Toxische Gewohnheiten ade: Die größten Produktivitätskiller im Alltag - mit Alisa Fochler

In dieser Episode von Fernstudi.fm spricht Christian mit Alisa Fochler, Chemikerin mit Spezialisierung auf Polymerwissenschaften sowie Stress- & Mentalcoach und Zeitmanagement-Expertin, über die unsichtbaren Produktivitätskiller im Fernstudium-Alltag.

Gemeinsam analysieren sie typische toxische Gewohnheiten wie ständiges „Hustlen“, Smartphone-Ablenkung, den „Snooze“-Modus am Morgen und Perfektionismus. Alisa teilt konkrete Strategien, wie man schädliche Routinen erkennt, achtsamer und nachhaltiger arbeitet und gesunde Gewohnheiten fürs Studium aufbaut. Außerdem gibt Alisa Einblicke in ihre Erfahrungen während der Flutkatastrophe 2021 und schildert, wie sie die daraus entstandene Krise bewältigte – mental und organisatorisch.

Inhalt:
00:00:00 Vorschau
00:03:06 Alisa stellt sich vor
00:07:50 Alisa über die Flutkatastrophe im Ahrtal
00:25:27 Produktivität und toxische Gewohnheiten
00:30:33 Wie erkenne ich, dass ich am Hustlen bin?
00:33:13 Typische toxische Gewohnheiten im Alltag
00:38:29 Die Snooze-Taste
00:45:23 Stehen oder sitzen während der Arbeit?
00:51:30 Perfektionismus
00:55:46 Warum neigen Menschen dazu, zu hustlen?
00:59:52 Konditionierung
01:02:32 Mindfulness (Achtsamkeit) als Gegenmittel
01:04:26 Nahrungsergänzungsmittel - ja oder nein?
01:07:54 Wie schaffe ich es Routinen aufzubauen?
01:12:12 Wo man Alisa im Netz begegnet

Alisa im Internet:
➡️ Website: https://alisa-fochler.de/
➡️ Instagram: https://www.instagram.com/alisa.fochler/

Im Podcast erwähnt:
👉 Chronik des WDR zur Hochwasser-Katastrophe im Ahrtal: reportage.wdr.de
👉 Genauso begeistert von NaWi wie Alisa? Hier findet ihr Fernstudiengänge in NaWi (& Mathe): fernstudium/naturwissenschaften
👉 Weiterbildung „Stress- und Mentalcoach“ am IST-Studieninstitut: weiterbildung/gesundheit/coaching
👉 Insta-Beitrag von Alisa zum "5 AM Club": instagram.com/alisa.fochler
👉 Buchempfehlung „Die 4-Stunden-Woche“ von Tim Ferris: amazon.de

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Christian: Hallo Alisa, dann herzlich willkommen hier im Podcast. Ich freue mich total, dass du dich bereit erklärt hast, hier im Podcast mitzumachen und nicht nur mit mir über Produktivität zu sprechen, sondern vor allem auch über deine eigene Geschichte, die auch super spannend ist und auch irgendwie sehr emotional. Bevor wir loslegen und in das Thema Produktivität einsteigen, stell du dich vielleicht erstmal ganz kurz vor.

Alisa: Ja, also ich freue mich auch total, dass ich heute hier sein darf. Zu mir: Ich bin Alisa, hast ja schon erwähnt. Ich bin 28 Jahre jung und bevor es so in meine Geschichte geht, ich habe Chemie studiert und darin auch meinen Master gemacht. Ursprünglich wollte ich eigentlich Forensik studieren, kann aber gleich noch mal in Ruhe drauf eingehen. Ich bin voll im Thema Naturwissenschaften drin und interessiere mich für alles rund um das Thema Produktivität, Effizienzsteigerung, aber das eben auf einem gesunden Level, ohne sich da irgendwie in toxische Gewohnheiten zu verlieren. Und das ist eigentlich auch so mein Ansatz, den ich verfolge, und da freue ich mich, dass wir dann da heute drüber sprechen.

Christian: Ja, und zu dem Thema bist du, denke ich, auch irgendwie so ein bisschen über deine Biografie gekommen, wie man irgendwie auch immer zu seinen Themen kommt natürlich. Aber vielleicht bleiben wir noch ganz kurz beim Studium. Du hast gesagt, du hast Chemie studiert. Wie war denn da dein Entscheidungsweg? Warst du besonders gut in Chemie in der Schule?

Alisa: Tatsächlich, ich habe da so meine Passion drin gefunden. Ich bin ganz normal 13 Jahre zur Schule gegangen statt 12. Bei mir war das so, dass ab der fünften Klasse ich von G8 wieder auf G9 zurückgestuft wurde. Ich hatte dann ab der achten Klasse Chemieunterricht und das war einfach so voll mein Ding. Ich wollte immer den Schritt in die Naturwissenschaften gehen, obwohl ich auch Biologie super interessant fand. Ich habe neben dem Studium auch noch dazwischen eine Ausbildung gemacht, und zwar im biologischen Bereich. Habe dann gemerkt, der chemische Bereich ist doch eher das, wo ich meine Passion finde, und habe mich dann letztendlich für ein Chemiestudium entschieden.

Christian: Darf ich fragen, lag das so ein bisschen am Lehrer oder den Lehrerinnen in Chemie oder einfach am Interesse? Weil ich kann mich erinnern, ich hatte relativ früh schon Chemieunterricht, so fünfte, sechste Klasse ging das am Gymnasium schon los, und mit der Lehrerin bin ich gar nicht klargekommen. Ich fand dann den Unterricht auch schwer. Und dann habe ich später einen Realschulabschluss gemacht und da war ich richtig gut in Chemie. Also da hat es auch Spaß gemacht. Lag das an den Lehrern bei dir oder war das einfach von Haus aus mitgegeben?

Alisa: Das lag jetzt nicht unbedingt an den Lehrern. Ich hatte nicht unbedingt die allerbesten Chemielehrer in der Vergangenheit. Es hat mir einfach grundsätzlich Spaß gemacht. Ich habe mich in meiner Freizeit hingesetzt, habe das Periodensystem auswendig gelernt, weil ich das super cool gefunden habe, und habe mich quasi in dieses Thema verloren. Deswegen habe ich mich dann auch entschieden, ab der zwölften Klasse Chemie-Leistungskurs zu wählen und dann im Studium weiter in diese Richtung zu gehen. Es gab Lehrer, die haben immer so eine super Begeisterung und die ziehen einen mit, aber das hatte ich ehrlich gesagt nicht.

Christian: Also trotz der Lehrer da gut durchgekommen und Begeisterung für das Fach entwickelt. Du hast dann deinen Master in Materialwissenschaften gemacht und bist jetzt auch beruflich in dem Bereich tätig.

Alisa: Genau, ich bin jetzt mehr oder weniger in der Hygienebranche, beschäftige mich viel mit Fließstoffen, alles rund um Polymerwissenschaften. Ich habe mich in die Polymerchemie-Richtung entwickelt, da habe ich dann meinen Master gemacht und fand es einfach super spannend. Ich hatte anfangs gedacht, ob mir Materialwissenschaften wirklich Spaß machen. Aber dann hatte ich mehrere Fächer davon im Studium, habe gemerkt, okay, das ist voll mein Ding, und habe mich dann für den Master auf Polymerwissenschaften spezialisiert.

Christian: Also ich habe mich in der Vorbereitung auf den Podcast noch mal damit beschäftigt, was 2021 eigentlich genau passiert ist, weil in meiner Erinnerung ist es relativ an mir vorbeigegangen. Da war ja auch Coronazeit, da hat man sich damit die ganze Zeit auseinandergesetzt und dann lief das irgendwie nebenher, diese ganze Flutkatastrophe. Natürlich habe ich auch Bilder gesehen, aber irgendwie hatte das in meiner Umgebung kaum einer auf dem Schirm. Und wenn ich jetzt Leute frage, ob die das noch wissen, die wissen das eigentlich gar nicht so richtig, was da passiert ist.

Vielleicht als Tipp für unsere Zuhörer und Zuhörerinnen: Es gibt vom WDR eine super kleine Webseite, da kann man die ganze Chronologie durchscrollen, was da eigentlich genau passiert ist. Verlinken wir auch in der Beschreibung. Aber vielleicht kannst du uns mal erzählen, wie das aus deiner Sicht ablief, wie du das erlebt hast.

Alisa: Das ist natürlich eine ziemlich krasse Geschichte gewesen. Ich kann auch verstehen, dass man da innerhalb von Deutschland nicht so viel mitbekommt, wenn man nicht in der Nähe wohnt. Ich habe mich ehrlich gesagt auch nicht mit Katastrophen viel beschäftigt. Mental war ich so weit weg von Katastrophen. Das war für mich immer etwas, was im Fernsehen passiert, aber nicht bei mir.

Ich erinnere mich noch, es war im Juli 2021, es hat einfach grundsätzlich schon sehr viel geregnet und ich war in der Klausurenphase. Das ist auch so ein Thema, so eine Hustle-Phase. Ich habe eigentlich gar nicht mehr so richtig mitbekommen, was um mich rum passiert. Ich habe mehrere Klausuren geschrieben und tatsächlich an dem Tag, an dem die Flutkatastrophe war, war ich in Aachen und habe meine Klausur geschrieben. Ich habe fast zwei Stunden für den Heimweg gebraucht, weil es so unfassbar geregnet hat.

Weil ich in der Klausurenphase steckte, hatte ich nicht den Kopf dafür, was gerade passiert. Ich bin nach Hause gekommen, habe mich wieder an den Schreibtisch gesetzt, weil die nächste Klausur fünf Tage später gewesen wäre. Dann habe ich gemerkt, es wird immer schlimmer. Ich habe die ganze Zeit Videos geschickt bekommen von weiter oben an der Ahr. Ich habe immer schlimmere Dinge gesehen, aber ich habe einfach nicht realisiert, dass das Wasser irgendwann zu uns runterkommt.

Man konnte sich irgendwann gar nicht mehr konzentrieren. Man hat eigentlich nur noch rausgeguckt, Videos auf Facebook und Instagram gesehen. Es wurde einfach die ganze Zeit schlimmer. Immer mehr Leute saßen irgendwann auf ihrem Dach und alles ging kaputt. Aber man merkt, dass der Körper irgendwann nur noch in so einen Funktionierenmodus umschaltet. Ich habe irgendwie versucht, mich an meinen Routinen festzuhalten. Ab etwa zehn Uhr abends war dann auf einmal der Strom weg, Wasser weg.

Ich habe verhältnismäßig unfassbar viel Glück gehabt. Ich wohne im zweiten Obergeschoss, also ich war von meiner Wohnung her verschont gewesen, aber nicht die Menschen um mich herum. Wenn man auf einmal sieht, ein Haus weiter sind Menschen ertrunken, das ist schon echt sehr krass. Das Wasser stieg immer weiter und dann konnte man sich auch nicht mehr konzentrieren. Es war nur noch funktionieren und irgendwie versuchen, alles Hab und Gut zu retten, obwohl man genau weiß, eigentlich gibt es nichts mehr zu retten.

Ich habe irgendwie versucht, mein Fahrrad aus dem Keller zu holen. Man klammert sich an diesen Sachen fest, aber man weiß, es ist im Prinzip überhaupt nicht wichtig, weil es um das Überleben geht. Es ging natürlich auch darum, unseren Nachbarn emotionale Hilfe zu leisten und Sachen in Sicherheit zu bringen. Ich habe versucht, mein Auto unter eine Autobahnbrücke zu stellen, damit ich noch ein bisschen mobil bin.

Irgendwann ist das Handynetz auch ausgefallen. Das war wirklich eine der schlimmsten Sachen: Man weiß nicht, was mit seinen Liebsten ist. Ich bin hier zugezogen, meine Familie wohnt nicht hier. Das war Glück im Unglück, aber trotzdem hatte ich hier Freunde, die ich nicht erreichen konnte während dieser Zeit. Die Familie meines Partners konnte ich nicht erreichen. Das war einfach das schlimmste Gefühl, nicht zu wissen, was mit meinen Liebsten gerade ist. Die Brücken waren weggestürzt, man konnte keine Hilfe leisten.

Diese eine Nacht war wirklich das Schlimmste, was mir in meinem ganzen Leben jemals passiert ist. Wegen dieser fehlenden Erreichbarkeit hat man sich so unfassbar machtlos und hilflos gefühlt. Als Mensch hat man einfach keine Chance gegen diese Naturgewalten. Es sind wirklich mehr als 130 Menschen bei dieser Katastrophe umgekommen. Die Schäden am nächsten Tag zu sehen, es war wie im Krieg, nur ohne Bomben. Es war wirklich alles zerstört.

Die Leute sind von unserer Haustür mit einem Schlauchboot losgefahren, um unsere Nachbarn vom Dach zu retten. Ich habe nur noch Sirenen gehört, 24/7 Sirenen und THW. Man war gar nicht mehr lebensfähig. Essen, Trinken, das ist alles nach hinten gegangen. Man konnte nicht duschen, nicht auf Toilette gehen, weil einfach kein Wasser, kein Strom da war. Da merkt man, wie abhängig man von diesen Dingen ist und dass es überhaupt nicht selbstverständlich ist, jeden Tag sauberes Wasser und Strom zu haben.

Die Tage danach waren wirklich unfassbar schlimm. Wir haben einfach versucht, unseren Liebsten zu helfen und irgendwie von A nach B zu kommen, weil so viele Brücken weggestürzt waren. Ich muss auch sagen, ich hatte wirklich einen tollen Werkstudentenjob. Die haben mir Sonderurlaub gegeben und gesagt, es ist wichtiger, dass du dich erstmal um deine Liebsten kümmerst, bevor du wieder an die Arbeit kommst. Das hat wirklich erstmal keine Priorität. Und das ist auch so wichtig: Wenn es einem nicht gut geht, darf man auch um Hilfe bitten.

Christian: Ich höre da total gespannt zu. Was ich auch durch das Lesen noch mal erfahren habe, ist, dass die Behörden da eigentlich auch mehr oder weniger krass versagt haben, dass die Hilfen sehr spät kamen und man auch von Behördenseite aus sehr spät realisiert hat, dass es ein Katastrophenfall ist. Das war absolutes Versagen. Und dieses Abgeschnittensein, hattet ihr irgendwie Radio oder irgendetwas zur Verfügung? Es gab ja dann auch Trinkwasserknappheit. Da hieß es von Seiten der Behörden, dass das Trinkwasser rationiert werden sollte. Aber das habt ihr eigentlich gar nicht mitbekommen.

Alisa: Ja, es stimmt natürlich, dass es diese Knappheit gab. Aber wir haben wirklich nette und liebe Menschen um uns herum gehabt, die wirklich mehrere Kilometer gefahren sind und uns die Sachen zur Verfügung gestellt haben. Die haben uns abgeholt, wir durften duschen. Wir haben Campinggeschirr und Wassertanks bekommen, damit wir die ganz normalen Bedürfnisse weiter aufrechterhalten konnten.

Was Glück im Unglück war: Es ist im Sommer passiert, nicht im Winter, wo es draußen kalt war. Klar, ich hatte noch Vorräte zu Hause, aber die sind natürlich auch begrenzt. Man ist wirklich auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen.

Ich erinnere mich an einen Moment: Da standen wir knietief im Schlamm und da kamen wirklich Menschen vorbei, die uns selbstgeschmierte Brote in kleinen Tütchen gegeben haben. Die Menschen waren sauber und wir standen da wirklich im absoluten Dreck. Ich war so unfassbar dankbar für dieses Käsebrot und einen Apfel. Das war ein sehr einschneidender Moment, der mir immer noch in Erinnerung ist.

Es kamen wirklich Menschen aus Kassel, die in den Weinbergen übernachtet haben und gesagt haben, wir helfen jetzt am Tag. Sie haben uns geholfen, dieses ganze Chaos irgendwie zu beseitigen. Ohne diese ganze Hilfe von außen hätte das Ewigkeiten gedauert. Ich war erst am Wochenende wieder in Altenahr, also etwas höher von mir, und da sieht es teilweise immer noch unfassbar schlimm aus, fast vier Jahre danach. Diese ganze Bürokratie, die Spendengelder, die Versicherungen, das war wirklich eine unfassbar schlimme Zeit.

Christian: Da liefen ja bis letztes Jahr, vielleicht sogar noch aktuell, Verfahren und Ausschüsse, die das Ganze untersucht haben, vieles eingestellt. Und sag mal, gab es dann irgendwann einen Moment in den nächsten Wochen oder Monaten, wo du gesagt hast, okay, jetzt kann ich mich wieder ein bisschen fokussieren, vielleicht auf das Studium, jetzt kann ich zu meinem eigentlichen Leben zurückkehren?

Alisa: Ja und nein. Es hat einfach gedauert. Es war in den Semesterferien oder kurz vor den Semesterferien, wo das passiert ist. Ich hatte einen unfassbar netten Professor, der absolut Verständnis dafür hatte, dass ich die Klausur nicht schreiben konnte. Der hat mich dann abgemeldet und gesagt, das ist eine absolute Sondersituation, schreib, wenn du dich wieder danach fühlst.

Ich habe versucht, die Klausur im September zu schreiben, muss aber sagen, dass es einfach nicht geklappt hat. Zwei Monate nach der Flut war ich mental nicht bereit. Ich habe sie dann weitergeschoben und trotzdem das Studium in Regelstudienzeit beendet. Ab Januar ging es dann wieder ein bisschen mental weiter. Es hat fast ein halbes Jahr gedauert, bis ich mich mental dem Lernen und alltäglichen Dingen wieder annehmen konnte, weil es einfach erstmal nicht so wichtig war.

Es hat ja auch zwei Monate gedauert, bis wir wieder ein bisschen Strom und Internet hatten, fließend Wasser. Wie soll man sich auf sein Online-Studium während der Coronazeit fokussieren, wenn man nicht mal Strom hat, um die Vorlesungsfolien anzuschauen? Ich hatte auch wirklich tolle Kommilitonen, die mich unterstützt haben, mir Sachen zukommen ließen, Folien ausgedruckt haben. Wir haben Hausarbeiten in der Gruppe zusammen gemacht. Meine Professorin hat mir auch ein bisschen mehr Zeit gegeben als ursprünglich.

Das ist auch immer wichtig: Man muss in Kommunikation treten, die Situation mitteilen. Das war der Vorteil einer kleinen Hochschule, wo man persönlich an den Professoren dran ist. Das war wirklich eine tolle Unterstützung, die ich da bekommen habe, und das ist etwas, was ich meinen Professoren und Kommilitonen wirklich sehr hoch anrechne.

Christian: Total krass. Es war eigentlich auch noch Coronazeit, da war ja sowieso Ausnahmezustand, und da noch das dazu. Du hast eben gesagt, mental schwierig. Uns ist beim Vorgespräch aufgefallen, dass wir zusammen dieselbe Weiterbildung gemacht haben, beim IST-Studieninstitut zum Stress- und Mentalcoach. Wie kam die Entscheidung? Hat das irgendwie auch was mit den ganzen Vorfällen zu tun, diese Weiterbildung zu machen?

Alisa: Ja und nein. Ich hatte mich schon vor der Flutkatastrophe für das Thema Coaching interessiert. Ich habe persönlich ein Coaching mitgemacht und fand es ziemlich cool und spannend. Ich wollte mich auch in einem Bereich weiterbilden, der mir persönlich guttut. Stress hat in meiner Vergangenheit eigentlich immer eine ziemlich präsente Rolle gespielt. Ich war jahrelang auch Leistungsschwimmerin, parallel zum Gymnasium und Abitur. Dadurch war Stress immer sehr präsent in meinem Leben, weil man viele Dinge in kurzer Zeit schaffen muss.

Dann bin ich auf die Weiterbildung beim IST-Studieninstitut gestoßen und fand Stress- und Mentalcoaching im Fernstudium einfach super interessant. Ich wollte dann 2021 oder 2022 anfangen, aber mit 24 Jahren war ich tatsächlich zu jung. Sie haben gesagt, Mindestalter 25, warte bitte noch ein Jahr. Das passte mir eigentlich auch ganz gut, weil gerade die Flutkatastrophe war. Die Ausbildung hätte im Oktober 2021 angefangen. Da es ein Fernstudium ist, kann man sich die Zeit selbst einteilen, also habe ich einfach ein Jahr gewartet und im Oktober 2022 damit angefangen.

Christian: Ganz liebe Grüße an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom IST-Studieninstitut. Das war eine ganz tolle Ausbildung, es gab auch viele Präsenzphasen. Man lernt Coaching-Techniken, Beratung, den Unterschied zwischen Coaching und Beratung, Entspannungstechniken. Also super Ausbildung für alle, die sich für das Thema Stressmanagement interessieren, wirklich empfehlenswert.

Alisa: Absolut.

Christian: Gut, im Prinzip ist ja das Thema, über das wir jetzt reden, eigentlich auch ein Thema aus dieser Weiterbildung. Lass uns doch mal einsteigen ins Thema Produktivität und toxische Gewohnheiten, die uns vielleicht daran hindern, produktiv zu sein. Vielleicht reden wir erstmal über den Begriff Produktivität. Ich habe mir einige Beiträge auf deinem Instagram-Kanal angeguckt und du machst diesen Unterschied zwischen echter Produktivität und Hustle. Hustle ist auch so ein typischer Begriff, den kenne ich auch von mir. So habe ich als Selbständiger auch angefangen, da hustlet man den ganzen Tag, ist am Machen und am Tun. Als Selbstständiger ist man ständig dabei, irgendwas zu tun, und ist dann aber häufig nicht wirklich produktiv oder macht ganz viele Sachen, die eigentlich sinnlos sind. Kannst du uns erklären, was echte Produktivität ist und was im Gegensatz dazu Hustlen ist?

Alisa: Wenn man sich den Begriff Produktivität anguckt, da steckt ja das Wort Produkt drin. Am Ende geht es irgendwie um ein Produkt, also um den Output, den man kreieren möchte. Was mir immer super hilft, dieses Thema greifbar zu machen: Bin ich wirklich gerade produktiv? Schaffe ich hier gerade Output oder bin ich eigentlich die ganze Zeit nur beschäftigt und kreiere damit überhaupt keinen Output?

Ich finde es wichtig, dass Produktivität eine gewisse Wirkung hat, eine Wirkung nach außen, dass es ein Ziel verfolgt. Wenn ich nur beschäftigt bin, den ganzen Tag beschäftigt, aber am Ende weiß ich gar nicht, was ich eigentlich den ganzen Tag gemacht habe, dann gab es keinen Output, kein messbares Ergebnis.

Produktivität geht für mich einher mit Fokus und Klarheit. Ich muss mir klar sein, was ich eigentlich erreichen möchte und wie ich an dieses Ziel komme. Die Fragen, die ich mir stellen sollte: Was möchte ich erreichen? Wie komme ich dorthin? Welchen Output möchte ich am Ende erzielen? Es geht nicht darum, immer nur mehr zu machen. Man darf in Dingen besser werden, aber nicht, weil ich jetzt schneller bin, mir zusätzlich noch mehr Ballast aufzuladen. Nicht nur mehr machen, sondern das Richtige, und vom Richtigen darf ich auch gerne mehr machen.

Beim Hustlen geht es darum, beschäftigt zu sein, ohne so richtig ein Ziel zu haben. Der Output ist einfach nicht klar. Und beim Hustlen ist auch das Problem, dass man seine menschlichen Bedürfnisse wie Pausen, Erholung, klare Prioritäten in den Hintergrund rückt, weil man die ganze Zeit nur beschäftigt ist und betriebsblind wird für das, was man eigentlich tut. Es geht nicht mehr um Leistungssteigerung, sondern einfach nur darum, seine Dinge unter den Hut zu bekommen. Das ist falsche oder toxische Produktivität.

Das merkt man zum Beispiel in der Klausurenphase: Man hat so viele Folien, so viele Karteikarten und so viel Input, dass man schlecht abschätzen kann, wie viel man lernt. Das macht es schwierig, Grenzen zu setzen und zu sagen, ich brauche jetzt vielleicht mal eine Pause.

Christian: Also Strategie ist auch wichtig, sich Strategien zu entwickeln und einen Plan zu haben für die Dinge, die man erreichen möchte, eine konkrete Vorstellung vom Ergebnis und dem Produkt. Wie erkenne ich denn an mir, dass ich am Hustlen bin? Man ist ja dann auch ein bisschen betriebsblind, wie du gesagt hast.

Alisa: Es ist natürlich einmal das Thema Stress. Ich habe das Gefühl, ich bin permanent gestresst und überfordert von der Situation, die vor mir steht. Wenn ich merke, ich bin innerlich unruhig, kann schlecht abschalten. Wenn ich die ganz normalen Sachen nicht mehr machen kann, mich nicht mit Freunden treffen kann, Treffen absage oder nicht mehr zum Sport gehe. Das sind Anzeichen, wo es schwierig wird, wenn man nur noch von Stress und Überforderung getrieben ist.

Der Antreiber ist dann letztendlich auch Angst, Angst zu versagen, oder der Vergleich. Wenn ich sage, ich möchte unbedingt die Eins schaffen, möchte besser sein als die anderen. Man ist mehr von äußeren Erwartungshaltungen getrieben als von innen. Das ist der Unterschied zwischen Hustle und Produktivität. Beim Hustlen ist es mehr so, ich bin von äußeren Sachen angetrieben. Bei Produktivität habe ich eine Vision und etwas Größeres, auf das ich hinarbeite, und fokussiere mich auf die Sachen, die im Inneren liegen, statt auf das, was im Außen liegt.

Auch häufig gehen beim Hustlen negative Glaubenssätze mit einher: Ich darf keine Pause machen. Wer härter arbeitet, ist mehr wert. Man schaut dann auf Instagram und sieht, jemand lernt 14 Stunden am Tag, und fragt sich, warum schaffe ich nur acht. Man sieht nur, dass die Leute super produktiv sind, aber in Wahrheit kennt man gar nicht deren Alltag. Das schürt falsche Vergleiche und tut einem persönlich nicht gut.

Christian: Da haben wir eigentlich schon einen Stichpunkt, über den wir noch reden können, wenn wir die psychologischen Hintergründe besprechen. Aber lass uns doch erstmal über typische toxische Gewohnheiten im Alltag reden, die uns daran hindern, produktiv zu sein. Wir haben uns im Vorgespräch schon einige überlegt. Vielleicht nimmst du einfach mal das Schlimmste oder eine der ganz typischen Gewohnheiten, die dir einfallen.

Alisa: Das Schlimmste ist tatsächlich das Smartphone. Smartphones sind darauf ausgelegt, dass wir sie die ganze Zeit bei uns haben und dass sie uns die ganze Zeit ablenken können. Es sitzen Leute bei Apple, bei Google, die die Apps entwickeln und die wollen natürlich, dass wir möglichst viel Zeit auf ihren Plattformen verbringen.

Gerade beim Thema Konzentration: Es gibt immer diese Pop-up-Benachrichtigungen, das Handy blinkt auf, vibriert oder macht ein Geräusch. Das gibt einen Dopaminkick. Ich muss jetzt wissen, wer mir geschrieben hat, wer mir ein Like auf meinen Beitrag gegeben hat, was ein Influencer in seiner Story hat, oder die E-Mail mit einem Rabattcode. Das ist die ganze Zeit darauf ausgelegt, unsere Aufmerksamkeitsspanne zu unterbrechen.

Gerade beim Lernen darf man konsequent zu sich sein und das Handy auch wirklich aus dem Raum verbannen. Mir hilft es immer, das Handy einfach in einen anderen Raum zu legen. Ich habe noch nie in meinem Leben Pop-up-Benachrichtigungen oder Vibration angehabt, weil ich es einfach wichtig finde, mich vor diesen Ablenkungen zu schützen.

Christian: Ich muss gestehen, ich habe das auch ganz lange so gemacht. Mein Telefon war jahrelang eigentlich immer nur im Flugmodus und ich bin dann online gegangen, wenn ich mal was gucken oder telefonieren musste. Ich war auch nie erreichbar. Das hat zwar immer zu Konflikten geführt, mit Familie zum Beispiel, aber irgendwann war ich dann auch bekannt dafür, dass ich nicht erreichbar bin. Wenn man dann selber Familie hat, wird es schwerer. Da muss man erreichbar sein für Kindergarten, Schule, Kita. Aber das geht bei mir auch noch darüber hinaus. Ich habe auch einige Benachrichtigungen an, die mit Beruflichem zu tun haben: Ein neuer Kommentar bei LinkedIn oder Instagram, auf den ich schnell reagieren sollte. Eigentlich würde ich auch drum herumkommen, das auszuschalten, und mir nur einmal am Tag Zeit nehmen, das alles zu checken. Aber es ist wirklich super schwer, das in den Griff zu bekommen.

Alisa: Man lässt sich natürlich ablenken. Aber es gibt ja auch immer mehr Funktionen, die das Smartphone zur Verfügung stellt, wie Nicht stören, oder dass man nur bestimmte Anrufe durchlässt, die wirklich wichtig sind, zum Beispiel von der Kita oder der Familie. Man ist dann für die wichtigen Menschen erreichbar, aber für den Rest eher nicht. Und das ist für eine bestimmte Zeit auch in Ordnung.

Es geht auch um Kommunikation. Wenn ich mit meinem Umfeld kommuniziere und sage, das sind meine Fokuszeiten oder Arbeitszeiten. Ich vergleiche das immer damit, wie ein Geschäft Öffnungszeiten hat. Es gibt Zeiten, zu denen bin ich nicht erreichbar, und das ist auch in Ordnung. Das darf man auch gerne nach außen kommunizieren. Man muss da gar nicht super strikt sein. Ich weiß einfach für mich, ich würde mich sofort ablenken lassen, also muss ich mich selbst austricksen: Handy in den anderen Raum, und wenn was ist, rufe ich halt zurück.

Christian: Es gab einen interessanten Punkt, den du schon im Vorgespräch genannt hast: die Snooze-Taste. Was hat es damit auf sich?

Alisa: Das ist teilweise eine toxische Gewohnheit, die ich auch immer noch habe, gerade am Wochenende. Ich wollte zu einer bestimmten Uhrzeit aufstehen und habe mir eine halbe Stunde vorher im Fünf-Minuten-Takt Wecker gestellt. Ich musste zum Beispiel um 6 Uhr aufstehen, habe mir um 5:30 Uhr angefangen, alle fünf Minuten einen Wecker zu stellen. Statt einfach direkt aufzustehen und wach zu sein, war ich dann immer wach, müde, wach, müde und letztendlich am Ende viel müder, als wenn ich einfach aufgestanden wäre.

Ich habe mir mittlerweile einen manuellen Wecker gekauft, keinen am Handy. Da ist so eine Sonne, die immer heller wird und einem ins Gesicht strahlt. Es ist ein manuelles Gerät, da kann ich keine Snooze-Taste drücken, sondern ich muss es manuell ausschalten, damit ich dann auch aufstehe. Das hat mir geholfen, über diese Snooze-Taste hinwegzukommen.

Wenn man müde und nicht ausgeschlafen ist, wie möchte man dann produktiv sein? Das geht einher mit Leistungsbereitschaft. Wenn man eigentlich den ganzen Tag nur müde ist, weil man zu oft die Snooze-Taste gedrückt hat, ist das eine toxische Gewohnheit, an der man arbeiten darf. Es signalisiert dem Gehirn, dass ich mich nicht richtig für das Aufstehen entscheide. Es hat etwas mit Entscheidungsfähigkeit und Selbstrespekt zu tun.

Christian: Ich habe gesehen, du hältst auch nicht so viel von diesem Ritual, dem 5-Uhr-Club, also um 5 Uhr aufzustehen. Ich muss sagen, ich habe das lange gemacht, nicht weil ich davon wusste, sondern einfach weil ich auf dem Land gelebt habe und immer mit dem Tag aufgewacht bin. Irgendwann war mein Biorhythmus so eingestellt, dass ich um 4:30 oder 5 Uhr aufgewacht bin und problemlos aufstehen konnte. Mit Familie ist es noch mal anders. Aber ich habe gemerkt, dass ich nachmittags und abends immer super müde war und dadurch auch relativ gestresst, auch meiner Familie gegenüber. Jetzt schlafe ich halt ein bisschen länger, vielleicht bis um 7 Uhr, und dann bin ich eben erst um 8 Uhr auf Arbeit, aber ich bin erträglicher für meine Umgebung. Wie kam es bei dir dazu, dass du das nicht so gut findest?

Alisa: Es gab mehrere Faktoren. Es hängt immer davon ab, was man gerade für ein Ziel hat. Als ich das Stress- und Mentalcoaching gemacht habe, bin ich jeden Morgen um 5 Uhr aufgestanden. Es ist auch eine coole Methode, wenn man sagt, ich schaffe schon was vor der Arbeit, bevor alle Menschen aufstehen. Das ist ein super Tool, wenn man dafür gemacht ist. Aber ich mag nicht dieses: Ich habe es irgendwo gelesen und muss es jetzt unbedingt auf meinen Alltag überstülpen, auch wenn es mir gar nicht passt.

Es gibt Menschen, die morgens super produktiv sind, und es gibt Menschen, die abends oder nachts super produktiv sind. Ich mag es nicht, sich in ein Konstrukt zu zwängen, das eigentlich gar nicht für einen bestimmt ist. Ich habe es eine lange Zeit gemacht und war auch Verfechter davon. Ich fand es super cool, morgens um 5 Uhr schon meine Deep-Work-Session durchgezogen zu haben. Aber dann habe ich wirklich gemerkt, man wird nachmittags so träge und schafft dann eigentlich gar nichts mehr.

Ich war auch die ganze Zeit nur noch müde ab nachmittags und habe dann versucht, mich mit Kaffee oder Energy Drinks wach zu halten, um die Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Ich habe für mich festgestellt: Ich bin morgens produktiv, das ist meine Zeit, aber vielleicht nicht um 5 Uhr, sondern um 6 oder 7 Uhr. Das reicht auch. Wenn man sich zwingt, so früh aufzustehen, und nicht ausreichend Schlaf bekommt, kann man auch nicht produktiv sein. Dann rutscht man wieder in diese Hustle-Kultur rein.

Christian: Also Schlafen ist super wichtig, um produktiv zu sein. Da gehört natürlich auch dazu, dass man generell gut schläft, vielleicht auch früh genug schlafen geht und dann auch wirklich aufsteht, wenn es Zeit ist. Du hast noch was im Vorgespräch genannt, was ich auch interessant fand, nämlich Sitzen.

Alisa: Mir ist das zum Beispiel oft in der Uni aufgefallen. Man sitzt gefühlt den ganzen Tag von morgens bis abends. Wenn man sich die Biologie anguckt, sind wir eigentlich nicht dafür ausgelegt, den ganzen Tag nur zu sitzen. Es macht irgendwann auch müde, man sackt so ein bisschen in sich zusammen, die Körperhaltung leidet darunter und damit auch die Leistungsfähigkeit.

Ich stehe zum Beispiel auch gerade, weil ich merke, es tut mir einfach gut und hilft mir gegen die Müdigkeit. Gerade am Nachmittag lieber den Schreibtisch hochstellen. Meetings mache ich viel lieber im Stehen. Wenn ich viel lernen muss, setze ich mich hin, aber dann muss ich mich wieder aufrichten, weil dieses Zusammensacken einen irgendwann einfach träge macht, nicht nur körperlich, sondern auch mental. Ein bisschen Bewegung braucht man einfach im Alltag, um seine Konzentrationsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Einfach mal rausgehen, vom Schreibtisch aufstehen und sich aufrichten.

Christian: Es dauert eine Weile, sich daran zu gewöhnen. Wer das noch nie gemacht hat, kann nicht einfach drei Stunden am Stück stehen. Als Tipp: Einfach mal einen Stehschreibtisch ausprobieren, die sind auch nicht mehr teuer, für etwa 200 Euro hat man schon so einen. Vielleicht bringt es ja auch was beim Lernen. Wir haben noch ganz viele Sachen im Vorgespräch genannt. Vielleicht fällt dir spontan noch was ein, was du als toxische Gewohnheit dringend nennen müsstest.

Alisa: Das sind diese ganzen offenen Tabs. Das geht einher mit Multitasking. Ich merke das immer selbst, wenn ich mental nicht klar bin, was ich gerade erreichen möchte, dann habe ich tausend Sachen gleichzeitig offen. Sei es am Handy, sei es am Laptop. Ich arbeite eigentlich nicht an einer Sache, weil sonst hätte ich nur ein Fenster auf, sondern ich habe dann gefühlt zehn verschiedene Tabs, weil ich irgendwie versuche, diesen ganzen Ballast zu ordnen.

Es geht auch um Prioritäten setzen: Was ist eigentlich jetzt hier gerade wichtig? Und das geht einher mit Erreichbarkeit, wenn man vielleicht noch WhatsApp, E-Mails, alles gleichzeitig offen hat. Man sollte wirklich Klarheit bei seinem Schreibtisch herstellen, digital wie physisch. Ich habe zum Beispiel nichts auf meinem Schreibtisch stehen außer mein Laptop und ein Glas Wasser, weil ich weiß, dass mich zu viele Dinge ablenken würden.

Ich schließe alle Apps und Anwendungen, die ich für die aktuelle Aufgabe nicht brauche. Wenn man zehn Sachen offen hat, signalisiert das dem Gehirn die ganze Zeit: Hier ist noch was offen. Es gibt den sogenannten Zeigarnik-Effekt. Unser Gehirn liebt abgeschlossene Aufgaben, und alle offenen Tabs wirken wie offene To-dos. Einfach wirklich konsequent sein: Ich arbeite jetzt an einer Sache, setze Prioritäten und schließe die Aufgabe ab, bevor ich mich in anderen Sachen verliere.

Christian: Open Loops sind genau diese Dinge, die im Kopf immer noch offen sind. Irgendwann ist der ganze Hintergrundspeicher im Kopf verbraucht, wie auf dem PC, wenn da 20, 30 Apps offen sind. Wichtig, das nehme ich auch noch mal als Erinnerung mit. Ich habe auch typischerweise ganz viele Tabs offen, mein Schreibtisch ist auch total unordentlich. Also auch auf dem Handy sind natürlich viele Apps gleichzeitig auf, die kann man eigentlich auch wieder zumachen. Ich habe zum Beispiel auch das Problem, dass immer, wenn ich in einer Aufgabe gerade nicht vorankomme oder auf irgendwas warten muss, weil beim Programmieren zum Beispiel irgendwas lädt, dann wechsle ich einfach in einen anderen Tab und checke Social Media. Eigentlich kann man auch warten und einfach mal aus dem Fenster gucken. Ein Punkt noch, den wir hier nennen können, den hatten wir auch im Vorgespräch: Perfektionismus.

Alisa: Perfektionismus und Prokrastination sind mehr oder weniger eigentlich das Gleiche, weil beides den Start in die Aktion blockiert. Beim Perfektionismus soll das Ergebnis perfekt sein, und ich versuche, die Angst vor dem Scheitern hinauszuzögern. Das ist auch ein riesiges Thema im Studium, wenn man sich vor unangenehmen Aufgaben die ganze Zeit drückt. Dieses Grübeln über die Aufgabe lähmt unsere Entscheidungsfähigkeit und bremst unsere Produktivität.

Der psychologische Mechanismus dahinter ist diese Angst zu scheitern oder schlecht bewertet zu werden. Die Option, nicht zu handeln oder am Handy zu sein, ist dann die einfachere Option, als etwas anzugehen. Aber man kann die Entscheidung nicht ewig hinauszögern. Irgendwann gibt es diesen Point of no Return, man switcht in einen Modus und dann macht man nur noch, auch wenn es nicht gesund ist.

Wenn man früh drangeht und der Angst ins Auge schaut: In dem Coaching, das ich gemacht habe, gab es eine richtig gute Übung, das nannte sich Fear Setting. Es geht darum, sich mit Journaling seiner Angst zu stellen, zu schauen: Was ist eigentlich der Worst Case, der passieren kann? Der Worst Case bei der Masterarbeit ist zum Beispiel, du fällst durch, mehr passiert nicht. Die Welt dreht sich morgen noch weiter, und dann mache ich es halt noch mal. Wenn man sich das ganze einmal bewusst macht, schafft man es auch einfacher, in die Aktion zu kommen und den Perfektionismus beiseitezulegen.

Perfekt kann man es wahrscheinlich nie machen, das muss man sich bewusst machen. Aber man kann ein gutes oder sehr gutes Ergebnis abliefern. Man ist auch stolz auf sich, wenn man es geschafft hat, aus seiner Komfortzone zu gehen und Dinge zu machen, vor denen man vorher Angst hatte.

Christian: Fear Setting ist mir auch bekannt. Ich glaube, das ist ein bisschen bekannt geworden durch Tim Ferriss. Der war auch so ein Produktivitätsguru, zumindest vor 15 Jahren oder so. Auch als Leseempfehlung: Die 4-Stunden-Woche von Tim Ferriss. Vieles lässt sich nicht wirklich umsetzen, wenn man Familie hat, aber da ist trotzdem ganz viel Inspiration dabei.

Alisa: Es ist ein gutes Buch. Ich habe es mir als Hörbuch angehört und war wirklich sehr begeistert. Man muss es ein bisschen auf seine Situation anwenden und pickt sich die Sachen raus, die gerade relevant sind.

Christian: Dann lass uns mal noch über psychologische Hintergründe reden, woran es liegen könnte, dass man in so einen Hustle-Modus reinverfällt. Du hast eben auch schon Angst und Perfektionismus genannt. Fällt dir noch irgendwas ein?

Alisa: Natürlich Stress. Stress kann auch ein Antreiber sein, sei es positiver oder negativer Stress. Und natürlich das Thema Selbstzweifel, dass man nicht wirklich an seine Fähigkeiten glaubt. Angst, Stress, Selbstzweifel blockieren unser Handeln. Es lässt uns entweder der Situation ausweichen, wir lenken uns ab, weil es uns für einen kurzen Moment gut fühlen lässt, oder es versetzt uns in einen Grübelmodus, dieses Overthinking. Das führt dann immer wieder zum Aufschieben.

Statt wirklich in die Aktion zu gehen, wird eine Ausweichmöglichkeit von der Situation gesucht. Viele Menschen sabotieren sich dann auch selbst: Ich bin faul, ich kriege das alles nicht hin. Aber man muss tiefer schauen, die Angst zu versagen steckt eigentlich dahinter. Man darf sich seiner Angst stellen, zum Beispiel durch Journaling oder Fear Setting, sich schriftlich mit seinen Themen auseinandersetzen und darüber reflektieren. Oder man darf auch mit anderen sprechen. Wenn man Freunde hat, die sagen: Du hast doch schon alles in der Vergangenheit geschafft. Man darf offen über seine Ängste sprechen. Manchmal hilft es, wenn man im gleichen Boot sitzt, sich mit Kommilitonen auszutauschen und sich zu öffnen.

Christian: Stress, Angst, Selbstzweifel, Existenzangst kenne ich auch. Das führt bei mir auch schnell dazu, dass ich anfange zu hustlen. Bei manchen Menschen führt das dazu, dass sie gelähmt sind und gar nichts mehr machen, prokrastinieren. Ich fange dann an, Tätigkeiten zu machen, die mich primär ablenken. Programmieren zum Beispiel, das mache ich super gerne, aber als Geschäftsführer ist das eigentlich nicht meine primäre Aufgabe. Wenn ich merke, irgendwas funktioniert gerade nicht, ich finde keine Lösung, dann programmiere ich einfach erstmal eine Stunde. Ich bin dann in einem Flow, muss nicht mehr über das eigentliche Problem nachdenken, aber am eigentlichen Problem habe ich nichts gelöst. Dann hat man eine unproduktive Stunde verbracht. Konditionierung wäre auch noch etwas, das uns eingefallen ist, mit dem Smartphone, den ganzen Notifications.

Alisa: Genau, das war auch Teil der Stress- und Mentalcoaching-Ausbildung, dieses Beispiel mit dem Pawlowschen Hund zum Thema Konditionierung auf Gewohnheiten. Man wird auf dieses Notification-Geräusch konditioniert, oder die rote Zahl bei den Apps, die unserem Gehirn signalisiert: sofort checken. Man wird darauf trainiert, immer wieder hinzuschauen. Diese Muster darf man erkennen. Wenn mir eine App nicht guttut, darf ich sie auch mal kurzzeitig löschen, ich kann sie ja jederzeit wieder herunterladen.

Auch das Thema Gamification wird viel eingebaut. Aber man muss sich bewusst werden, dass die wenigsten Menschen sich besser fühlen, nachdem sie auf Instagram oder TikTok gescrollt haben.

Es geht auch einher mit dem Thema Hustle: Man hat vielleicht verinnerlicht, dass man seine körperlichen Bedürfnisse hintenanstellt, wenn etwas Wichtiges ansteht. Dann vernachlässigt man Freunde, Familie, Sport. Man verfällt in alte Muster, die einem eigentlich gar nicht guttun.

Ich habe den Begriff Mindful Productivity mal gehört, also achtsame Produktivität. Wenn man produktive Phasen hat, muss man regelmäßig einen Check-in machen: Wie geht es mir eigentlich gerade? Arbeite ich auf die richtigen Dinge hin? Brauche ich Bewegung? Einfach auf sich selbst hören, während man produktiv ist. Das finde ich super passend als Gegenstück zur Hustle-Kultur oder Grind-Mentalität.

Christian: Und mit Mindfulness haben wir eigentlich auch schon einen Stichpunkt für das nächste Thema: ganz konkrete Strategien, was man machen kann, um sich zu entgiften, um diese toxischen Gewohnheiten loszuwerden. Wir hatten jetzt schon ganz viele Strategien nebenher genannt. Aber wir können trotzdem noch mal strukturiert ein paar konkrete Strategien nennen. Was fällt dir als Allererstes, vielleicht auch Wichtigstes oder Hilfreichstes ein?

Alisa: Achtsamkeit, sich seiner Muster und toxischen Gewohnheiten bewusst werden. Das ist der erste Schritt, bevor alles andere folgt. Ich darf mir bewusst werden, was mich ablenkt und warum. Zum Beispiel durch Journaling oder einen täglichen Check-in: Wie geht es mir gerade? Arbeite ich auf die richtigen Dinge hin? Wie sind meine Arbeitszeiten eigentlich? Manchmal kriegt man das gar nicht mit, man sitzt auf einmal drei Stunden am Schreibtisch und denkt sich, wo ist die Zeit geblieben? Habe ich eigentlich gerade was getrunken?

Also immer diesen regelmäßigen körperlichen Check machen und die toxischen Gewohnheiten aufdecken. Manchmal hilft es auch, in den Austausch mit anderen Leuten zu gehen. Vielleicht fällt Freunden auf, dass man sich gerade anders verhält oder sich weniger meldet, weil man wieder in seinem Modus ist.

Christian: Wie ist es mit Nahrungsergänzungsmitteln? Das hattest du auch im Vorgespräch genannt.

Alisa: Man darf den Körper natürlich unterstützen, und wenn man nach ärztlicher Absprache einen Mangel hat, ist das vollkommen in Ordnung. Aber sich irgendwie mit Supplements zu boosten, um Leistungsfähigkeit zu steigern, das ist nach der 80/20-Regel wirklich nur ein ganz geringer Teil. Ich habe mal Ashwagandha zum Lernen versucht, das hat bei mir überhaupt nicht funktioniert, und das ist auch okay.

Man darf sich nicht in schnelle Lösungen stürzen. Wenn die ganz normalen Sachen wie Bewegung, gesunde Routinen, gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf gedeckt sind, hat man eigentlich schon 80 Prozent seiner perfekten Leistungsfähigkeit. Supplements machen dann vielleicht fünf Prozent aus. Die Gewohnheiten bilden das Fundament, und so ein Hack macht am Ende wenig aus. In der Biohacking-Szene verlieren sich viele Menschen damit. Das darf man gerne machen, aber sich davon den absoluten Gamechanger zu erhoffen, das sehe ich kritisch.

Christian: Sicherlich sind Nahrungsergänzungsmittel auch wichtig, wenn man sich mal ein paar Tage schlecht ernährt hat. Aber grundsätzlich ist eine gesunde, sinnvolle Ernährung viel besser. Es geht auch nicht darum, Kaffee zu verbannen. Ein Kaffee am Morgen ist nicht schlecht, und über den Tag hinweg darf man auch gerne zwei oder drei Tassen trinken. Ich muss leider gestehen, dass ich tatsächlich sehr viel Kaffee trinke und mir den auch mit Butter mache, das ist wohl auch noch so ein Tim-Ferriss-Ding. Aber es ist mehr Gewohnheit als der Gedanke, dadurch produktiver zu werden. Nach dem Mittag mache ich das in der Regel nicht mehr, weil mir der Schlaf definitiv viel wichtiger ist.

Du hast Gewohnheiten genannt. Wie schaffe ich es denn, mir Routinen aufzubauen, die förderlich für Produktivität sind?

Alisa: Das gab es auch in dem Buch Atomic Habits. Natürlich geht es erstmal um das Ziel: Was möchte ich mit dieser Gewohnheit erreichen? Zum Beispiel, ich möchte mehr Wasser trinken oder mich mehr im Alltag bewegen. Es dürfen kleine, erreichbare Ziele sein. Man sagt immer SMART: spezifisch, messbar, attraktiv, terminiert und einfach umsetzbar.

Wenn ich eine Routine aufbauen möchte, heißt das nicht, ich muss jeden Tag fünf Stunden joggen. Es reicht, wenn ich erstmal zehn Minuten rausgehe. Danach darf ich mich gerne steigern und immer wieder diese Erfolgserlebnisse haben, diese kleinen Quick Wins im Laufe des Tages. Bei Entspannungsübungen zum Beispiel erstmal mit fünf Minuten anfangen, dann zehn, dann fünfzehn, und sich langsam in die Routine reinhangeln.

Ich muss es natürlich auch durchziehen, sonst entsteht keine Gewohnheit. Das geht einher mit dem Thema Selbstvertrauen: Vertraue ich mir selbst, dass ich diese Gewohnheit durchziehe? Routinen aufbauen hat auch viel mit Selbstrespekt zu tun. Ich respektiere mich, dass ich jeden Tag genug Wasser trinke, dass ich nach dem Mittagessen einen Spaziergang von 30 Minuten mache. Das sind super einfache Sachen, die gehen leicht in den Alltag zu integrieren. Später darf man sich dann steigern. Aber nicht erst mit diesen großen Vorsätzen, die sich die meisten am Anfang des Jahres setzen und die nach zwei Wochen wieder gegessen sind.

Was auch immer hilft, ist der Trigger. Mir hilft es zum Beispiel, dass ich mir abends schon ein Glas Wasser hinstelle. Am nächsten Morgen stehe ich auf und trinke direkt ein Glas Wasser. Das ist mittlerweile zur Gewohnheit geworden, ich muss nicht mehr daran denken.

Christian: Ich habe mal ein Buch gelesen, in dem es um Selbstorganisation ging, da war der Tipp, dass man sich selber ein guter Freund und Gastgeber sein soll. Man stellt sich abends schon die Dinge zurecht, die man am nächsten Tag braucht, kann vielleicht sogar schon den Tisch decken oder sich etwas zu essen zurechtmachen. Dann kann man auch viel besser in den Tag starten.

Also wenn man diese Strategien zusammenfasst: Es geht letztendlich darum, gesund zu sein, Stress abzubauen, fit zu sein, in seiner Mitte zu sein und besser reflektieren zu können, was die Dinge sind, die mich daran hindern, sinnvoll produktiv zu sein. Nur wenn ich mir auch Zeit für mich nehme, kann ich Strategien entwickeln und planen, wo ich eigentlich hin möchte.

Alisa: Genau.

Christian: Wir haben eigentlich über alle großen Themen gesprochen. Ich hoffe, da war viel Inspiration dabei für unsere Zuhörerinnen und Zuhörer. Vielleicht kannst du uns zum Schluss noch sagen, wie man dir folgen kann und wie man mit dir in Kontakt treten kann?

Alisa: Man kann mir gerne auf Instagram folgen, bei Facebook bin ich überhaupt nicht aktiv. Einfach Alisa.Fochler bei Instagram eingeben, da bin ich relativ aktiv. Ich werde jetzt auch ein bisschen mehr in Richtung KI machen, das ist ein Thema, das mich momentan ziemlich begeistert. Da poste ich regelmäßig was.

Christian: Und eine Webseite hast du auch noch, habe ich gesehen.

Alisa: Ja, da kann man tatsächlich einen Guide runterladen, in dem es um das Thema Prokrastination überwinden geht. Das sind genau auch die Stichpunkte, die wir gerade besprochen haben, dass Prokrastination ein Ausweichmechanismus ist und wie man zu Produktivität gelangt. Die Adresse ist go.alisa-fochler.de.

Christian: Super, das verlinken wir natürlich auch alles in der Beschreibung für den Podcast. Ganz herzlichen Dank, vor allem auch dafür, dass du deine Story hier so geteilt hast. Da haben wir wirklich sehr ausführlich drüber geredet, aber ich denke, da hätten wir auch einen ganzen Podcast damit füllen können. Auch beim Zuhören habe ich richtig Gänsehaut bekommen. Noch mal vielen, vielen Dank dafür und natürlich für die ganzen Tipps rund um das Thema Produktivität. Also herzlichen Dank und schönen Tag.

Alisa: Danke schön. Habe mich auch sehr gefreut, hier zu sein. Tschüss.

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