Was halten Personaler von Fernstudium? Umfrage auf den Karrieretagen Jena
Halten Personalverantwortliche Absolventen & Absolventinnen von Fernstudiengängen und Onlinestudiengängen wirklich für besonders motiviert? Wir haben eine Karrieremesse an der Uni Jena besucht und sprechen mit 3 Mitarbeitenden aus dem HR-Bereich über das Thema Fernstudium. Ob es wirklich Bonuspunkte im Bewerbungsgespräch für Fernstudierende gibt, erfahrt ihr im Video.
👉 Artikel zum Thema: „Wie anerkannt ist Fernstudium in der Wirtschaft?“ fernstudi.net/magazin/10958
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#karriere #fernstudium #straßenumfrage
Transkript
Diese Aufnahme stammt aus dem Jahr 2022. Genannte Preise, Studiengänge und Studienbedingungen können sich seitdem geändert haben.
Vorschau auf die Antworten: „Der Abschluss allein – das zu machen ist ja schon eine wahnsinnige Herausforderung. Das würde nicht negativ oder positiv bewertet.“ – „Die nicht ganz straighten Lebensläufe werden tatsächlich immer gefragter, schlicht und einfach, weil man dann wirklich weiß, man hat Leute vor der Nase, die da angekommen sind, wo sie wirklich auch hinwollten.“ – „Jemand, der jetzt ein Fernstudium neben dem Beruf gepackt hat, der hat natürlich jede Menge Eigenmotivation in der Hinsicht. Das schwingt dann so positiv irgendwie mit.“
Meine These vorweg
Christian: Schönen Tag. Was halten Personalverantwortliche eigentlich von Fernstudierenden? Das wollen wir jetzt mal ergründen, und zwar auf so einer kleinen Karrieremesse, zu der wir hier gerade fahren.
Ich bin nämlich der Meinung, dass ein Fernstudium jetzt nicht zwangsläufig unbedingt ein Bonus ist, wenn man sich irgendwo bewirbt – und schon gar nicht in Bezug auf Motivation, oder zumindest nicht in Bezug auf Selbstorganisation. So etwas braucht man ja immer, wenn man jemanden einstellt. Aber das ist halt meine Meinung, deswegen wollen wir jetzt mal Personalverantwortliche auf dieser Karrieremesse fragen und mal gucken, was sie dazu sagen, was sie von Fernstudierenden halten, von Leuten, die ein berufsbegleitendes Studium machen. Und ich würde sagen, wir fahren mal los.
Bevor wir losfragen: Ich hatte schon mal ein Video dazu gemacht auf diesem Channel, da geht es genau um dieses Thema. Und ich vertrete, wie gesagt, ein bisschen die Meinung: Fernstudium schön und gut, aber es bringt jetzt nicht unbedingt den Bonus, wenn man sich irgendwo bewirbt.
Bei der Motivation: Klar, man will natürlich auch motivierte Mitarbeiter. Aber was heißt das schon, wenn man so ein Fernstudium gemacht hat? Dann ist man halt motiviert gewesen für das Studium, motiviert, den Abschluss zu machen. Das heißt ja nicht, dass man jetzt supermotiviert auf Arbeit den ganzen Tag antanzt. Und jemand, der sich ein bisschen mit Psychologie auskennt – was der durchschnittliche Personalverantwortliche oder die durchschnittliche Personalverantwortliche natürlich kann –, der weiß das auch.
Und genauso das Thema Selbstorganisation. Natürlich ist es so, dass jemand, der ein Fernstudium macht, vielleicht noch Familie und all das unter einen Hut bringt, dass der auch Selbstorganisation kann. Aber was bringt mir das jetzt, wenn ich jemanden einstelle, der sein privates, persönliches Leben gut selber organisieren kann? Denn auf Arbeit hat man schon mal vorgegebene Strukturen, da ist eben alles schon zurechtorganisiert. Ich brauche jetzt nicht unbedingt einen Mitarbeiter, der sich selber organisieren kann, weil das kein superkrasser Skill ist, den man im Berufsleben überall braucht. Da gelten ganz andere Sachen: das Fachwissen vielleicht, Berufserfahrung. Und Berufserfahrung haben Fernstudierende eben häufig auch, das ist glaube ich ein großer Bonuspunkt. Aber jetzt nicht so diese Klischee-Eigenschaften, die man Fernstudierenden zuspricht, von wegen Eigenmotivation und Selbstorganisation.
Aber wir fahren jetzt erst mal dahin und gucken – vielleicht sehe ich das auch komplett anders als der 08/15-Personalverantwortliche oder die 08/15-Personalverantwortliche.
Erstes Gespräch
Christian: So, hier sind wir zumindest schon mal angekommen, jetzt gehen wir gleich mal rein. Wir sind heute auf den Karrieretagen und wollen Personalverantwortliche fragen, was die eigentlich so von Fernstudierenden halten.
Könnt ihr vielleicht sagen, welches Unternehmen ihr vertretet? Und was haltet ihr von Fernstudierenden, also von Leuten, die ein Onlinestudium machen? Sind die interessant für euch als Absolventen, oder sucht ihr eher nach Leuten, die ein ganz normales, klassisches Präsenzstudium gemacht haben? Für uns ist die Frage interessant, wie Personalverantwortliche über Fernstudierende denken – also Leute, die ein Onlinestudium gemacht haben, die vielleicht berufsbegleitend studiert haben, die vielleicht ein bisschen älter sind, so wie ich.
Personalverantwortlicher: Ich würde das jetzt nicht auf die Studenten beschränken. Ich finde das immer bemerkenswert, wenn jemand ein Fernstudium machen konnte oder berufsbegleitend studiert hat, und wir bewerten das auch nicht anders als einen Studiengang, der jetzt in Vollzeit hier an der Uni gemacht wurde. Sondern der Abschluss an einer Hand – das zu machen ist ja schon eine wahnsinnige Herausforderung. Es würde nicht negativ oder positiv bewertet, welcher Studiengang das war.
Christian: Okay, also es ist egal. Ihr seht das jetzt nicht so, dass Fernstudierende – das wird ja oft gesagt – angeblich motivierter sind, mehr fähig zum Selbstorganisieren und so weiter?
Personalverantwortlicher: Nein, das ist jetzt nicht so, dass wir da irgendwie denken, dass das anders zu sehen ist. Man muss sich egal wie selber organisieren, ob das jetzt ein Studiengang hier an der Universität ist oder ob das ein Studiengang von zu Hause aus ist. Die Organisation ist natürlich selbst wichtig, klar, es ist hilfreicher, jemanden mit dabei zu haben, mit einer Gruppe zu lernen – hat man im Fernstudiengang auch. Man könnte sagen, man wäre motivierter im Fernstudiengang, das wird vielleicht auch so bewertet von manchen Kollegen. Das liegt ganz daran, wie auch der Mensch ist, der davorsitzt.
Zweites Gespräch: Navimatix
Christian: Könnt ihr ganz kurz sagen, für wen ihr arbeitet beziehungsweise wen ihr hier vertretet?
Personalverantwortlicher: Hier für die Navimatix, das ist ein kleines Unternehmen sozusagen aus der Softwareentwicklungsbranche hier in Jena.
Christian: Okay. Und unsere Frage beziehungsweise wir interessieren uns für das Thema Fernstudium, unsere Zuschauer auch – die meisten von denen studieren online, also nicht gemischt oder sonst was, sondern wirklich als richtiges Fernstudium. Und was immer so ein bisschen die Diskussion unter uns beziehungsweise in unserer Community ist: Was halten Personalverantwortliche eigentlich von Leuten, die ein Fernstudium gemacht haben, versus ganz normale Studierende, sagen wir mal, die jetzt beispielsweise an der FH hier oder an der Uni Jena studiert haben? Gibt es da irgendwelche, weiß ich nicht, Bonusvorteile, vielleicht zum Beispiel was die Motivation angeht? Oder seid ihr da unvoreingenommen in dem Sinne?
Personalverantwortlicher: Also einfach aus dem Bauch heraus würde ich sagen: Das macht keinen großen Unterschied, gerade in der Softwarebranche, weil du ja so oft remote arbeitest und mit Teams zusammen, die an verschiedensten Orten sitzen. Und vielleicht könnte das sogar ein Bonus sein, wenn jemand damit Erfahrung hat.
Christian: Also positiv gedacht. Es ist ja häufig bei Leuten so, die ein Fernstudium machen: Die sind in der Regel ein bisschen älter, die haben ja dann auch häufig schon eine gewisse Berufserfahrung, vielleicht eine Ausbildung oder so etwas gemacht und überlegen sich dann später eben, neben Beruf und Familie zu studieren – das geht dann eben am besten über so ein Fernstudium. Aber wie gesagt, das ist halt oft die Diskussion, die wir so mitbekommen: Ist das nun besonders positiv angesehen unter den Firmen oder ähnlich?
Personalverantwortlicher: Pauschalisiert ist da überhaupt nichts zu sagen. Mein Eindruck war die letzten Jahre, dass die nicht ganz straighten Lebensläufe tatsächlich immer gefragter werden. Schlicht und einfach, weil man dann wirklich weiß, man hat Leute vor der Nase, die da angekommen sind, wo sie wirklich auch hinwollten – und nicht, weil sie da einfach nur reingeraten sind, weil jemand mal gesagt hat, studier das doch, das ist doch ganz toll. Die Gespräche werden interessanter, und man überzeugt dann, glaube ich, auch sehr viel schneller mit der Persönlichkeit. Und gerade das wird in den Teams heutzutage immer wichtiger, weil die Teams wirklich nach Persönlichkeiten auch gebaut werden.
Christian: Okay, super, danke, das war's.
Drittes Gespräch: dotSource
Christian: Kannst du kurz sagen, für wen du hier bist beziehungsweise wen du vertrittst?
Personalentwicklerin: Ich vertrete dotSource, das ist eine Digitalagentur, mit eine der größten in Deutschland.
Christian: Okay, auch IT-Bereich. Und was ist deine Rolle?
Personalentwicklerin: Ich arbeite in der Personalentwicklung.
Christian: Okay, dann bist du hier die perfekte Ansprechpartnerin. Denn uns interessiert nämlich: Was halten Personalverantwortliche eigentlich von Fernstudierenden, also von Leuten, die kein normales Präsenzstudium abgeschlossen haben, sondern ein Fernstudium, die vielleicht ein bisschen älter sind, neben dem Beruf noch mal studiert haben und dann eben auf diesem Wege von zu Hause aus ein Studium abgeschlossen haben? Gibt es da Bonuspunkte, oder ist es eher nachteilig?
Personalentwicklerin: Also ich würde sagen, wir schauen uns die Leute genau an, die sich bei uns bewerben. Das heißt, da spielen natürlich auch so etwas wie Hard Skills eine Rolle, aber auch, was sie an Motivation einfach mitbringen. Jemand, der jetzt ein Fernstudium neben dem Beruf gepackt hat, der hat natürlich jede Menge Eigenmotivation in der Hinsicht, das schwingt dann so positiv irgendwie mit. Aber ich würde jetzt nicht sagen, dass das positiv oder negativ in irgendeiner Hinsicht Auswirkungen hat. Also wichtiger ist quasi: Passt der oder diejenige gut ins Team und solche Sachen. Genau, passt der Mensch zu uns – und letztlich, was da für Qualifikationen dabei sind. Natürlich schauen wir auf die Qualifikation, aber in erster Linie steht der Mensch. Alles andere kann man letztlich mit der Zeit auch lernen.
Christian: Okay, super, das war's, vielen Dank.
Was hängen geblieben ist
Christian: So, wir hatten jetzt noch ein paar interessante Gespräche hier mittendrin, die wir jetzt nicht alle auf Kamera haben. Aber grundsätzlich ist der Tenor, hat man den Eindruck, dass besonders wichtig natürlich ist, wie jemand ins Team passt.
Eine Verantwortliche hat uns jetzt auch gesagt, dass das Studium an sich nicht die absolut wichtigste Rolle spielt, gerade im IT-Bereich – und viele der Unternehmen, die hier gerade vor Ort sind, sind im IT-Bereich tätig. Da ist das Studium nicht immer das Allerwichtigste.
Was auch eine sehr interessante Aussage war, die wir gerade noch aufgeschnappt haben: dass Personalverantwortliche merken, dass sich Studierende nicht immer Gedanken darüber machen, was sie mit dem Studium eigentlich erreichen wollen. Das ist noch mal sehr interessant, weil die Hochschulen, auch die Fernhochschulen, ihre Studiengänge marketingtechnisch natürlich ein bisschen in die Richtung verkaufen: damit Karriere machen, an einer Karriere arbeiten. Aber letztendlich ist es auch so, dass das nicht wirklich etwas ist, woran man arbeitet in dem Sinne. Was machst du da in dem Studium? Du kannst ja nicht in dem Sinne an deiner Karriere arbeiten, weil es letztendlich auch darauf ankommt, wie gut du ins Team reinpasst, was du vielleicht auch für Soft Skills hast – natürlich sind die Hard Skills auch wichtig – und wo du auch generell hinmöchtest, jetzt nicht nur mit dem Studium, sondern auch mit deiner Arbeit. Das sind alles so Aussagen, die wir hier aufgeschnappt haben.
Und ein Wort zu Quereinsteigern
Christian: Ihr seht hier oben: Wenn ihr Bock habt, irgendwie bei dm zu arbeiten, die suchen auch Mitarbeiter in Voll- oder Teilzeit, und auch hier sind Quereinsteiger willkommen.
Und Thema Quereinsteiger – ihr seht es jetzt auch hier an den Statements –, das ist natürlich vor allem wichtig im IT-Bereich, wo es ja auch einen krassen Fachkräftemangel gibt. Daran seht ihr schon, dass es jetzt nicht in jeder Branche so ist, aber daran seht ihr schon, dass nicht immer der Abschluss das Allerwichtigste ist, also der Bachelor oder der Master, sondern das, was ihr könnt. Und wenn ihr wirklich was auf dem Kasten habt – und das könnt ihr natürlich auch im Studium gelernt haben –, dann könnt ihr es auch gut schaffen, als Quereinsteiger irgendwo reinzukommen.
Das spricht auch noch mal ein bisschen, zumindest in bestimmten Branchen, für das Argument, das ich euch hier oft liefere: dass das, was man tatsächlich lernt, ob nun im Studium oder außerhalb eines Studiums, häufig wichtiger ist als der reine Abschluss an sich, der Bachelor, Master oder sonst was. Sicherlich spielt das auch eine Rolle, aber das, was man gelernt hat, ist doch häufig auch wichtiger – je nach Branche natürlich.

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