Wie anerkannt ist ein Fernstudium? Was die forsa-Studie sagt – und was Personaler wirklich denken
Wird ein Fernstudium von Arbeitgebern ernst genommen? Die kurze Antwort: Ja – solange der Abschluss akkreditiert ist. Aber die Frage hat Nuancen: Welcher Abschluss macht den Unterschied? Ist „Fernstudium“ im Lebenslauf ein Vorteil oder ein Risiko? Und stimmt es wirklich, dass 98 % der Personaler Eigenmotivation bei Fernstudierenden schätzen? Ein ehrlicher Blick auf die Datenlage – inklusive der Perspektive eines Unternehmers.
- Rechtlich: Fern- und Präsenzabschluss sind identisch (gleiche Akkreditierung, gleicher Grad).
- forsa-Studie: 98 % schätzen Eigenmotivation – aber: ILS-Auftragsumfrage, über 10 Jahre alt. Die Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen.
- Was wirklich zählt: Fachbereich, Spezialisierung, Berufserfahrung – nicht das Label „Fernstudium“.
- Abschlussart matters: Bachelor/Master und IHK-Prüfungen sind voll anerkannt. Zertifikatslehrgänge deutlich weniger.
- Personaler erkennen oft nicht, ob Fern- oder Präsenzstudium – je nach Hochschulname.
- Was die forsa-Studie sagt – und was man dazu wissen muss
- Was Personalern wirklich wichtig ist – eine ehrliche Einordnung
- Welcher Abschluss wie viel wert ist
- Erkennt man im Lebenslauf, dass es ein Fernstudium war?
- Fernstudium neben dem Beruf: Vorteil oder Risiko?
- Häufige Fragen zur Anerkennung von Fernstudium
- Anerkennung ist nicht das Problem – dein Profil ist die Lösung
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Was die forsa-Studie sagt – und was man dazu wissen muss
Die bekannteste Datenquelle zum Thema ist eine repräsentative Umfrage, die das Marktforschungsinstitut forsa im Auftrag des ILS unter 300 Unternehmen durchgeführt hat. Die Ergebnisse werden seitdem überall zitiert:
- 81 % machen keinen Unterschied zwischen Erstem und Zweitem Bildungsweg
- 54 % der Personalverantwortlichen finden nebenberufliche Weiterbildungen wichtig oder sehr wichtig
- 59 % räumen Mitarbeitenden, die sich privat weiterbilden, Beförderungsvorteile ein
- Zugeschriebene Eigenschaften: Eigenmotivation (98 %), Zielstrebigkeit (95 %), Selbstständigkeit (89 %), Organisationsfähigkeit (89 %), Flexibilität (85 %)

Aber: Diese Zahlen solltest du nicht unkritisch übernehmen. Drei Einschränkungen:
- Auftragsumfrage: Die Studie wurde vom ILS in Auftrag gegeben – einer der größten Fernschulen Deutschlands. Das Ergebnis ist für den Auftraggeber natürlich vorteilhaft
- Über 10 Jahre alt: Die Umfrage stammt aus einer Zeit, in der Fernstudium noch deutlich weniger verbreitet war. Heute ist es Mainstream – die „Besonderheit“ schwindet
- Fragestellung lenkt: Wer gefragt wird „Schätzen Sie Eigenmotivation bei Bewerbern?“, antwortet natürlich mit Ja. Das sagt wenig darüber aus, ob ein Fernstudium im konkreten Bewerbungsgespräch den Ausschlag gibt
Was Personalern wirklich wichtig ist – eine ehrliche Einordnung
Christian, Gründer von fernstudi.net und selbst Firmeninhaber, ordnet die forsa-Grafik im Video differenziert ein: „Das bildet nicht wirklich die Realität ab von dem, was Personalverantwortliche über Fernlerner denken.“
Was stattdessen zählt:
- Fachbereich und Spezialisierung: Welches Fach hast du studiert? Welche Vertiefungen gewählt? Was war das Thema deiner Abschlussarbeit? Das ist relevanter als die Frage Fern- vs. Präsenz
- Berufserfahrung: Fernstudium-Absolventen haben hier oft einen echten Vorteil – wer neben dem Job studiert hat, bringt automatisch mehr Praxiswissen mit als jemand direkt von der Uni
- Passung zur Stelle: Manchmal sucht ein Arbeitgeber genau einen erfahrenen Berufstätigen mit Zusatzqualifikation – dann ist das Fernstudium ein Plus. Manchmal sucht er einen Newbie zum Formen – dann ist Berufserfahrung weniger relevant
- Nicht immer „Eigenmotivation“: Die Eigenschaft, die laut forsa am meisten geschätzt wird, ist für manche Stellen irrelevant. Was zählt, hängt von der konkreten Position ab
Die ehrliche Antwort: Ein Fernstudium schadet nie – es ist immer besser als kein Abschluss. Aber es ist auch kein magischer Türöffner. Was zählt, ist der Abschluss selbst, dein Fachprofil und deine Berufserfahrung – nicht das Etikett „Fernstudium“.
Welcher Abschluss wie viel wert ist
Die Anerkennung hängt massiv davon ab, welche Art von Abschluss du per Fernstudium erwirbst. Hier die Hierarchie:
| Abschlussart | Anerkennung | Beispiele |
|---|---|---|
| Bachelor / Master | Voll anerkannt – identisch mit Präsenzabschluss | B.A. BWL, M.Sc. Psychologie, MBA |
| IHK-/Staatsprüfung | Voll anerkannt – gleiche Prüfung wie im Präsenzunterricht | Fachwirt IHK, Techniker, Heilpraktiker |
| Hochschulzertifikat | Anerkannt, wenn ECTS vergeben – auf Studium anrechenbar | Nanodegrees, Micro-Credentials (mehr dazu) |
| Zertifikatslehrgang | Begrenzt – institutseigene Prüfung, kein einheitlicher Standard | Fernschul-Zertifikate (ILS, SGD etc.) |
| Teilnahmebescheinigung | Kaum Aussagekraft – keine Prüfung, kein Wissensnachweis | Kurse ohne Abschlussprüfung |
Faustregel: Steht am Ende eine externe Prüfung (IHK, Hochschule, Behörde), ist der Abschluss in der Wirtschaft genauso anerkannt wie sein Präsenz-Äquivalent. Bei institutsinternen Prüfungen und Teilnahmebescheinigungen wird es deutlich dünner. Mehr zur Einordnung: DQR einfach erklärt.
Erkennt man im Lebenslauf, dass es ein Fernstudium war?
Nicht immer. Und das ist strategisch relevant:
- FernUniversität in Hagen: Sofort erkennbar – „Fern“ steht im Namen
- IU Internationale Hochschule: Nicht sofort erkennbar – bietet auch Präsenzstudiengänge
- Europäische Fernhochschule Hamburg: Sofort erkennbar
- AKAD University, Wilhelm Büchner Hochschule: Nicht auf den ersten Blick
Fernstudium neben dem Beruf: Vorteil oder Risiko?
Wer neben dem Beruf studiert, demonstriert Belastbarkeit und Eigeninitiative – das stimmt. Aber es gibt eine Kehrseite: Die Doppelbelastung kann die Leistung im Job beeinträchtigen. Nicht jeder Arbeitgeber findet das toll.
Zwei Szenarien:
- Fernstudium abgeschlossen: Klarer Vorteil. Du hast bewiesen, dass du eine anspruchsvolle Qualifikation neben dem Beruf durchgezogen hast. Das beeindruckt
- Fernstudium läuft noch: Komplizierter. Arbeitgeber können sich fragen, ob der Job darunter leidet. Überlege, ob du es erwähnst – und wenn ja, betone, dass du die Balance im Griff hast
Mehr zum Thema: Fernstudium und Arbeitgeber: So bringst du Studium, Job und Chef unter einen Hut.
Häufige Fragen zur Anerkennung von Fernstudium
Nein. Auf dem Abschlusszeugnis einer akkreditierten Hochschule steht der akademische Grad (z.B. Bachelor of Arts) und die Hochschule – aber nicht, ob du in Präsenz oder per Fernstudium studiert hast. Bei IHK-Prüfungen steht ebenfalls nur der Abschluss, nicht der Vorbereitungsweg. Im Lebenslauf entscheidest du selbst, wie du dein Studium beschreibst.
Rechtlich und formal: nein. Gleiche ECTS, gleiche Akkreditierung, gleicher Grad. In der Wahrnehmung von Personalern: meistens auch nicht – 81 % der Befragten in der forsa-Studie machen keinen Unterschied zwischen Erstem und Zweitem Bildungsweg. Vereinzelt gibt es Vorbehalte, besonders bei Personalern ohne eigene Fernstudium-Erfahrung. Aber: Was zählt, ist der Abschluss und dein Profil, nicht der Lernweg.
Als Wissenserweiterung: ja. Als Karrierebaustein: begrenzt. Zertifikatslehrgänge mit institutsinterner Prüfung haben keinen einheitlichen Standard – Arbeitgeber können den Wert schwer einschätzen. Wenn du dich beruflich weiterentwickeln willst, wähle einen Lehrgang, der mit einer externen Prüfung abschließt (IHK, Staatsprüfung) oder ein akademisches Studium. Hochschulzertifikate mit ECTS sind eine gute Zwischenlösung: Mehr zu Nanodegrees und Microcredentials.
Anerkennung ist nicht das Problem – dein Profil ist die Lösung
Die Frage „Ist mein Fernstudium anerkannt?“ ist verständlich, aber letztlich die falsche Frage. Die richtige Frage: „Passt mein Abschluss + meine Erfahrung + meine Spezialisierung zu der Stelle, die ich will?“ Wenn ja, ist es völlig egal, ob du in einem Hörsaal oder am Küchentisch gelernt hast.
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Ich habe eine Ausbildung als verkauferin abgeschlossen und mehrere Jahre als Verkäuferin gearbeitet . Jetzt bin ich in Elternzeit und möchte nicht mehr zu Bäckerei zurück . Ich wollte immer in eine Zeitarbeitsfirma als Personaldisponent arbeiten, dafür war mein Deutsch noch nicht so gut. Ich habe eine Berufsberatung gemacht und mir worde ils empfohlen , da ich während mein Elternzeit lernen kann .ich wollte ein Lehrgang als personaldisponentin machen aber... die brauchen als teilnehmervorausetzungen eine kaufmännische Ausbildung - meine Ausbildung wird nicht reichen ... als Alternative habe ich Lerngang als burosachbearbeiterin bekommen, es wird aber nur mit einem Teilnehmrzertifikat abgeschlossen . Es kostet 2500€ und Arbeitsamt übernehmt mir die kosten nicht . Ist das eine richtige Entschiedung ?
wenn ich dich richtig verstehe, willst du wissen, ob eine Weiterbildung zur Bürosachbearbeiterin das Richtige für dich.
Letztendlich kannst nur du das entscheiden, ich kann dir aber ein paar Ratschläge geben.
Erst einmal: Für einen Bürojob sind sehr gute Deutschkenntnisse wichtig. Du musst sehr gut sprechen (und telefonieren) können. Und du musst sehr gut schreiben. Das wäre etwas, woran du arbeiten könntest.
Ansonsten kann eine Weiterbildung zur Bürosachbearbeitung doch sicher weiterhelfen, wenn das dein Traumjob ist, selbst wenn sie „nur“ mit Teilnahmezertifikat abschließt. Und die Elternzeit ist dazu ideal, um sich nebenher per Fernunterricht weiterzubilden.
ich würde gerne in der Buchhaltung arbeiten, da mich das sehr interessiert. Tätig bin ich zur Zeit in der Reingung. Für eine Ausbildung bin ich höchstwahrscheinlich für die meisten Arbeitgeber zu alt (47). Seit einem Jahr arbeite ich die Bücher von Schmolke/Deitermann "Industrielles Rechnungswesen" zusammen mit einem Weiterbildungsberater, der hier in unserem Viertel ein Projekt anbietet. Konkret heißt das, ich arbeite die Aufgaben und den Stoff zu Hause durch und treffe mich mit dem Mann ein mal wöchentlich, um offenstehende Fragen zu klären. Klappt auch sehr gut. Da ich immer wieder die Stellenanzeigen studiere, habe ich festgestellt, dass sehr viele Arbeitgeber SAP Kenntnisse wünschen. Bei der Fernschule ILS und bei der sgd bieten sie solche Kurse mit institutseigener Prüfung an. Da kann man auch zu Hause mit SAP üben. Das klingt sehr interessant. Aber der Spaß kostet auch ganz schön viel Geld. Meine Frage: Nutzt mir so ein Kurs überhaupt was? Ich habe keine Zweifel, dass ich das nicht schaffe, aber ich habe keine Lust, mein sauer verdientes Geld für nichts und wieder nichts zum Fenster rauszuschmeißen. Für eine baldige Antwort bin ich sehr dankbar. Viele Grüße von Ihrer Namensvetterin Sabine aus Gießen
du fragst:
Ob das was nützt, liegt vor allem an dir. Interessiert dich das Thema? Möchtest du auch beruflich damit arbeiten? Falls ja, kann dir so ein Kurs mit hoher Sicherheit weiterhelfen, weil du systematisch neue Fähigkeiten lernst, und weil du am Schluss ein Zertifkat hast, das du bei Bewerbungen vorzeigen kannst.
Die Zertifkate, die du erwerben kannst, sind übrigens u.a. SAP-Anwender-Zertifikate, zusätzlich zu den institutseigenen Zertifikaten. Beispiel: Der Fernkurs Finanzbuchhaltung mit SAP® ERP am ILS. Den Kurs kannst du auch über Bildungsgutschein finanzieren.
ich denke, dass es wichtig für einen selbst und für den Arbeitgeber sein sollte sich regelmäßig weiter zu entwickeln. Wer sich nicht weiterbildet, wird irgendwann, wenn der Arbeitgeber einem kündigt mal mit Problemen bei der Arbeitssuche am Arbeitsmarkt konfrontiert werden. Denn nichts hält für ewig und erlangtes Wissen kann mit der Zeit obsolet werden oder stellt mit der Zeit keinen Wettbewerbsvorteil am Arbeitsmarkt mehr dar, wenn es nicht weiterentwickelt wird. Außerdem ist es ja auch so, dass der berufliche Aufstieg durch Weiterbildung gefördert wird.
Wer bereits im Beruf ist, hat auch für Vollzeitfortbildungen i. d. R. nicht die Zeit, so dass sich Fernlehrgänge und Abendkurse zur Fortbildung anbieten. Ich sehe es allerdings auch so, dass am Ende eine anerkannte Prüfung, z. B. von der IHK oder einer Universität zumindest mit einer Klausur abschließen sollte, um neu erlangtes Wissen gegenüber dem Arbeitgeber dokumentieren zu können.