Fernabitur: Durchfallquoten und Abbrecherquoten

Christian Wolf
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Zum Thema Durchfallquoten beim Fernabitur bzw. Abitur auf dem zweiten Bildungsweg gibt es nur wenig verlässliche Informationen im Netz zu finden. Das liegt zu einem Teil daran, dass die Fernabi-Fernschulen ungern Informationen zu den Durchfallquoten herausgeben, verständlicherweise, sie wollen ja keine potenziellen Kunden verschrecken. Für alle, die sich näher für dieses Thema interessieren, im Folgenden einige Informationen.

Beim Fernabi durchfallen? Das passiert den wenigsten. Viele aber brechen ab. (Abbildung: © Felix Pergrande/Fotolia)

90 % bestehen das Externenabitur

Im Internet lassen sich unterschiedliche Zahlen zur Durchfallquote für das Fernabitur recherchieren. Wie es aussieht, liegt die Durchfallquote für diejenigen, die die Probeklausuren bestanden haben, bei etwa 10 % - erstaunlich niedrig! Dennoch gibt es viele negative Berichte, die sich entsprechend zu den Quoten der Fernschulen ILS, SGD, HAF und FEB äußern.

Durchfallquoten niedrig, Abbrecherquoten hoch

Die negativen Berichte kommen wohl daher, dass nicht ausreichend zwischen Durchfallquote und Abbrecherquote unterschieden wird. Die Abbrecherquote für das Fernabitur dürfte wohl tatsächlich ziemlich hoch sein, ich schätze, dass sie bei 80 bis 90 % liegt. Woran liegt das? Für einen vorzeitigen Abbruch des Abiturs auf dem zweiten Bildungsweg kann es ganz verschiedene Gründe geben, die in keinem Fall bei den Fernschulen zu suchen sind, sondern bei den Schülern selbst ...

  • Naivität: Viele angehende Fernschüler informieren sich einfach nicht ausreichend darüber, was auf sie zukommt, wenn sie sich für ein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg entscheiden. Im Klartext heißt das: 2 bis 3 oder sogar 4 Jahre Abitur sind kein Zuckerschlecken. Das Abitur wird nicht verschenkt! Wer sich nicht bewusst darüber ist, dass das Abi wohl kaum auf 1 Jahr verkürzt werden kann, sollte gar nicht erst damit beginnen.
  • Mangelnde Information: Bevor das Fernabitur begonnen wird, sollte man sich ausführlich über alle Fernschulen informieren. Anhaltspunkte können die Studienmaterialien und die Studienführer der Fernschulen sein (siehe unter Welche Fernschule soll ich wählen). Viele Informationen und auch Interviews zum Fernabitur finden sich auch hier im Blog auf fernstudi.net: Fernabitur, alle Artikel im Blog.
  • Zu wenig Motivation: Wer sich auf das Abitur über eine Fernschule vorbereitet, sollte sich im Klaren darüber sein, dass er über einen Zeitraum von mehreren Jahren hohe Lernmotivation aufbringen muss. So, wie er normalerweise an ein Gymnasium gegangen ist, sollte er Tag für Tag und Woche für Woche mit den Lernmaterialien der Fernschulen verbringen, Übungsaufgaben lösen und auch immer ein bisschen mehr machen, als es die Fernschule vorschlägt. Motivation ist einer der wichtigsten Punkte, der nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollte.
  • Zu wenig Zeit: Natürlich ist es möglich, das Fernabitur in einem Jahr zu absolvieren. Aber das werden die wenigsten schaffen. Die wenigsten werden auch nur 5 Stunden die Woche zum Lernen aufbringen müssen. Die Regel ist eher, dass 20 Stunden die Woche und mehr aufgebracht werden müssen, vor Prüfungen vielleicht sogar doppelt soviel. Man sollte sich immer vor Augen halten, was für einen vollen Stundenplan normale Gymnasiasten haben, daran kann man sich orientieren. Das Fernabitur neben einem Beruf zu absolvieren, ist auch möglich, aber wirklich hart, das sollte sehr gut durchdacht und geplant sein.
  • Mangelnde Organisation: Wer sich Lernzeiten nicht fest einplant, sich selbst einen Stundenplan erstellt, sich einen festen Lernort einrichtet, wird es verdammt schwer haben, bis zu den Abiturprüfungen zu gelangen. Organisation ist neben Motivation das A und O für ein bestandes Abitur auf dem zweiten Bildungsweg.
  • Falsche Lerntechniken: Die Fernschulen bieten zwar die Studienmaterialien, überprüfen die Einsendeaufgaben und organisieren Probeklausuren, aber letztendlich lernt jeder Fernschüler autodidaktisch. Zu Beginn des Fernunterrichts sollte man also erst einmal gründlich lernen zu lernen: mit Karteikarten, Vokabelprogrammen, zusätzlichen Übungsbüchern, Audiorekordern und vielem mehr.

Letztendlich sind die Abbrecherquoten an Fernschulen geringer als die von Fernschülern, die sich komplett ohne „Support“ auf das Abitur vorbereiten. Wer die o.g. Dinge beherzigt, sollte zu denjenigen gehören, die das Fernabitur mit Bravour und Leichtigkeit meistern.

Fernabitur und Fachabitur: Alle Kurse im Überblick

Update 09/2017: Ergänzend schließlich hier noch die Möglichkeiten, die es gibt, sich per Fernstudium aufs Abitur vorzubereiten. Zusätzlich zähle ich auch noch die wichtigsten Fachabitur-Fernkurse auf, für alle, die etwas Zeit sparen wollen und lieber das Fachabi machen möchten.

AbikursFernschuleAbschlussDauer
Abitur, Einstieg mit Hauptschulabschluss oder Realschulabschluss Fernakademie für Erwachsenenbildung Abitur 30 Monate
Fachhochschulreife Maschinenbau Studiengemeinschaft Darmstadt Fachhochschulreife 24 Monate
Abitur, Aufbaulehrgang oder Gesamtlehrgang Studiengemeinschaft Darmstadt Abitur 32 Monate
FH-Reife Technik Institut für Lernsysteme Fachhochschulreife 30 Monate
FH-Reife Wirtschaft Institut für Lernsysteme Fachhochschulreife 24 Monate
Abitur, Einstieg mit Realschulabschluss oder Hauptschulabschluss Institut für Lernsysteme Abitur 30 Monate
Abitur Gesamtlehrgang oder Aufbaulehrgang Hamburger Akademie für Fernstudien Abitur 30 Monate
Fachhochschulreife Gesundheit Studiengemeinschaft Darmstadt Fachabitur 24 Monate
Abitur mit Einstieg mittlerer Schulabschluss Lernzentrum am Killesberg Abitur 36 Monate

Sämtliche Infos zum Fernabitur und auch zum Fachabi findet Ihr hier: Fernabitur: Die 5 besten Fernkurse vorgestellt

Veröffentlicht vor 9 Jahren (aktualisiert vor 1 Jahr). Abgelegt unter ILS, Abitur, SGD.

Christian Wolf

Christian ist Wissenschaftsredakteur und Blogger, leidenschaftlicher Autodidakt, hat den Realschulabschluss mit 1,5 gemacht, sein Abi extern (3,6), hat in Göttingen, Jena, Berlin und an der FernUni studiert, und kann auch Latein, Altgriechisch, Französisch, Russisch und Englisch. Top, der Mann! Folge uns auf Facebook, um keine neuen Beiträgen von Christian zu verpassen.

Kommentare und Fragen

blubber

Ich muss Juha zustimmen, dass die Unterrichtsmaterialien der SGD - ich habe 2013 Abi gemacht, wie das aktuell aussieht, weiß ich leider nicht - nicht gerade das Gelbe vom Ei sind (besonders in Mathe fehlte dann doch der letzte Schritt von den SGD Übungsaufgaben zu den Abituraufgaben(das war aber insofern kein Problem, als man das gut mit den Stark-Übungsbüchern nachholen konnte). Dank Internet, Bibliothek und Buchhandlung konnte ich aber leicht zusätzliches Übungsmaterial beschaffen, wo es mir nötig schien.



Ich würde jedem empfehlen, das Fernabi zu machen, der eher der "stillere Typ" ist, dem das Mitmachen in der Klasse nicht so liegt und der lieber für sich alleine lernt.

Ich habe das Gymnasium bis zur 11. Klasse mit Hängen und Würgen durchgezogen, fand es absolut schrecklich (entsprechend waren auch die Noten)und war einfach nur heilfroh als ich da nicht mehr hin musste. Demzufolge war Abendgymnasium und ähnliches keine Option für mich.

Mein Fernabi habe ich dann mit einer 1 vor dem Komma bestanden und dabei mit Erstaunen festgestellt, dass mir gerade Mathe (mein absolutes Angstfach) am meisten Spass gemacht hat und ich mich rückblickend fast ein bisschen geärgert habe, dass ich mir nicht Mathe Leistungskurs zugetraut habe ;-)



Zu den Durchfallquoten - wenn ich mich recht erinnere haben in unserem Jahrgang gut 50 % bestanden, viele sind auch erst bei den mündlichen Prüfungen gescheitert.

Meiner Meinung nach liegt das schon oft daran, dass man es mit dem Lernen nicht ganz so ernst genommen hat und mit der Einstellung "irgendwas sauge ich mir schon aus den Fingern".



Mein Fazit: Das Fernabi ist absolut machbar. Voraussetzung ist jedoch, dass man sich gerne selber Lernstoff aneignet und sowohl die Zeit als auch das Durchhaltevermögen hat, sich ordentlich dahinter zu klemmen, denn geschenkt wird einem das Abi nicht!

Juha

ich habe das Fernstudium Abitur bei der SGD gemacht.

Die machen schöne Werbung aber in Wirklichkeit war das ein Albtraum, ein Trauma und ein Schreckensszenario.

Ich war total entsetzt darüber, wie diese unternehmen einem was schmackhaft machen.


Fakt war, von den vielen Leuten haben nur wenige damals bei uns im Jahre 2010 bestanden. Das lag weiß Gott nicht an der Disziplin.

Ich kenne Leute, die richtig viel gepaukt haben und wohl an einer oder zwei Prüfungen gescheitert sind. Wegen Aussprache in Englisch 0 Punkte bekommen und vorbei war das Spiel

Das Material war 2010 und jetzt immer noch (ich sah Material von einem Freund) sehr sehr antiquiert und die Einsendeaufgaben sogar im Endstadium erinnern nicht im geringsten an die Original-Prüfungsaufgaben im Abitur

Das resultat. Die Leute haben falsche Vorstellungen und lösen die einfachen Einsendeaufgaben kriegen gute bis sehr gute Noten und am Ende sind sie aufgeschmissen

ich habe im übrigen das Abitur bestanden. Nach vielen Tränen, Frust, Depressionen und viel harter Arbeit und Schweiss.

Und ich habe mich damals vorher (leider wenige Monate nach Anmeldung und wegen aufkeimender Skepsis) bei der bundesagentur für Arbeit informiert und man hat mich bemitleidet weil sie schon sehr viele Leute in den Sprechstunden hatten, die die Prüfungen endgültig nicht bestanden hätten.

Ich hätte wenn ich die Chance gehabt hätte, es per Abendschule oder regulär auf normaler schule probiert

ich habe im übrigen das Abitur bestanden. Nach vielen Tränen, Frust, Depressionen und viel harter Arbeit und Schweiss.

Herzlichen Glückwunsch! :-) Ich weiß selbst, wie hart es ist, das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg zu absolvieren. Jeder sollte sich bewusst sein, dass einem das nicht hinterhergeschmissen wird.
Ich war selbst einige Wochen an einer Abendschule, für mich war dann aber der beste Weg das Selbstlernen, Abendschule war mir dann zu zeitaufwändig und zu unflexiblel, weil man letztendlich immer so schnell vorankommt wie die schlechtesten in der Klasse. Das Problem war außerdem, dass nach und Leute abgebrochen haben und nicht klar war, ob die Klasse im nächsten Jahr fortgesetzt werden kann.
Wem aber Abendschule mehr liegt, der schaut unter https://www.fernstudi.net/abendschulen, ob er eine passende findet.

Henrq

Leute jetzt mal ehrlich. Die Fernschulen haben doch überhaut kein Interesse, dass die Leute es schaffen. Ich habe es am eigenen Leib erfahren zu Anfang im Probemonat nur gute Noten dann als ich den Vertrag abgeschlossen hatte wurde es immer schlechter bei gleichem Lernaufwand. Dahinter steckt, meiner Meinung nach System, die Leute zahlen für die ganze Lehrzeit brauchen aber nur 3 Monate Unterstützung, weil sie danach merken sie packen es nicht und abbrechen. Wenn ich mir es genau überleg, wie viel Werbung die ILS und andere machen und wie veraltet das Lernmaterial ist, kann man sich denken wo das Interesse liegt. Ich habe leider Negative Erfahrung mit dem Fernlernen gemacht und werde mich demnächst für ein richtiges Abitur anmelden wo mir der Lehrer direkt die Frage beantworten kann und nicht erst nach 2 Tagen.

Ich habe es am eigenen Leib erfahren zu Anfang im Probemonat nur gute Noten dann als ich den Vertrag abgeschlossen hatte wurde es immer schlechter bei gleichem Lernaufwand. Dahinter steckt, meiner Meinung nach System, die Leute zahlen für die ganze Lehrzeit brauchen aber nur 3 Monate Unterstützung, weil sie danach merken sie packen es nicht und abbrechen.


Das glaube ich so nicht. Mit solch einem "System", wie du es nennst, kann sich keine Firma über so so viele Jahre halten, wie es die hier erwähnten Fernschulen tun.



Ich denke, dass das, was du meinst, eher mit der Blauäugigkeit Vieler zu tun hat. Ein Abi wird einem nicht geschenkt, und es ist wirklich nicht so einfach, sich über den Zeitraum von 2 Jahren und länger durchgehend zu motivieren und durchzuziehen.

Christian Zaroff

Leute macht euch nicht verrückt


ich habe 2010 mein Abitur per SGD Fernstudium nachgeholt, ich habe vorher viel recherchiert und schlechte Sachen gelesen aber das war ein Trugschluss,

ich kann jedem empfehlen das Abitur an einer Fernschule nachzuholen,


es haben bei uns viele vorher abgebrochen, die, die an den Prüfungen teilgenommen haben, haben 95 Prozent auch bestanden

Fabian

Ich denke auch das Zeitmanagement ist wahrscheinlich eines der großen Problemfelder. Termine kann man halt wunderbar schieben, gerade wenn man keinen direkteren Druck hat. Auch das regelmäßige Lernen wird halt - je mehr Freiheiten man so bekommt - gerne mal geschoben - auch wenn es dann im Zweifel mal zu spät wird.

Josef

Hallo,

ja es nicht einfach. Die Texte in den Broschüren lesen sich so toll und auch die Fotos darin zeigen mehr Freude durch Erfolg im Fernstudium. So leicht ist es halt dann doch nicht. Nicht nur mangelnde Disziplin und Blau - Äugigkeit sind die Probleme. Auch veränderte private oder berufliche Umstände können durchaus ein Motiv für einen Abbruch des Fernstudiums sein.

Luis Holzapfel

Hey,
Freunde von mir haben einen geilen Abitur-Song geschrieben fürs Abi 2012 !
Auf Youtube ist zwar erst eine Demo von diesem, aber wenns euch gefällt unterstützt die Band “Moonclub” aus München !
http://www.youtube.com/watch?v=o1Xx0X9JThw

Josef

Hallo,

es ist wie bei jeder Weiterbildung. Es ist alles kein Zuckerschlecken. Manchen liegt es auch nicht, dass Abi oder eine andere Fortbildung im Fernstudium zu machen. Das wichtigste ist wirklich, dass man sich vorher im Klaren ist, auf was man sich da so einlässt. Gott sei Dank gibt es ja das Internet. Aber auch hier muss man sorgfältig recherchieren.

freundliche Grüße
Josef

ohne Namen

Einer der wichtigsten Gründe für die hohe Abrrecherquote beim Fernabi ist aus meiner Sicht vor allem das schlechte Zeitmanagement. Das Abitur per Fernstudium nachzuholen hört sich zwar immer äußerst flexibel an, jedoch erfordert das Lernen von Zuhause ein hohes Maß an Selbstdisziplin. Viele müssen erstmal lernen, sich selbst Termine zu setzen und diese auch einzuhalten. Ein Zeitplan ist daher unerlässlich.

kali

Das kann ich mir gut vorstellen.
Es liegt aber oft auch an der falschen Beratung. Mir wurde Fachhochschulreife Wirtschaft nahe gelegt, womit ich nichts anfangen kann/konnte. Habe zwar mein Zertifikat aber Prüfung - nein, ich denke nicht, dass ich diese packe. Das allgemeine Abitur wäre für mich, alleine wegen der Fächer, die mir mehr liegen, besser gewesen. Naja.

Aber jetzt, wo Du schon so weit bist, Du willst doch nicht etwa einen Rückzieher machen?

Zieh das durch und lass Dich von den Fächern nicht ins Bockshorn jagen! Wenn Du studieren möchtest, wirst Du bald darüber lächeln, wie einfach es doch letztendlich war.

Gib Bescheid, wenn Du durchgekommen bist :-)

Warum ist die Fachhochschulreife Wirtschaft nichts für Dich und warum hast Du nicht schon bei der Beratung gewusst, dass das nichts für Dich ist?

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