Fernstudium meistern: So legst du die Grundlagen für deinen Erfolg – mit Tim Reichel & Markus Jung
Warum scheitern so viele an ihrer Weiterbildung oder ihrem Fernstudium – obwohl der Stoff eigentlich machbar wäre? Und wie gelingt es, neben Vollzeitjob und Familie erfolgreich zu lernen? Christian spricht in dieser Episode mit zwei Experten, die beide bereits im Podcast zu Gast waren – jetzt aber erstmals gemeinsam.
Tim Reichel ( @Studienscheiss ) war 12 Jahre Studienberater an der RWTH Aachen, gibt heute u.a. Zeitmanagement-Workshops und ist Gründer des Studienscheiss-Verlags. Markus Jung ( @Fernstudium-Infos ) hat selbst berufsbegleitend Informatik studiert und ist seit 25 Jahren Gründer und Betreiber der größten deutschsprachigen Fernstudium-Community. Gemeinsam haben sie „So schaffst du jede Weiterbildung" geschrieben – der Nachfolger von „How to Fernstudium" aus 2023, mit dem die beiden erstmals ihre Expertise gebündelt haben.
Im Gespräch geht es um falsche Erwartungen beim Start, die Bedeutung einer gründlichen Bestandsaufnahme, die 3P-Regel für realistische Zielsetzung, das Zeitkonto-Konzept für die Balance zwischen Job, Familie und Lernen, die Leistungskurve für effektives Lernen sowie Lerntechniken, Motivation und kleine Gewohnheiten, die langfristig den Unterschied machen.
Eine wertvolle Episode für alle, die gerade mit Fernstudium oder Weiterbildung starten – oder es planen.
Inhalt:
00:00:00 Vorschau
00:01:28 Kurze Vorstellungsrunde: Wer sind Tim & Markus?
00:04:44 Warum scheitern Leute an Weiterbildung & Studium?
00:10:12 Erfolgsfaktor 1: Die Bestandsaufnahme
00:14:20 Erfolgsfaktor 2: Ziele richtig setzen – z.B. mit der 3P Regel
00:20:42 Erfolgsfaktor 3: Zeitmanagement – das „Zeitkonto“ im Blick
00:30:36 Erfolgsfaktor 4: Lernplanung & Lerntechniken
00:38:01 Erfolgsfaktor 5: Alltag organisieren – mit Rücksicht auf die Leistungskurve
00:45:28 Erfolgsfaktor 6: Motivation, Gewohnheiten & kleine Hacks
00:56:54 Tims & Markus' Top-Tipps aus ihrem Buch
00:59:11 Ausblick: Bald mehr von Tim & Markus?
01:00:24 „So schaffst du jede Weiterbildung“ & Abschließende Worte
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Tim & Markus im Internet:
🔗 Tim Reichel & Studienscheiss:
➡️ Website: www.studienscheiss.de
➡️ Youtube: youtube.com/c/StudienscheissDe2014
➡️ Tiktok: tiktok.com/@studienscheiss
➡️ Instagram: instagram.com/studienscheiss
➡️ Facebook: facebook.com/studienscheiss
🔗 Markus Jung & fernstudium-infos:
➡️ Website: www.fernstudium-infos.de
➡️ Youtube: youtube.com/@Fernstudium-Infos
➡️ LinkedIn: linkedin.com/company/fernstudium-infos.de
➡️ Markus auf LinkedIn: linkedin.com/in/fernstudium
➡️ Instagram: instagram.com/fernstudium_infos
➡️ Facebook: facebook.com/FernstudiumInfosDe
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📚 „So schaffst du jede Weiterbildung“ – das Buch von Tim & Markus gibt's hier:
🛒 Im Studienscheiss-Verlag, mit XXL-Leseprobe: studienscheiss.de/buecher
🛒 Auf Amazon: amazon.de
🛒 Bei Thalia: thalia.de/shop
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Im Podcast erwähnt:
👉 Christians aktuelle Weiterbildung: „AI Business Consulting“ an der IU
👉 So hat sich Christian auf seine Weiterbildung vorbereitet - mit Lernplan & KI-Coach Felix: youtube.com/watch
👉 KI-Studycoach Felix unterstützt dich 24/7 hier: fernstudi.net/studycoach
👉 Unser Fokus-Timer für deine Pomodoro-Sessions: fernstudi.net/pomodoro
👉 Tracke deine Sessions & Studienfortschritte: fernstudi.net/studytracker
▶️ Unser vorheriger Podcast mit Tim über Produktivität im Fernstudium: podcast/18
▶️ Unser vorheriger Podcast mit Markus über Entwicklungen in der Fernstudienbranche 2025: podcast/43
▶️ Alle Podcasts in unserer Youtube-Playlist: youtube.com/playlist
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#podcast #fernstudium #selbstorganisation
Christian: Herzlich willkommen hier im Podcast, zum wiederholten Male zu Gast: Tim Reichel von studienscheiss.de und Markus Jung von fernstudium-infos.de. Die beiden haben mal wieder ein Buch geschrieben: „So schaffst du jede Weiterbildung". Und ich glaube, die haben das irgendwie direkt für mich geschrieben. Ich habe jetzt im neuen Jahr auch eine neue Weiterbildung gestartet. In diesem Podcast wollen wir uns mal ein bisschen damit auseinandersetzen, was die Erfolgsfaktoren sind, die man beachten sollte, wenn man in eine neue Weiterbildung geht oder auch in ein Studium, in ein Fernstudium. Das geht los mit einer Bestandsaufnahme, möglichst noch vor Studienstart. Dann gucken wir mal, wie organisiere ich meinen Alltag, wie bleibe ich motiviert, wie baue ich mir Routinen auf, muss ich mir einen Lernplan erstellen. All diese Dinge werde ich Markus und Tim fragen.
Christian: So, ihr beiden, dann herzlich willkommen hier im Podcast. Das letzte Mal jeweils einzeln und jetzt sind wir alle zusammen hier und wollen über das spannende Thema Weiterbildung reden. Ich hatte im Intro schon gesagt, vielleicht können wir das Ganze auch aufs Studium münzen. Es gibt ja auch ganz viele Menschen, die jetzt mit einem Studium anfangen. Da gibt's ja auch ganz viele Prinzipien, die ihr auch in eurem Buch beschreibt, die genauso auch auf jemanden passen, der oder die ein Studium jetzt im neuen Jahr startet. Aber bevor wir wirklich in das Thema einsteigen, vielleicht stellt ihr euch noch mal ganz kurz vor. Markus, fang du mal bitte an.
Markus: Ja, mache ich gerne. Markus Jung, dem Thema Fernstudium verpflichtet, mittlerweile seit schon 25 Jahren. Selbst mein Fernstudium gemacht, Informatik studiert an der heutigen Wilhelm Büchner Hochschule, die Community von Fernstudium-Infos.de gegründet, dann irgendwann einfach, weil es großes Interesse gab und immer noch gibt an diesem Thema Fernstudium. Ich berate seit vielen Jahren und bringe vor allem noch eine Community zusammen, die da im Austausch ist. Und seit ein paar Jahren jetzt zusammen mit Tim Reichel dabei, auch Ratgeberbücher zum Thema Fernstudium und Weiterbildung zu schreiben. „How to Fernstudium" ging es los. Wir haben jetzt gesagt, wir machen das Ganze noch mal breiter und ganz neu dann dieses „So schaffst du jede Weiterbildung" dazugenommen. Tim, der Experte für Techniken, und ich bringe so das wahre Leben dann mit dazu.
Christian: Tim, erzähl mal ein bisschen was über dich.
Tim: Ja, hi, ich bin Tim Reichel, von Haus aus Studienberater. Habe 12 Jahre als Studienberater an der RWTH Aachen gearbeitet, Studienorganisation und so weiter. Kannst mich nachts um 3 wecken, kann ich dir was zu sagen. Nächster Schritt war dann, sich Richtung Zeitmanagement weiterzuentwickeln. Ich gebe Seminare, halte Workshops, coache Führungskräfte, aber auch quer durch die Bank durch. Nebenbei betreibe ich immer noch die Plattform Studienscheiss, die größte deutschsprachige Plattform für Studierende rund um Studienorganisation, Zeitmanagement, Motivation, Lerntechniken und so weiter. Bin sehr Technik- und Methoden-affin. Markus und ich finden immer wieder Überschneidungen, wo wir uns zusammentun können. Halt das Pragmatische aus dem Fernstudiums- und Weiterbildungsalltag sozusagen mit dieser modernen Produktivität, wie ich es immer nenne. Es geht nicht darum, sich auszubeuten, sondern ganz entspannt alle Verpflichtungen unter den Hut zu bringen, trotzdem erfolgreich zu sein, aber klug mit dem optimalen Zeitmanagement die wichtigsten Dinge im Leben zu schaffen. Gerade im Bildungsbereich ist das wichtig.
Christian: Über die Methoden hatten wir ja auch in unserem gemeinsamen letzten Podcast ausführlich gesprochen und eine Methode, über die wir auch gesprochen hatten, war die Pomodoro-Methode. Die habe ich mir wirklich seitdem angeeignet und noch mehr angewöhnt, auch noch mal so als Inspiration aus diesem Podcast, den wir da gemeinsam hatten. Vielleicht sage ich nachher noch ein bisschen was dazu. Ich hatte ja gesagt, ich mache aktuell auch eine Weiterbildung, dann nutze ich das auch ganz intensiv.
Christian: Lasst uns mal in das Thema einsteigen. Ich würde sagen, die Grundessenz eigentlich eures Buches ist so ein bisschen eine Aussage, die lautet: „Die meisten scheitern nicht am Stoff, sondern an sich selbst." Vielleicht können wir da erstmal so ein bisschen drauf eingehen. Vielleicht ist es ja auch gar nicht so. Was würdet ihr denn sagen? Ist es wirklich so, dass ganz viele abbrechen? Markus, da kannst du ein bisschen was aus deiner Erfahrung, aus deiner Community sagen. Oder ist das eher ein Mythos, dass die meisten, die so ein Studium starten oder auch eine Weiterbildung starten, relativ flott wieder abbrechen?
Markus: Also nee, Mythos ist es nicht. Ich glaube, das auch unabhängig von der Lernform, ob es jetzt ein Fernstudium ist, ein Präsenzstudium ist oder Weiterbildungen sind. Und ich finde auch ganz schön, wie du das gesagt hast, das ist ganz selten tatsächlich, dass Menschen deshalb abbrechen, Fernstudium, Fernlehrgang vielleicht auch, weil sie fachlich total überfordert sind und das dann nicht packen oder endgültig auch eine Prüfung nicht bestehen oder daran scheitern. Klar, da gibt es Themen, mit denen man gar nicht zurechtkommt, aber viel häufiger ist es tatsächlich an sich selbst. Man ist häufig mit völlig falschen Erwartungen rangegangen an das Studium und auch ohne die richtige Vorbereitung, hat vielleicht gar nicht recherchiert und merkt dann: Oh, das ist ja gar nicht das, was ich dachte, dass es wäre.
Markus: Was ich ganz spannend finde, diese falschen Erwartungen gehen auch oft in zwei Richtungen. Ich kenne einmal diejenigen, die sagen: „Ja, ja, ich schaffe das Ganze in der Hälfte der vorgesehenen Zeit und noch dazu mit Bestnoten." Wird dann schwierig, gerade wenn man vielleicht auch vorher so mit Ach und Krach durch andere Bildungswege oder durch die Schule durchgekommen ist. Und auf der anderen Seite sind die Menschen, die gehen dann ran so: Ja, ich fange mal an und irgendwie wird das schon. Die machen sich überhaupt keine Gedanken, was da überhaupt ist und wie viel das ist, wie sie sich ein bisschen strukturieren dabei.
Markus: Ganz besonders extrem ist das oft bei Menschen, die das Fernabitur machen wollen. Das sind wirklich die einen, die sagen: Ich schaffe das Fernabi jetzt komplett in einem Jahr und mit einer Eins vom Komma. Und auf der anderen Seite dann diejenigen, die sagen: „Ja, ich gucke mal, ich weiß auch gar nicht genau, ob ich es wirklich schaffe, und ich schaue mal, was ich jetzt bekommen von der Fernschule, und dann wurstle ich mal so ein bisschen." Und dann gibt's natürlich auch diejenigen, die strukturiert reingehen, die sich vorbereiten, vielleicht auch mal ein Buch lesen vorher oder sich im Internet informieren, Communities wie bei dir auf fernstudi.net oder auch bei mir, und dann noch ein bisschen realistischer daran gehen können und auch gute Chancen haben, erfolgreich zu sein.
Christian: Ja, ich kenne das auch aus der Studienberatung, diesen ganz klassischen Fall der ganz überambitionierten. Von wegen: Schaffe ich das jetzt Vollzeit mit einem Aufwand von 10 Stunden die Woche? Aber ich kenne auch das andere Extrem. Tim, wie sieht es bei dir aus? Du kennst ja auch noch so ein bisschen mehr diesen Präsenzstudienbereich oder Menschen, die ins Präsenzstudium starten. Gibt's da ähnliche Probleme?
Tim: Ja, und ich würde sogar noch weitergehen. Gut, dass du es sagst. Ich glaube, es gilt fürs ganze Leben so: Wenn man mit etwas Neuem beginnt, sich keine Gedanken vorher darüber macht und einfach planlos reinstartet, das kann okay sein. Ich habe auch sehr viel Respekt vor Menschen, die etwas beginnen und etwas tun und aktiv sind. Aber irgendwann schwingt das um, wenn ich planlos agiere, wenn ich mich in etwas Hals über Kopf hineinstürze und einfach drauflos studiere, mich weiterbilde und so weiter, dann kann es sein, dass ich meine Energie nicht gut einsetze, dass ich meine Zeit verschwende. Das wollen wir halt nicht.
Tim: Du hast gesagt, die These: Viele scheitern an sich selbst. Ja, ich glaube schon. Ich glaube, dass man ausschließlich an sich selbst scheitert, wenn man ungefähr die Fähigkeiten mitbringt, die für eine Herausforderung vorgesehen sind. Und meistens kann man sich die ja auch beibringen, insbesondere bei einer Weiterbildung. Darum ist es so wichtig, so unglaublich wichtig, sich zu organisieren, zu planen, die Situation zu analysieren, darauf ausgehend dann einen guten Plan zu schaffen, den auch immer wieder umzuwerfen, von mir aus, das ist nicht schlimm, aber diesen Prozess des Planens, dass man da reinkommt und dass das in Fleisch und Blut übergeht. Damit wird man in jedem Bereich im Leben erfolgreich, ob das jetzt Job ist oder in der Familie. Immer wenn man plant, wenn man versucht, die Zukunft so ein bisschen vorwegzunehmen, und wenn es nur 10 % sind, die anderen Prozente kommen dann schnell mit oder folgen in die richtige Richtung.
Tim: Man muss es aber versuchen, man muss versuchen, dieses Chaos irgendwie in Form zu bringen. Es wird immer noch Chaos danach da sein, aber das ist gutes Chaos, weil es auf eine Struktur trifft, die einem hilft, die eigenen Ziele zu verfolgen. Darum ist es richtig, was du sagst: Viele scheitern an sich selbst, weil sie dieses Planen bisher entweder nicht gebraucht oder auch nicht gelernt haben. Die sind dann irgendwie so dadurch gehuscht. Dann kommt jetzt aber mal eine andere Herausforderung, sei das jetzt, wie Markus gerade gesagt hat, so ein Fernabitur oder ein Studium, wie du es angesprochen hast. Das kommt dann auf einmal was ganz Neues und das trifft auf Verpflichtungen, auf den Alltag, der schon da ist, der schon gefestigt ist und der schon sagt: „Nee, ich gehe auch nicht weg. Kannst jetzt gucken, wie du dich drumherum irgendwie baust." Wenn das passiert, da muss man anfangen zu organisieren, da muss man schauen, wo zwacke ich denn Zeit ab, wie mache ich denn meine Prioritäten? Die werden auch, wir sprechen dann von dynamischen Prioritäten, die sind dann am einen Tag mal so, am anderen Tag mal so, was dann auch noch mal verwirrend ist, wenn man sich darüber nicht bewusst ist. Aber ich glaube, dass so ein Weiterbildungsprojekt in erster Linie auch eine ganz große Arbeit an sich selbst ist, nicht nur inhaltlich, sondern auch organisatorisch und planerisch.
Christian: Ein ganz großer Bereich eures Buches ist ja erstmal die Bestandsaufnahme. Damit sollte es eigentlich erstmal losgehen, wenn man sich in so eine Weiterbildung stürzt oder eben auch in ein Studium, und die Beantwortung der Frage: Was kommt da jetzt eigentlich so auf mich zu? Markus, mache ich diese Bestandsaufnahme, bevor ich mich irgendwo angemeldet habe bei einem Anbieter, oder mache ich das dann, wenn ich das erste Modul belegt habe?
Markus: Also ich würde es zweistufig machen. Grundsätzlich, klar, würde ich mir überlegen, was kommt denn da auf mich zu, bevor ich mich anmelde, um halt gerade das zu vermeiden, was wir gerade besprochen haben, dass es völlig etwas anderes ist, als das, was ich eigentlich erwartet habe. Aber dann auch noch mal, wenn ich die Unterlagen habe, wenn ich auch schon weiß, was an Inhalten tatsächlich auf mich zukommt, dass ich dann noch mal ganz konkret mir einen Überblick verschaffe, eine Bestandsaufnahme vornehme und das auch strukturiert mache.
Markus: Also überlegen: Was sind denn jetzt die Inhalte und auch die konkreten Lernziele, und das auch im ersten, zweiten, dritten Kapitel oder Studienheft oder Videobereich, je nachdem wie das Ganze dann strukturiert ist. Weiter zu überlegen, welche Medien werden denn eingesetzt: Sind es hauptsächlich Videos, gibt es Skripte, gibt's vielleicht Foliensätze dazu, oder aber ist es so, dass ich vielleicht sogar noch externe Literatur brauche, die ich mir dann geschickterweise auch erstmal besorgen sollte, damit die vorhanden ist, damit ich loslegen kann. Das also auch mit reinnehmen, sich in ein paar kurzen Stichpunkten notieren.
Markus: Und dann natürlich auch ganz wichtig, um eine Grundlage zu haben hinterher für die Planung: Was sind denn feste Termine, die ich habe? Gibt es Veranstaltungen, die stattfinden? Egal, ob das jetzt irgendwo in Hamburg oder München ist, wo ich hinreisen muss, dann ist es noch ein bisschen aufwendiger. Aber auch wenn ich nur ein Webinar habe, muss ich die Zeit dafür freiräumen. Gibt es Deadlines, wann ich zum Beispiel Hausaufgaben einreichen muss? Und ganz wichtig natürlich: Gibt es Prüfungen? Wann finden diese Prüfungen statt? Sind die fest? Sind die vielleicht flexibel? Weil das ist ja auch so der Fixpunkt, auf den ich dann hinarbeite.
Christian: Ich habe das in meiner Weiterbildung jetzt so gemacht, dass ich mir einfach erstmal eine Übersicht geschaffen habe über die Module, die ich da absolvieren muss, und in die Module reingeschaut. Da sind zwei grundlegende Module erstmal dabei, die eher als Voraussetzung für die Weiterbildung sind. Eines dieser Module ist ein Mathematikmodul zum Beispiel. Da war schon klar, okay, da wird's vielleicht für mich ein bisschen schwer. Ich war in der Schule nicht ganz so gut, aber es ist halt auch eine super Herausforderung. Eigentlich müsste ich es nicht machen für diese Weiterbildung und habe mich dann entschieden, das doch zu machen. Wahrscheinlich ist es auch ganz sinnvoll, wenn man sich jetzt mit KI zum Beispiel beschäftigt, auch noch mal Mathematikgrundlagen zu legen. Und dafür habe ich mir dann aber auch ein bisschen mehr Zeit eingeplant.
Christian: Was ich gemacht habe, ist, klingt jetzt vielleicht ein bisschen verrückt, aber ich habe mir ein kleines Tool gebastelt, wo ich das Ganze schön in einer Übersicht habe. Das gibt's bei uns auf fernstudi.net, wo ich mir abklicken kann, wenn ich was erledigt habe, meine Noten eintragen kann und einfach sehen kann, wie weit ich bin, und so ein bisschen Statistik habe. Also das ist für mich halt super hilfreich. Vielleicht nimmt man sich auch einfach ein Notizbuch und schreibt sich das da drauf oder ein Tool wie Notion zum Beispiel als Notiztool, wo man sich seine Weiterbildung erstmal einfach auch visualisiert, um zu gucken, was muss ich da alles machen.
Christian: Was man häufig nicht sieht, das ist jetzt meine Erfahrung auch mit der Weiterbildung, sind Dinge, die dann auf einen zukommen und die tatsächlich auch noch ganz viel Arbeit verursachen, zum Beispiel die erste Hausarbeit. Das sieht man eigentlich erstmal nicht. Wahrscheinlich wird von der Hochschule gefordert, man soll so und so viel Stunden in so ein Modul stecken. Man glaubt's aber in der Regel nicht so richtig, und ich glaube, daran scheitern dann auch ganz viele. Wenn die da lesen, 5 ECTS, soll ich jetzt ungefähr 150 Stunden aufbringen und denken: Nee, brauche ich nicht, so viel Zeit, was soll ich da so viel Zeit in ein Modul stecken? Überschätzung ist irgendwie auch ein größeres Problem, woran ganz viele scheitern.
Christian: Tim, ihr sprecht in eurem Buch in dem Zusammenhang von der sogenannten 3P-Regel. Kannst du uns mal erklären, wofür diese 3Ps stehen?
Tim: Ja, die 3P-Regel, dabei geht's darum, Ziele zu setzen. Das ist ganz wichtig, wenn man so diese erste Bestandsaufnahme gemacht hat, die Situation analysiert hat, dann wollen wir uns in die richtige Richtung bewegen. Damit wir das machen können, brauchen wir ein Ziel, um uns auszurichten. Die 3P-Regel ist ein sehr schönes Konzept im Bereich der Zielsetzung. Das ist ein eigenes Genre im Zeit- und Produktivitätsmanagement. Und die drei Ps stehen für: persönlich, positiv und in Präsens.
Tim: Das heißt, jedes Ziel, was ich formuliere, ich formuliere die Ziele schriftlich und schreibe die auf, muss diese drei Eigenschaften erfüllen. Persönlich: Ich fange mit dem Wort „ich" an. Das macht man sonst nicht so. Positiv: Ich versuche das immer so zu formulieren, dass es sich gut anhört. Und Präsens: im Hier und Jetzt. Also: „Ich lerne für mein Studium" und nicht „Morgen werde ich mich durch Aufgabe 3 quälen." Das wäre ein Negativbeispiel. Ich quäle mich da nicht durch, ich lerne dafür. Man könnte dann auch sagen oder aufschreiben: „Ich genieße Aufgabe 3", aber das wäre so ein bisschen Selbstverarsche, darum macht man das nicht, sondern versucht es positiv bis neutral zu formulieren.
Tim: Der Punkt ist: Indem ich die Ziele aufschreibe mit diesen drei Ps, also persönlich, präsent und positiv, mache ich Folgendes: Ich gebe meinem Unterbewusstsein einen Schub mit in die richtige Richtung und helfe ihm, dieses Ziel erfüllen zu wollen. Indem ich das Wort „ich" verwende, ist ein sehr persönlicher Bezug da. Indem ich es positiv formuliere, schaffe ich Motivation. Und indem ich es ins Präsens, in die Gegenwart ziehe, sorge ich dafür, dass das Ziel schon da ist. Ich habe schon angefangen, daran zu arbeiten, und nicht: Ja, ich werde das machen, ich werde mich darum kümmern, dann ist das so verschoben. Das ist ein Trick.
Tim: Und das ist ganz häufig so, dass wir im Zeitmanagement Dinge nehmen oder Methoden nehmen, die eigentlich sehr intuitiv sind, wo man sagt: Ja, mache ich ja schon. Aber wir verfeinern das, wir verfeinern das um Psychologie, und dadurch funktioniert das auf einmal. Wenn ganz viele sagen: Ja, ich schreib mir das ja auch, wenn ich dann sage: Ja, schreib es dir mal so und so auf. Oh, ist ja was ganz anderes! Das gleiche, nur ein bisschen umgedreht, aber auf einmal funktioniert es, weil es unser Gehirn besser anspricht. So ist es mit der 3P-Regel. Die ist übrigens von Brian Tracy, super Autor, hat dazu auch ein eigenes Buch gemacht. Richtig gut, kann ich nur empfehlen.
Tim: Und noch mal zur Einordnung, wenn man sich Ziele setzt, das passt auch sehr gut zu deinem Beispiel gerade, Christian, mit der Hausarbeit: Ich fange mit der Weiterbildung an, ist eine Hausarbeit drin, 5 ECTS. Ich habe keine Ahnung, ich habe mich noch nie weitergebildet, ich weiß nicht, was das ist. Es ist unfassbar schwer, Ziele für etwas zu setzen, von dem man keine Ahnung hat, wovon man sich noch nicht ein bisschen reingefuchst hat, wo man noch nicht gestruggelt hat, wo man noch nicht ein paar Stunden Zeit reinvestiert hat. Sollte man es deswegen nicht machen? Nein, man sollte es machen, nur man muss das Ziel dann irgendwann ändern.
Tim: Das heißt, wenn ich mir jetzt das Ziel überlege, ich schreibe in drei Wochen die Hausarbeit und ich bin in einer Woche damit fertig, das schreibe ich auf, jetzt beginne ich damit und merke: Uh, das geht nicht auf, was ich mir da überlegt habe. Dann passe ich das Ziel an. Ich lasse das Ziel nicht so stehen. Natürlich versuche ich das zu erreichen. Ich gebe nicht nach 5 Minuten auf und denke: Ja, hat nicht geklappt. Nein, ich versuche das schon, aber wenn das nicht klappt, dann passe ich es an, dann justiere ich nach. Darum: Für ein gutes Ziel brauche ich Information, damit ich das realistisch aufschreiben kann.
Tim: Es gibt noch andere Methoden, um Ziele zu formulieren. Ich glaube, wir haben auch schon über die SMART-Formel gesprochen und so weiter. Da ist dieser Realismuspunkt ganz groß. Das hat man bei der 3P-Regel nicht. Da geht's viel mehr darum, dass man ein sehr motivierendes Ziel aufschreibt, auf das man Lust hat. Und das sehen wir im Bildungsbereich ganz häufig, dass wir Ziele haben oder Aufgaben haben, die ein bisschen wehtun. Wir haben da in dem Moment nicht so viel Bock drauf, diese eine Sache jetzt zu lernen, uns diesen einen Text zu erschließen, diese eine Formel herzuleiten, diese Übungsaufgabe zu lösen, diesen Text zu schreiben und so weiter. Wir müssen uns da ein bisschen durchquälen, punktuell. Wie geht das? Nicht, indem wir sagen: Boah, komm, lass quälen, sondern indem wir uns das schmackhaft machen, indem wir das gut analysieren, gut planen, vielleicht noch mit einer Motivation versehen. Und so ein Ziel ist der erste Schritt, um eine unbequeme Aufgabe anzugehen und die dann auch vernünftig zu schaffen.
Christian: Okay, also ein super Tool auch für mich, um mein Mathemodul dann anzugehen, wenn ich das geschafft habe, und da einfach mein Mindset so ein bisschen darauf auszurichten, das auf jeden Fall zu schaffen und auch Spaß dabei zu haben. So war das in meinem Abitur übrigens auch. Da habe ich dann auch Spaß gefunden an Mathe, vorher an Mathe gescheitert eigentlich, also Abiturschule abgebrochen auch wegen Mathe, weil ich da nicht so gut war, und dann habe ich gemerkt, okay, du kannst es ja eigentlich, du kannst dich da einfach üben, rechnen, konzentrieren und hast dann auch Spaß dabei, diese Lösung immer wieder zu finden.
Markus: Und ich finde diesen Punkt ganz wichtig, du sagst Spaß haben, du hast ja vorher gesagt, ob es verrückt ist, dass du dieses Tool entwickelt hast dafür. Und ich glaube, nee, ganz im Gegenteil: Wenn man irgendeinen Weg findet, der einem noch Spaß macht dabei, dann hat man schon viel gewonnen und wird auch deutlich effizienter sein, als wenn man irgendeine Methode kopiert, wo man überhaupt nicht dahintersteckt. Es ist letztlich bei dieser Bestandsaufnahme völlig egal, ob ich mir ein Dokument nehme am PC und das damit mache, ob ich mir vielleicht eine Mindmap dazu erstelle, wenn ich da gerne mit arbeite, ob ich es auf Papier mache, weil ich sage, ich freue mich, wenn ich einen schönen Stift in der Hand habe, oder aber wenn ich ein Tool habe, und selbst wenn ich vielleicht ein bisschen Zeit investiere, um erstmal dieses Tool zu entwickeln oder für mich dann auch anzupassen.
Christian: Gut, aber da muss ich auch dazu sagen, das habe ich auch für unsere Community gemacht. Man muss natürlich vorsichtig sein, jetzt nicht irgendwie anzufangen zu prokrastinieren und dann da wild alle möglichen Tools auszuprobieren, sondern wirklich den Fokus zu behalten. Aber für mich war das hilfreich. Es gibt sicherlich auch Tools, mit denen man seine To-dos natürlich organisieren kann, aber ich brauchte irgendwas, wo ich im Alltag immer wieder schauen kann, wie weit bin ich jetzt, und auch andere die Möglichkeit haben, zu gucken: Ach, derjenige, der kommt mit seinem Studium auf jeden Fall voran.
Christian: Ein ganz großer Schmerzpunkt für unsere Communities ist die Zeit letztendlich, und das ist auch ein Thema, das ihr auch relativ früh im Buch aufgreift. Ihr nennt es Zeitkonto. Die Frage, die man sich dann beantworten muss: Wo kommt jetzt eigentlich diese ganze Zeit her? Ich hatte schon gesagt, ganz oft gibt's so überambitionierte Menschen, die wollen Vollzeit studieren, Vollzeit arbeiten und versuchen dann irgendwie Wege zu finden, um sich das Ganze irgendwie abzukürzen und zu vereinfachen. Vielleicht gucken wir erstmal, wie organisiere ich meine Zeit im Alltag, wie finde ich auch vielleicht versteckte Zeitressourcen? Markus, vielleicht kannst du erstmal anfangen und uns erzählen, wie sieht denn das in deiner Community aus? Was sind da so typische Methoden vielleicht, die du beobachtest bei anderen, wie diejenigen mit ihrer Zeit umgehen?
Markus: Also, es gibt einige, die gehen da gar nicht mit um. Die fangen einfach an und denken sich, das Fernstudium, das passt jetzt schon irgendwo rein. Wird dann oft schwierig. Einige gehen halt sehr chaotisch daran, die machen dann einfach mal 10 Stunden und wundern sich, am nächsten Tag geht dann gar nichts mehr. Was Tim und ich empfehlen, das ist tatsächlich, da systematisch ranzugehen. Das erlebe ich auch teilweise in der Community: Das funktioniert nicht für jeden. Manche sagen auch: Nee, das mag ich nicht, irgendwo dieses systematische Vorgehen. Aber wer es macht, wird davon profitieren.
Markus: Dann einfach mal zu gucken: Ja, wie sieht's denn aus in meiner Zeit? Wir haben das Zeitkonto genannt. Die Empfehlung ist hier wirklich, mal für ein bis zwei Wochen ganz systematisch zu erfassen, womit verwende ich denn meine Zeit. Also klar, 8 Stunden Schlaf sind mehr oder weniger bei den meisten schon mal weg, Arbeitszeiten fallen an. Aber auch andere, die man vielleicht nicht gleich so auf dem Schirm hat: Wie viel Zeit investiere ich zum Beispiel mit Kochen, mit Haushalt, wie viel Zeit verbringe ich in der Freizeit, und ja, wie viel Zeit verbringe ich vielleicht auf dem Sofa und schaue mir irgendwelche Netflix- oder YouTube-Serien an? Dann dort realistisch vorzugehen und dann zu sehen: Wo geht wie viel Zeit hin? Und dann zu sehen, die Zeit ist ja aufgebraucht. Die wenigsten von uns sagen: „Ja, eigentlich sitze ich so zwei Stunden am Tag auf dem Sofa und gucke Löcher in die Luft, da kann ich jetzt meine Weiterbildung reinpacken." Nee, die muss irgendwo herkommen, die Zeit. Und wenn ich das Zeitkonto dann habe, dann kann ich überlegen: Wo kann ich denn Dinge effizienter machen? Wo kann ich vielleicht auch was wegdelegieren, also wo übernimmt vielleicht der Partner oder die Partnerin bisschen mehr im Haushalt, und wo kann ich dann was tun für mein Fernstudium, für meine Weiterbildung?
Christian: Tim, wie finde ich denn raus, wie viel Zeit ich aufwenden sollte? Hast du da einen Tipp für uns?
Tim: Boah, schwierig. Das ist halt super individuell. Du hast es gerade schon gesagt mit der Hausarbeit. Deswegen platzt die Antwort so schwierig gerade so aus mir heraus, weil das so individuell ist und immer auf die Vorkenntnisse ankommt. Ich habe ein paar Tipps, die kommen auch gleich. Noch kurz zur Einordnung: Dieses Zeitkonto ist halt dafür da, um mal vor Augen zu führen, wie passt die Weiterbildung denn eigentlich in das Leben rein und was muss ich möglicherweise dafür opfern. Weil einfach zusätzlich eine große Herausforderung, eine große Aufgabe, ich sage das mal etwas romantisiert, aber so eine Weiterbildung ist ja ein recht umfangreiches neues Hobby, was auf einmal dann im Leben erscheint. Man hat irgendwie jeden Tag ein paar Stunden, die man da reinwerfen muss, was aber auch geistig anstrengend ist. Das kann man nicht einfach abends mit 5 % Energie direkt nach dem Essen noch kurz vor dem Schlafen gehen machen, sondern man braucht irgendwie einen klaren Kopf, damit man auch einen guten Wirkungsgrad hat, sonst bleiben die Inhalte nicht hängen.
Tim: Dieses Zeitkonto soll einfach dabei helfen, den Menschen vor Augen zu führen: Okay, dafür geht gerade meine Zeit drauf. Wenn ich jetzt eine Weiterbildung machen möchte, brauche ich aber 5, 10, 15 Stunden in der Woche dafür. Eine realistische Größenordnung, die jetzt noch nicht sehr hoch ist. Es geht deutlich mehr. Aber wenn ich das aufbringen kann, dann funktioniert das. Und wenn ich das nicht aufbringen kann, dann muss ich sehen, warum nicht. Und wenn ich dann in meiner Liste halt 20 Stunden Serie gucken habe, wie Markus gerade gesagt hat, oder sei es acht oder vier, kann ich mir halt überlegen, ist es das wert, das zu tauschen für einen kurzen Zeitraum, um diese Weiterbildung, um diese Investition in mich, in meine Zukunft, in meine Karriere, in meinen geistigen Zustand, um das halt dann durchzuziehen.
Tim: Wie bekomme ich jetzt Zeit dafür und wie finde ich versteckte Zeitfenster? Diese Analyse ist die Grundlage. Wenn ich jetzt beispielsweise sehe, okay, ich fahre jeden Tag anderthalb Stunden Auto zur Arbeit, dann könnte ich mir überlegen, ob ich mir währenddessen Lehrvideos oder Audios anhöre, um diese Zeit besser zu nutzen. Oder ich fahre jeden Tag eine halbe Stunde Bahn hin und zurück zur Arbeit. Auf dem Weg könnte ich mir ein Studienheft mitnehmen und lesen oder mir Karteikarten vorschreiben oder meine Anki-App nutzen, wenn ich damit arbeiten möchte, und die unterwegs lernen. Ich nutze Wartezeiten, ich nutze Leerzeiten sozusagen.
Tim: Was auch immer ein guter Plan ist, ist sich das Lernen vorher zu überlegen: Wann mache ich das denn? Ich plane mir Lerneinheiten ein. Und eine gute Möglichkeit, die ich auch häufig rate, auch gerade im Unternehmenskontext: Wenn eine Weiterbildung stattfindet, macht das im Büro, nicht zu Hause. Bleibt eine Stunde länger, macht das vor Ort. Da bist du in dem professionellen Umfeld, da bist du eher noch im Kopf so bei der Sache als zu Hause, wo du im Freizeitmodus häufiger bist. Viele sagen: „Ja, da kann ich mich nicht konzentrieren, die Leute sollen das nicht sehen" und so weiter. Ja, dann geh in einen anderen Raum irgendwie. Sag das deiner Vorgesetzten, deinem Chef, ihr findet eine Lösung.
Tim: Dieses Planen von Lerneinheiten, dieses Organisieren von Lernstoff, den ich dabeihabe, ob für die Ohren oder als ausgedruckte Karteikarte, das kann so viel bringen, um nicht extra Zeit aufwenden zu müssen, sondern um tote Zeit im Alltag produktiver zu nutzen. Und dafür ist dieses Zeitkonto da. Dieses Zeitkonto kommt im Prinzip direkt nach der Bestandsaufnahme mit. Was muss ich denn machen in der Weiterbildung? Da kommt das Zeitkonto kurz danach. Einfach damit ich weiß, was hätte ich denn zur Verfügung und wo kann ich denn ran? Wo kann ich denn meine Weiterbildung ins Leben integrieren, ins Leben einbinden? Weil das ist der Ansatz von Markus und mir: Zu sagen, guck doch, dass du es mit allem gut verbinden kannst. Dann bleibt nichts auf der Strecke. Es macht mehr Spaß, so wie du es auch gerade gesagt hast, Christian.
Tim: Und auch dieses „Ich baue das Tool", wie du als Beispiel gerade herangeführt hast, das ist super. Klar, das hat das Potenzial, dass du damit ein bisschen Zeit weg prokrastinierst, dich mit Dingen beschäftigst, die jetzt nicht direkt zuträglich sind für deine Weiterbildung. Es kann aber auch einen hohen emotionalen Wert aufbauen, der wahrscheinlich viel wertvoller ist, würde ich jetzt einschätzen. Wenn du jetzt sagst: Ja, aber die Farbe oben, da muss ich noch dran arbeiten, und die Linienstärke auf der rechten Seite, da muss ich mal gerade noch eine Dreiviertelstunde mit ChatGPT herumprobieren, wie das geht, jetzt wird's kriminell, da müssen wir aufpassen. Aber da hast du ja einen Blick für. Mit der Zeit kriegt man da einen Blick für. Und selbst wenn, dann hast du das hinprogrammiert, hast da deine Skills verbessert, kann auch was Nettes sein. Vielleicht nicht gerade den Prioritäten zuträglich, aber das ist ein gutes Beispiel dafür, wie kann ich das in den Alltag integrieren. Da ist so eine Beschäftigung auf einer anderen Ebene mit der Weiterbildung, bis hin zu so einer Sichtbarmachung von Erfolgen, eigentlich eine wunderbare Herangehensweise dafür.
Christian: Also, ich mache das auch während der Arbeitszeit, auch ein super Tipp. Ich kann das machen, weil ich der Geschäftsführer bin. Ich sage einfach, okay, ich mache das jetzt. Das ist natürlich auch eine wichtige Weiterbildung für meinen Beruf. Ansonsten würde ich definitiv versuchen, das auch irgendwie mit Arbeitgebern auszuhandeln. Und was du gesagt hast, da bin ich noch gar nicht drauf gekommen. Das kann man natürlich auch versuchen, einfach eine Stunde länger zu bleiben und das zum Lernen zu nutzen.
Tim: Ja, genau. Ich würde es gar nicht so drastisch sehen und sagen, ich mache das während ich arbeite, sondern ich mache es halt örtlich auf der Arbeit. Nicht, ich arbeite dann weniger, sondern ich arbeite genauso viel, aber ich integriere das. Und das ist ganz häufig so, wenn ich das den Menschen so vorschlage. Das geht nicht nur auf Weiterbildung, auch auf das eigene Business, auf persönliche Entwicklung, das kann man alles integrieren. Ob du das jetzt in der Mittagspause machst, ob du sagst, ich bin morgens um 10 Uhr am besten, dann sprichst du das in deiner Organisation, in deiner Firma ab. „Darf ich um 10 eine halbe Stunde was für mich machen? Ich mache dafür eine halbe Stunde länger." Das muss halt klar kommuniziert sein, und dann machst du das da, und das geht in 90 % der Fälle. Vielleicht geht das nicht mittwochs, weil ihr da ein Meeting habt, aber ansonsten geht das vielleicht an zwei Tagen, und dann bist du zu deiner besten geistigen Zeit mit deiner Weiterbildung beschäftigt, kommst dann nach Hause, halbe Stunde später, okay, aber kommst nach Hause und hast noch mal einen Riesenschritt für die Zukunft gemacht. Also das eigentlich richtig gut, zu versuchen, so bestehende Zeitfenster ein bisschen aufzubrechen, Weiterbildung oder Lerneinheiten da reinzuintegrieren und damit dann halt so ein Gesamtkonstrukt zu schaffen, was noch mal wertvoller ist als vorher. Also, ich kann es nur empfehlen.
Christian: Ja, was ich auch mache für meine Hausarbeit: Ich muss so ein kleines Praxisprojekt entwickeln, muss da was programmieren, und da mache ich Dinge, die ich dann auch gleich weiterhin anwenden kann. Also jetzt nicht irgendwas, was danach verfällt oder so, sondern was dann die Kollegen beispielsweise nutzen können. Da ist der Lerneffekt dann auch gleich noch ein bisschen größer, weil der Praxistransfer da einfach noch mal auf eine ganz andere Art und Weise da ist. Also auch gucken, ob man nicht solche Möglichkeiten irgendwie hat, wenn man jetzt eine Hausarbeit schreiben muss oder irgendein Praxisprojekt entwickeln muss, dass man das auch irgendwie in seinen Alltag integriert bekommt.
Christian: Lernpläne hast du jetzt auch schon erwähnt. Brauche ich wirklich einen Lernplan? Also bei mir war das so, ich habe mir in meiner letzten Weiterbildung wirklich einen Lernplan erstellt und da wirklich jede Lernsession auch getrackt. Mache ich aktuell auch noch mit so einem kleinen Pomodoro-Timer. Und da konnte ich dann sehr gut schauen, wie viel Zeit habe ich jetzt tatsächlich eigentlich in der Woche zur Verfügung, und gesehen, okay, mehr als 5, 6, 7 Stunden sind es eigentlich nicht. Das würde niemals für ein Studium reichen aktuell. Also für mich ist Weiterbildung der optimale Weg, oder ich müsste extrem Teilzeit studieren. Das habe ich aber vor allem deswegen gelernt, weil ich mir eben einen Lernplan erstellt habe und versucht habe, mich an diesen zu halten und zu schauen, ob das auch funktioniert. Aktuell habe ich jetzt aber keinen richtigen Lernplan in dem Sinne, ich weiß, okay, zu diesen Zeiten kann ich immer lernen, und das funktioniert sehr gut für mich. Was kannst du dazu sagen, Tim?
Tim: Also Lernpläne sind ein ultra dynamisches Tool. Wenn ich mit etwas Neuem beginne, mir das beibringen möchte und mir dann einen Lernplan aufstelle, garantiere ich dir, die ersten Versuche werden nicht funktionieren. Das ist aber okay, das gehört dazu und das muss auch so sein, weil wir müssen da eine Lernkurve haben, dass wir ein Gefühl für den Stoff bekommen. Damit wir das bekommen, ist es aber wichtig, einfach von Anfang an genau zu wissen: Worum geht es denn? Welche Inhalte habe ich denn? Deswegen gerade noch mal Bestandsaufnahme, das was Markus auch beschrieben hat. Wo sind die Inhalte? Wie viele Module? Was sind die Kernthemen? Welche Unterlagen habe ich, damit ich nichts vergesse? Ich muss das alles einmal sichten, um dann ein Gefühl dafür zu bekommen, was muss ich denn eigentlich lernen.
Tim: Wenn ich das gemacht habe, habe ich eine Idee. Ich habe aber noch kein Gefühl und ich weiß auch noch nicht im Detail, wie es aussieht. Muss mich nämlich erst damit beschäftigen. Und Modul 1 kann anders sein als Modul 5, kann anders sein als die Hausarbeit, kann anders sein als die Prüfungsvorbereitung. Wenn ich eine Prüfung habe in dieser Weiterbildung, ist ein Lernplan aber einfach deswegen sinnvoll, weil ich mich durchgehend mit dem Stoff beschäftige, weil ich auch sehe, wie aufwendig ist es, weil ich sehe, wie vielschichtig es ist, wenn ich einmal anfange zu lernen. Es ist ja durchaus sehr verschieden auch innerhalb eines Kurses, eines Zertifikats, einer Weiterbildung. Ein Kapitel muss ich Definitionen auswendig lernen. Beim anderen geht's darum, Prozesse zu verstehen. Da muss ich vielleicht mal was rechnen, dann muss ich irgendwo was programmieren, dann muss ich was schreiben, dann wieder was auswendig lernen, da muss ich Praxisanwendung machen. Das ist sehr unterschiedlich.
Tim: Deswegen haben wir im Buch auch so viele Lernmethoden für diese verschiedenen Arten von Stoff aufgeschrieben. Wie kann ich das auswendig lernen? Wie kann ich schnell Wissen replizieren? Wie kann ich Wissen verstehen? Wie kann ich Prozesse verstehen? Wie kann ich sie mir nachhaltig merken? Wie kann ich sie anwenden und so weiter. Lernpläne sind für mich eigentlich das Tool, um eine Weiterbildung, egal was es ist, sei das jetzt ein kleiner Kurs, ein Sprachkurs, ein Abitur oder ein richtiges Studium, zu schaffen. Ein Lernplan ist was Individuelles. Ich muss meine Geschwindigkeit finden. Es ist aber auch in der Form nichts Individuelles, weil er halt den kompletten Stoff abdecken muss, den ich brauche. Wir haben alle die gemeinsame Grundlage, nämlich das, was uns der Bildungsanbieter da zeigt. Guck mal hier, das ist der Kurs, das sind die Module, das sind die Inhalte. Und dann kommt's drauf an, was man selbst daraus macht.
Tim: Du hast jetzt, Christian, das mit der Pomodoro-Technik gemacht und das dann getrackt. Wunderbar. Das kann man genauso machen. Die Pomodoro-Technik ist eigentlich schon so ein Umsetzungstool, dieses Arbeiten in Etappen. Die Lernplanung ist noch so ein bisschen die Ebene davor, dass ich überlege, wann mache ich denn was und wie lange und insgesamt. Die Pomodoro-Technik ist: Was mache ich jetzt am Dienstagnachmittag von 14 bis 16 Uhr, wenn ich da Zeit habe, oder von 14 bis 15 Uhr, und wie teile ich mir das auf? Ich muss aber vorher ungefähr wissen, was mache ich denn da überhaupt. Mache ich Modul 1, Modul 2, mache ich das Thema? Mache ich jenes Thema? Lese ich was? Höre ich was? Gucke ich mir ein Video an? Das versuche ich mir halt in so einer Planung aufzuschreiben. Da kann eine tabellarische Übersicht gut sein. Also, ich würde das auch nicht zu kompliziert machen, auch gerne digital, dass man es anpassen, verbessern, strukturieren kann. Grundsätzlich ist eine Lernplanung eigentlich das Tool, um später die Prüfung zu bestehen.
Christian: Gehören auch Lerntechniken dazu, Markus?
Markus: Die Lerntechniken gehen ja dann quasi in die Umsetzung hinein. Tim hat ja schon erwähnt, dass man da schauen muss, und tatsächlich war es bei uns auch so, dass wir in unserem neuen Buch gesagt haben: Das eine ist jetzt erstmal das Wann lerne ich und das Was lerne ich. Das ist wichtig, und dann auf die Planung zu schauen und da gerade auch zu sehen, wie komplex ist das Ganze denn. Also, wenn ich jetzt ein akademisches Fernstudium habe, ein Bachelor über sechs Semester, dann muss ich mehr Planungsebenen haben, als wenn ich eine kurze, kompakte Weiterbildung mache, die vielleicht nur über 6 Wochen geht. Also gehe da anders ran.
Markus: Dann weiß ich schon, was lerne ich, aber dann halt auch zu schauen: Ja, wie lerne ich denn eigentlich? Und das Ganze effizient zu machen und auch so zu lernen, dass es hinterher auch hängen bleibt und dass ich es umsetzen kann. Also: Wie erstelle ich Zusammenfassungen, wie gehe ich daran? Wo macht es Sinn, dass ich mir Karteikarten erstelle, um Definitionen zu lernen, vielleicht Formeln zu lernen, je nachdem, was in der Weiterbildung vorhanden ist? Oder macht es Sinn, auch mit Mindmaps mehr Zusammenhänge zu erstellen? Und das vielleicht auch wieder auf verschiedenen Ebenen, ganz global für das ganze Studium, für ein Fach, aber dann auch runtergebrochen, wirklich das zum Lernen zu nutzen, um Zusammenhänge sichtbar zu machen, vielleicht Begriffe damit reinzubringen.
Markus: Oder halt auch: Was muss ich auswendig lernen? Auch dazu schauen: Was steht denn für eine Prüfung an am Ende? Muss ich da was replizieren oder habe ich nur eine Hausarbeit, wo ich vielleicht nicht ganz so viel im Kopf haben muss an auswendig gelerntem Wissen? Aber selbst da ist es ja ganz gut, wenn ich nicht ständig irgendwas nachschauen muss. Wir haben da Methoden aufgenommen, wie zum Beispiel den Gedächtnispalast, den vielleicht viele auch kennen. Und letztlich dann aber auch, das ist ja das Wichtige eigentlich: Wie verstehe ich das Ganze nachhaltig und kann es anwenden? Fand ich in deinem Beispiel vorhin schön, Christian, wo du gesagt hast, wenn du eine Hausarbeit hast und da frei bist in der Themenwahl, dann machst du auch was, was du in deinem beruflichen Umfeld nutzen kannst, wovon vielleicht deine Kollegen profitieren können.
Markus: Also da irgendwo immer einen Praxisbezug zu haben und selbst dann einen zu finden, wenn der vielleicht nicht so offensichtlich ist. Wenn ich vielleicht ein Thema habe, was abstrakt ist, was vielleicht Mathematik irgendwo ist, zu schauen, gibt's nicht doch auch ein Anwendungsbeispiel, oder sich da die Mühe zu machen, eigene Beispiele zu entwickeln. Weil alles, was ich selber entwickle, das bleibt viel besser haften und wird viel greifbarer, als wenn es nur das Beispiel ist, was ich vielleicht auswendig lerne, weil es im Studienheft steht. Ganz anders, wenn ich etwas habe, was von mir selbst entwickelt ist und auch irgendwo in meinen Lebenszusammenhang reinpasst. Also auch da Lerntechniken, klar, dann die Umsetzung, nachdem ich geplant habe, um das Beste draus zu machen. Das war tatsächlich jetzt auch noch mal ein Schwerpunkt für uns, weil wir gemerkt haben: Es ist wichtig, sich zu organisieren, es ist wichtig zu planen, aber letztlich kommt es auf den Stoff an und aus dem soll das Maximum rausgeholt werden.
Christian: Okay, dann habe ich erstmal so einen groben Lernplan, so eine grobe Übersicht eigentlich auch, und dann muss ich das ja irgendwie in meinen Alltag bekommen. Ich muss zusehen, dass ich meinen Alltag so organisiert bekomme, dass ich diesen Plan dann eigentlich auch abarbeiten kann. Da beschreibt ihr auch beispielsweise die Leistungskurve. Tim, vielleicht kannst du uns das mal beschreiben und ein bisschen was dazu sagen, ob dieses Konzept auch wirklich hilfreich ist für Menschen, die Vollzeit berufstätig sind, Familienleben haben, wie bei mir drei Kinder im Haushalt, und dann eben noch irgendwie diese Weiterbildung oder das Studium schaffen wollen. Also meine Leistungskurve ist da, aber ich kann nicht unbedingt zu dieser Zeit lernen. Wie gehe ich damit um?
Tim: Ja, gerne. Das Konzept der Leistungskurve hilft uns erstmal dabei zu verstehen, wann wir gut lernen können und wann nicht. Das ist eine gute Grundlage. Wie man das dann nutzt, das ist was anderes, aber ich erkläre es erstmal kurz. Grundsätzlich ist die Leistungsfähigkeit des Menschen über den Tag nicht gleich verteilt, die schwankt. Das wird jeder auch schon mal gefühlt haben und bestätigen können. Es gibt Phasen, in denen ist man konzentrierter, mehr oder weniger. Es gibt aber auch Phasen am Tag, in denen läuft gar nichts. Zum Beispiel dieses bekannte Mittagstief, so eine Stunde nach dem Mittagsessen. Wenn man sich jetzt da hinsetzen würde und sagt, ich mache jetzt was für die Weiterbildung, wird nicht gut funktionieren.
Tim: Diese Leistungskurve folgt so ein bisschen dem persönlichen Biorhythmus. Sieht bei jedem Menschen leicht anders aus. Es gibt aber auch Gemeinsamkeiten, und die größte Gemeinsamkeit ist von der Struktur her: Es gibt Hochs und es gibt Tiefs. Leistungshochs und Leistungstiefs. In den Leistungshochs sollten wir starke geistige, mentale Arbeit verrichten, auch körperliche Arbeit, wenn wir das machen müssen. In den Leistungstiefs sollten wir eher nicht so viel machen. Soziale Kontakte sind da ganz gut, um sich so ein bisschen hängen zu lassen, sich auffangen zu lassen, Routineaufgaben, bei denen man nicht viel nachdenken muss.
Tim: Wenn ich das jetzt auf die Weiterbildung übertrage und mir überlege, wie kann mir die Leistungskurve da helfen, dann kommt man schnell zu dem Punkt: Okay, wenn ich das Leistungshoch habe, dann sollte ich vielleicht lernen. Das geht aber nicht immer, weil genau dann, wenn ich das Hoch habe, habe ich gerade entweder im Job die wichtigsten Sachen zu tun. In der Regel in der Leistungskurve eines mitteleuropäischen Menschen, die haben wir auch im Buch drin und zeigen die mal, da erreicht das erste Hoch vormittags um 9 bis 10 Uhr ungefähr. Danach flacht das etwas ab, dann kommt das Mittagstief, und dann gibt's abends gegen 20 Uhr noch mal ein zweites Hoch. Die zweite Luft am Abend.
Tim: Wenn ich jetzt was für meine Weiterbildung mache, dann liegt der Schluss nah, ich mache das in diesen Hochphasen. Und hier setzt dann halt gutes Zeitmanagement an, dass man sich überlegt: Okay, das sind die Hochs, wie bekomme ich diese Hochs frei? Wie bekomme ich da Zeit für mich? Entweder durch Deals auf der Arbeit, durch Deals zu Hause, dass ich sage, okay, um 20 Uhr, Schatz, mache ich mal gerade eine halbe Stunde was für meine Weiterbildung. Wenn ich das einfach so sage, dann sagt die: „Ja, das könntest du dir so wünschen. Machen wir aber nicht." Das ist dann halt eine Organisationssache.
Tim: Wenn ich das nicht machen kann, hilft die Leistungskurve trotzdem. Sie hilft nämlich dabei zu verstehen, dass ich in dem Tief nicht unbedingt was für meine Weiterbildung machen sollte, weil diese Zeit ist verschwendet. Wenn ich jetzt abends nur in meiner Tiefphase um 22 Uhr noch Zeit habe, was für die Weiterbildung zu machen, sollte ich das dann tun? Nein, geh früher ins Bett, steh früher auf und mach da was für die Weiterbildung. Das sagt sich leicht, aber wenn wir mit dem Biorhythmus, mit der persönlichen Leistungskurve arbeiten wollen, dann können wir sie entweder als Orientierung nutzen für den eigenen Tagesablauf, in dem Fall dann früher aufstehen, die Hochs besser nutzen, oder wir können sie manipulieren, indem wir halt sagen, okay, ich habe da mein Hoch, wie kann ich das verlängern? Das ist dann aber schnell so ein bisschen ins Medizinische rein. Gibt's auch ein paar Tricks. Mit Supplements kann man dagegen steuern, auch die Hochs verlängern, die werden aber ein bisschen flacher. Ist die Frage, ob man das möchte. Da macht die Medizin gerade ganz viel in diesem Genre der Leistungssteigerung. Ja, kann man sich überlegen, bin ich kein Freund von, bin eher konservativ da unterwegs. Aber grundsätzlich ist es eine gute Idee, seine Leistungskurve zu kennen und diese Hochs und Tiefs einschätzen zu können.
Christian: Markus, hast du da noch Ideen dazu? Wie handle ich mir beispielsweise mit dem Arbeitgeber vielleicht wirklich die Zeit aus, in der ich optimal lernen kann? Bei mir wäre das tatsächlich auch die Zeit zwischen 9 und 12. Da bin ich geistig besonders aktiv. Das nutze ich in der Regel auch zum Lernen. Wie kriege ich das irgendwie hin, weil die Mittagspause, die ist in der Regel dann um 12 Uhr, nach dem oder während des Mittagessens vielleicht nicht ganz so optimal zum Lernen?
Markus: Ja, also da ist es halt wichtig, dem Arbeitgeber deutlich zu machen, was er denn davon hat, wenn er mir hier entgegenkommt. Also da ein bisschen in Verhandlung auch reinzugehen. Am einfachsten, wenn man eine Weiterbildung macht, von der hinterher der Arbeitgeber auch profitiert, weil da kann ich sagen: Hör mal, unterstütz mich jetzt, ermögliche mir, dass ich mich da mal zurückziehen kann, vielleicht auch morgens mal für diese Stunde irgendwo in den Nebenraum, den Besprechungsraum, der frei ist, und da lernen. Dafür bin ich schneller fertig, das Wissen ist schneller parat und du hast davon irgendwo einen Nutzen, den du sonst nicht hättest.
Markus: Das ist natürlich der Optimalfall. Ein bisschen schwieriger wird es, wenn man irgendwas macht, was damit nicht direkt in Zusammenhang steht, vielleicht sogar dazu dient, dass man sich eigentlich wegbewerben will hinterher. Dann wird das schwieriger mit dem Arbeitgeber zu diskutieren. Aber sehr häufig ist es ja heute so, dass man flexible Arbeitszeiten hat. Das heißt, deswegen muss ich vielleicht den Arbeitgeber gar nicht damit reinbringen. Wenn es keine festen Termine gibt am Vormittag, dann fange ich halt vielleicht etwas später an und tue vorher schon was für mein Studium, wenn es nicht am Arbeitsplatz geht, dann vielleicht irgendwo in der Bibliothek, wo ich vorher dann bin, und fange bisschen später an mit der Arbeit.
Christian: Okay, also nicht verzweifeln, wenn man auf den ersten Blick seine Leistungskurve nicht so nutzen kann, wie das vielleicht auch im Buch beschrieben ist, sondern einfach gucken, dass man sich da irgendwo dann auch Zeitfenster sozusagen rausverhandeln kann.
Markus: Ja, oder wenn du sagst, du hast jetzt gar nicht die Möglichkeit, das in der Woche zu machen, dann vielleicht zu sagen, okay, ich akzeptiere das, ich mache in der Woche eher die einfachen Arbeiten, vielleicht noch mal was wiederholen, durchgehen, und reserviere mir dafür einen großen Block am Wochenende, dass ich vielleicht sage, da bin ich einen Tag zum großen Teil in der Weiterbildung. Also da ein bisschen zu schauen für sich.
Markus: Was ich auch noch wichtig finde: Es ist gut, seine Lernzeiten dann zu kennen und sich auch möglichst daran zu orientieren. Dann habe ich eine Gewohnheit und bin mental schon eingestellt, so ein bisschen über allen Routinen, dass es fast automatisch dann schon Richtung Lernen geht. Aber letztlich dann auch nicht zu starr heranzugehen und zu sagen, das muss jetzt die Zeit sein, obwohl ich vielleicht in der letzten Nacht kaum geschlafen habe oder obwohl es eigentlich vielleicht was anderes gibt, was gerade sehr wichtig ist, das Projekt auf der Arbeit oder im Privaten steht irgendein ganz wichtiger Termin an. Dann bei aller Planung und allen Gewohnheiten doch auch irgendwo flexibel zu bleiben und den Blick für das echte Leben zu behalten.
Christian: Ja, ganz großes Thema ist auch in unserer Community das Thema Motivation. Eigentlich, nachdem, was wir jetzt alles so erzählt haben, wird klar, dass man nicht primär Motivation braucht, vielleicht für den Start, aber ganz wichtig sind eben auch Routinen. Wir haben jetzt eben versucht zu zeigen, dass im Alltag die Routinen auch einfach ganz wichtig sind, feste Lernzeiten beispielsweise. Trotzdem, Motivation muss irgendwie auch da sein.
Christian: Mich motiviert zum Beispiel auch, wenn ich so eine Pomodoro-Session mache und sehe, andere machen das auch gerade. Das haben wir bei uns so eingebaut in diesen Pomodoro-Timer, dass man sehen kann, wer gerade noch lernt. Jetzt vielleicht nicht exakt in diesem Moment, aber so in den letzten Stunden irgendwie auch gelernt hat. Da sieht man, man hat auch so ähnliche Lernzeiten irgendwie mit manchen. Das finde ich immer super motivierend, wenn ich so denke, der oder diejenige hat heute schon gelernt, vielleicht setze ich mich jetzt doch noch mal hin und mache da was. Aber ich denke, da tickt auch jeder so ein ganz kleines bisschen anders. Manche brauchen so dieses Community-Element, andere vielleicht nicht ganz so sehr.
Markus: Ja, es gab bei uns sogar mal so ein Study Together, das hatten wir mal ausprobiert, wo man dann wirklich per Video sich zusammengeschaltet hat, ähnlich wie wir jetzt auch über Zoom, und wo jeder dann vorher festgelegt hat, was möchte ich jetzt erledigen, und dann so ein bisschen noch so eine soziale Kontrolle da war, weil das fiel ja auf, wenn dann einer weggelaufen ist vom Bildschirm. Würde mich jetzt eher stressen. Ich habe das auch mal probiert für mich, aber auch das, es gibt einige, die profitieren dann davon.
Christian: Okay. Ja, also mir reicht's, wenn ich sehe, okay, da hat heute jemand auch seine Lernsessions gemacht. Ja, gut, da mache ich vielleicht heute auch noch mal meine 25, 30 Minuten oder so. Lass uns im letzten Abschnitt noch ein bisschen über Motivation reden. Einer oder ein Tool, das ihr auch beschreibt, ist die 5-Minuten-Regel. Die hat, wie ich das verstehe, nicht nur was mit Motivation zu tun, sondern auch mit Prokrastination. Tim, kannst du uns mal beschreiben, wie die 5-Minuten-Regel funktioniert?
Tim: Die 5-Minuten-Regel ist wieder ein kleiner psychologischer Trick, aber ein ganz feiner. Und sie funktioniert so: Ich habe eine große Aufgabe, um die ich mich kümmern möchte, sei das jetzt für die Weiterbildung, die funktioniert aber für alles andere auch. Garage aufräumen, Steuererklärung machen, Bericht schreiben für die Arbeit, was auch immer. Ich habe eine große Aufgabe und schiebe die lange vor mir her, weil ich keine Lust habe. Sie ist groß, ich weiß nicht, wann ich fertig bin. Unangenehm, noch nie gemacht.
Tim: Die 5-Minuten-Regel sagt jetzt: „Alles klar, pass auf, du fängst mit der Aufgabe an, arbeitest 5 Minuten daran, und wenn du nach diesen 5 Minuten keine Lust mehr hast, dann hörst du auf. Du musst nur 5 Minuten machen. Du entscheidest nach den 5 Minuten, ob du weitermachst. Aber die 5 Minuten machst du." Und jetzt kommt der Trick: In der Regel stört uns nicht die Größe der Aufgabe, es stört uns das Anfangen. Deswegen prokrastinieren wir. Und mit den 5 Minuten, mit dieser psychologischen Schranke, legen wir ja im Prinzip die Hürde super gering, anzufangen. Wir beginnen, machen 5 Minuten, arbeiten an der Aufgabe 5 Minuten lang. Und was jetzt fast immer passiert, ist, dass wir nach 5 Minuten nicht aufhören. Wir machen weiter. Wir haben dann einmal angefangen, dann kann man auch weitermachen. Das ist so dann dieses Grundcredo, was wir im Kopf haben.
Tim: Und die 5-Minuten-Regel ist deswegen so wertvoll, weil sie uns nicht nur ermöglicht, das Anfangen leichter zu machen, nein, sie sorgt auch dafür, dass wir effizient arbeiten, weil wir haben automatisch eine Deadline nach 5 Minuten. Wir wollen so viel wie möglich in diesen 5 Minuten machen. Wir blättern dann nicht im Heft rum, wir sagen: „Okay, komm, dann mache ich jetzt 5 Minuten, dann aber richtig." Und das Witzige ist, wir haben gar keinen Bock, aber durch die 5 Minuten haben wir den auf einmal und sind sogar super motiviert, in den 5 Minuten viel zu schaffen, und machen dann auch noch weiter. Deswegen ist die 5-Minuten-Regel ein super Motivationstrick.
Tim: Es geht gar nicht darum, dass man dann den ganzen Tag sich damit motiviert, sondern wirklich ins Anfangen kommt und dann ein Gefühl dafür kriegt: Ach, so schlimm ist es ja gar nicht, und in 5 Minuten schafft man ja doch einiges, wenn man sich ranhält und sich diese kleine Deadline setzt. Hier greifen wieder viele Mechanismen aus der Verhaltenspsychologie ineinander, die dafür sorgen, dass wir mit einer Aufgabe beginnen können, auf die wir eigentlich gar keine Lust haben.
Tim: Du hast das gerade hervorragend gesagt, Christian: Wir brauchen Motivation, um anzufangen, falls wir keine Gewohnheiten haben. Die Gewohnheiten, die Routinen, die sorgen dafür, dass man keine Motivation braucht, aber die muss man sich erst erarbeiten. Und bis man sich diese erarbeitet hat, braucht man Motivation. Das ist so ein bisschen der Teufelskreis. Und mit diesen kleinen Tricks, sei das jetzt hier die 3P-Regel, die wir hatten, sei das Orientieren anhand der Leistungskurve oder jetzt wirklich ganz konkret zu sagen, komm, 5 Minuten, mit der 5-Minuten-Regel, das sind halt die Sachen, mit denen man sich produktive Gewohnheiten aufbaut. Sei das jetzt beim Lernen und in allen anderen Bereichen auch.
Christian: Ich glaube, Gateway Habits ist ja auch so ein Stichwort, auch so ein kleiner Trick eigentlich, oder? Man sucht sich so kleine Gewohnheiten, die man immer ausführt, wenn man beispielsweise lernt. Man macht sich einen Kaffee oder Tee oder was auch immer. Bei mir ist das der Pomodoro-Timer, ein bestimmtes Geräusch, was mich irgendwie dann wieder so in diese Lernstimmung bringt. Manche machen sich vielleicht Duftkerzen oder so was an. Das ist auch für viele wahrscheinlich ganz hilfreich, um erstmal so überhaupt in dieses Lernen reinzukommen.
Christian: 5 Minuten wäre mir persönlich zu kurz. Also ich denke mal so, okay, wenn ich mir jetzt so eine 25-Minuten-Pomodoro-Timer-Session mache, ist das eigentlich auch sehr kurz. Da schaffe ich doch jetzt nicht viel. Und dann mache ich das aber trotzdem und habe so das Gefühl, jetzt habe ich tatsächlich was geschafft. Gestern war es zum Beispiel so, dass ich Literaturrecherche gemacht habe, ist jetzt keine besonders spannende Aufgabe. Dachte ich, okay, ich mach's wenigstens 25 Minuten, dann habe ich heute was gemacht. Und dann sind aber zweieinhalb Stunden oder so draus geworden, weil ich ganz viel gefunden habe und dann einfach wirklich im Flow war und die Zeit auf einmal wie im Flug vergangen ist. Also für mich waren diese 25 Minuten auch einfach so ein Einstieg, um da überhaupt erstmal reinzukommen, und dann habe ich ganz automatisch jede Pause geskippt und durchgezogen.
Christian: Markus, hast du irgendwie noch Gedanken dazu? Irgendwas, was du in der Community beobachtest, was so ganz typische Motivatoren sind?
Markus: Also, zur 5-Minuten-Regel fällt mir gerade noch als Ergänzung ein, dass die klar einerseits dazu da sein kann, anzufangen. Ich finde die aber auch super, auch für mich, an Tagen, wo ich das Gefühl habe, eigentlich ist überhaupt keine Zeit. Weil ich habe ja nur mal 5 Minuten zwischen zwei Terminen oder so was, und da sagen: Ja doch, jetzt so ein paar Karteikarten kann ich mir doch mal angucken dazwischen zum Beispiel beim Lernen. Das finde ich ganz gut.
Markus: Ansonsten, was ich halt schon merke in meiner Community, das ist so das große Thema Belohnung. Für viele ist das wichtig. Einige brauchen das nicht, die sind intrinsisch so motiviert, wenn die lernen dürfen, da sind die schon happy. Aber viele sagen halt doch: Ich brauche irgendeinen Anreiz, irgendwas, was ich mir da in Aussicht stelle. Und was dann auch schön ist, wenn man noch mal was sehen kann irgendwie: Eine Studentin, die hat sich dann als ganz große Belohnung nach Abschluss des Studiums ein Motorrad gekauft, eine Harley, von der sie schon lange geträumt hatte. Wäre vielleicht nicht so angemessen, wenn man sagt, ich kaufe mir die Harley jetzt, wenn ich ein Kapitel im Studienheft bearbeitet habe. Da gilt es wirklich zu schauen, was ist so angemessen und passt dazu. Das Große vielleicht ganz zum Abschluss, aber auch für die kleinen Dinge, vielleicht ist es dann eine Episode der Lieblingsserie, die ich gucken kann, wenn ich das Studienheft zum Abschluss gebracht habe, dass man da schaut, wo kann ich es mir leichter machen.
Markus: Und die Gegenseite der Belohnung, die wir auch mit angebracht haben, auch wenn es vielleicht drakonisch klingt, das sind Bestrafungen, die man auch anwenden kann. Tim, vielleicht magst du dazu noch was ergänzen.
Tim: Ja, kann ich machen. Also diese Anreizsysteme, von denen wir da sprechen, die funktionieren ja in jedem Bereich, ob das jetzt in der Erziehung von Kindern, in der Partnerschaft, im Job, die Anreize sind ja immer unterschiedlich und so kann man es halt auch beim Lernen machen. Und wenn ich beim Lernen hingehe und sage, okay, ich belohne mich für Dinge, die ich schaffe, aber ich sanktioniere mich auch, ich sage das mal etwas vornehmer, für Dinge, die ich nicht mache oder für Zeit, die ich verschwende, dann bekomme ich ein besseres Lernbewusstsein und baue positivere Gewohnheiten auf.
Tim: Die Strafe kann halt etwas sein wie, weiß ich nicht, ich entziehe mir das Smartphone für so und so viel Minuten oder ich muss in eine Strafkasse einbezahlen, das Geld bekommt dann jemand anderes. Ich würde mich jetzt halt nicht mit irgendwas bestrafen wie Schlaf oder Wasser. Also halt Dinge, die wirklich gegen die Leistungsfähigkeit gehen oder der Gesundheit schaden. Das funktioniert dann nicht. Hier ist halt auch eine Typsache. Einige Menschen funktionieren hervorragend mit Strafen, weil sie sagen: „Ja, come on, ich will die Strafe nicht." Andere mögen den Druck gar nicht und sagen: „Was sind das denn für Methoden? Auf gar keinen Fall." Da muss man halt das Anreizsystem finden, was zu einem passt.
Tim: Du hast das ja gerade auch schon wieder gut beschrieben, Christian, bei euch in der Community: Man sieht dann, wenn jemand anderes was macht. Markus hat ja auch das Beispiel mit diesem gemeinsamen Lernen, das ist dann sozialer Druck so ein bisschen, oder nicht Druck, soziale Verpflichtung, ich weiß nicht mehr genau, wie der Fachbegriff war, aber der war etwas vornehmer als Druck. Aber auch da, das ist ja nichts anderes als ein Anreizsystem. Man kriegt soziale Anerkennung, wenn man durchzieht, und wird sozial geächtet, wenn man nicht durchzieht, jetzt mal böse formuliert. Das funktioniert aber sehr gut bei einigen Leuten. Andere finden das überhaupt nicht gut, wie Markus gerade gesagt hat: Ich finde das blöd, bei mir hat das nicht so viel gebracht. Du findest das super, Christian, wenn man sieht, dass andere gerade auch dabei sind. Das pusht dich noch mal so ein bisschen extra. Da sieht man, wie unterschiedlich das schon jetzt so ist.
Tim: Und genauso ist es bei Anreizsystemen mit Belohnung und Strafe. Wichtig ist hier, dass man sich das bei sich überlegt und dann kann man das als Motivationstrigger für sich selbst persönlich nutzen. Es ist super schwierig, das für andere vorab festzulegen. Werde ich dann immer gefragt: „Ja, sag mal was für mich." Ja, kann dir ein paar Beispiele sagen, aber du musst herausfinden, was für dich funktioniert. Weil wenn ich dir jetzt hier fünf Strafen sage, denkst du, ich bin ein Unmensch. Wenn ich dir Belohnungen sage, weiß ich gar nicht, ob die ziehen, weil ich nicht weiß, ob du intrinsisch oder monetär motiviert bist, wie auch immer. Da muss man halt finden, was passt. Einige Leute lassen sich super mit Urlauben motivieren, andere kaufen sich ein Motorrad, andere mit gemeinsamer Zeit mit Leuten, dass man sagt, komm, ich mache jetzt eine halbe Stunde was, danach gucken wir zusammen eine Serie oder gehen ins Kino oder gehen spazieren, sodass man das halt an soziale Kontakte knüpft. Das kann man halt auch tun. Hier ist man sehr kreativ und frei. Wichtig ist, dass man hier eine Belohnung oder eine Strafe findet, die zu einem passt und die die gewünschte Gewohnheit fördert. Und die gewünschte Gewohnheit ist ja in dem Fall: Ich lerne produktiv für meine Weiterbildung. Und alles, was dem zuträglich ist, ob das jetzt das Nutzen eines Timers ist, das Lernen auf der Arbeit, wie auch immer, alles was dem zuträglich ist, das sollte ich ausprobieren und gucken, ob ich das regelmäßig umsetzen kann.
Christian: Und dafür habt ihr ja auch dieses Buch gemacht. Ich denke, das ist auch nicht als eine Eins-zu-eins-Anleitung zu verstehen, sondern auch so eine Art Toolbox letztendlich, aus der man sich das raussucht und auch das ausprobiert, was gut zu einem passt. Ich denke, das haben hoffentlich unsere Zuhörer und Hörerinnen jetzt verstanden, dass das auch wirklich ganz individuell ist, was wir hier besprechen, dass nicht alles für jeden funktioniert.
Christian: Ganz zum Schluss, habt ihr vielleicht noch wirklich den einen großen Tipp oder die eine Technik vielleicht auch aus dem Buch, die ihr ganz dringend an allererster Stelle empfehlen würdet? Markus, hast du einen Tipp für alle, die jetzt eine Weiterbildung starten?
Markus: Also, was ich sehr schön finde, gerade auch so zum Thema Motivation und Routinen entwickeln, das ist zum Beispiel dieses Goal Tracking, was wir auch mit drin haben. Man kann das so einer Kettenregel machen: Wenn man wirklich sagt, man möchte irgendwas machen, was sehr groß ist, da regelmäßig dranbleiben. Das finde ich für mich persönlich immer eine schöne Sache. Das heißt, ich versuche jeden Tag ein bisschen was dafür zu machen bei der Kettenregel und visualisiere mir das dann auch. Also am besten sich da tatsächlich mal nicht digital arbeiten, sondern Papier, einen Papierkalender, den an die Wand hängen und dann einen schönen grünen Haken dran machen an jedem Tag, an dem man das erledigt hat, und zu versuchen, diese Kette immer länger werden zu lassen. Gerade wenn man so vier, fünf Tage geschafft hat, dann ist auch schon ein großer Drang dabei, das dann auch fortzusetzen, diese Kette nicht zu unterbrechen. Und wenn man da sagt, das ist wirklich was, um auf das Ziel hinzuarbeiten, wenn man wirklich sagt, vielleicht keine Ahnung, ich muss 100 Karteikarten auswendig lernen, es scheint mir gar nicht zu schaffen, aber jeden Tag ein paar, und ich habe dann dazu noch diese Visualisierung, finde ich eine sehr schöne Motivation.
Christian: Tim, hast du einen Tipp?
Tim: Ja, mein bester Tipp fürs Lernen, fürs Studieren ist immer: Plane deine Weiterbildung. Mach dir einen Plan. Versuch wirklich, jeden Tag ein kleines bisschen was zu machen. Setz dir ein Tagesziel, nimm die 3P-Regel oder irgendwas anderes. Ich gehe da in genau die gleiche Richtung wie Markus und auch wie du, Christian, auch mit der Pomodoro-Technik. Jeden Tag ein kleines bisschen, jeden Tag einen kleinen Schritt in die richtige Richtung. Plan das ganze Projekt, versuch den Überblick zu behalten und setze jeden Tag ein kleines Ziel. Mach 5 Minuten, mach 20 Minuten, mach 30 Minuten, was reinpasst, aber hör nicht auf. Mach einen kleinen Schritt und guck, was passiert. Und in der Regel passiert dann eine ganze Menge, wenn man sich zu diesem kleinen Schritt jeden Tag erneut motiviert. Das ist mein Tipp. Er ist simpel, aber er ist unfassbar schlagkräftig. Wenn man das macht, jeden Tag sich in die richtige Richtung bewegen, kann einen nichts mehr aufhalten. Mach das einfach. Mach 5 Minuten, mach 3 Minuten, wenn 5 Minuten nicht gehen, aber mach ein bisschen was und lass dich nicht stoppen.
Christian: Okay, super. Dann herzlichen Dank euch beiden. Allerletzte Abschlussfrage: Üblicherweise ist ja nach dem Buch vor dem Buch. Ist schon das nächste Buch geplant?
Tim: Ja, Markus und ich haben ein paar Pläne. Inhaltlich will ich noch nicht zu viel verraten. Wir sind gerade dabei, unser erstes Buch „How to Fernstudium", da hatten wir uns ja genau über das produktive Fernstudium ausgelassen, ein bisschen beschrieben, wie das Markus gerade in die Kamera hält. Wunderbar, da ist es. Ich habe es gerade nicht griffbereit, ein bisschen dumm, aber egal. Wir haben schon ein neues Projekt im Blick, aber zunächst übersetzen wir gerade das „How to Fernstudium" ins Englische. Das wird demnächst als internationale Ausgabe erscheinen. Skript ist schon fertig, muss noch gesetzt und von uns beiden gegengelesen werden, wird aber in Kürze fertig. Freuen wir uns sehr drauf. Die Nachfrage war so groß, dass wir gesagt haben, komm, dann auf Englisch, wir wollen die internationale Leserschaft ansprechen, wird auch weltweit verfügbar sein, also wirklich in allen Buchläden, allen Buchhandlungen online bestellbar. Freuen wir uns sehr drauf, und das ist unser nächster großer Schritt.
Christian: Okay, super. Also dann vielen, vielen Dank. Wir verlinken natürlich auch die Links zu den Büchern, zu Amazon oder wo auch immer das zu kaufen gibt, oder bei dir auch direkt auf der Webseite von Studienscheiss in der Beschreibung für das Video und für den Podcast. Schaut euch das alle an, schaut euch auch die anderen Bücher an. Im Studienscheiss-Verlag gibt's auch ganz viele andere Bücher. Und ja, vielen Dank für eure sehr hilfreichen Tipps und bis zum nächsten Podcast.
Tim: Bis bald. Danke.
Markus: Danke schön. Bis bald. Tschüss.

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