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Nanodegrees und Microcredentials: Akademische Weiterbildung im Schnellformat

Nicht jede Weiterbildung muss drei Jahre dauern. Nanodegrees – auch Microcredentials genannt – sind kompakte Hochschulzertifikate, die du in 2–6 Monaten berufsbegleitend abschließen kannst. Meistens bestehen sie aus einem einzelnen Modul, das mit 5–15 ECTS abschließt und auf ein späteres Studium angerechnet werden kann. Die Kosten liegen bei etwa 500–1.150 €. Ideal für alle, die gezielt eine Kompetenz aufbauen wollen, ohne sich gleich für ein ganzes Studium zu verpflichten.

  • Nanodegrees = kompakte Hochschulzertifikate, 2–6 Monate, 5–15 ECTS.
  • Module oft inhaltlich identisch mit regulären Studiengängen → ECTS auf späteres Studium anrechenbar.
  • Kosten: ca. 500–1.150 € gesamt, teils AZAV-zertifiziert (Bildungsgutschein möglich).
  • Anbieter: AKAD, WBH, Euro-FH, Allensbach, Hochschule Wismar, Udacity.
  • Kein Berufsabschluss, aber ein akademischer Kompetenznachweis mit echten Credit Points.

Was sind Nanodegrees und Microcredentials?

Nanodegrees (auch Nano Degrees, Microcredentials oder Micro-Degrees) sind kurze, spezialisierte Bildungsprogramme auf Hochschulniveau. Als Hochschulzertifikate bestehen sie oft nur aus einem Modul oder einer kleinen Modulgruppe – anders als klassische Hochschulzertifikate, die über ein bis zwei Semester gehen können.

Das Besondere: Bei vielen Hochschulen sind die Module dieser Programme inhaltlich identisch mit denen regulärer Studiengänge. Du lernst denselben Stoff, machst dieselbe Prüfung – nur eben als eigenständiges Kurzprogramm statt als Teil eines Bachelors oder Masters.

Neben den akademischen Varianten gibt es auch nichtakademische Nanodegrees – z.B. von Udacity – die praxisorientierte Zertifikate für Spezialwissen vergeben (vergleichbar mit Scrum-Master-Kursen). Diese vergeben keine ECTS.

Was bringt ein Nanodegree?

Ein Nanodegree ist kein Berufsabschluss und kein Studienabschluss. Er ist ein akademischer Kompetenznachweis – mit konkretem Nutzen:

  • ECTS-Punkte: 5–15 Credit Points, die fast ausnahmslos auf ein späteres Studium mit entsprechenden Inhalten angerechnet werden können
  • Gezielter Kompetenzaufbau: Du lernst genau ein Thema – Betriebspsychologie, IT-Sicherheit, Projektmanagement – ohne den Ballast eines ganzen Studiengangs
  • Geringer Zeitaufwand: 2–6 Monate, ca. 125 Stunden Gesamtaufwand – machbar neben Vollzeitjob
  • Einstieg ohne Hürden: Oft ohne Bewerbung, ohne Abitur, ohne besondere Voraussetzungen – die meisten Programme sind für alle zugänglich
  • Perspektive: Wer später ein volles Studium beginnen will, hat bereits ECTS gesammelt und weiß, ob das akademische Format zu ihm passt

Wichtig: Aufstiegsfortbildungen (Meister, Techniker, Fachwirt) sind eine andere Kategorie – sie führen zu einem eigenen Berufsabschluss und sind über das Aufstiegs-BAföG förderbar. Nanodegrees ersetzen keine Aufstiegsfortbildung.

Wo kannst du Nanodegrees machen?

Die bekanntesten Anbieter von Nanodegrees mit Hochschulzertifikat und ECTS in Deutschland:

  • AKAD University: Breites Angebot von Betriebspsychologie bis Wirtschaftsmathematik
  • Wilhelm Büchner Hochschule: Kompakte Kurse in Informatik und Technik
  • Euro-FH: Wirtschafts- und managementorientierte Programme
  • Allensbach Hochschule: Wirtschaftswissenschaftliche Zertifikate
  • Hochschule Wismar: Breites Fachspektrum
  • Udacity: Nichtakademische Nanodegrees, praxisorientiert (KI, Data Science, Programmierung)

Beispiele für Nanodegrees und Hochschulzertifikate:

Was kostet ein Nanodegree?

Die Kosten variieren je nach Anbieter und Umfang. Grobe Orientierung:

AnbieterMonatliche KostenGesamtkostenDauer
Allensbach Hochschule Ab ca. 150 € Ab ca. 500 € 3–4 Monate
AKAD University Ca. 250 € Ca. 1.000 € 4 Monate
Euro-FH Ca. 250 € Ca. 1.000 € 4 Monate
Wilhelm Büchner Hochschule Ca. 575 € Ca. 1.150 € 2 Monate
Hochschule Wismar Variiert Ca. 1.000–1.500 € 3–6 Monate

Die Hochschulzertifikate der Nanodegrees kosten monatlich etwas mehr als die zugehörigen Studiengänge – was logisch ist, weil die Fixkosten (Betreuung, Prüfung, Zertifikat) auf eine kürzere Laufzeit verteilt werden.

Hier fünf weitere Kurse zum Kostenvergleich:

Weitere Nanodegrees im Kostenvergleich
KursAnbieterStudiendauerKosten
4 Monateab 996 € insgesamt
ab 249 € monatlich
2 Monateab 1150 € insgesamt
ab 575 € monatlich
4 Monateab 796 € insgesamt
ab 199 € monatlich
2 Monateab 990 € insgesamt
ab 165 € monatlich
3 Monateab 1990 € insgesamt

Nanodegree vs. Studium vs. Weiterbildung: Was passt zu dir?

NanodegreeHochschulzertifikat (klassisch)Bachelor/MasterAufstiegsfortbildung
Dauer 2–6 Monate 6–12 Monate 3–6 Jahre 6–24 Monate
ECTS 5–15 15–60 180–300
Kosten 500–1.150 € 1.000–5.000 € 1.200–15.000+ € 2.000–8.000 €
Abschluss Hochschulzertifikat Hochschulzertifikat Akademischer Grad Berufsabschluss (DQR 6)
Voraussetzungen Meist keine Meist keine Abitur/FHR/Berufserfahrung Ausbildung + Erfahrung
Ideal für Gezielte Kompetenz, Schnupper-ECTS Tiefere Spezialisierung Vollständige Qualifikation Meister, Techniker, Fachwirt

Nanodegrees sind besonders sinnvoll, wenn du:

  • Gezielt eine Kompetenz aufbauen willst (z.B. Projektmanagement, IT-Sicherheit, Betriebspsychologie)
  • Testen willst, ob akademisches Lernen überhaupt zu dir passt – bevor du dich für ein ganzes Studium einschreibst
  • Bereits ECTS sammeln willst, um ein späteres Studium zu verkürzen
  • Deinem Lebenslauf einen akademischen Kompetenznachweis hinzufügen willst, ohne 3 Jahre zu investieren

So läuft ein Nanodegree ab

Am Beispiel der AKAD University: Du meldest dich online an – ohne Bewerbung oder Auswahlverfahren. Ab Start hast du einen 4-wöchigen Testzeitraum, um zu entscheiden, ob das Programm passt. Im Nanodegree bearbeitest du ein einzelnes Modul, das in mehrere Bausteine unterteilt ist. Die Inhalte werden über Studienbriefe vermittelt und mit Online-Übungen zwischengeprüft.

Der Abschluss erfolgt über einen Kompetenznachweis – meist ein Assignment (wissenschaftliche Kurzarbeit, 8–12 Seiten) oder eine Online-Klausur, je nach Anbieter und Modul. Nach Bestehen erhältst du das Hochschulzertifikat mit ECTS-Bescheinigung.

Häufige Fragen zu Nanodegrees

In den allermeisten Fällen ja. Da die Module oft inhaltlich identisch mit denen regulärer Studiengänge sind, werden die ECTS bei der jeweiligen Hochschule in der Regel direkt angerechnet. Bei einem Wechsel an eine andere Hochschule entscheidet deren Prüfungsausschuss über die Anerkennung. Erkundige dich vor dem Start bei der Zielhochschule, ob die konkreten Module anerkannt werden.

Nein. Die meisten Nanodegree-Programme sind ohne besondere Voraussetzungen zugänglich – kein Abitur, keine Berufserfahrung, oft nicht einmal eine formale Bewerbung. Manche Anbieter geben Empfehlungen zu Vorkenntnissen, setzen diese aber nicht zwingend voraus. Das macht Nanodegrees auch für Nicht-Akademikerinnen und Nicht-Akademiker zu einer attraktiven Option.

Praktisch keiner. Beide Begriffe bezeichnen kompakte, spezialisierte Bildungsprogramme, die in wenigen Monaten abgeschlossen werden und einen Kompetenznachweis liefern. „Microcredential“ ist der von der EU bevorzugte Fachbegriff, „Nanodegree“ stammt ursprünglich von Udacity. Deutsche Hochschulen verwenden beide Begriffe – oder listen die Programme einfach unter „Hochschulzertifikate“.

Akademische Weiterbildung muss nicht Jahre dauern

Nanodegrees sind kein Ersatz für ein Studium – aber ein kluger Einstieg. Sie geben dir ECTS, einen Kompetenznachweis und die Möglichkeit, akademisches Lernen auszuprobieren, bevor du dich langfristig verpflichtest. Und wenn du später doch ein volles Studium beginnst, hast du bereits einen Vorsprung.

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