So war mein Fernstudium an der FernUni Hagen – Erfahrungen Wiwi + Kulturwissenschaft

Von Christian Wolf, Wissenschaftsredakteur
  • Ich habe vor einigen Jahren mehrere Semester Kulturwissenschaften und zwei Semester Wirtschaftswissenschaften an der FernUniversität Hagen studiert.
  • Ich fand das Fernstudium an der FernUni Hagen bzw. Fernstudium an sich damals so schwer, dass ich schließlich abgebrochen habe und mittlerweile im Präsenzstudium studiere. Anderen dürfte so ein Fernstudium aber deutlich leichter fallen, je nach Lebenslage.
  • Die Studienunterlagen an der FernUni finde ich sehr schlicht gestaltet, aber inhaltlich gut.
  • Das Preis-Leistungs-Verhältnis an der FernUni ist meiner Ansicht nach sehr gut.

Qualität der Studienmaterialen

Die meisten von euch interessieren sich wahrscheinlich, mit was für Unterlagen man an der FernUni lernt. Immerhin sind die Studienunterlagen der Dreh- und Angelpunkt für so ein Fernstudium. So sehen die Unterlagen beispielsweise im Studiengang Wirtschaftswissenschaft aus:

Unterlagen aus dem Bachelor-Studium Wirtschaftswissenschaften, nebst zusätzlich gekaufter Literatur zur Klausurvorbereitung

Semester für Semester bekommt man einen dicken, fetten Stapel an solchen Studienheften, die man durchackern muss. Was mir aufgefallen ist an den Materialien:

  • Die Qualität der Hefte an sich ist okay. Sie kommen gelocht daher, damit man sie abheften kann. Was man auch tun sollte, sonst fallen sie relativ leicht auseinander.
  • Die Schrift ist i.d.R. groß, sodass man die Inhalte gut lesen kann und gut mit den Heften arbeiten kann.
  • Die Gestaltung ist meist sehr schlicht, der Satz i.d.R. mit Word zurechtformatiert. Teilweise gibt es Satzfehler, über die man aber hinwegsehen kann.
  • Inhaltlich sind die Unterlagen natürlich auf hohem akademischen Niveau.
  • Digital gibt es die Hefte als PDF. Ich selbst kann mit PDFs überhaupt nicht arbeiten, weil man die Schriftgröße nicht anpassen kann und kaum markieren kann.
  • Zusatzmaterialien wir Onlinevorlesungen oder Podcasts usw. sind rar. Man lernt fast ausschließlich mit den Heften und Zusatzliteratur.

Ergänzt werden die Unterlagen durch die virtuelle Lernumgebung Moodle, über die man auch Kontakt zu Lehrkräften und Tutoren sowie Kommilitonen hat. Außerdem kommt man vor allem in lernintensiven Fächern nicht drum rum, sich gelegentlich Zusatzliteratur zu kaufen, aber das ist an allen anderen Hochschulen auch so.

Zum Vergleich: Studienhefte der Hochschule Macromedia und der Hochschule Fresenius, die teilweise aufwändig wie Zeitschriften gestaltet sind. Dafür zahlt man an diesen Hochschulen aber auch das Fünffache fürs Fernstudium

Fazit: Für den geringen Preis bekommt man sehr viel Inhalt in Papierform. Es lässt sich gut damit lernen. Wer digital mit Onlinevorlesungen, Podcasts, interaktiven Medien usw. lernen möchte, muss tiefer in die Tasche greifen und an einer der vielen privaten Fernhochschulen studieren. Für mich persönlich reichen die Studienunterlagen allein nicht aus, um fit in einem Fach zu werden, ich brauche Vorlesungen, Seminare und ständigen Kontakt zu Kommilitonen und Lehrkräften – deswegen studiere ich mittlerweile auch im Präsenzstudium. Mehr dazu in diesem Beitrag: Fernstudium vs. Präsenzstudium: Aus diesen 4 Gründen habe ich mich fürs Präsenzstudium entschieden.

Präsenzveranstaltungen

Je nach Studiengang sind mal mehr, mal weniger Präsenzveranstaltungen vorgesehen. Die Veranstaltungen sind eine super Möglichkeit, um Kommilitonen kennenzulernen und sich fachlich auszutauschen. Letzteres finde ich besonders wichtig, um durch das Studium durchzukommen; ich habe während meiner Zeit den Fehler gemacht, die vielen Veranstaltungs-Angebote der FernUni nicht wahrzunehmen, und mich überhaupt nicht vernetzt. Wenn man das konsequent von Anfang an macht, kommt man leichter durchs Fernstudium.

Details zu den Veranstaltungen:

  • Die Präsenzphasen finden in einem der vielen Regional- und Studienzentren der FernUni statt. Entsprechend entstehen hier ggf. Kosten für Anreise und Unterkunft. Berufstätige können für Präsenzen evtl. Bildungsurlaub in Anspruch nehmen.
  • Die wenigen Seminare werden üblicherweise in Form von sog. Blockseminaren abgehalten, der Unterricht finden dann ganztägig über 1–2 Tage statt.
  • Wenige Veranstaltungen sind verpflichtend, darüber hinaus gibt es ein größeres Angebot an fakultativen Veranstaltungen. Diese können teils auch in Form von Online-Seminaren absolviert werden.

Hier die Pflicht-Veranstaltungen der Bachelor-Studiengänge im Überblick:

StudiengangPräsenzphasen
Kulturwissenschaften (B.A.) in den Fachschwerpunkten Geschichte und Literaturwissenschaft muss ein 4-wöchiges Praktikum absolviert werden; zusätzlich müssen mindestens 3 Präsenzseminare besucht werden (Online-Seminare sind möglich)
Informatik (B.Sc.) diverse Programmierpraktika sind verpflichtend und gehen teils mit mehrtägigen Präsenzphasen einher
Bildungswissenschaft (B.A.) im Laufe des Studiums muss 1 Seminar besucht werden
Politikwissenschaft, Verwaltungswissenschaft, Soziologie (B.A.) 2 Präsenz- oder Online-Seminaren sind verpflichtend
Psychologie (B.Sc.) mindestens 2 Präsenzveranstaltungen sind Pflicht; hinzu kommt ein Pflichtpraktikum mit 210 Arbeitsstunden
Wirtschaftsinformatik (B.Sc.) 1 verpflichtendes Seminar
Mathematik (B.Sc.) 1 Proseminar, 1 Bachelorseminar sowie 1 Mathematisches Praktikum sind Pflicht
Rechtswissenschaft (LL.B.) Teilnahme an Arbeitsgemeinschaften in Studienzentrum im Umfang von 12 Stunden ist verpflichtend; Teilnahme an Workshop in Hagen ist Pflicht
Wirtschaftswissenschaft (B.Sc.) 1 verpflichtendes Seminar

Was die Betreuung angeht, darf man sich von der FernUni nicht allzu viel erwarten. Immerhin ist die FernUni mit über 75.000 Studierenden auf ca. 90 Profs und knapp 500 wissenschaftliche Mitarbeiter die größte Universität Deutschland.

In meinem Präsenzstudium ist es beispielsweise so, dass ich Belegungen zu Semesterbeginn immer mit einer persönlichen Mentorin besprechen muss; an die Mentorin kann ich mich auch mit allen möglichen Fragen wenden – an der FernUni gibt es das nicht. Wobei man natürlich trotzdem auch mal eine E-Mail mit einem Prof schreibt oder ein Telefonat führt. Wer persönlicher betreut werden will, muss tiefer in die Tasche greifen. An der IUBH Internationalen Hochschule beispielsweise gibt es ein Coaching-System, über das man sich jederzeit von einem sog. Study Coach beraten lassen kann.

Klausuren werden übrigens vor Ort in einem der Studienzentren geschrieben. Onlineklausuren wie bei AKAD oder an der IUBH gibt es regulär nicht.

Kosten und Studiengebühren

Die geringen Kosten sind für viele ausschlaggebend für die Entscheidung, das Fernstudium an der FernUni Hagen aufzunehmen. Studiengebühren gibt es an sich nicht, pro Semester fällt ein Studierendenschaftsbeitrag i.H.v. 11,– Euro an.

Was man an der FernUni zahlt, sind die sogenannten Materialbezugsgebühren. Das sind die Gebühren, die für die Bereitsstellung der Unterlagen anfallen. Wie hoch die sind, richtet sich danach, wie viele Module man im Semester belegt. Grob gesagt, zahlt man pro Semester (6 Monate) etwa 200–300 Euro. Bei mir war es damals so, dass ich auf Nachfrage die Beiträge auch in monatlichen Raten zahlen durfte.

Hier die Gesamtkosten für die einzelnen Studiengänge im Überblick:

StudiengangGesamtkosten
Kulturwissenschaften (B.A.) 1800,– Euro
Informatik (B.Sc.) 2000,– Euro
Bildungswissenschaft (B.A.) 1800,– Euro
Politikwissenschaft, Verwaltungswissenschaft, Soziologie (B.A.) 1800,– Euro
Psychologie (B.Sc.) 2000,– Euro
Wirtschaftsinformatik (B.Sc.) 2000,– Euro
Mathematik (B.Sc.) 1800,– Euro
Rechtswissenschaft (LL.B.) 2400,– Euro
Wirtschaftswissenschaft (B.Sc.) 2000,– Euro

Aber Achtung! Tatsächlich wird das Studium insgesamt doch deutlich teurer, weil man unter anderem für diese Dinge zusätzlich bezahlt:

  • Präsenzveranstaltungen und Anreisen zu Klausurterminen verursachen Kosten. Je nachdem, wo man lebt und wo sich das nächste Studienzentrum befindet, können so schnell Kosten im 4-stelligen Bereich für gesamte Studium hinzukommen.
  • Natürlich kauft man sich auch jede Menge Zusatzliteratur, beispielsweise Übungsbücher und zusätzliche Lehrbücher. Je nach Studiengang gehen da schnell mal 500,– Euro für das gesamte Studium drauf.
  • Für verschiedene Verwaltungsakte an der FernUni werden Gebühren fällig. Beispielsweise dann, wenn man sich nicht rechtzeitig rückgemeldet hat.

Ist das Fernstudium an der FernUni Hagen schwer?

Ob das Fernstudium schwer ist, lässt sich pauschal nicht so einfach beantworten. Für den einen wird es schwerer sein, für den anderen weniger.

Grundsätzlich sind die Fernstudiengänge meiner Meinung nach inhaltlich nicht schwerer als in vergleichbaren Präsenzstudiengängen. Andererseits beschäftigt man sich teilweise einfach weniger intensiv mit Themen, weil man fast immer nur mit Skripten lernt, statt über Vorlesungen, Seminare und Real-Life-Austausch mit Kommilitonen. In dieser Hinsicht machen es einem die privaten Fernhochschulen einfacher, weil man da mehr Lernmedien zur Verfügung gestellt bekommt.

Was das Fernstudium an der FernUni für mich so schwer gemacht, dass ich letztendlich abgebrochen habe und nun an einer Präsenzhochschule studiere:

  • Ich habe zur Zeit meiner Immatrikulation an der FernUni beruflich im Homeoffice gearbeitet. Nach Feierabend dann weiter am Schreibtisch sitzen zu bleiben, um zu lernen, habe ich damals nicht hinbekommen.
  • Durch den mangelnden Kontakt mit Kommilitonen war das ganze Studium für mich total entfremdet und ein reines Papierstudium. Ich habe den Fehler gemacht, keinen Offline-Kontakt zu anderen FernUni-Studis zu suchen.
  • Ich hatte schlicht und ergreifend keine Zeit für das Fernstudium. Jetzt studiere ich auch berufsbegleitend und in Teilzeit und weiß, wie wahnsinnig lernintensiv so ein Bachelor-Studium ist. 2 Tage die Woche sollten Minimum für ein berufsbegleitendes Studium reserviert sein. Damals habe ich mir das nicht einrichten können.
Wenn man im Fernstudium studiert, lernt man die meiste Zeit für sich alleine am Schreibtisch. Das macht ein Fernstudium schwerer als ein vergleichbares Präsenzstudium.
© derinphotography/Fotolia

Virtuellen Kontakt zu anderen Fernstudis zu halten, ist heute übrigens einfacher als noch vor 10 Jahren. Typischweise organisieren FernUni-Studierende sich heute über WhatsApp-Gruppen, über Communities wie fernstudi.net, über Facebook-Gruppen sowie Foren wie fernstudium-infos.de, fernuni-hilfe.de und studienservice.de.

Fazit: Ja, so ein Fernstudium ist verdammt schwer. Und auch etwas schwerer als ein Präsenzstudium. Aber es ist zu schaffen, was zahlreiche FernUni-Absolventen Jahr für Jahr unter Beweis stellen. Einfacher wird es, wenn man sich von Anfang an konsequent mit seinen Kommilitonen vernetzt.

Fazit: Pro und Contra FernUni Hagen

Würde ich noch einmal an der FernUni studieren? Ja. Aber wahrscheinlich nur im Akademiestudium. Das Akademiestudium ist eine Art Gaststudium, über das man einzelne Module absolvieren kann – was man übrigens auch prima nutzen kann, um ins Fernstudium an der FernUni hineinzuschnuppern.

Pro FernUni:

  • gute Möglichkeit, um sich berufsbegleitend weiterzubilden, wenn man keine Zeit für ein Präsenzstudium bzw. ein berufsbegleitendes Präsenzstudium hat
  • günstig im Vergleich zu privaten Hochschulen

Contra FernUni:

  • Studienmaterialien werden den vielen digitalen Möglichkeiten nicht wirklich gerecht; kaum Onlinevorlesungen und Podcasts, wenig Webinare, Studienhefte nur als PDF (statt auch als ePub)
  • wenig Kontakt zu Kommilitonen; virtueller Austausch beschränkt sich überwiegend auf organisatorische Fragen – im Präsenzstudium tauscht man sich mit Kommilitonen viel intensiver auch inhaltlich aus

Weiterführend

FernUni Hagen Fernstudium-Erfahrungen

 veröffentlicht vor 3 Wochen

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