Wie viele Fernabi-Teilnehmer bei den Prüfungen wirklich durchfallen

Sabine Hutter
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Wenn man sich so durch die verschiedensten Foren im Internet klickt, in denen es um das Fernstudium Abitur geht, findet man zu den Durchfallquoten im Fernabitur die abenteuerlichsten Zahlen. Das Problem dabei ist nur, dass die wenigsten stimmen und die jeweiligen Autoren selbst nur raten.

Abiturient schreibt eine Klausur
Fernabi: Die Abbrecherquoten sind hoch. Wer aber bis zu den Prüfungen kommt, hat sehr gute Chancen.
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Abbrecherquote oder Durchfallquote?

Das größte Problem ist, dass die Leute vergessen, zwischen der Abbrecherquote und der Durchfallquote zu unterscheiden. Die Abbrecherquote ist in der Tat sehr hoch. Ich will nicht mit Zahlen um mich werfen, aber ein Großteil der Teilnehmer, die das Abitur nachmachen wollen, hören noch vor den Probeklausuren wieder auf; die meisten davon verabschieden sich schon während der kostenlosen Testzeit wieder.

Die Durchfallquote dagegen beschreibt nicht diejenigen, die aus freiwilligen Stücken aus dem Fernstudium Abitur ausscheiden, sondern die Teilnehmer am Fernabi, die die Probeklausuren bereits bestanden haben und dann aber durch die staatliche Abitur-Prüfung fallen. Diese Quote ist tatsächlich viel niedriger.

Als ich damals die Hochschulreife abgelegt habe, sind bei der schriftlichen Prüfung überhaupt keine Teilnehmer durchgefallen, die ihr Abitur nachholen wollten. Lediglich bei der mündlichen Prüfung ist eine Handvoll Teilnehmer durchgefallen. Das bedeutet im Endeffekt eine sehr kleine Durchfallquote, die wahrscheinlich eher bei 10 Prozent oder sogar noch weniger liegt.

Wie die Abbrecherquote zustande kommt

Abitur bestanden
Abbrecherquote oder Durchfallquote? Egal, hauptsache Du bestehst!
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Für die Abbrecherquote sind die Fernschulen im Endeffekt meistens nicht verantwortlich, denn sie impliziert ja, dass ein Teilnehmer am Fernabitur selbst aufgibt. Die Gründe hierfür sind vielfältig, hier nur einige Beispiele:

  • Schlechte Information im Vorfeld: Auch wenn sich die Fernschulen alle Mühe geben, die Interessenten darüber zu informieren, wie es abläuft, wenn man das Abi nachholen möchte, kommt bei ihnen nicht immer alles richtig an. Solange man nicht an einem Abitur Fernstudium teilgenommen hat, kann man kaum einschätzen, wie groß der Aufwand tatsächlich ist, bis man zur Hochschulreife gelangt. Viele geben schon relativ schnell nach dem Beginn ihres Abitur Fernstudiums, weil sie es sich doch um einiges einfacher vorgestellt hatten, das Abi nachzumachen.
  • Naive Herangehensweise: Viele Teilnehmer am Fernabi haben eine völlig falsche Vorstellung davon, wie ein Fernlehrgang funktioniert. Wenn sie dann plötzlich selbst damit konfrontiert werden, ständig alleine lernen und sich motivieren zu müssen, fällt ihnen auf einmal auf, dass es vielleicht doch nicht so einfach ist. Da gibt es doch tatsächlich Teilnehmer, die denken, dass sie mal eben in einem oder zwei Jahren durch die Studienhefte rauschen, noch schnell zur Prüfung gehen und dann fertig sind. Klar gibt es Leute, die das schaffen. Die haben aber in der Regel schon eine entsprechende „Karriere“ am Gymnasium hinter sich und können auf ein gewisses Grundwissen zurückgreifen.
  • Mangelnde Selbstmotivation: Um das Abitur per Fernlehrgang zu bestehen, kommt es nicht auf den Intellekt oder die Lernmethoden an, sondern fast ausschließlich auf die Fähigkeit, sich selbst zu motivieren, und Durchhaltevermögen. Diese Fähigkeiten besitzen die wenigsten Menschen in ausreichendem Maße. Die meisten Teilnehmer, die neu mit dem Fernabi beginnen, merken schnell, dass ihnen die Lust vergeht, vor allem angesichts der großen Berge an Studienmaterialien, die wie ein Damoklesschwert über ihnen schweben.
  • Zeitliche Probleme: Dass das Fernabitur viel Zeit verschlingt, dürfte wohl den meisten Interessenten klar sein. Doch oft stellt sich erst nach dem Beginn des Abitur Fernstudiums heraus, dass die Teilnehmer es nicht schaffen, diese Zeit in ihren Alltag zu integrieren. Vielleicht spielen Familie und Freunde nicht in ausreichendem Maße mit oder der Arbeitgeber beschwert sich darüber, dass der Mitarbeiter neuerdings nicht mehr so flexibel ist wie früher. Zeitliche Probleme sind für viele Abbrecher ein Hauptgrund. Immerhin sind die meisten Teilnehmer „nebenher“ noch berufstätig und müssen somit mehrere Baustellen auf einmal unter einen Hut bekommen.
  • Schlechte Organisationsfähigkeit: Am erfolgreichsten kann man ein Fernstudium Abitur absolvieren, wenn man sich einen festen Rahmen steckt, in dem man lernt. Dazu gehört ein fester Arbeitsplatz, den man nur mit dem Lernen verbindet ebenso wie feste Lernzeiten. Wer sich darauf verlässt, dass er dann schon irgendwann Zeit haben wird zu lernen, der wird wahrscheinlich nie Zeit dafür finden. Wenn Teilnehmer ohne Stundenplan und festen Arbeitsplatz arbeiten, läuft ihnen meist schnell die Zeit davon, ohne dass sie wirklich etwas erreichen.
  • Keine Lernfähigkeit: In der Schule hatten wir es noch leicht, denn mit Lernmethoden und -techniken mussten wir uns nicht auseinandersetzen – schließlich wurde uns alles „vorgekaut“. Die meisten Fernlerner sind anfänglich damit überfordert, ihr eigenes Lernen zu organisieren. Sie kennen die Methoden nicht, mit denen sie lernen können, von Karteikarten über Mitschriften bis hin zu zusätzlicher Literatur und Übungsaufgaben. Es lohnt sich, vor dem Fernabitur erst einmal ein Buch zu lesen oder einen Kurs zu besuchen, die sich mit dem „Lernen lernen“ beschäftigen.

Fazit

Wenn ihr noch überlegt, ob ihr euch an das Fernstudium Abitur herantrauen sollt oder nicht, kann ich nur sagen: Definitiv! Genau weil es viele Abbruchgründe gibt, räumt euch jeder Fernlehrgangsanbieter die Möglichkeit ein, den Kurs einen Monat lang kostenlos zu testen. In diesem Monat werdet ihr feststellen, ob ihr das Fernabi in euren Alltag integrieren könnt, ob ihr mit der Lernform und den Lernmethoden klar kommt, ob ihr euch motivieren könnt usw.

Irgendwelche ominösen Durchfallquoten, die offiziell sowieso nicht bestätigt werden, dürft ihr getrost ignorieren. Es ist nämlich völlig unerheblich, was die anderen machen. Dass manche Fernschüler in den Prüfungen durchfallen, hängt in den wenigsten Fällen an der Fernschule, sondern an den Schülern selber. Ihr habt es selbst in der Hand, ob ihr die Abiturprüfung besteht, weshalb Durchfallquoten für euch eigentlich keine Aussagekraft haben sollten. Übrigens, nicht vergessen: Auch beim normalen Abitur am Gymnasium gibt es natürlich Schüler, die durchfallen – es wäre utopisch, wenn dies nicht auch bei Fernlehrgangsanbietern so wäre, zumal es hier kein Auffangnetz durch Vornoten gibt.

Weitere Infos

Abitur Fernabitur

 veröffentlicht vor 7 Jahren (aktualisiert vor 1 Monat)

Diskussion

Danke für den Beitrag :)
Habe mich selbst lange genug durch solche Negativberichte beeinflussen und abschrecken lassen, mittlerweile läuft es ziemlich gut und ich bin froh, es trotzdem gemacht zu haben.
Nur der Ruf "Ist ja leicht, du musst nur so ein bisschen zu Hause lernen" nervt mich immernoch gewaltig... :(

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