meine absolute Lieblingsmethode, die Ivy-Lee-Methode. Da geht's einfach darum, dass ich am Ende eines Arbeitstages alle Aufgaben niederschreibe, die ich an dem Tag nicht geschafft habe. Und das bedeutet, man ist in der Regel am Ende des Arbeitstages ja noch so in dem Prozess drin, dass man genau weiß, okay, das muss ich noch machen, das muss ich noch machen und so weiter. Das kostet uns erstmal keine große Energie. Würde ich das am nächsten Tag machen, müsste ich mich erstmal wieder reindenken: Was war da eigentlich noch alles, und ich wollte noch dieses Paper zu Ende lesen, und hier fehlt mir noch irgendwie die konkrete Forschungsfrage, und so weiter.

Julia: Und das bedeutet eigentlich, dass man erstmal alle Aufgaben aufschreibt, die man noch zu erledigen hat, und dann priorisiert. Und ich priorisiere das Ganze – also ich schreibe mir das, ich bin auch ein super Fan von To-Do-Listen, ich weiß, es passt nicht zu jedem, aber zu mir passt es. Ich schreibe die mir auf und ich markiere die. Also das bedeutet, ich priorisiere dann einfach und sage dann, okay, ich habe zehn Aufgaben, ich weiß, dass ich die wahrscheinlich am nächsten Tag auch nicht alle schaffen werde, aber jetzt priorisiere ich, was muss unbedingt gemacht werden, da sind wir dann auch wieder bei dringend und wichtig. Und dann markiere ich die, und dann habe ich vielleicht vier Aufgaben davon, wo ich weiß, die muss ich morgen unbedingt machen, und die mache ich morgen auch als Allererstes – also Eat the Frog dann wieder.

Julia: Und ich glaube, es geht bei diesen ganzen Methoden eher darum, dass wir nicht unbedingt sagen, oh, ich habe die Methode nicht ganz genau irgendwie umgesetzt, sondern einfach: Ich habe von ganz vielen Methoden gehört, und was passt zu mir am besten? Und wenn ich sie auch nicht genauso umsetze, wie sie empfohlen wird, dann ist es auch überhaupt nicht schlimm, weil es geht ja letztlich darum, dass man hier seinen eigenen Workflow finden muss.

Julia: Und von daher finde ich diese Methode echt super: Ich kann erstens mal meinen Tag irgendwie ganz gut abschließen, weil alles, was auf dem Papier ist, ist aus dem Kopf. Ich kann vielleicht auch besser in den Feierabend gehen. Oder wenn man jetzt natürlich, das muss ja nicht am Tagesende sein, das kann ja auch sein, dass man weiß, okay, man kann tagsüber lernen und hat dann irgendwie ab dem Nachmittag die Kinder oder am Abend, und dann zu sagen, ich schreibe mir das alles nieder, und dann ist das tatsächlich schon mal aus dem Kopf draußen. Und man weiß dann auch, am nächsten Tag, oder wenn man wieder Zeit hat, kann man da wieder anknüpfen. Und von daher finde ich die Methode perfekt.

Christian: Ja, ich bin auch sehr großer Fan von To-Do-Listen. Ich benutze dafür in der Regel im Alltag so kleine Zettel, die müssen klein sein für mich, weil sonst schreibe ich da zu viel drauf. Es darf jetzt kein A4-Blatt sein, da passen in der Regel auch nur drei, vier, fünf Sachen drauf. Und wenn ich das da drauf schreibe, dann habe ich wirklich so ein Gefühl, okay, das ist aus meinem Kopf, ich weiß, das mache ich dann, wenn ich das als Nächstes sehe. Oder ich schreibe mir dann in der Regel jetzt nicht dazu, wann ich das mache, aber überlege mir das dann. Das ist dann für mich auch meistens so eine Eat-the-Frog-Aufgabe, häufig auch für den nächsten Tag. Ich lege mir den Zettel einfach auf den Schreibtisch, dann weiß ich, okay, jetzt kann ich abschalten abends, und ich weiß, am nächsten Tag, was da gleich zu tun ist.

Christian: Manchmal mache ich mir da auch Notizen ins Handy, also ich bin Apple-Nutzer, da gibt's so eine Notiz-App einfach, da kann man sich wirklich auf dem Startbildschirm gleich so ein paar Notizen anzeigen lassen, da steht sowas drinne. Oder im Kalender auch, manchmal erstelle ich mir da auch eine Erinnerung, und dann weiß ich abends, okay, das kann ich jetzt wirklich aus dem Kopf wegkriegen, ich bekomme am nächsten Tag eine Erinnerung für diese Aufgabe, und dann mach ich das einfach. Dann wird es einfach gemacht. Und das sind häufig so kleine Sachen einfach, weiß ich nicht, ruf mal hier an, ruf mal dort an, bezahl eben den Semesterbeitrag, damit du deine Rückmeldung fristgerecht erledigt hast. Also ja, das mache ich wirklich auch sehr häufig.

Christian: Genau. So, dann noch ein Prinzip, über das wir noch reden wollten: Das ist das Pareto-Prinzip, 80/20. Kannst du uns das noch mal kurz erklären?

Julia: Genau, also bei dem 80/20-Pareto-Prinzip, da geht's darum, dass wir in der Regel 80 % einer Aufgabe – also sagen wir mal, wir müssen eine PowerPoint-Präsentation erstellen fürs Studium – 80 % dieser Aufgabe, die erstellte PowerPoint-Präsentation, schaffen wir in 20 % der Zeit. Und um diese Aufgabe, also um diese PowerPoint-Präsentation zu perfektionieren, auf 100 % zu bringen, bräuchten wir noch mal 80 % der Zeit. Das heißt, wir bräuchten unglaublich viel mehr Zeit, um eine Aufgabe zu perfektionieren.

Julia: Und hier ist genau die Krux drin, dass man eigentlich sagen müsste, okay, 80 % reichen. Und wenn da jetzt vielleicht noch ein Tippfehler drin ist, und meistens verkünstelt man sich ja dann in so Sachen mit Schriftart, dann sucht man noch Bilder raus, dann fängt man an, und oh, dieses Blau gefällt mir doch nicht, vielleicht ein bisschen heller und so. Ja, das sind alles Dinge, die dann eben diese 80 % der Zeit kosten, um das noch mal anzuheben.

Julia: Und hier ist es natürlich schwierig, wenn man selbst dem Perfektionismus verfallen ist. Aber vielleicht schafft man es mal, dass man in einer Situation, die jetzt weniger auf dem Spiel steht – vielleicht gibt's mal eine Präsentation, die man halten muss, die vielleicht noch nicht mal benotet wird – wo man dann sagt, ich gehe das jetzt mal an und probiere einfach mal, in eine Präsentation reinzugehen, wo ich selbst nicht das Gefühl habe, ich bin 100 % vorbereitet. Weil dann nämlich genau das eintritt, dass man sagt, was passiert im Worst Case? Na ja, so viel kann eigentlich nicht passieren, irgendwas würde man schon sagen können. Und dann zu sagen, okay, darauf kann man dann aufbauen. Mensch, das habe ich damals auch gemacht, und dadurch kann sich auch so ein bisschen die Selbstwirksamkeit aufbauen. Und von daher ist diese 80/20-Regel schon so, dass man sagt, na komm, das passt, das ist in Ordnung, es ist nicht 100 %, aber ich kann damit rausgehen.

Christian: Okay, also auch ein gutes Prinzip, um zu lernen, einzuschätzen, wie viel muss ich jetzt eigentlich wirklich machen und schaffen, um da durchzukommen, auch durch das Studium, um durch die nächste Klausur und so weiter. Ist auch wichtig, sich damit mal so ein bisschen auseinanderzusetzen, was muss ich jetzt tatsächlich machen, was wird jetzt tatsächlich von mir gefordert, und was will ich auch erreichen.

Julia: Definitiv. Aber wie du vorhin gesagt hast, ein bisschen Erfahrung braucht's dafür. Ich meine, wir haben alle – Studierende haben natürlich auch Erfahrung, wie sie damals in der Schule waren. Es gab ja auch schon immer die Personen, die es geschafft haben, genau auf eine Vier zu lernen. Also das fand ich schon auch immer bewundernswert. Aber vielleicht, dass man da auch noch mal sich überlegt, ja, ich probiere das auch einfach mal. Ich probiere das mal, dass ich nicht immer das Gefühl haben muss, ich muss auf eine Eins lernen und muss alles können, sondern einfach mal zu sagen, okay, auch Mut zur Lücke, ich konzentriere mich auf diese Teile und das lasse ich vielleicht mal komplett weg.

Christian: So, und fürs Lernen sind ja irgendwie Routinen auch wichtig. Wir wollten noch so ein bisschen über Routinen reden. Jetzt ist es ja so, dass ich als Familienmensch und jemand, der berufstätig ist, schon ganz viele Routinen in meinem Alltag irgendwie habe. Also ich habe zum Beispiel gesagt, was viele kennen, die ein Familienleben haben, Kinder haben, dass die Kinder irgendwie in die Einrichtung müssen. Das ist so eine Routine, die im Alltag schon besteht, da kann ich eigentlich auch nichts dran ändern, die Kinder müssen in die Einrichtung. Eine andere Routine ist beispielsweise das Fernsehschauen, das gemeinsame, abends, das ist auch ganz typisch bei vielen Familien. Hast du vielleicht irgendwie eine Idee, wie ich mit diesen Routinen umgehen kann? Weiß ich nicht, ändere ich die einfach, im Sinne von, dass ich Routinen entferne, vereinfacht gesagt, und durch neue ersetze? Oder vielleicht Routinen miteinander kombinieren? Um da irgendwie – weiß ich nicht, jetzt nicht direkt zum Abendessen, aber dann zum Fernsehschauen, vielleicht zu lernen, während die anderen fernsehen?

Julia: Also Routinen muss man erstmal sagen, sind, wenn sie positiv besetzt sind, dann ist es ja auch was Gutes. Ich muss nicht jedes Mal eine neue Entscheidung treffen. Keiner von uns überlegt sich früh, putze ich jetzt meine Zähne oder nicht, sondern irgendwie man geht automatisch irgendwie ins Bad, man putzt die Zähne und so weiter. Oder wenn dann die Kinder da sind, man hilft denen beim Anziehen und so weiter. Und von daher ist das schon mal erstmal eine ganz hilfreiche Strategie, Routinen einzubauen, weil es Entscheidungen entlastet, weil es uns eine Sicherheit gibt und weil es auch eine gute Struktur gibt. Von daher ist es erstmal ganz positiv zu werten.

Julia: Jetzt gibt's natürlich positive Routinen, die man beibehalten sollte oder eben auch aufbauen sollte. Und dann gibt's aber natürlich auch noch negative Routinen, die man vielleicht irgendwie abbauen möchte, um positive Routinen aufzubauen. Also auch Gewohnheiten aufzubauen. Da gibt's unterschiedliche Möglichkeiten. Also zum einen, und da empfehle ich auch das Buch von James Clear, Die 1%-Methode, der sagt noch mal ganz klar, ja, um Gewohnheiten aufzubauen, ist es auch hilfreich, sich mit einer bestimmten Identität zu identifizieren, also mit einer bestimmten Person, die man da vielleicht sein möchte. Ob das jetzt zum Beispiel ist, möchte ich eine erfolgreiche Studentin sein, oder ich möchte eine Person sein, die sportlich und gesund lebt. Und wenn das das Ziel ist, dann ist klar, daraus leiten sich Maßnahmen und auch Gewohnheiten ab.

Julia: Dann kann man, um Gewohnheiten aufzubauen, Gewohnheiten an bestehende Gewohnheiten koppeln. Zum Beispiel, du hast vorhin das Beispiel erwähnt, ich bringe meine Kinder vielleicht in die Kita oder irgendwohin. Wenn ich das jetzt mit den Öffentlichen machen würde, vielleicht bringe ich die mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hin, könnte ich sagen, auf dem Rückweg habe ich immer meine Lernkarteikarten dabei und lerne. Dann habe ich an eine bestehende Routine, die ja sowieso schon da ist, was anderes angekoppelt. Ganz einfaches Beispiel: Ich möchte eine gesunde Person werden, ich möchte mehr trinken, und jedes Mal, wenn ich früh eine Tasse Kaffee trinke, trinke ich automatisch ein Glas Wasser dazu. Also das kann man machen, dass man an bestehende Routinen andere Dinge mit aufbaut.

Julia: Dann ist es so, dass man auch hier diese Wenn-dann-Strategie nutzen kann, die wir vorhin schon mal hatten. Also: Wenn ich meine Sportschuhe sehe, dann gehe ich laufen. Wenn früh alle Kinder versorgt sind sozusagen und ich vielleicht eine Stunde Zeit habe, dann setze ich mich an den Schreibtisch.

Julia: Dann ist natürlich die Umgebung wichtig. Also total wichtig ist, um eine Routine zu etablieren, dass man eine gute Umgebung hat. Da gab's eine Studie in Boston im Krankenhaus, die haben festgestellt, dass die Mitarbeiter in der Mensa dort, dass der Verbrauch von Softdrinks extrem hoch ist. Und dann haben die an die Essensausgabe einfach Wasserspender hingestellt, und dann haben die festgestellt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einfach viel, viel mehr Wasser getrunken haben und nicht mehr so viel zuckerhaltige Softdrinks. Und das würde jetzt bedeuten, wenn ich mir eine entsprechende Umgebung schaffe – ich brauche zum Beispiel einen guten Arbeitsraum, einen guten Arbeitsplatz, den ich mir so gestalte, dass ich dort wirklich auch gut lernen kann – also das ist schon einmal wichtig, um Routinen aufzubauen.

Julia: Beim Routinen-Abbau ist es ein bisschen schwierig, weil wir haben oft so Gewohnheitsschleifen. Also wir haben so Trigger, und Trigger sind zum Beispiel: Wir wissen genau, wenn unser Handy eine Push-Nachricht bringt, dass wir dann drauf schauen und gucken, was da steht. Oder wir sehen abends, wir haben alle gemeinsam zu Abend gegessen und der Fernseher steht ja irgendwie im Wohnzimmer vielleicht und die Couch steht da auch davor, und automatisch ist das Verhalten, wir setzen uns dahin und schauen Fernsehen. Weil das ja natürlich auch eine Belohnung gibt, wir haben hier ein Entspannungsgefühl und so weiter.

Julia: Und das ist natürlich ein bisschen schwieriger, dass man sich dann wirklich bewusst macht, was sind das so meine Trigger, welches Verhalten wird ausgelöst. Und letztlich ist das ja auch wie bei Süchten, es ist zwar eine kurzfristige Belohnung, aber auch hier halt zu überlegen, okay, ist es wirklich eine langfristige Belohnung? Oder wäre es vielleicht so, dass man sagt, wenn die Kids alleine noch eine halbe Stunde fernsehen dürfen, dann nutze ich einfach die Zeit, um in der Zeit vielleicht irgendwie was für die Uni zu machen, weil es einfach langfristig dann trotzdem zielorientierter ist.

Julia: Also das ist so ein bisschen diese Gewohnheiten. Es ist häufig auch so, dass sie so ein bisschen brauchen, bis sie aufgebaut werden. Auch da gibt's eine Studie, die bei Studierenden durchgeführt wurde. Die sollten jeden Tag eine Alltagsroutine irgendwie durchführen, spazieren gehen oder irgendsowas. Die haben das 84 Tage gemacht, und da hat man festgestellt, dass es tatsächlich 66 Tage braucht, bis eine neue Routine etabliert ist. Und das ist natürlich schon, es dauert auf jeden Fall so seine Zeit. Oder wenn man zum Beispiel mit dem Fahrrad oder zu Fuß zur Arbeit gehen möchte statt mit dem Auto zu fahren, dann muss man da tatsächlich ein paar Tage durchhalten, bis das zu einer Routine geworden ist. Also man darf sich da denke ich auch die Zeit geben.

Julia: Wichtig ist glaube ich auch, dass man nicht auf einmal versucht, alles zu verändern. Also ich weiß, so das ist ja dieser Klassiker zu Neujahr, dass man sagt, okay, ab dem nächsten Tag lerne ich mehr, ich habe mehr Zeit für meine Familie, ich wäre sportlicher, ich mache alles besser. Und das ist klar, dass es nicht funktioniert. Also da auch zu sagen, was ist jetzt besonders wichtig, und dann vielleicht auch mit kleinen Erfolgen zufrieden sein. Und wenn man eben es nicht schafft, jeden Abend in der Zeit, wo die Kids auf der Couch sind, was für die Uni zu machen, sondern vielleicht nur an einem Tag oder an zwei Tagen in der Woche, dann sich auch auf die Schulter klopfen und sagen, ja, war besser als gar nicht.

Christian: Genau, ja. Was nicht so richtig funktioniert, das kann ich aus Erfahrung sagen, ist, beim Fernsehschauen dann irgendwie zu lernen. Wenn da nebenher der Fernseher läuft und die Kinder, die sitzen da jetzt in der Regel nicht wie Erwachsene einfach nur auf der Couch und liegen da und sagen nichts, sondern die sind ja auch sehr lebhaft. Was gut funktioniert, ist Sport nebenher zu machen, also oder so ein bisschen halt jetzt Yoga oder sowas, das machen Kinder auch gerne mal mit, das ist auch eine Routine, die kann man da super irgendwie so in diese bestehende Fernsehroutine beispielsweise einbauen.

Christian: Und also bei mir war es beispielsweise so, als meine Tochter geboren wurde, habe ich erstmal das Fitnessstudio gekündigt wieder, weil da einfach relativ viel Zeit drauf geht in der Woche, um da hinzugehen und das Training zu machen. Und das geht vielleicht noch vom Zeitaufwand her, aber dann bin ich auch erschöpft irgendwie so am Abend. Und das habe ich einfach erstmal gecancelt und dann eben ersetzt, beispielsweise dadurch, dass ich diese Abendroutine mit integriert habe und da einfach viel mehr mache. Da steht dann auch mein Fitness-Equipment so ein bisschen rum, also Dinge, die man fürs Yoga braucht, beispielsweise oder so kleinere Gewichte. Und die Kinder finden das eigentlich auch mal ganz lustig, wenn man da seine Liegestütze oder irgendwas macht.

Christian: Genau, ja. Dann habe ich mein Büro auch so ein bisschen geändert, weil du gesagt hast, das ist wichtig, dass man sich die Umgebung dann so ein bisschen einrichtet. Hier steht dann auch eben so Fitness-Sachen, sieht man vielleicht, wer hier auf YouTube schaut, im Hintergrund, da steht eben so eine Hantelbank rum und solche Sachen. Was mir noch so ein bisschen fehlt, ist diese Wenn-dann-Sache, also zu sagen, okay, jedes Mal, wenn ich hier reinkomme, muss ich erstmal zehn Kreuzheben machen oder irgendwas in die Richtung. Aber das habe ich mir jetzt auf jeden Fall vorgenommen, nehme ich mir auf jeden Fall mit aus diesem Podcast, mir dann diese Routinen eben dann damit noch so ein bisschen zu verfeinern durch so eine Wenn-dann-Bedingung.

Julia: Ja, genau. Und du hast es gerade angesprochen, diese Differenz oder der Unterschied zwischen warum funktioniert es zum Beispiel, Sport zu machen und nebenbei irgendwie fernzusehen oder die Kinder sind jetzt einfach lauter – so, und das eine und das andere ist: Da brauchen wir den Fokus nicht entsprechend. Es ging ja darum, du hast vorhin erwähnt, dass man nebenbei fernsehen kann und die Kinder sind auch da, oder man kann nebenbei eine Sportübung machen. Und da ist es so, dass wir natürlich den Fokus nicht zu 100 % auf einem oder dem anderen haben, und dann können wir das natürlich auch nebenbei laufen lassen. Wir nennen das zwar immer so, wir sind multitaskingfähig, aber in dem Fall heißt es, wir schauen, wir kriegen nicht so ganz hundertprozentig mit, was im Fernsehen läuft, vielleicht ist die Sportübung jetzt auch nicht ganz – erfordert nicht unsere absolute Konzentration, und die Kinder, mit denen führt man jetzt auch kein tiefgründiges Gespräch. Lernen nebenbei ist eigentlich fast nicht möglich. Also was man dann mal machen kann, ist, dass man vielleicht noch mal irgendwas sortiert, aussortiert, oder also irgendwie eine Tätigkeit, die gemacht werden muss, die aber jetzt nicht 100 % der Konzentration erfordert.

Christian: Genau. Das macht man dann eben am besten am Tagesanfang, das hatten wir auch schon besprochen. Lass uns zum Schluss noch über das Thema Deep Work reden. Ich glaube, über dieses Thema könnte man eigentlich einen ganzen Podcast machen und da auch ein paar Stunden drüber reden. Wir wollen es noch mal so ein bisschen anschneiden, auch als Inspiration, sich damit mal ein bisschen auseinanderzusetzen, wie man konzentriert auch über einen längeren Zeitraum an Dingen arbeiten kann. Also was ist Deep Work eigentlich genau? Tiefe Arbeit – was kann ich mir da drunter vorstellen?

Julia: Genau, da gibt's das Buch auch von Cal Newport, der das Buch Deep Work rausgebracht hat. Und kurz in kurzen Worten, es beschreibt, dass wir in einer Welt leben, in der wir permanent abgelenkt werden. Also es ist nicht unser Problem, dass wir Langeweile haben, sondern unser Problem ist eher, wir leben in einer Welt mit ganz vielen Ablenkungen und schaffen es selten, in einen wirklich tiefen Arbeitsflow zu kommen. Und das beschreibt er in diesem Buch. Und genau da ist eben auch zum Beispiel diese Studie, dass wir uns selbst häufig alle 3 Minuten ablenken und gar nicht in so einen tiefen Workflow kommen.

Julia: Jetzt brauchen wir diesen tiefen Workflow natürlich nicht, wenn wir einzelne kleine Aufgaben erledigen – hier das Telefonat, da die Spülmaschine ausräumen und so weiter. Dafür brauche ich das nicht. Aber ich brauche es in gewissen Situationen, wenn ich mich auf eine Prüfung vorbereite, wenn ich zum Beispiel eine Altklausur durcharbeite oder wenn ich an der Abschlussarbeit schreibe. Da ist es absolut kontraproduktiv, wenn ich überhaupt nicht richtig in so einen tiefen Workflow reinkomme.

Julia: Um da reinzukommen – und das braucht tatsächlich ein bisschen Übung, weil Denken tut weh, soll angeblich Albert Einstein mal zu Hannah Arendt gesagt haben, und man macht sich nicht unbeliebt, als irgendwie Menschen zum Denken zu bringen. Aber man kennt es, manchmal ist es so dieses – so ein Prozess so komplett durchzudenken, oder sich noch mal irgendwie bei einer Prüfungsvorbereitung hinzusetzen und sich wirklich zu überlegen, okay, wie ist die Antwort, wie könnte die Antwort auf diese Frage sein, das ist super, super anstrengend. Aber dafür muss ich auch wirklich tief reingehen.

Julia: Und bei Deep Work geht's darum, dass wir einmal auch hier die morgendliche Willenskraft nutzen, Multitasking vermeiden, und dass wir unseren persönlichen Deep-Work-Style finden. Und da meine ich tatsächlich, es gibt Möglichkeiten: Also entweder versuche, eine komplette Auszeit zu nehmen. Manche können das so oder bekommen das hin, dass sie sagen, okay, ich kann jetzt ein ganzes Wochenende irgendwo anders hinfahren und kann einfach ein Wochenende lang nur mich auf die Prüfung vorbereiten, nur meine Abschlussarbeit schreiben. Als ich selber zum Beispiel mein Buch geschrieben habe, brauchte ich auch einfach mal Phasen, man kann nicht mal eine halbe Stunde sowas machen zwischenrein, das funktioniert nicht.

Julia: Oder man kann eine temporäre Auszeit sich nehmen, vielleicht, dass man sagt, okay, ich bekomme am Dienstag und am Donnerstagabend – passt mein Mann auf die Kinder auf, bringt die ins Bett, macht das Abendbrot und so weiter – und ich habe einfach immer Dienstag und Donnerstagabend vier Stunden Zeit. Oder eben halt auch so wiederkehrende Auszeiten, also jeden Abend vielleicht eine Stunde oder sowas in der Art.

Julia: Und dann eben auch hier Rituale zu finden, zur Arbeitszeit, zum Arbeitsort. Also vielleicht nicht einmal in der Küche lernen, einmal im Wohnzimmer, sondern auch zu sagen, okay, wenn ich am Schreibtisch sitze, dann ist es auch produktive Arbeitszeit, und sich da eben eine gewisse Tagesstruktur schaffen. Ist natürlich immer schwerer, wenn man ein Umfeld hat mit Familie und so weiter, als wenn man nur für sich sich organisieren muss.

Julia: Und da gibt's natürlich auch zum Beispiel Möglichkeiten, dass man schauen muss, woran liegt es, warum werde ich zum Beispiel immer wieder unterbrochen? Liegt es daran, dass viel Lärm ist in meiner Wohnung? Da gibt's zum Beispiel solche Kopfhörer, die man sich aufsetzen kann, um den Geräuschpegel zu reduzieren. Wenn es mein Handy ist, wo ich mich immer wieder ablenken lasse, dann kann ich mir zum Beispiel – da gibt's zwei Apps, einmal für Apple glaube ich ist die Flora-App, oder Forest, und die kostenfreie Variante heißt glaube ich Plantie.

Christian: Kennst du bestimmt, oder? Also ich sehe das sehr viel unter unserer, also in unserer Community nutzen sehr, sehr viele das. Ich nutze es selber nicht, habe das noch nie ausprobiert, aber ich muss sagen, wahrscheinlich werde ich das auch mal demnächst machen, weil ich lasse mich auch sehr, sehr viel von meinem Handy ablenken. Das ist auch berufsbedingt einfach, weil wir eben sehr viel auf Social Media unterwegs sind, und dann schaut man immer wieder, wie funktioniert das und jenes, haben wir das jetzt richtig hochgeladen, hat das Kommentare, man muss Kommentare beantworten und so weiter. So geht es aber dem Großteil unserer Zielgruppe jetzt wahrscheinlich nicht, und unseren Zuhörern und Zuschauern, denen fällt es dann vielleicht ein bisschen leichter. Aber gerade durch das Familienleben kann man jetzt auch nicht immer unbedingt sein Handy abschalten, weil man eben irgendwie erreichbar sein muss, für die Frau vielleicht, auch für Kinder, wenn die schon ein bisschen älter sind. Das muss man sich eben dann in den Alltag organisieren, wie du es gesagt hast: Jeden Dienstag und jeden Donnerstag habe ich jetzt diese drei, vier Stunden Zeit, ich weiß, da kann ich mich jetzt wirklich verlassen, dass ich diese Zeit habe, um meine Arbeit zu erledigen.

Christian: Also du hast gesagt, es muss nicht immer Deep Work sein. Also für den Abwasch brauch ich jetzt kein Flowerlebnis in dem Sinne. Vielleicht hat man das ja auch irgendwie, weil man gerne abwäscht, um dabei über Dinge nachdenken zu können und völlig drin in der Aufgabe. Aber für so größere Aufgaben ist es schon wichtig. Bei mir ist Programmieren beispielsweise so eine Sache, wo ich ganz schnell auch in den Flow komme, und manchmal merke ich auch, dass ich mir dann diese Aufgaben auch suche, wo ich wirklich die Möglichkeit habe oder ja auch so getriggert werde, einfach so ganz vertieft an Dingen zu arbeiten.

Julia: Ja, also das, und wahrscheinlich brauchst du das ja in dem Moment auch, weil du kannst ja auch nicht sagen, okay, ich programmiere mal eben 10 Minuten oder so. Und du hast vorhin auch noch mal angesprochen, dass man natürlich auch erreichbar sein muss. Das ist klar, aber ich denke, wenn man tatsächlich dann die Zeit hat, wo man sagt, okay, jetzt habe ich tatsächlich zwei Stunden Zeit um zu lernen, weil vielleicht der Partner auf die Kinder aufpasst oder weil sie einfach schon im Bett sind, dann wäre es vielleicht trotzdem notwendig zu sagen, dann lege ich zumindest das Telefon in den anderen Raum. Weil also ich finde es auch wirklich schwierig, diese Push-Benachrichtigungen, die ja häufig auftauchen, und dann ist es vielleicht einfach nur irgendwie eine Push-Benachrichtigung von irgendeinem Social-Media-Account, und der ist jetzt ja nicht so wichtig in dem Moment, und trotzdem lässt man sich häufig ablenken und klickt dann einfach drauf.

Christian: Ja, die habe ich eigentlich großteils ausgeschaltet, also ich meine, bei WhatsApp bekomme ich noch Push-Benachrichtigungen, da ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass da auch was Wichtiges dabei ist. Aber für Instagram und so habe ich die ausgeschaltet. Aber ich ertappe mich immer wieder, wie ich dann auf Instagram einfach gehe und um zu schauen, ob es da irgendwas Neues gibt. Da muss man sich irgendwie auch lernen zu kontrollieren und es dann einfach in Flugmodus zu gehen, wirklich auch ganz konsequent, für die Zeit, in der man da wirklich vertieft arbeiten möchte.

Julia: Ganz genau.

Christian: Ja, cool, ich glaube, wir haben über fast alles geredet, über was wir reden wollten. Eine Sache vielleicht, da können wir noch ein, zwei Hinweise geben, sind die Lernmethoden. Das ist ja auch irgendwie wichtig, um ja vielleicht auch Zeit zu sparen. Vielleicht verbraucht man teilweise auch sehr viel Zeit, um sich auf Klausuren vorzubereiten, was gar nicht notwendig ist, weil man da mit einer schlechten Lernmethode jetzt zu viel lernt. Kannst du uns da vielleicht noch ein, zwei Hinweise geben, womit man sich auseinandersetzen könnte, wenn einen das Thema interessiert?

Julia: Ja, also bei Lernmethoden oder Lerntechniken, da gibt's auch unterschiedliche Lernmethoden, wo man auch herausgefunden hat, dass sie zum Teil weniger wirksam sind und andere sind wirksamer. Was ich zum Beispiel super spannend fand, war – und das machen ganz, ganz viele – Texte markieren. Zum Beispiel, dass das eine sehr, sehr ineffektive Lernmethode ist. Also wenn man es dafür nutzt, um der Meinung zu sein, dass man einen Text bearbeitet und danach weiß, was da drinsteht. Wenn man es nutzt, um daraus dann wiederum eine Zusammenfassung mit eigenen Worten zu schreiben, dann ist es wieder effektiver. Aber grundsätzlich dieses Markieren ist eigentlich nicht so sonderlich effizient.

Julia: Was zum Beispiel als sehr effektive Lernmethode einfach feststeht, ist sowas wie Altklausuren durchzuarbeiten. Also das wird als wirklich sehr, sehr effektive Lernmethode angesehen. Dann gibt's aber natürlich auch noch so Sachen, die vielleicht jetzt nicht unbedingt schon so erforscht sind, aber wo wir auch wissen, dass sie hilfreich sein können: Das ist zum einen natürlich in Lerngruppen. Das ist jetzt natürlich ein bisschen schwieriger bei Personen, die im Fernstudium lernen, aber vielleicht schafft man es trotzdem, dass man mal einen Zoom-Call mit anderen Personen, die vielleicht im gleichen Semester oder sowas studieren, macht.

Julia: Das hat den großen Vorteil, und das muss ich wirklich an der Stelle so sagen: Ich habe, als ich begonnen habe damals mit dem Studium, da habe ich mich mal auf eine Klausur vorbereitet, und ich hätte wirklich in eine komplett falsche Richtung gelernt, wenn ich nicht mit anderen mich ausgetauscht hätte. Und ich war damals auch so, dass ich mir gedacht habe, ich kann viel besser alleine lernen, ich brauche die anderen gar nicht, und so eine Lerngruppe ist total verschwendete Zeit. Aber ich glaube, es ist dann wichtig, um sich auszutauschen, um noch mal zu prüfen: Haben wir alle die gleichen Unterlagen? Der eine hat vielleicht doch noch mal irgendwo gehört, dass jemand gesagt hat, Mensch, da schauen Sie mal noch mal genau hin.

Julia: Und dann ist es auch sinnvoll, wenn man sich trifft, dann aber nicht, wenn die Leute sich noch überhaupt nicht vorbereitet haben, sondern man muss dann eigentlich schon vorbereitet sein zum Thema. Wenn man wirklich sagt, okay, ich habe jetzt die Sachen schon gelernt und wir treffen uns, um uns wirklich auszutauschen und nicht im Sinne von zu jammern, wie viel wir lernen müssen, sondern wirklich ganz konkret dann angehen und sagen, okay, wir haben dieses und jenes Thema, das habe ich noch nicht verstanden, kann das jemand in der Gruppe mir das noch mal erklären.

Julia: Oder wenn andere was erklärt bekommen wollen – da gibt's wirklich Erkenntnisse, wenn man selbst in der Lage ist, etwas jemandem anderem zu erklären, dann ist es eine sehr, sehr wirksame Strategie, um zu lernen. Und gleichzeitig kann man sich selbst dadurch auch überprüfen: Oh, ich habe das verstanden! Und dann ist es natürlich auch nicht mehr so, dass man so viel auswendig lernen muss, weil Dinge, die man verstanden hat, natürlich auch viel, viel einfacher sind wiederzugeben.

Christian: Und in der Familie kann man das ja auch so versuchen, dass man dann versucht, den Lernstoff irgendwie noch mal seinen Kindern zu erklären. Da kommt man gleich noch mal in größere Schwierigkeiten, zu versuchen, das wirklich dann auch kindgerecht zu erklären. Und wenn man das schafft, dann hat man es definitiv gut verstanden.

Julia: Definitiv, das ist absolute High Level, weil erstens muss ich jemandem anderem erklären, und ich muss es so runterbrechen, dass es sogar ein Kind versteht. Und dann muss man sagen, dann hat man das wirklich verstanden, dass man vielleicht komplizierten Lernstoff so aufbereitet hat, dass es wirklich jeder versteht. Dann kann überhaupt nichts mehr schiefgehen.

Christian: Genau. Ja Julia, dann zum Schluss, vielleicht verrätst du uns noch, wie kann man dir folgen, wo kann man dir folgen? Ich glaube, du hast auch einen YouTube-Kanal. Und wie kann man mit dir in Kontakt treten?

Julia: Sehr, sehr gerne. Also ich heiße überall auf meinen Kanälen Schreibtischtalente bei Dr. Julia Simon, also sowohl auf YouTube als auch auf Instagram. TikTok, ja, also mache ich noch nicht so wirklich, ich habe zwar dort einen Kanal aufgemacht, aber das verfolge ich noch nicht ganz so sehr. Ich meine, es ist natürlich auch dem geschuldet, dass ich das ja auch alles so nebenbei mache. Also von daher, Instagram und YouTube sind so meine Hauptkanäle, wo man auch immer wieder erfährt, was ich jetzt Neues mache, was ich vorhabe. Das Buch zum Beispiel wird dort auch vorgestellt, Der ultimative Study Guide, man kann den da auch bestellen, man kann mir dort eine Direct Message einfach schreiben oder über die Mailadresse. Also in der Regel antworte ich da auch recht zeitnah.

Christian: Okay, wir verlinken das alles in der Beschreibung für das Video bzw. für den Podcast, und natürlich auch den Link zu deinem Buch. Und wer möchte, der liest einfach, der kann auch noch mal nachlesen die Dinge, über die wir jetzt geredet haben, und natürlich noch viel mehr. Beispielsweise schreibst du auch über die Lernmethoden, die wir jetzt nur ganz kurz angeschnitten haben, und ich glaube, das Thema Deep Work kommt auch im Buch vor, oder?

Julia: Ganz genau, das ist auch ein großer Teil sogar. Also das sind mehrere Seiten, da wird es auch noch mal ganz genau beschrieben, was die Vorteile davon sind und auch, wie man es am besten umsetzen kann.

Christian: Ja, cool. Dann vielen Dank, dass du hier dein ganzes Wissen mit uns teilst, und ja, schönen Tag noch. Tschüss!

Julia: Vielen Dank, dass ich da sein durfte. Das hat mir wirklich Spaß gemacht. Tschüss!

Kommentare