Wie toxisch bin ich? Mein Verhalten unter Stress im Toxizitäts-Check | mit Prof. Dr. Daniela Voigt
Toxisches Verhalten bei Mitmenschen zu identifizieren oder wahrzunehmen und dieses zu managen ist eine Sache. Selbiges bei sich selbst festzustellen, die Grenze zwischen situativ und toxisch zu erkennen, und damit umzugehen wiederum etwas ganz anderes.
Prof. Dr. Daniela Voigt ist Professorin für Soziale Arbeit an der @SRH.Fernhochschule , Beraterin, Coach und Autorin. In ihrem Buch „Gesunder Umgang mit toxischen Menschen für Dummies“ zeigt sie auf, wie man toxische Verhaltensweisen erkennt und sich vor ihrem Einfluss schützt.
In Podcast Folge 37 hat Prof. Dr. Daniela Voigt mit Christian unter anderem darüber gesprochen, wie man das eigene Verhalten einordnet und wann es problematisch wird.
Die ganze Folge „Toxische Menschen in der Arbeitswelt - Wie wir uns schützen können | mit Prof. Dr. Daniela Voigt“: youtube.com/watch
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#mentalhealth #psychologie #fernstudium
Transkript
Ich hätte noch eine Frage, das wäre so ein eigenes kleines Thema, über das ich gerne noch mit Ihnen reden möchte: Was ist, wenn ich mir selber nicht sicher bin, ob Verhaltensweisen, die ich an den Tag lege, für andere vielleicht problematisch oder toxisch sind?
Bei mir persönlich gibt es natürlich Sachen, da weiß ich, dass ich für meine Kollegen sicherlich ab und zu stressig bin – wenn ich den eigenen Druck, den ich habe, weil ich das Ganze irgendwie auch wirtschaftlich am Laufen halten muss, dann auf meine Kollegen übertrage, die eigentlich gar nichts dafür können. Obwohl ich mir auch immer wieder sage: Nein, diesen Druck möchte ich nicht weitergeben. Oder im Privatleben, wenn ich den Druck von der Arbeit mit nach Hause nehme und das dann irgendwie an die Kinder geht, die auch überhaupt nichts dafür können, dass es gerade nicht so gut läuft oder ich Schwierigkeiten habe.
Und dann lege ich vielleicht auch toxische Verhaltensweisen an den Tag – wenn mir etwas nicht passt, manipuliere ich eben, um Dinge schneller durchzusetzen, obwohl die Menschen eigentlich gar nichts dafür können. Was kann ich denn machen, um da selber reflektiert zu bleiben und zu gucken, ob ich nicht selber irgendwie toxisch für andere Menschen bin?
Warum sich gerade Empathische für toxisch halten
Sie sprechen da etwas an, was unglaublich schnell passiert. Gerade empathische Menschen halten sich immer ganz schnell für toxisch. Und ich will da jetzt keinen Generalablass erteilen und sagen: Du bist nicht toxisch, weil du ja empathisch bist – das meine ich damit nicht.
Aber eine Sache: Gehen wir mal zurück auf meine Anfangsdefinition – ich setze dauerhaft, bewusst und ohne Reue meine Bedürfnisse auf Kosten anderer durch. Wenn wir uns das angucken, dann ist ein Verhalten, wie Sie es gerade beschrieben haben, sehr situativ. Sie können es auch benennen, und Sie hören sich auch so an, als hätten Sie durchaus ein bisschen Reue oder ein schlechtes Gewissen. Solche Merkmale haben toxische Menschen in der Regel nicht – die freuen sich ganz gerne auch noch darüber, was sie da fabrizieren.
Für alle, die unsicher sind
Es gibt ja im Netz tausende Tests, in Büchern sind auch welche. Ich kenne das: Ich habe immer wieder Leute in der Beratung vor mir sitzen, die der festen Überzeugung sind, dass sie die toxischen Menschen sind – obwohl sie eigentlich das Opfer sind. Machen Sie mal so einen Test, Selbstreflexion ist etwas Gutes. Aber wenn der Test wenig Indikatoren zeigt und alles situativ ist, dann gucken Sie mal genauer auf die andere Seite.
Denn wir sind ja keine Engel, jeder von uns wird im Leben die eine oder andere Sache machen, die Mist ist. Aber da entschuldigen wir uns vielleicht auch, und dann ist es auch wieder gut. Das ist dann nicht mein dauerhaftes Verhaltensmuster, und damit bin ich nicht toxisch – sondern da war ich einfach gerade ein Arsch. Das kann halt auch mal passieren.

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