So lernen Fernstudis für ihr Fernstudium - mit 10 erfahrenen Fernlernern

Unser Podcast Fernstudi.fm zählt mittlerweile über 40 Folgen, davon etliche Erfahrungsberichte von Fernstudierenden. Vom Berufspraktiker im Fernstudium ohne Abitur bis zur Alumna, mit Familie, Vollzeitarbeit, im Ausland oder in mehreren Studiengängen gleichzeitig - im Gespräch mit Christian haben Fernstudis ihre Lernerfahrungen und -strategien in unterschiedlichen Lebenssituationen aus erster Hand geschildert.

Wie sie lernten, welche Schwierigkeiten es gab und welche Lernmethoden sie jeweils zum Erfolg geführt haben - oder auch nicht - lassen wir in dieser Folge von Fernstudi.fm nochmal Revue passieren.

Inhalt:

00:00 Vorschau
01:22 Schönen guten Tag
02:59 Lennard über seine Lernmethoden in zwei Bachelors gleichzeitig (Bachelor Kommunikationspsychologie und Medieninformatik)
06:09 Tamara über ihre Lernmethoden mit Selbstständigkeit & Kind (Bachelor Mediendesign)
08:21 Michael über seine Lernmethoden im Ausland & Studium ohne Abi (Bachelor Digital Business)
09:03 Norman über seine Lernmethoden bei Studium & Arbeit an der Fresenius (Bachelor Medien- & Kommunikationsmanagement)
11:38 Patricia über Lernmethoden & Zeitmanagement im berufsbegleitenden Studium (Bachelor International Management)
25:21 Juliane über ihre Lernmethoden bei Arbeit & Tätigkeit im StuRa (Master Change Management & Decision Making)
26:32 Heidi über ihre Lernmethoden im Bachelor mit Baby & bis zur Promotion (Bachelor International Business Communication sowie MBA Entrepreneurship & Innovation)
28:14 Jens über seine Lernmethoden vom Berufspraktiker bis zum Master (Bachelor BWL für Betriebswirte sowie Master Marketing & Vertrieb)
29:32 Alba über ihre Lernmethoden bei Vollzeitarbeit & in 2 Bachelor (Bachelor Pädagogik und Wirtschaftspsychologie)
31:54 Sarah über ihre Lernmethoden im Studium ohne Abi & mit 3 Kindern (Sarah Angewandte Psychologie)

Die Podcasts im Überblick:

👉 Lennard: https://www.fernstudi.net/podcast/2
👉 Tamara: https://www.fernstudi.net/podcast/3
👉 Michael: https://www.fernstudi.net/podcast/4
👉 Norman: https://www.fernstudi.net/podcast/5
👉 Patricia: https://www.fernstudi.net/podcast/6
👉 Juliane: https://www.fernstudi.net/podcast/8
👉 Heidi: https://www.fernstudi.net/podcast/16
👉 Jens: https://www.fernstudi.net/podcast/26
👉 Alba: https://www.fernstudi.net/podcast/24
👉 Sarah: https://www.fernstudi.net/podcast/41

👉 Alle Podcasts in unserer Youtube-Playlist: https://www.youtube.com/playlist?list=PLfaNcXsnpoxeEZPzqyvM3cFgTS-atqyxu

In dieser Kompilationsfolge von fernstudi.fm lässt Host Christian zehn erfahrene Fernstudierende zu Wort kommen, die in früheren Podcast-Folgen ihre ganz persönlichen Lernstrategien geteilt haben. Die Folge versammelt Aussagen aus über 30 Episoden und ordnet sie thematisch. Im Folgenden werden die wichtigsten Themenbereiche zusammengefasst.

Reproduzieren statt nur Wiedererkennen

Mehrere Gäste betonen, dass passives Lesen von Zusammenfassungen nicht ausreicht, um Klausuren zu bestehen. Lennard erklärt, dass das bloße Wiedererkennen von Inhalten beim Durchlesen ein trügerisches Sicherheitsgefühl erzeugt: Wenn ich meine Zusammenfassung durchlese, dann habe ich mit der Zeit so dieses Gefühl, ich kenne es, weil es mir halt immer vertrauter vorkommt, wenn ich es sehe. In der Klausur jedoch, vor dem leeren Bildschirm, falle einem dann nichts mehr ein. Man wisse noch genau, dass es auf Seite 13 unten links stand, aber nicht mehr, was dort geschrieben war. Deshalb sei aktives Reproduzieren entscheidend. Eine besonders wirksame Methode sei, den Stoff jemandem zu erklären: Wenn ich das erkläre und ich stottere und nicht mehr weiss, was ich sagen soll, heisst es, ich habe es nicht verstanden. Als zweitbeste Methode empfiehlt er Karteikarten, insbesondere digitale Systeme wie Anki, die mit einem ausgeklügelten Algorithmus bestimmen, wann welche Fragen wiederholt werden.

Die PQ4R-Methode und Mindmaps

Lennard beschreibt seinen systematischen Ansatz mit der PQ4R-Methode: Zunächst überfliege er den gesamten Themenbereich, um eine Grundidee zu bekommen. Dann schaue er sich die wichtigen Inhalte an und fasse sie knapp zusammen, allerdings nur einmal und nicht in der typischen Form einer ausführlichen Zusammenfassung. Ergänzend empfiehlt er, sich Mindmaps zu bauen, um Zusammenhänge zwischen Themen sichtbar zu machen. Gerade bei Skripten der IU sei es häufig so, dass Themenbereiche vom Anfang später aus einem anderen Blickwinkel wieder aufgegriffen würden. Mit einer Mindmap könne man diese Gemeinsamkeiten erkennen und sich den Stoff besser erschliessen.

Zusammenfassungen und die Cornell-Methode

Tamara beschreibt ihren Lernprozess wie folgt: Wenn sie ein neues Skript bekomme, lese sie es zunächst quer, um einzuschätzen, ob der Stoff Neuland sei oder ob sie bereits Vorkenntnisse habe. Dann arbeite sie Lektion für Lektion durch, markiere wichtige Stellen und mache sich Notizen. Anschliessend schreibe sie eine Zusammenfassung in GoodNotes nach der Cornell-Methode, bei der links und unten Extrafelder für ergänzende Notizen und eine nochmalige Zusammenfassung der eigenen Seite vorhanden sind. In der Mitte notiere sie möglichst kurze Stichpunkte. Durch diesen Prozess des immer weiteren Zusammenschreibens und den Praxisbezug aus ihrer Arbeit lerne sie den Stoff bereits während des Zusammenfassens. Karteikarten funktionierten für sie dagegen überhaupt nicht. Tamara betont zudem, dass sie Skripte immer gedruckt brauche: Ich kann nicht lange am Bildschirm lesen. Ich brauche irgendwie das Papier. Die digitale Zusammenfassung auf dem Tablet sei allerdings praktischer als handschriftlich auf Papier, besonders beim Korrigieren und Einfügen von Ergänzungen.

Den eigenen Lerntyp finden

Michael betont, dass es keine Standardantwort auf die Frage nach der besten Lernmethode gebe: Jeder muss für sich selbst rausfinden, was für einen persönlich die beste Lernmethode ist. Er selbst habe mehrere Methoden ausprobiert und sei schliesslich bei einem einfachen Ansatz gelandet: Er nehme das Skript in die Hand, lese es einmal komplett durch und arbeite es dann Kapitel für Kapitel durch, markiere wichtige Dinge und erstelle nur in Ausnahmefällen Karteikarten, etwa bei Aufzählungen.

Lernzeiten und Alltagsorganisation

Norman erzählt, dass er keinen festen Stundenplan nutze, da sein Alltag mit fünfmal Sport pro Woche, Familie und Freundin zu variabel sei. Stattdessen verlasse er sich auf seine Disziplin, pro Woche auf eine bestimmte Stundenzahl zu kommen. Wenn es eine Woche nicht klappe, hole er in den folgenden zwei Wochen auf. Sein Lernen finde meist direkt nach der Arbeit statt: Ich mache dann um 17, 17:30 Uhr Feierabend und dann bleibe ich direkt am Rechner. Er gehe vielleicht kurz etwas snacken, aber dann ziehe er noch einmal anderthalb Stunden durch, bevor er zum Sport oder zu Freunden gehe. Einen Wechsel zwischendurch vermeide er bewusst, weil er dann nicht mehr in den Lernmodus zurückfinde. Auch die Wochenenden nutze er, allerdings nicht komplett, sondern mit festen Vormittags-Slots von jeweils zwei Stunden am Samstag und Sonntag.

Zeitmanagement-Methoden auf dem Prüfstand

Lennard und Christian diskutieren ausführlich die Eignung verschiedener Zeitmanagement-Methoden für berufsbegleitend Studierende. Lennard steht komplexen Methoden grundsätzlich kritisch gegenüber. Zur Eisenhower-Methode mit ihren vier Quadranten (dringend/wichtig) merkt er an, dass die Matrix zwar hilfreich sei, um zu verstehen, was dringend und wichtig ist, aber vielen die Erfahrung fehle, Aufgaben korrekt einzuordnen: Da steht zwar, was ist wichtig und was ist dringend, das heisst aber noch lange nicht, dass du irgendeinen Massstab hast, mit dem du selber in der Lage bist, das richtig einzuordnen. Er schlägt stattdessen vor, Tasks gedanklich Geldwerte zuzuweisen, um ihre Wichtigkeit greifbarer zu machen.

Zur ALPEN-Methode (Aufgaben notieren, Länge schätzen, Pufferzeiten einplanen, Entscheidungen treffen, Nachkontrolle) hebt Lennard vor allem die Bedeutung von Pufferzeiten hervor: Berufsbegleitend Studierende hätten eigentlich keine Zeit, müssten aber paradoxerweise mehr Puffer einplanen als Vollzeitstudierende. Viele überschätzten ihre verfügbare Zeit bei der Planung. Christian findet den Aspekt des Länge-Schätzens besonders wertvoll und verweist auf das Parkinsonsche Gesetz: Arbeit dehne sich genau in dem Masse aus, wie man Zeit dafür zur Verfügung habe. Setze man sich ein kürzeres Zeitfenster, schaffe man den Stoff oft trotzdem.

Insgesamt plädiert Lennard dafür, Zeitmanagement so einfach wie möglich zu halten: Kompliziert ist das ganze Leben sowieso, und wenn du parallel studierst und noch arbeitest, wird es sowieso nicht besser. Methoden, bei denen man jeden einzelnen Tag minutiös durchplanen müsse, führten im berufsbegleitenden Studium nur dazu, dass man sich schlecht fühle, weil immer etwas liegen bleibe.

Systeme und Routinen statt starrer Pläne

Als Alternative zu komplexen Zeitmanagement-Methoden empfiehlt Lennard, sich einfache Systeme und Routinen aufzubauen, vergleichbar mit dem morgendlichen Duschen und Zähneputzen. Man solle etwa eine fertig gepackte Lernbox bereitstellen, die man nach der Arbeit sofort auspacken und nutzen könne. Das Prinzip dahinter sei, einmalig am Anfang Aufwand zu investieren, um alle Reibungspunkte zu eliminieren, die vom Lernen abhalten: Nicht mehr überlegen, was man macht, wo man lernt, was man dabeihat. Christian bestätigt, dass er dieses Prinzip seit Jahren intuitiv anwende.

Digitale Hilfsmittel und Zitationstools

Juliane stellt zwei Tools vor, die ihr beim wissenschaftlichen Arbeiten unverzichtbar geworden seien. Zum einen nutze sie OneNote mit Karteikarten-Reitern, um Literaturhinweise, Notizen und ihre gesamte Organisation an einem Ort zu bündeln. Zum anderen empfiehlt sie als ganz grosse Herzensempfehlung das Zitationsprogramm Zotero mit einem Plugin für Word: Das ist wirklich das Beste, was man haben kann. Es füge Zitate genau dort ein, wo man sie brauche, und erlaube es, PDFs im Hintergrund abzuspeichern und daraus zu zitieren. Auswendiglernen sei in ihrem Studiengang kaum nötig.

Effizient mit Skripten lernen: Zusammenfassungen und Musterklausuren

Heidi berichtet, dass sie anfangs eigene Zusammenfassungen auf Papier geschrieben habe, dann aber feststellte, dass der Input grösser ist als der Output. Sie habe ihren Ansatz optimiert und nutze nun die zwei- bis dreiseitigen Zusammenfassungen am Ende jedes Lernhefts als Ausgangspunkt. Von dort aus suche sie sich gezielt die Themen heraus, bei denen sie vermute, dass sie klausurrelevant seien. Dafür schaue sie sich Musterklausuren an und informiere sich auf Plattformen wie fernstudenten.de, was andere über Klausurinhalte berichten. Für tiefergehende Themen lese sie dann die ausführliche Version im Skript. Ergänzend erstelle sie digitale Zusammenfassungen mit Screenshots aus den Lernheften in Word-Dokumenten, die sie ausdrucken und mitnehmen könne.

Norman (Betriebswirtschaft) verfolgt einen ähnlichen Ansatz: Er fasse Studienskripte zusammen und lerne dann anhand dieser Zusammenfassungen. Parallel dazu versuche er immer, alte Klausuren zu bekommen, um ein Gespür für typische Fragestellungen und Schwerpunkte zu entwickeln. Die Übungsaufgaben in den Studienbriefen empfiehlt er ebenfalls, da die Chance gross sei, dass in der Klausur ähnliche Aufgabentypen vorkämen.

Die Pomodoro-Technik in abgewandelter Form

Lorens beschreibt seinen Lernalltag als Klinik-Mitarbeiter: An Arbeitstagen lerne er abends, die Hauptlernzeiten seien mittwochs und am Wochenende, dann in längeren Phasen von morgens bis nachmittags. Er nutze die Pomodoro-Technik, passe sie jedoch an: Statt mit 25 Minuten zu starten, beginne er mit nur 10 Minuten, in denen er etwa das Inhaltsverzeichnis durchgehe oder die Zusammenfassungen pro Lektion lese, gefolgt von 5 Minuten Pause. Dann steigere er auf 15 Minuten und arbeite sich so hinein. So komme er besser in den Lernfluss, als wenn er sich direkt einen grossen Zeitblock vornehme. Die Pausen nutze er bewusst für Haushalt wie Wäsche falten oder Küche aufräumen, denn: Die Pause ist, wenn man sie effektiv nutzt, sehr wertvolle Lernzeit, weil eben alles so verknüpft wird. Am Ende jeder Lernsession mache er eine Lernüberprüfung, etwa über Online-Tests, und achte darauf, danach nicht noch stundenlang am Handy zu hängen, sondern lieber spazieren zu gehen, um das Gelernte über Nacht zu verankern.

Videos als Einstieg und ChatGPT bei Verständnisproblemen

Heidi erzählt, dass sie sich vor dem Lesen der Studienhefte zunächst Videos auf YouTube oder Studyflix anschaue, um sich einen Grundüberblick zu verschaffen und das Thema vorab zu verstehen. Dann lese sie die Studienhefte und schreibe parallel Stichpunkte. Bei Verständnisproblemen nutze sie ChatGPT, um sich Inhalte nochmals erklären zu lassen. Am Ende jedes Kapitels erzähle sie sich den Stoff selbst, entweder ihrem Mann oder sich allein, um zu prüfen, ob sie ihn verstanden habe. Für Fächer wie Biopsychologie mit vielen Fachbegriffen setze sie Karteikarten ein, die sie in der Wohnung verteile und spontan umdrehe.

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