Fernabitur & Schule

Schriftliche Prüfung im Fernabitur: Ablauf, Tipps und Erfahrungsbericht

Die schriftlichen Prüfungen sind der Moment der Wahrheit im Fernabitur – vier Fächer, bis zu fünf Stunden pro Klausur, handschriftlich und ohne Hilfsmittel (außer Taschenrechner und Wörterbuch, je nach Fach). Ich habe die Prüfungen bestanden und berichte hier fach für fach, wie es wirklich abläuft – mit allem, was schiefgehen kann.

  • 4 schriftliche Prüfungen: 2 Leistungskurse (je 5 Stunden) + 2 Grundkurse (je 4 Stunden).
  • Die Prüfungen werden handschriftlich geschrieben – kein Laptop, keine Elektronik.
  • Wer die Probeklausuren besteht, hat sehr gute Chancen, auch die eigentliche Prüfung zu bestehen.

Die wichtigsten Informationen zur schriftlichen Prüfung

Die schriftliche Prüfung am Ende des Fernabiturs legst du in vier Fächern ab. Zwei davon sind deine Leistungskurse, die anderen zwei deine Grundkurse. Die Grundkurs-Prüfungen dauern vier Stunden, in den Leistungskursen hast du fünf Stunden Zeit.

Wo die Prüfung stattfindet, hängt von deiner Fernschule ab: ILS und Fernakademie → Hamburg (2 Termine/Jahr). SGD → Hessen (1x/Jahr). Lernzentrum am Killesberg → Baden-Württemberg (1x/Jahr). Mehr zur Terminplanung: Fernabitur Dauer: So lange dauert es wirklich.

Ablauf in den einzelnen Fächern

Hier ein Überblick, wie die Prüfungen in den einzelnen Fächern ablaufen. Die Details können sich je nach Bundesland und Prüfungsjahr leicht unterscheiden.

Mathematik

In Mathematik musst du drei Aufgabenstellungen mit zahlreichen Unteraufgaben lösen. Die Aufgaben verteilen sich in der Regel auf die Bereiche Analysis, Analytische Geometrie und Stochastik. Stell dich darauf ein, dass die Aufgaben anspruchsvoll sind. Aber: Wenn du das Prinzip dieser Aufgaben verstanden hast, ist die Prüfung absolut machbar – sowohl im Grundkurs als auch im Leistungskurs. Mehr zur Vorbereitung: Mathe im Fernabitur: So schaffst du es.

Englisch / Französisch / Spanisch / Russisch

In der Fremdsprachen-Prüfung bekommst du einen Text vorgegeben – etwa eine Kurzgeschichte oder einen Zeitungsartikel. Diesen liest du aufmerksam durch. Dazu bekommst du mehrere Fragen, normalerweise drei bis vier: Eine zielt auf eine Zusammenfassung in eigenen Worten ab. Eine weitere geht ins Detail – du musst zeigen, dass du den Text auch im Einzelnen verstanden hast. Im dritten Teil schreibst du einen Comment zu einem Thema, das mit dem Text zusammenhängt. Im Leistungskurs ist der Text länger und es kann eine zusätzliche Frage zur sprachlichen Ebene dazukommen. In Französisch und Spanisch wird teilweise zusätzlich ein Grammatiktest durchgeführt.

Geschichte / Gemeinschaftskunde / Religion

In diesen Fächern bekommst du mehrere Aufgabenstellungen zur Auswahl, aus denen du eine wählst. Es wird mindestens eine Textquelle vorgegeben, eventuell mehrere zum Vergleich. Zwei Risiken solltest du kennen: Erstens kann es passieren, dass du einen Aspekt falsch verstehst und am Thema vorbeischreibst. Zweitens solltest du darauf eingestellt sein, zu improvisieren – diese Fächer sind so breit gefächert, dass man unmöglich alles wissen kann.

Geografie

Du bekommst zwei Themen mit zahlreichen Materialien (Diagramme, Statistiken, Karten, Texte). Plane genug Zeit für die Materialauswertung ein – das ist der zeitintensivste Teil. Als Arbeitsmaterial steht dir dein Weltatlas zur Verfügung. Zu schreiben fällt dir in Geografie genug ein, aber die Zeit ist oft das Problem.

Biologie

Es stehen vier Aufgaben aus den Bereichen Genetik, Stoffwechsel und Evolution zur Verfügung, von denen du drei bearbeiten musst. In jedem Bereich warten zahlreiche Teilaufgaben.

Meine Erfahrungen in den schriftlichen Prüfungen

Ich habe die Prüfungen in den Leistungskursen Mathematik und Gemeinschaftskunde und den Grundkursen Englisch und Französisch abgelegt. Hier mein ehrlicher Bericht – inklusive der Fächer, in denen es nicht so gut lief.

Mathematik Leistungskurs – 13 Punkte

Auf die Mathe-Prüfung war ich am gespanntesten. Für dieses Fach hatte ich am meisten geübt. Die drei Aufgabenstellungen kamen aus den Bereichen Analysis und Analytische Geometrie. Etwa 80 bis 90 Prozent der Aufgaben waren absoluter Standard, die man nach Schema durchrechnen konnte, so wie ich es aus den Übungsaufgaben kannte.

Der Rest war eine reine Herausforderung – Sachen, von denen ich vorher noch nie etwas gehört hatte. Da ich mit den Standardaufgaben schnell fertig war, hatte ich viel Zeit für diese Kopfnüsse.

Mein wichtigster Tipp für Mathe: Beschrifte deine Kladde immer – schreibe dazu, zu welchen Aufgaben welche Überlegungen gehören. Die Prüfer ziehen auch diese Notizen heran, und wenn du in der Kladde zufällig die richtige Lösung stehen hast, kann es sein, dass sie gewertet wird. Ich bin mir sicher, dass mir das den einen oder anderen Punkt gerettet hat.

Gemeinschaftskunde Leistungskurs – 7 Punkte

Die Prüfung in Gemeinschaftskunde war meine persönliche Pleite. In der Prüfungsvorbereitung war uns gesagt worden, dass wir uns auf eines der drei Hauptthemen konzentrieren können, da aus jedem Bereich ein Thema gestellt wird und man nur eines bearbeiten muss. Das habe ich auch getan – und dann wählte die Prüfungskommission ihre Themen ausgerechnet aus den zwei anderen Bereichen.

Ich stand da wie ein Vollidiot. Lektion gelernt: Verlasse dich nie blind auf Empfehlungen aus dem Prüfungsvorbereitungsseminar.

Aber: Ich habe nicht aufgegeben, sondern einfach geschrieben, woran ich mich noch erinnerte. Besonders in Fächern wie Geschichte oder Gemeinschaftskunde gilt: Wo nichts steht, kann der Prüfer keine Gnadenpunkte vergeben. Also schreiben, schreiben, schreiben!

Englisch Grundkurs – 12 Punkte

Die Englisch-Prüfung hielt keine riesigen Überraschungen bereit. Wir bekamen einen Text von etwa einer DIN-A4-Seite mit Fragen aus den Bereichen Zusammenfassung, Interpretation und Kommentar. Der Text war gut verständlich und die Fragen ließen sich eindeutig beantworten. Bei uns waren es statt der üblichen drei sogar fünf Fragen – aber alle relativ knapp zu beantworten. Wir durften ein zweisprachiges Wörterbuch verwenden.

Französisch Grundkurs – 9 Punkte

Die Französisch-Prüfung lief ähnlich wie die Englisch-Prüfung ab – einfacher Text, drei Fragen aus Zusammenfassung, Interpretation und Kommentar. Auch hier durften wir ein zweisprachiges Wörterbuch benutzen. Nachdem ich allerdings ziemlich faul beim Vokabel- und Grammatiklernen gewesen war, reichte es nur für 9 Punkte.

Die äußeren Bedingungen

Das größte Problem waren bei uns die äußeren Bedingungen. Die Prüfung fand in der Aula einer Privatschule statt. Pünktlich zum Stundenwechsel gab es jedes Mal einen Riesenlärm, weil sämtliche Schülerinnen und Schüler an der Aula vorbeimarschierten. Der Rektor watschelte ständig durch unseren Raum. Bei Sonnenschein war man dank deckenhoher Fenster komplett geblendet, bei Wolken war es einfach nur kalt.

Das ist kein Einzelfall – auch andere Fernabitur-Absolventen berichten von suboptimalen Prüfungsbedingungen. Mehr dazu: Mein Fernabitur am ILS: Was gut lief und was nicht.

Tipps für die schriftliche Prüfung

  • Vorbereiten auf schlechte Bedingungen: Lärm, Kälte, Hitze, schlechtes Licht – die Rahmenbedingungen sind selten perfekt. Packe vorher ein: Ohropax, Kleidung für verschiedene Temperaturen und eventuell eine Sonnenbrille. Wer sich auf andere verlässt, ist verlassen.
  • Handschreiben üben: Es klingt banal, aber kaum jemand ist es heute noch gewöhnt, mehrere Stunden am Stück fast pausenlos von Hand zu schreiben. Probiere vorher aus, welcher Stift dir auch nach Stunden noch angenehm in der Hand liegt.
  • Panik vermeiden: Viele haben beim ersten Anblick der Aufgaben einen Blackout. Wenn dir das passiert: Verschwende keine Zeit mit Grübeln, sondern geh kurz auf die Toilette oder iss etwas. Es wird dir schnell besser gehen.
  • Kladde beschriften (Mathe!): Die Prüfer ziehen auch deine Notizen in der Kladde heran. Beschrifte sie sauber und ordne deine Überlegungen den Aufgaben zu – das kann den entscheidenden Punkt bringen.
  • Immer weiterschreiben: Besonders in Geschichte, Gemeinschaftskunde und Religion: Auch wenn du dir unsicher bist, schreibe alles auf, was dir einfällt. Wo nichts steht, gibt es keine Punkte.

Häufige Fragen zur schriftlichen Prüfung

Vier: zwei in deinen Leistungskursen (je 5 Stunden) und zwei in deinen Grundkursen (je 4 Stunden). Die restlichen vier Prüfungsfächer werden mündlich geprüft. Die genaue Aufteilung hängt vom Bundesland ab.

Das hängt vom Bundesland und vom Fach ab. In den Fremdsprachen ist in der Regel ein zweisprachiges Wörterbuch erlaubt. In Mathematik ist ein wissenschaftlicher Taschenrechner erlaubt, aber kein CAS-Rechner (die genauen Regeln variieren). Frage bei deiner Fernschule nach, welche Hilfsmittel in deinem Prüfungsbundesland zugelassen sind – und übe von Anfang an mit genau diesen Hilfsmitteln.

Eine einzelne schwache Note bedeutet nicht automatisch das Aus. Im Abitur gibt es Ausgleichsregelungen – eine 5 in einem Fach kann unter Umständen durch bessere Noten in anderen Fächern ausgeglichen werden. Wenn du insgesamt nicht bestehst, kannst du die Externenprüfung in der Regel wiederholen. In Hamburg gibt es zwei Prüfungstermine pro Jahr, in anderen Bundesländern nur einen. Mehr dazu: Fernabitur Durchfallquote.

Am Standort der Fernschule bzw. im zuständigen Bundesland: ILS und Fernakademie → Hamburg, SGD → Hessen, Lernzentrum am Killesberg → Baden-Württemberg, CK-Fernakademie → Bayern u.a. Die Prüfung findet in einer staatlichen Schule oder im Gebäude der Fernschule statt – nicht bei dir zuhause. Rechne mit Reise- und Übernachtungskosten. Mehr dazu: Fernabitur Kosten.

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