Stress im Studium abbauen, Burnout vorbeugen, Leistung steigern – Dimitra Apatzidou im Interview

In dieser Podcast-Folge spricht Christian mit Expertin für Work-Life-Study-Balance Dimitra Apatzidou über Stress, Stressmanagement & Stressbewältigung. Die Folge ist auch dann interessant, wenn ihr euch nicht „gestresst“ fühlt, denn wer in der Lage ist, schnell akuten Stress abzubauen und chronischen Stress zu vermeiden, wird insgesamt auch mehr im Studium leisten können.

Inhalt:

00:00 Vorschau
03:25 Warum Christians Woche extrem stressig war
06:47 Über Dimitras Werdegang
11:00 Wie Dimi im berufsbegleitenden Studium ihre Noten verbessert hat
12:50 Dimitra über das Studium an der FOM
15:05 Herausforderung des dualen Studiums
16:46 Was genau passiert bei Stress im Körper
21:35 Stressfaktor Angst im Studium
23:44 Stressfaktor Perfektionismus im Studium
25:04 Stressfaktor Überforderung im Studium
27:16 Stressfaktor Erwartungen von anderen
29:02 Stressfaktor toxische Beziehungen im Studium
30:41 Stressfaktor Prokrastination im Studium
34:20 Wie erkennt man chronischen Stress?
42:55 Stress erkennen durch Ruhepuls & Herzfrequenzvariabilität
46:07 Stress abbauen durch Entspannungstechniken
49:11 Stress abbauen durch Atemübungen
54:17 Stress abbauen durch Mindfulnes bzw. Achtsamkeit
56:00 Stress abbauen durch Stretching, Yoga & Mobility
58:13 Soll man Stress um jeden Preis vermeiden?

Dimitra im Internet:

➡️ Website: https://dualohnequal.de
➡️ Instagram: https://www.instagram.com/dualohnequal

Im Podcast erwähnt:

👉 Herzfrequenzvariabilität, natürliche Variation der Zeit zwischen zwei aufeinanderfolgenden Herzschlägen https://de.wikipedia.org/wiki/Herzfrequenzvariabilit%C3%A4t
👉 Biofeedback mit dem Inner Balance Sensor für Android oder iOS
https://shop.heartmathdeutschland.de/shop/store.php?lang=de&id=156&product=128
👉 Biofeedback mit dem emWave 2 https://www.heartmathdeutschland.de/product/em-wave-2/
👉 Infos zur FOM Hochschule für Oekonomie & Management https://www.privathochschulen.net/hochschulen/fom-hochschule-fuer-oekonomie-und-management

Christian: So, Dimitra, herzlich willkommen im Podcast!

Dimitra: Vielen Dank, hey!

Christian: Wir wollen jetzt ein bisschen über das Thema Stress reden, und ich dachte so als kleinen Einstieg erzähle ich erstmal, dass ich gerade eigentlich ziemlich gestresst bin, weil ich gerade eine ziemlich stressige Phase habe beruflich und auch privat. Bei mir kommen gerade sehr viele Sachen zusammen. Diese Woche habe ich zwei Podcasts aufzunehmen, und diese Podcasts sind für mich schon gewisser Stress. Ich habe auch immer ein bisschen Lampenfieber, ganz ehrlich. Dann habe ich noch einen Gastauftritt in einer anderen Sendung, das ist für mich auch ein Novum. Und am Wochenende habe ich ein Seminar zu meiner Weiterbildung, da muss ich auch sehr weit fahren, ungefähr 300 Kilometer. Da kommt hinzu, dass wir intern in der Firma an einem riesigen Projekt arbeiten, das mir momentan jegliche Freizeit nimmt. Wie sieht es bei dir aus?

Dimitra: Tatsächlich ist es dieses Mal auch mein erster Podcast, also mein erster Gastauftritt, deswegen bin ich schon ein bisschen aufgeregt. Ich habe mich auch vorbereitet, so gut ich konnte. Ich glaube, es sind immer mal wieder Phasen, die kommen und gehen, das ist normal.

Christian: Lass uns erstmal so ein kleines bisschen über deinen Werdegang reden. Du hast einen Bachelor in BWL gemacht, den hast du aber als normales Präsenzstudium gemacht?

Dimitra: Richtig, das war ein Präsenzstudium Vollzeit, und ich hatte mich damals auch für einen Teilzeitjob entschieden, also ich habe zwei Jahre dann auch nebenbei als Verkäuferin gejobbt.

Christian: Und deinen Master hast du dann an der FOM gemacht, der Hochschule für Ökonomie und Management?

Dimitra: Genau, ich habe erstmal ein bisschen Berufserfahrung gesammelt, im Bereich Online-Marketing gearbeitet, und irgendwann nach zwei Jahren, im Jahr 2018, habe ich mich dann für das berufsbegleitende Studium an der FOM entschieden.

Christian: Was hast du für einen Studiengang gemacht?

Dimitra: Das war Marketing and Communication. Ich hatte auch im Bachelor den Schwerpunkt Marketing, das war allerdings ziemlich theorielastig, und das wollte ich noch mal vertiefen in einem praxisnahen Studiengang.

Christian: Wie hast du das zeitlich gemacht? Du warst Vollzeit berufstätig?

Dimitra: Genau, also es war ein Nine-to-five-Job. Ich habe mich für das Abend- und Wochenendstudium entschieden. Das war dann jede zweite Woche, dass man dann in der Woche Vorlesungen hatte, ein bis zwei Mal, und dann manchmal auch am Samstag, von 9 bis 17 Uhr. Und manchmal war das natürlich auch knapp, man hat dann um Viertel nach fünf noch im Büro gesessen und sich dann abgehetzt, um pünktlich um 18 Uhr in der Vorlesung zu sitzen.

Christian: Auf deiner Webseite schreibst du, dass du notentechnisch im ersten Studium nicht ganz so gut warst, aber im berufsbegleitenden Studium viel besser. Kannst du da ein bisschen was dazu sagen?

Dimitra: Ja, die Wahrheit ist, im Bachelor habe ich eigentlich alles falsch gemacht, was ich falsch machen konnte. Ich war da sehr unerfahren, nach dem Abi habe ich mit dem Bachelor angefangen, und da konnte man nicht mehr so lernen wie für das Abi. Ich habe sehr lange gebraucht, um da reinzukommen, und meine Zeit richtig zu managen, Prioritäten zu setzen. Das war sehr chaotisch. Und im Master, das was ich mit der Zeit gelernt habe, habe ich dann angewendet, und das hat auch ganz gut funktioniert.

Christian: Wie hat es dir generell an der FOM gefallen?

Dimitra: Mir hat das Studium ganz gut an der FOM gefallen. Ich bin auch sehr gerne in die Vorlesungen gegangen, die meisten waren schon bereichernd, weil man sich mit den Kommilitonen austauschen konnte. Viele Dozenten kamen aus sehr spannenden Bereichen und haben sehr interessante Sachen mit eingebracht.

Christian: Wie ist der Kontakt zu Kommilitonen?

Dimitra: Wir haben uns von Anfang an in WhatsApp-Gruppen organisiert, es sind kleine Gruppen. Wir haben das manchmal auch Therapiegruppe genannt, wenn man sich dann quasi auch auskotzen konnte. Und zusammen auch auf Prüfungen vorbereiten.

Christian: Was sind denn eigentlich so die großen Herausforderungen für diejenigen, die dual oder berufsbegleitend studieren?

Dimitra: Natürlich zu Beginn muss man sich anpassen, der Alltag ändert sich, man muss sich umstrukturieren. Wann kann ich lernen, wann kann ich meine Freunde treffen? Disziplin, Motivation, nicht immer hat man dann Lust, nach der Arbeit dann irgendwas für das Studium zu tun. Und die Zeit vergeht auch sehr schnell, wenn du irgendwie eine Woche nichts machst, kann es sein, dass du dann hinterherhängst.

Christian: Da sind wir dann eigentlich schon im Thema Stress. Was passiert denn eigentlich bei Stress? Also ich laufe ganz gerne mal im Wald, und da bin ich jetzt schon öfter mal auf so eine Horde Wildschweine getroffen. Und was dann meinem Körper passiert: Mein Puls geht erstmal richtig hoch auf 180, meine Muskulatur verkrampft, weil man irgendwie viel Blut in der Muskulatur braucht, um schnell loszurennen oder zu kämpfen. Und da sind wir schon bei einem Problem, das der Stress auslöst, weil das Blut, das dann in meiner Muskulatur ist, das geht aus dem Kopf raus. In der Prüfungssituation ist das natürlich sehr problematisch, wenn ich da gestresst bin und die Inhalte nicht abrufen kann.

Dimitra: Ja, also auch innerliche Symptome, man grübelt viel, das sind auch alles Dinge, die Stresssymptome auslösen können. Manchmal merkt man das auch gar nicht, dass man gestresst ist.

Christian: Gehen wir mal ein paar Stressoren durch. Nummer eins ist Angst oder Ängste. Wie war das bei dir im Studium?

Dimitra: Angst hatte ich jetzt nicht so viel, nicht in dem Sinne, dass ich die Klausuren nicht schaffe. Aber in Bezug auf meine Gesundheit, ich hatte einen schwierigen Start, bin am Anfang des Semesters im Krankenhaus gelandet. Da war für mich der Gedanke: Schaffe ich das gesundheitlich?

Christian: Für mich war beispielsweise im Studium eine ganz typische Angst die vor Referaten, weil ich wusste, wenn ich da vor der Gruppe stehe, dann bin ich gestresst, werde rot, dann passiert das, was an Stresssymptomen alles dazugehört, plus es geht aus dem Kopf raus. Ein anderer Stressor: Perfektionismus.

Dimitra: Ja, Perfektionismus auf jeden Fall. Das ist auch etwas, was man sich eigentlich als dualer Student nicht unbedingt leisten kann, perfektionistisch zu sein. Da musste ich mich manchmal auch bremsen, Prioritäten setzen.

Christian: Überforderung, wie war das bei dir?

Dimitra: Ja, definitiv, an Vorlesungstagen, wo man den ganzen Tag unterwegs war, die Vorlesung ging bis 21 Uhr, dann war man erst kurz vor zehn zu Hause und konnte nicht mehr viel machen. Und manchmal war am Tag darauf schon eine Deadline. Deswegen war es auch wichtig, dass man Dinge nicht bis auf den letzten Moment aufschiebt. Im dualen Studium geht es auch darum, dass man die Sachen einfach nicht auf dem letzten Drücker macht, dieses Bulimie-Lernen, wo Kommilitonen mit ganz dicken Augenringen zur Klausur kamen, wenn man dann auch nebenbei arbeitet und lange Nächte durchmacht, ist das glaube ich nicht so gesund.

Christian: Anforderungen oder Erwartungen von außen, von der Familie oder Freunden, war das bei dir ein Stressfaktor?

Dimitra: Ich hatte ein Umfeld, das mich eigentlich sehr unterstützt hat. Freunde haben das verstanden, wenn man in WhatsApp-Gruppen nicht geantwortet hat oder verspätet. Aber ich habe von anderen Leuten gehört, dass ihre Beziehung darunter zerbrochen ist.

Christian: Noch ein Stressor: Prokrastination.

Dimitra: Prokrastination ist ein sehr umfassendes Thema. Man muss da auch ein bisschen differenzieren. Jeder von uns schiebt mal Dinge auf, aber es kann auch pathologisch sein, wenn das wirklich zu einem Dauerzustand wird. Im dualen Studium ist es kein ganz so großes Problem, weil das Studium ein ganzes Stückchen mehr getaktet ist. Aber für Fernstudierende ist das schon problematisch.

Christian: Wie erkennt man eigentlich, dass man chronisch gestresst ist?

Dimitra: Stress wirkt sich total unterschiedlich aus, sowohl körperlich als auch psychisch. Ich habe auch schon Schlafstörungen gehabt in bestimmten Phasen, teilweise auch Albträume oder ganz unruhige Schlafphasen, innere Unruhe oder manchmal sogar innere Leere, dass man sich gar nicht auf die Aufgaben konzentrieren kann, und das über einen längeren Zeitraum.

Christian: Chronische Müdigkeit habe ich auch aufgeschrieben. Wenn ich merke, meine Haut sieht nicht mehr gesund und rosig aus, dann merke ich, okay, hier stimmt irgendwas nicht. Dauerhaft merke ich das dann, dass ich einfach dazu neige, schnell krank zu werden. In meiner Jugend hatte ich ganz krasses Asthma, jahrelang eigentlich. Mein Mitbewohner hat dann einfach mal gesagt, mach doch mal locker, entspann dich doch mal. Und heute weiß ich, der hat völlig recht gehabt, ich war einfach nicht entspannt, meine Muskulatur war die ganze Zeit angespannt, vor allem im Brustbereich, und dadurch habe ich einfach nicht mehr richtig Luft bekommen.

Dimitra: Ja, ich hatte auch Phasen, wo ich Herzrasen hatte, obwohl ich in dem Moment gar nichts gemacht habe. Oder einfach diese innere Unruhe, Aufgewühltheit, Grübeleien.

Christian: Man kann das auch objektiv messen, zum Beispiel über den Ruhepuls. Ich messe seit anderthalb Jahren wirklich jeden Morgen meinen Ruhepuls und die Herzfrequenzvariabilität. In sehr gestressten Phasen geht der wirklich ganz gut hoch. Normalerweise habe ich einen Ruhepuls von 58 bis 60, und wenn er dann ein paar Tage auf 63, 64 ist, dann merke ich, wenn das noch ein paar Tage so weitergeht, werde ich krank auf jeden Fall.

Christian: Wie kann man Stress bewältigen? Was sind für dich die Top-Sachen?

Dimitra: Ich mache immer eigentlich das, was mir in dem Moment guttut und worauf ich auch Lust habe. Ich habe verschiedene Dinge ausprobiert, Meditationsübungen, Atemübungen. Früher habe ich von diesen ganzen Sachen ehrlich gesagt nichts gehalten, weil ich mich damit nicht identifizieren konnte. Aber mittlerweile verstehe ich auch den ganzen Sinn dahinter, dass man auch irgendwann mal zur Ruhe kommt, seinen Körper spürt. Was ich sehr gerne gemacht habe auch während des Studiums: Wenn ich einen langen Tag hatte mit Job und Vorlesung, habe ich dazwischen Pausen integriert, in der Mittagszeit für Bewegung gesorgt, einen Spaziergang um den Block gemacht.

Christian: Atemübungen hast du angesprochen, hast du da spezielle Übungen?

Dimitra: Auf jeden Fall diese Bauchatmung, vor allem auch für Prüfungen kann man das ganz gut anwenden, dass man tief einatmet und ausatmet und sich auf den Atem fokussiert. Das hilft auch tatsächlich in Stresssituationen.

Christian: Für mich war die Atmung wirklich der einfachste Weg. Ich hatte ein Gerät, m-wave heißt das, das ist so ein Clip, den macht man sich ans Ohr, und der misst den Ruhepuls und die Herzfrequenzvariabilität, und dann bekommt man ein Biofeedback. Wenn man wirklich eine gewisse Zeit ganz langsam und ruhig atmet, gibt es ein positives Feedback. Auf diese Art und Weise konnte ich erstmal überhaupt lernen, wie schnell ich eigentlich die ganze Zeit atme. Und heute schaffe ich es durch meine Atemtechniken, wirklich ruckzuck wieder runterzukommen.

Christian: Hast du Erfahrung mit Meditation?

Dimitra: Also nicht wirklich, ich bin da keine Expertin. Aber ich habe früher immer gedacht, es geht darum, an nichts zu denken, aber darum geht es gar nicht. Es geht einfach darum, dass man zur Ruhe kommt, vielleicht auch die Gedanken, die auftauchen, beobachtet.

Christian: Ich benutze Meditation auch mal, um mich so zu entspannen, dass ich besser schlafen kann, oder dass sich irgendeine Krankheit schneller ausheilen kann. Yoga ist auch ein Thema, ich mache viel Stretching, und das hilft mir abends, mich wirklich zu entspannen. Ich schlafe auch viel besser, wenn ich abends noch mal eine halbe Stunde mich dehne und versuche, im Moment zu sein, meinen Körper zu spüren.

Dimitra: Das mache ich auch tatsächlich sehr gerne, weil mit Bürotätigkeiten und Studium habe ich teilweise über zehn Stunden gesessen, und wenn man sich dehnt oder Bewegung in den Alltag mit einbringt, fühlt man sich ganz anders.

Christian: Multitasking hast du auch noch angesprochen als Stressor?

Dimitra: Ja, ich hatte auch Kommilitonen, die teilweise in der Vorlesung noch irgendwelche E-Mails bearbeitet haben, verschiedene Tabs offen hatten. Es geht darum, dass man sich einfach im Moment auf eine Sache konzentriert. Einfach mal das Handy auch ausmachen und sich beim Spazierengehen auch vielleicht mal nichts anhören, keine Musik, kein Podcast, einfach mal hören, was man in der Umgebung hört.

Christian: Noch eine letzte Frage: Ist es gut, immer Stress um jeden Preis zu vermeiden, oder sollte man sich vielleicht auch mal gezielt Stress aussetzen?

Dimitra: Das ist eine interessante Frage. Also mein Arzt meinte damals auch zu mir, du kannst Stress nicht komplett vermeiden. Jeder hat Stress im Alltag, und es geht einfach nur darum, dass man sich dementsprechend regelmäßig Pausen gönnt und seinen individuellen Ausgleich findet.

Christian: Wenn man beispielsweise in die Sauna geht, ist das auch erstmal ein Stress für den Körper, aber man passt sich dann daran an und wird widerstandsfähiger. In dem Sinne ist es auch wichtig, dass man sich schon mal gezielt Stress aussetzt, wie ein starkes Training im Fitnessstudio. Man muss sich dann halt einfach nur wieder davon erholen. Aber wenn man um jeden Preis jeden Stress vermeidet, dann hält man irgendwann gar nichts mehr aus.

Dimitra: Genau, diese Unterscheidung ist auch richtig, es gibt positiven und negativen Stress, Eustress und Distress. Da muss man einfach gucken, dass man beides wohl portioniert im Alltag zulässt.

Christian: Wo kann unsere Community dich finden?

Dimitra: Ich bin auf Instagram unterwegs unter dual ohne qual und da poste ich regelmäßig Tipps zu den Themen Work-Life-Study-Balance und Lernen. Und ich habe auch meine Website dualohnequal.de.

Christian: Dimitra, hat mir viel Spaß gemacht, vielen Dank, dass du hier warst!

Dimitra: Vielen Dank, bis bald, tschüss!

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