Beruf & Karriere

Ausbildung per Fernstudium: Was wirklich geht – und was nicht

Eine Ausbildung per Fernstudium klingt nach einer idealen Lösung: Du lernst zu Hause, bleibst berufstätig und erwirbst trotzdem einen anerkannten Berufsabschluss. Bei Online-Angeboten ist der Begriff allerdings unscharf. Hinter entsprechenden Kursen können sich vier grundverschiedene Bildungswege verbergen.

  • Du holst über die Externenprüfung einen IHK- oder HWK-Berufsabschluss nach.
  • Du bereitest dich bei einem schulisch geregelten Beruf auf eine staatliche Nichtschülerprüfung vor.
  • Du erwirbst mit Fachwirt, Meister oder Betriebswirt eine Aufstiegsfortbildung.
  • Du absolvierst eine private „Ausbildung“, die mit einem Anbieterzertifikat endet.

Diese Wege können alle sinnvoll sein. Sie führen aber nicht zum gleichen Abschluss und richten sich nicht an dieselben Menschen. Entscheidend ist deshalb nicht, ob ein Anbieter sein Programm „Ausbildung“ nennt, sondern wer den Abschluss vergibt, welche Zulassungsvoraussetzungen gelten und wozu er dich rechtlich und beruflich befähigt.

Kannst du eine Ausbildung vollständig per Fernstudium machen?

Eine reguläre duale Berufsausbildung kannst du in der Regel nicht durch einen frei buchbaren Fernkurs ersetzen. Sie findet an zwei Lernorten statt: im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule. Digitale Lernphasen sind zwar möglich, die vorgeschriebene betriebliche Ausbildung und praktische Anleitung entfallen dadurch aber nicht.

Ausbilder und Auszubildende arbeiten gemeinsam in einer Werkstatt
Praktische Anleitung bleibt bei vielen anerkannten Ausbildungsberufen unverzichtbar.

Das Berufsbildungsgesetz erlaubt ausdrücklich, Teile einer Berufsausbildung als digitales mobiles Ausbilden durchzuführen. Voraussetzung ist unter anderem, dass Inhalte und Lernorte dafür geeignet sind, die Qualität der Vermittlung gleichwertig bleibt und die Ausbilderin oder der Ausbilder den Lernprozess steuert. Daraus wird jedoch keine vollständig ortsunabhängige Ausbildung ohne Betrieb.

Wenn du online nach einer Ausbildung im Fernstudium suchst, solltest du deshalb zunächst den Abschlusstyp bestimmen:

WegTypischer AbschlussFür wen geeignet?Was der Fernkurs leistet
Externenprüfung Regulärer IHK- oder HWK-Berufsabschluss Berufserfahrene ohne passenden Ausbildungsabschluss Theorie- und Prüfungsvorbereitung
Nichtschülerprüfung Je nach Landesrecht staatlicher Berufsabschluss Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger in ausgewählten schulischen Berufen Unterricht plus vorgeschriebene Präsenz- und Praxisanteile
Aufstiegsfortbildung Zum Beispiel Meister, Fachwirt oder Bachelor Professional Bereits beruflich Qualifizierte Vorbereitung auf eine Fortbildungsprüfung
Private Ausbildung Zertifikat oder Zeugnis des Anbieters Interessierte, die Spezialwissen oder eine neue Tätigkeit anstreben Vermittlung eines nicht staatlich geregelten Berufsprofils

Wie kommst du über die Externenprüfung zu einem Berufsabschluss?

Mit ausreichender einschlägiger Berufserfahrung kannst du zur regulären Abschlussprüfung eines Ausbildungsberufs zugelassen werden, ohne zuvor die entsprechende duale Ausbildung absolviert zu haben. Ein Fernkurs kann dich auf die Prüfung vorbereiten. Über die Zulassung entscheidet jedoch die zuständige Kammer, nicht der Kursanbieter.

Die Rechtsgrundlage ist § 45 Absatz 2 des Berufsbildungsgesetzes. Im Regelfall musst du mindestens das Eineinhalbfache der vorgeschriebenen Ausbildungsdauer in dem Beruf gearbeitet haben. Daraus ergeben sich typischerweise folgende Mindestzeiten:

Reguläre AusbildungsdauerÜblicher Nachweis für die Externenprüfung
2 Jahre 3 Jahre einschlägige Berufstätigkeit
3 Jahre 4 Jahre und 6 Monate einschlägige Berufstätigkeit
3 Jahre und 6 Monate 5 Jahre und 3 Monate einschlägige Berufstätigkeit

Die Kammer kann von der Mindestzeit ganz oder teilweise absehen, wenn du deine berufliche Handlungsfähigkeit auf andere Weise glaubhaft machst. Anrechenbar können beispielsweise verwandte Tätigkeiten, ausländische Qualifikationen oder andere Ausbildungszeiten sein. Ob deine Nachweise ausreichen, lässt sich daher nicht allein anhand deiner Berufsbezeichnung beantworten.

Was bringt ein Vorbereitungskurs?

Ein Vorbereitungskurs hilft dir, berufsschulische Theorie nachzuholen, den Prüfungsstoff zu strukturieren und prüfungstypische Aufgaben zu üben. Die Abschlussprüfung ist dieselbe wie für reguläre Auszubildende. Der Kurs ersetzt jedoch weder die erforderliche Berufspraxis noch die Zulassungsentscheidung der Kammer.

Das Deutsche eLearning Studieninstitut bietet Vorbereitungskurse auf die Externenprüfung zur Kauffrau oder zum Kaufmann im E-Commerce und für Büromanagement an. Je nach Lernmodell dauern sie drei, sechs oder zwölf Monate. Den anerkannten Berufsabschluss erhältst du erst nach der separat abzulegenden IHK-Prüfung.

Auch der 24-monatige Fernlehrgang Immobilienkaufmann/-frau (EBZ/IHK) bereitet auf die IHK-Abschlussprüfung vor, endet zunächst aber mit einem EBZ-Zertifikat. Für den anerkannten Berufsabschluss musst du von der zuständigen IHK zur Externenprüfung zugelassen werden und diese bestehen. Das EBZ nennt dafür in der Regel viereinhalb Jahre einschlägige Berufspraxis.

Frau lernt zu Hause mit Laptop und Notizbuch
Vorbereitungskurse vermitteln den theoretischen Prüfungsstoff – über die Zulassung zur Externenprüfung entscheidet die zuständige Kammer.

Für welche Berufe gibt es eine Nichtschülerprüfung mit Fernkurs?

Bei einigen landesrechtlich geregelten schulischen Berufen kannst du dich mit einem Fernlehrgang auf eine staatliche Nichtschüler- oder Externenprüfung vorbereiten. Solche Modelle gibt es insbesondere im sozialpädagogischen Bereich. Zulassung, Praktika, Präsenzphasen und Prüfungsablauf unterscheiden sich jedoch nach Bundesland.

Anders als bei IHK- und HWK-Berufen gibt es hierfür keine bundesweit einheitliche Regel. Maßgeblich sind die Schul- und Prüfungsordnungen des Landes, in dem du zur Prüfung antreten willst. Der Fernkurs allein verleiht daher auch hier noch keinen staatlichen Berufsabschluss.

Beispiele: Fernkurse für Erziehung und Kinderpflege

Das Katholische Erwachsenenbildungswerk Rheinland-Pfalz bietet einen zweijährigen Fernkurs zur Vorbereitung auf die staatliche Prüfung für Erzieherinnen und Erzieher an. Zum Selbststudium kommen zwölf Wochenendseminare, ein zehntägiges Prüfungsseminar und zwei jeweils dreiwöchige Praktika. Je nach Schulabschluss werden außerdem eine Berufsausbildung, einschlägige Berufspraxis oder praktische Vorerfahrungen verlangt.

Nach der ersten staatlichen Prüfung folgt ein einjähriges Berufspraktikum mit einer zweiten Prüfung. Erst danach erhältst du die staatliche Anerkennung. Der Fernkurs kostet 6.000 Euro, hinzu kommen 600 Euro Prüfungsgebühr sowie Reise- und Übernachtungskosten.

Eine weitere Möglichkeit ist der zweijährige DEB-Fernlehrgang zur Externenprüfung als Kinderpflegerin oder Kinderpfleger. Er umfasst 42 Lehrbriefe und 25 Präsenz- oder synchrone Onlinetage bei einem Lernaufwand von etwa 13 Stunden pro Woche. Die Kosten liegen bei 4.680 Euro. Für die Prüfung in Bayern werden unter anderem ein mittlerer Schulabschluss, Deutschkenntnisse auf B2-Niveau und 800 Praxisstunden verlangt.

Sind Fachwirt, Meister und Bachelor Professional eine Ausbildung?

Nein. Fachwirte, Meisterinnen und Meister sowie vergleichbare Abschlüsse sind Aufstiegsfortbildungen für Menschen, die bereits beruflich qualifiziert sind. Sie können im Fernstudium oder per Fernlehrgang vorbereitet werden, ersetzen aber keine erste Berufsausbildung.

DQR-Niveaustufen 1 bis 8 mit zugeordneten schulischen, beruflichen und akademischen Abschlüssen
Meister, Fachwirt, Techniker und Bachelor sind dem DQR-Niveau 6 zugeordnet. Gleichwertig bedeutet jedoch nicht gleichartig.

Viele Fortbildungsabschlüsse tragen inzwischen die Bezeichnung Bachelor Professional oder Master Professional. Ein Meister- oder Fachwirtabschluss liegt im Deutschen Qualifikationsrahmen häufig auf derselben Niveaustufe wie ein akademischer Bachelor. Gleichwertig bedeutet allerdings nicht gleichartig: Prüfungsweg, Inhalte und Zugangsrechte unterscheiden sich.

Dieser Weg passt zu dir, wenn du bereits einen Berufsabschluss und Berufspraxis besitzt und mehr Verantwortung übernehmen möchtest. Je nach Fortbildungsordnung kann auch eine Zulassung über mehrjährige Berufspraxis möglich sein. Die zuständige Kammer sollte deine Voraussetzungen vor der Anmeldung bestätigen.

Passende Fernlehrgänge findest du beispielsweise in den Kategorien Wirtschaftsfachwirt, Handelsfachwirt, Betriebswirt, Gesundheitsfachwirt, Techniker und Meister. Wie die neuen Abschlussbezeichnungen einzuordnen sind, erklären wir außerdem im Artikel zum DQR.

Wann ist eine private Ausbildung mit Anbieterzertifikat sinnvoll?

Eine private Fernausbildung kann sinnvoll sein, wenn die angestrebte Tätigkeit nicht staatlich geregelt ist und Arbeitgeber, Kundinnen oder Kunden den Lehrgang akzeptieren. Typische Bezeichnungen sind Ernährungsberaterin, Tierpsychologe, Personal Coach oder Fitnesstrainerin. Da solche Berufsbezeichnungen teilweise nicht geschützt sind, können Anbieter ihre Programme als Ausbildung bezeichnen, obwohl sie lediglich mit einem institutsinternen Zertifikat enden. Entscheidend sind daher die Lehrinhalte, der Praxisbezug und die Anforderungen des Arbeitsmarkts.

Ein Beispiel ist die dreimonatige Weiterbildung Ernährungsberatung des IST-Studieninstituts. Die digitale Variante kostet derzeit 594 Euro und endet mit einem Zertifikat des Anbieters. Das kann für Tätigkeiten in Fitness, Prävention oder Beratung ein sinnvoller Zusatznachweis sein. Es ist aber weder ein staatlich anerkannter Ausbildungsabschluss noch automatisch eine von Krankenkassen akzeptierte Qualifikation.

Auch eine ZFU-Zulassung (solange das FernUSG noch gilt) solltest du richtig einordnen. Sie bestätigt bei zulassungspflichtigen Fernlehrgängen unter anderem, dass Lehrgangskonzept, Betreuung und Vertragsgestaltung geprüft wurden. Sie macht aus einem privaten Zertifikat jedoch keinen staatlich anerkannten Berufsabschluss.

Diese Fragen solltest du dir vor der Anmeldung stellen

  • Welchen Abschluss brauche ich für mein konkretes Berufsziel?
  • Wer stellt das Abschlusszeugnis aus: eine Kammer, eine staatliche Behörde oder das Institut?
  • Ist die Berufsbezeichnung gesetzlich geschützt?
  • Welche Tätigkeiten darf ich mit dem Abschluss tatsächlich ausüben?
  • Welche Qualifikation setzen typische Stellenanzeigen oder Berufsverbände voraus?
  • Passen Praktika, Präsenztermine und externe Prüfungen in meinen Alltag?
  • Habe ich neben den Kursgebühren auch Prüfungen, Reisen, Lernmaterial und mögliche Verlängerungen einkalkuliert?

Besonders in Gesundheitsberufen ist diese Prüfung wichtig. Ein „Berater“-Kurs berechtigt dich nicht dazu, Krankheiten festzustellen oder zu behandeln. Für therapeutische Tätigkeiten und geschützte Heilberufe gelten eigene gesetzliche Voraussetzungen.

Welcher Weg passt zu deiner Ausgangslage?

Beginne deine Suche nicht mit dem Fernkurs, sondern mit deinem beruflichen Ziel und deiner bisherigen Erfahrung. Wer bereits jahrelang in einem anerkannten Ausbildungsberuf arbeitet, prüft zuerst die Externenprüfung. Wer neu einsteigt, braucht je nach Beruf einen regulären Ausbildungsplatz, einen landesrechtlichen Prüfungsweg oder eine private Qualifizierung.

Deine SituationWahrscheinlich passender WegErster Ansprechpartner
Du arbeitest seit Jahren in einem anerkannten Ausbildungsberuf, hast aber keinen passenden Abschluss. Externenprüfung mit optionalem Vorbereitungskurs Zuständige IHK oder HWK
Du möchtest in einen schulisch geregelten sozialen Beruf wechseln und bringst Vorbildung oder Praxis mit. Nichtschülerprüfung mit Fernlern- und Praxisphasen Fachschule, Schulbehörde oder zuständiges Landesministerium
Du hast bereits eine Ausbildung und möchtest aufsteigen. Meister-, Fachwirt- oder andere Aufstiegsfortbildung Kammer und Lehrgangsanbieter
Du möchtest ein nicht reglementiertes Tätigkeitsfeld erschließen. Private Fernausbildung mit Anbieterzertifikat Arbeitgeber, Berufsverband und Anbieter
Dir fehlen Schulabschluss und berufliche Grundqualifikation. Zuerst Schulabschluss oder reguläre Ausbildung nachholen Berufsberatung, Schule oder Ausbildungsbetrieb

Wenn dir zunächst ein Schulabschluss fehlt, kannst du dich über den Realschulabschluss auf dem zweiten Bildungsweg oder das Fernabitur informieren. Interessierst du dich für die Zukunft der dualen Ausbildung, lohnt außerdem ein Blick auf die Diskussion über Fernunterricht in der Erstausbildung.

Häufige Fragen zur Ausbildung per Fernstudium

Eine reguläre duale Ausbildung lässt sich normalerweise nicht durch einen reinen Fernkurs ersetzen. Digitale Ausbildungsanteile sind möglich, Betrieb, praktische Anleitung und Berufsschule bleiben aber Bestandteil. Alternative Prüfungswege gibt es für Berufserfahrene und bei einzelnen schulisch geregelten Berufen.

Ja. Wenn du zur IHK- oder HWK-Abschlussprüfung zugelassen wirst und sie bestehst, erhältst du denselben Berufsabschluss wie reguläre Auszubildende. Im Zeugnis wird der vorbereitende Fernkurs nicht zum eigenen Abschlusstyp.

Nein. Entscheidend sind vor allem deine einschlägige Berufstätigkeit und die Entscheidung der zuständigen Kammer. Der Kurs vermittelt Prüfungswissen, ersetzt die erforderliche Berufspraxis aber nicht.

Bei bundesrechtlich geregelten Ausbildungsberufen bezeichnet die Externenprüfung meist die Zulassung berufserfahrener Personen zur IHK- oder HWK-Abschlussprüfung. Nichtschülerprüfungen betreffen häufig landesrechtlich geregelte schulische Abschlüsse. Die Begriffe werden je nach Bundesland und Bildungsbereich teilweise unterschiedlich verwendet.

Die ZFU-Zulassung bezieht sich auf den Fernlehrgang und seinen Verbraucherschutz. Sie bedeutet nicht automatisch, dass der Abschluss ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf ist. Prüfe immer zusätzlich, wer die Abschlussprüfung abnimmt und welches Zeugnis du erhältst.

Das ist bei einzelnen zugelassenen Angeboten möglich, etwa über einen Bildungsgutschein. Ob du gefördert wirst, hängt vom Kurs, deiner persönlichen Situation und der Entscheidung der Arbeitsagentur oder des Jobcenters ab. Kläre die Förderung vor der Anmeldung.

Quellen: BBiG § 28, BBiG § 45, IHK Region Stuttgart, DeLSt-Kurs E-Commerce, DeLSt-Kurs Büromanagement, EBZ Akademie, Land Rheinland-Pfalz, Weiterbildungsportal Rheinland-Pfalz, BIBB, ZFU, Verbraucherzentrale. Abruf: 06.10.2026.

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