Wie anerkannt ist ein Fernstudium in der Wirtschaft im Jahr 2026?

Wie anerkannt ist ein Fernstudium im Jahr 2026 tatsächlich bei Arbeitgebern? Christian ordnet ein, worauf Personalverantwortliche bei Bewerbungen achten, welche Rolle die Hochschule und der Studienabschluss spielen und wie ein berufsbegleitendes Studium in der Praxis bewertet wird.

Dabei betrachtet er verbreitete Vorurteile, aktuelle Einschätzungen aus der Wirtschaft und seine eigene Perspektive als Arbeitgeber.

⏱️ KAPITEL:

00:00 Zwei hartnäckige Mythen über das Fernstudium
00:32 Formale Anerkennung von Fernstudienabschlüssen
01:25 Wie Arbeitgeber ein Fernstudium bewerten
02:49 Christians Perspektive als Arbeitgeber
03:41 Mythos 1: Präsenzstudium ist mehr wert
05:03 Mythos 2: Fernstudierende sind motivierter
07:19 Laufendes Fernstudium als Nachteil?
08:13 Welche Rolle spielt die Hochschule?
09:08 Worauf Arbeitgeber wirklich achten
10:01 Fazit: Was am Ende zählt
10:44 Eure Erfahrungen und Meinungen sind gefragt

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Transkript

„Nur ein Fernstudium.“ Diesen Unterton kennt wahrscheinlich fast jeder, der berufsbegleitend studiert. Dahinter stecken zwei hartnäckige Mythen: Zum einen, ein Fernstudium sei weniger wert als ein Präsenzstudium. Zum anderen, jemand der ein Fernstudium absolviert oder absolviert hat, sei automatisch super hoch motiviert. Beides stimmt so nicht ganz. Warum das so ist und was meine Meinung dazu ist – auch als jemand, der selbst personalverantwortlich ist –, darum geht es in diesem Video.

Formale Anerkennung: Ein Abschluss ist ein Abschluss

Wenn jemand fragt, wie anerkannt ein Fernstudium in der Wirtschaft ist, muss man natürlich erst einmal unterscheiden, was genau gemeint ist. Ich bekomme diese Frage sehr oft und muss dann immer zurückfragen: Was meinst du eigentlich genau? Meinst du die formale Anerkennung? Da ist es nämlich so: Wenn ihr ein Fernstudium an einer staatlich anerkannten Hochschule studiert – was alle Fernhochschulen in Deutschland sind –, dann ist dieser Abschluss ganz normal anerkannt, wie auch jeder andere Abschluss, den man an irgendeiner Präsenzhochschule absolviert, sei sie nun staatlich oder privat. Ein Bachelorabschluss ist ein Bachelorabschluss, ein Master ist ein Master.

Die Frage danach, ob das Ganze im Ausland anerkannt wird, ist noch einmal eine andere und eher ein komplexes Thema. Aber auch hier kann man ganz pauschal sagen: Wenn ihr einen Abschluss in Deutschland gemacht habt und euch irgendwo im europäischen Ausland bewerben möchtet, ist das ein ganz normaler anerkannter Abschluss – genau wie dort ein Bachelor- oder Masterabschluss.

Was sagen die Studien?

Viel wichtiger, und das fragen sich die meisten von euch: Wie anerkannt ist so ein Fernstudium im moralischen Sinne, zum Beispiel gegenüber Personalverantwortlichen? Das muss man tatsächlich etwas differenzierter betrachten. Hier gab es vor vielen Jahren schon einmal eine Umfrage, die das Institut für Lernsysteme, eine der größeren deutschen Fernschulen, in Auftrag gegeben hat. Das Ergebnis damals war vor allem: Personalverantwortliche halten Fernstudierende für super motiviert. Dieser Mythos hat sich bis heute gehalten, und mit dem will ich gleich noch ein kleines bisschen aufräumen.

Es gibt tatsächlich eine recht aktuelle Befragung beziehungsweise Studie, die aber von der IU Internationalen Hochschule in Auftrag gegeben wurde. Dort wurden insgesamt 700 Personalverantwortliche und Führungskräfte quer über alle Branchen befragt. Das Ergebnis: Insgesamt 64 Prozent bewerten die IU als attraktiv fürs Recruiting, und zwar vor allen anderen abgefragten Fernhochschulen – also Euro-FH, Hochschule Fresenius und AKAD University. Und bei den Unternehmen, die tatsächlich schon jemanden von so einer Hochschule beschäftigt haben, sind über 90 Prozent mit deren Leistung zufrieden.

Ganz wichtig zu wissen ist, dass auch diese Studie von einer Fernhochschule in Auftrag gegeben wurde, nämlich von der IU. Ich verlinke sie euch gerne in der Beschreibung, schaut selbst einmal rein. Aber auch hier muss man natürlich kritisch draufschauen. 64 Prozent ist ja auch nicht der allerhöchste Wert. Das heißt, dass über 30 Prozent die IU vielleicht nicht als ganz so attraktiv fürs Recruiting bewerten.

Meine Sicht als Personalverantwortlicher

Aus meiner eigenen Sicht als jemand, der selbst personalverantwortlich ist – auch wenn wir ein ganz kleines Unternehmen sind –, kann ich euch sagen: Für mich spielt es keine übermäßig große Rolle, an welcher Hochschule jemand studiert hat. Da spielen ganz andere Faktoren eine wichtigere Rolle. Mich interessiert sicherlich auch der Studiengang: Was hat jemand studiert? Womit hat er sich im Studium auseinandergesetzt? Womit hat er sich vielleicht auch vertiefend auseinandergesetzt, also die Vertiefungsrichtung, die er im Studium gewählt hat? Und vor allem: Womit hat er sich in seiner Abschlussarbeit beschäftigt, mit welchem Themenkomplex besonders intensiv? Das spielt alles eine Rolle, da gucke ich natürlich drauf. Viel weniger gucke ich darauf, an welcher Hochschule derjenige oder diejenige studiert hat. Es ist mir völlig egal, ob das eine Fernhochschule ist oder irgendeine Präsenzhochschule. Andere Sachen sind für mich viel wichtiger, zum Beispiel Berufserfahrung.

Mythos 1: Ein Präsenzstudium ist mehr wert

Kommen wir zu einem Mythos, den ich seit vielen Jahren immer wieder höre. Er lautet: „Ein Präsenzstudium ist viel mehr wert als ein Fernstudium.“ Kann ich so nicht unterschreiben, denn hier würde ich wirklich sagen: Es kommt darauf an. Vor allem kommt es auf denjenigen an, der das Studium absolviert. Ist das jemand, der direkt von der Schule kommt, also zum Beispiel ein Abitur abgeschlossen hat, an eine Hochschule will und sich dann überlegt, ein Fernstudium zu machen? Da würde ich sagen: wahrscheinlich eher nicht. Das würde ich auch als Personalverantwortlicher etwas seltsam finden, weil ich mich frage: Warum möchte derjenige kein, sagen wir, ganz normales Studium machen, wenn er doch die Möglichkeit hätte, an eine Hochschule zu gehen? Ist er vielleicht nicht so teamfähig? Kommt er mit dem Sozialleben nicht so gut zurecht, weil er ein Fernstudium bevorzugt?

Aber wenn das jemand ist, der schon seit vielen Jahren berufstätig ist, der 30 oder 35 ist, seine Berufserfahrung gesammelt hat und sich dann überlegt, noch ein Studium zu machen – vielleicht auch das erste Studium, vielleicht sogar ohne Abitur –, dann würde ich sagen: Da ist ein Fernstudium wahrscheinlich noch viel sinnvoller. Denn derjenige kann im Berufsleben bleiben, arbeitet weiter an seiner Berufserfahrung und setzt sich nebenher am Schreibtisch wirklich auf wissenschaftliche Art und Weise mit Themen auseinander, die auch relevant für seinen Beruf sind. In dem Fall halte ich ein Fernstudium letztendlich für viel wertvoller als ein Präsenzstudium.

Mythos 2: Fernstudierende sind besonders motiviert

Zweiter Mythos, der sich auch seit vielen Jahren hartnäckig hält: Fernstudierende seien besonders motiviert. Ein Fernstudium zeuge von einer extrem hohen Eigenmotivation, deswegen müsse man bevorzugt Fernstudierende einstellen, wenn man die Wahl hat. Von diesem Mythos halte ich auch nicht so viel. Ich habe schon einmal ein Video darüber gemacht, in dem ich mich ausführlich dazu geäußert habe. Ganz viele Fernstudierende denken, das sei ihre besondere Stärke, dass sie besonders motiviert sind. Aber wenn ich aus der Sicht eines Personalverantwortlichen überlege, was das eigentlich genau bedeutet, dann kann ich nur den Kopf schütteln. Denn entweder suche ich sowieso nach sehr motivierten Menschen – und die sind ja nicht zwangsläufig motiviert, weil sie ein Fernstudium gemacht haben. Dann haben sie vielleicht in einigen Bereichen ein bisschen mehr Disziplin als andere. Aber warum sollen andere Menschen nicht genauso motiviert sein?

Das lese ich nicht am Studium ab, das jemand gemacht hat, und auch nicht an der Hochschule. Das lese ich sozusagen am Gesicht ab, an der Sprache, an der Körpersprache und im Gespräch. Ob jemand wirklich motiviert ist, sehe ich nicht direkt im Lebenslauf. Auf der anderen Seite brauche ich auch nicht unbedingt immer jemanden, der absolut hochmotiviert ist – das ist nicht immer ein Auswahlkriterium. Wie man es also auch dreht und wendet: Dieses Gerücht, dass Fernstudierende immer super motiviert sind, stimmt vielleicht schon irgendwie. Man belegt durch ein Fernstudium, dass man relativ motiviert ist und diszipliniert über viele Jahre so ein Studium durchziehen kann. Aber das beweist man mit einem normalen Präsenzstudium natürlich genauso. Ein Studium ist immer eine sehr anstrengende, aufwendige Sache, die viel Disziplin und eine gewisse Motivation voraussetzt. Das beweise ich eben nicht nur als Fernstudent, sondern als Student – und sehr viel mehr mit meiner Persönlichkeit als mit dem Studium, das ich an irgendeiner Hochschule gemacht habe.

Ihr habt sicherlich alle schon einmal diese Forsa-Umfrage gesehen, von 2010 oder wann die ist, die vom Institut für Lernsysteme, einer Fernschule, in Auftrag gegeben wurde: Personalverantwortliche denken, dass Fernstudierende besonders motiviert sind. Ich weiß nicht, ob das heute immer noch so ist, dass das alle so undifferenziert sehen und man nur auf diesen kleinen Faktor Motivation blickt. Ich halte es tatsächlich für einen Mythos.

Laufendes oder abgeschlossenes Studium?

Was ihr auch bedenken solltet, was auch aus Sicht eines oder einer Personalverantwortlichen wichtig ist: Habt ihr ein Fernstudium abgeschlossen, oder seid ihr gerade dabei, ein Studium abzuschließen? Ich denke nämlich, es kommt nicht ganz so gut an, wenn ihr in ein Vorstellungsgespräch geht und dann erzählt, ihr absolviert gerade ein Studium oder ihr habt vor, im nächsten Jahr eines zu starten. Dann frage ich mich als Personalverantwortlicher: Hat derjenige überhaupt Zeit, sich wirklich auf seinen Job zu konzentrieren? Oder gibt es da nicht ganz viele andere Sachen, die ihn ablenken, die er noch im Kopf hat – vielleicht hat er auch noch ein Familienleben? Dieses Studium ist dann eigentlich eher eine Belastung für sie oder ihn. Etwas anderes ist es natürlich, wenn ich sehe, der oder diejenige hat ein Studium abgeschlossen. Auch das solltet ihr bedenken, wenn ihr euch fragt, was Personalverantwortliche von Fernstudierenden halten.

Welche Hochschule steht auf dem Abschluss?

Ein Aspekt, der auch eine Rolle spielen kann – das kommt natürlich auf die Firma an, bei der ihr euch bewerben wollt –, ist: Was genau steht für eine Hochschule auf dem Abschluss? Wenn da IU Internationale Hochschule steht oder auch Wilhelm Büchner Hochschule, ist nicht auf den ersten Blick klar, dass es eine Fernhochschule ist. Bei der IU vielleicht schon, weil sie so groß und so bekannt ist, bei der Wilhelm Büchner Hochschule vielleicht nicht ganz. Wobei ich sagen würde, dass Hochschulen wie die Wilhelm Büchner Hochschule, die im technischen Bereich Studiengänge anbieten, unter Personalverantwortlichen in der jeweiligen Branche natürlich auch sehr bekannt sind, vielleicht im IT-Bereich oder im Ingenieurwesen. Wichtig zu wissen ist nur: Ihr müsst nicht unbedingt offenlegen, dass ihr ein Fernstudium gemacht habt. Wenn euch das vielleicht doch irgendwie unangenehm ist, dann schreibt es nicht direkt in den Lebenslauf. Es reicht ja, wenn dort die Hochschule steht, an der ihr studiert habt – daran kann man in der Regel nicht sofort ablesen, dass ihr ein Online- oder Fernstudium absolviert habt.

Die wahren Hebel: Berufserfahrung und Präsentation

Was sind nun die wahren Hebel, die Dinge, die wirklich relevant sind, auch aus Sicht von Personalverantwortlichen? Ich würde sagen, das sind zwei Dinge. Erstens die Berufserfahrung, ganz klar. Wenn ich jemanden einstelle, dann suche ich in der Regel auch jemanden, der eine gewisse Erfahrung in dem Beruf hat, der sich in dem Bereich auskennt, der die Branche vielleicht kennt. Da gucke ich viel mehr drauf als darauf, was für ein Studium er absolviert hat. Und zweitens die Präsentation: Wie gibt derjenige sich? Was ist das für eine Persönlichkeit? Passt der oder die ins Team? Komme ich als Vorgesetzter vielleicht auch mit dem Menschen klar? Habe ich Lust, mit demjenigen oder derjenigen zusammenzuarbeiten? Das ist aus meiner Sicht ein ganz wichtiger Faktor, viel wichtiger als die Frage, an welcher Hochschule der oder diejenige studiert und in welcher Form er oder sie das Studium abgeschlossen hat.

Fazit

Ihr seht also: Die Frage, wie anerkannt ein Fernstudium in der Wirtschaft ist, kann man letztendlich nicht abschließend beantworten. Ich würde immer sagen: Es kommt auf den Menschen an, der sich da irgendwo bewirbt. Es kommt nicht nur auf den Lebenslauf an und nicht einfach auf die Hochschule, an der ihr studiert habt. Da gibt es andere Faktoren, die sehr viel wichtiger sind. Macht euch also einfach nicht so eine Platte darum, wenn ihr jetzt zum Beispiel ein Studium an der IU Internationalen Hochschule macht. Viel wichtiger ist das, was ihr aus eurem Studium macht: die Erfahrung, die ihr mit eurem Studium sammelt, das Wissen, das ihr sammelt, die Fähigkeit, wissenschaftlich zu denken und wissenschaftlich zu arbeiten. Das ist viel wichtiger als die konkrete Hochschule, an der ihr studiert habt, und als das, was dann letztendlich auf eurem Lebenslauf steht.

Schreibt mir einfach mal eure Meinung dazu in die Kommentare. Was ich auch super finden würde: wenn wir hier ein paar Personalverantwortliche finden, die uns ihre Meinung in die Kommentare schreiben. Vielleicht studieren auch einige von euch im HR-Bereich – schreibt mir das alles in die Kommentare. Ansonsten schaut euch natürlich unsere App an, fernstudi.net. Da könnt ihr auch direkt mit mir in Austausch kommen, mir Nachrichten schreiben oder einfach über euer Studium posten, unsere Magazinbeiträge nachverfolgen und so weiter. Das nur als kleiner Tipp am Rande. Ich würde sagen, wir sehen uns in einem der nächsten Videos auf diesem Channel. Euer Wolf.

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