Fernstudium 2025: Hochschulen, Studiengänge, Communities & KI im Studium | Gespräch mit Markus Jung
Vor etwa zwei Jahren war Branchenexperte Markus Jung von Fernstudium-Infos.de erstmals bei Christian im Podcast zu Gast, um die großen Entwicklungen im Fernstudium der Jahre zuvor zu diskutieren. Was hat sich seitdem in der Fernstudienbranche getan?
Neben alten Bekannten - wie der FernUniversität in Hagen , IU Internationale Hochschule, Hochschule Fresenius, AKAD University, Wilhelm Büchner Hochschule, SRH Fernhochschule und FOM Hochschule für Oekonomie & Management oder den Fernschulen ILS, SGD etc. -, die sich weiterentwickelt haben, sowie neuen Hochschulen, sind auch neue Studiengänge und Kurse entstanden.
Ganz sicher hatte auch das Aufkommen von Künstlicher Intelligenz, allen voran ChatGPT, einen erheblichen disruptiven Einfluss darauf, wie man sich Themen wie Lernen und Recherche oder dem Verfassen von Abschlussarbeiten im Studium widmet. Studierende, Dozenten und Hochschulen haben seitdem diskutiert, adaptiert und innoviert.
Diese Entwicklungen, aber auch die persönlichen und beruflichen, werten Markus und Christian in dieser Folge von Fernstudi.fm aus und wagen schonmal vorsichtige Prognosen für 2025 und darüber hinaus. Außerdem gewährt uns Markus Einblicke in den Entwicklungsprozess des neuen Fernstudium-Buches „Auf in den Dschungel“ von ihm und Sabine Kanzler.
Inhalt:
00:00:00 Vorschau
00:00:48 Schönen guten Tag
00:02:14 Markus über sich
00:04:27 Markus über das Buch „Auf in den Dschungel“
00:10:26 Markus & Christian über ihre Plattformen
00:15:48 Christian über das letzte Jahr
00:21:21 Markus über soziale Medien und Twitter/X
00:28:59 Markus & Christian über die FernUni Hagen
00:37:52 Markus & Christian über die IU Internationale Hochschule
00:49:38 Markus & Christian über die AKAD University
00:53:14 Markus & Christian über die Wilhelm Büchner Hochschule
00:58:08 Markus & Christian über die Klett-Gruppe
01:02:05 Markus & Christian über die Hochschule Fresenius
01:04:45 Markus & Christian über die SRH University
01:06:20 Markus & Christian über die FOM
01:08:16 Markus & Christian über neue Fernhochschulen
01:12:52 Wie nutzen Christian und Markus KI im Berufsleben?
01:23:04 Markus über Yoga Nidra
Markus Jung & fernstudium-infos im Internet:
➡️ Website: https://www.fernstudium-infos.de/
➡️ Youtube: https://www.youtube.com/@Fernstudium-Infos
➡️ LinkedIn: https://www.linkedin.com/company/fernstudium-infos.de/
➡️ Markus auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/fernstudium/
➡️ Instagram: https://www.instagram.com/fernstudium_infos/
➡️ Facebook: https://www.facebook.com/FernstudiumInfosDe/
Im Podcast erwähnt:
👉 Ein Blick ins Buch „Auf in den Dschungel“: https://www.youtube.com/watch?v=_3CitwLFIWk
👉 „Auf in den Dschungel“ auf Amazon: https://www.amazon.de/Auf-den-Dschungel-Erfahrungen-Dschungelhelden/dp/3985972265
👉 Unser KI-gestützter Kursfinder: https://www.fernstudi.net/kursfinder
👉 Aktuelle Meldungen & News aus der Fernstudienbranche: https://www.fernstudi.net/news
👉 Gespräch mit Tomorrow University - CEO Christian Rebernik: https://www.fernstudi.net/podcast/39
👉 Alle Podcasts in unserer Youtube-Playlist: https://www.youtube.com/playlist?list=PLfaNcXsnpoxeEZPzqyvM3cFgTS-atqyxu
Christian: Schönen guten Tag! In diesem Podcast zum zweiten Mal zu Gast, jetzt nach zwei Jahren: Markus Jung, der Betreiber von Fernstudium-Infos.de und ausgewiesener Fernstudium-Experte. Und mit Markus möchte ich mal so ein bisschen über branchenbezogene Themen reden, zum Beispiel über einzelne Fernhochschulen. Aber als allererstes wollen wir mal über Markus' neues Buch reden, nämlich das Buch Auf in den Dschungel – Erfahrungen aus dem Fernstudium, in dem 12 Dschungelhelden berichten von ihrer Reise, das Markus zusammen mit Sabine Kanzler herausgegeben hat, im Studienscheiss-Verlag.
Christian: Markus, dann herzlich willkommen hier im Podcast! Super, dass du dich bereit erklärt hast, jetzt zum zweiten Mal in diesen Podcast zu kommen. Das letzte Mal haben wir vor eigentlich ziemlich genau zwei Jahren miteinander geredet. Aber für diejenigen von unseren Zuhörerinnen und Zuhörern oder Zuschauern, die dich noch nicht kennen, vielleicht stellst du dich noch mal ganz kurz vor.
Markus: Ja gerne. Markus Jung, und ja, ich habe das Thema Fernstudium täglich im Blick bei Fernstudium-Infos.de. Das ist meine Community, die ich seit, ja, was kann man schon sagen, Jahrzehnten betreue. Aber auch allgemein schaue, was da so passiert, ein YouTube-Kanal dazu, schaue auch, wo ich Studierende unterstützen kann. Und das, was für mich das Ganze besonders ausmacht, ist diese Community, wo Menschen sich gegenseitig unterstützen, von ihren Erfahrungen berichten, und wo ich kann, helfe ich dabei.
Christian: Und ihr habt ja auch Blogs in eurem Portal, oder du hast sozusagen die Möglichkeit für Teilnehmer deiner Community, ein Blog zu gestalten. Das geht auch schon jahrelang, glaube ich. Also eigentlich seit ich deine Community kenne, gibt es da die Möglichkeit, Blogs zu schreiben.
Markus: Ja, so ganz am Anfang war es tatsächlich mal nur ein Forum, aber seitdem überhaupt so Blogs mehr populär waren, gibt es die mit dazu. Und genau, die Studierenden können selbst sich ein Blog einrichten, sogar mehrere, weil es gibt ja auch einige Fernstudiensüchtige, die dann vielleicht an verschiedenen Hochschulen was gemacht haben. Und mittlerweile gibt es mehr als 1500 Blogs, manche über wirklich etliche Jahre hinweg, manchmal mehrere Weiterbildungen, wo man so eine ganze Entwicklung verfolgen kann. Bei einigen sind auch nur zwei, drei Beiträge und dann verläuft das im Sand, oder ein Studium wurde auch schon mal wieder abgebrochen. Und das ist sehr spannend, einfach zu sehen, halt nicht nur so eine Momentaufnahme, sondern wie entwickelt sich so was.
Christian: Also großes Sammelsurium auch an Erfahrungen von Fernstudierenden. Und ihr habt euch da jetzt vor einiger Zeit schon überlegt, da könnte man eigentlich auch mal ein Buch draus machen. Und da ist ein Buch entstanden, das heißt Auf in den Dschungel – Erfahrungen aus dem Fernstudium. Wir verlinken das natürlich auch in der Beschreibung für das Video, da könnt ihr mal reinschauen. Auf Amazon kann man das bestellen und auch im Studienscheiss-Verlag. Kannst du uns vielleicht erstmal so ein bisschen was zur Herstellungshistorie für dieses Buch erzählen? Wie kam die Idee und wie war der Verlauf, sozusagen, bis das fertige Buch dann da war?
Markus: Ja, sehr gerne. Du hast gerade schon das Softcover gezeigt, gibt das Ganze auch als Hardcover. Und es gab immer schon mal den Gedanken: Ah, das ist so schön, was wir haben, ich würde das auch gerne in den Händen halten. Und dann war die Überlegung, ja, wenn wir jetzt das Ganze als Bücher drucken, dann wird da ja eine hundertteilige Serie raus, das ergibt nicht so viel Sinn. Dann ist das wieder untergegangen. Und eigentlich hat ein User aus der Community, der Steffen85, dann mal vor ja mehr als anderthalb Jahren so einen Vorschlag gemacht, ein Forumsthema eröffnet: Wie wäre es, wenn wir mal die gesammelten Werke rausbringen? Da haben wir überlegt, was ergibt Sinn, auch nach außen für andere, dass man das, was so das Ganze ausmacht in den Blogs, aus verschiedenen Perspektiven in so einem Buch zusammenbringt.
Markus: Und dann gibt es eine Userin in der Community, die hat selbst kein Fernstudium gemacht, war trotzdem sehr aktiv, das ist die Sabine Kanzler, aus dem Coaching-Bereich ursprünglich, aber auch schon so ein Urgestein quasi in der Community. Und die hat sich dann bereit erklärt, mal zu schauen, was kann man denn aus diesen Blogbeiträgen machen. Haben dann auch geguckt, wer möchte überhaupt in so ein Buch erscheinen, das wollten halt auch nicht alle. Und wie kriegt man auch eine Vielfalt hin, aus verschiedenen Studiengängen, Hochschulen, aber auch Persönlichkeiten, auch Herausforderungen, die da gewesen sind. Und es sind dann 12 Blogger und Bloggerinnen, die dann gesagt haben, wir machen mit, unterstützen das Projekt.
Markus: Und dann hat sich die Frau Kanzler drangemacht und wirklich über 1000 Seiten an Blogbeiträgen gesichtet und daraus eine Auswahl zusammengestellt an Zitaten. Und in diesem Buch sind halt jetzt Zitate aus diesen 12 Blogs drin, thematisch sortiert, so ein bisschen chronologisch am Studienverlauf orientiert, zum Beispiel: Wie finde ich den Anbieter, bis hin zu: Was hat mir das Ganze gebracht? Und die ganzen Hürden und Herausforderungen, die es zwischendurch so gibt. Menschen dabei, die haben sich beruflich verändert, schon haben vielleicht Nachwuchs bekommen, aber auch Menschen, die jetzt mit einem Handicap zu kämpfen haben, was da noch mal besondere Herausforderungen mit sich bringt. Und auch immer dieses Thema Work-Life-Study-Balance, wie bekommt man das so hin. Ja, technische Herausforderungen, einiges, was informativ ist, einiges, was auch wirklich unterhaltsam und lustig ist an Anekdoten, die da drin stecken. Klar, gibt es auch ein paar vielleicht traurige Geschichten, nicht jeder ist zu dem Abschluss gekommen, der mal so geplant wurde. Und es sind jetzt ja knapp 300 Seiten zusammengekommen, wo das Ganze komprimiert und aufbereitet ist.
Markus: Und du hast erwähnt, das Ganze erschienen im Studienscheiss-Verlag von dem Tim Reichel, mit dem habe ich schon mal ein Buch geschrieben, dieses How to Fernstudium.
Christian: Ja, genau, das haben wir im letzten Podcast tatsächlich vorgestellt.
Markus: Genau, richtig. Weil mit dem Tim sehr gut geklappt hat mit der Zusammenarbeit, habe ich gefragt: Mensch, hast du nicht Lust, das auch wieder zu begleiten, zu unterstützen? Und das war auch sehr wertvoll, dass er seine Expertise damit reingebracht hat. Und für mich war es sehr spannend, mal so ein Projekt nicht nur alleine oder zu zweit zu machen, sondern wirklich ein Team zu haben von 15 Personen, und das zu koordinieren. Wir haben auch mit Online-Meetings zum Teil gearbeitet, haben vieles auch abgestimmt von der Gestaltung her, wie wird das Cover gestaltet. Und da halt auch alle so zusammenzubringen und eine Version zu haben am Ende, wo alle auch zunicken können und sagen: Ja, das ist gut für uns, und auch für andere, die einen Einblick bekommen möchten.
Christian: Also ich habe das Softcover letzte Woche zugeschickt bekommen und habe kurz bevor wir den Podcast aufgenommen haben noch ein Unboxing gemacht, das gibt es auch bei uns auf dem YouTube-Kanal. Und da habe ich auch mein Stückchen vorgelesen, ich habe einfach spontan was rausgesucht und habe da einfach eine Stelle vorgelesen, zwei, drei Beiträge von Menschen, die gerade davorstehen, ihre erste Hausarbeit abzugeben. Und so merkt man, das Buch ist eigentlich ziemlich cool für alle, die jetzt ein Fernstudium anfangen, auf der einen Seite, und einfach mal so ein bisschen gucken wollen, wie geht es den anderen eigentlich auch im Studienverlauf, sich da ein bisschen inspirieren lassen wollen, vielleicht auch ein bisschen die Angst nehmen lassen wollen. Aber natürlich auch für diejenigen, die jetzt schon studieren, einfach mal zu gucken: Okay, ich bin doch nicht ganz so alleine, viele stehen eigentlich auch mit denselben Problemen da.
Markus: Ja, genau. Das ist auch das, was wir uns im Besten erhofft haben, dass man merkt, gerade auch Fernstudierende haben manchmal den Ruf, es könnte auch mal einsam sein, dass man merkt: Nee, es gibt doch andere, die haben ganz ähnliche Überlegungen. Und was uns halt auch wichtig war: Klar, es gibt Testimonials auf den Webseiten der Anbieter, es gibt Bewertungsportale, wo man immer so eine Momentaufnahme hat. Und uns war es wichtig, dass es wirklich sehr authentisch ist, dass das Gute gezeigt wird, die vielen Vorteile, die diese Methode hat, des Fernstudiums, aber auch, dass es halt nicht immer nur das relaxte Lernen auf dem Sofa vielleicht ist, sondern dass es auch Schwierigkeiten gibt und auch mal vielleicht Überlegungen gibt, das Ganze aufzugeben. Oder man überlegt: Mensch, meine Güte, ich hätte die Zeit auch meinetwegen meinen Kindern verbringen können, statt jetzt ins Studium zu stecken. Und so diese ganze Bandbreite dessen, was es ausmacht, eigentlich zu zeigen.
Christian: Du hast jetzt schon Community angesprochen, vielleicht können wir mal noch ein bisschen über unsere Communities reden. Deine Community ist ja auch so eine Art Machete eigentlich für diesen Dschungel, bietet ja auch schon seit vielen, vielen Jahren Orientierung in dem Dschungel der Angebote beispielsweise. Vielleicht können wir mal so ein bisschen zurückblicken, wie die Entwicklung für dich war, für Fernstudium-Infos.de im Jahr 2024. Und dann würde ich auch ein bisschen was dazu sagen, wie das Ganze für uns ausgesehen hat, also für fernstudi.net.
Markus: Ja, sehr gerne. Finde ich spannend, da beide im gleichen Bereich unterwegs, vielleicht ein bisschen anderer Schwerpunkt. Ihr seid ja auch sehr viel im redaktionellen Bereich da unterwegs, bei mir ist die Community stark im Mittelpunkt. Ich muss sagen, 2024, tatsächlich, dieses Buchprojekt, das hat schon viel Zeit in Anspruch genommen und auch andere Entwicklungen vielleicht so ein bisschen zurückgestellt. Was ich merke, ist, dass insgesamt Forumsbeiträge wieder ein bisschen mehr Bedeutung und Akzeptanz bekommen haben. Bei Google werden die auch höher gerankt, gerade so durch Reddit oder so, dass man sagt: Mensch, das ist halt dieses Authentische, was wir vorhin angesprochen haben, das sind halt nicht nur vielleicht KI- oder suchmaschinenoptimierte Beiträge, sondern man bekommt von echten Menschen, die eigene Erfahrungen gemacht haben, was zurück. Das wird angenommen.
Markus: Insgesamt aber schon so, dass es eine gewisse Konsumentenhaltung gibt. Das war früher vielleicht auch mal anders, weniger Menschen, die bereit sind, sich über einen längeren Zeitraum selbst auch aktiv einzubringen, zu unterstützen, zu berichten. Das gibt es immer noch, aber es ist nicht mehr so ganz so viel wie das früher vielleicht mal der Fall gewesen ist. Doch einige, die kommen, dann haben eine Frage und so eine gewisse Erwartungshaltung: Ich möchte jetzt eine Antwort haben, danke schön, und ich bin dann wieder weg. Und beobachte das halt, viele auch einfach passiv dann da sind und sich was rausziehen, was ja auch okay ist, aber es ist halt wichtig, dass immer ein paar auch dabei sind, die aktiv das mit reinbringen.
Christian: Also du profitierst eigentlich, oder das Portal, auch so ein bisschen von dem KI-Trend, weil ja dadurch, dass es ja mit Hilfe von KI eigentlich noch viel leichter geworden ist, Inhalte zu erstellen, die dann aber nicht immer wirklich hochwertiger sind, greifen auch viele Menschen mehr und mehr zu Foren und Diskussionen sozusagen in sozialen Medien zurück und informieren sich auch darüber, weil da hat man irgendwie so das Gefühl, das ist doch alles noch echter. Man bekommt auch echtere Erfahrungen, die im Forum sozusagen zu lesen sind, ganz ehrlich, und jetzt nicht durch irgendwelche Marketing-Ziele bestimmt, sondern wirklich einfach von Nutzern, die studieren. Und wem das nicht gefällt, der schreibt es dann auch so.
Markus: Ja, große Herausforderung, wo man schauen muss. Also natürlich gibt es auch die Anbieter, die sich präsentieren, die Gastbeiträge einbringen und auch reagieren. Aber natürlich ist es auch so, dass auch mal dadurch was Kritisches dann sehr offen geschildert wird. Und da merkt man auch, wie die Anbieter damit umgehen. Also das ist doch durchaus so, viele nehmen das auch an und sagen dann: Ja, stimmt, da haben wir ein Problem, und so gehen wir jetzt damit um, das machen wir damit. Wo man dann auch die Rückmeldung drauf bekommt: Jo, sehr schön, jetzt habe ich doch eigentlich ein besseres Bild von diesem Anbieter, als wenn es das gar nicht gegeben hätte, weil ich gemerkt habe, ich wurde ernst genommen und da wurde was gemacht. Gibt doch andere Anbieter, die ignorieren das oder versuchen dann eher, dass solche Inhalte wieder gelöscht werden.
Christian: Ja, so einen Fall hatten wir auch dieses oder letztes Jahr. Da gab es eine Bewertung für ein Studium, ich möchte die Hochschule jetzt auch nicht nennen, das war ja eine staatliche Hochschule. Und dann kam kurz nach der Bewertung dann die Bitte, das zu löschen. Einfach ohne Begründung, so, das soll bitte gelöscht werden. War jetzt halt keine wirklich positive Bewertung. Das kommt eigentlich, wenn man jetzt nicht zur Bewertung wirklich stark motiviert wird, kommen eher immer erstmal die negativen Bewertungen. Also wem was nicht passt, der schreibt halt lieber eine Bewertung als jemand, der total glücklich ist mit seinem Studium. Und dann natürlich kann ich jetzt nicht einfach die Bewertung löschen, nur weil das jetzt irgendeiner Hochschule nicht passt. Natürlich erstmal prüfen, ist das jetzt echt so? Und es wirkte aber tatsächlich auch echt. Und dann habe ich erstmal drum gebeten, da vielleicht einfach drauf zu reagieren, einen Kommentar zu schreiben und das klarzustellen. Aber man hat gemerkt, dass die Hochschule nicht wirklich zufrieden damit war. Nachricht zurück: Nee, so was würde halt eben nicht öffentlich kommentiert, das macht man nicht. Kann ich auch nachvollziehen, wenn man das nicht möchte. Ja, dann hat man irgendwann die Bewertung runtergenommen und gelöscht.
Christian: Wie war es insgesamt bei euch im letzten Jahr? Also das letzte Jahr war bei mir oder bei uns geprägt eher so von technischen Entwicklungen. Das KI-Thema, das kam natürlich auch volle Kanne bei uns an. Dazu kam noch, dass bei mir privat wirklich alles sehr herausfordernd war. Ich bin Papa geworden, und sehr viel Familienleben, das war alles sehr, sehr wichtig. Zum Jahresende stand auch noch mal ein großer Umzug an. Und das wirkt sich natürlich auch auf das Berufsleben aus.
Christian: Aber die restliche Zeit war bei uns wirklich geprägt durch so technische Entwicklung und Umgestaltung. Ganz viele Sachen, die sieht man jetzt nicht direkt, wenn man auf die Website geht, fernstudi.net. Was wir eben viel gemacht haben, ist, das Ganze an KI-Erfordernisse anzupassen oder auch die Möglichkeiten zu nutzen, die sich da uns jetzt bieten. Mal als Beispiel: Wir haben unseren Studienfinder oder Kursfinder umgebaut, so dass man da jetzt auch in der Suche wirklich alles Mögliche eingeben kann und trotzdem sinnvolle Ergebnisse bekommt. So eine Suche ist halt, die sind ja eigentlich immer so stichwort- oder schlagwortbasiert, man hat einen Suchbegriff und dann versucht man in der Datenbank, anhand des Titels oder vielleicht auch des Inhalts zu gucken, wozu passt jetzt dieser Suchbegriff. Aber dann ist es halt schwierig, da sozusagen für Begriffe, die jetzt nicht exakt dieses Wort enthalten, eine sinnvolle Suche rauszugeben. Das war relativ entwicklungsintensiv.
Christian: Aber das funktioniert ziemlich gut, ja, man kann da jetzt alles Mögliche eingeben, man kann auch weiß nicht, einen Roman im Prinzip eingeben, und dann versucht die KI oder das System zu erkennen, was könnte jetzt für denjenigen oder diejenige interessant sein, für ein Studiengang. So ein kleines Tool haben wir noch gebaut, um anhand einer Umfrage gute Ergebnisse oder mögliche Studiengänge für jemanden zu liefern. Also kann jemand angeben, was mache ich beruflich, wie alt bin ich und so weiter, und dann versucht unser Tool, da einfach was Sinnvolles rauszuspucken. Und dann haben wir wirklich auch so KI-Tools an allen möglichen Stellen eingebaut, wo uns das irgendwie die Arbeit erleichtert. Wir sind ja auch ein kleines Team, und da haben wir wirklich ganz viele Tools eingebaut, die uns auf der einen Seite Texte verbessern, auch generieren können. Aber man kann sich jetzt nicht einfach einen Artikel schreiben lassen von dem KI-Tool. IT-Sicherheit war auch noch ein Thema, das war auch irgendwie wichtig für uns.
Markus: Ja, spannend. Also quasi auch so ein bisschen, du sagst, mit dieser Suche, das geht ja so etwas in die Richtung, die künstliche Intelligenz als Studienberater zu nutzen, was glaube ich auch was ist, wo es auch hingehen wird. Vielleicht bei den Anbietern, die dann auch ja einmal die Studienberaterinnen und Studienberater haben, aber halt auch KI da zunehmend nutzen werden, um genau das zu machen, was ihr ja auch macht: Menschen dann da hinzubringen, was denn der passende Studiengang sein könnte.
Christian: Ja, für die Erstberatung ist es denke ich mal ganz sinnvoll oder für so eine erste Recherche. Also das ersetzt jetzt nicht die Studienberatung an sich und einen Menschen, der da einfach guckt, was könnte für denjenigen oder diejenige jetzt gut passen. Aber das ist auch eine Hilfe natürlich für Studienberater, um selber zu recherchieren auch.
Christian: Ansonsten haben wir natürlich auch viel Zeit in Social Media investiert, Instagram, haben wir relativ viel Inhalte produziert, Videos, für YouTube nicht ganz so viel. Wir haben mal geguckt, was funktioniert für uns bei Instagram gut und auch bei TikTok. Wie war das bei euch oder bei dir mit den sozialen Medien, gibt es da irgendwie eine Entwicklung im letzten Jahr?
Markus: Also bei mir ist eher so, dass ich überlegt habe, letztes Jahr auch mich stark zu fokussieren auf das, was einerseits natürlich was bringt, aber auch was mir liegt. Zum Beispiel TikTok passt einfach nicht. Ich mache das Ganze ja bei Fernstudium-Infos als Solounternehmer, das heißt letztlich mache ich das alles selbst auf Social Media. Und da eher so die Überlegung, Fokus sehr stark auf YouTube bei mir, letztes Jahr ein bisschen zurückstellen, so die Planung, aber jetzt auch in der Umsetzung. Und diese Live-Talks, die ich ja anbiete, das heißt, mich live mit einer oder auch mehreren Mitarbeitenden der Hochschule oder auch mit Studierenden zusammenzusetzen, da bisschen ähnlich wie wir jetzt ja auch in den Austausch zu gehen. Das ist für mich ein ganz wichtiges Medium, weil mir ist das Authentische sehr wichtig, mehr noch als jetzt Inhalte zu vermitteln, auch wirklich da ins Gespräch zu kommen, zu zeigen, was sind das für Menschen, die für ihre Themen brennen.
Markus: Was ich sagen muss: LinkedIn ist für mich auch ein wichtiges Medium geworden. Also klar, einerseits viel so Verlinkung, aber auch da, dass das Netzwerk auch durchaus Menschen hat, die vielleicht schon mal Fernstudium gemacht haben und da schauen, was tut sich da, wo geht es weiterhin. Wo ich auch den Eindruck habe, das ist von der Qualität auch recht hochwertig. Und ja, das Dritte ist tatsächlich auch noch eine Facebook-Gruppe. Facebook steht vielleicht gar nicht mehr so im Mittelpunkt, aber da merke ich schon auch, bei mir ist ja sehr viel dieses im Austausch stehen und dieses Auf-Augenhöhe-Communitymäßige. Und bei Twitter oder X habe ich mich komplett zurückgezogen, aus Gründen.
Christian: Ja, es ist für mich letztendlich um Nachrichten zu verfolgen, das ist ganz praktisch. Aber da gibt es auch andere Tools. Also ich glaube, Twitter war eigentlich lange Zeit mein liebstes soziales Netzwerk, gerade dieses Textbasierte, dieses Kompakte mit ursprünglich mal 140 Zeichen, so SMS-Länge glaube ich war das früher. Das fand ich sehr reizvoll, und auch da wirklich sehr schnell in Interaktion zu kommen. Aber ja, es zeigt ja auch einfach eine Entwicklung, dass man schauen muss, was kommt jetzt und was ist halt das, was jetzt an neuen Möglichkeiten und Chancen da ist.
Christian: Ja, dann lass uns doch mal über einzelne Hochschulen reden und auch so ein bisschen zurückblicken, was die letztes Jahr so gemacht haben, was uns so aufgefallen ist. Ich würde mal anfangen natürlich auch mit der FernUni Hagen. Und ich habe jetzt in Vorbereitung auf den Podcast noch mal geguckt, wie sich da eigentlich die Studierendenzahlen entwickelt haben. Aktuell sind es 62.000, ungefähr 62.400 Studierende in den Studiengängen, also Akademiestudium und so weggelassen. Im Wintersemester 2021/22 waren es ungefähr 66.000 und 2022/23 ungefähr 61.000. Also kann man schon sagen, ist eigentlich relativ stabile Studierendenzahlen an der FernUni.
Markus: Ja, also immer noch, obwohl es jetzt viel mehr private Konkurrenz oder Mitbewerber dabei sind, hält sich das stabil. Ich denke, ein Argument ist natürlich immer noch an der FernUni Hagen, das muss man einfach so sagen neben allem, was qualitativ passiert: Sie ist einfach deutlich günstiger, als wenn ich jetzt irgendwo an einer privaten Hochschule was mache.
Christian: Ja, und das, obwohl es da eigentlich, kann man sagen, ein kleines Studienangebot gibt. Eine Sache, die letztes Jahr passiert ist, ist, dass ein neuer Studiengang an den Start gebracht wurde: Wirtschaftspsychologie gibt es glaube ich seit Ende letzten Jahres oder seit dem Wintersemester. Ansonsten hat sich ja im Studienangebot nicht so viel getan an der FernUni Hagen.
Markus: Ja stimmt, wobei man merkt, dass innerhalb der Studiengänge schon überlegt wird, wie können wir da einiges verbessern. Ich finde es jetzt ganz spannend, die haben ja diesen Jura-Studiengang, was auch was ist, was es als Fernstudium nur an der FernUni gibt, wo man sich auf diese erste juristische Prüfung vorbereiten kann, und der ja doch sehr anspruchsvoll ist. Und es bisher so war, wer die nicht bestanden hat, hat quasi ganz ohne was dagestanden. Und jetzt gibt es die Möglichkeit, ganz neu, dass man dann trotzdem einen Bachelor-Abschluss machen kann. Also die haben einmal sowieso diesen rechtswissenschaftlichen Bachelor, der quasi parallel läuft, aber auch da jetzt in diesem Programm, dass man dann trotzdem eine Alternative hat unter bestimmten Voraussetzungen. Und glaube ich, so merkt man, dass sie zwar nicht wie jetzt manch andere ständig neue Studiengänge auf den Markt schmeißen, aber doch gucken, wo können wir irgendwo unser Angebot verbessern.
Markus: Und ja, Psychologie ist ja eh der Renner an der FernUni Hagen, lange Zeit als einziger Anbieter. Und da ist mal das Thema Wirtschaftspsychologie noch mit dazuzunehmen. Bin ich gespannt, wie das so angenommen wird, auch im Vergleich dann zum Psychologiestudiengang.
Christian: Ich weiß nicht, ob ich das bei dir im Forum gelesen hatte, dass es sozusagen bald die Möglichkeit geben soll, dass man mit dem Fernstudium Psychologie an der FernUni Hagen dann auch tatsächlich die psychotherapeutische Ausbildung anstreben kann, einen entsprechenden Master. Du schüttelst gerade so ein bisschen mit dem Kopf.
Markus: Ja, also das ist ein großer Wunsch von vielen, und ich habe auch mitgekriegt, dass es da Überlegungen gibt. Die klinische Psychologie, die fehlt ja im Moment komplett an der FernUni Hagen, die haben auch lange Zeit gesagt: Machen wir gar nicht. Also ich denke, es gibt da Überlegungen mehr in die Richtung, ob das dann wirklich dieser polyvalente Bachelor sein wird, der dann später mit passendem Master in Richtung Approbationsausbildung gehen wird, mal schauen. Bin ich noch nicht so überzeugt von, also habe ich zumindest noch keine Infos, dass das so in die Richtung gehen soll. Weil ich glaube, dann wird die FernUni wahrscheinlich noch mehr überlaufen.
Christian: Das stimmt, also das Interesse wirklich an so einem Studiengang ist wirklich riesig, in Psychologie und dem Wunsch, da dann irgendwann die PT-Ausbildung zu machen. Aber noch mal hier als Hinweis: Das geht wirklich aktuell so gut wie gar nicht per Fernstudium.
Markus: Ja, genau, wer das machen will, kann man bei der Vincenz Pallotti University schauen, die haben was in der Richtung, aber selbst da halt mit dem höheren Präsenzanteil dann dabei. Und wird wahrscheinlich die Nachfrage groß sein, einfach auch weil sonst ja ein hoher NC existiert. Ich könnte mir vorstellen, dass sich da auch im Laufe der Zeit vielleicht noch was tun wird, über eine Kooperation oder so was, dass sich gerade auch die privaten Anbieter vielleicht diesen Markt nicht komplett gehen lassen möchten.
Christian: Aber noch zur FernUni Hagen: Also letztes Jahr war ja auch Jubiläumsjahr eigentlich für die FernUni Hagen, 50 Jahre FernUni. Eine Sache war aber auch, FernUni verlässt X, das war jetzt so zum Jahresende noch mal eine Meldung. Also tatsächlich mit ganz vielen anderen Hochschulen auch haben sie sich jetzt demonstrativ von dieser Plattform entfernt. Die behalten noch ihren Account, hieß es in der Meldung, und gucken da einfach und beobachten das Ganze.
Markus: Ja, genau. Zum einen glaube ich, abwarten, aber zum anderen halt auch, die wollen den Account halten, damit der nicht von anderen dann besetzt und missbraucht wird, um dann quasi in deren Namen irgendwas zu posten.
Christian: KI war auch ein wichtiges Thema für die FernUni, auch im letzten Jahr gewesen, aber eigentlich auch schon im vorletzten Jahr. Da hatte ich noch ein Interview mit zwei Mitarbeitenden der FernUni geführt. Und da habe ich schon mitbekommen, dass da wirklich auch eine große Offenheit da ist, ein großes Interesse auch an KI, viel auszuprobieren. Einen KI-Leitfaden hat die Hochschule für die Lehrenden letztes Jahr entwickelt beziehungsweise veröffentlicht.
Christian: Eine große Meldung noch in Bezug zur FernUni letztes Jahr war, dass die Rektorin Ada Pellert die Hochschule verlässt und tatsächlich wechselt an die Uni Klagenfurt. Und der neue Rektor, die Hochschule hat jetzt auch natürlich schon einen neuen Rektor, Dr. Stefan Stürmer. Meinst du, da werden sich dann Dinge auch ändern, jetzt im Laufe vielleicht dieses Jahres?
Markus: Ja, denke ich bestimmt. Mit jeder Leitung kommt ja irgendwo auch so ein neuer Charakter wieder mit rein. Ich denke, die Frau Pellert hat ja auch vieles angestoßen an Veränderung. Ich finde, die FernUni ist nach meinem Empfinden moderner geworden. Und ich meine, Stürmer, der kommt auch aus dem Psychologiebereich. Und mag ja sein, dass er da auch vielleicht das so ein bisschen noch mehr in den Vordergrund stellen wird. Aber lass uns da überraschen.
Christian: Eine andere Hochschule natürlich, noch größer tatsächlich als die FernUni Hagen, ist die IU. Aktuell, also zumindest nach Angaben der Hochschule, 130.000 Studierende. Wenn man in den Hochschulkompass guckt, im Wintersemester 116.000. Also sagen wir mal, es sind zwischen 116.000 und 130.000 Studierende. Also wirklich eine Riesenhochschule, die auch im letzten Jahr noch mal stark gewachsen ist.
Markus: Ja, denke auch. Wobei wenn man es jetzt vergleichen will mit der FernUni Hagen, muss man auch schauen: Die IU ist jetzt keine reine Fernhochschule. Wie viel das wirklich davon die Fernstudierenden ausmachen, weil die haben ja zum Beispiel auch in diesem dualen Studium, wo sie mit Unternehmen zusammenarbeiten, sind die sehr groß. Ich könnte mir vorstellen, dass bestimmt ein Drittel oder so das ausmacht, die auch in dem Bereich sind, oder die auch ein Campusstudium zum Teil machen. Und dass dann vielleicht die Fernstudierendenzahlen in der ähnlichen Größenordnung, vielleicht ein bisschen mehr als an der FernUni Hagen liegen.
Christian: Eine Neuerung an der IU letztes Jahr: Die Hochschule kooperiert glaube ich schon länger mit Microsoft, einfach was die Infrastruktur angeht. Und die IU hat letztes Jahr im Prinzip noch die IU Copilot School gegründet. So richtig habe ich bis heute nicht verstanden, wo jetzt da eigentlich der Benefit ist. Vielleicht weißt du es ein bisschen besser aus deiner Community. Warum sollte ich mich denn jetzt an dieser Copilot School einschreiben und nicht direkt in einen Studiengang von der IU?
Markus: Also habe ich auch lange überlegt und recherchiert. Zu Beginn waren glaube ich auch die Preise sogar unterschiedlich, glaube, das ist mittlerweile vielleicht nicht mehr so. Also nach meinem Eindruck, was ich mittlerweile als mein Stand habe, ist es tatsächlich in erster Linie eine Marketing-Geschichte und vielleicht auch ein Branding, wo man sagt: Ja, das ist jetzt in Kooperation mit Microsoft, vielleicht tut es dem ein oder anderen gut oder macht sich gut im Lebenslauf. Aber ich habe jetzt nichts gefunden, wo sich wirklich substanziell die Inhalte oder auch die Tools unterscheiden. Ich glaube, auch Studierende, die direkt an der IU sind, haben diesen Zugriff. Also das scheint in erster Linie wirklich so zu sein, dass man sagt, man hat hier einen sehr großen, sehr bekannten Partner Microsoft, mit dem man das zusammen macht. Ich glaube eher, das geht ums Branding, da in erster Linie.
Christian: KI sowieso ein ganz großes Thema für die IU. Die kam ja auch als eine der ersten Hochschulen, zumindest in dem Fernhochschulbereich, mit dem KI-Assistenten Syntea. Konnte ich letztes oder vorletztes Jahr sogar selber noch intensiv ausprobieren und hat damals schon sehr gut funktioniert. Da gab es eigentlich ziemlich viele Funktionen, die wirklich spannend waren. Natürlich erstmal Fragen an die Studieninhalte, an die Skripte zu stellen oder sich da Dinge zusammenfassen zu lassen. Dann gab es ja so was wie die sokratische Methode, die man da nutzen konnte, wo man einfach Fragen gestellt bekommt von der KI, um sich dann so ein Thema ein bisschen besser zu erschließen.
Markus: Ja, und was die IU wirklich macht, was man ihr zurechnen kann: Die probieren halt sehr viel aus und sehr früh aus. Also mittlerweile haben ja auch andere Hochschulen solche KI-Assistenten, die da unterstützen können, aber die IU war auch da halt sehr früh mit dabei. Und hat das so mit reingebracht und auch damit experimentiert, wie in vielen anderen Bereichen auch. Genau wie damals mal ja mit Onlineklausuren, auch die ersten, die das damals hatten. Mittlerweile gehört das bei den meisten fest mit ins Programm.
Christian: Eine große Meldung am Ende des Jahres zu der IU: Es gab dann noch mal die eine oder andere Meldung, die darauf schließen lässt, dass es doch auch größere Umbrüche auch innerhalb der Organisation gibt. Unter anderem, dass die Vermarktung von Online-Studiengängen an internationale Studierende eingestellt wird und auch die Einschreibung. Also wer im Ausland lebt, der kann sich dann wahrscheinlich ab Ende Januar aktuell nicht mehr in einen Online-Studiengang an der IU einschreiben. Da gab es eine E-Mail, die geteilt wurde bei dir im Forum. Gibt es da mittlerweile noch weitere Neuigkeiten dazu?
Markus: Nee, also haben auch bei uns das aufgegriffen, wohl auf Basis des Forumbeitrags. Also da ist viel im Umbruch an der IU, es gibt auch da Berichte, dass viele Stellen gestrichen werden, dass man da sich umstrukturiert. Ich könnte mir vorstellen, was damit zusammenhängt, muss man mal schauen. Ich fand schon ganz interessant, weil die IU, ich meine, die hat das International im Namen drin, International University, und auch das ja eine weitere Wachstumsoption ist, dass man da jetzt sagt: Nee, also internationale Studierende können zwar weiter bei uns studieren, aber die dann nur am Campus. Es könnte richtig Gründe haben, es kann natürlich auch sein, die IU hat ja auch Hochschulen aus dem Ausland dazu gekauft, dass man sich da vielleicht nicht in Konkurrenz gehen will. Aber ich denke, in erster Linie ist es einfach ein Zeichen, dass man umstrukturiert an der IU, dass man guckt, was lohnt sich auch, was können wir im Moment machen, worauf fokussieren wir uns. Und ich könnte mir vorstellen, dass da noch weitere Veränderungen einfach kommen.
Christian: So viel zur IU. Dann komme ich mal zur nächsten Hochschule: Die AKAD University. Meine Beobachtung ist so, da ist jetzt letztes Jahr nicht allzu viel passiert. Die AKAD University hat sich ja auch ein bisschen breiter aufgestellt eigentlich als noch vor zehn Jahren, da gibt es jetzt auch Studiengänge wie Soziale Arbeit zum Beispiel. Wie siehst du die AKAD University aktuell?
Markus: Ja, also ruhiger, in einem positiven Sinne. Die AKAD war ja auch ein paar Jahre in recht unruhigem Fahrwasser, als sie damals dann an einen Investor verkauft worden ist. Da wurde auch viel umstrukturiert und das hat sich, die hat sich wirklich komplett neu finden müssen. Und vielleicht ist das jetzt ein Stück weit gelungen. Ich habe weiter Studierende, die berichten davon, und es läuft wohl, was ich so mitbekomme. Breiteres Studienangebot scheint mir insgesamt ein Trend zu sein, wo viele halt gucken, vielleicht kann man auch noch mehr Marktgruppen ansprechen. Ansonsten hatte AKAD ja schon so dieses Ziel, besonders Studiengänge zum Thema Digitalisierung und in der Richtung so einen Schwerpunkt zu legen, um da sich so ein bisschen mit zu positionieren. Und das vielleicht doch so ein bisschen jetzt mehr in die Breite. Aber es gibt auch immer noch so Bereiche, die früher schon etabliert waren, wie zum Beispiel dieser Übersetzer, der angeboten wird, wo ich auch merke, dass da auch immer noch Nachfrage dafür da ist. Vielleicht gerade weil das was ist, was halt nicht jeder hat.
Christian: Die haben auch einen recht stabilen Weiterbildungsbereich, Wirtschaftsfachwirt IHK kann man da beispielsweise machen. Die letzte News vielleicht zur AKAD: Die lässt darauf schließen, dass die AKAD Hochschule auch stark darauf fokussiert, wirklich so eine Online-Hochschule zu sein, wirklich mit Onlineklausuren, keine Präsenzen und so weiter. Dass man versucht, eben nicht mehr so stark zu vermarkten, dass man Klausuren auch in Präsenz absolvieren kann, sondern dass diese eben hauptsächlich als Onlineklausuren absolviert werden können oder sollen.
Markus: Ja, wo da ja die AKAD sehr innovativ ist, was die Onlineklausuren anspricht, sind sogenannte Sofort-Onlineklausuren. Also üblicherweise ist ja auch für eine Onlineklausur, da ist man schon recht flexibel, man kann sich halt einen Termin buchen, wann man die dann macht, da gibt es eine gewisse Auswahl. Und die AKAD bietet das in manchen Studiengängen halt an oder für manche Module, dass man die Sofort-Onlineklausuren hat. Das heißt, wenn wir beide uns jetzt vorbereitet haben und ich sage: Jo, jetzt passt das für mich, kann ich mich einloggen und dann sofort diese Klausur schreiben. Das wird dann aus dem Pool automatisiert zusammengestellt, und man ist da auch bei der Prüfung so flexibel, wie es flexibler eigentlich nicht mehr sein kann. Und das passt ja auch gut zu dieser strategischen Ausrichtung.
Christian: Die Wilhelm Büchner Hochschule passt auch so ein bisschen zu diesem Trend. Da gab es auch einige neue Studiengänge jetzt zum Ende des Jahres, die dort neu an den Start gehen, aber die auch nicht ganz so zu dem eigentlichen Fokus passen, den diese Hochschule jahrelang gepflegt hat. Kannst du da was dazu sagen?
Markus: Ja, also das ist tatsächlich was, was mich auch beschäftigt. Eigentlich ist die Wilhelm Büchner Hochschule ja als technische Hochschule etabliert, identifiziert sich auch ein Stück weit darüber: Studiengänge bisher Informatik, Ingenieurwesen, alles, was da so dranhängt. Und dieses Jahr starten tatsächlich Studiengänge in Betriebswirtschaftslehre und in, ich glaube, Wirtschaftspsychologie. Klar, die haben auch bisher schon ihre Studiengänge Wirtschaftsinformatik zum Beispiel, Wirtschaftsingenieurwesen, und auch psychologische Elemente mit drin. Aber das sind erstmal jetzt Studiengänge, die nicht mehr mit dem technischen Bezug von der Bezeichnung her mit drin haben. Und so der Gedanke: Na, geht man da jetzt auch so in diese Breite und weicht das Profil so ein bisschen auf? Bin ich sehr gespannt. Ich habe jetzt zum BWL-Studium Bachelor und Master ein Interview im Februar, wo ich dann noch mal nachhaken werde, wie das denn passt ins Konzept und wie es dann künftig weitergehen wird.
Christian: Die haben glaube ich auch ein bisschen rumexperimentiert in den letzten Jahren. Da gab es auch so eine Art Flexstudium, im Prinzip so ein hybrides Studium mit Campusanteil und Onlineanteil. Ich glaube, das wurde wieder eingestellt, wenn ich das richtig in Erinnerung habe.
Markus: Ja, genau. Es war in Frankfurt sogar, einen eigenen Campus dafür gegründet gehabt, für Design auf jeden Fall, und ich glaube Informatik auch. Und mittlerweile wird das in der Form nicht mehr angeboten. Was dafür neu hinzugekommen ist und was wohl auch etabliert ist, das ist dieses Online-Abendstudium. Das ist auch so ein Trend, den ich insgesamt so sehe, dass man zu diesem reinen Fernstudium, für die, die ein bisschen mehr an Live haben möchten, aber halt online, das ganze dann anbietet. Quasi Fernstudium hat und dieses Online-Abendstudium als Neuerung. Finde ich auch eine super Studienform für viele, die nicht ganz so gut klarkommen mit diesem: Ich bin jetzt ganz alleine auf mich gestellt und muss mich wirklich vollständig selber organisieren. Zu: Hier gibt es feste Zeiten, da bin ich einfach da, in diesen Zeiten mache ich was, darüber hinaus noch so ein bisschen was.
Christian: KI-Nutzung war auch ein Thema an der Wilhelm Büchner Hochschule und ich glaube überhaupt an den Klett-Hochschulen auch, dass man da auch angefangen hat, natürlich KI-Assistenten den Studierenden zur Verfügung zu stellen.
Markus: Ja, genau. Also die Büchner-Hochschule hat da angefangen, die haben das eingeführt. Und ich habe jetzt auch mitgekriegt, dass die Euro-FH auch einen KI-Bot eingeführt hat. Und was ich so mitbekommen habe, der heißt zwar anders, aber wird ja auf dem gleichen Konzept letztlich basieren.
Christian: Ja, diese KI-Bots, die generieren natürlich auch interessante Daten für die Hochschulen. Ich habe vor einiger Zeit zu Syntea von der IU mal ein Video gemacht und da schon überlegt, dass es eigentlich auch super interessant ist, wenn man weiß, was Studierende für Fragen an Skripte stellen. Natürlich interessiert mich jetzt nicht als Anbieter oder als Autor von so einem Skript, wer da persönlich eine bestimmte Frage hat, welcher Studierende. Sondern: Was gibt es so allgemein für Fragen, die ich vielleicht gar nicht so richtig aufgegriffen habe in meinem Skript? Und im besten Fall könnten dann Skripte optimiert werden.
Markus: Ja genau, wo sind Verständnisschwierigkeiten, wo können wir jetzt noch mal nachbessern? Da muss es natürlich auch einen Prozess geben, um wirklich so kontinuierlich Skripte zu verbessern. Da gibt es ja auch mal ein bisschen Aufreger unter Studierenden, dass Skripte jahrelang nicht so richtig aktualisiert werden. Aber mittlerweile ist das technisch eigentlich überhaupt kein Problem mehr, gerade wo die Skripte überwiegend online zur Verfügung gestellt werden. Aber es muss ja trotzdem gemacht werden. Und auch da, klar, kann KI Hinweise geben, vielleicht auch sogar, wie Antworten aussehen könnten. Aber trotzdem muss ja einer das einarbeiten und dann auch wieder wahrscheinlich freigeben, bevor es dann in den Prozess geht. Und davon hängt ja dann wieder ab, gegebenenfalls, wenn substantielle Änderungen sind, müssen auch Prüfungen dann angepasst werden.
Christian: Was die Klett-Gruppe angeht, also die Fernschulen, die unter vielen vielleicht auch bekannt sind, weil die auch relativ viel Werbung machen, Institut für Lernsysteme und Studiengemeinschaft Darmstadt und eigentlich auch die Fernakademie für Erwachsenenbildung: Da sieht es auch so aus, dass es da auch Änderungen gibt. Wenn man sich die Unternehmensstruktur so ein bisschen anguckt, sieht das so aus, dass zumindest das ILS und die SGD seit November 2024 durch eine andere größere Firma, nämlich die Klett Online Weiterbildung GmbH, beherrscht werden. Weißt du da vielleicht noch irgendwas dazu?
Markus: Ja, also da hat so tatsächlich eine Fusion gegeben in einer gewissen Form. Die beiden GmbHs sind immer noch weiter vorhanden, aber das quasi übergeordnet dann. Und es war eh bisher auch schon so, dass die Fernakademie und ILS, das sind ja im Grunde genommen sowieso schon nur zwei Marken gewesen, beide am Standort in Hamburg. Und die SGD, klar, Darmstadt im Namen, mit dem Sitz in Darmstadt. Und die beiden waren sehr unabhängig früher, lange Zeit so ein bisschen eine interne Konkurrenz, wo man gesagt hat, wir machen noch mal ein paar Dinge anders, wenngleich auch da schon viel zusammengearbeitet wurde, manche Kurse waren sehr ähnlich auch von den Inhalten her. Und die Hamburger Akademie für Fernstudien, die gab es früher auch noch unabhängig, die ist eh schon vor einigen Jahren in das ILS aufgegangen. Die einzige Marke, die es dazu noch gibt, das ist diese Schule des Schreibens, gehörte früher zur Hamburger Akademie und wird jetzt halt in diesem ILS-Bereich mitbetreut, mit so Kursen für Autoren und Autorinnen.
Christian: Ich weiß noch, vor ganz, ganz vielen Jahren, ja, müsste sagen wir mal 2006 rum gewesen sein, da wollte ich auch schon immer so als Autor aktiv werden. Dann bin ich irgendwann auch mal in diese Schule geraten, und ich glaube, die haben immer noch dieselben Programme eigentlich. Aber das scheint auch stabil zu funktionieren über die Jahre.
Christian: Ansonsten kann ich mir vorstellen, dass die Weiterbildungsanbieter wie auch ILS und SGD aktuell auch so ein bisschen durch die Agentur für Arbeit eigentlich profitieren, durch Bildungsgutscheine und auch durch das Qualifizierungschancengesetz. Und die IU Akademie beispielsweise, die fußt ja irgendwie auch darauf.
Markus: Ja, ich glaube, da braucht man sogar diesen Bildungsgutschein, um da die Kurse zum Teil machen zu können. Auch eine konstante Quelle, wenn man dann gute Kooperationen hat. Und gerade die ganzen Angebote aus der Klett-Gruppe, die haben ja auch mittlerweile eine Dachgesellschaft, wo die auch speziell in dieses Firmengeschäft reingehen. Also bei dem Bereich, aber auch wenn eine Firma sagt: Ja, wir möchten gerne was machen mit euch, aber stellt uns individuell was zusammen. Wo man dann auch sagt, wenn ihr dann eine gewisse Anzahl der Mitarbeitenden da reinschickt, dann basteln wir euch da auch was aus unserem Angebot maßgeschneidert zurecht.
Christian: Kommen wir mal zu einer anderen Hochschule: Hochschule Fresenius, auch ein wichtiger Anbieter von Fernstudiengängen, aber auch von ganz, ganz vielen anderen Studiengängen. Mein Eindruck ist so, dass sich da im Fernstudienbereich nicht allzu viel getan hat jetzt auch im letzten Jahr. Was ich aber beobachte, ist, dass sich so im Studienbereich an sich, also Präsenzstudiengänge, die es an der Hochschule Fresenius gibt, da tut sich doch recht viel. Wie nimmst du das wahr?
Markus: Nee, also geht mir eher nicht anders. Und vor allen Dingen, was mir aufgefallen ist: Es gab ja früher mal von Fresenius dieses Onlineplus als separate Marke für das Fernstudium, was man auch so ein bisschen losgelöst mit eigener Website präsentiert hat. Und mittlerweile scheint das mehr so ins System integriert zu sein. Wenn man auf die Website geht, da gibt es halt Bachelor, Master, Studiengänge, und dann ein Bereich ist auch das Fernstudium, wo man sagt, ja, wir bieten halt das als eine Form an. Aber ohne dass ich jetzt, ich habe da auch nicht so viel mitgekriegt, was neue Studiengänge angeht. Nicht mehr so dieses Herausgehobene: Das ist jetzt Fernstudium, das ist das andere, sondern eher, es ist ein Teil davon.
Christian: Und da gibt es ja auch diese Charlotte Fresenius Universität, die hat auch wirklich einen guten Zuwachs, was ich so beobachte. Da gibt es mittlerweile auch vier Studiengänge für diejenigen, die sozusagen NC-frei Psychologie studieren wollen und diese Psychotherapieausbildung anstreben.
Christian: Eine andere Hochschule, oder Hochschulen, bei denen sich auch strukturell gerade viel ändert und auch im letzten Jahr geändert hat, sind die SRH Hochschulen. Die gibt es eigentlich nicht mehr in der Form. Die haben mehr oder weniger fusioniert, da gab es auch eine News dann Ende letzten Jahres zur SRH University. Also gab es wirklich drei, vier verschiedene Hochschulen, zum Beispiel die SRH Hochschule Gera glaube ich, also eine Gesundheitshochschule und andere. Die gibt es jetzt alle nur noch unter der Marke SRH University. Allein die SRH Mobile University, also die Fernhochschule der SRH, die ist erstmal noch selbstständig geblieben. Ich weiß nicht, wie lange das noch dauert. Weißt du da was dazu?
Markus: Ja, ich habe das auch so am Rande mitbekommen, aber auch, dass die SRH Fernhochschule separat ist, weil ich glaube, das auch ein anderes Konzept ist. Und die ja auch wiederum Studiengänge aus vielen Bereichen hat, die die anderen Hochschulen auch anbieten, also zum Beispiel Psychologie oder halt Logistik. Und mich hat schon ein Stück weit, fand ich jetzt einen logischen Schritt, weil es gibt ja auch so ein Framework, was für alle gilt, an dem die sich so ausrichten, wie die ihre Lehre vermitteln. Und auch so das Corporate Design ist viel weniger individuell geworden schon über die Jahre, auch bei der SRH Fernhochschule. Erinnert mich so ein bisschen an die AKAD, die hatten früher ja tatsächlich auch verschiedene unabhängige Hochschulen, da gab es in Pinneberg eine und halt Stuttgart als Zentrale. Das wurde auch irgendwann mal zusammengelegt. Und ähnlich bei der SRH wirkt das jetzt auch, dass man sagt, man macht das unter ein Dach, dann hat man noch verschiedene Standorte und kann da vielleicht auch Synergien dann nutzen.
Christian: Die FOM ist eigentlich keine Fernhochschule, also die FOM Hochschule für Ökonomie und Management, die eine der größten privaten Hochschulen eigentlich in Deutschland ist, die seit Jahren berufsbegleitende Studiengänge anbietet, im Abendstudium in verschiedenen Modellen oder Wochenendstudium. Die bieten immer noch keine richtigen Fernstudiengänge an, aber so was wie das Abendstudium zum Beispiel an der Wilhelm Büchner Hochschule, das wir vorhin erwähnt hatten, die nennen das Digitales Livestudium. Sitzt man dann auch zu festen Zeiten am PC. Die versuchen irgendwie auch sich da so ein bisschen Marktanteile sozusagen zu erhaschen.
Markus: Ja, ich finde es ganz spannend, weil einerseits genau wie du sagst, die wollen sich auch da Marktanteile mitnehmen, auch ortsunabhängiger werden dadurch, weil die haben ja schon etliche Standorte, sind aber trotzdem nicht überall. Die Bereitschaft, irgendwo hinzugehen, ist vielleicht auch geringer geworden. Und trotzdem aber schauen, dass sie sich ein Stück weit abheben. Ich glaube, dieser Live-Anteil ist bei denen noch höher. Bei anderen Anbietern wie jetzt der Büchner oder Euro-FH hat man doch auch so Selbststudienanteile und dann ergänzend diese Webveranstaltungen. Und ich glaube, die FOM versucht halt wirklich das Studienkonzept, was sie sonst haben, in modernes Livestudium zu übertragen. Die haben da sehr professionelle Studios dafür. Finde ich sehr spannend, gerade wo sie sich früher vom Fernstudium sehr stark distanzieren wollten, ganz bewusst.
Christian: Letzte Hochschulen, über die wir vielleicht noch kurz reden können, sind so die neuen Hochschulen, die sich in den letzten Jahren entwickelt oder gegründet haben. Ich habe mal drei notiert: Eine ist die INU, die Innovative University, die hat so ein Studienangebot in Psychologie, Social Media, drei, vier, fünf Studiengänge. Eine andere Hochschule ist die Deutsche Hochschule für Angewandte Wissenschaften, die hießen glaube ich noch letztes oder vorletztes Jahr GU International Hochschule oder sehr ähnlich, haben sich jetzt noch mal umbenannt. Und eine Hochschule, die ich persönlich ziemlich interessant finde, ist die Tomorrow University, die haben so ein bisschen mehr so einen Startup-Charakter und auch wirklich sehr digital und innovativ. Aber alle haben jetzt wirklich, obwohl es sie jetzt schon seit vier, fünf Jahren gibt, nicht so viele Studierende, wenn man sich die offiziellen Zahlen anguckt. Also die erstgenannte, die INU, ungefähr 20 aktuell eingeschrieben, die Deutsche Hochschule für Angewandte Wissenschaften ungefähr 50 und die Tomorrow University nach offiziellen Zahlen um die 100 Studierende. Wie nimmst du diese Hochschulen wahr, oder ist das auch nur so eine Randerscheinung für dich?
Markus: Ja, also die gehen natürlich, was so das Marketing-Volumen angeht, fallen die nicht so auf. Aber ich merke, dass Menschen sich auch bei mir in der Community ganz bewusst für diese Anbieter entscheiden, die zum Teil versuchen, über den Preis an den Markt zu gehen, also deutlich unter dem, was andere private Hochschulen anbieten, oder aber versuchen, besonders innovativ zu sein. Tomorrow University habe ich jetzt noch nicht so viel mitbekommen von aktiven Studierenden, und auch nur den Eindruck, dass die wirklich ganz besonders modern sein wollen, auch gar nicht so wie so eine Hochschule wirken wollen. INU, DHW, gibt es einige, die da auch durchaus positive Rückmeldungen geben.
Markus: Was auch noch relativ neu ist: Die EHIP. Da muss man sagen, die sind auch nicht wirklich neu auf dem Markt, sondern die gibt es ja im nicht-akademischen Bereich mit Anbietern aus dem Sportbereich, und die haben quasi jetzt eine Hochschule mit dazu gegründet. Ich denke, auf Dauer wird sich keine Hochschule mit unter 100 Studierenden halten können, dafür sind die Kosten zu hoch. Aber für die Studierenden, die jetzt da sind, bedeutet das natürlich oft eine sehr intensive Betreuung und sehr direkte Kontakte. Man hat die Möglichkeit, vielleicht auch was mitzugestalten. Und wenn man sich darauf einlässt, kann das auch Schönes mit sich bringen, denke ich.
Christian: Also bei der Tomorrow University habe ich den Eindruck, da ist auch gar nicht so wichtig, dass es jetzt Millionen Studierende werden oder so die Größenordnung von der IU. Sondern die versuchen ja auch, Studiengänge anzubieten, die, wie sie es sagen, einen gewissen Impact haben für diejenigen, die diese Studiengänge absolvieren. Zum Beispiel im Bereich Nachhaltigkeit besonders aktiv werden und dann selber möglicherweise auch Unternehmen gründen, die besonders hohen Einfluss sozusagen auf das Weltgeschehen haben. Da scheint so eine Art Mission auch irgendwie zu geben, das ist so mein Eindruck. Und da kommt es auf jeden einzelnen Studierenden an. Also wer sich dafür interessiert, schaut sich einfach mal den Podcast dazu an bei uns auf dem YouTube-Kanal oder auf Spotify.
Christian: Ja, dann haben wir eigentlich über viele Hochschulen so ein bisschen geredet. Die Zeit wird jetzt auch so ein bisschen knapp. Wir wollten auch so ein bisschen über KI reden, über KI im Berufsleben, also wie nutzen wir das, wie funktioniert das für uns eigentlich. Hatten wir es auch schon angesprochen. Und vielleicht auch über KI im Studium, wie kann man es nutzen, was beobachten wir, wie es genutzt wird. Also du hast ja eine Weiterbildung im KI-Bereich gemacht am IST-Studieninstitut, glaube ich, so einen dreimonatigen Kurs. Wie war das für dich, hast du da was Neues lernen können?
Markus: Ja, also auf jeden Fall war das eine positive Erfahrung. Und man hat halt gemerkt, die sind sehr schnell damit gewesen, und die haben halt auch nicht jetzt auf Studienhefte gesetzt, sondern der Schwerpunkt waren Online-Webinare. Und das war insofern sehr spannend, dass die Dozentin, die auch wirklich gut im Thema drin war, die hat manchmal Dinge reingebracht, die gerade an Neuigkeiten erst dazugekommen sind. Also wenn dann morgens irgendeine neue Version von ChatGPT oder so rausgekommen ist, dann haben wir uns das gleich schon angeschaut, was sich da verändert hat, da live einiges auch ausprobiert. Und das hat mir gut gefallen, auch so die Verknüpfung, einmal das Technische, dann aber auch zum Beispiel ethische Überlegungen, wie das so alles zu bewerten ist, was dabei rauskommt und worauf man achten sollte.
Markus: Ich selbst bin, was den Einsatz von KI dann tatsächlich im Alltag angeht, noch eher zurückhaltend bisher. Also jetzt von daher nicht, dass ich gesagt habe, jetzt stelle ich alle Prozesse um bei mir. Und sehe es eigentlich für mich eher halt so, wie wir eingangs erwähnt haben, dass ich so dieses Echte, Menschliche, Individuelle eher hervorhebe, dass es das halt noch gibt.
Christian: Ja, bei uns war das natürlich am Anfang auch so: Was sind das für Tools, die man da nutzen kann? Und wir haben ja natürlich viel redaktionelle Arbeit, da müssen noch viele Artikel geschrieben werden. Und natürlich haben wir auch am Anfang erstmal ausprobiert: Kann ich mir jetzt einfach einen Artikel von der KI schreiben lassen? Und da sind wir natürlich auch ganz schnell an Grenzen gestoßen und haben gesehen, nee, so funktioniert das nicht. Und ich muss sagen, das ist alles eigentlich Standard mittlerweile bei uns im Alltag. Wir sind halt auch ein sehr, sehr kleines Team und aktuell bespielen wir halt drei Portale und die ganzen Social-Media-Accounts und so weiter. Das könnten wir alles eigentlich gar nicht so schaffen, wenn wir jetzt nicht KI-Unterstützung hätten. So ist es eben bei uns auch, das ist eine Unterstützung für ganz viele Prozesse. Also als Beispiel: Ich möchte einen Artikel schreiben, dann nutze ich das vielleicht für eine Themen- oder Ideenfindung, einfach mal verschiedene Aspekte mir noch irgendwie wiedergeben zu lassen, die ich vielleicht selber gar nicht so richtig auf dem Schirm hatte. Vielleicht kann ich mir natürlich auch einzelne Abschnitte ausformulieren lassen. Aber was jetzt nicht so gut funktioniert, ist: Schreib mir mal diesen Artikel. Ich bin halt ein Fachredakteur eigentlich auch, ich habe das ganze Fachwissen, und die KI hat das nicht in dem Sinne, die erfindet halt ganz gerne auch irgendwelche Dinge, die unsinnig sind.
Markus: Ja, das stimmt. Also da auch Zusammenfassung, wofür ich gerne KI mittlerweile nutze, das ist, wenn ich irgendwelche Videos habe, die ich interessant finde. Da nutze ich dieses Gemini von Google: Fass mir mal das Video zusammen. Dann habe ich eine Liste mit Stichpunkten, und die Kernaussagen sind wirklich drin, viel besser, als wenn man das Transkript daneben liegen hat und sich das da selber raussuchen muss. Also für solche Dinge. Ansonsten, KI-Texte, denke ich mal, merkt man halt letztlich, es entsteht ja aus Input, der vorhanden ist. Also das wirklich Neue daraus ist es dann ja oft doch auch noch nicht.
Christian: Wo es für mich eine super wichtige Hilfe ist, ist auch im Programmieren. Das ist ja manchmal stundenlange Fehlersuche für irgendwas. Und man sucht dann im Internet nach Menschen, die dasselbe Problem irgendwie schon mal hatten, manchmal sind das auch so ganz spezielle Probleme, du findest einfach keine Lösung und musst rumprobieren. Also diesen Prozess, den gibt es bei mir eigentlich nicht mehr in der Form, seit ich irgendwie KI da zur Unterstützung nehmen kann. Ich kann mir jetzt natürlich keine komplexen Dinge programmieren lassen, wie eine Webseite, die aus weiß ich nicht Millionen von Dateien eigentlich besteht. Aber ich kann mir wirklich Stücke programmieren lassen, wo ich vorher dann eine Stunde da saß, da brauche ich eben nur noch zehn Minuten. Wir haben letztes Jahr zum Beispiel unsere Apps, die mussten mal wirklich technisch auf neue Beine gestellt werden. Und ich glaube, ohne KI hätte ich das alles nicht so schnell hinbekommen.
Christian: Ansonsten, im Berufsleben, also im Zusammenhang mit KI und Berufsleben, kann man sagen, dass sich auch in den nächsten Jahren wahrscheinlich da auch relativ viel ändern wird, weil Jobs wegfallen, dadurch entstehen aber auch neue Weiterbildungsangebote. Wie siehst du das?
Markus: Ja, also sehe ich auch. Wenn man aufs Berufsleben guckt, es wird überall mit drin sein. Was ich erstaunlich fand, war, dass relativ noch so in der frühen Zeit, als KI kam, Unternehmen auf tausende von Mitarbeitern entlassen haben oder abgebaut haben, die Stellen, mit: Ja, das macht jetzt KI. Wo ich mich frage: Ja, habt ihr denn schon die Lösung eigentlich mit KI dabei, oder kommt das jetzt erst? Also ich denke, da wird sich vieles verändern. Und ich glaube, genauso wie man mittlerweile Office-Tools mit dabei hat, wie man eine Rechtschreibkontrolle mit drin hat, so werden KI-Tools auch einfach fest integriert sein in vielen Bereichen und gar nicht mehr so losgelöst wahrgenommen werden, wie es jetzt vielleicht noch ist.
Christian: Die Frage ist halt, was nützt mir das im Studium? Also im Studium wird ja KI eigentlich auch schon ganz gut genutzt. Was ist dein Eindruck unter Studierenden, kriegst du da was mit aus der Community?
Markus: Am Rande mal. Also ich glaube auch, dass mittlerweile kaum eine Hausarbeit entsteht, ohne dass irgendwo KI mit zum Einsatz gekommen ist. Und das ist ja auch ganz spannend, das kann ja einerseits nützlich sein, einfach die Recherche erleichtern, Quellen zusammenzusuchen, oder halt auch schnell in so einen Graubereich reingehen, wenn man wirklich der KI das Schreiben überlässt. Und da ist natürlich schon die Versuchung glaube ich recht groß, eine KI einzusetzen. Wo man auch sagen muss, wo geht es denn dann hin, und wo brauchen vielleicht auch die Hochschulen künftig neue Prüfungsformate? Dass man gar nicht sagt, wir verbieten das jetzt alles, sondern dann sagen muss, nee, das ist eigentlich gar nicht mehr das, was Studienerfolg ausmacht. Sondern was ist das künftig halt irgendwo? Welche vielleicht Kompetenzen fragt man da eher ab, oder behält man mehr den ganzen Lernprozess im Blick? Also das glaube ich wird auch noch zu vielen Veränderungen führen auf beiden Seiten.
Christian: Ja, das wird auch dieses Jahr ein größeres Thema sein, wahrscheinlich auch bei vielen Hochschulen zu Änderungen führen in den Prüfungsformaten. Bekommt man jetzt schon so ein bisschen mit, die APOLLON Hochschule soweit ich weiß ändert auch so ein bisschen was an ihrem Prüfungsdesign.
Christian: Also ansonsten wird KI im Studium wirklich schon intensiv glaube ich genutzt zur Recherche, Studien recherchieren, sich Studien zusammenfassen lassen, Lernpläne erstellen, Zusammenfassungen, Übersetzung natürlich, Korrektur von Texten und so weiter, und Brainstorming. Das wird alles schon fleißig genutzt.
Markus: Ja, jetzt mal abgesehen davon von so Nutzung, die im rechtlich unsicheren Bereich sind, kann man das doch für ganz viele verschiedene Dinge sinnvoll nutzen. Auch zur Prüfungsvorbereitung, um sich Fragen erstellen zu lassen. Glaube ich auch gerade, so ein Lernbuddy so ein bisschen sozusagen, gerade für Fernstudierende, wo man halt nicht immer sofort die Kommilitonen da um sich herum hat. Dass man dann einfach diese Tools da nutzt: Frag mich mal ab, oder gib mir auch mal Tipps, oder sag mir, erkläre mir das vielleicht noch mal mit anderen Worten, wenn ich irgendwas nicht verstehe. Und in solchen Bereichen das wirklich so integriert zu haben als Lernbegleiter ein Stück weit.
Christian: Ja, Markus, wir haben jetzt über sehr, sehr viele Themen geredet, über viele Hochschulen und alle möglichen Themen, die auch relevant und interessant für die Branche sind. Ich denke, wir sollten mal langsam zu einem Abschluss kommen. Vielleicht als letzte Frage zum Abschluss des Podcasts: Wir hatten im letzten Podcast, ich glaube, über Meditation geredet, und du hast auch so ein bisschen über Yoga Nidra gesprochen. Machst du das noch?
Markus: Meditation eher selten. Yoga Nidra tatsächlich sehr regelmäßig, versuche ich mit einzubauen, weil ich finde, das ist so, das bringt so vieles zusammen. Da sind Meditationselemente mit drin, da sind Bodyscans mit drin, da sind Visualisierungen mit drin. Und bei mir, ich habe so eine Audiodatei, sind 25 Minuten, und ich merke danach, dass ich wie noch mal einen Neustart in den Tag habe. Und ich finde auch so ganz spannend, vor Jahren war das kaum bekannt, und jetzt der Andrew Huberman, der nutzt das ja auch, hat einen neuen Begriff dafür etabliert, dieses Non-Sleep Deep Rest. Schickerer neuer Name, aber im Grunde genau das. Und dadurch ist es einfach auch bekannter geworden noch mal.
Christian: Ja, die Tracks von Huberman, die habe ich auch schon ausprobiert. Die haben jetzt nicht ganz so für mich gepasst, da gibt es andere, die funktionieren denke ich mal besser. Aber ich suche immer noch so ein bisschen nach dem Track, der gut passt. Ich habe natürlich auch ein bisschen ausprobiert, weil ich auch jetzt nicht nur seit der Geburt meiner Tochter, sondern auch so durch das Familienleben einfach einen relativ starken Schlafmangel häufig habe. Und da kann das auf jeden Fall helfen. Ich denke mal, auch für Fernstudierende, die wirklich viel zu tun haben, viel um die Ohren haben neben dem Studium, die Arbeit, vielleicht noch Familienleben und alles Mögliche, kann das so ein bisschen Schlafmangel eigentlich ausgleichen.
Markus: Ja, definitiv. Also da war die Rede davon, dass 25 Minuten Yoga Nidra dann mehrere Stunden Schlaf ersetzen können. Ob das immer so ist, weiß ich nicht, aber ich merke schon, dass ich manchmal denke, ach, hast du ja die Zeit dafür. Und danach kommt man doch viel frischer auf jeden Fall, kann wieder noch mal neu starten, noch einiges erledigen, wo ich mich sonst allenfalls durchgequält hätte.
Christian: Ja, Markus, dann wirklich herzlichen Dank für die vielen Informationen und für das sehr, sehr interessante Gespräch! Vielleicht können wir uns gleich verabreden, entweder für nächstes Jahr oder auch für übernächstes Jahr. Dann werden wir in so einem Zwei-Jahres-Takt für ein Update, und dann können wir mal schauen, wie das Jahr jetzt tatsächlich lief, 2025, und wie sich die Hochschulen so entwickelt haben. Also vielen Dank fürs Teilnehmen!
Markus: Ja, danke schön, dass ich hier sein durfte! Hat mir Spaß gemacht, auch mit dir als Experten da mal einiges zu betrachten. Und lass uns mal schauen, was daraus wird, was wir heute überlegt haben. Okay, tschüss!
Christian: Tschüss!

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