Weiterbildung zum Betriebswirt: IHK-Betriebswirt vs. Staatlich geprüfter Betriebswirt vs. Zertifikatslehrgang?

Von Sabine Hutter, Redakteurin
· Letzte Aktualisierung 21.04.2020
  • Betriebswirt ist nicht gleich Betriebswirt. Es gibt enorme Unterschiede in den Ausbildungen bzw. Weiterbildungen. Viele Ausbildungen bereiten allerdings auf staatliche bzw. öffentliche-rechtliche Prüfungen vor, was die Qualität der Abschlüsse sichern soll.
  • Die Abschluss zum IHK-Betriebswirt ist einer der angesehendsten Betriebswirt-Abschlüsse. Die Prüfungen werden vor einer Industrie- und Handelskammer abgelegt, die Kurse sind vergleichsweise kurz.
  • Der Staatlich geprüfte Betriebswirt ist eine Aufstiegsfortbildung. Die Fortbildung ist anspruchsvoll, der Abschluss angesehen und im Anschluss können Absolventen sogar ein Studium an einer Hochschule aufnehmen.
  • Der Betriebswirt HWK ist eine Sonderform der Weiterbildung zum Betriebswirt, die Weiterbildung richtet sich an Handwerker. Geprüft wird vor einer Handwerkskammer.
  • Der geprüfte Betriebswirt ist ein Abschluss, der von verschiedenen Schulen angeboten. Jede Schule prüft selbst und kann ihr eigenes Zertifikat vergeben. Die Kurse sind von teils stark unterschiedlicher Qualtität.
  • Ein BWL-Studium mit Bachelor- oder Master-Abschluss bildet Betriebswirte innerhalb von 2–4 Jahren auf akademischem Niveau aus. Studiengänge werden sowohl von staatlichen Hochschulen als auch von privaten Hochschulen angeboten. Besonders beliebt unter den Master- Abschlüssen: Der MBA.

Der Betriebswirt IHK: Einer der wertvollsten Abschlüsse

Um den Betriebswirt vor einer Industrie- und Handelskammer ablegen zu dürfen, müssen Sie bereits eine Aufstiegsfortbildung absolviert haben, zum Beispiel zum Meister, zum Fachwirt oder zum Fachkaufmann.

Die nicht-akademische Weiterbildung gehört zu den höchsten Bildungsabschlüssen außerhalb einer universitären Ausbildung, die Sie in Deutschland erreichen können. In Hinblick auf den Wert der Weiterbildung setzt der Deutsche Qualifikationsrahmen den Betriebswirt IHK mit dem akademischen Master gleich.

Die Industrie- und Handelskammern orientieren sich an fächerübergreifenden Inhalten, die sich nicht auf eine bestimmte Branche konzentrieren, sondern an der Betriebswirtschaftslehre und ihren Teildisziplinen. Die Weiterbildungen mit Abschlussziel IHK-Prüfung zeichnen sich durch eine ausgewogene Mischung aus Praxisbezug und theoretischen Inhalten aus.

Diese Tabelle zeigt einige Fernkurse, die zum IHK-Abschluss führen:

KursSchuleDauerKosten
Geprüfter Technischer Betriebswirt IHK Studiengemeinschaft Darmstadt 18 Monate 154 EUR/Mon.
Geprüfter Technischer Betriebswirt (IHK) Institut für Lernsysteme 18 Monate 172 EUR/Mon.
Technischer Betriebswirt (IHK) Fernakademie für Erwachsenenbildung 18 Monate 172 EUR/Mon.
Geprüfter Technischer Betriebswirt (IHK) AKAD Weiterbildung 21 Monate 145 EUR/Mon.
Geprüfter Betriebswirt IHK Stiftung Handelsakademie Hessen-Thüringen 24 Monate 141 EUR/Mon.

Vorteile: 

  • Es gibt viele verschiedene Modelle, damit man den Betriebswirt mit den eigenen zeitlichen Möglichkeiten vereinbaren kann, z. B. Abendlehrgänge, Wochenendseminare, berufsbegleitende Kurse und Vollzeitweiterbildungen.
  • Der Betriebswirt IHK ist inhaltlich anspruchsvoll und bildet die Teilnehmer sehr breit gefächert weiter.
  • Der Abschluss genießt in der Wirtschaft – insbesondere in der Industrie – ein sehr hohes Ansehen.

Nachteile:

  • Die Zugangsvoraussetzungen sind relativ streng gefasst: Ohne abgeschlossene Berufsausbildung, Aufstiegsfortbildung und Berufserfahrung geht es nicht.
  • Die Kurse, insbesondere die Fernkurse, fokussieren auf den Technischen Betriebswirt und richten sich entsprechend vor allem an Meister, Techniker und Ingenieure.

Empfehlenswert für: Arbeitnehmer, die im kaufmännischen Bereich eine Aufstiegsfortbildung anstreben und idealerweise in der Industrie tätig sind.

Der Betriebswirt HWK: Speziell für Handwerksmeister

Der Betriebswirt der Handwerkskammer richtet sich speziell an Fach- und Führungskräfte, die im Handwerk tätig sind (z. B. Kfz-Mechatroniker, Maurer, Zimmerer).

Ziel dieser Weiterbildung ist es, diese Zielgruppe zur Gründung und Unternehmensführung von Handwerksbetrieben zu qualifizieren.

Der Betriebswirt HWK ist die höchste im Handwerk erreichbare Qualifikation. Auch hier besteht gemäß DQR eine Gleichstellung mit dem akademischen Master. 2011 wurde die Weiterbildung neu strukturiert und führt seitdem zu dem Titel „Geprüfter Betriebswirt (HwO)“, wobei HwO für die Handwerksordnung steht.

Vorteile: 

  • Der Betriebswirt HWK dauert bei Weitem nicht so lang wie der IHK-Betriebswirt oder der Staatlich geprüfte Betriebswirt. Selbst berufsbegleitend beträgt die Dauer nur ein Jahr, im Vollzeitmodus sogar nur ca. 3 Monate.
  • Die Weiterbildung weist einen sehr hohen Praxisbezug auf und ist ganz gezielt auf die Besonderheiten der Führungsarbeit in Handwerksbetrieben ausgerichtet.
  • Im Handwerk genießt dieser betriebswirtschaftliche Abschluss hohes Ansehen.
  • Die Weiterbildung kann mit dem Jahresurlaub und einem gut gefüllten Überstundenkonto oder wenigen Wochen unbezahlter Freistellung in Vollzeit absolviert werden, ohne die Berufstätigkeit unterbrechen zu müssen.

Nachteile: 

  • Der HWK-Betriebswirt eignet sich weniger für einen Einstieg in Industriebetriebe, da sich die Aufstiegsfortbildung zu stark an den Bedürfnissen des Handwerks ausrichtet. Industrieunternehmen bevorzugen meist Industriemeister mit entsprechender IHK-Weiterbildung zum Betriebswirt, die auch deutlich umfangreicher ist.

Empfehlenswert für: Arbeitnehmer, die im Handwerk eine Führungsposition anstreben, oder Handwerker, die Gründung eines eigenen Unternehmens anstreben.

Der Staatlich geprüfte Betriebswirt: Branchenübergreifende Weiterbildung

Die Aufstiegsfortbildung zum Staatlich geprüften Betriebswirt ist unabhängig von einer bestimmten Branche organisiert, sondern beschäftigt sich neutral mit den verschiedenen Teildisziplinen der Betriebswirtschaft.

Die Prüfung wird vor einer staatlichen Stelle abgelegt und führt zu einem der höchsten Abschlüsse, die man außerhalb einer Hochschule erlangen kann, dem Titel „Staatlich geprüfter Betriebswirt“. Innerhalb des Deutschen Qualifikationsrahmen steht der Staatlich geprüfte Betriebswirt auf einer Stufe mit dem akademischen Bachelor, ist also etwas unterhalb der HWK- und IHK-Angebote angesiedelt.

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Hier eine Reihe an berufsbegleitenden Lehrgängen zum Staatlich geprüften Betriebswirt auf einen Blick:

KursSchuleDauerKosten
Staatlich geprüfter Betriebswirt Fernakademie für Erwachsenenbildung 36 Monate 158 EUR/Mon.
Staatlich geprüfter Betriebswirt Studiengemeinschaft Darmstadt 36 Monate 184 EUR/Mon.
Staatlich geprüfter Betriebswirt Institut für Lernsysteme 36 Monate 158 EUR/Mon.
Staatlich geprüfter Betriebswirt Hamburger Akademie für Fernstudien 36 Monate 158 EUR/Mon.

Vorteile: 

  • Verglichen mit dem Betriebswirt IHK sind die Zugangsvoraussetzungen zum Staatlich geprüften Betriebswirt deutlich weniger streng. Eine Aufstiegsfortbildung (z. B. Meister, Fachwirt) ist hier nicht erforderlich, lediglich eine abgeschlossene Berufsausbildung und Berufserfahrung werden vorausgesetzt.
  • An staatlichen Fachschulen für Wirtschaft ist die Teilnahme bis auf ein vergleichsweise kleines Schulgeld kostenfrei.
  • Der Staatlich geprüfte Betriebswirt wird in sehr vielen verschiedenen Durchführungsvarianten angeboten, vom Präsenzlehrgang an einer Fachschule bis hin zum Fernlehrgang mit nur wenigen Präsenzphasen.
  • Der Abschluss ist in der Wirtschaft gut angesehen.
  • Der Abschluss fokussiert auf eine Reihe an Themen, die Absolventen je nach Interessen wählen können, etwa Finanzwirtschaft, Marketing oder auch Wirtschaftsinformatik.

Nachteile: 

  • Kommt der Besuch einer staatlichen Fachschule nicht in Frage, bleiben nur die oft sehr hochpreisigen privaten Anbieter. Hier kann der Kurs mit mehreren tausend Euro zu Buche schlagen.
  • Der zeitliche Aufwand für den Staatlich geprüften Betriebswirt ist mit dem des IHK-Betriebswirts vergleichbar, gemäß dem DQR steht der Wert des Abschlusses aber niedriger.

Empfehlenswert für: Arbeitnehmer, die sich neben dem Beruf weiterbilden und für die der IHK-Betriebswirt nicht in Frage kommt, und Arbeitnehmer, für die die Möglichkeit des Besuchs einer Fachschule für Wirtschaft besteht.

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Geprüfter Betriebswirt: Der „kleine“ Betriebswirt mit Zertifikat

Sehr viele unterschiedliche Institute und auch Hochschulen bieten sogenannte Zertifikatslehrgänge an. Dabei legen die Teilnehmer keine staatliche oder IHK-Prüfung ab, sondern erhalten ein Teilnahmezertifikat oder die Bestätigung über eine interne Prüfung. Die Inhalte und die Schwerpunkte unterscheiden sich ebenso wie die Dauer und zeitliche Organisation. Sie eignen sich vor allem dann, wenn es den Teilnehmern weniger auf den Abschluss, sondern mehr auf die zeit- und kostengünstige Erweiterung ihres Wissens im betriebswirtschaftlichen Bereich ankommt. Eine Anerkennung auf DQR-Niveau besteht für solche Lehrgänge in aller Regel nicht.

Positiv tun sich in diesem Bereich aber Zertifikatslehrgänge hervor, die von Hochschulen angeboten werden und durch die Betreuung seitens Universitätsprofessoren ein gewisses akademisches Niveau aufweisen können. Ein Beispiel hierfür ist das Fernstudium „Betriebswirt (IWW)“ vom Institut für Wirtschaftswissenschaftliche Forschung und Weiterbildung GmbH, ein Institut an der Fernuniversität Hagen.

Einen guten Überblick über bestehende Weiterbildungsmöglichkeiten gibt diese Tabelle:

KursAnbieterAbschlussDauerKosten
Betriebswirtschaft und Management Europäische Fernhochschule Hamburg Hochschulzertifikat 8 Monate 280 EUR/Mon.
Intensivkurs Betriebswirtschaftslehre und betriebliches Management IWW Hagen Zertifikat 9 Monate 233 EUR/Mon.
Betriebswirt (IWW) IWW Hagen Betriebswirt (IWW) 9 Monate 416 EUR/Mon.
Betriebswirt AFW afw Wirtschaftsakademie Bad Harzburg Harzburg-Diplom 24 Monate 118 EUR/Mon.
Geprüfter Betriebswirt IUBH IUBH Internationale Hochschule Betriebswirt/-in (IUBH) 18 Monate 329 EUR/Mon.
Betriebswirtschaft PFH Professional School Hochschulzertifikat 12 Monate 206 EUR/Mon.
Ökonom (IUBH) IUBH Internationale Hochschule Ökonom/-in (IUBH) 9 Monate 319 EUR/Mon.

Vorteile: 

  • Man erlangt die betriebswirtschaftlichen Kenntnisse häufig in kürzerer Zeit, weil Zertifikatslehrgänge auf eine kürzere Dauer ausgelegt sein bzw. kompakter organisiert sein können.
  • Einen Zertifikatslehrgang können Teilnehmer gewöhnlich auch dann absolvieren, wenn sie weder über eine Aufstiegsfortbildung noch über langjährige Berufserfahrung verfügen – kurzum: Die Teilnahmevoraussetzungen sind oft minimal.
  • Zertifikatslehrgänge sind häufig deutlich günstiger als Kurse mit einer staatlichen oder IHK-Prüfung.
  • Zertifikatslehrgänge sind häufig auf bestimmte Branchen oder Tätigkeiten ausgerichtet (z. B. Medienbetriebswirt, Hotelbetriebswirt, IT-Betriebswirt) und sind so eine sinnvolle Ergänzung für Arbeitnehmer, die in den jeweiligen Bereich einsteigen wollen oder dort bereits tätig sind.
  • Es gibt eine große Auswahl von Anbietern, sodass sich jeder Interessent genau das Angebot aussuchen kann, das ihm persönlich am meisten bringt.

Nachteile: 

  • Da es entweder keine oder nur eine institutsinterne Prüfung gibt, erwerben die Teilnehmer auch keine offizielle Berufsbezeichnung.
  • Bei allgemein ausgerichteten, betriebswirtschaftlichen Zertifikatslehrgängen ist eine Spezialisierung auf eine bestimmte Branche oder Funktion meist nicht möglich.
  • Zwar sind die Weiterbildungsbemühungen von Arbeitnehmern bei Arbeitgebern immer gern gesehen. Allerdings lässt sich natürlich nicht verleugnen, dass Zertifikatslehrgänge in Hinblick auf das Ansehen nicht mit „richtigen“ Abschlüssen mithalten können.

Empfehlenswert für: Arbeitnehmer, die sich im betriebswirtschaftlichen Bereich weiterbilden möchten, jedoch auf einen Berufsabschluss keinen Wert legen; Arbeitnehmer, die die Voraussetzungen für die umfangreicheren Weiterbildungskonzepte nicht mitbringen; Unternehmer.

Fernstudium BWL: Betriebswirt mit Bachelor- oder Master-Abschluss

Ein Bachelor- oder Master-Abschluss ist einer der hochwertigsten Abschlüsse im Bereich BWL, die Sie erwerben können. Ein Bachelor-Abschluss ist dem Staatlich geprüften Betriebswirt in etwa gleichgestellt und ähnlich angesehen.

Noch hochwertiger sind MBA-Abschlüsse. Das Besondere an MBA-Studiengängen sind nicht die Studieninhalte, sondern für allem die Networking-Möglichkeiten während des Studiums.

Hier die interessantesten berufsbegleitenden BWL-Studiengänge auf einen Blick:

StudiengangHochschuleAbschlussDauerKosten
Betriebswirtschaftslehre AKAD University Bachelor of Arts (B.A.) 6 Semester 1944 EUR/Sem.
General Management AKAD University Master of Business Administration (MBA) 4 Semester 3630 EUR/Sem.
International Business Administration Europäische Fernhochschule Hamburg Bachelor of Arts (B.A.) 6 Semester 1674 EUR/Sem.
General Management Europäische Fernhochschule Hamburg Master of Business Administration (MBA) 4 Semester 3474 EUR/Sem.
Betriebswirtschaftslehre IUBH Internationale Hochschule Bachelor of Arts (B.A.) 6 Semester 2034 EUR/Sem.
Master of Business Administration IUBH Internationale Hochschule Master of Business Administration (MBA) 2 Semester 4673 EUR/Sem.
Betriebswirtschaftslehre Hochschule Fresenius Bachelor of Arts (B.A.) 6 Semester 1770 EUR/Sem.
Business Administration IST-Hochschule für Management Bachelor of Arts (B.A.) 6 Semester 2094 EUR/Sem.
General Management Hochschule Macromedia Bachelor of Arts (B.A.) 6 Semester 1974 EUR/Sem.

Vorteile:

  • Umfassende Grundlagenausbildung in allen Themenbereichen der Betriebswirtschaftslehre.
  • Spezialisierung auf einzelne Interessengebiete in den meisten Studiengängen möglich.
  • Sehr hochwertiger Abschluss, der eine Karriere mit Führungspositionen ermöglicht.
  • Studium in Form eines Fernstudiums auch berufsbegleitend möglich.

Nachteile: 

  • Sehr viel Theorie, weniger Praxisbezug in vielen Studiengängen.
  • Studium dauert sehr lange und ist enorm zeitaufwändig.

Geeignet für: Alle, die eine Führungsposition beispielsweise als Teamleitung oder in der Geschäftsführung anstreben; Unternehmer, die ein eigenes Unternehmen führen oder gründen möchten.

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Fazit

Welche Weiterbildung zum Betriebswirt bzw. zur Betriebswirtin die richtige für Sie ist, hängt ganz von Ihren Zielen ab. Häufig muss es gar keine aufwändige Aufstiegsfortbildung sein.

  • Die hochwertigstens Abschlüsse sind der Staatlich geprüfte Betriebswirt, der IHK-Betriebswirt und das BWL-Studium mit Bachelor- oder Master-Abschluss.
  • Hochwertig sind auch Zertifikatskurse, die von Hochschulen angeboten werden, etwa vom IWW der FernUni Hagen oder von der IUBH Internationalen Hochschule.
  • Zertifikatskurse zum Geprüften  Betriebswirt eignen sich für alle, die primär lernen und ihr Wissen erweitern wollen, beispielsweise Existenzgründer.

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