Fernstudium? Nicht zu empfehlen! Ein ehrlicher Blick auf die Schattenseiten
Über 250.000 Menschen studieren in Deutschland per Fernstudium. Die Branche boomt, die Hochschulen werben mit maximaler Flexibilität, und auf jeder zweiten Website liest du, wie toll Fernstudium ist. Aber niemand redet gerne über die Schattenseiten. Ich schon.
Ich bin selbst Fernstudent. Ich betreibe fernstudi.net. Und trotzdem sage ich: Ein Fernstudium ist nicht für jeden das Richtige. Wer sich Hals über Kopf einschreibt, ohne die Konsequenzen zu durchdenken, riskiert Frust, Geld und – ja – auch Beziehungen.
- Fernstudium erfordert brutale Disziplin – nicht eine Woche, sondern drei bis fünf Jahre lang.
- Fernstudium macht einsam. Online-Foren ersetzen kein Campusleben. Punkt.
- Fernstudium ist Dauerstress: Job + Familie + Studium = 150 % über Jahre.
- Bildung ≠ Weiterbildung: Ein Studium sollte dich als Mensch formen, nicht nur deinen Lebenslauf polieren.
- Aber: Wer die Schattenseiten kennt und trotzdem bewusst Ja sagt, kann enorm profitieren.
- Grund 1: Fernstudium erfordert eine Disziplin, die die meisten unterschätzen
- Grund 2: Fernstudium macht einsam – egal was die Hochschulen versprechen
- Grund 3: Fernstudium ist Dauerstress – und das über Jahre
- Grund 4: Bildung ist mehr als Weiterbildung
- Grund 5: Du bist noch mehr an den Bildschirm gefesselt
- Was sich seit 2010 verändert hat – und was nicht
- Wann sich ein Fernstudium trotzdem lohnt
- Häufige Fragen
- Entscheide bewusst – nicht begeistert
- Kommentare
Grund 1: Fernstudium erfordert eine Disziplin, die die meisten unterschätzen
Kannst du dich disziplinieren – nicht eine Woche, sondern drei, vier, fünf Jahre lang? Jeden Abend nach der Arbeit, jedes Wochenende, jeden Urlaub? Kannst du lernen, wenn du keine Lust hast? Wenn alle anderen auf dem Sofa sitzen, Netflix schauen, das Leben genießen?
Ein Fernstudium neben dem Beruf bedeutet 15–25 Stunden pro Woche zusätzlich zu deinem Job. Das sind Jahre des Triebverzichts. Die Abbrecherquote an der FernUni Hagen liegt bei über 70 % – nicht weil der Stoff zu schwer ist, sondern weil die meisten die Dauer und die Belastung unterschätzen.
Überlege dir ehrlich: Rechtfertigt das Ergebnis (der Abschluss) die Strapazen (Jahre der Doppelbelastung)?
Grund 2: Fernstudium macht einsam – egal was die Hochschulen versprechen
Die Hochschulen reden von Online-Campus, Live-Webinaren, virtuellen Lerngruppen und Community-Foren. Und ja, das gibt es alles. Aber ehrlich: Das ist nicht zu vergleichen mit dem Sozialleben an einer Präsenzuni. Nicht mit dem Mensa-Gespräch nach der Vorlesung. Nicht mit dem WG-Abend. Nicht mit dem Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die dasselbe durchmacht wie du.
Im Fernstudium sitzt du allein am Schreibtisch. Du schickst Nachrichten in Foren, auf die manchmal niemand antwortet. Du kämpfst dich allein durch Studienbriefe. Und wenn du ein Motivationstief hast, ist niemand da, der sagt: „Mir geht’s genauso, lass uns zusammen durchziehen.“
Das muss nicht so bleiben – aber du musst aktiv etwas dagegen tun. Von allein passiert nichts.
Grund 3: Fernstudium ist Dauerstress – und das über Jahre
Job + Familie + Studium = drei Vollzeitjobs auf einmal. Das geht eine Weile gut, aber nicht über Jahre. Irgendwann leidet etwas: der Job, die Beziehung, die Gesundheit – oder alles gleichzeitig.
Die Studienform Fernstudium passt perfekt in unsere Leistungsgesellschaft: Arbeiten, obwohl man krank ist. Studieren, obwohl man erschöpft ist. Am Lebenslauf schleifen, obwohl man eigentlich Zeit mit der Familie verbringen sollte. Ein Fernstudium, das du neben Beruf und Familie durchziehst, bescheinigt dir Durchhaltevermögen. Aber bescheinigt es dir auch, dass du gut zu dir selbst bist?
Wer nicht aufpasst, brennt aus – nicht nach sechs Monaten, sondern schleichend über Jahre.
Grund 4: Bildung ist mehr als Weiterbildung
Ein Studium soll nicht einfach weiterbilden. Ein Studium soll bilden – den Charakter, das Denken, die Persönlichkeit. Wer nur studiert, um den Lebenslauf zu polieren, verpasst den eigentlichen Wert eines Studiums.
Ich bin glücklich darüber, dass ich mehrere Jahre an einer normalen Universität studiert habe – und nur studiert. Weil ich den Freiraum hatte, mich zu entwickeln. Das Umfeld, die Menschen, die Diskussionen – das alles hat mich geprägt. Weiterbildung und Fernstudium sind Tropfen auf den heißen Stein Bildung. Sie vermitteln Wissen, aber sie formen nicht in gleicher Weise.
Das ist kein Argument gegen Fernstudium – es ist ein Argument dafür, ehrlich mit sich selbst zu sein: Warum willst du studieren? Nur für den Lebenslauf? Oder weil dich ein Thema wirklich interessiert?
Grund 5: Du bist noch mehr an den Bildschirm gefesselt
Wer einen Bürojob hat und dann abends nochmal drei Stunden am Laptop lernt, verlängert seine Bildschirmzeit auf 12+ Stunden am Tag. Das geht auf die Augen, den Rücken, die Psyche. Fernstudium heißt auch: Noch mehr sitzen, noch weniger Bewegung, noch weniger frische Luft – genau das Gegenteil von dem, was dein Körper nach einem Arbeitstag braucht.
Was sich seit 2010 verändert hat – und was nicht
Ich habe diesen Artikel zum ersten Mal 2010 geschrieben. Seitdem hat sich einiges geändert:
- Vernetzung: Communities wie die fernstudi.net Community, Discord-Gruppen und Instagram haben die Isolation deutlich reduziert – wenn du sie nutzt
- Lernplattformen: Moderne Hochschulen (IU, SRH, AKAD, Fresenius) bieten Videos, interaktive Module, KI-Tutoren – das ist ein anderes Lernerlebnis als 2010
- KI-Tools: ChatGPT, NotebookLM und Co. machen das Lernen effizienter – wer sie klug einsetzt, spart Stunden pro Woche
- Flexibilität: Monatliche Online-Klausuren, kostenlose Studienverlängerung, Urlaubssemester – die Rahmenbedingungen sind 2026 deutlich besser
Was sich nicht geändert hat:
- Du brauchst immer noch Disziplin über Jahre
- Die Einsamkeit kommt immer noch, wenn du nicht aktiv gegensteuerst
- Die Doppelbelastung bleibt real – keine App löst das
- Und die Frage „Warum studiere ich?“ ist immer noch die wichtigste
Wann sich ein Fernstudium trotzdem lohnt
Trotz allem: Ich bin selbst Fernstudent. Ich betreibe eine Plattform für Fernstudierende. Ich glaube an diese Studienform – aber nicht blind. Ein Fernstudium lohnt sich, wenn:
- Du ein konkretes Ziel hast – nicht „irgendwas mit BWL“, sondern „Ich will Projektleiterin werden“
- Du ehrlich gerechnet hast, wie viel Zeit du pro Woche investieren kannst
- Du dein Umfeld einbezogen hast – Partner, Familie, Arbeitgeber wissen Bescheid
- Du bereit bist, aktiv gegen die Einsamkeit anzukämpfen – Lerngruppen, Community, Study Buddy
- Du weißt, dass es hart wird – und trotzdem Ja sagst
Wer die Schattenseiten kennt und sich bewusst dafür entscheidet, hat die besten Voraussetzungen, es durchzuziehen.
Häufige Fragen
Ja – nicht wegen des Stoffs, sondern wegen der Dauer und der Doppelbelastung. Die Abbrecherquote an der FernUni Hagen liegt bei über 70 %. An privaten Fernhochschulen ist sie niedriger, aber auch dort geben viele auf, die sich den Aufwand nicht realistisch vorgestellt haben. Wer 15–25 Stunden pro Woche neben dem Job investieren muss – über 3–5 Jahre – braucht mehr als Motivation: Gewohnheiten, Struktur und ein Netzwerk.
Für Menschen, die ohne äußere Struktur nicht lernen können. Für Menschen, die den sozialen Aspekt des Studiums brauchen (Lerngruppen, Campus, Kommilitonen). Für Menschen, die gerade in einer belastenden Lebensphase stecken (Jobwechsel, Trennung, Krankheit) und keine zusätzliche Last tragen können. Und für Menschen, die „mal schauen“ wollen, ob Studieren etwas für sie ist – dafür gibt es Nanodegrees oder ein Probesemester.
Aktiv werden. Von allein passiert nichts. Konkret: Einer Community beitreten, einen Study Buddy suchen, Instagram oder Discord für den Austausch nutzen, an Präsenzveranstaltungen der Hochschule teilnehmen. Mehr dazu: So baust du dir ein Netzwerk auf.
Entscheide bewusst – nicht begeistert
Ein Fernstudium kann dein Leben verändern. Aber nur, wenn du dich nicht von Hochschulwerbung blenden lässt, sondern ehrlich mit dir selbst bist. Lies nicht nur die Erfolgsgeschichten – lies auch diesen Artikel. Und dann entscheide.
Was denkst du? Schreib es in die Kommentare.

Kommentare
Aber die Sichtweise hier ist sehr subjektiv.
Ich für meinen Teil habe sowohl an einer Präsenzuni als auch an einer Fernuni studiert. Es mag einiges auf die persönliche Organisation ankommen. Ich empfand das Studium an der Fernuni nicht als einsamer als an der Präsenzuni. Auch dort war es nicht leicht Kontakte zu knüpfen und zu halten. Spätestens im Schwerpunkt verlor man die bekannten Gesichter aus den Augen und saß mit kleinen Gruppen im Seminar, wo mehr als ein wenig Small Talk nicht herum kam. Bei der Fernuni erfolgt der meiste Kontakt zwar virtuell, aber im fortgeschrittenem Studium hatte ich hier sogar mehr regelmäßige Kontakte als an der Präsenzuni. Von daher würde ich hier nicht pauschalisieren, dass ein Fernstudium einsam macht. Hierzu gibt es sogar eine interessante Studie: "Lone Wolves in Distance Learning? An Empirical Analysis of the Tendency to Communicate Within Students Groups". Diese widerlegt im übrigen die Behauptungen, die der Autor aufgestellt hat.
Die subjektiven Erfahrungen scheinen demnach auseinander zu gehen.
Den Punkt "Fernstudium zwingt auch euch an den Rechner" finde ich schon fast lächerlich. "Ich bin lieber draußen unterwegs, in der Sonne, im Wald, an der frischen Luft." Ein Fernstudium ermöglicht hier doch gerade maximale Flexibilität. Meine Bücher kann ich lesen, wenn ich mit den Kindern im Garten oder auf dem Spielplatz bin, lernen kann ich mittels Karteikarten Apps überall zwischendurch - sogar auf dem Klo. Die Vorlesungen muss man sich nicht zu bestimmten Zeiten ansehen, das kann man abends, nachts, bei schlechtem Wetter. Ein Präsenzstudium ermöglicht einem hier doch viel weniger Freiraum. Die Vorlesungen finden zu festen Zeiten statt, die meisten Vorlesungsräume habe ich eher als "Bunker" kennen gelernt. Da kann man (im Gegensatz zum Fernstudium) nicht sagen - "oh, draußen ist so ein schönes Wetter, ich gehe lieber raus" - oder man verpasst die Vorlesung.
Und was bedeutet es, den Lebenslauf zu frisieren? So ein Quatsch. Den Lebenslauf frisiert man nicht dadurch, dass man möglichst viele, zum Teil absolut unterschiedliche Studiengänge abgeschlossen hat. Das zeugt wohl eher von Unentschlossenheit. Den Lebenslauf frisiert man durch ehrenamtliche Tätigkeiten, durch Lehrgänge, durch Fortbildungen im eigenen Bereich. Und da ist es den Arbeitgebern am Ende ziemlich egal, ob man an einer Präsenzuni oder "nur" an der FernUni studiert hat. Entscheidend ist am Ende das, was man kann - nicht das, was im Lebenslauf steht.
Studium - ganz gleich ob präsent oder unpräsent - ist nicht nur leistungsorientiert oder profilierungsorientiert. Die Gründe für's Studieren können bunt wie ein Regenbogen sein. Manchen Menschen erfüllt die Möglichkeit zu Studieren den Zweck der Teilhabe. Allein deshalb ist es sehr gut und äußerst positiv, dass es Fernstudienmöglichkeiten überhaupt gibt.
dann habe ich gute Nachrichten für dich: Das Studium an der FernUni Hagen ist nicht so teuer. Die 300 Euro zahlst du im Schnitt pro Semester, also alle halbe Jahre. Das Bachelor-Fernstudium Wirtschaftsinformatik an der FernUni kostet beispielsweise insgesamt etwa 2000 Euro, wenn du Teilzeit studierst. Die 2000 Euro verteilen sich auf die gesamte Studienzeit. Was du dann pro Semester zahlst, richtet sich danach, was du im Semester an Modulen belegst.
ein sehr interessanter Artikel und ich muss dir in einigen Punkten recht geben.
Ein Fernstudium/Fernlehrgang erfordert sehr viel Disziplin und es ist auch nicht leicht der Familie und den Freunden zu erklären, dass man jetzt keine Zeit hat.
Die sehen das beim ersten und auch beim zweiten Mal noch ein, aber wenn man immer wieder absagt, fragt irgendwann keiner mehr nach.
Allerdings habe ich selber die Feststellung gemacht, dass so oft ich meinen Fernlehrgang auch verteufle, ich könnte nicht ohne.
Ich habe 2005 meinen ersten Fernlehrgang bei der SGD absolviert und dann geschworen, diese Schinderei nie wieder auf mich zu nehmen.
Was mache ich heute? Ich bin beim nächsten Fernlehrgang dabei und überlege schon, was ich da noch draufsetzen könnte.
Ich bin der Meinung, hat man mal einen Fernlehrgang/ein Fernstudium absolviert, macht das ungemein süchtig. Man will mehr.
Und das ist wiederum das schöne an einem Fernlehrgang.
lg
Taylor
danke Dir für deinen Kommentar, ich kann auch nachvollziehen, was du meinst. Aber vergiss darüber deine Familie nicht ;-)
keine Angst, die Familie vergess ich schon nicht.
Meine Schwester macht ja auch eine zeitintensive Fortbildung und da schaufelt man sich dann einfach gemeinsam irgendwo ein paar Stunden frei und sitzt beisammen.
Gute Nacht
Taylor
Ich bin die Vorsitzende der Studentenverbindung der Fernstudenten in der Schweiz. Wir organisieren jeden zweiten Monat, einen Stammtisch für alle Fernstudenten der Fernuni Hagen. Diesen Herbst fand das erste Herbstfest im Studienzentrum Brig statt und seit vier Jahren organisieren wir Studienreisen, die wir einmal im Jahr durchführen.
Am Stammtisch nehmen jeweils 8 bis 10 Personen teil. Daraus entstehen Lerngruppen oder es werden private Treffen organisiert.
Beim Herbstfest waren es über 20 Teilnehmer die einen tollen Nachmittag und Abend verbrachten. Kultur inklusive.
Die Studienreisen führten uns nach Berlin, Weimar, Wien und nächstes Jahr geht es nach Budapest. Im Moment läuft eine Planung für eine grössere Reise nach Russland.
Das sind alles freiwillige Angebote wer mag der kommt und wer nicht der eben nicht. Eines ist aber sicher, wer sich ein Netzwerk aufbaut der wird auch das Studium beenden.
Möglichkeiten für den Kontakt unter den Fernstudenten bestehen, zumindest in der Schweiz, nutzen muss sie jeder selber.
Wenn ich jetzt meinen Beitrag oben lese, muss ich mich doch selbst über diese Passage hier wundern:
Eine bloße Behauptung ohne jeglichen Hintergrund. Außerdem frage ich mich, was für einen Zusammenhang ich zwischen dem ersten Satz und dem Apple-Vergleich ziehen wollte. Sehr sophistisch, dieser Absatz.
Aber, das hatte ich ja bereits mehrfach gesagt, der Beitrag sollte weniger in die Tiefe gehen als vielmehr zum selbstständigen Denken und zu Diskussion anregen. Dieses Ziel hat er mit durchschlagendem Erfolg erreicht. Siehe auch die Diskussion dazu auf fernstudium-infos: http://www.fernstudium-infos.de/fernstudium-allgemein/26688-warnung-vor-dem-fernstudium.html (die ich bis jetzt noch nicht verfolgt habe, aber in die Auswertung der Blogparade zu den Vor- und Nachteilen einbeziehen werde).
Eure Aktivitäten zur Vernetzung der Fernstudenten untereinander begrüße ich ausdrücklich. Besonders gefällt mir auch die Studienreise nach Weimar ;-) (mein Heimatort).
Auch das Internet bieten viele Vernetzungsmöglichkeiten wie z.B. fernstudi.net.
Man könnte jetzt die Begriffe "Vernetzung" und "Sozialisation" mal schön einzeln definieren und voneinander abtrennen.
Und untersuchen, inwieweit "Vernetzung" z.B. für die spätere Karriere oder auch andere Dinge von Vorteil ist.
Dann könnte man diese Vorteile gegenüber denen der Sozialisation aufwiegen. Und Fernstudis, das hatte hier glaube ich auch jemand kommentiert, stehen ja oft bereits voll im Leben und sind vielleicht sogar "sozialisierter" als Präsenzstudis, auch weil sie im Schnitt älter sind. Fernstudis sind halt wahrscheinlich eher nicht so gut mit anderen Fernstudis oder Präsenzstudis sozialisiert.
Dann schaut man sich an, wie erfolgreich die gut (untereinander) vernetzten Fernstudis, die auch stark Online-Möglichkeiten wie Foren, Blogs, Facebook und Twitter nutzen., z.B. im Beruf oder auch in anderen Bereichen sind.
Und man schaut, wie der Vernetzungsgrad durch online bei Präsenzstudenten aussieht. Vielleicht ist der ja im Schnitt viel geringer und beschränkt sich eher auf Plattformen wie StudiVZ oder Facebook, die nicht dem gemeinsamen Lernen dienen, sondern eher der Unterhaltung.
Vielleicht würde man dann feststellen, dass gut vernetzte Fernstudis in vielen Dingen erfolgreicher sind als Präsenzstudis, keine Ahnung.
Das wäre ein tolles Ergebnis. Müsste man nur noch dafür sorgen, dass mehr Fernstudis die Möglichkeiten des Web-2.0 und des kollaborativen Lernens nutzen, denn hier hakt es sicher noch ... Vermutlich sind diejenigen, die die besten Möglichkeiten voll ausreizen, in der Minderheit.
Ach ja, je nach Begriffsdefinition kann Online-Vernetzung ja wahrscheinlich auch zu Sozialisation führen. Oder einfach gesagt: Aus Online-Kontakten werden Real-Life-Begegnungen und vielleicht sogar -Freundschaften.
Du hast aber sicher recht, aus Online-Kontakten sich können Freundschaften entwickeln und was gut ist, diese gehen über die Landesgrenzen hinaus. Was ja auch ein grosser Vorteil ist.
Im Netz geht das effizient. Frage in einem Forum posten, warten, Anregungen, Hinweise und Lösungsvorschläge bekommen, fertig. Natürlich muss man entsprechend bereit sein, selbst seinen Teil dazu beizutragen. Und man muss fähig sein, die Spreu der Antworten vom Weizen zu trennen.
Aber Offline-Kontakte sind natürlich in vielerlei Hinsicht durch das Netz nicht zu schlagen. Sei es der Kontakt zu einem einzelnen Lernpartner oder "Buddy", der vielleicht sogar ein guter Freund ist, und den man immer wieder motiviert und der einen motiviert, mit dem man gemeinsam studiert.
Sei es die Lerngruppe, die aus x Lernenden und x Lehrenden besteht, Lerngewohnheit durch regelmäßige Treffen schafft und das Lernen noch mit dem (für die meisten) Genuss der sozialen Interaktion verbindet. Vor allem werden dabei, im Gegensatz zu einem Forum, alle Sinne angesprochen, was Lern- und Verstehensprozesse sicher vereinfacht.
Für Großstädter wie mich ist es nun kein Problem, solch eine Lerngruppe zu gründen oder einer beizutreten. Wer aber "abschüssig" wohnt, hat diese Möglichkeit nicht oder kann Treffen wahrscheinlich nicht z.B. wöchentlich besuchen. Skype und Videotelefonie könnten hier einen Ausgleich schaffen. Auch in Bezug auf die Interaktion mit Lehrkräften.
Noch was anderes: In Zukunft gibt es vielleicht gar keine Trennung zwischen Fernhochschule und Präsenzhochschule mehr. Vorlesungen kann man live von zu Hause über den Rechner mitverfolgen, bei Bedarf geht man in den Vorlesungssaal. An Seminaren kann man per Videokonferenz teilnehmen oder auch direkt im Seminarraum. Lehrbücher gibt es auf digitalen Lesegeräten, oder auf Wunsch auch als richtiges Buch. Für Kurse und Module gibt es immer einen E-Learning-Kurs, der Wissen festigt und abfragt. Usw ...
All diese neuen Technologien kommen JEDEM Lerner zugute, ob im Fernstudium oder im Präsenzstudium, denn sie sorgen bei richtiger Anwendung für eine Effizienzsteigerung.
Und da die Präsenzhochschulen auch durch den Wettbewerb untereinander stark an sehr guten Studenten interessiert sind, interessieren sie sich mehr und mehr für neue Technologien im Bereich Lernen. Manche sind der FernUni Hagen dabei doch schon Schritte voraus. Etwa die Uni Tübingen mit ihrem Angebot an online abrufbaren Vorlesungen.
ich habe mir nochmal zum "studentischen Leben" bei Fernstudenten Gedanken gemacht. Irgendwie sehe ich nicht, was Präsenzstudenten tun können und Fernstudenten nicht. Vor allem wenn man in der Nähe einer Präsenzuni wohnt, kann man doch am studentischen Leben der betreffenden Stadt teilhaben.
Was hindert einen Fernstudenten z.B. daran in eine Studenten-WG zu ziehen? Das ist doch nicht sein Status als Fernstudent, sondern weil vielleicht jemand Familie hat. Aber auch Präsenzstudenten mit Frau und 3 Kindern würden nicht in einer WG wohnen. Hier ist der Hinderungsgrund also nicht das Fernstudium, sondern die Familiengründung.
Was hindert einen Fernstudenten daran auf eine Studentenparty zu gehen, in eine Studentenkneipe oder ein Studentenbistro? Das ist dann wohl eher das Alter als der Umstand, dass man Fernstundent ist. Auch 40 jährige Präsenzstundenten werden wohl eher auf Parties für ihre Altersgruppe gehen, als auf Studentenparties, wo lauter 19 Jährige rumhüpfen. Hier also das Alter als vermeintlicher Hinderungsgrund und nicht der Status als Fernstudent.
Was hindert einen Fernstundenten daran die meist öffentlichen Angbote des Hochschulsports der nahen Präsenzhochschulen zu nutzen? Was hindert einen Fernstudenten daran sich zum Lernen in die Unibib oder den Aufenthaltsraum der nahen Präsenzuni zu setzen? Was hindert einen Fernstudenten daran sich bei Studentenstreiks und einer Demo anderen Studenten anzuschließen? Beim Bildungsstreik 2009 z.B. wurde das Audimax der FH Nürnberg auch von Studenten der Erlanger Uni und anderen umliegenden Hochschulen besetzt. Warum nicht auch als FernuniStudent einfach mitbesetzen? Was hindert einen Fernstudenten daran sich einer Studentenverbindung, einer Burschenschaft oder einer politischen oder religiösen Studentengruppe anzuschließen? Diese genanten Gruppen stehen Studenten hochschulübergreifend zur Verfügung. Der Umstand dass man Fernstudent ist, versperrt einem doch nicht den Weg in studentische Organisationen. Hier ist der Hinderungsgrund vielleicht die mangelnde Zeit wegen Berufstätigkeit. Aber auch Präsenzstudenten, die kein Bafög bekommen oder reiche Eltern haben und daher für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen, haben keine Zeit Hochschulsport zu machen oder sich anderweitig studentisch in Gruppen zu engagieren. Hier also das Hindernis Zeit/Berufstätigkeit, und wieder nicht der Umstand Fernstudent zu sein. Denn nicht alle Fernstudenten sind neben dem Studium berufstätig.
Was hindert Fernstudenten daran sich darüber zu erkundigen, ob die Mensa ihrer nahen Präsenzuni Gastkarten ausgibt, so dass auch Studenten, die nicht dem betreffenden Studentenwerk angehören, die Mensa nutzen können. In Nürnberg ist es z.B. so. Ich besitze eine weiße Gast-Mensakarte. Auch habe ich eine Semsetermarke für die Nürnberger Verkehrsbetriebe, kann also zu studentischen Tarifen die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Dank eines Internationalen Studentenausweises bekomme ich auch so manche studentische Vergünstigungen bei Übernachtungen, Kulturveranstaltungen etc.
Und das studentische Feeling eines überfüllten Hörsaals können Fernstudenten erleben, so sie es denn unbedingt wollen, bei öffentlichen Ringvorlesungen, die jede Präsenzuni anbietet. Als Alternative kann man sich auch für 2 SWS als Gaststudenten einschreiben. Wird dabei (wie bei manchen Universitäten) die allgemeine Hochschulreife vorausgesetzt und man hat sie nicht, ist der Hinderungsgrund die fehlende Hochschulreife und nicht der Umstand, dass man Fernstudent ist.
Also, was am studentischen Leben können Präsenzstudenten erleben, Fernstudenten aber nicht, sofern nicht andere Hinderungsgründe wie Familie, Berufstätigkeit usw. dagegensprechen?
Diese Diskussion und Deine Beiträge sind interessant und geben mir viele Anregungen für die Auswertung der Blogparade zu den Vor- und Nachteilen eines Fernstudiums (https://www.fernstudi.net/magazin/10895).
Folgendes möchte ich Dir auf Deinen Beitrag erwiedern.
Du schreibst:
Ich glaube, dass Du mit vielen Aufzählungen in Deinem Beitrag (implizit) von dieser Voraussetzungen ausgegangen bist: Die (meisten) Fernstudenten befinden sich einer nahezu gleichen Lebensituation wie Präsenzstudenten.
Nun, dann könnten Sie doch auch ein Präsenzstudium machen? Tatsächlich, diese Tatsache kann ich auf die Schnelle jetzt allerdings nicht belegen, sind die meisten Fernstudenten in einer anderen Lage als Präsenzstudenten, bezogen z.B. auf diese Punkte:
- Viele (der Großteil?) Fernstudenten sind berufstätig und opfern einen großen Teil ihrer Freizeit dem Studium. Sie haben also weniger "Freizeit" als Präsenzstudenten, selbst dann, wenn sie ein Teilzeitstudium absolvieren und berufstätig sind.
- Mehr Fernstudenten als Präsenzstudenten haben eine Familie gegründet = weniger Freizeit für "Studentenleben".
- Mehr Fernstudenten als Präsenzstudenten müssen ihr Studium komplett alleine finanzieren, sie erhalten kein BAföG und keine Unterstützung von den Eltern -> sie sind zur Arbeit gezwungen -> weniger Freizeit.
- Usw.
Zusammengefasst kann man sagen: Fernstudenten haben im Schnitt weniger freie Zeit zur Verfügung als Präsenzstudenten. Freizeit ist allerdings eine wichtige Vorausetzung für das Studentenleben. Bei Fernstudenten ist sie eine wichtige Voraussetzung für Sozialkontakte zu Präsenzstudenten.
Beim Begriff "Studentenleben" hakt es auch. Ich verstand Studentenleben im Beitrag oben als
Mein Fehler ist es hier, den Begriff nicht ausreichend definiert zu haben.
Mit Deiner impliziten Definition (WG, Party/Geselligkeit, Sport, "Hörsaalfeeling" etc.) gehe ich konform.
Um auf Deine Frage zusammenfassend zu antworten:
Nichts. Aber bei einem Großteil der Fernstudenten sprechen die Hinderungsgründe wie Familie, Berufstätigkeit usw. dagegen.
Bei nahezu gleichen Bedingungen aber (Vollzeitstudium, "Fremdfinanzierung", keine oder nur aushelfende Berufstätigkeit bzw. Praktika, evtl. gleiches Durchschnittsalter usw.) kann ein Fernstudent natürlich einen großen Teil des Studentenlebens mitmachen. Allerdings treten nahezu gleiche Bedingungen aber bei den wenigsten Fernstudenten auf (das kann ich hier, wie oben gesagt, nicht belegen).
Statistiken hierzu sind sicherlich aufzufinden und ich werde sie bei Gelegenheit recherchieren, vielleicht findest Du ja auch was.
Stimmst Du mir da überein?
ich kann Deine Bedenken überhaupt nicht teilen. Ich habe den Vergleich Präsenzuni, wo ich mein Erststudium absolvierte und mein Zweitstudium jetzt an der FernUni Hagen. Beides übrigens in Vollzeit. Ich habe vielleicht den Vorteil, dass ich mir meine Zeit frei einteilen und nebenbei nur studentisch jobben muss, wie ich es an der Präsenzuni auch schon gemacht habe. Aber meine Erfahrungen sind folgende: Ich war an der Präsenzuni genauso scheiße einsam, wie man es immer von Fernstudenten denkt. Ich war dank Abi auf dem Zweiten Bildungsweg ca. 15 - 20 Jahre älter als die "normalen" Studenten vom Gymnasium, wurde regelmäßig von anderen Studenten gesiezt und anfreunden konnte ich mich in den 5 Jahren Studium mit niemandem so richtig. Wenn es um Referate ging, war ich froh, wenn man sie alleine machen konnte, denn Teamwork lief bei vielen nicht. Da wurden Verabredungen zu Treffen nicht eingehalten oder schon mal gesagt: "Mach Du mal". Sowas nenne ich unsozial. Am Schluss hab ich mir dann nur noch die Skripte besorgt und bin gar nicht mehr in Vorlesungen gegangen. Und viele meiner Seminare habe ich als Blockseminare am Wochenende hinter mich gebracht.
Ich würde nie wieder an einer Präsenzuni studieren. Es war die einsamste Zeit meines Lebens und als "Alte" hab ich mich unter den ganzen 19 Jährigen echt fehl am Platz gefühlt. Und was nützt mir ehrlich gesagt das sog. studentische Leben, wenn ich auf Studentenparties eh nur blöd angeschaut werde, so nach dem Motto: "Die Alte hat sich wohl verlaufen. Das ist ne Studentenfete, keine Ü30 Party".
Außerdem glaube ich, dass es sich mit dem Bachelor und der Einführung der Studiengebühren in vielen Bundesländern eh mit dem studentischen Leben erledigt hat. Die Jungstudis müssen jetzt das Geld für die Studiengebühren erarbeiten und können nicht mehr jeden Tag Party machen. Und dank Bachelor geht jetzt das Konkurrenzdenken an den Unis los, ob man ja den Schnitt für die Aufnahme in den Master schafft und ob man vom lieben Kommilitonen nicht den begehrten, weil verpflichtenden, Praktikumsplatz, weggeschnappt bekommt. Wenn man dann noch in manchen Studiengängen verpflichtende Stundenpläne von 8 Uhr früh bis 6 Uhr abends hingeknallt bekommt und noch dazu jedes Semester studienbegleitende Prüfungen hat, vergeht einem das studentische Leben ganz schnell.
sehr schöner Beitrag, danke!
Ich gebe zu, dass der Beitrag von mir nur sehr oberflächlich reflektiert und mehr Diskussion provozieren soll als in die Tiefe des Themas zu gehen.
Vieles von dem, was Du schreibst, kann ich nachvollziehen. Ich war zwar nicht viel älter an der Uni als die anderen, aber ich war auch immer Einzelgänger. Außerdem wollte ich wirklich ernsthaft studieren und nicht meine Zeit mir Partys etc. vergeuden (heute weiß ich aber, wie wichtig auch das ist). Alleine dadurch sondert man sich schon ab, denn die meisten wollen einfach nur so einfach wie möglich durchkommen und schauen Studis komisch an, die halb besessen studieren. Kann ich auch heute erst verstehen und nachvollziehen.
Wie sehr ich das Selbststudium mag, habe ich als Gegenstück zu diesem Beitrag ja hier beschrieben: https://www.fernstudi.net/magazin/fernstudium-ich-liebe-es
Deine Erfahrungen zeigen auch noch einmal einen wichtigen Vorteil des Fernstudiums auf: Fernstudium ermöglicht es auch "älteren" Semestern, die nicht frisch vom Gymnasium kommen, zu studieren, bei größtmöglicher Flexibilität.
Zur Einsamkeit: Das ist aber eine individuelle Sache, die bei mir ähnlich war. In meinen Studiengängen gab es aber auch viele weit über 30, die sehr engagiert und integriert waren; sicher, bei den "fetten Saußen" waren sie nicht dabei, weil sie sich etwa um die Familie kümmern mussten, aber sie waren nicht alleine.
Wärst Du es vielleicht auch genauso alleine gewesen, wenn Du direkt nach dem Abitur an die Uni gegangen wärst?
Es gab da an der Präsenzuni viele so kleine Begebenheiten, die mich halt voll genervt haben und die mir das "studentische Feeling" ganz schön vermiest haben, z.B. dass ich in der Mensa immer mal wieder nach meiner Immatrikulationsbescheinigung gefragt wurde, ob ich denn wirklich Studentin sei. Oder bei einer überfüllten Vorlesung, dass ich mit anhören musste, wie sich junge Studenten darüber beschwerten, dass die Gasthörer und die vom Seniorenstudium ihnen die Plätze wegnehmen und in dem Zusammenhang auch zu mir rübergeschielt wurde. Oder wenn ich zu einer Studenteparty wollte, ich am Eingang audrücklich darauf hingewiesen wurde, dass das eine Party für Studenten sei und man mich dann ganz blöd angesehen hat, als ich meinen Studentenausweis gezückt habe. Außerdem galten Leute, die ihr Abi über den Zweiten Bildungsweg hatten, sowieso als Studenten zweiter Klasse. Immer mal wieder kam von Dozenen: "Das wissen Sie ja sicher noch vom Gymnasium", oder "Wie sie aus der Kollegstufe sicher wissen dürften ....".
Also, meine Zeit an der Präsenzuni war nicht so schön und ich hab zugesehen, dass ich das Studium so schnell wie möglich über die Bühne kriege.
Ich weiß nicht, ob es genauso gewesen wäre, wenn ich mit 19 Abi hätte machen können und danach gleich studiert hätte. In dem Alter hab ich nach der Realschule eine schulische Ausbildung gemacht und an der Schule hatte ich eigentlich keine Kontaktprobleme. Da war ich eigentlich immer in der Spaß- und Säuferclique, lach.
Ich würde daher jedem, der in dem passenden Alter ist (~20-30) und es sich leisten kann (ungebunden, ohne Verpflichtungen?) empfehlen ein Studium an einer Präsenzuni zu absolvieren. Allein wegen dem Studentenleben.
Aber was machen denn z.B. Leute mit Familie? Oder Leute, die eine Ausbildung und einen guten Job haben, den sie nicht kündigen wollen? Leute mit einer schönen Wohnung, die ihren Lebens-Standard nicht aufgeben möchten? Oder Menschen über 35/40/50, die sich weiterbilden möchten oder bei denen ein Studium für eine bestimmte Stelle voraussetzung für den Karriereaufstieg ist? Diese wieder auf die Uni, ins Präsenzstudium schicken? Den Leuten bleibt nicht mehr viel mehr, als das Studium berufs- oder lebensbegleitend anzugehen. Das solltest Du bei deinem Beitrag vielleicht im Hinterkopf haben.
Nicht jeder hatte das Glück in jungen Jahren von den Eltern, dem Bafög oder einem gut bezahlten Studi-Job sein Studium finanzieren zu können und am Studentenleben (lt. den meisten Akademikern: der wohl schönsten Zeit in ihrem Leben) teilzuhaben.
Ich habe vorher den Staatlich geprüften Betriebswirt gemacht und kann daher das Fernstudium mit Erfahrungen eines Präsenzstudiums vergleichen, auch wenn es nicht eine Hochschule mit Campus und Uni-Feten gewesen ist etc Aber entscheidend neben dem süßen Studientenleben (dass ich heute auch nicht mehr so führen wollte) bleibt einfach der Nachteil beim Fernstuidum, dass man viel als vermeintlich Sozialkompetenz bezeichnete Fähigkeiten nicht erwirbt. Beim staatlich geprüften Betriebswirt mussten wir immer wieder Vorträge halten, uns in Gruppen mit Projekten beschäftigen etc. Beim Fernstudium habe ich dann und dann eine Klausur und ich lerne den Stoff, bis ich ihn mir auswendig vor Augen führen kann. Aber vom Wissen her ist es eine bessere Methode. Und das Fernstudium hat eine zeitliche Flexibilität, die kein Präsenzstudium zu bieten hat.
Alles hat seine Vor- und Nachteile oder vereinfacht:
das Wissen vom Fernstudium möchte ich nicht missen, das soziale Lernen an der Wirtschaftsakademie nicht dissen.
Sicher fordert ein Fernstudium Disziplin und Ausdauer - das habe ich aber nie als Nachteil gesehen. Den Campus habe ich schon vermisst, aber als unsolzial habe ich das Fernstudium nicht empfunden. Im Gegenteil, es gab oft einen Austausch und ich habe viele Fernstudenten als extrem hilfsbereit trotz ihrer Belastungen erlebt. Das gilt sowohl für die Präsenzen als auch für den virtuellen Kontakt. Was die Einsamkeit angeht. Sicher ist die freie Zeit für soziale Kontakte geringer. Allerdings habe ich dafür die Zeit, die ich mit Freunden, Familie, Partnerin verbracht habe als wesentlich intensiver und sozial aktiver erlebt.
Ich möchte die Fernstudium-Erfahrung nicht missen. Aber ich gebe gerne zu, dass ich auch gerne die Erfahrung als Präsenzstudent gemacht hätte und es bedauere, die Möglichkeit dazu nicht ergriffen zu haben. Denn ein richtiges Studentenfeeling - das kommt im Fernstudium tatsächlich eher selten auf.