Fernstudium-Erfahrungen: 5 Gründe, warum du den Sternen nicht trauen kannst
Ein Anwalt wollte, dass wir eine kritische Bewertung aus unserem Portal entfernen. Wir sollten belegen, dass sie echt ist – die Verfasserin hat auf zwei Anfragen nicht reagiert. Also mussten wir sie löschen. Nicht, weil sie falsch war, sondern weil niemand da war, der sie verteidigt hat. Das ist einer von fünf Mechanismen, die darüber entscheiden, welche Fernstudium-Erfahrungen du am Ende überhaupt zu lesen bekommst.
Christian zeigt in diesem Video, wie Bewertungen im Fernstudienbereich tatsächlich entstehen: Löschdruck, Anreize wie Gewinnspiele und Gutscheine, der Zeitpunkt der Abgabe, die Masse der Bewertungen – und warum vier Sterne bei zwei Hochschulen nie dasselbe bedeuten. Wir nehmen uns dabei nicht aus: Auch wir haben früher Bewertungen über Anreize erzeugt. Am Ende zeigen wir, woran du eine belastbare Bewertung erkennst und wie wir es heute anders machen.
⏱️ KAPITEL:
00:00 Ein Anwalt wollte diese Bewertung löschen
01:18 Mechanismus 1: Löschdruck
02:58 Mechanismus 2: Anreize, Gewinnspiele, Gutscheine
04:43 Warum wir früher selbst iPads verlost haben
06:03 Mechanismus 3: Der Zeitpunkt der Bewertung
07:03 Mechanismus 4: Masse schlägt Aussage
08:35 Mechanismus 5: Zwei Zahlen, zwei Maßstäbe
10:46 Lest den Text, nicht die Sterne
11:53 Warum Gütesiegel im Fernstudium nichts aussagen
13:26 Wie wir es bei fernstudi.net anders machen wollen
15:16 Eure Erfahrungen mit Bewertungen
👉 Unsere Redaktions-Bewertungen auf fernstudi.net: fernstudi.net/bewertungen
👉 Gütesiegel im Fernstudium – warum ich nicht so viel davon halte: fernstudi.net/magazin/guetesiegel-im-fernstudium-warum-ich-…
👉 Unsere Bewertungsrichtlinien: fernstudi.net/bewertungen/richtlinien
📚 QUELLEN
👉 UWG, Informationspflichten zu Verbraucherbewertungen, seit 28.05.2022: gesetze-im-internet.de/uwg_2004/__5b.html
👉 Bundeskartellamt, Sektoruntersuchung Nutzerbewertungen, Oktober 2020: bundeskartellamt.de/DE/Verbraucherschutz/Schutz_Verbraucher…
👉 Google zur Kennzeichnungspflicht bei Bewertungen für Gegenleistung, Juli 2026: seo-suedwest.de/10882-google-und-strukturierte-daten-bewert…
👉 Verbraucherzentrale Bundesverband, Analyse „Online-Bewertungen“, 2022: vzbv.de/sites/default/files/2022-02/Online-Bewertungen_vzbv…
👉 OLG Frankfurt: Gewinnspielbasierte Kundenbewertungen sind irreführend: it-recht-kanzlei.de/olg-frankfurt-am-main-gewinnspielbasier…
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Transkript
Ein Anwalt wollte diese Bewertung löschen
Neulich kam mal wieder Post von einem Anwalt. Nicht von irgendeinem: Der gute Mann ist darauf spezialisiert, im Auftrag seiner Mandanten Bewertungen aus dem Netz entfernen zu lassen. Dabei ging es um eine Bewertung bei uns im Portal, die sehr kritisch war, und wir sollten belegen, dass diese Bewertung echt ist.
Also haben wir die Frau angeschrieben und gefragt, ob sie uns belegen kann, dass das Ganze auf einer echten Erfahrung beruht. Leider kam nichts zurück. Wir haben sie insgesamt zweimal angeschrieben, ohne Reaktion. Deswegen mussten wir die Bewertung aus rechtlichen Gründen entfernen – obwohl sie wirklich sehr fundiert, sehr ausführlich und für viele Leute auch hilfreich war.
Die Bewertung ist also weg. Und das nicht, weil sie falsch ist, sondern weil niemand da war, der sie verteidigt hat. Das ist einer von fünf Mechanismen, die darüber entscheiden, welche Erfahrungen ihr am Ende zu lesen bekommt – Erfahrungen, die für viele von euch relevant sind für die Entscheidung für oder gegen ein Studium. Die anderen Mechanismen sind etwas unauffälliger. Auf alle fünf möchte ich in diesem Video im Detail eingehen und euch zeigen, wie hilfreich oder wie wenig hilfreich Bewertungen für die Wahl eines Studiums oder einer Weiterbildung eigentlich sind.
Mechanismus 1: Löschdruck
Mechanismus Nummer eins, den Löschdruck, hatte ich im Intro schon genannt: Viele Bewertungen lest ihr gar nicht, weil sie gelöscht werden. Dazu muss ich sagen, dass das bei uns ein Ausnahmefall ist. Wir bekommen nicht ständig Post von Anwälten, die uns im Auftrag ihrer Mandanten auffordern, Bewertungen zu löschen.
Der logischere oder höflichere erste Schritt ist eigentlich, dass uns eine Hochschule oder Fernschule selbst anschreibt und fragt, ob wir diese Bewertung löschen können. Das gibt es auch, das gab es auch schon in der Vergangenheit. Gemacht haben wir es dann trotzdem nicht unbedingt. Legitim ist es aber: Die Hochschule hat rein rechtlich einen Anspruch darauf, dass einer Bewertung auch eine echte Erfahrung zugrunde liegt. Sonst könnte ja jeder irgendwelche Fake-Bewertungen hinterlassen.
Dass wir Post von einem Anwalt bekommen, ist ein Ausnahmefall. Der Anbieter hätte uns auch einfach anschreiben können, dann hätten wir darüber geredet, die Bewertung wahrscheinlich trotzdem nicht entfernt oder erst einmal geprüft, ob die Person, die die Bewertung geschrieben hat, überhaupt erreichbar ist und uns belegen kann, dass sie an dieser Einrichtung ein Fernstudium oder eine Weiterbildung absolviert hat. So ist das bei uns.
Ich weiß nicht, wie das bei anderen Portalen ist. Ich denke, dort tritt es gehäufter auf. Wir haben bei uns im Portal einfach nicht so viele negative Bewertungen, dass das gehäuft auftreten könnte. Möglicherweise ist das in anderen Portalen anders. Wir sind da transparent: Wir blenden einen Hinweis ein, wenn eine Bewertung aus rechtlichen Gründen entfernt werden musste. Bei anderen Portalen habe ich das so nicht gesehen. Dabei ist es auf jeden Fall eine hilfreiche Sache, sehen zu können, dass verschiedene Bewertungen aus rechtlichen Gründen entfernt werden mussten.
Mechanismus 2: Anreize, Gewinnspiele, Gutscheine
Damit komme ich zum zweiten Mechanismus, den ich für den allerwichtigsten der fünf halte: den Anreiz. Mit Anreiz ist alles gemeint, was Kunden dazu motivieren soll, eine Bewertung abzugeben. Das kann ein Gutschein sein, ein Rabattcode oder zum Beispiel auch ein Gewinnspiel.
In unserer Branche ist das besonders häufig: Gerade bei den großen Portalen werden Gewinnspiele genutzt, um Bewertungen zu generieren. Anders würden diese ganz großen Portale mit den vielen Bewertungen auch im Studien- und Fernstudienbereich gar nicht zu so vielen Bewertungen kommen. Denn ihr wisst das ja selbst: Ihr seid träge. Ihr habt eigentlich gar keine Lust, eine Bewertung zu hinterlassen – außer ihr habt wirklich schlechte Laune und wollt eurem Unmut in Form einer Bewertung Luft machen. Aber selbst wenn ihr zufrieden seid: Warum solltet ihr eine Bewertung schreiben? Da ist einfach eine gewisse Faulheit da. Ich mache das ganz selten, auch auf Amazon hinterlasse ich eigentlich gar keine Bewertungen. Da machen es diese Anreize natürlich super einfach.
Das ist eigentlich ein wettbewerbsrechtliches Problem. Es gibt gewisse Regelungen, dass man kenntlich machen muss, wenn ein Anbieter zum Beispiel in Social Media mit einer Bewertung wirbt, die über einen Anreiz erzeugt worden ist. Wie ich das beobachte, ist das gar nicht so häufig der Fall. Diese Bewertungen werden nicht als Bewertungen gekennzeichnet, die über einen Anreiz entstanden sind.
Und auch Google kennt ihr ja – bei Google werden häufig Bewertungen eingeblendet. Google verlangt mittlerweile sehr explizit, dass Bewertungen, die über solche Anreize generiert werden, kenntlich gemacht werden, dass also immer dabeisteht, dass eine Bewertung über einen Anreiz entstanden ist. Denn ihr würdet diese Bewertung ganz anders lesen, wenn ihr wüsstet, dass da jemand die Chance hatte, ein iPad zu gewinnen oder was auch immer.
Warum wir früher selbst iPads verlost haben
Und wo wir schon beim iPad sind: Ich möchte an dieser Stelle ganz deutlich sagen, dass das auch in unserer Vergangenheit so war. Wir haben das früher auch ausprobiert und über Anreize Bewertungen generiert.
Um noch einen kleinen historischen Ausflug zu machen: Wir waren tatsächlich im Jahr 2008 die Allerersten in dieser Branche – im Fernstudienbereich, vielleicht sogar im Studienbereich –, die es ermöglicht haben, einen Studiengang oder eine Hochschule zu bewerten. Da gab es diese ganzen großen Portale, die es heute gibt, noch gar nicht. Wir waren wirklich die Ersten, die dieses Bewertungssystem eingeführt haben.
Dass wir es nicht geschafft haben, das so durchzuziehen, dass wir heute Millionen von Bewertungen haben, ist ein bisschen schade. Ich finde es aber auch nicht so schlimm, denn ich sehe diese Bewertungen heute sehr kritisch. Und so wie wir damals die Ersten waren, versuchen wir das Ganze heute auf andere Beine zu stellen: ein gewisses Bewusstsein dafür zu schaffen, dass diese Bewertungen schwierig sind – und wieder die Ersten zu sein mit einem eher neuartigen Bewertungssystem. Darauf gehe ich zum Schluss noch genauer ein.
Wichtig für euch zu wissen: Ihr müsst einfach schauen, ob Bewertungen durch Anreize generiert worden sind. Wenn das der Fall ist, sind diese Bewertungen mehr oder weniger wertlos – beziehungsweise solltet ihr ihnen nicht allzu viel Beachtung schenken.
Mechanismus 3: Der Zeitpunkt der Bewertung
Der nächste Mechanismus ist der Zeitpunkt, und auch hier möchte ich uns und fernstudi.net gar nicht ausnehmen. Es ist nämlich so, dass ganz viele Menschen ihre Bewertung hinterlassen, wenn sie mit einem Kurs oder einem Studium anfangen und vielleicht im ersten Semester sind, oder wenn sie irgendwo mittendrin stecken. Aber die wenigsten schreiben eine Bewertung wirklich am Ende – wenn sie noch einmal über alles nachgedacht haben, wenn sie ihre Note haben, wenn sie vielleicht gesehen haben, wie sich das Ganze im Berufsleben auswirkt. Da kommt kaum eine Bewertung zustande.
Die Bewertungsportale sind natürlich gut darauf eingestellt. Da steht eigentlich immer dabei, ob die Person, die eine Bewertung hinterlassen hat, Absolvent ist oder gerade erst angefangen hat, vielleicht auch, in welchem Semester sie ist. Das müsst ihr euch auf jeden Fall genau anschauen und gut beurteilen. Jemand, der im ersten Monat seine Bewertung hinterlassen hat – vielleicht auch, weil er nur an dem Gewinnspiel teilnehmen wollte –, hat eine Bewertung hinterlassen, die nicht wirklich hilfreich ist. Also ein ganz wichtiger Mechanismus: zu schauen, wann diese Bewertung vom Rezensenten erstellt worden ist.
Mechanismus 4: Masse schlägt Aussage
Der nächste Mechanismus lautet: Masse schlägt Aussage. Auch das ist ein riesiges Problem im ganzen Bewertungsbusiness. Die großen Anbieter – sei es die IU Internationale Hochschule oder die anderen großen Hochschulen mit fünfstelligen Studierendenzahlen – können natürlich sehr viele Bewertungen generieren, weil sie einfach viele Studierende haben und Studiengänge, die sehr groß sind. Andere Anbieter und Hochschulen sind kleiner. Die Wilhelm Büchner Hochschule beispielsweise hat nicht so viele Studierende und kann der Masse nach gar nicht so viele Bewertungen generieren.
Grundsätzlich sollte das erst einmal kein Problem sein. Das Problem seid ihr – diejenigen, die so eine Bewertung lesen. Ihr schaut euch eine Hochschule an und seht: Die hat 20.000 Bewertungen, die andere hat nur 500, dann muss die mit den 20.000 ja viel besser sein. Das findet irgendwie unbewusst statt, dass ihr denkt, wenn da mehr sind, wenn das eine größere Zahl ist, dann ist das Ganze besser. Was aber nicht der Fall ist, weil es eben nicht auf diese Zahl ankommt. Die sagt nichts über die Qualität der Hochschule aus. Selbst wenn das 20.000 Mal vier Sterne für Studieninhalte sind, ist das nicht anders, als wenn 200 Leute diese vier Sterne für die Studieninhalte vergeben haben.
Letztendlich sind diese Sterne sowieso nicht so aussagekräftig. Dazu möchte ich gleich noch ein paar Sachen sagen.
Mechanismus 5: Zwei Zahlen, zwei Maßstäbe
Und was ich dazu sagen möchte, ist der letzte Mechanismus, den ich in diesem Video nennen möchte: zwei Zahlen, zwei Maßstäbe. Ganz wichtig für euch zu verstehen ist, dass diese Sterne, die bei Bewertungen vergeben werden, letztendlich keine oder nur eine sehr begrenzte Aussagekraft haben.
Das ist ja auch klar. Ihr habt es bestimmt selbst schon einmal gesehen oder gemacht, wenn ihr versucht habt, irgendwo eine Bewertung abzugeben – sei es bei Amazon oder für euren Studiengang. Ihr klickt relativ willkürlich die Sterne an, die man da verteilen kann: für Studieninhalte, für den Online-Campus, für Flexibilität.
Ihr seid jetzt zum Beispiel an der FernUni Hagen und denkt euch: Super flexibles Studium, ich muss nur einmal im Semester irgendwo zu einer Klausur auftauchen, da gebe ich der Flexibilität vier Sterne. Ansonsten kann ich alles von zu Hause aus machen. Eine andere Studentin, die an der IU Internationalen Hochschule studiert, denkt sich: Krass, flexible Hochschule, da kann ich eigentlich vier Sterne für die Flexibilität vergeben. Es gibt ein paar Sachen, die machen das nicht ganz perfekt flexibel, aber vier Sterne sind noch wirklich super, ein fast perfekter Wert. Also vergebe ich vier Sterne.
Und jetzt steht ein Interessent davor und sieht vier Sterne Flexibilität für die FernUni Hagen und vier Sterne Flexibilität für die IU Internationale Hochschule. Aus meiner Sicht ist das nichts, was man miteinander vergleichen kann, weil die FernUni Hagen in vielerlei Hinsicht nicht annähernd so flexibel ist wie die IU Internationale Hochschule. Das geht schon mit dem Studienstart los: zum Wintersemester, zum Sommersemester. Das nimmt gegenüber der IU einiges an Flexibilität, wo man einfach jederzeit starten kann. Oder die Online-Klausuren, die man rund um die Uhr schreiben kann, wenn man will – das ist ein riesiges Ding für Flexibilität. So gesehen hat die IU aus meiner unabhängigen Redakteurssicht fünf Sterne für Flexibilität verdient und die FernUni Hagen im Vergleich dazu vielleicht drei.
Ihr wisst es ja: Wenn ihr diese Sterne vergebt, schaut ihr einfach, wie zufrieden ihr in dem Bereich seid, und vergebt eure Sterne relativ willkürlich – was auch überhaupt kein Problem ist.
Lest den Text, nicht die Sterne
Das Wichtige ist nur zu wissen: Wenn ihr euch für einen Studiengang interessiert und vergleicht, schaut niemals auf die Sterne, sondern schaut euch den Text an – das, was jemand geschrieben hat, was er über ein Studium denkt. Und da wird es mau bei den meisten Portalen, auch bei uns im Portal: Die Leute haben einfach keine Lust, ausführlich zu beschreiben.
Eine gute Rezension besteht meiner Meinung nach nicht aus den Sternen, sondern aus dem Beschreibungstext, der dort geliefert wird, vielleicht noch aus Bildern und allem, was dazugehört. Ihr kennt das vielleicht auch von Amazon: Da lest ihr euch einen ausführlichen Text viel eher durch als einen Einzeiler, in dem steht: „Ich fand alles gut." Das ist keine hilfreiche Bewertung. Aber die meisten Bewertungen in den Portalen, die es in diesem Bereich gibt, funktionieren genau so: überwiegend Sterne, ein Daumen hoch oder ein Daumen runter, kann ich empfehlen oder kann ich nicht empfehlen – und dazu vielleicht noch zwei Sätze Text.
Das ist nicht hilfreich und nichts, woran ihr euch orientieren solltet. Orientiert euch an dem, was Menschen zu einem Fernstudium oder einer Weiterbildung schreiben, nicht an den reinen Sternen.
Warum Gütesiegel im Fernstudium nichts aussagen
Was ich ebenfalls problematisch finde und was mit dem Ganzen einhergeht, sind die Siegel, die aufgrund von Bewertungen vergeben werden. Dazu habe ich schon einmal einen sehr ausführlichen Artikel geschrieben, in dem ich aufdrösele, warum ich das Ganze für problematisch halte – und für nicht hilfreich für Menschen, die sich für ein Studium oder eine Weiterbildung interessieren.
So ein Siegel wie „Top-Anbieter": Jeder Anbieter, jede Hochschule hat mittlerweile so ein Siegel. Soweit ich weiß, müssen sie je nach Bewertungsportal auch dafür bezahlen, und dann können sie sich dieses Siegel auf ihre Webseite packen, und da steht dann „Top-Anbieter 2025". Das hat keinerlei Wert für euch, die sich für ein Fernstudium interessieren. Jeder Anbieter ist ein Top-Anbieter, und diese Siegel basieren häufig auf den Bewertungen. Das habe ich in dem Artikel alles ein bisschen aufgedröselt, da könnt ihr euch das genauer anschauen.
Grundsätzlich sind diese Siegel nicht unbedingt willkürlich vergeben, aber einfach nicht hilfreich – weil jeder so ein Siegel hat und weil es Hochschulen, Anbieter und Studiengänge nicht miteinander vergleichbar macht. Das ist auf keinen Fall etwas, an dem ihr euch orientieren solltet. Es ist etwas, wofür Hochschulen sinnlos Geld raushauen. Denn wenn jemand auf so ein Hochschulprofil schaut und dort ein Siegel sieht, läuft unbewusst ein Prozess ab, von wegen: Das ist zertifiziert, oder was auch immer man denkt – wenn das schon so ein Siegel hat, dann muss das doch ein guter Studiengang sein. Das ist aber nicht so. Ihr müsst euch wirklich an anderen Kriterien orientieren als an solchen Siegeln oder an irgendwelchen Bewertungssternen.
Wie wir es bei fernstudi.net anders machen
Jetzt habe ich viel geschimpft und versucht, euch kritisch zu zeigen, wo die Probleme bei diesem ganzen Bewertungssystem liegen und dass ihr damit sehr kritisch umgehen müsst. Ich habe auch gesagt, dass ich uns nicht ausnehme. Ich möchte euch kurz zeigen, wie wir versuchen, Dinge besser zu machen.
Wir haben auch ein Siegel entwickelt, und es ist immer noch in Entwicklung. Wir versuchen einen Weg zu finden, um so etwas wirklich hilfreich zu machen und einzelne Studiengänge auszuzeichnen, weil sie besonders flexibel sind oder besonders gute Studieninhalte haben. Und das basiert nicht nur auf Bewertungen, die User bei uns im Portal hinterlassen. Davon haben wir nämlich gar nicht so viele, weil wir anreizlos versuchen, Bewertungen für Hochschulen oder Studiengänge zu erhalten. Wir vergeben nichts dafür, und entsprechend wenig kommt auch.
Trotzdem haben wir dieses Siegel. Es beruht zum einen auf unseren wenigen Nutzerbewertungen, zum anderen auf dem, was wir Redaktionsrezensionen nennen – richtige Kritiker-Rezensionen, die wir selbst erstellen. Das ist ein Format, das bei uns noch in Arbeit ist und das wir weiterentwickeln. Vielleicht könnt ihr uns dabei helfen: Schaut es euch einfach mal an und schreibt in die Kommentare, was ihr davon haltet.
Konkret funktioniert es so: Wir schauen uns Bewertungen an. Wir schauen uns Diskussionen in Foren an, Reddit, Fernstudium-Infos und wo es sonst noch überall Erfahrungsberichte zu lesen gibt. Das schauen wir uns alles an. Dann fließt natürlich auch unsere eigene Erfahrung mit ein – ich war schon an mehreren Fernhochschulen eingeschrieben und habe mehrere Fernkurse bei verschiedenen Anbietern absolviert, ich habe also auch ein bisschen Insiderwissen. All das fließt in unsere sogenannten Redaktions- oder Kritikerrezensionen zu Fernstudiengängen ein. Das ist ein Format, das wir als einen gewissen Gegenentwurf entwickeln: Wir versuchen als Redaktion, Dinge einzuordnen und zum Beispiel einen Fernstudiengang besser vergleichbar zu machen.
Eure Erfahrungen mit Bewertungen
Schreibt mir mal in die Kommentare, wie das bei euch war, falls ihr schon studiert habt. Habt ihr euch an Bewertungen orientiert? Wie seid ihr dabei vorgegangen? Oder lest ihr Bewertungen überhaupt? Wie macht ihr das, wenn ihr ein Produkt kauft – orientiert ihr euch bei Amazon an Bewertungen? Und wie macht ihr das bei sehr hochpreisigen Produkten wie einem Fernstudiengang? Das ist ja kein 300-Euro-Artikel. Lest ihr da auch Bewertungen und lasst sie in eure Entscheidung einfließen?
Schreibt mir all das in die Kommentare, diskutiert, schreibt mir eure Vorschläge, wie man das Ganze besser machen kann – und auch, wie wir es besser machen können als fernstudi.net, als Plattform für Fernstudierende. Ich würde sagen, wir sehen uns in einem der nächsten Videos auf diesem Channel. Euer Wolf.

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