Effizient lernen im Fernstudium: Das sagen Experten zu Lernstrategien & - methoden im Studium

Ein Fernstudium bringt viele Chancen mit sich – zeitliche Flexibilität, ortsunabhängiges Lernen und die Möglichkeit, sich berufsbegleitend weiterzubilden. Doch genau diese Vorteile stellen auch eine große Herausforderung dar: Lernen im Fernstudium bedeutet meist, sich Inhalte eigenständig zu erarbeiten, sich selbst zu organisieren und dabei Motivation, Zeit und Energie gut zu managen. Ohne tägliche Präsenzveranstaltungen oder unmittelbaren Austausch mit Kommiliton:innen kann es schwerfallen, dran zu bleiben – besonders, wenn Familie und Job ebenfalls Aufmerksamkeit fordern. Wie lernt man also effizient und nachhaltig, ohne sich zu überfordern? Welche Strategien helfen wirklich?

Die Meinungen dazu gehen unter Studierenden gerne einmal auseinander (siehe Folge 42) und ziehen sich wie ein roter Faden durch mittlerweile bald 50 Folgen von fernstudi.fm.

In dieser Folge haben wir für euch Strategien, Methoden und Tipps der Expert:innen aus unseren Podcasts noch einmal zusammengefasst. Mit dabei: Lerncoach Gabriel Gorbach, Tim Reichel vom Studienscheiss-Verlag, die Leiterin der Akademie für Aus-, Fort- & Weiterbildung am Klinikum Nürnberg Dr. Julia Simon, und Studimentorin Manuela Gnann.

Inhalt:

00:00 Vorschau
00:54 Intro
02:02 Gabriel über Langzeitgedächtnis, Skripte & Karteikarten
04:08 Tim über Effizienz & Motivation mit Pareto-Prinzip & 5-Minuten-Regel
17:23 Manuela über eine geeignete Lernumgebung & -strategien
24:51 Gabriel über effizientes Lesen
28:29 Julia über effiziente Lernmethoden

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Die Podcasts mit unseren Experten im Überblick:

👉 "Schneller lernen im Studium" mit Gabriel: fernstudi.net/podcast/1
👉 "Trotz Doppelbelastung schnell studieren" mit Gabriel: fernstudi.net/podcast/10
👉 "Alles über Motivation im Fernstudium" mit Manuela: fernstudi.net/podcast/15
👉 "Mehr Produktivität im Fernstudium" mit Tim: www.fernstudi.net/podcast/18
👉 "Selbstzweifel & Prüfungsangst im Studium überwinden" mit Gabriel: fernstudi.net/podcast/21
👉 "Skripte im Fernstudium schnell & effizient lernen" mit Gabriel: fernstudi.net/podcast/22
👉 "Wie man alles unter einen Hut bekommt" mit Gabriel: fernstudi.net/podcast/30
👉 "So gelingt effizientes Zeitmanagement" mit Julia: fernstudi.net/podcast/34

"Besser Lernen" - unsere Youtube-Playlist mit allen Tipps zum Lernen:

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In dieser Kompilationsfolge hat Christian Aussagen verschiedener Experten zum Thema Lernstrategien und -methoden im Fernstudium zusammengestellt. Zu Wort kommen Gabriel Gorbach (Lerncoach), Tim Reichel (Studienscheiss-Verlag), Julia Simon (Zeitmanagement) und Manuela (Einstieg ins Fernstudium).

Gehirngerechtes Lernen und Bedeutung statt Auswendiglernen

Gabriel Gorbach erklärte, dass das Langzeitgedächtnis ein semantischer Speicher sei. Informationen würden anhand ihrer Bedeutung gespeichert, nicht durch stumpfes Auswendiglernen. Wenn man einen Zusammenhang wirklich verstehe, reiche manchmal eine einzige Wiederholung, weil die Bedeutung bereits erfasst sei. Bei Inhalten ohne offensichtliche Bedeutung, etwa lateinischen Fachbegriffen, müsse man kuenstlich eine Bedeutung schaffen, zum Beispiel durch Geschichten. Allerdings raet er davon ab, diese Technik als primaere Lernmethode im Studium einzusetzen, da es dort meist darum gehe, grosse Textmengen zu verarbeiten und nicht einzelne Vokabeln zu lernen.

Manuela betonte, dass die aus der Schulzeit bekannten Strategien des reinen Auswendiglernens im Fernstudium nicht so richtig gut funktionierten. Stattdessen empfahl sie, sich intensiv mit den Grundlagen des jeweiligen Faches auseinanderzusetzen: Die Grundlagen des jeweiligen Faches wirklich von vorne beherrschen, dann kann nicht so wahnsinnig viel passieren. Man solle alle Fachbegriffe kennen und Modelle oder Berechnungsmethoden beherrschen, die im Modulplan angegeben seien, da diese mit hoher Wahrscheinlichkeit in Prüfungen abgefragt würden.

Das Pareto-Prinzip als Entscheidungshilfe

Tim Reichel erläuterte das Pareto-Prinzip ausführlich. Es besage, dass 20 Prozent des Inputs fuer 80 Prozent des Outputs verantwortlich seien. Übertragen auf das Studium bedeute das: 20 Prozent der Sachen, die du lernst, sind fuer 80 Prozent deines Erfolgs später in der Note verantwortlich. Die Verteilung könne sogar noch extremer ausfallen, bis hin zu einem Verhältnis von 1 zu 99. Die wichtigsten Aufgaben seien häufig diejenigen, auf die man keine Lust habe und die man aufschiebe. Er empfahl, sich vor jeder Aufgabe zu fragen, ob sie einen überdurchschnittlichen Einfluss auf das spätere Ergebnis habe.

Gleichzeitig stellte Tim Reichel klar, dass das Pareto-Prinzip nicht überall greife. Es gebe Bereiche, in denen 100 Prozent nötig seien, etwa in der Chirurgie oder im Ingenieurwesen. Er sehe das Prinzip vor allem als Denkmodell und Entscheidungshilfe, das besonders Menschen mit übertriebenem Perfektionismus helfen könne, pragmatischer zu werden: Das Pareto-Prinzip kann ein erster Ansatzpunkt sein, um da mal gegenzusteuern, weil das ein wirklich theoretisch fundiertes Modell ist.

Christian berichtete aus eigener Erfahrung, dass er das Pareto-Prinzip aktiv auf sein Studium anwende. Er sei sehr ergebnisorientiert und wolle Weiterbildungen möglichst schnell abschliessen, wobei ihm Noten weniger wichtig seien. Er verfalle aber auch immer wieder in Phasen, in denen er sich mit Kleinkram beschaeftige, der ihn nicht wirklich voranbringe, und müsse sich dann regelmässig korrigieren.

Die 5-Minuten-Regel gegen Prokrastination

Tim Reichel stellte die von ihm so benannte 5-Minuten-Regel vor, einen psychologischen Trick gegen Prokrastination. Man vereinbare mit sich selbst, eine unliebsame Aufgabe nur fuer fuenf Minuten zu beginnen, mit der Option, danach aufzuhören. Der Kern sei, die Anfangshuerde zu überwinden: Eigentlich ist es nur diese Anfangshuerde, die uns davon abhält, mit einer unliebsamen Aufgabe anzufangen. Wenn wir die genommen haben, ist es egal. In 99 Prozent der Fälle mache man nach den fuenf Minuten weiter. Selbst wenn man nur eine halbe Stunde schaffe, sei das besser als nichts. An fuenf Werktagen ergaeben sich so bereits zweieinhalb Stunden. Wichtig sei, dass die Aufgabe in Zwischenziele aufteilbar sein müsse, damit man nach fuenf Minuten tatsächlich aufhören könne.

Die optimale Lernumgebung und Rituale

Manuela empfahl, eine feste Routine fuer das Lernen zu entwickeln. Der Schreibtisch solle frei sein von ablenkenden Dingen wie einer unerledigten Steuererklärung: Dann ist man gedanklich bei der Steuererklärung. Man solle sich ein kleines Ritual schaffen, den Arbeitsplatz vor jeder Lerneinheit herrichten und alles bereitlegen, was man brauche. Auch ein Schild an der Tuer mit dem Hinweis, nicht zu stoeren, könne helfen, um sich gegenüber Mitbewohnern oder der Familie klar abzugrenzen.

Christian gab zu, selbst nicht das beste Vorbild zu sein, da auf seinem Schreibtisch allerlei Zettel laegen. Er lerne häufig im Kreis der Familie, was bei einer Weiterbildung mit geringerem Workload funktioniere. Fuer ein vollwertiges Studium empfahl er jedoch, sich wirklich eine ruhige Umgebung zu schaffen und sich auch mal abzukapseln. Als Inspirationsquelle verwies er auf Instagram, wo Fernstudierende ihre aufgeräumten Arbeitsplätze posteten.

Lesetechniken und Speed Reading

Gabriel Gorbach differenzierte beim Thema Lesetechniken klar nach Einsatzzweck. Querlesen und Speed Reading seien eine gute Fähigkeit fuer Hausarbeiten und Seminararbeiten, bei Klausuren rate er eher davon ab, da es dort darum gehe, Wissen tief aufzunehmen. Fuer Klausuren sei er ein Fan davon, den gesamten Stoff gruendlich zu beherrschen.

Als zwei praktische Tipps zum schnelleren Lesen nannte er erstens, physisch weiter vom Text wegzurücken, da so der Blickwinkel kleiner werde und die Augen schneller von links nach rechts springen könnten. Zweitens solle man bewusst schneller lesen, da man dazu tendiere, immer im selben Tempo zu lesen, obwohl man eigentlich schneller könne. Das schnellere Tempo werde mit der Zeit zum neuen Normal.

Effektive und ineffektive Lernmethoden

Gabriel Gorbach wies darauf hin, dass verschiedene Lerntechniken unterschiedlich wirksam seien. Texte zu markieren sei eine sehr ineffektive Lernmethode, sofern man glaube, den Text damit bearbeitet zu haben und danach zu wissen, was darin stehe. Nutze man die Markierungen jedoch als Grundlage, um mit eigenen Worten eine Zusammenfassung zu schreiben, werde es wieder effektiver. Als besonders wirksam bezeichnete er das Durcharbeiten von Altklausuren.

Lerngruppen und Erklären als Lernstrategie

Gabriel Gorbach sprach sich fuer Lerngruppen aus, auch wenn diese im Fernstudium schwieriger zu organisieren seien, etwa über Zoom. Er berichtete aus eigener Erfahrung, dass er zu Beginn seines Studiums überzeugt gewesen sei, alleine besser lernen zu können. Doch ohne den Austausch in einer Lerngruppe hätte er in eine komplett falsche Richtung gelernt. Lerngruppen dienten dazu, Unterlagen abzugleichen, Verstaendnisluecken zu schliessen und sich gegenseitig zu überprüfen. Wichtig sei, dass alle Teilnehmer vorbereitet kämen und die Zeit nicht zum Jammern nutzten, sondern konkret Themen durchgingen.

Er betonte, dass das Erklären von Inhalten an andere eine besonders wirksame Lernstrategie sei: Wenn man selbst in der Lage ist, etwas jemand anderem zu erklären, dann ist das eine sehr wirksame Strategie um zu lernen. Gleichzeitig könne man dadurch überprüfen, ob man den Stoff wirklich verstanden habe.

Manuela ergaenzte, dass man dies auch in der Familie anwenden könne, indem man versuche, den Lernstoff den eigenen Kindern zu erklären. Das sei die Königsklasse: Wenn man das schafft, dann hat man es definitiv gut verstanden.

Podcasts und Videos als ergaenzende Lernquellen

Manuela berichtete, dass sie neben den offiziellen Skripten sehr gerne mit Podcasts lerne. Fuer ihren Yogakurs habe sie einen Podcast gefunden, der das Thema aus physiotherapeutischer und wissenschaftlicher Perspektive beleuchte. Durch das Zuhören nehme sie Fachbegriffe nebenbei auf und vertiefe sich in das Thema. Sie empfahl, nach YouTube-Kanaelen oder Podcasts zu suchen, die zum jeweiligen Modul passen.

Christian stimmte dem zu und hob den Zeitmanagement-Vorteil hervor: Podcasts könne man auch in der Bahn hören und so nebenbei etwas fuer das Studium aufnehmen, ohne Studienmaterialien ausbreiten zu müssen.

Eigene Lernmethode finden

Manuela betonte abschliessend, dass jeder seinen eigenen Weg finden müsse. Es sei wichtig, sich gerade im ersten Semester mit der Frage auseinanderzusetzen, wie man in den letzten Jahren gelernt habe und ob es bessere Möglichkeiten gebe. Manche kämen besser mit Exzerpten zurecht, andere mit Lernkarten. Entscheidend sei, dass man Dinge nicht nur auswendig lerne, sondern wirklich verstehe:

  • Grundlagen gruendlich beherrschen
  • Fachbegriffe und Modelle aus dem Modulplan kennen
  • Lernkontrollfragen aus den Skripten fuer Lernkarten nutzen
  • Sich aktiv mit dem Stoff auseinandersetzen, statt passiv zu markieren
  • Austausch mit anderen suchen, um blinde Flecken zu erkennen

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