2 Bachelor gleichzeitig, Erfahrung im IU-Fernstudium, Lernstrategie – Lennart Steinke im Gespräch

Zu Gast haben wir Lennart Steinke, der als IT-Berater arbeitet und an der IU Internationalen Hochschule 2 Bachelor-Fernstudiengänge parallel studiert. Im Podcast reden wir über seine Studienwahl, über das Studium an der IU, über die sog. Initiative Hochschulentwicklung, Kommunikation im Fernstudium und natürlich über Lennys interessante Lernstrategie.

Inhalt:

00:00 Vorschau
01:52 Tipp des Tages
03:25 Warum man sich vor Lenny in Acht nehmen sollte
05:20 Was Lenny studiert
08:20 Kommunikationspsychologie vs. Psychologie
12:09 Medieninformatik vs. Informatik & Mathe im Studium
15:17 Warum Lenny studiert
19:25 Kommunikations im Fernstudium
21:52 Virtuelle Lehrveranstaltungen an der IU
23:15 Was ist die Initiative Hochschulentwicklung?
26:58 Fernstudium an der IU Internationalen Hochschule
28:43 Fehlerhafte Skripte im IU-Fernstudium
33:45 Klausuren im Studium an der IU
36:13 Was hat die Initiative Hochschulentwicklung erreicht?
38:21 Lennys Lernstrategien fürs Fernstudium
39:37 Zusammenfassungen & Erklärungen
42:23 Lernen mit Karteikarten
44:12 Lernen durch Lehren
47:22 Lernen mit Hörbüchern

Lenny im Internet:

➡️ Twitter: https://twitter.com/iSpellcaster
➡️ LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/lennart-steinke-9572711b8
➡️ Lennys Blog auf fernstudium-infos.de: https://www.fernstudium-infos.de/blogs/blog/1641-lasciate-ogne-speranza-voi-chintrate/
➡️ Beitrag von Lenny zum Thema Lernen: https://www.fernstudium-infos.de/blogs/entry/21534-dinge-lernen/

Im Podcast erwähnt:

👉 30 Quellen für tausende Online-Vorlesungen
👉 Studienbriefe schneller & effizienter lesen lernen: Die 7 besten Speedreading-Techniken im Überblick
👉 Podcast The Tim Ferriss Show
👉 Podcast You are not so smart
👉 Vorlesungen von Dr. Robert Sapolsky
👉 Hörbücher bei Audible*

Christian: So Lennart, herzlich willkommen im Podcast! Vielleicht erst mal zum Einstieg: Vor dir muss man sich ja so ein bisschen in Acht nehmen, glaube ich, zumindest wenn man dir auf der Straße begegnet. Du hast nämlich drei schwarze Gürtel in drei verschiedenen Kampfsportarten. Kannst du mal sagen, was das für Kampfsportarten sind?

Lennart: Ich habe einen zweiten Degree Black Belt im Ju-Jutsu und dann einen ersten Dan in Judo und auch einen zweiten in American Kenpo.

Christian: Okay, da noch so ein paar Sachen, also Ausbilderscheine in anderen Sachen, Stockkampf und so weiter. Und du trainierst auch, also neben dem Studium, neben der Arbeit, gibst du Training, zweimal die Woche im Kampfsportverein, den ihr gegründet habt. Was wäre deine Empfehlung, also ich bin jetzt 41, ich habe wahrscheinlich auch nicht mehr die allerbesten Knochen, kann ich auch noch lernen, oder kann ich auch noch einen schwarzen Gürtel machen?

Lennart: Die Antwort ist immer die gleiche: Der beste Zeitpunkt anzufangen wäre vor fünf Jahren gewesen, und der zweitbeste ist heute.

Christian: Okay, also könnte ich. Ich habe das tatsächlich schon länger vorgehabt, dachte aber langsam, ich bin da zu alt dafür. Also ich wollte so Richtung Ju-Jutsu oder irgendwas machen, weil ich denke, das ist so meine Richtung. Was findest du?

Lennart: Judo, muss man gucken, also da sind halt die Vereine sehr unterschiedlich. Aber wenn man da was findet, die haben in der Regel ziemlich gute, durchgehende Qualitätsstandards. Da macht man nichts verkehrt.

Christian: Und das ist ja auch gut für den Kopf eigentlich. Also jetzt weiß ich nicht, beim Boxen vielleicht eher nicht so, da bekommt man ja auch ziemlich oft eine vor die Birne, was dann vielleicht wiederum nicht so gut ist, zumindest wenn man das jahrelang betreibt. Aber bei Judo muss man ja auch viel sozusagen Bewegungsabläufe und so was lernen. Da kann man dann in dem Sinne schon so ein bisschen ins Thema Lernen rein.

Christian: Und du hast ja jetzt nicht nur diese drei schwarzen Gürtel, sondern du studierst auch zwei Studiengänge gleichzeitig an der IU. Wie ist das passiert?

Lennart: Ich habe halt angefangen mit Kommunikationspsychologie, man hat dann halt festgestellt, dass ich so ein bisschen schneller bin und die Kurse ausgegangen sind, wenn ich ehrlich bin. Also es war halt direkt am Anfang vom Studiengang, da waren halt die ganzen Module noch nicht so hundertprozentig fertig. Und dann habe ich halt beschlossen, dass ich einfach noch einen zweiten Studiengang anfange. Und dann habe ich Medieninformatik als zweites Studium gestartet.

Christian: Okay, passend auch zum Beruf. Was machst du beruflich?

Lennart: Ich bin, also ich war Softwareentwickler, bin jetzt seit fünf Jahren IT-Berater im Atlassian-Umfeld. Also Prozessberatung, Jira, Confluence, da eigene Plugins schreiben, Kunden beraten, Customizing und solche Sachen.

Christian: Okay, also da passt ja Medieninformatik gut. Und wie passt es dann mit der Kommunikationspsychologie zusammen? Also wie passen überhaupt diese beiden Studiengänge zusammen?

Lennart: Also muss ich überlegen: Immer wenn du was mit dem Rechner machst, dann hast du ja irgendeine Form von Kommunikation, in dem Fall halt Mensch-Computer-Interaktion und Kommunikation. Und wenn du willst, dass das, was du machst, auch beim Enduser ankommt, dann solltest du halt darauf achten, dass da die grundlegenden psychologischen Geschichten beachtet werden. Also User Interface Design ist zum Beispiel stark psychologisch geprägt. Dann halt auch die ganzen Biases, die es gibt, immer dafür zu sorgen, dass das, was du tust, auch wirklich ankommt und nicht falsch verstanden wird. Und Kommunikationspsychologie ist halt auch gerade beim Erstellen von Lernsystemen, bei mir im Job ist halt Knowledge-Based Management und Wissensmanagement ein ganz großes Thema, und da passen beide Bereiche gut rein. Also für mich ergänzen die sich extrem gut.

Christian: Verstehe ich das richtig, du hast sozusagen beide, also zwei Studiengänge, gleichzeitig und in Vollzeit studiert? Und du hast es jetzt fast geschafft?

Lennart: Ich habe zwei Studiengänge gleichzeitig vollzeit neben dem 40-Stunden-Job.

Christian: Nicht schlecht, da ist schon einiges geleistet. Da können wir dann auch später noch mal so ein bisschen über die Lernstrategie reden. Aber vielleicht erstmal wirklich nochmal zu den Studiengängen. Also Kommunikationspsychologie, ich hätte eher gedacht, so wie du das jetzt gesagt hast, ist das ja dann tatsächlich auch schon stark auf die IT-Thematik bezogen, auf das Entwickeln, Programmieren. Da habe ich jetzt also im ersten Moment gar nicht so dran gedacht. Ich dachte, das passt so ein bisschen auch zu der beratenden Tätigkeit. Was macht man denn so in diesem Studiengang, vielleicht jetzt auch im Vergleich zu einem reinen Psychologie-Studiengang?

Lennart: Also der Unterschied: Wir haben ein paar andere Kurse, aber auch viele Kurse gemeinsam. Gerade die allgemeine Psychologie ist natürlich geteilt. Aber der primäre Unterschied ist, dass man sich halt spezialisieren kann, gerade die Wahlpflichtfächer. Bei mir sind halt gerade Human-Computer-Interaction und halt Lernsysteme, Didaktik online, solche Geschichten habe ich mir dann als Wahlpflichtkurse ausgesucht. Und mein erster Job, da war ich bei einer User-Interface-Firma, und meine beiden Chefs waren ein Informatiker und ein Psychologe. Und da habe ich ganz guten Einblick gekriegt, welche psychologischen Aspekte überall reinspielen. Und das war dann auch mit der Grund, warum ich mich dafür entschieden habe. Konkret ist einfach Medienpsychologie, den wir als Kurs haben, der geht in die Richtung rein, aber halt gerade auch Sozialpsychologie oder Arbeiten in Gruppen, da haben wir diverse Kurse dazu. Und wenn man will, kann man natürlich auch seine ganzen Seminararbeiten sich von dem Thema her so aussuchen. Man muss nicht in die Richtung gehen, aber wenn man es will, hat man genug Möglichkeiten dazu.

Christian: Jetzt aufpassen, dass ich nicht einer von den Hochschulen bin, die hier vielleicht auch Studierende abwerben quasi. Aber wenn du dich im Studium auch so ein bisschen mit Lernmanagementsystemen auseinandersetzt, vielleicht eine Frage mal eingeschoben: Wie sind die Lernmanagementsysteme für dich?

Lennart: Also du kennst wahrscheinlich nur das von der IU. Ich hab mal im Informatikstudium einen Kurs gehabt, der sich über LMS beschäftigt, Lernmanagementsysteme. Da habe ich mir mal ein paar lokal installiert und geguckt, wie das heute funktioniert, alles Moodle-basiert unter anderem. Und einer von meinen Kursen war dann auch im Informatikstudium das Erstellen von Erweiterungen für Lernmanagementsysteme und Erstellen von eigenen Kursen. Da bin ich leider etwas über den Umfang des Moduls hinausgeschossen, weil ich das Ding richtig erweitert habe. Aber das war interessant, und wenn es gut läuft, möchte ich da doch in die Richtung weitermachen. Also geplant ist jetzt dann im Anschluss halt ein Master Wirtschaftspsychologie, dann halt auch mit Schwerpunkt auf dem Teil, und dann schaue ich mal.

Christian: Gut, wir sprechen dann später noch mal, wenn wir über die IU sprechen, können wir auch ein bisschen über das Lernmanagementsystem dort sprechen. Da beobachte ich auch mal so ein bisschen, was die Leute davon halten sozusagen.

Lennart: Problematisch, weil die existierenden, die gut etablierten sind halt ein bisschen älter. Und gerade im Softwarebereich gibt es immer neue Frameworks. Bei Moodle geht es noch halbwegs, weil da kann man halt über Plugins machen und dann gerade halt über die interaktiven Module austauschen. Das funktioniert ganz gut. Wird bei der IU noch nicht so hundertprozentig eingesetzt, kann ich aber auch verstehen, weil dafür braucht man auch ein bisschen höheres technisches Know-how, und das Anpassen der Skripte an die Geschichten ist auch nicht mehr so hundertprozentig einfach. Ich denke halt, das primäre Problem ist, dass wenn man im universitären Umfeld guckt, die ganzen Sachen halt wirklich noch entwickelt werden. Viele ganz normale Skripte, und dann kommt halt der nächste Schritt: Wie bringe ich das online? Und halt lineares Lesen ist jetzt nicht unbedingt die beste Form fürs Lernen. In Managementsystemen kann man das doch irgendwie reinbringen, und dann macht man halt irgendwie Interaktivität noch hinterher, macht irgendwie ein Quiz rein. Aber das ist halt auch nicht so ideal.

Christian: Also wir sind schon so ein bisschen beim zweiten Studiengang Medieninformatik. Vielleicht kannst du auch mal so ein kleines bisschen erzählen, was macht man so in diesem Studiengang, auch jetzt im Vergleich zu einem ganz klassischen Informatikstudium?

Lennart: Der primäre Unterschied: Man hat Kurse, die auch von den Designern belegt werden, also Grundlagen von Design, Typographie, User-Interface-Gestaltung, solche Geschichten. Ich glaub einen Kurs weniger Mathe. Wir haben so einen Mathematik-Kurs weniger in Medieninformatik. Aber ansonsten gibt es finde ich gar nicht so arg viel Unterschied. Die Schneidung ist relativ groß. Man könnte glaube ich Medieninformatik auch in einem normalen Informatikstudium abbilden, wenn man die Wahlpflichtkurse entsprechend wählt. Also der Unterschied ist nicht so furchtbar groß.

Christian: Medieninformatik kenne ich ja ganz gut, ich bin ja in Weimar aufgewachsen, bei der Bauhaus-Universität, und ich glaube, da sind auch so die ersten Medieninformatik-Studiengänge entstanden. Du sagst ein bisschen weniger Mathematik als im normalen Informatikstudium, aber trotzdem, sicherlich wenn man da jetzt rein möchte, sollte man wahrscheinlich auch schon solide Mathematikkenntnisse haben, oder zumindest gewillt sein, sich da reinzuarbeiten?

Lennart: Also Mathematik an der IU im normalen Informatikstudium ist so eine Sache, die nicht so furchtbar ausgeprägt ist. Auch im normalen Informatikstudium ist der Umfang ungefähr dem vergleichbar, was man dann bei anderen Informatik-Studiengängen als Vorstudium macht. Man hat auch im normalen Informatikstudium relativ wenig Mathematik an der IU. Und halt gerade jetzt eben Medieninformatik hat man noch mal weniger. Also wenn man halbwegs gerade aus denken kann, irgendwie logische Sachverhalte analysieren kann, hat man glaube ich keine Probleme mit der Art von Mathematik, die da dazukommt.

Christian: Also mein Eindruck ist, dass gerade die privaten Hochschulen sich dann ein ganz kleines bisschen mehr zurückhalten mit der Mathematik als beispielsweise die FernUni Hagen, wo einfach, wenn ich mir da die Studieninhalte anschaue, wirklich ein bisschen mehr Mathe im Studium ist und teilweise vielleicht ein ganz kleines bisschen über die Mathematik ausgesiebt wird. Also jetzt nicht nur in Informatik, sondern auch in Wirtschaftsinformatik beispielsweise, oder sogar auch in Wirtschaftswissenschaften. Also das ist so der Tipp: Wirklich keine Angst vor Mathematik, wenn man in so ein Studium möchte. Da gibt es häufig auch Vorkurse.

Lennart: Also bei der IU ist der Umfang des normalen Mathematikbereichs Informatik, der entspricht einem Teil dessen, was die normalen Vorkurse anderer Unis sind. Da sich den Vorkurs auf YouTube angucken, der bei diversen Unis angeboten wird, hat man sehr, sehr wenig Neues dann im eigentlichen Studium. So habe ich es auch gemacht, weil ich halt wirklich Angst hatte vor Mathe, weil bei mir ist es halt schon ein paar Jahrzehnte her. Hab dann halt den Vorkurs auf YouTube angeguckt und bin dann da reingegangen, und war relativ easy.

Christian: Kleiner Schwenker: Grundsätzlich, du bist ungefähr in meinem Alter, ich bin jetzt 41 und du ein paar Jahre älter, 48 hast du gesagt. Was mich interessiert ist, was dich bewogen hat, jetzt nochmal zu studieren, also zum einen natürlich in Bezug auf das Alter, im mittleren Alter daneben noch mal zu studieren, noch mal die Anstrengungen auf sich zu nehmen von so einem Studium. Aber auch generell, was dich jetzt dazu bewogen hat, eben noch mal ein Studium und dann auch noch zwei Studiengänge zu beginnen?

Lennart: Na ja, ich habe einer Bekannten bei ihrer Bachelorarbeit geholfen, Informatik, hab da mal drüber geguckt und auf die Formulierungen geachtet und so was. Und da hab ich gedacht: Ist ja gar nicht so schwer, wie ich mir das vorgestellt habe. Und dann war das so im Hinterkopf. Und kurz darauf hat eine Bekannte gemeint, sie wollte sich halt zu einem Fernstudium anmelden, und dann dachte ich: Da gibt es auch was für mich. Und das war es. Also ich habe mich nicht groß informiert, was gibt es denn so an Unis, sie hat einfach dahin gehen wollen, und da bin ich halt auch hin. Ich habe nicht groß drüber nachgedacht oder recherchiert, ich bin halt einfach mitgekommen.

Lennart: Und warum? Also ich hab keinen besonderen Grund gehabt. Der Punkt ist, als Informatiker muss ich quasi ständig lernen. Und ob ich jetzt halt privat lerne oder ob ich das jetzt halt im Rahmen von einem Hochschulstudium mache und dann hinterher auch noch einen Zettel habe, auf dem steht, ich habe das gelernt, hab ich mich dafür entschieden, mir halt den Zettel geben zu lassen. Und es macht Spaß. Also wenn man sich halt ein Studium aussucht, das man liebt, dann ist es ja auch nicht wirklich Arbeit. Es ist ja schon noch zum großen Teil Vergnügen.

Christian: Da haben wir ja auch schon ein bisschen im Vorgespräch darüber gesprochen, dass eben auch das Lernen an sich wichtig ist, jetzt nicht nur der Abschluss. Und deine Bildungskarriere vorher sozusagen, also was hast du, ein Abitur oder Fachabi?

Lennart: Ich bin staatlich geprüfter Informatiker, das ist noch mal ein bisschen anders als die Fachinformatiker-Geschichten. Das ist dann quasi zwei Jahre Vollzeitunterricht und ein Jahr Vollzeit-Praktikum.

Christian: Wann hast du das gemacht, also den staatlich geprüften Informatiker?

Lennart: Schon länger her, 25 Jahren. Was hat man da noch gelernt? Weiß ich nicht, Pascal, C, solche Sachen, wirklich viel C, Maschinensprache, damals unter anderem Großrechner relativ viel. Wobei ich in der PL/1-Ecke war, nicht in der Cobol-Ecke. Das Einzige, was ich wirklich gemerkt habe, dass es länger her ist: Als ich das gelernt habe, gab es noch kein WLAN. Also als ich die ganzen ISO-OSI-Geschichten gelernt habe und wie Netzwerke funktionieren, da gab es noch kein WLAN. Der Vorteil ist, ich habe damals wirklich die ganze Entwicklung mitgekriegt. Am Anfang war halt Gopher, das Beste, was man haben konnte im Internet, und dann kamen die ersten Webseiten und dann kamen die grafischen Webbrowser, und dann habe ich eigentlich wirklich von HTML 1.0 bis jetzt eigentlich alles mitgekriegt hautnah. Hat schon Vorteile, teilweise auch im Studium, weil man halt eben diesen historischen Abriss hat, den muss man sich halt nicht lernen, weil ich kenne ihn ja.

Christian: Gute Grundlage also, würde ich dann auch fürs Medieninformatik-Studium sagen. Vielleicht nochmal zu deinem Kommunikationspsychologie-Studium. Ich wollte mal so ein bisschen reden über das Thema Kommunikation im Fernstudium. Da mache ich mir auch schon länger Gedanken drüber, seit ich selber auch Fernstudent bin. Ich kenne auch noch die andere Welt, also das normale Studium, wo man sich dann mit seinen Kommilitonen vor Ort auf dem Campus irgendwo trifft. Heute ist es vielleicht noch ein bisschen anders. Wie ist denn das für dich, also die Art zu kommunizieren im Fernstudium?

Lennart: Also ich bin dadurch, dass ich halt ITler bin, sage ich mal, ist das ja wahrscheinlich auch gewohnt, eben viel zu kommunizieren über Chats, Foren. Also für die Studiengänge und dann auch für die einzelnen Kurse, da läuft sehr viel Kommunikation. Und es gibt ja auch noch die Live-Tutorien, und dann hat man auch die anderen Leute, die man sieht, und hinterher wird man auch mal angesprochen, wenn man irgendwie eine gute Frage gestellt hat, oder jemand hat eine Frage, und dann kriegt man da auch so ein bisschen Kommunikation auf der Ebene. Prinzipiell muss ich sagen, es liegt auch am Informatik-Hintergrund, ich finde jetzt diese Sozialgeschichte jetzt auch nicht so hundertprozentig wichtig. Mir geht es primär um das Wissen, das Zeug zu lernen. Und mit Leuten darüber reden ist nett, aber das muss jetzt nicht unbedingt vor Ort sein. Das tut für mich auch wunderbar über Web- oder Videochat oder was auch immer.

Christian: Das ist dann bestimmt auch so ein bisschen das Alter. Da hat man sich ja schon mal ein normales Sozialleben aufgebaut oder ist in einem viel gefestigteren Umfeld vielleicht als wenn man dann mit weiß ich nicht 20 frisch von der Schule kommt, wo das vielleicht noch ein bisschen wichtiger ist, dass man da neue Kontakte knüpft.

Lennart: Also Freundschaften, wir haben schon Paare, die sich mit Kommilitonen getroffen haben. Das ist einfacher, als man denkt. Wenn man jemand online findet, dann kann man sich ja auch noch auf einen Kaffee treffen. Also ich bin jetzt nicht der Meinung, dass es da so eine Art große Einschränkung gibt.

Christian: Du hast schon angesprochen, die virtuellen Lehrveranstaltungen an der IU. Wie läuft das genau ab? Also ich habe jetzt auch noch nie an einer teilgenommen. Nutzt man da Teams oder Zoom oder so, und trifft sich dann einfach mit 30 Leuten, oder wie läuft es da?

Lennart: Also inzwischen läuft eigentlich alles über Teams ab. Bei den wirklichen Lehrveranstaltungen, also diesen interaktiven Lehrveranstaltungen, sind am Anfang meistens eher so knapp über 100 Leute, die da in so einem Teams-Stream sind. Die sind dann halt vielleicht nicht unbedingt alle die komplette Reihe dabei. Parallel dazu gibt es die normalen Tutorien, wo man reingehen kann, Fragen stellen kann und der Tutor auch von sich aus zu einem Thema redet. Da sind dann eher weniger, da ist man dann eher so im unteren zweistelligen Bereich und manchmal auch im einstelligen Bereich. Also ich hatte auch schon ein paar Tutorien, wo ich dann quasi eine Solo-Stunde hatte und den Dozenten ausfragen konnte. Das ist praktisch.

Christian: Und diese virtuellen Lehrveranstaltungen, die gibt es ja in dem Umfang, zumindest wie sie derzeit angeboten werden, in vielen Modulen an der IU noch nicht so lange, oder kann das sein?

Lennart: Also die sind jetzt auch erst, seit die Initiative halt ein bisschen gesagt hat, sie hätten gerne was. Da kamen die auf. Ich glaube, die waren vorher auch schon geplant, da nehme ich an, sonst glaube ich nicht, dass sie es so schnell auf die Reihe gekriegt hätten.

Christian: Genau, da wollte ich ja auch drauf hinaus. Vielleicht solltest du mal kurz erklären, was das genau für eine Initiative ist. Darüber haben wir uns ja auch so ein bisschen kennengelernt oder das erste Mal miteinander gesprochen, also die Initiative Hochschulentwicklung.

Lennart: Da haben zwei Damen festgestellt, dass sie quasi genau die gleichen Probleme haben die ganze Zeit in den Kursen von der IU. Und beiden wurde halt gesagt, sie wären Einzelfälle. Und dann haben sie angefangen, herumzufragen, und haben festgestellt, sie sind keine Einzelfälle. Und haben dann halt in der Folge quasi einen offenen Brief an die IU geschrieben und da so um die 1500 Unterschriften gehabt. Und im Rahmen dessen sind dann ich und ein paar andere Leute auch noch dazu in ein Team zur Initiative hinzugestoßen. Wobei ich sagen muss, die Hannah, die das wirklich angestoßen hat, und ich bin halt dazugekommen, weil ich mich halt davor auch schon mal häufiger mit der IU kritisch unterhalten hatte per Mail.

Christian: Und als eines der Resultate ist ja dann denke ich mal auch angestoßen worden, dass jetzt vermehrt auch auf diese interaktiven Lehrveranstaltungen beispielsweise gesetzt wurde. Und es ging natürlich auch um Video-Content, der eigentlich viel beworben wurde noch vor einigen Jahren, mittlerweile nicht mehr so stark, aber eigentlich gar nicht so richtig wirklich präsent war.

Lennart: Aktuell ist es so, dass die laut Modulhandbuch vorhandenen Kursmaterialien nicht immer da sind, also auch immer noch nicht. Es fehlen die Videos teilweise, es fehlen halt auch andere Materialien. Mit Podcasts und Audioinhalten, die sind eigentlich durchgehend nicht existent bis auf sehr wenige Kurse. Und das ist halt so ein bisschen ein Problem. Also zum einen erwartet man das, wenn es dort steht, und dann guckt man und es ist nicht da. Man hat natürlich schon so eine Erwartungshaltung, die nicht erfüllt wird. Und anteilig ist es halt auch inhaltlich vielleicht nicht das Richtige. Also teilweise wurden Videos und Podcasts eingebaut, und man kann halt komplexe Themen jetzt nicht gut in fünf Minuten besprechen, das funktioniert nicht. Also das ist ein Studium, da hat man teilweise schon komplexere Themen dabei. Aber wenn man die halt in fünf Minuten bespricht, dann hat man jetzt nicht wirklich etwas gelernt.

Christian: Nee, das ist aber generell auch eine Sache, die glaube ich viele sich in so einem Fernstudium erwarten, so dass man da eben vor dem Rechner sitzt und anderthalb Stunden die Vorlesung schaut. Das kann man aber eigentlich an einer Fernhochschule nicht erwarten. Also ich hatte jetzt vor ein paar Tagen wieder eine Frage auf YouTube von einem Nutzer, der sich für so ein Studium an der FernUni Hagen interessiert und gefragt hat, ob es auch eine Fernhochschule gibt, die eben nur mit Videos oder überwiegend mit Videos, Podcasts und so weiter arbeitet. Aber das kann man wirklich nicht erwarten von einem Fernstudium. Also im Fernstudium werden nun mal Skripte verwendet, so läuft es. Deswegen auch nochmal mein Tipp von Anfang dieses Podcasts: Man kann natürlich auch Vorlesungen als Ergänzung nutzen von anderen, staatlichen Hochschulen beispielsweise, die eben ihre Vorlesungen online stellen und aufzeichnen.

Christian: Problematisch ist dann eben, wie hier im Fall der IU das war oder teilweise auch noch ist, wenn das Modulhandbuch damit beworben wird und es dann nicht wirklich der Fall ist. Aber vielleicht sprechen wir mal ein kleines bisschen über die IU. Also deine Gründe fürs Studium hast du ja schon ein bisschen angesprochen, auch deine Gründe, an die IU zu gehen. Über andere Hochschulen hast du dich gar nicht groß informiert?

Lennart: Also genau, ich bin halt einfach hin, weil halt meine Bekannte hin ist. Und das war es. Und als ich dann drin war und gemerkt habe, mir gefällt es nicht so hundertprozentig, habe ich dann festgestellt, dass der Wechsel finanziell keinen großen Sinn macht, einfach weil nicht viel anerkannt werden würde. Und selbst wenn, in der Regel hat man dann irgendwie so 30 Euro pro ECTS-Punkt anerkannt, und dann hat man ja doch ziemlich einen Verlust, wenn man das einfach mal gegenrechnet. Man müsste auch zeitlich dann noch mal deutlich mehr Kurse belegen. Und deshalb hab ich halt beschlossen, die Bachelor einfach durchzuziehen an der IU und dann halt die Master an einer anderen Hochschule zu machen.

Christian: Also ob ich da halt wirklich zu hohe Ansprüche habe, das ist dann auch so ein durchgehendes Thema. Was sind denn die Ansprüche, die man haben darf oder haben sollte? Und ist es an anderen Hochschulen wirklich besser, oder passt das wirklich mehr? Ist es an den staatlichen Hochschulen besser, oder ist das da genauso? Also natürlich, so ein Wechsel sollte man vielleicht auch das hier als Tipp an unsere Zuhörer, die sich interessieren, an einer privaten Hochschule zu studieren, so ein ganz kleines bisschen mit einkalkulieren, dass es einem vielleicht nicht gefällt und dass man vielleicht noch mal wechselt und dann aber auch so ein bisschen Geld verlieren wird. Man verliert nicht das Know-how, was man gesammelt hat durch die Klausuren, die man bestanden hat und so weiter, aber man muss dann vielleicht noch mal das eine oder andere Modul nachholen.

Christian: Bleiben wir mal bei dem Thema Skripte. Das hast du gerade schon angesprochen, also fehlerhafte Skripte, hast du gesagt, gibt es auch an der IU. War auch glaube ich so ein Thema der Initiative Hochschulentwicklung. Vielleicht kannst du da noch ein bisschen darüber sagen, was dich da stört oder gestört hat?

Lennart: Also bei der Initiative ging es uns wirklich primär darum, dass man halt auch Feedback darüber bekommt, was sich wann ändert. Also wenn ich jetzt mitkriege, das Skript wurde geupdated und es wurden Fehler gefixt, aber ich weiß nicht, was sich geändert hat, dann habe ich halt kurz vor der Klausur ein Problem, weil ich weiß jetzt nicht, was von dem Wissen, das ich mir angeeignet habe, ist jetzt vielleicht gar nicht mehr klausurrelevant und wahrscheinlich auch falsch. Das ist natürlich immer ein Problem. Da war halt der primäre Punkt, dass wenn es Änderungen gibt, die halt auch klar kommuniziert werden, also Änderungshistorie. Wie es halt auch beim Fachbuch ist: Wenn es einen Fehler gibt, gibt es eine Seite mit Errata, die kann ich mir ausdrucken, ins Buch einlegen. So was gibt es halt bei der IU nicht. Wenn da sich was ändert, hat man halt die neue Version vom Skript, dann halt auch nur in der PDF-Variante.

Lennart: Und die Qualität der Skripte hängt halt wirklich sehr, sehr stark am Skriptautor. Der wird von der IU in der Regel als Externer gestellt. Und je nachdem, wer das ist und wie er seinen Job macht, so passen die Skripte. Also wir haben auch teilweise wirklich gute Skripte bei der IU, aber es gibt halt auch wirklich Skripte, die in keiner Weise vertretbar sind.

Christian: Aber ich kenne das auch von normalen Präsenzhochschulen. Also gerade die Einführungsveranstaltungen an Präsenzhochschulen, die werden dann halt häufig von frischen Doktoranden gegeben oder von Leuten, die gerade an ihrer Doktorarbeit arbeiten. Die sind fachlich auch in der Regel eigentlich ganz okay, aber die sind dann einfach super langweilig, weil die Leute sich in den jungen Jahren noch nicht so richtig mit Didaktik auskennen, und da lernt man halt dann auch nicht wirklich so viel. Bei den Skripten ist es dann glaube ich ein bisschen anders, da versucht die Hochschule denke ich mal auch schon, erfahrene Autoren zu holen. Aber mein Eindruck ist ein bisschen, das ist jetzt nicht nur an der IU so, da mangelt es häufig auch an Lektorat, die Sachen sind einfach super schwer zu lesen, zu verstehen und nachzuvollziehen, weil da nicht mal jemand irgendwie drübergelesen hat und ein bisschen versucht hat, auch am Stil zu arbeiten. Aber fachlich, das sollte natürlich auf jeden Fall stimmen.

Lennart: Ja, gerade wenn man dann noch einzelne Sätze quasi auswendig lernen sollte oder muss, wie das an der IU häufig der Fall ist. Stell dir vor, du hast ein Skript über Anatomie und dann steht drin, Menschen haben genau einen Arm, und dieser Arm entspringt dem Bauchnabel. Das hatte ich halt, also jetzt nicht genau das, aber halt im Bereich History hatte ich halt genau solche Beispiele. Und das geht nicht. Das müsste jedem, der Ahnung hat, beim Lesen direkt auffallen. In Teams hat jeder Kurs einen eigenen Unterpunkt für dieses Skript, dann können die Leute halt Fehler einstellen, also mögliche Fehler, die innerhalb von Tagen geprüft werden. Aber da gibt es jetzt auch schon bei Kursen, die jetzt zwei, drei Jahre alt sind, immer wieder neue Sachen.

Christian: Ja, es ist schon interessant, wenn ich überlege, es dürfte doch eigentlich nicht so schwer sein, da einen Flow für die Hochschule zu entwickeln, zum einen halt diese Änderungslisten sozusagen einzustellen. Du bist natürlich Entwickler, da erwartet man ja auch mal so einen Changelog sozusagen.

Christian: Ich denke mal, das Problem an der IU ist auch, dass sie eben sehr, sehr stark auf Klausuren setzen und alles möglichst weit hochskalieren mit möglichst wenig Aufwand, also mehr Studierende, die da bedient werden mit den Studiengängen. Und das kann man natürlich nicht machen, wenn man Prüfungsformen nutzt oder überwiegend Prüfungsformen, die Ausarbeitungen und so was erfordern, so viel Personal kann man ja gar nicht einstellen.

Lennart: Ja, das ist witzig, in letzter Zeit haben auch immer mehr Klausuren quasi fixe Antworten, bei den Musterklausuren, die auf dem Kurs hinterlegt werden. Und dann kommt man halt wirklich die Punkte nur dann, wenn die Stichwörter genannt werden. Also vielleicht wollen sie jetzt auch bei den offenen Fragen eine computergestützte Auswertung machen. Es ist halt ein bisschen das Problem: Die IU hat halt als primäres Ziel den Expansionskurs. Sie wollten erst die Größte werden, jetzt sind sie das. Und das alte Ziel ist, weiter zu expandieren. Und halt die Skalierung auf Seiten der Studierenden funktioniert sicherlich gut, aber ich bin mir nicht sicher, ob die Supportstrukturen entsprechend mitskaliert worden sind und halt die Betreuung. Das geht teilweise so weit, dass Tutoren sagen: Ich möchte doch mal bitte der IU sagen, das kommt nicht so gut. Also das ist schon befremdlich.

Christian: Ja, da darf man auch gespannt sein, wie sich das Ganze entwickelt. Das sind ja auch so ein bisschen Wachstumsschmerzen. Aber da haben dann natürlich die Leute darunter zu leiden, die jetzt in den ersten Jahren an dieser Hochschule studieren. Also ja, dürfen alle gespannt sein, wie sich das entwickelt und wie die Hochschule es schafft, dann auch mit dem Wachstum mitzuhalten. Ich denke, über die Jahre wird dann auch viel versucht, auf künstliche Intelligenz und so was zu setzen, auch bei der Korrektur von Klausuren vielleicht.

Christian: Die Initiative Hochschulentwicklung, du hattest schon gesagt im Vorgespräch, die gibt es jetzt eigentlich nicht mehr wirklich so in der Form?

Lennart: Genau, die Gründerinnen sind jetzt fertig mit der IU, die Leute, die jetzt noch dabei sind als Teilnehmer, haben jetzt auch nicht mehr so den Druck. Die wirklich wichtigen Sachen wurden halt gefixt, und sie haben jetzt quasi auch erstmal den Teams-Kanal stillgelegt. Und ich denke, wenn da noch mal was kommen sollte, dann wird es halt irgendwie ein neues Team sein und dann wahrscheinlich auf eine ähnliche Weise wie beim letzten Mal, wahrscheinlich über einen offenen Brief. Also es hat ja auch in anderen Studiengängen, also gerade die Architektur-Studiengänge und Gamedesign, hat man ja auch sehr erfolgreich agiert für sich.

Christian: Ja, ich finde das auch ein super Beispiel dafür, dass man auch als Kunde sozusagen, denn der ist man ja an so einer privaten Hochschule, auch was erreichen kann. An staatlichen Hochschulen ist das ja auch gang und gäbe, also da gibt es ja auch Studierendenvertretungen und Leute, die da politisch sozusagen partizipieren. Ich denke mal, an so einer großen privaten Hochschule ist es auch wichtig, dass sich da solche Strukturen bilden. Also auch hier als Ansporn sozusagen für jeden, sich da irgendwie zu engagieren. Man kann auf jeden Fall auch Sachen ändern.

Christian: Also das war die IU, großer Themenkomplex. Und zum Schluss oder als letztes Thema würde ich mit dir gerne noch mal so ein kleines bisschen über deine Lernstrategie reden. Also wie kann man sich vorstellen, wie du lernst? Vielleicht führst du uns mal so ein kleines bisschen durch deinen Lerntag.

Lennart: Also ich mache es nicht so, dass ich denke, die nächsten drei Jahre lerne ich einfach so wie bisher. Ich habe mir angeschaut, was denn so aktuell die bevorzugten Methoden sind. Es gibt halt auch wissenschaftliche Lektüre dazu, auch viel populärwissenschaftliche Sachen. Die habe ich mir angesehen. Und genauso wie ich halt auch von Tag eins an mich mit dem Thema wissenschaftliches Schreiben auseinandergesetzt habe, einfach weil wenn man es kurz vor der Bachelorarbeit macht, dann ist es vielleicht ein bisschen zu schwer, dann kriegt man es ja nicht mehr so verinnerlicht.

Lennart: Rein vom Prinzip: Zusammenfassungen ist eine der schlechtesten Methoden, die man haben kann. Einfach darum, weil in einer Klausur muss ich halt reproduzieren. Und halt die Erinnerung kriege ich dann, wenn ich mich sehr häufig dazu zwinge, mich daran zu erinnern, also selber zu reproduzieren. Wenn ich jetzt mal eine Zusammenfassung durchlese, dann habe ich mit der Zeit so dieses Gefühl, ich kenne es, weil es mir vertraut vorkommt, wenn ich es sehe, aufgrund des ganzen Kontexts. Aber wenn ich dann halt in der Klausur auf den leeren Bildschirm gucke und was tippen muss, dann fällt es mir halt nicht ein. Ich weiß halt genau, doch, es stand auf Seite 13, unten links, war grün unterlegt, aber ich weiß halt nicht mehr, was drinsteht. Deswegen ist eine der wichtigsten Geschichten, wirklich halt zu reproduzieren.

Lennart: Das kann man jetzt auf verschiedene Methoden machen. Man kann es jemandem erklären, das ist eine von den Sachen, die ich unglaublich gut finde. Wenn ich das erkläre und dann stottere und nicht mehr weiß, was ich sagen soll, heißt es, ich habe es nicht verstanden, dann muss ich nachgucken. Und es kommen auch gute Fragen, wo man vielleicht sagt, okay, da habe ich noch gar keine Gedanken drüber gemacht, muss ich noch mal nachschauen. Und man kann es erklären, das ist natürlich dann immer ideal.

Lennart: Zweitbeste wäre dann halt meiner Meinung nach Karteikarten, um dann halt, wenn es wirklich um die Reproduktion geht, also für die Klausur zu lernen, wirklich Karteikarten, die sehe ich immer noch ganz weit vorn. Wenn es um das tiefere Verständnis geht, also ich nutze die PQ4R-Methode. Das ist quasi die Methode, wo man sagt, man überfliegt erst mal den ganzen Themenbereich, kriegt also eine Grundidee. Dann schaut man sich so die wichtigen Sachen an, die drinstehen, fasst die kurz zusammen, aber halt nur einmal. Da würde ich auch empfehlen, dass man sich vielleicht so eine kleine Mindmap baut, um halt zu wissen, wie die Informationen zusammenhängen. Weil gerade in den Skripten bei der IU, es ist halt so, dass sehr, sehr häufig Themenbereiche am Anfang vom Skript halt später aus einem anderen Blickwinkel noch mehr aufgegriffen werden. Und dann kann man da die Gemeinsamkeiten sehen und dann kommt man relativ schnell durch. Und dann ist es einfach: Sich nur noch Fragen beantworten und dann halt auch wirklich nicht schummeln. Also nicht halt die Karteikarten, die Zusammenfassung sehen, die Frage drauflegen und sagen, ja genau, das habe ich gewusst, dann bin ich halt in der Klausur auch keinen großen Vorteil haben. Aber wenn ich wirklich merke, okay, ich habe das gewusst, und ich hab es nicht gewusst, und ich kann es.

Lennart: Die aktuellen Lernkarten-Varianten wie Anki oder so, die haben doch wirklich ein sehr, sehr gutes System, wann sie neue Fragen stellen und wann die alten Fragen wiederholt werden, je nachdem, wie gut man sie konnte. Das macht es schon sehr, sehr praktisch und einfach.

Christian: Karteikarten nutze ich eigentlich auch am liebsten irgendwie. Karteikarten ist für mich halt immer so die Schwierigkeit, dass ich mich manchmal drin verliere, die Karteikarten zu erstellen, und dann auch manchmal keine Lust habe, die einfach zu erstellen. Dann schiebe ich halt dadurch häufig auf. Aber ich denke manchmal so, das wäre eigentlich ein super Angebot von Hochschulen, es gibt das glaube ich auch an der Euro-FH beispielsweise, dass die schon fertige Lernkarten teilweise mitliefern. So was wäre auf jeden Fall ein super Service. Aber natürlich, man lernt ja auch so ein bisschen durch das Erstellen der Karteikarte.

Lennart: Also beim Lernen von den Karteikarten habe ich eigentlich selten Probleme, weil die sind nämlich sozusagen immer mit auf meinem Handy, und wenn ich irgendwo eine Auszeit oder Pause habe, dann mache ich das einfach auf und schaue da einfach rein. Aber der Aufwand, die zu erstellen, steht in keinem Verhältnis zum Lernergebnis, weil da ist man halt wirklich ewig beschäftigt. Aber vom Lernen her bringt es schon eine Menge, ist halt nur ein riesiger Aufwand.

Christian: Was ich auch sehr gut finde, ist so dieses Lernen durch Lehren, was du angesprochen hast. Das habe ich früher nie so betrieben in dem Sinne. Ich habe das bei meiner letzten Weiterbildung gemacht, da musste ich dann auch sehr viel lernen, und da habe ich dann viel gesprochen einfach, also habe dann wirklich darüber geredet, mich selber gefragt und das dann einfach sprachlich wiedergegeben. Und ich mache das auch häufig hier durch die Videos. Da merkt man dann auch, wenn ich ein Video so ein bisschen skripte und über ein Thema reden will und merke, ich komme ja gerade nicht weiter, ich muss da noch mal recherchieren, ich habe da irgendwas nicht richtig verstanden. Also das ist auch mal sehr hilfreich. Also vielleicht auch mal als Lerntipp für unsere Zuhörer hier: Mal auszuprobieren, einfach mal so ein kleines Video zu einem Thema zu machen vor der Klausur, man muss das ja niemandem zeigen.

Lennart: Was ich halt einfach gut finde, ist halt einfach einem Freund eine Sprachnachricht zu schicken. Also sagen: Du, ich habe da gerade dieses Thema, ist es okay, wenn ich dir mal Zeug schicke? Musst du nicht unbedingt anhören, aber wenn du mal an einem Kurs dranbleibst, bringt es dir ja auch was. Und dann gibt's meistens ein Okay, dann kann man das aufnehmen, und dann ist es genau so wie du sagst: Teilweise merkt man beim Reden, okay, das breche ich jetzt ab, das habe ich noch mal nachzuschlagen, bevor ich weitersprechen kann.

Christian: Super Idee. Also da wird das ja auch mit WhatsApp genutzt. Da gibt es gleich noch ganz anderen Sinn für mich, weil ich konnte nie so richtig verstehen, wie man jetzt WhatsApp wirklich im Studium nutzen kann und sollte, weil da kommen dann wirklich hunderte Nachrichten den ganzen Tag rein von 30, 40 Leuten, die da in der Gruppe sind. Aber das ist natürlich eine gute Idee, mit einigen wenigen Kontakten oder Kommilitonen, die da gerade dasselbe Modul beispielsweise bearbeiten, sich dann Sprachnachrichten auszutauschen.

Lennart: Also man muss halt aufpassen, die Leute gehen die ganzen Sachen unterschiedlich an. Also ich bin halt eher so der akribische Pfennigfuchser, wenn es um solche Sachen geht. Und manche wollen halt eher so den Gruppenüberblick haben. Es muss halt zusammenpassen, und wenn man sich da halt die Leute findet, die gut miteinander können, dann finden sich da in der Regel wirklich sehr, sehr schnell Gruppen, wo man sich einfach austauscht, wie man Sachen angeht. Oder sei es auch nur zum Frust ablassen. Also es gibt ja auch wirklich Kurse, wo dann halt wirklich extrem viel Detailwissen gefragt wird, oder teilweise auch Wissen, wo man sagt: Ist es zwingend notwendig, das zu lernen? Und dann kommt zurück: Definitiv, bei mir kam eine Klausur dran, besser lernen. Genau solche Sachen helfen extrem.

Christian: Du hast im Vorgespräch auch gesagt, du lernst auch mit Hörbüchern beispielsweise?

Lennart: Genau. Also ich habe aufgrund auch von meinem beruflichen Werdegang halt relativ viel auf Englisch. Ich habe die meisten Bücher auf Englisch. Ich habe mich auf das Studium vorbereitet, indem ich halt die Vorlesungen von Sapolsky angehört habe, eine der besten Vorlesungen. Also Sapolsky ist auch einer von den Leuten, den kann man sich anhören, das ist quasi sowas wie ein Stand-up-Comedian. Den kann man sich einfach nur angucken, weil er einfach gut erzählen kann. Und davon profitiere ich wirklich in jedem einzelnen Psychologie-Kurs.

Lennart: Und dann gibt es halt diese Great-Courses-Serien, die sind auch von Uni-Professoren, die dann zu einzelnen Themen so in 16 bis 36 Lektionen vorlesungsmäßig etwas besprechen. Die kann man sich wirklich ganz bequem anhören, nebenher, und lernt eine ganze Menge. Und gerade im Bereich Psychologie gibt es da vier oder fünf Kurse, wenn man die durchgemacht hat, hat man eine sehr gute Grundlage fürs Studium. Und die sind meistens extrem unterhaltsam.

Christian: Die kenne ich. Die gibt es glaube ich schon vor 20 Jahren, das waren auch so die ersten Sachen, die ich im Internet damals entdeckt habe. Die haben sich inzwischen irgendwie vergrößert, haben jetzt ein Abo-Modell, man kann da Dokumentationen und diese Lehrkurse und alles anhören. Also da kann man extrem viel Zeit verbringen, wenn man möchte. Ja, oder Audible, hatte ich auch länger ein Abo. Also finde ich auch super praktisch, kann ich auch empfehlen. Einfach auch mal zum Abschalten da irgendwie noch irgendwas laufen lassen, dass man lernt, auch zum Einschlafen geht es auch. Man nimmt dann auch einfach unterbewusst halt immer noch ein bisschen was auf und ist vielleicht auch besser, als sich dann abends irgendwie noch Gewaltfilme oder Nachrichten oder so was einzuverleiben, eher so was laufen zu lassen.

Lennart: Gerade die ganzen Great Courses kriegt man, wenn man ein Audible-Abo hat, kann die absolut kostenlos runterladen, die sind quasi im Audible-Abo mit drin. Dann kann man sich sein Lesefutter für die Uni quasi kostenlos nebenher machen. Das ist aktuell super.

Christian: Und was glaube ich bei Audible auch geht, wären so Sprachkurse oder so Sprach-CDs. Wobei, hast du damit gelernt?

Lennart: Würde ich nicht empfehlen, weil da ist es extrem teuer im Vergleich. Da hat man über eine Sprach-Lern-App wie Duolingo oder Babbel oder so was deutlich mehr vom Kosten-Nutzen. Was ich gemacht habe für Spanisch und Italienisch: Man kann sich so einen Sprach-Buddy holen und dann kann man mit dem in der Muttersprache einfach reden. Und das bringt nochmal sehr viel.

Christian: Brauche ich ein bisschen Grundvokabular, oder reicht auch der typische Langenscheidt-Tourismusführer?

Lennart: Kann man anfangen, mit den Leuten zu reden, und es bringt extrem viel. Das Lernen also regelmäßig ein bisschen bringt deutlich mehr, als an einem Tag das Ganze gehäuft. Also auch wenn die gleiche Zeit insgesamt investiert wird, das Verteilen ist eine wirklich gute Strategie.

Christian: Ja super, dann haben wir deine Lernstrategie auch noch mal so ein bisschen durchgegangen, das war auch sehr interessant. Und ja, ich würde mal sagen, wir haben thematisch jetzt eigentlich über alles gesprochen, was ich mir ausgesucht hatte. Vielleicht gibt es noch irgendwas, worüber du jetzt dringend sprechen möchtest? Hast du noch einen Tipp, beispielsweise für Online-Vorlesungen, wo man vielleicht gute Vorlesungen finden kann, oder irgendeinen Podcast, den du besonders empfehlen kannst?

Lennart: Also meine Podcasts, die ich höre, sind alle entweder Richtung Gaming, Informatik oder Psychologie. Für Psychologie ist da die American Psychological Association, die hat halt ihren eigenen Podcast. Dann gibt es einen weiteren, Psych 2 Go, wo immer aktuelle Veröffentlichungen besprochen werden. Wenn es so eine Schnittstelle sein soll: Psychology of Games ist ein sehr, sehr guter Podcast, wo es immer um diese Schnittstellen geht. Was da zum Beispiel extrem gut war, war wie bei League of Legends die Leute es geschafft haben, dass die negative Stimmung niedriger geworden ist, indem sie halt wirklich relativ kleine Kniffe benutzt haben, um halt einfach die Stimmung besser zu machen. Das fand ich extrem gut. Dann Tim Ferriss Podcast natürlich, der ist extrem gut. Und den Huberman Lab Podcast kann ich auch noch sehr empfehlen.

Christian: Also vielen Dank für das sehr interessante Gespräch, Lennart! Ich wünsche dir viel Erfolg mit deinen beiden Studiengängen, mit dem anschließenden Master-Studiengang. Hast du schon eine Hochschule rausgesucht, an der du dann den Master eventuell machen möchtest?

Lennart: Ich habe mir zwei Master bei der SRH rausgesucht aktuell. Der eine ist halt Wirtschaftspsychologie Master, und der zweite ist der UX- und Servicedesign Master. Hab mir auch schon angeschaut, dass man die kombinieren kann und wie man es auf die Reihe kriegt, also auch noch mal zwei Master dann sozusagen.

Christian: Also nochmal zwei, und dann schauen wir, wie das läuft, und dann den Informatik-Master noch hinterher. Das wäre dann quasi drei schwarze Gürtel im Kampfsport und dann nochmal vier schwarze Gürtel im Studium dazu. Also Lennart, schwarzer Gürtel als Studierender, wünsche dir auf jeden Fall viel Erfolg und vielen Dank für das Gespräch!

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