Zu wenig Zeit? 7 effiziente Lernstrategien im Fernstudium neben Job & Familie - mit Gabriel Gorbach

Wenig Zeit – trotzdem ein Fernstudium beginnen? In diesem Gespräch mit Lernberater Gabriel Gorbach bekommst du 7 realistische Strategien für den Studieneinstieg neben Job und Familie – ohne starre Pläne und ohne zeitraubende Lerntechniken.

Fernstudium neben Vollzeitleben – geht das? Gabriel teilt Einblicke aus der Beratungspraxis: flexible Zeitplanung, Notfall-Regeln (Kita zu, krank), Energiemanagement und Prioritäten, die wirklich zählen. Er erklärt, warum das klassische „Zusammenfassungen schreiben“ zur Falle werden kann – und wie du direkt am Skript, mit aktivem Abruf und smarter KI-Unterstützung schneller und nachhaltiger lernst. Dazu: Motivation, Prüfungsrelevanz erkennen, mentaler Umgang mit Druck & Prüfungsangst – wertvoll für alle, die abseits der „klassischen“ Studienzeit lernen.

Takeaways

  • Flex statt fix: Plane realistisch & mit Puffer – und habe klare Notfall-Regeln statt starrer Abendslots.
  • Vermeide die Zusammenfassungs-Falle: Lerne effizienter direkt am Skript (plus aktive Abrufübungen); KI-Tools helfen kuratieren/strukturieren.
  • Lernerfolg = Zeit x Technik x Abruf: Optimiere gezielt diese drei Faktoren.
  • Motivation entsteht durch sichtbare Fortschritte: kleine, erreichbare Lernziele schlagen reine Willenskraft.
  • Kurze, regelmäßige Einheiten (z. B. Pomodoro) + achtsamer Umgang mit Energie & Fokus machen Lernen alltagstauglich.

Inhalt:

00:00 Vorschau
02:11 Beratungspraxis: typische Situationen im Fernstudium
09:01 Energiemanagement: weniger vornehmen, länger durchhalten
13:14 Priorisieren: 2 Module sicher + 1 optional
16:47 Zusammenfassungs‑Falle: warum Abschreiben Zeit kostet
21:29 Zusammenfassungen sinnvoll nutzen (direkt am Skript + Abruf)
31:56 Prüfungen effizient vorbereiten: Wichtiges zuerst
43:06 Störungen & Notfallwochen: flexibel bleiben
49:26 Motivation beim Lernen: kleine Siege, Kette halten
53:45 Lerngruppen – wann sinnvoll, wann nicht?
56:55 Prokrastination: in Bewegung kommen
59:29 Über Gabriel

Gabriel im Internet:

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Unsere bisherigen Podcasts mit Gabriel:

👉 „Familie, Job & Fernstudium“: podcast/30
👉 „Skripte im Fernstudium schnell & effizient lernen“: podcast/22
👉 „Selbstzweifel & Prüfungsangst im Studium überwinden“: podcast/21
👉 „Vollzeitjob + Vollzeitstudium: Trotz Doppelbelastung schnell studieren“: podcast/10
👉 „Schneller lernen im Studium“: podcast/1

👉 Alle Podcasts in unserer Youtube-Playlist: youtube.com/playlist

Weiterführend:

👉 Finde das passende Fernstudium mit unserer KI-Studienberaterin Sophie: fernstudi.net/hilfe/chat
👉 24/7 Tipps & Unterstützung beim Lernen? Teste KI-Study Coach Felix: fernstudi.net/studycoach
👉 Dranbleiben ohne Ablenkung - mit unserem Fokus-Session-Tool: fernstudi.net/pomodoro
👉 Hab deinen Studienfortschritt immer im Blick - mit unserem Study Tracker: fernstudi.net/studytracker

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#podcast #zeitmanagement #studium

Christian: Schönen guten Tag in diesem Podcast! Zum wiederholten Male zu Gast: Gabriel Gorbach, der Lernberater. Mit Gabriel habe ich ja wirklich schon jede Menge Folgen aufgenommen, fünf oder sechs müssten es mittlerweile gewesen sein. Und wir haben uns überlegt, dieses Mal über eine Lebensrealität zu reden, die auch meine ist, nämlich Studieren über 40. Wo sind die Unterschiede zum Studium als 20-Jähriger oder 30-Jähriger? Wie gehe ich mit Zeitmanagement und meinem Energiehaushalt um? Gibt es Besonderheiten direkt beim Lernen? Wie bereite ich mich auf Klausuren vor? Und wie bereite ich mich auch auf Probleme vor, wenn zum Beispiel das Kind krank wird oder man selber angeschlagen ist?

Gabriel, dann herzlich willkommen in dieser Folge. Du warst ja tatsächlich auch im allerersten Podcast hier zu Gast und jetzt bei Folge 64. Cool, dass du dich bereit erklärt hast, mit mir über dieses Thema zu reden. Lass uns gleich mal einsteigen und ein bisschen die Realität von denjenigen zeichnen, die so ungefähr mein Alter sind, 40 bis 45, und Familie haben. Vielleicht kannst du erstmal aus deiner Beratungserfahrung beschreiben, was da so die ganz typischen Fälle sind.

Gabriel: Ja, super spannendes Thema, weil mit 30, 40, 50 beim Lernen ändert sich super viel, auf der anderen Seite auch sehr wenig. Unser Gehirn funktioniert nach wie vor sehr gleich wie mit Anfang 20. Da ändert sich nicht viel, aber unsere Lebensumstände sind natürlich radikal anders. Man hat Beruf, man hat Familie. Das Studium hat gar nicht mehr dieselbe Priorität wie vielleicht Anfang 20, sondern meistens macht man das Studium neben dem Beruf, ist abends erledigt, hat auch einfach Familie, um die man sich kümmern muss.

Das führt dann ganz häufig dazu, dass diese Doppel- beziehungsweise Dreifachbelastung nicht gut gemanagt wird oder dass das Studium so viel Aufwand mit sich bringt, dass dann irgendein anderer Bereich darunter leidet, was wiederum nicht nachhaltig ist. Dann startet man vielleicht die ersten Monate super motiviert rein, lernt zwei Stunden am Abend, aber mit einem Vollzeitberuf und vielleicht noch Kindern geht das in der Regel nicht nachhaltig. Irgendwann hängt das Studium hinterher, dann hat man schlechtes Gewissen, wenn man vielleicht mal am Wochenende was mit den Kindern macht, weil man doch lernen sollte.

Das sehen wir ganz häufig, dass Studierende mit Mitte 40, 50 super motiviert ein Fernstudium starten, prinzipiell auch alles mit sich bringen, was notwendig ist. An kognitiven Fähigkeiten scheitert das nie. Aber oft geht es einfach darum, dass teilweise die Organisation nicht so passt. Wobei man sogar da sagen muss, dass die meisten sich schon organisieren können. Wenn man mit 40 ein Fernstudium startet, dann weiß man, dass man seine Zeit nicht auf Social Media zu verschwenden hat. Die meisten haben Terminkalender, das passt alles. Aber oft braucht man einfach zu lange, um das Wissen aus den Skripten in den Kopf reinzubringen, um wirklich bereit für die Prüfung zu sein. Der Prozess, das Wissen aus dem Skript in den Kopf zu bringen, den muss man in der Regel beschleunigen, damit man sein Studium schneller und effizienter absolviert.

Christian: Ich kann euch ja mal meine Lebensrealität ein bisschen zeichnen. Mitte 40, drei Kinder, große Familie, Vollzeitjob als Geschäftsführer, und ich würde es beispielsweise gar nicht in meinen Alltag bekommen, ein Studium noch zu absolvieren. Ich habe das gemerkt, ich habe jetzt die letzten Monate eine Weiterbildung absolviert und hatte dadurch die Möglichkeit mal zu gucken, wie viel Zeit bekomme ich in der Woche fürs Lernen rein. Während der Arbeitszeit übrigens, das ist ein ganz großer Vorteil, den ganz viele in dieser Lebensrealität nicht haben. Und trotzdem waren das nicht mehr als fünf, sechs, vielleicht sieben Stunden pro Woche. Sicherlich ist damit auch ein Fernstudium zu schaffen, ein Bachelor oder sogar ein Masterstudium, aber man braucht dann eben seine Zeit.

Ganz konkret sah das diese Woche so aus: Die Tochter ist krank geworden. Das hieß für mich schon mal einen Tag zu Hause bleiben und die Arbeit in die Abendstunden schieben. Die Tochter ist seit etwas mehr als einem halben Jahr in der Kita und bringt da wirklich alle möglichen Krankheiten ständig mit. Die bleiben dann auch an mir hängen. Das ist auch ein Stressfaktor. Ich hatte mir diese Woche vorgenommen, Python zu lernen und zu üben als Vorbereitung auf die nächste Weiterbildung. Letzte Woche habe ich damit angefangen, war wirklich super im Zeitplan, und diese Woche war das schwer durch diesen Zwischenfall. Eine ganz typische Lebensrealität für viele in meinem Alter, vielleicht auch schon mit Mitte 30.

Gabriel: Es hat jetzt nicht nur was mit 40 zu tun. Man kann irgendwann viel weniger planen. Wenn Kinder dazukommen, dann natürlich noch viel weniger, weil Kinder können quasi von einem Tag auf den anderen krank werden, die Kita kann geschlossen werden und so weiter. Aber wir sehen es auch häufig, dass einfach ein Kollege krank wird auf der Arbeit, da muss man die Stelle noch übernehmen, dann arbeitet man zwei Stunden länger, kommt später nach Hause.

Was entsprechend immer wichtig ist: Man muss sehr flexibel planen. Wir wollen ungefähr planen, wie viel Zeit wir ins Lernen reinstecken, aber das muss flexibel sein. Es kann halt einfach sein, dass man von einem Tag auf den anderen seinen gesamten Plan umwerfen muss. In Summe funktioniert es trotzdem. Wenn man in Summe genug Zeit ins Lernen reinsteckt, klappt das Ganze. Aber wenn man diesen fixen Plan möchte, ich lerne jetzt Montag bis Freitag von 19 bis 21 Uhr, das wird ziemlich sicher nicht funktionieren und frustrierend werden.

Christian: Das Gute war bei mir, dass ich letzte Woche mehr geschafft habe als vorgenommen, und dann diese Woche so ein bisschen Puffer dadurch hatte. Ich habe auch viel nebenher geübt, was ich jetzt nicht direkt dem Lernprozess zugeordnet habe, weil ich diese Programmiersprache auch einfach interessant finde und in meinen Arbeitsalltag integriert habe. Aber trotzdem passiert immer sowas. Und dann ist da ein bisschen schlechtes Gewissen. Wenn man die Familienzeit hat, kann auch umgekehrt sein, man hat ein schlechtes Gewissen, dass man sein Studium macht und das eigentlich Zeit ist, die man für die Familie hätte. Da sind ganz viele Absprachen nötig und diese Herausforderungen hat man eben als 20-Jähriger nicht.

Lass uns mal über Energiemanagement reden. Das wird im Alter immer wichtiger. Meine Lebensrealität: Die ganze Woche kaum geschlafen. Und je weniger ich schlafe, umso schlechter gelaunt werde ich, umso schlechter kann ich mich konzentrieren. Wenn man dann noch Kinder hat, kannst du dir sowieso keine Auszeit erlauben. Man muss halt trotzdem mit dieser Energie haushalten. Hast du da Tipps, wie man das optimieren kann?

Gabriel: Sehr guter Punkt. Wir müssen natürlich unsere Energie haushalten. Was wir häufig sehen, ganz häufig sogar, ist, dass Studierende eigentlich überambitioniert ihr Studium starten. Meistens ist der Prozess ja so, dass man einige Monate überlegt, vielleicht ein halbes Jahr oder ein Jahr. Viele starten mit relativ vielen Selbstzweifeln initial rein. Wenn die irgendwann mal überwunden sind, startet man das Studium, aber ist dann gleichzeitig überambitioniert und plant viel zu viel. Gestern hat mir ein Student erzählt, er will neben seinem Vollzeitberuf ungefähr 18 Stunden pro Woche ins Lernen reinstecken. Teilweise kommt das daher, weil die Fernhochschulen ungefähre Angaben machen, wie viel man pro Woche reinstecken sollte. Aber da muss man einfach sagen, das ist hardcore unrealistisch, das lange durchzuhalten.

Was wir ganz häufig machen, ist, Studierenden wirklich zu sagen, sie sollen proaktiv weniger lernen. Das muss ich ganz offen sagen: Mir geht es ja großteils um die Ergebnisse im Studium, weil je besser die Ergebnisse der Studierenden sind, desto besser sind unsere Testimonials, Weiterempfehlungen und so weiter. Trotzdem, weil wir einfach langfristig denken müssen, sagen wir in neun von zehn Fällen: Lerne weniger.

Besonders wichtig ist das, wenn man größere Prüfungen hat oder zum Beispiel bei der FernUni Hagen, wo man die Prüfung häufig erst nach einigen Monaten hat. Gerade beim Heilpraktiker zum Beispiel lernt man halt ein Jahr oder zwei Jahre und dann ist die Prüfung. Das ist etwas, was man über einen längeren Zeitraum planen muss, wo man nicht die ersten Monate super motiviert reinstarten kann und dann keinen Sport mehr macht, keine Freizeit mehr hat. Nach einigen Monaten knickt da einfach jeder ein.

Christian: Das heißt, um Energie zu haushalten, einfach in der Regel weniger machen. Ganz flexibel sein, sich auch einfach mal ausprobieren. Ich habe es durch meine Weiterbildung erst gemerkt, wie wenig Zeit ich tatsächlich in der Woche habe. Natürlich kann man sich an allen möglichen Stellen Zeit verhandeln, aber letztendlich ist es dann auch Familienzeit, die dafür draufgeht, und das ist häufig auch konfliktbehaftet.

Man kann den Energiehaushalt nicht ganz so gut managen wie mit 20. Du kannst nicht wirklich absolut auf deinen Schlaf bestehen, da passiert halt immer was, wenn da Familie und vielleicht kleine Kinder sind. Du kannst nicht unbedingt immer nach deinem Biorhythmus lernen, da wo es wirklich am besten ist, weil du vielleicht gerade arbeitest.

Lass uns mal über Priorisierung reden und so langsam in das Thema einsteigen, wie lerne ich denn ganz konkret. Ich habe den Eindruck, dass diese Priorisierung für viele Fernstudierende schwer ist. Ich habe es auch neulich in der Beratung gesehen: Ein Studierender im ersten Semester, drei Module belegt an der FernUni Hagen, was einem Vollzeitstudium entspricht, trotzdem noch ein Job nebenher. Drei Module an der FernUni Hagen sind 30 Leistungspunkte, und dann fängt man an zu prokrastinieren, weil das wirklich richtig viel Stoff ist. Wie priorisiere ich das? Geht es vielleicht schon los bei der Auswahl der Module?

Gabriel: Auf jeden Fall. Gerade wenn man wie bei der FernUni Hagen weniger flexibel ist und nicht die Module eins nach dem anderen machen kann, muss man einfach im Vorhinein abschätzen können. Was ich dementsprechend immer empfehle, ist, dass man sich wirklich einen Kalender zur Hand nimmt und schaut: Wie viel Zeit habe ich jetzt realistisch pro Woche zur Verfügung? Kleiner Spoiler: Nach einem 8-Stunden-Arbeitstag, wenn man vielleicht noch Hin- und Rückfahrt hat, Kinder hat und so weiter, mehr als zwei Stunden schafft man super selten. Selbst zwei Stunden sind schon ambitioniert.

Dann muss man realistisch planen, mit Hobbys, anderen Leuten, die einen sehen wollen und so weiter. Ich persönlich wäre zum Beispiel bei der FernUni Hagen schon noch ein Fan davon, mich für drei Module anzumelden, also in der Vollzeitvariante, weil wir regelmäßig sehen, dass es geht. Aber wenn man das macht, würde ich trotzdem erstmal Priorität auf zwei Module legen, dass ich die sicher absolvieren kann. Wenn ich dann nach drei, vier Monaten im Semester merke, ich komme so gut voran, ich bin schneller als der Zeitplan, dann würde ich das dritte Modul intensiver lernen. Was man nicht haben will, ist, dass man am Ende drei halbfertige Module hat und keine einzige Prüfung schreiben kann.

Und dann muss man natürlich noch betrachten: Der gesamte Stoff ist wichtig, aber nicht alles ist gleich wichtig. Man kann es schon einigermaßen abschätzen, oft zu 80 bis 90 Prozent Prioritäten setzen. Dann macht es strategisch Sinn, mit den Kapiteln und Lektionen zu starten, wo wir abschätzen können, die werden vermutlich intensiver abgefragt. Gleichzeitig ist die Lektion vielleicht eine kürzere, die weniger Aufwand zum Lernen ist. Und später lerne ich irgendeinen historischen Abriss zu der Thematik, der auch nett ist und vielleicht zur Prüfung drankommt, aber wo ich 50 Seiten lernen muss, um dann vielleicht eine Frage dazu zu bekommen. Da macht es ressourcenmäßig weniger Sinn, Zeit reinzustecken.

Christian: Kommen wir zum Thema Zusammenfassungen. Auch ein Beispiel aus der Community: Jemand hat neulich gefragt, ich habe ein Skript mit 150 Seiten, jetzt habe ich mir eine Zusammenfassung geschrieben, die hat auch 50 Seiten, die ist super umfangreich, ich weiß gar nicht, wie ich das alles lernen soll. Was ist deine Meinung zu Zusammenfassungen?

Gabriel: Ich muss ganz offen sagen, ich habe das deswegen auch mitgenommen. Ich zeige mal etwas her: Ich habe hier aus meinem ersten Semester Psychologiestudium ebenfalls eine Zusammenfassung geschrieben, an glaube ich 100 Seiten. Das hat dazu geführt, dass ich, ich habe auch neben Vollzeitberuf studiert, nach einem Semester von vielen geplanten Prüfungen nur zwei geschrieben habe, weil ich halt einfach nicht vorbereitet war. Das verdeutlicht schon relativ meine Meinung zu Zusammenfassungen.

Es rentiert sich in der Regel nicht, die Zusammenfassung zu schreiben, weil ich viel Zeit brauche, um die Zusammenfassung zu schreiben, und davon bleibt nicht so viel Wissen hängen. Natürlich merkt man sich etwas, aber die Frage ist nicht, ob etwas hängen bleibt, sondern wie viel hängen bleibt pro Stunde, die wir ins Lernen reinstecken. Und wenn ich die Zusammenfassung geschrieben habe, muss ich damit ja immer noch lernen.

Mittlerweile bin ich auch so, dass ich es in Ordnung finde, wenn man eine fremde gute Zusammenfassung nimmt und damit lernt. Zum Beispiel habe ich teilweise Rechtswissenschaften-Studierende, die müssen 3600 Seiten lernen für eine Prüfung, also eine immense Menge an Stoff. Eine Studierende, die war 2022 bei uns, hatte drei Kinder, hat mit einer 500-Seiten-Zusammenfassung gelernt, was immer noch viel ist, aber halt weniger. Sie hat dann die Prüfung in Bürgerlichem Recht absolviert und wurde jetzt auch im Oktober dieses Jahres fertig mit ihrem Studium. Bei solchen enormen Brocken ist es in Ordnung, meiner Meinung nach, wenn man eine fremde Zusammenfassung nimmt. Aber selbst eine Zusammenfassung zu schreiben, rentiert sich nicht, weil ich halt immer schneller bin, wenn ich direkt mit den Lernunterlagen lerne.

Christian: Wie sieht es aus mit KI-generierten Zusammenfassungen? Man kann sich doch heutzutage ganz gut unterstützen lassen, oder? Man nimmt sich das Skript oder Teile des Skripts, lädt es in irgendein KI-Tool hoch und sagt: Mach mir da mal bitte eine richtig kompakte Zusammenfassung draus, vielleicht mit guten Merksätzen. Hast du da auch Erfahrung damit?

Gabriel: Kann man teilweise schon machen. Ich muss zugeben, früher war ich ziemlich gegen Zusammenfassungen generell, aber mittlerweile ist die KI so gut, dass sie teilweise so eine Vorbereitung zum Lernen ersetzen kann. Meiner Erfahrung nach kann KI den Lernprozess an sich relativ wenig ersetzen, also diesen Prozess, dass das Wissen in den Kopf reingeht. Aber wenn man zum Beispiel irgendwelche wissenschaftlichen Publikationen zum Prüfungsstoff hat, kann man sich die einfach über KI zusammenfassen lassen, auf Deutsch übersetzen lassen und damit lernen.

Bei sehr vielen Fernschulen wie IU, Euro-FH, FernUni Hagen, HFH, PFH, Wilhelm Büchner Hochschule und so weiter sehe ich, dass die Skripte schon so kompakt sind, dass man gar nicht mehr so viel weglassen kann. Da wäre ich etwas vorsichtig. Bei allem anderen könnte man sich den Stoff über eine KI kompakter zusammenfassen lassen. Das geht schon.

Christian: Also wir sind jetzt im Gespräch immer noch bei dem Modus: Ich muss eine Klausur schreiben. Das ist eine der ganz häufigen Prüfungsformen. Wir haben jetzt noch nicht darüber geredet, dass sich das auch ändert und andere Prüfungsformen wichtiger werden. Aber wir gehen jetzt erstmal davon aus, ich habe wirklich ganz viel auswendig zu lernen, wie das auch an der IU je nach Studiengang häufig der Fall ist, vor allem in den ersten Semestern. Wir hatten auch schon Podcasts, in denen wir ganz ausführlich über konkrete Lerntechniken geredet haben. Da möchte ich auch noch mal verweisen an dieser Stelle auf diese Folgen. Aber vielleicht können wir es noch mal anteasern. Wie lerne ich denn jetzt ganz konkret? Hast du da Tipps für uns?

Gabriel: Jawohl. Ich würde nicht sagen, es gibt nur eine richtige Sache, sondern es gibt viele verschiedene Prinzipien, die beeinflussen, wie viel Wissen hängen bleibt und wie langfristig es hängen bleibt, also wie wenig Wiederholungen ausreichend sind. Kurz zum Hintergrund: Ich habe Psychologie studiert im Bachelor und Master, viel mit Neurowissenschaften und Kognitionswissenschaften zu tun gehabt, und es gibt tatsächlich sehr viele Faktoren, die beeinflussen, wie viel Wissen hängen bleibt. Wir wollen möglichst viele von diesen Prinzipien berücksichtigen.

Erste Sache: Wir wollen immer direkt mit unseren Lernunterlagen lernen. Keine Umwege über Karteikarten, Zusammenfassungen, Mindmaps und so weiter, sondern immer direkt mit den Lernunterlagen. Dann ist es immer wichtig, dass man auch aktiv etwas mit dem Stoff macht, weil wenn wir etwas passiv konsumieren, bleibt relativ wenig Wissen hängen.

Gerade in dem Zeitalter von heute: Man hat versucht, das ungefähr auszurechnen. Vor 100 Jahren sind so etwa ein halbes Gigabyte an Informationen täglich durch alle unsere Sinneskanäle in unseren Kopf gekommen. Rate mal, wie viele Gigabytes es heutzutage sind?

Christian: Wahrscheinlich so drei, vier, die ganzen Social-Media-Streams alleine machen schon jede Menge aus wahrscheinlich.

Gabriel: Ich hätte jetzt auch so gedacht, irgendwas in dieser Größenordnung. Tatsächlich sind es in etwa 100 Gigabyte, die täglich in unseren Kopf fließen. Also um den Faktor 200 mehr. Wenn wir jetzt etwas lesen, vergessen wir das relativ schnell wieder. Vielleicht vor ein paar hundert Jahren, wenn du am Feld gestanden hast und Kartoffeln geerntet hast, es war super langweilig, du hattest keine Kopfhörer, alles stinklangweilig. Wenn dir am Abend eine Geschichte erzählt wurde, dann hat man sich die gemerkt, weil die quasi im Kontrast dazu so groß war.

Jetzt sind wir so überladen mit Informationen. Wenn wir einfach ein Skript nur durchlesen oder uns irgendwas anhören, ist das meiste am nächsten Tag wieder vergessen. Wir wollen aktiv lernen, wir wollen uns daran erinnern, was wir gelernt haben, und wir wollen unserem Langzeitgedächtnis immer Signale senden, dass das, was wir lernen, wichtig ist. Weil so viel Information in unseren Kopf reinfließt, sortiert unser Langzeitgedächtnis sehr fleißig aus. Während wir schlafen, während den sogenannten REM-Schlafphasen, wenn wir dann träumen, findet eine sogenannte Gedächtniskonsolidierung statt. Das Gedächtnis unterscheidet quasi, was von dem Gelernten ist wichtig, was ist weniger wichtig, was muss ins Langzeitgedächtnis, was kann aussortiert werden.

Die Schritt-für-Schritt-Anleitung, dass man seinem Gedächtnis ganz klar signalisiert, dass etwas wichtig ist, das hängt zusammen mit dem Fokus, also wie viel Konzentration man hat. Es hängt damit zusammen, in welchem Abstand wir wiederholen, weil wir wollen nicht zu häufig wiederholen, dann verschwenden wir unsere Zeit. Wir wollen auch nicht zu selten wiederholen, weil dann landet das Gelernte nie im Langzeitgedächtnis. Im Idealfall wiederholen wir genau dann, wenn wir kurz davor wären, etwas zu vergessen, dann ist der Lerneffekt am größten. Da gibt es Heuristiken, also Faustregeln, mit denen man das einschätzen kann.

Es gibt teilweise auch spezifische Techniken. Vielleicht kennt der eine oder andere den Gedächtnispalast, kreative Geschichten, Assoziationen und so weiter. Dazu gibt es auf YouTube en masse Inhalte. Unser Langzeitgedächtnis ist ein semantischer Speicher, speichert Information immer anhand der inhärenten semantischen Bedeutung, die etwas hat. Wenn etwas keine inhärente Bedeutung hat, ist es sehr schwierig, sich das langfristig zu behalten. Dafür hilft dann eine kreative Geschichte, ein Gedächtnispalast und so weiter. Klassiker: Wenn man sich zum Beispiel eine Einkaufsliste merken möchte, die keine eigenständige Bedeutung hat. Oder irgendwelche Paragraphen, Zahlen, Normen, Tabellen, teilweise auch Symptomlisten in der Heilpraktiker-Prüfung oder im Medizinstudium. Immer wenn man ein Problem damit hat, den Stoff zu behalten, wenn es keine inhärente Bedeutung hat, kann man diese Techniken verwenden. Bei allem anderen sind sie meiner Meinung nach eher überbewertet.

Wir wollen also multiple Prinzipien, die beeinflussen, wie unser Gedächtnis speichert, berücksichtigen, sie möglichst zeitsparend berücksichtigen und in so einen Schritt-für-Schritt-Prozess ins Lernen einbauen.

Christian: Also bei meiner Weiterbildung, beim Python-Lernen, habe ich gemerkt, dass ich einfach viel schneller lerne, wenn ich sofort praktisch umsetze. Wenn ich mir wirklich ein kleines Miniprojekt überlege, was direkt in den Berufsalltag zu integrieren ist, dann komme ich auch wirklich richtig in den Flow rein. Dann habe ich auch einen gewissen Vorteil, weil ich das Ganze eben auch gleich noch beruflich nutze, und lerne viel länger. Das ist jetzt natürlich nichts, wo ich was auswendig lernen muss, aktuell zumindest noch nicht. Aber was ich dann wahrscheinlich auch auswendig können muss, das habe ich eigentlich gleich so verinnerlicht durch diese praktische Anwendung.

Gabriel: Sehr gut. Man muss beim Lernen nämlich eine Sache differenzieren. Unser anwendungsbezogenes Wissen wird in den Basalganglien gespeichert, also einem anderen Platz im Gehirn, und daraus folgt, dass zum Beispiel Mathematik, Statistik, Programmieren nicht so gelernt werden kann wie ein Theoriefach wie BWL, Personalmanagement und so weiter. Und genauso können Theoriefächer nicht gelernt werden wie diese anwendungsbezogenen Fächer. Das ist auch ein Fehler, den wir häufig sehen: Manche Studierende waren zum Beispiel in Mathe immer gut und versuchen dann ihr BWL-Studium so zu lernen, wie sie Mathe gelernt haben, indem sie einfach versuchen zu verstehen. Aber das Ding ist: Man versteht es, es bleibt einfach nicht hängen. Auf der anderen Seite, wenn man zum Beispiel Python lernen möchte, reicht es nicht nur, stumpf auswendig zu lernen, was für Befehle es gibt, sondern es geht darum, eine Fähigkeit zu lernen, wo wir ganz anders vorgehen müssen.

Christian: Bei diesem Python-Lernen habe ich mir auch eine kleine Challenge gesetzt. Ich habe mir einen Lernplan KI-basiert erstellen lassen, vier bis fünf Stunden die Woche. Die Themen habe ich mir zusammenstellen lassen und dann lerne ich auch in dem Moment mit KI. Ich habe tatsächlich einen spezialisierten Programmierassistenten, der schon ein bisschen meine Bedürfnisse kennt und das, was ich schon weiß, nämlich andere Programmiersprachen. Dem habe ich gesagt: Stell mir bitte gleich die Verknüpfung her zu den Programmiersprachen, die ich schon kenne. Also wenn ich weiß, wie eine Schleife in PHP funktioniert, erklär mir, wo der Unterschied in Python ist. Und das kriegt man ganz gut erklärt. Dadurch bleibt auch gleich viel mehr hängen. Wie wichtig ist das beim Lernen, diese Verknüpfung?

Gabriel: Wir können immer leichter neue Informationen in ein existierendes Konstrukt hinzufügen, als etwas von Grund auf neu zu lernen. Wenn du bei Schleifen in PHP schon ein Wissenskonstrukt hast, ist es natürlich viel leichter, neue Information zu inkludieren, wie das bei Python funktioniert. Manchmal sind Verknüpfungen gerade bei anwendungsbezogenen Sachen sehr hilfreich. Auch wenn man zum Beispiel eine Tabelle lernen möchte, sollte man immer zuerst das Konstrukt lernen, also welche sieben Kategorien gibt es beispielsweise, und dann erst die einzelnen Unterpunkte zu diesen Kategorien. Immer zuerst das Konstrukt, dann die Details.

Bei ganz normalem Theoriestoff ist es nur so, dass es oft gar nicht so darum geht, etwas zu verknüpfen, weil es eigentlich eh logisch ist, es muss halt einfach hängen bleiben. Wenn ich es mit Praxis verknüpfen kann, super, aber oft würde es länger dauern, ein Praxisbeispiel dafür zu finden, als wenn ich den Stoff einfach normal lernen würde.

Christian: Das hat aber auch Grenzen. Dieses KI-basierte, chatbasierte Lernen, es gibt ja auch Hochschulen, die solche Assistenten zur Verfügung stellen, an die man Fragen zu den Skripten stellen kann. Aber ich hatte eine interessante Erfahrung, weil sich beim Lernen der ersten Einheiten ein Haufen Fragen aufgeworfen haben und ich dann gefragt habe: Wie gehe ich denn eigentlich zum Beispiel mit Datenbanken um? Das ist eigentlich ein Thema, was viel später kommt. Und dann hat dieses KI-Tool mich regelrecht angeranzt. Das war wirklich witzig, relativ rau formuliert: Das kommt viel später, du musst dich damit jetzt noch gar nicht auseinandersetzen, aber ich kann es dir hier schon mal anteasern, und geh bitte Schritt für Schritt vor. Diese KI-Tools wie ChatGPT haben ja auch so einen Lernmodus, die sind schon ein bisschen mit gewissen lerndidaktischen Prinzipien ausgestattet. Aber trotzdem muss man da wirklich vorsichtig sein, man verrennt sich auch ganz schnell.

Wer noch mehr wissen will über das Lernthema, schaut euch wirklich die Podcasts an, die wir zusammen schon gemacht hatten. Da geht es dann auch ganz konkret um Techniken, wie man wirklich optimalerweise den Stoff in seinen Kopf bekommt und er da auch hängen bleibt.

Lass uns als Nächstes über das Thema Prüfungen reden. Das ist ja auch irgendwie mit Emotionen verbunden, ganz häufig auch mit Angst und mit ganz viel Arbeit. Deine Meinung ist ja sowieso eher, dass man sich die ganze Zeit schon auf die Klausur vorbereitet und nicht erstmal fünf Wochen lang sein Skript zusammenschreibt und sich dann erst hinsetzt und lernt, sondern man macht das von Anfang an.

Gabriel: Auf jeden Fall. Im Prinzip sollte immer, wenn man Zeit ins Studium steckt, das natürlich dazu dienen, besser bei der Klausur zu werden. Wie gut man bei der Prüfung ist, hängt eigentlich nur von drei Faktoren ab: Erstens die Zeit, die wir ins Lernen reinstecken, wir nennen das Umsetzung. Zweitens die Effizienz, mit der man in dieser Zeit das Wissen mitnimmt und ins Langzeitgedächtnis befördert, also die Lerntechnik. Die Zeit mal die Lerntechnik bestimmt, wie viel Wissen im Kopf ist.

Auf der anderen Seite können wir die Menge an Wissen in unserem Kopf erhöhen, indem wir entweder mehr Zeit ins Lernen reinstecken oder effizienter lernen. Mehr Zeit ist mit relativ hohen Kosten verbunden im Sinne von eigener Freizeit. Effizienter lernen geht relativ schnell. Wir können meistens ungefähr doppelt so viel Wissen in derselben Zeit speichern, wie es normalerweise der Fall ist. Manche noch schneller. Da haben wir in der Regel einen relativ großen Hebel nach oben, weil die meisten nie gelernt haben, wie man lernt. In relativ kurzer Zeit sind relativ große Sprünge möglich.

Dann gibt es aber noch einen wichtigen dritten Faktor: Wie gut man bei der Prüfung ist, hängt nicht nur davon ab, wie viel Wissen man im Kopf hat, sondern auch wie gut man auf dieses Wissen zugreifen kann, wie gut man das abrufen und wiedergeben kann. Vielleicht kennt das der eine oder andere, dass man bei einer Prüfung sitzt und man weiß: Ich habe das gelernt, ich sollte das eigentlich können. Vielleicht weiß man sogar, wo das im Skript stand, mit welcher Farbe man das markiert hat, wie die Zusammenfassung dazu ausgesehen hat. Aber man kann es nicht mehr abrufen. Das reduziert natürlich die Prüfungsleistung. Dementsprechend brauchen wir diesen dritten Faktor: die sogenannte Erinnerungsfähigkeit, also die Fähigkeit, sich im richtigen Moment an das Gelernte zu erinnern und es abzurufen.

Übrigens, falls man häufiger das Problem hat, dass man bei der Prüfung sitzt und weiß, ich habe das gelernt, ich sollte es können, aber nicht mehr weiß was genau, spricht das eher dafür, dass das Gelernte eher im Kurzzeitgedächtnis war. Unser Langzeitgedächtnis ist ein semantischer Speicher, unser Kurzzeitgedächtnis ein visueller und auditiver Speicher, der Information danach speichert, wie es visuell ausgesehen hat oder wie es geklungen hat.

Die drei Faktoren zusammen: Zeit ins Lernen stecken mal die Lerntechnik mal die Erinnerungsfähigkeit bestimmt, wie gut wir bei der Prüfung sind. Auch wenn die Prüfung erst in fünf Monaten ist, sollte trotzdem die jetzige Lerneinheit direkt schon dafür sorgen, dass das Wissen aufgenommen wird. Ich bin kein Fan von vorbereitendem Lernen, wo ich jetzt etwas vorbereite, was ich dann in drei, vier Monaten lernen kann. Sondern ich bringe es direkt jetzt schon ins Langzeitgedächtnis.

Das menschliche Langzeitgedächtnis ist eine der faszinierendsten Sachen überhaupt. Man könnte Tag und Nacht 20 Jahre lang lesen und sich alles merken, jeden Strich, jeden Punkt, und trotzdem hätte man nach 20 Jahren erst ungefähr 10 Prozent des Speichervolumens unseres Langzeitgedächtnisses gefüllt. Jeder, egal wie intelligent, egal wie alt, das Langzeitgedächtnis ist super groß und es ist überhaupt kein Problem, in fünf Monaten noch etwas abzurufen, wenn man es jetzt gelernt hat. Natürlich muss man mal wiederholen, vielleicht gehen sieben Prozent wieder weg, aber wenn es im Kopf drinnen ist, hat man es halt einfach.

Christian: Was hältst du von Generalproben, dass man die Klausur, die man schreibt, zum Beispiel auch noch mal übt? Man kann das ja auch an den Fernhochschulen teilweise machen, dass man Probeklausuren schreibt, um auch einfach mit dem Prüfungssystem zurechtzukommen, mit dem Proctoring-System oder was auch immer verwendet wird. Was hältst du davon? Ist das Zeitverschwendung eher?

Gabriel: Ich finde das sehr gut. Gerade bei Fernschulen, wo es so ein Proctoring-System gibt, wo man sich gerne mal mit der Technik vertraut machen muss, ist das super. Je mehr man da schon vorbereiten kann, desto entspannter ist man bei der Prüfung. Wenn ich entspannter bin, kann ich besser mein Wissen abrufen und werde besser. Besonders wichtig wären diese Probeprüfungen immer dann, wenn es einen hohen Anteil an prozeduralem, also anwendungsbezogenem Wissen gibt, wie bei Programmieren, Informatik, Statistik, Mathematik, natürlich auch bei Rechtswissenschaften. Da geht es großteils darum, sein Theoriewissen abzurufen, Fälle zu lösen und so weiter. Man sollte weder nur Theorie lernen noch nur Fälle lösen, sondern zuerst Theoriewissen aneignen und dann das Theoriewissen in die Praxis umsetzen.

Christian: Was ich auch empfehlen kann, ist, KI zu nutzen, um sich zum Beispiel auf eine mündliche Prüfung vorzubereiten oder einfach sicherer zu werden. Ich mache das mittlerweile auch häufig in Vorbereitung auf Podcasts. Bei ChatGPT gibt es in der kostenpflichtigen Pro-Version den sogenannten Voice Mode, und dann kann man einfach reden mit der KI. Man gibt am besten eine Persönlichkeit und einen guten Prompt rein, und dann kann man einfach über das Thema noch mal reden und bekommt direkt eine Antwort. Vielleicht sollte man ein Skript mit dazu geben, dass man auch fachlich korrekte Antworten bekommt. So kann man eine gewisse Sicherheit im Erzählen des Stoffs bekommen. Was hältst du davon?

Gabriel: Ich habe es schon ausprobiert, muss ich sagen. Bei der Defensio meiner Masterarbeit habe ich mich auch mit ChatGPT drauf vorbereitet. Ich hatte vier Wochen vor der Master-Abschlussprüfung das Lehrbuch dazu bekommen, 700 Seiten, hatte auch relativ viel zu tun. In vier Wochen war das doch relativ viel. Ich habe sowohl meine Masterarbeit hochgeladen als auch das Lehrbuch und wusste, sie fragen tendenziell immer Themen, die zur Masterarbeit angelegt sind. Meine Masterarbeit ging um Selbstkontrolle und Willenskraft, generell Motivationstheorien.

Diese Voice-Funktion gab es damals noch nicht, dass man mit ChatGPT reden kann. Ist prinzipiell aber eine gute Sache, gerade wenn man das außerhalb seiner aktiven Lernzeit machen kann. Man muss ja nicht nur aktiv am Schreibtisch lernen, man kann ganz viel auch passiv Wissen mitnehmen, wenn man gerade irgendwo unterwegs ist, im Auto sitzt und so weiter. Ich habe das häufiger mal im Auto gemacht, dass ich die ChatGPT-Voice-Funktion gestartet habe und dann damit geredet habe. Teils für konkretes Wissen in Rechtsthematiken, die mich interessieren, teils auch einfach, um die eigenen Gedanken zu sortieren.

Vielleicht ein konkretes Beispiel: Ich heirate in einem guten halben Jahr und bin dafür verantwortlich, die Hochzeitsreise zu organisieren. Da habe ich mit ChatGPT überlegt, okay, wie finde ich eigentlich heraus, was sie wollen? Was für Fragen sollte ich meiner Verlobten stellen? Weil ich eigentlich nicht so der Urlaubsmensch bin. Für solche Sachen eignet sich ChatGPT sehr gut, um einfach seine Gedanken strukturieren zu können, sich zu Prüfungsstoff abfragen zu können und so weiter.

Christian: KI ist also letztendlich auch ein Tool, mit dem man noch viel effizienter lernen kann, wenn man es richtig angeht. Man braucht gar nicht so viele Tools, häufig reicht ChatGPT schon aus oder etwas Ähnliches, und man kann sich da wirklich an ganz vielen Stellen helfen lassen oder auf Prüfungen vorbereiten. Haben wir noch etwas zu Prüfungen zu sagen? Übungsklausuren sollte man sich sicherlich auch mal besorgen und da reingucken, wie die Prüfung aussehen könnte.

Gabriel: Und eine fast der wichtigsten Sachen ist einfach das Mentale. Was ich super häufig sehe, ist, dass viele Studierende das Fernstudium eigentlich überschätzen oder wirklich Angst haben, Selbstzweifel haben. Meiner subjektiven Auffassung nach, wir haben jetzt etwas über 1000 Studierende bisher im Training gehabt, sind es eher Frauen, die davon betroffen sind, gerade Frauen in den 30ern, 40ern, die sich eigentlich super unterschätzen, die irgendwie denken, sie sind zu blöd, zu dumm, schaffen das nicht, sind zu alt und so weiter. Was dazu führt, dass man teilweise Jahre wartet, bis man sein Studium startet.

Gerade vor zwei Wochen kam eine Studentin zu uns, was mir wirklich naheging. Sie ist 50 geworden dieses Jahr und hat seit 20 Jahren überlegt, Ernährungswissenschaften zu studieren, weil sie für die Ernährung brennt. Jetzt arbeitet sie in der Verwaltung, der Job ist nett, aber interessiert sie nicht wirklich. Seit 20 Jahren will sie eigentlich etwas mit Ernährung machen. Früher gab es noch kein Fernstudium. Und jetzt hat sie eigentlich erst jetzt das Studium gestartet, weil leider letztes Jahr ihr Vater verstorben ist, der ihr das eigentlich voll zugetraut hätte, der ihr immer gesagt hat, sie schafft das, sie soll das doch starten. Aber sie hat 20 Jahre lang davor gezögert, was mir wirklich leidtat. Jetzt hat sie das Studium gestartet, hat trotzdem noch Selbstzweifel, weil 50 Jahre und so weiter. Aber sie steht noch am Anfang, und ich bin sicher, dass sie das sogar schneller als erwartet abschließen kann und de facto einfach mehr Menschen weiterhelfen kann, weil sie sich eh schon so viel mit Ernährung beschäftigt hat.

Christian: Auch ein sehr lernintensives Studium wird das sein, allein die ganzen Mikronährstoffe und so weiter auswendig zu lernen. Lass uns mal das Thema etwas schwenken. Wir hatten schon angesprochen, dass gerade wenn man über 40 studiert oder Familie hat und einen Vollzeitjob, immer wieder Dinge passieren können, die die Pläne durchkreuzen. Wie geht man damit um? Du hattest auch schon gesagt, man soll im Alltag versuchen, das mitzunehmen, vielleicht passiv zu lernen, einen Podcast laufen lassen. Zum Thema KI, meine letzte Weiterbildung hat sich um das Thema KI gedreht, da höre ich dann auch Podcasts zu den Themen und beschäftige mich einfach gedanklich die ganze Zeit damit. Hast du noch Tipps, wie ich mit Störungen umgehe oder generell mit der Alltagsorganisation meines Studiums?

Gabriel: Wir wollen immer im Vorhinein planen, wie viel Zeit wir ins Lernen reinstecken. Ganz wichtig: Wir wollen nicht planen, was rauskommt. Ich will nicht sagen, diese Woche will ich diese Kapitel schaffen. Und ich will auch nicht sagen, heute Abend möchte ich das schaffen. Aus einem sehr wichtigen Grund: Wie wir ein Ereignis beenden, beeinflusst am stärksten, wie wir über dieses Ereignis denken. Also wie das Ende unserer Lernzeit ist, beeinflusst super stark, wie wir darüber denken.

Kurze Studie dazu: Man hat Versuchspersonen in zwei Gruppen geteilt, die mussten ihre Hände in eiskaltes Wasser legen, 5 Grad glaube ich, und nach 30 Sekunden durfte die eine Gruppe ihre Hand rausnehmen. Bei der anderen Gruppe war es so, dass nach 30 Sekunden das Wasser langsam wärmer wurde, weitere 30 Sekunden, und dann nach einer Minute insgesamt durften sie die Hand rausnehmen. Die erste Gruppe hatte 30 Sekunden Schmerz, dann Ende. Die andere Gruppe hatte 30 Sekunden Schmerz und dann weniger Schmerz, aber immer noch Schmerz. Trotzdem waren diejenigen eher bereit, noch einmal am Experiment teilzunehmen, als die anderen, obwohl sie genau denselben Schmerz plus noch etwas mehr hatten.

Es gibt ganz viele Studien, die bestätigen: Wie ein Ereignis endet, beeinflusst am stärksten, wie wir darüber denken. Wenn ich jetzt heute Abend sage, ich lerne mal und schaue, wie weit ich komme, wie lange werde ich lernen? Genau so lang, bis ich keine Motivation mehr habe, bis ich irgendwie unterbrochen werde, frustriert bin, deswegen aufhöre. Aber das brennt sich dann ein, und wenn man das über Wochen macht, hat man immer weniger Lust aufs Lernen.

Viel sinnvoller ist es, das in Einheiten zu strukturieren. Einfach zu sagen: Ich werde heute Abend zweimal eine halbe Stunde oder einmal eine Stunde oder zweimal dreiviertel Stunde lernen, was auch immer. Dann höre ich auf, auch wenn ich im Flow bin, auch wenn ich gerne weitermachen würde. Dann höre ich trotzdem auf, weil ich dann umso leichter in Zukunft mit dem Lernen beginnen kann.

Dann würde ich für die Woche planen, wie viele Lerneinheiten wir pro Woche oder auch pro Tag reinstecken können. Da kann man auch differenzieren zwischen fixen Lerneinheiten und variablen Lerneinheiten. Manchmal kann man fix sagen, Montag abends gehen sich zweimal eine Stunde aus. Dienstags weiß ich es nicht, weil wenn ich Überstunden machen muss, geht sich vielleicht nur eine Lerneinheit aus, wenn nicht, dann zwei. Wenn am Samstag die Kinder bei den Großeltern sind, kann ich dreimal eine halbe Stunde lernen, wenn nicht, dann mache ich nichts. Man kann das variabel planen und schon am Anfang der Woche sagen, okay, wenn die Großeltern sich um die Kinder kümmern, dann mache ich am Samstag dreimal eine halbe Stunde. Wenn nicht, muss ich das nicht machen, bin aber auch nicht frustriert, weil das war ja eh so geplant.

Dann wollen wir immer nur das Ziel haben, dass wir 90 Prozent unserer Lerneinheiten einhalten. Wenn ich zum Beispiel zehn Stunden die Woche plane, zehn von zehn dieser Stunden zu lernen, ist immer relativ schwierig, weil es gibt halt mal etwas, wo zum Beispiel das Kind krank ist und dann noch zu lernen ziemlich schwierig wird. Wenn ich einfach sage, an dem Tag lerne ich halt nicht, habe ich trotzdem neun von zehn meiner Lerneinheiten, also 90 Prozent des Ergebnisses mit der Hälfte des Aufwandes und Konflikts. 90 Prozent lernen wie geplant reicht uns. Es gibt immer wieder Lerneinheiten, die wären super schwer durchzuführen und mit so viel Kosten verbunden, da ist es einfach sinnvoll zu sagen: Die lasse ich jetzt, da ist man gnädig mit sich.

Christian: Mit so kleineren Lerneinheiten habe ich auch gute Erfahrungen gemacht. Wir haben bei uns auf der Webseite und auch in der App sogenannte Focus Sessions, einen kleinen Pomodoro-Timer. Was ich nicht benutze, sind die Pausen. Wenn ich einmal 25 Minuten gestartet habe, mache ich gleich mit den nächsten 25 Minuten weiter. Nach 50 Minuten ist dann in der Regel erstmal Zeit für eine Pause und vielleicht auch Schluss für den Tag. Aber was wirklich gut hilft, um reinzukommen, ist, sich vorzunehmen, ich mache jetzt diese 25 Minuten. Dann schaffe ich in der Regel auch immer sehr viel. Vielleicht reicht das jetzt für ein Bachelor- oder Masterstudium nicht direkt aus. Aber da ich mir vier, fünf Stunden die Woche für die Weiterbildung nehme, war das absolut okay, jeden Tag 25 Minuten zu machen oder auch mal 45.

Die Gewohnheit ist auch einfach wichtig. Das war bei mir immer letztendlich zur gleichen Tageszeit möglich, weil ich das in meinen Arbeitsalltag integrieren konnte. Das ist halt manchmal auch schwer, wenn man diese Möglichkeit nicht hat. Aber auch zu Hause, mit Familie gibt es in der Regel Routinen. Irgendwann um 9 Uhr, um 10 Uhr sind die Kinder im Bett und dann hat man vielleicht auch noch mal 25 Minuten Zeit für sein Studium.

Lass uns mal noch über das Thema Motivation reden. Motivation ist wichtig, wobei ich den Eindruck habe, dass Menschen in meinem Alter doch eher motivierter an so eine Weiterbildung rangehen. Gerade wie du es eben erzählt hast, wenn man da irgendwie 20 Jahre lang darauf gewartet hat und sich damit einen Traum erfüllt, dann ist man eigentlich super motiviert. Manchmal sinkt es dann relativ schnell im ersten Semester. Was kannst du dazu sagen?

Gabriel: Unterschiedlich, je nachdem, wann sie zu uns kommen. Sicher ein Drittel der Studierenden kommen ganz zu Beginn oder teilweise vor Studienstart zu uns, um optimal reinzustarten. Dann ist die Motivation immer super hoch. Die meisten starten trotzdem motiviert ihr Fernstudium, sonst startet man das in der Regel nicht. Trotzdem ist es so, dass die Motivation relativ schnell verloren geht, aber eigentlich nicht, weil das Interesse verloren geht, sondern weil die Erfolgserlebnisse fehlen. Nichts wird uns Menschen so sehr motivieren wie einfach Erfolg, zu sehen, man kann das.

Dazu zählt nicht nur Erfolg im Großen, also Prüfungen, die man absolviert, gute Noten und so weiter, sondern einfach dieser tägliche Erfolg ist das Entscheidende. Täglich zu sehen, okay, das kann ich, das von vor zwei Tagen kann ich immer noch. Wir sind bereit, sehr viel zu machen und sehr viel auf uns zu nehmen, wenn wir Ergebnisse unserer Arbeit sehen, wenn wir einfach sehen: Ich stecke Zeit ins Lernen rein und es bleibt etwas hängen, ich bin am nächsten Tag besser als am Vortag. Dann ist man in der Regel auch motiviert. Die Motivation geht in der Regel immer dann flöten, wenn man Zeit reinsteckt und es sich irgendwie sinnlos anfühlt, weil die Hälfte wieder weg ist. Das macht ja auch Sinn, weil wir Menschen unsere Energie haushalten wollen.

Ich habe meinen Master über Selbstkontrolle geschrieben, den Bachelor quasi auch schon darüber. 2019, als ich mit dem gestartet habe, was ich jetzt mache, habe ich gedacht, es geht viel mehr darum, Leuten Selbstkontrolle und Motivation beizubringen. Es ist aber eigentlich oft gar nicht notwendig, weil wenn man einfach dafür sorgt, dass man effizient lernt, dann muss man gar nicht jemanden noch mal motivieren. Man hat inhärent schon Motivation, weil wenn ich sehe, dass ich meine Lernzeit um ein Drittel reduziere, aber jetzt einfach merke, ich habe etwas davon, wenn ich gleichzeitig noch mal Sport machen kann, Freizeit haben kann, wo ich kein schlechtes Gewissen habe, dann fällt das Lernen in der Regel auch viel leichter.

Natürlich braucht man Motivation, aber oft entsteht Motivation nicht, indem man einen extern motiviert, weil das weder gut funktioniert noch sonderlich nachhaltig ist. Was wir immer machen, ist, die Effizienz so weit nach oben zu schrauben, dass es einfach leicht ist, dass es keine Motivation benötigt. Ich brauche keine Motivation, Kuchen zu essen, weil mir einfach Kuchen schmeckt. Und genauso soll das Lernen auch sein, dass es so gut ist, so viel inhärente Belohnung mit sich bringt, dass man eigentlich keine wirkliche Motivation mehr dafür benötigt.

Christian: Ich war auch jetzt super motiviert mit meiner Weiterbildung, weil mich das Thema wirklich fasziniert hat, aber auch, weil die Weiterbildung gut gestaltet war. Das waren überwiegend Videos, keine Lernskripte, aber das hat für mich auch einen Unterschied gemacht, weil die Themen von Persönlichkeiten vorgetragen wurden. Es gab vielleicht auch das eine oder andere Video, das nicht so interessant war, da habe ich eher geskippt oder auf doppelter Geschwindigkeit abgespielt. Aber die meisten waren super faszinierend und motivierend, mich durchzuarbeiten, die Aufgaben zu machen und sich auch mit der Community auszutauschen. Das war eine Besonderheit dieser Weiterbildung, dass sie ganz stark auf Community setzt.

Vielleicht noch zu diesem Punkt: Lerngruppen sind eher ineffizient, sagst du. Ich habe das neulich irgendwo in Social Media gesehen.

Gabriel: Die Frage ist ja immer, worauf wir optimieren. Wenn wir darauf optimieren, maximal viel Wissen in maximal wenig Zeit, sind Lerngruppen nicht sonderlich effizient. Natürlich dauert die ganze Organisation Zeit und wir sind halt immer schneller, selbstständig Wissen aufzunehmen als in einer Lerngruppe. Aber das ist nicht das Einzige, worauf man optimieren muss. Ich finde es völlig in Ordnung, wenn man sagt, man hat seine Lerngruppe, weil das einem Freude macht und einem leichter fällt, sich hinzusetzen. Man steckt dann am Samstag vielleicht sogar drei Stunden in der Lerngruppe und sonst würde man sich vielleicht nur eine Stunde motivieren können. Gut, dann lerne gerne in deiner Lerngruppe. Wenn es einem Spaß macht, bin ich nicht so dogmatisch, dass ich sage, das darf man nicht machen.

Man braucht keine Lerngruppe. Wenn es wirklich nur um die Effizienz geht, ist eine Lerngruppe in der Regel nicht so sinnvoll, zumindest beim Theoriewissen, wo es einfach darum geht, Wissen aufzunehmen. Wenn es einen sehr hohen prozeduralen, anwendungsbezogenen Teil gibt, zum Beispiel Programmieren, wo es vielleicht wirklich mal sein kann, dass ich etwas gar nicht verstehe und jemand erklärt mir das und nach 10 Sekunden habe ich es begriffen, dafür kann es sinnvoll sein.

Christian: Damit konnte ich auch nie so richtig viel anfangen. In meiner Schulzeit kam das irgendwie auf, dass man in der Didaktik mehr auf Gruppenarbeiten gesetzt hat, aber ich fand es immer anstrengend, weil es mich hindert, mich schnell durchzuarbeiten. Sicherlich lernt man da auch ganz viele andere Aspekte, aber in meiner Weiterbildung war ich froh, dass das nicht mehr so war. Deswegen habe ich die auch wirklich ruckzuck durchgezogen.

Was ich aber wichtig finde, ist Community, dass man guckt, wie weit die anderen sind, was die gerade machen, wo sie dransitzen, dass man sich zu allgemeineren Themen austauschen kann. Bei den Focus Sessions sehe ich auch immer, wer gerade lernt, und das finde ich super motivierend. Da sind immer die gleichen Personen und dann sehe ich, der oder die hat auch heute wieder gelernt, na gut, da mache ich jetzt auch noch meine 25 Minuten. Aber ja, da ist jeder wahrscheinlich anders beeinflusst davon.

Okay, wir sind eigentlich zum Ende angekommen. Wir haben über ganz viele Themen geredet, jetzt zum Schluss auch noch mal über das wichtige Thema Motivation. Vielleicht gehen wir noch mal ein paar Tipps ganz zum Ende durch. Wie starte ich jetzt durch? Ich habe vielleicht eine ganze Weile prokrastiniert, oder wie ich erzählt hatte, ein Studierender im allerersten Semester hat schon angefangen aufzuschieben, weil er sich zu viel vorgenommen hat. Was kann derjenige oder diejenige jetzt machen, um konkret sofort durchzustarten?

Gabriel: Ich würde auf jeden Fall immer damit beginnen, klein reinzustarten, wenig zu machen. Gerade wenn man weniger Motivation hat, geht es wirklich manchmal darum, dass Leute mit fünf Minuten am Tag lernen starten. In fünf Minuten schaffen wir nicht viel, mit der besten Lerntechnik nicht. Aber wenn man jetzt mal eine Woche fünf Minuten lernt, dann das vielleicht auf zehn Minuten erhöht, baut man diese Routine, kommt in den Flow, sammelt die ersten Erfolgserlebnisse.

Dann würde ich ganz stark darauf setzen, jeden Widerstand beim Lernen zu reduzieren, also so effizient zu lernen, dass ich möglichst viel Wissen mitnehme und nachhaltig behalte. Klein reinstarten, lächerlich klein reinstarten, so dass man es auf jeden Fall schafft. Teilweise machen wir das auch so, dass man es einfach abhakt, dass man extern kontrolliert wird. Zum Beispiel schickt man jemandem seinen Lernplan zu, wo dann einfach steht, was man die Woche lernt, sieben mal 20 Minuten beispielsweise, und das wird dann am Ende der Woche von der anderen Person kontrolliert. Diese externe Instanz ist nicht ewig notwendig, aber gerade wenn man die Motivation verloren hat, kann das ganz sinnvoll sein.

Klein reinstarten und dann einfach voll auf die Effizienz gehen. Immer direkt mit seinen Skripten lernen, jeden Umweg vermeiden, versuchen, die Konzentration so weit wie möglich nach oben zu pushen, alle internen Ablenkungen eliminieren. Dass man vielleicht nicht selbst zum Handy greift, wenn es langweilig ist, sondern das Handy weglegt. Basic Sachen, die aber trotzdem wichtig sind, auch wenn sie basic sind. Dann natürlich versuchen, ablenkende Gedanken loszuwerden, irgendwelche To-dos, die einem gedanklich kommen, direkt vielleicht aufschreiben, den Zettel umdrehen, damit man sich wieder aufs Lernen fokussieren kann, ohne an diese To-dos zu denken.

Christian: Gabriel, vielen Dank. Ganz zum Schluss noch mal kurz über dich. Du hast gesagt, da ist viel los bei dir. Du hast deine Masterarbeit abgeschlossen, da auch noch mal Glückwunsch dafür. Du wirst heiraten, auch noch mal herzlichen Glückwunsch. Gibt es noch irgendwas, was du unseren Zuhörerinnen und Zuhörern mitteilen willst?

Gabriel: Gute Frage. Ich persönlich liebe Lernen und mir macht nichts so viel Freude wie anderen Leuten dabei zu helfen, ihr Potenzial zu entfalten. Was mir mega Freude bereitet, ist einfach zu sehen, wie Leute wirklich vorankommen, die vorher an sich selbst gezweifelt haben. Ob du jetzt eine 1,0 hast oder 2,0, meiner Meinung nach spielt das keine große Rolle. Gerade mit 40 juckt das niemanden mehr. Aber einfach zu sehen, dass Leute selbst erkennen, sie schaffen das, sie sind nicht so blöd, sie kriegen das hin.

Vielleicht ein Beispiel dazu: Hannes hat mit 50 Jahren Klinische Psychologie bei der Euro-FH angefangen zu studieren, war 30 Jahre lang als Servicetechniker unterwegs und hat sich mit 50 gedacht, er will noch mal was anderes machen. Psychologie hat ihn sein Leben lang interessiert. Er startete natürlich hochmotiviert und brauchte dann gefühlt ewig, bis er seine Prüfungen absolvieren konnte, teilweise 12 Wochen, bis er einigermaßen bereit war. Er kam dann in unser Büro in Wien. Kurz vor Weihnachten letztes Jahr hat er erzählt, er schafft jetzt im Vier- bis Fünf-Wochen-Rhythmus seine Module zu absolvieren. Er steckt gleich viel Zeit ins Lernen wie vorher, eineinhalb Stunden am Abend, die Kinder sind eh schon aus dem Haus. Er hat einfach gesehen, er schafft das, auch mit 50 Jahren ist er fit genug.

Vielleicht noch ein letztes Beispiel, das mich richtig bewegt hat: Franz hat mit 31 Jahren Ernährungswissenschaften bei der IU begonnen zu studieren. Nicht ganz freiwillig, er hatte leider zuvor die Diagnose Multiple Sklerose bekommen und wusste, dass er seinen Job als Koch nicht mehr ewig ausüben kann. Dann hat er das Studium gestartet, wurde ihm sogar finanziert von der österreichischen Pensionsversicherungsanstalt, weil sie auch wussten, er braucht eine Alternative. Er startete eigentlich motiviert, weil ihn Ernährung interessiert, aber er machte die erste Prüfung und fiel durch, die nächste Prüfung, fiel wieder durch. Nach neun Monaten im Studium hatte er sechs Prüfungen geschrieben, von denen er fünfmal durchgeflogen war und nur eine absolviert hatte.

Man muss sich vorstellen, was für einen Druck er auf sich hatte. Er hat mir erzählt, wenn die Kinder ins Arbeitszimmer gekommen sind, ist er teilweise ausgerastet, weil er sich nicht mehr beherrschen konnte vor lauter Druck vom Studium. Er wusste, er muss das machen, es wird ihm finanziert, wenn er keine Ergebnisse produziert, muss er das vielleicht zurückzahlen. Und dann hat er nach drei Wochen, nachdem er seine Lerntechnik umgestellt hatte, Chemie und Physik mit einer 2,3 absolviert. Zwei Wochen später die nächste Prüfung. Innerhalb von sieben Monaten hat er elf Module und 55 ECTS absolviert.

Er war jemand ohne Matura, also ohne Abitur. Er war nicht sonderlich selbstbewusst, gerade nicht nach diesen Ergebnissen im Studium. Er hat wirklich gedacht, er sei einfach zu blöd dafür, was für eine Schnapsidee es war, dieses Studium zu starten. Und man hat einfach schwarz auf weiß gesehen: Er ist nicht so blöd, er hat einfach nicht richtig gelernt. Wenn er seine Lerntechnik umändert, dann läuft das Studium. Was mich auch gefreut hat: Er hat erzählt, dass er durch diesen Flow auch aufgehört hat zu rauchen und begonnen hat, zweimal pro Woche Sport zu machen. Sein ganzes Leben hat sich geändert, weil er einfach jetzt richtig lernen kann und selbst sieht, er kriegt es hin.

Ich finde es mega, dass Fernschulen gerade so am Boomen sind. Ich finde es super, wie viele Studierende sich jetzt noch weiterbilden, dass Lernen nicht mehr auf die 20er beschränkt ist, sondern dass man auch später sich weiterbilden kann. Ich will einfach jedem zusprechen und ermutigen: Man kriegt das hin, man schafft das. Intelligenz ist nicht sonderlich wichtig, zumindest nicht in enormen Bereichen. Im Alter geht die Auffassungsgabe runter, aber das sind vielleicht fünf Prozent, das ist nicht relevant. Man schafft es einfach. Und oft ist es auch so, dass nicht nur man selbst davon profitiert, sondern das gesamte Umfeld, wenn man zum Beispiel seinen Kindern beweisen kann, man kann sich weiterbilden, man schafft das, ob man nun anderen zeigen kann, man muss nicht da stehen bleiben, wo man gerade ist, sondern man kriegt es auch hin, einen akademischen Abschluss zu schaffen, auch wenn man vielleicht der Erste in der Familie ist.

Christian: Wenn man ein bisschen Hilfe braucht oder sucht, um seine Lerntechnik zu optimieren, kann man mit dir zusammenarbeiten. Dafür muss man nicht in Österreich wohnen, das geht auch aus Deutschland heraus.

Gabriel: Genau. Gerne auch mal unsere YouTube-Videos anschauen. Wir bieten auch einen kostenlosen Report an, sieben Seiten, wo wir konkret darauf eingehen, wie man neben Beruf und Familie studiert. Auf gabrielgorbach.com/report kann man sich den einfach kostenlos anfordern und die ersten Strategien mitnehmen. Sonst auch gern einfach über alle Wege kontaktieren bei Fragen und Herausforderungen.

Christian: Die verlinken wir natürlich auch alle in der Beschreibung für dieses Video. Also Gabriel, dir ganz herzlichen Dank für die vielen Informationen und vielleicht bis zum nächsten Podcast.

Gabriel: Super, ich freue mich. Vielen vielen Dank für die Einladung. Tschüss.

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