Gliedern, Schreiben und Überarbeiten

Schreiben bzw. Text verfassen sowie Überarbeiten von wissenschaftlichen Arbeiten - Diplomarbeiten, Masterarbeiten etc.

Dienst am Leser

Schreibmaschine

Was Sie schreiben, ist nicht für Sie bestimmt, sondern für einen Leser; anderenfalls würden Sie Poesie verfassen. Versetzen Sie sich in den Leser. Was würde Ihnen gefallen, was würden Sie gerne lesen? Vielleicht so etwas (Kant, Einleitung zur Metaphysik der Sitten):

Aber ob dieses zwar für sich ein der Erwägung nicht unwürdiges Objekt wäre, zu fragen: ob die reine Philosophie in allen ihren Teilen nicht ihren besondern Mann erheische, und es um das Ganze des gelehrten Gewerbes nicht besser stehen würde, wenn die, so das Empirische mit dem Rationalen, dem Geschmacke des Publikums gemäß, nach allerlei ihnen selbst unbekannten Verhältnissen gemischt, zu verkaufen gewohnt sind, die sich Selbstdenker, andere aber, die den bloß rationalen Teil zubereiten, Grübler nennen, gewarnt würden, nicht zwei Geschäfte zugleich zu treiben, die in der Art, sie zu behandeln, gar sehr verschieden sind, zu deren jedem vielleicht ein besonderes Talent erfodert wird, und deren Verbindung in einer Person nur Stümper hervorbringt: so frage ich hier doch nur, ob nicht die Natur der Wissenschaft es erfodere, den empirischen von dem rationalen Teil jederzeit sorgfältig abzusondern, und vor der eigentlichen (empirischen) Physik eine Metaphysik der Natur, vor der praktischen Anthropologie aber eine Metaphysik der Sitten voranzuschicken, die von allem Empirischen sorgfältig gesäubert sein müßte, um zu wissen, wie viel reine Vernunft in beiden Fällen leisten könne, und aus welchen Quellen sie selbst diese ihre Belehrung a priori schöpfe, es mag übrigens das letztere Geschäfte von allen Sittenlehrern (deren Name Legion heißt), oder nur von einigen, die Beruf dazu fühlen, getrieben werden.

Alles verstanden beim ersten Lesen? Glückwunsch zu Ihrer Konzentrationsfähigkeit.

Bedenken Sie bitte beim Schreiben Ihrer Abschlussarbeit:

  • Der übermäßige Gebrauch von Fachvokabular ist kein Merkmal von Wissenschaftlichkeit.
  • Schachtelsätze sind kein Merkmal von Wissenschaftlichkeit
  • 10 Gliederungsebenen sind kein Merkmal von Wissenschaftlichkeit.
  • Eine abstrakte, unanschauliche Sprache ist kein Merkmal von Wissenschaftlichkeit.
  • Absätze, die über zwei Seiten gehen, und Absätze, die nur aus einem Satz bestehen, zeugen ebenso von schlechtem Stil.
  • Übermäßig viele Zitate sind kein Merkmal von Wissenschaftlichkeit.
  • Fußnoten sind nicht für Fließtext gedacht, sondern für Literaturverweise.

Das Zauberwort für guten Text heißt: Einfachheit. Stellen Sie sich vor, nicht Ihr Prof. wird Ihre Arbeit lesen, sondern ein Kind, dem Sie ihre komplexen Gedankengange leicht verständlich darlegen müssen.

Machen Sie es Ihrem Lesern einfach, den Text aufzunehmen. Und bieten Sie ihm eine Kost, die ihm Appetit auf mehr macht.

Gliederung des eigentlichen Textes

Die Gliederung ist das O einer erfolgreichen wissenschaftlichen Arbeit (wissen sie noch, was das A ist?). Jeder Gliederungspunkt, den Sie erschaffen, ist ein Gefäß, das Sie nach und nach zuerst mit Stichpunkten, dann mit ganzen Gedanken in Form von Sätzen und Absätzen füllen.

Verwenden Sie viel Zeit für die Gliederung Ihrer Diplomarbeit oder Masterarbeit, bevor Sie sich überhaupt ans Schreiben machen: Sie können sie natürlich immer wieder nachbessern, aber mit einer zu Beginn des Schreibprozesses sehr durchdachten Gliederung wird das nicht nötig sein.

Um Ihre Gliederung zu entwerfen, können Sie, nachdem Sie ein Thema für Ihre Arbeit festgelegt haben, in der Art eines Brainstormings vorgehen. Notieren Sie alles, was in Ihrer Arbeit unterkommen sollte, schreiben Sie soviel auf, wie Ihnen dazu einfällt. Wenn Ihnen das hilft, können Sie auch Software wie das Open-Source-Programm Freemind einsetzen. Was gilt es alles in Ihrer Arbeit zu untersuchen? Was sollte auf jeden Fall angesprochen werden? Wie viel müsste von jedem Aspekt erwähnt werden? Was kann und sollte alles nicht gesagt werden?

Sortieren Sie, erstellen Sie eine konkrete Hierarchie Ihrer Gedanken. Sie können vorerst auf viele Ebenen untergliedern. Die niedrigste Ebene sind dann die Stichpunkte, die Sie zu jedem Abschnitt machen.

Sie werden direkt in Ihrem Worddokument gliedern. Konkret bedeutet dies: Schreiben Sie die Überschriften der Hauptkapitel jeweils auf eine neue Seite und zeichnen Sie sie mit der Formatvorlage „Überschrift 1“ aus (siehe dazu auch hier). Darunter schreiben Sie vorläufige Überschriften der zweiten Ebene, die mit „Überschift 2“ ausgezeichnet werden. Eine dritte Ebene sei Ihnen noch erlaubt, sie wird mit „Überschrift 3“ ausgezeichnet. Alles weiteren Untergliederungen sind nur noch Ihre persönlichen Gedankenstützen. Hinzu kommen natürlich die Stichpunkte für jedes Kapitel.

Die Überschriften werden in wissenschaftlichen Arbeiten üblicherweise folgendermaßen nummeriert:


1    Literaturrecherche und Literaturbeschaffung. Oder: studieren heißt kopieren
1.1    Schneeballsystem
1.2    Internetquellen
1.3    Monografien, Sammelbände
1.3.1    Bibiliotheken, Verbundkataloge
1.3.2    Google Book Search
1.4    Unveröfentlichte Werke
2    Bibliografieren

 

Wenn Sie bereits vor dem eigentlichen Schreiben in Ihrem Worddokument eine entsprechende Struktur herstellen, können Sie die Gliederungspunkte sehr effektiv mit Inhalten befüllen. Zusätzlich lassen Sie sich am linken Bildschirmrand von Word die Gliederungsansicht anzeigen. So können Sie bequem zwischen den verschiedenen Teilen Ihres Dokumentes hin- und herspringen.

Vergessen Sie die fixe Idee, zu linear vorgehen zu wollen. Den ersten Satz können Sie auch zuletzt schreiben. Ein zu lineares Vorgehen wird Sie eher blockieren und behindern.

Schreibängste?

Die Angst vorm leeren Blatt: Sagen Sie bloß nicht, die hätten Sie auch. Was sollte ein leeres Blatt Ihnen schon antun? Schreibblockade … Firlefanz! Wer von sich sagt, eine Schreibblockade zu haben, der benutzt eher die falsche Strategie.

Zum Beispiel will er gleich mit der Einleitung zu schreiben beginnen. Wozu haben Sie sich denn mühsam eine Gliederung erstellt? Schreiben Sie zuerst den Teil, für den Sie ein Bild vor sich haben. Und sammeln Sie Ihre Ideen für die anderen Teile, schreiben Sie unter jeden Gliederungspunkt Stichpunkte, und zwar dann, wenn Sie Ihnen einfallen. Überhaupt – so wie Sie die Gliederungspunkte gesammelt haben, können Sie auch Stichpunkte sammeln. Merken Sie’s? Einen wissenschaftlichen Text zu verfassen, das heißt: zu 90 % andere Tätigkeiten als das Schreiben an sich auszuführen.

Nehmen Sie sich Schiller zum Vorbild. Der schrieb 1788 in einem Brief an Gottfried Körner:

Der Grund Deiner Klagen liegt, wie mir scheint, in dem Zwang, den Dein Verstand Deiner Imagination auflegte. Ich muß hier einen Gedanken hinwerfen und ihn durch ein Gleichniß versinnlichen. Es scheint nicht gut und dem Schöpfungswerke der Seele nachteilig zu seyn, wenn der Verstand die zuströmenden Ideen, gleichsam an den Thoren schon zu scharf mustert. Eine Idee kann, isolirt betrachtet, sehr unbeträchtlich und sehr abenteuerlich seyn, aber vielleicht wird sie durch eine, die nach ihr kommt, wichtig; vielleicht kann sie in einer gewissen Verbindung mit anderen, die vielleicht ebenso abgeschmackt scheinen, ein sehr zweckmäßiges Glied abgeben: – alles dies kann der Verstand nicht beurtheilen, wenn er sie nicht so lange festhält, bis er sie in Verbindung mit diesen anderen angeschaut hat. Bei einem schöpferischen Kopfe hingegen, däucht mir, hat der Verstand seine Wache von den Thoren zurückgezogen, die Ideen stürzen pêle-mêle herein, und alsdann erst übersieht und mustert er den großen Haufen.

Freie Assoziation, das macht den Geist locker. So sah das auch ein Zeitgenosse Schillers, Heinrich von Kleist, der in seinem berühmten Aufsatz Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden schrieb:

Wenn du etwas wissen willst und es durch Meditation nicht finden kannst, so rate ich dir, mein lieber, sinnreicher Freund, mit dem nächsten Bekannten, der dir aufstößt, darüber zu sprechen. Es braucht nicht eben ein scharfdenkender Kopf zu sein, auch meine ich es nicht so, als ob du ihn darum befragen solltest: nein! Vielmehr sollst du es ihm selber allererst erzählen. […] Ich glaube, daß mancher große Redner, in dem Augenblick, da er den Mund aufmachte, noch nicht wußte, was er sagen würde. Aber die Überzeugung, daß er die ihm nötige Gedankenfülle schon aus den Umständen, und der daraus resultierenden Erregung seines Gemüts schöpfen würde, machte ihn dreist genug, den Anfang, auf gutes Glück hin, zu setzen.

So gilt es auch für das Schreiben. Schreiben Sie drauf los, lassen Sie die Ideen pêle mêle fließen! Kümmern Sie sich nicht um Rechtschreibung noch um Stil – und wenn Ihnen gar nichts einfällt, schreiben Sie über das Wetter. Kürzen und redigieren können und müssen Sie hinterher immer noch genug.

Sowieso wird Ihnen das Schreiben leichter fallen, wenn Sie oft schreiben. Beginnen Sie den Tag mit einer Schreibübung. Schreiben Sie einen Brief, eine E-Mail, einen längeren Kommentar im Forum oder Blog Ihres Vertrauens. Aktivieren Sie den Teil in Ihrem Gehirn, der für’s Schreiben, für die Buchstaben, für Sprache nötig ist.

Ach ja. Solange nichts in Ihrem Kopf ist, gibt es auch nicht viel zu schreiben. Falls dem so ist, lesen Sie die Kapitel über Recherche und Lesen noch einmal.

Von Absätzen

AbsatzeichenWissen Sie, was ein Absatz ist? Einen Absatz erkennen Sie im Text als Ansammlung mehrer Sätze, die optisch voneinander getrennt werden. Im Internet – und immer öfter auch in Druckerzeugnissen – steht nach einem Absatz ein kleiner Leerraum (Durchschuss genannt) im Umfang von einer halben bis einer ganzen Zeile. Traditionellerweise aber wird ein neuer Absatz durch einen linken Einzug der ersten Zeile gekennzeichnet.

Ein Absatz beinhaltet meist einen gesamten Gedankengang. Halten Sie sich daran. Indem Sie versuchen, ein möglichst ausgeglichenes Absatz-Bild auf dem Papier zu erzeugen, bemühen Sie sich auch um ausgeglichene Gedankengänge. Fünf kurze Absätze mit je zwei Sätzen nacheinander zeugen nicht gerade von Gedankentiefe. Die Unruhe Ihrer Gedanken überträgt sich auf das Papier.

Denken Sie daran: Schreiben = Dienst am Leser. Machen Sie es dem Leser möglichst bequem in Ihrer Schrift. Ein ruhiges und ausgeglichenes Satzbild wird ihm das Lesen bedeutend vereinfachen.

Überschriften. Locken Sie den Leser

Überschriften, insbesondere Zwischenüberschriften, sollen, so hieß es schon weiter oben, dem Leser das Querlesen erleichtern. In Ihrer Diplomarbeit werden Sie wahrscheinlich weniger mit Zwischenüberschriften arbeiten, als es z. B. in Zeitungsartikeln üblich ist. Das heiß aber nicht, dass Sie nicht Wert auf gute, interessante Überschriften legen sollen. Wie bringen Sie den Leser Ihrer Diplomarbeit dazu, nicht das Gefühl zu haben, die Arbeit lesen zu müssen, sondern lesen zu wollen? Stellen Sie sich diese Frage immer wieder.

Überschriften sind eine Möglichkeit, das Interesse am Text zu wecken. So kann bereits anhand des Inhaltsverzeichnisses ersichtlich werden, dass ein Text interessant sein könnte. Versuchen Sie, von Werbetexten zu lernen. Freilich sollen Sie keine Headlines wie in Werbetexten verfassen, das wäre dem Inhalt Ihrer Arbeit wohl wenig angemessen, aber ein wenig Beachtung dürfen Sie Ihren Überschriften ruhig schenken.

Rechtschreibung oder: klinisch reine Texte

Rechtschreibung wird im Allgemeinen überbewertet. Jeder Korrektor wird Ihnen sagen, dass Ihre Diplomarbeit oder Masterarbeit keinen einzigen orthografischen Fehler enthalten sollte. Und tatsächlich wird eine schlechte Rechtschreibung die Glaubwürdigkeit Ihrer Arbeit beeinträchtigen. Aber die Rechtschreibung ist nicht das Wichtigste. Eine klinisch reine Arbeit mit schlechten Inhalten, bei der der Dreck unter den Teppich gekehrt wurde, wird Ihren Leser nur verwirren und verärgern. Umgekehrt ist eine vernünftige Rechtschreibung das I-Tüpfelchen auf eine gute Arbeit.

Selbstverständlich sollte ein Dissertation, die in einem Verlag veröffentlicht wird, eine perfekte Rechtschreibung pflegen. Man könnte denken, dass dafür der Verlag zuständig ist; aus Kostengründen aber werden Lektorat und Korrektorat gerade bei Dissertationsverlagen heute immer öfter den Autoren überlassen. Sollten Sie als Doktorand also eine Veröffentlichung in einem Verlag erwägen, rechnen Sie die Kosten für eine professionelle Korrektur durch einen professionellen Lektor oder Korrektor zum Druckkostenvorschuss hinzu. Es ist eine Investition in die Glaubwürdigkeit Ihrer Arbeit.

In Diplomarbeiten kann auch der ein oder andere Fehler enthalten sein; zu viele sollten es aber nicht sein. Schlagen Sie Wörter, bei denen Sie unsicher sind, im Duden nach, alternativ online über Canoo. Lassen Sie die Arbeit durch einen der Rechtschreibung kundigen Kommilitonen gegenlesen. Sie schreiben die Diplomarbeit oder Bachelorarbeit in der Regel nur ein Mal im Leben. Bewerten Sie Rechtschreibung und Grammatik daher nicht über, aber auch nicht unter.

Stilistisches. Texte ohne Ecken und Kanten

Sie haben, wenn Sie oft schreiben, sicher gleich Ihrer Handschrift eine bestimmte Art und Weise zu schreiben, Ihre Sätze und Gedanken zu arrangieren – bestimmte Wendungen, die nur bei Ihnen immer wieder zu lesen sind, eine eigene Zeichensetzung, eigenwilligen Satzbau. Stil dieser Art ist selten zu glätten, wenn er nicht aus einem gewissen Rahmen herausschlägt.

Es gibt allerdings auch stilistische Regeln, die Sie beherzigen sollten; das sind geschmackliche Konventionen, Regeln, die oft dem herrschenden Zeitgeist entsprechen.

Wissenschaftliche Texte, so meinen viele, sollen so objektiv wie möglich sein. Wenn Sie sich als  Subjekt in Ihre Diplomarbeit mit einbeziehen, häufiger also „ich“ schreiben, setzen Sie sich dem Verdacht aus, nicht objektiv genug zu sein. Oft wird das dadurch scheinbar gelöst, dass selbst der Autor der Arbeit gewissermaßen objektiviert wird: „Nach Ansicht des Autors der  vorliegenden Arbeit …“. Häufig wird auch die Meinung des Autors einfach verallgemeinert.

Stehen Sie zu Ihrer Meinung. Wenn Sie eine haben. Ihre Arbeit ist schon allein durch ihren Aufbau wertend. Scheuen Sie sich nicht, an geeigneten Stellen Ihre Meinung kundzutun und auch als solche kenntlich zu machen.
Eine Frage des Stils ist auch der Satzbau. Denken Sie an die Leseenergie Ihres Profs. Schreiben Sie einfache, ausgeglichene Sätze. Lange Sätze sind nicht verboten, aber sie sollten durch kurze Sätze wieder ausgeglichen werden. Schachtelsätze lassen sich meist in eine Reihe einfacher Sätze wieder auflösen. Ein Leser soll sich in Ihrem Text wohlfühlen, nicht eine konzentratorische Höchstleistung nach der anderen vollbringen.

Überhaupt: Ausgeglichenheit ist das Wort, das am ehesten mit gutem Stil in Zusammenhang zu bringen wäre. Mäßigen Sie sich in der Verwendung von Substantivierungen, verfallen Sie also nicht in das so genannte Beamtendeutsch. Verwenden Sie nicht übermäßig Satzzeichen wie Ausrufezeichen.
Schreiben Sie bildhaft. Verwenden Sie Verben, Substantive unter denen der Leser sich etwas vorstellen kann. Auch hier gilt: fein dosiert. Beweisen Sie Geschmack. Ein Text, der nur aus Metaphern besteht, ist ebenso anstrengend zu lesen wie ein abstraktes Pamphlet.

Tipp: Beschäftigen Sie sich ausführlich damit, was dieser Begriff alles bedeutet: Stil. Lesen Sie Texte, Bücher von großen Literaten, die es meisterhaft verstanden, mit Ihrer Sprache umzugehen. Lesen Sie Gedichte, um zu verstehen, wie durch wenig Worte viel Bild, viel Gefühl erzeugt werden kann.

Redaktion. Lektorat und Korrektorat Ihres Textes

Das größte Hindernis für eine gute Überarbeitung Ihres Textes ist, dass Sie zu sehr mit Ihrem Text verwachsen sind. Das sorgt für die so genannte Betriebsblindheit, durch die Sie einen für andere offensichtlichen Fehler immer wieder übersehen. Für dieses Problem gibt es mehrere Lösungen.

Sie müssen dissoziieren. Legen Sie Ihren Text für ein paar Tage beiseite. Machen Sie etwas völlig anderes, denken Sie nicht weiter über Ihre Diplomarbeit nach. Lösen Sie sich so weit es geht emotional von Ihrer Arbeit. Nach einigen Tagen drucken Sie Ihren Text aus. Lesen Sie wirklich einen Ausdruck – Ihr Prof. wird die Arbeit auch nicht am Bildschirm lesen. Das gibt Ihnen ein anderes Lesegefühl, das Ihnen dabei hilft, den Text aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Machen Sie sich Notizen an Stellen, die noch geändert werden sollte, überarbeiten Sie die Rechtschreibung. Versuchen Sie auch einmal, den Text aus der Perspektive eines Laien zu lesen. Und fragen Sie sich immer wieder: Ist dies ein Text, den ich als Leser gerne lesen würde, weil er mich interessiert, mich fesselt?

Eine andere Möglichkeit, die aber mit der erstgenannten korrespondieren kann oder sollte, ist es, den Text von anderen lesen zu lassen. Bedenken Sie, dass das Urteil von Familie und Freunden oft sehr milde ausfällt; auch Ihre Kommilitonen werden gewöhnlich keine Experten wie Sie auf dem Gebiet Ihrer Masterarbeit sein. Lassen Sie, wenn Sie sich das leisten wollen, Ihre Arbeit von einem professionellen Lektor überarbeiten, aber bitte von einem, der nicht nur die Rechtschreibung überarbeitet, sondern einer, der den Rest an Potenzial aus Ihrer Arbeit herausholt. Bezahlen Sie ihn gut, denn schlechtbezahlte Freiberufler kümmern sich um nicht mehr als das Notwendigste.

Software

Freemind, Mindmapping per Software

Internet

Canoo

Literatur

Dudenredaktion (Hrsg.): Duden 01. Die deutsche Rechtschreibung. Buch und CD-Rom. Nach den neuen, ab dem 1. August 2006 verbindlichen Rechtschreibregeln. Mannheim 2006. (Diese Ausgabe beinhaltet auch den Duden als Software für den PC. Das ermöglicht schnelles Nachschlagen und eine erste grammatikalische Heransgehensweise an Begriffe.)

Kommentare und Fragen

Herzlichen Dank. Dieser Ratgeber ist wirklich phantastisch und sollte eigentlich jedem/ jeder Verfasser_in einer Abschlussarbeit an die Hand gegeben werden. Er nimmt viel Druck und schärft den Blick für's Wesentliche.

Vielen Dank für den informativen Beitrag.