5 Wege, auf denen ihr den Realschulabschluss extern nachholen könnt

Das wichtigste will ich gleich sagen, noch bevor ich euch die Möglichkeiten aufzähle, mit denen ihr den Realschulabschluss nachholen könnt: Keine dieser Möglichkeiten ist einfach und bequem, ihr müsst euch, welche Möglichkeit ihr auch wählt, bewusst sein, dass ein bis zwei strapazierende Jahre auf euch zukommen. Fordernde Jahre, die ihr aber sehr oft auch genießen werdet und an die ihr euch wie an eure normale Schulzeit später gerne zurückerinnern werdet.

Was vorausgesetzt wird, wenn man die Schule nachholen will

Sämtliche Wege, den Realschulabschluss nachzuholen, führen zur Externenprüfung (Abbildung: © vectorfusionart/Fotolia)

Prinzipiell gibt es mindestens 5 Wege, auf denen ihr die mittlere Reife nachmachen könnt. Für jeden dieser Wege wird allerdings Folgendes vorausgesetzt, Freunde: 

  • euer Wille, was anzupacken und euch weiterzuentwickeln,
  • Durchziehvermögen, Ausdauer und Fokus,
  • Spaß am selbstständigen (lebenslangen) Lernen,
  • mindestens das Abgangszeugnis der Hauptschule.

Im Gegensatz dazu verbessert ihr eure Chancen auf dem Arbeitsmarkt enorm. Das heißt, dass ihr die Chance habt, eure eigene Situation und damit die Situation eurer Familie zu verbessern. 

Neben der mittleren werdet ihr auch persönliche Reife entwickeln. Darum geht es beim Realschulabschluss meiner Meinung nach nämlich hauptsächlich: seine Persönlichkeit zu entwickeln.

Möglichkeit 1: Mittlere Reife extern ohne Schule

Alle Wege zum Nachholen von Schulabschlüssen im Überblick (Quelle: Institut für Berufsbildung und Sozialmanagement)

Die erste Möglichkeit, die euch vorstelle, ist die sogenannte Externenprüfung. Das ist streng genommen auch die einzige Möglichkeit, denn alle anderen Möglichkeiten bereiten lediglich auf diese „Externenprüfung” vor.

Mit der Externenprüfung hat unser lieber Staat es seinen Bürgern per Gesetz ermöglicht, auf dem „2. Bildungsweg“ diverse Abschlüsse nachzumachen, so auch den Realschulabschluss. Also wer z.B. mit 30 plötzlich doch noch ein Abi braucht, kann das nachholen, ohne die Schule noch einmal zu besuchen. Er meldet sich dann über sein zuständiges Schulamt für die Prüfungen an.

Der Witz daran: Theoretisch könnt ihr euch allein, ohne jeglichen Unterricht, auf die Externenprüfung vorbereiten. So habe ich z.B. mein Abi nachgemacht (nachdem ich es in der 11. abgebrochen hatte). Keine Lehrer, keine Prüfungsvorbereitung, nur ich und die Lehrbücher, knapp 2 Jahre lang permanent lernen und üben, und nebenbei noch Zivildienst. Ich habs geschafft. Aber ich kann euch diese Variante nicht empfehlen. Ihr müsst schon sehr begabt sein, was „autodidaktisches” Lernen angeht (also ihr müsst gut darin sein, euch Sachen selbst beizubringen, ohne Lehrer).

  • Pro: Absolute Unabhängigkeit von Schulen, Anwesenheitspflichten usw.; kostet nix, außer Lehrbücher, die man sich besorgen muss
  • Kontra: Es gibt keine Anleitung. Ihr müsst euch Schulbücher selbst besorgen, niemand kontrolliert eure Lösungen etwa in Mathe, es gibt kein Feedback. 

Fazit: Wer sich für diese Einzelkämpfer-Variante entscheidet, muss schon ein bisschen eine Macke haben. Zumindest sollte er genau wissen, was er da vorhat.

Möglichkeit 2: Abendschule

Viele Volkshochschulen bieten die Möglichkeit, z.B. den Realschulabschluss nachzuholen. Der Unterricht findet dann meist abends statt, damit auch Berufstätige die Chance haben, einen Abschluss nachzumachen. Das läut dann im Prinzip ab wie in einer normalen Schule: Hingehen, berieseln lassen, ab nach Hause, Hausaufgaben. 

Abendschule habe ich auch mitgemacht, bevor ich mich zum Externenabitur entschieden hab. Ich musste dazu jeden Abend mit dem Zug in die Nachbarstadt. Die Klasse war ziemlich klein, ziemlich stark durchmischt (von ganz stark bis ganz schwach, von jung bis alt), und es war mir einfach zu langweilig und zu viel Zeitverschwendung. Die Klasse war in der Gefahr, wieder aufgelöst zu werden, sobald nicht mindestens so und so viel Leute teilnehmen. Ich hab mich trotzdem schnell wieder abgemeldet. War einfach nicht mein Ding. Das heißt aber nicht, dass es für andere nicht eine super Möglichkeit sein kann, die mittlere Reife nachzumachen.

  • Pro: Relativ günstig, bei mir waren es so 150 Euro pro Halbjahr, wenn ich mich richtig erinnere; kann auch neben dem Job absolviert werden; es gibt Lehrer, die bringen einem alles bei.
  • Kontra: Man muss sich im Endeffekt immer am Lerntempo der Klassenschwächsten orientieren. Kann schnell langweilig werden. Viel Zeit kann auch draufgehen, nur um zur Abendschule zu gelangen, falls sie nicht vor der Haustür liegt. 

Fazit: Gute Möglichkeit für alle, die in einer Mischungs aus Selbststudium und Unterricht lernen wollen, oder auch für Berufstätige. Am besten mit Auto.

Eine Übersicht über Abendschulen in eurer Nähe findet ihr hier: Abenschulen in Deutschland.

Möglichkeit 3: Realschulabschluss am Kolleg

Vielleicht gibt es in eurer Nähe ein Kolleg. Das könntet ihr dann besuchen wie eine ganz normale Schule, wenn ihr die Aufnahmevoraussetzungen erfüllt. Das Ding ist nur, dass man an einem Kolleg normalerweise das Abitur nachholt. Falls ihr noch keinen Realschulabschluss habt, könnt ihr an vielen Kollegs evtl. doch einsteigen, ihr macht dann erst einmal eine Art Vorstufe oder Einführungsphase mit, durch die ihr die mittlere Reife erwerben könnt. 

  • Vorteil: Lehrer, die einem alles beibringen; Mitschüler, mit denen man lernt; kostet meist nichts. Man kann gleich noch das Abi dranhängen. Gibt vielleicht sogar Schüler-BAFöG.
  • Kontra: Kostet sehr viel Zeit, weil man normale Unterrichtszeiten tagsüber hat. Man kann immer nur zum neuen Schuljahr einsteigen.

Fazit: Meiner Meinung nach die beste Möglichkeit für alle, die sich ein Selbststudium nicht zutrauen und die noch einmal Schulluft schnuppern wollen.

Eine Übersicht über Kollegs in eurer Nähe findet ihr hier: Kollegs in Deutschland.

Möglichkeit 4: Nachholen am Telekolleg

Das Telekolleg ist ein Angebot des Bayerischen Rundfunks, mit dessen Hilfe man in Bayern innerhalb von ca. 8 Monaten die mittlere Reife erlangen kann. Vorausgesetzt wird dafür allerdings eine abgeschlossene Berufsausbildung, oder Berufserfahrung von mindestens 4 Jahren. Schon allein deshalb fällt diese Möglichkeit für viele von euch flach.

Die ganze Geschichte läuft im Endeffekt so ab, dass ihr euch öffentlich-rechtlich vom „Bildungsfernsehen” bestrahlen lassen müsst (und so eurer Rundfunkgebühr nicht ganz verbranntes Geld ist). Ihr kennt ja sicher das Schulfernsehen vom Durchzappen. Dann nehmt ihr an den Abschlussprüfungen in Bayern teil. 

  • Pro: Schön lernen von auf der Couch. Freie Zeiteinteilung. Kostet insgesamt auch nur etwa 200 Euro. 
  • Kontra: Geht nur in Bayern. Der Abschluss wird nur in Bayern anerkannt, wenn ich das richtig verstanden habe. Man kann auch nicht jederzeit damit anfangen.

Fazit: Ehrlich gesagt kann ich mir noch kein Urteil darüber bilden. Vielleicht schreibt mal ein Teilnehmer was dazu in den Kommentaren. Nicht so schön auf jeden Fall, dass es nur in Bayern funktioniert.

Mehr Infos dazu hier.

Möglichkeit 5: Realschulabschluss über eine Fernschule

Bleibt als letzte Möglichkeit noch der Fernunterricht. Und zwar funktioniert der so, dass ihr euch über eine Fernschule für einen Kurs zum Realschulabschluss anmeldet. Es gibt vor allem 4 bekannte Fernschulen in Deutschland, die Studiengemeinschaft Darmstadt, die Fernakademie für Erwachsenenbildung, das Institut für Lernsysteme und die Hamburger Akademie für Fernstudien. Alle 4 Schulen gehören zur Klett-Gruppe, also so gesehen ist es nur 1 Anbieter. 

Neben diesen privaten Fernschulen gibt es noch die web-individualschule, deren Angebot sich aber vor allem an Hochbegabte, an Mobbing-Opfer und an Menschen mit psychischen Störungen richtet. Der Kurs kostet auch etwa 20000 Euro insgesamt.

Und es gibt noch die flex-fernschule, die für Schüler kostenlos ist, weil das Jugendamt sie bezahlt. Allerdings ist sie auf die Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz beschränkt.

Studienmaterialien der Studiengemeinschaft Darmstadt

Ablaufen wird das so, dass ihr euch an einer der Schulen anmeldet. Den ersten Monat könnt ihr schauen, ob die Schule euch liegt. Ihr bekommt dann die Lehrbücher regelmäßig zugeschickt, und ihr bereitet euch nach und nach auf die Externenprüfung vor (siehe Möglichkeit 1). Ihr macht auch Hausaufgaben, die eure „Fernlehrer” kontrollieren. Viel läuft über E-Mail, Telefon und Internet. 

  • Pro: Man kann jederzeit damit anfangen. Sehr flexibel, man kannst deine Zeit am besten einteilen und zuhause lernen; man bekommst alle Studienhefte zugeschickt, die Hefte bzw. Bücher sind extra für den externen Abschluss gemacht. Man kann auch schneller lernen und so den Realschulabschluss in beispielsweise 1,5 Jahren machen statt in 2.
  • Kontra: Kostet im Schnitt 130 Euro pro Monat, was sich nicht jeder leisten kann. Man kann sich aber vielleicht vom Amt fördern lassen.

Fazit: Wenn ich heute noch mal das Abi nachholen müsste, würde ich das nicht mehr im Alleingang machen, sondern über eine Fernschule (dann würde ich vielleicht auch einen besseren Schnitt als 3,5 hinbekommen). Das ist einfach sicherer und verlässlicher als der Alleingang, und flexibler als eine Abendschule. Die Lehrmaterialien sind viel viel besser als die Lehrbücher, durch die ich mich gekämpft habe. Damals wusste ich noch nicht, dass das geht. 

Mehr Infos dazu hier: So holt ihr den Realschulabschluss über eine Fernschule nach

Beitrag veröffentlicht vor 1 Jahr (aktualisiert vor 1 Jahr).

Über Wolf

Wolf

Wolf ist Redakteur, leidenschaftlicher Autodidakt, hat den Realschulabschluss mit 1,5 gemacht, sein Abi extern (3,6), hat in Göttingen, Jena, Berlin und an der FernUni studiert, und kann auch Latein, Altgriechisch, Französisch, Russisch und Englisch. Top, der Mann! Folge uns auf Facebook, um keine Beiträge von Wolf mehr zu verpassen.

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