Psychologische Beratung im Fernstudium: Interview mit Betreuer & Dozentin vom BTB
Psychologische Berater führen im Gegensatz zu Psychologen oder Psychotherapeuten keine Heilkunde durch und arbeiten nicht mit psychisch erkrankten Personen. Die Tätigkeit konzentriert sich ganz auf lösungsorientierte Ansätze, u.a. in Krisen, und die Förderung der Selbstentwicklung des Klienten.
Ein Fernstudium in diesem Bereich ist für Personen interessant, die psychologisches Wissen erlernen möchten, sei es für den beruflichen Einsatz (z. B. in Beratung, Coaching, Personalwesen) oder die persönliche Weiterentwicklung. Auch medizinisches und pädagogisches Fachpersonal sowie Personen, die eine berufliche Existenz in der psychologischen Beratung anstreben, profitieren von einem solchen Lehrgang.
Das @btb_bildungswerk bietet einen zertifizierten Fernlehrgang zur Ausbildung als Psychologischer Berater an, der in 12 Monaten berufsbegleitend absolviert werden kann. Ziel ist es, die Teilnehmer auf eine Tätigkeit im Bereich Beratung und Coaching vorzubereiten, wobei auch rechtliche Rahmenbedingungen und Grundlagen der Selbstständigkeit thematisiert werden.
Bei Christian zu Gast sind Rainer Gosch, Leiter der Lehrgangsbetreuung am BTB, und Kirsten Hofmann-Grunert, Fachtutorin und Dozentin im Kurs Psychologische Beratung. Im Interview erörtern sie u.a. das Tätigkeitsfeld psychologischer Berater, Voraussetzungen für die Teilnahme, die Kursinhalte und Kosten.
Inhalt:
00:00 Vorschau
00:43 Schönen guten Tag
02:15 Rainer Gosch & Kirsten Hofmann-Grunert stellen sich vor
06:53 Tätigkeitsfeld des psychologischen Beraters
12:22 Unterschied zwischen Coach und Berater
15:38 Perspektiven für Selbstständigkeit
17:14 Formale Voraussetzungen
19:12 Ausbildungsinhalte
24:19 Praxisseminare
27:04 Praxisfälle
31:29 Ablauf & Organisation des Kurses
33:57 Kosten & Fördermöglichkeiten
Weiterführend:
👉 Alle Infos zur Weiterbildung auf Fernstudi.net: fernstudi.net/weiterbildung/gesundheit/coaching/14224
👉 Alles zum Heilpraktiker Psychotherapie per Fernstudium: fernstudi.net/weiterbildung/gesundheit/psychologie/12212
👉 Interview zum Systemischen Berater am BTB: youtube.com/watch
👉 Alle Infos zum BTB & weitere Kurse auf Fernstudi.net: fernstudi.net/fernschulen/bildungswerk-fuer-therapeutische-…
👉 Kurs & Tipps zu kombinierbaren Fachrichtungen am BTB: btb.info/ausbildung-psychologischer-berater.html
👉 Website von Kirsten Hofmann-Grunert: gedankenmanufaktur-lahndill.de
Studienberatung:
ℹ️ Wir versuchen, alle Fragen in den Kommentaren auf Youtube zu beantworten. Wenn du ausführlicher beraten werden möchtest, nutze die Studienberatung auf fernstudi.net, dort sind auch Hochschulen und Anbieter unterwegs: fernstudi.net/hilfe
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Transkript
Schönen guten Tag. In diesem Video dreht sich alles um die psychologische Beratung, und zwar um die Weiterbildung beziehungsweise Ausbildung zum psychologischen Berater oder zur psychologischen Beraterin. Im Interview habe ich Herrn Rainer Gosch vom Bildungswerk für therapeutische Berufe – einer Fernschule, die diese Weiterbildung anbietet – und Frau Kirsten Hoffmann-Grunert, die als Fachtutorin am BTB, dem Bildungswerk für therapeutische Berufe, arbeitet. Frau Hoffmann-Grunert ist Psychologin und Heilpraktikerin für Psychotherapie und selber psychologische Beraterin und kann deswegen ganz viel dazu erzählen.
Erst einmal: Was macht eigentlich ein psychologischer Berater beziehungsweise eine Beraterin? Wo sind die Unterschiede zum Coaching beispielsweise, gibt es da überhaupt Unterschiede? Wo sind die Unterschiede zum Heilpraktiker für Psychotherapie, und wie funktioniert das mit der Selbstständigkeit als psychologischer Berater oder als psychologische Beraterin?
Dann wollen wir uns natürlich den Kurs am Bildungswerk für therapeutische Berufe ein bisschen genauer angucken. Was sind die Voraussetzungen, zum Beispiel die persönlichen Voraussetzungen? Was sind die genauen Kursinhalte, was lerne ich in dieser Weiterbildung? Wie sieht es mit dem Praxisanteil aus – Praxisfälle werden in dieser Weiterbildung absolviert, ganz wichtig, darüber reden wir ausführlich. Wir reden natürlich auch darüber, was das Ganze kostet, was man sich fördern lassen kann und wie generell die Studienorganisation am BTB aussieht. Ich würde sagen, wir steigen direkt ein ins Interview.
Die Gesprächspartner stellen sich vor
Christian: Dann herzlich willkommen Ihnen beiden hier auf fernstudi.tv zum Interview zum psychologischen Berater beziehungsweise zur Beraterin. Vielleicht können Sie sich alle beide erst einmal ganz kurz vorstellen und sagen, wer Sie sind und was Sie machen. Herr Gosch, fangen Sie doch vielleicht mal an.
Rainer Gosch: Mein Name ist Rainer Gosch vom Bildungswerk für therapeutische Berufe. Ich bin der persönliche Lehrgangsbetreuer und für alle organisatorischen Fragen und Dinge zuständig. Wenn die Schüler Probleme haben, können sie sich an mich wenden. In dem Bereich bin ich also tätig fürs BTB, und zwar über alle Lehrgänge – wir bieten ja einen Haufen weiterer Lehrgänge an oder auch Kombinationen. Für diesen ganzen Bereich bin ich mit meinen Mitarbeitern zuständig.
Kirsten Hoffmann-Grunert: Guten Tag, hallo. Mein Name ist Kirsten Hoffmann-Grunert, ich bin Psychologin von Hause aus sozusagen und arbeite jetzt seit knapp fünf Jahren in eigener Praxis. Da bin ich zum einen therapeutisch, aber auch eben beratend tätig. Ich bin zum anderen noch Supervisorin für Unternehmen und halte auch Workshops. Aber ich bin eben auch seit vier Jahren Dozentin und, jetzt glaube ich seit knapp zwei Jahren, Tutorin beim BTB für den psychologischen Berater – in diesem Rahmen insbesondere als Tutorin, was inhaltlich natürlich auch den Lehrgang betrifft, das heißt Rückfragen zum Studienbrief.
Christian: Sie haben Psychologie studiert, habe ich gesehen, mit dem Masterabschluss in Psychologie, den Bachelor dann wahrscheinlich auch in Psychologie – das ist ja die Voraussetzung für den Psychologie-Master. Sie können sich auch als Psychologin bezeichnen, das geht ja nicht mit jedem Studiengang. Ich weiß nicht, ich glaube mit angewandter Psychologie beispielsweise wäre das gar nicht möglich.
Kirsten Hoffmann-Grunert: Genau, ich darf das.
Christian: Und Sie haben sich dann im Laufe Ihres Berufslebens entschieden, sich noch weiter zu qualifizieren, unter anderem zur psychologischen Beraterin.
Kirsten Hoffmann-Grunert: Genau, richtig. Das bringt das Studium natürlich auch zum Teil schon mit, aber auch der Heilpraktiker für Psychotherapie – wo man aber auch noch einmal schaut: Wo stecke ich sozusagen meine Grenzen beziehungsweise in welche Richtung will ich? Und ich sage ja immer, der psychologische Berater, das ist so ein Grundgerüst, das man sich entsprechend auch anschaffen sollte, um in dem Bereich zu arbeiten.
Christian: Und darf ich nach Ihrer Motivation fragen, eine Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie zu machen? War das einfach der Wunsch, dann irgendwie auch in die therapeutische Richtung zu gehen? Das wäre mit dem reinen Psychologiestudium an sich nicht möglich, nicht wahr?
Kirsten Hoffmann-Grunert: Ganz genau. Man endet ja mit dem Bachelor oder Master – wobei man mit dem Bachelor als Psychologe nicht ganz so viel anfangen kann – endet dann mit dem Master, und das war's erst einmal. Dann kann man halt gucken, in welche Richtung man möchte. Man kann natürlich auch im Coaching arbeiten, wenn man sich in dem Bereich weiterentwickelt, klar, aber auch therapeutisch. Dann wäre aber alternativ natürlich erst einmal die Therapeutenausbildung direkt im Anschluss, wo man mit der Kasse abrechnen kann. Das mache ich nicht, das war mir zu lang, gebe ich ganz ehrlich zu, und auch ein Kostenfaktor. Ich habe mich dann aber als Heilpraktikerin für Psychotherapie weiter ausbilden lassen.
Warum? Ich habe eine Zeit lang erst im arbeits- und organisationspsychologischen Kontext gearbeitet, also wo man eher in Unternehmen und Personalführung, in diese Themen hineingeht. Das hat mir aber nicht gelangt. Tatsächlich hatte ich immer ganz viel klinische Psychologie, und ich mag es, Menschen zu unterstützen. Ich mag es, deren Geschichten, die Person als solche zu betreuen und, sage ich mal so, in die richtige Spur zu bringen, wenn man so möchte – also quasi wieder auf den richtigen Weg. Das ist für mich eine Herzensangelegenheit.
Christian: Da sind wir schon ein bisschen im Thema drin, was mache ich als psychologischer Berater oder Beraterin eigentlich genau. Aber bevor wir da einsteigen, würde ich Herrn Gosch noch die Frage stellen beziehungsweise darum bitten, uns vielleicht noch kurz zu erzählen, welche Möglichkeiten ich am BTB habe, eine Ausbildung zur Heilpraktikerin oder zum Heilpraktiker für Psychotherapie zu machen.
Rainer Gosch: Diesen Bereich bieten wir auch an. Das heißt, das ist dann eine Vorbereitung auf die Prüfung vor dem Gesundheitsamt. In der Regel möchten die Gesundheitsämter dann auch gerne eine Zusatzausbildung in beratender Tätigkeit haben, wie zum Beispiel den psychologischen Berater oder den systemischen Berater, um das dann nachher, wenn auch die Prüfung vom Gesundheitsamt bestanden worden ist, praktisch anwenden zu können.
Christian: Und vielleicht bietet die Weiterbildung, über die wir hier jetzt reden, auch so einen Einstieg, um erst einmal zu gucken: Ist das überhaupt interessant für mich? Um dann vielleicht später auch diese Ausbildung zur Heilpraktikerin oder zum Heilpraktiker für Psychotherapie zu machen.
Wie eine psychologische Beratung abläuft
Christian: Aber lassen Sie uns mal darüber reden, was ich jetzt eigentlich genau mache als psychologischer Berater oder Beraterin. Im Vorgespräch sind Sie damit eingestiegen, uns zu sagen, dass Sie gerade noch eine Beratung hatten. Sie müssen jetzt natürlich nicht genau sagen, worum es in dieser Beratung geht, aber vielleicht können Sie uns einen kleinen Einblick darüber geben, wie so eine Beratung abläuft als psychologische Beraterin. Wie kann man sich das vorstellen, was macht man eigentlich?
Kirsten Hoffmann-Grunert: Letzten Endes ist die psychologische Beratung die Abgrenzung zur Therapie, wenn man so möchte, also zu etwas in Anführungsstrichen Krankhaftem. Ich behandle also niemanden, der in der Depression oder in der Angststörung ist, sondern ich setze vorher an. Das kann möglicherweise sein: Ich bin in der Lebenskrise – also überall da, wo aber die Psyche eben einen Einfluss hat. Das heißt, ich habe zum Beispiel Trauer, ich habe Verlust erlebt oder stecke noch in der Trauer oder in der Trennung, irgendwie all solche Geschichten. Das kann auch zum Beispiel im beruflichen Kontext sein, wenn es etwa um das Thema Mobbing geht. Oder ich spüre, ich stehe vielleicht so kurz vor dem Burnout, bin aber noch nicht drin – und da setzt sozusagen die psychologische Beratung an.
Der Unterschied ist natürlich ganz klar: Im therapeutischen Kontext sprechen wir wirklich von vielen Sitzungen, und im Beratungskontext – abgrenzend auch noch einmal zum Coaching – sprechen wir natürlich nicht von 12 bis 24 Sitzungen, sondern wir reden vielleicht von fünf bis sechs, also durchschnittlich fünf bis sieben in dem Bereich. Kann auch manchmal nur drei sein, je nachdem, wie stark eben das Ganze vorliegt.
Christian: Und die Klienten, die kommen dann eher aus dem privaten Bereich?
Kirsten Hoffmann-Grunert: Vornehmlich eigentlich, also bei mir auf jeden Fall. Es gibt aber auch immer mal welche – was ich gerade erlebe, auch als Dozentin, und was ich super finde – dass viele Unternehmen auch Mitarbeiter dahingehend ausbilden. Das ist ja unglaublich wichtig im Arbeitskontext, weil Unternehmen dafür verantwortlich sind, auch die psychische Gesundheit zu erhalten. Tatsächlich steht das, glaube ich, im Arbeitsschutzgesetz mit drin, dass Mitarbeiter sensibilisiert werden. Da muss man immer so ein bisschen gucken, inwieweit sich dann die Mitarbeiter dieser Person anvertrauen – aber ich finde es zumindest ganz toll, die Grundlagen dafür zu schaffen, ein Verständnis.
Christian: Betriebliches Gesundheitsmanagement wird ja eigentlich auch immer wichtiger, sozusagen auch als Benefit für Mitarbeiter oder als Motivation, in ein Unternehmen zu gehen. Die Unternehmen sagen dann auch gerne, wir machen immer mehr für betriebliches Gesundheitsmanagement. Deswegen sind natürlich auch Arbeitgeber immer motiviert, so eine Weiterbildung zu finanzieren – da können wir dann später noch einmal darüber reden, wenn es um die Kosten geht.
Für wen die Weiterbildung gedacht ist
Christian: Herr Gosch, vielleicht können Sie uns ein paar Worte dazu sagen: Wer ist denn jetzt so die genaue Zielgruppe dieser Weiterbildung? Wir hatten es ja schon ein bisschen vom geschäftlichen oder Berufsumfeld – könnten das Menschen sein, die in einer Firma beispielsweise als Personalverantwortliche arbeiten? Wen gibt es da noch?
Rainer Gosch: Da gibt es eine ganze Menge an Zielgruppen. Fangen wir mit dem Einfachsten an: Das sind die Leute, die sich persönlich erst einmal für den Bereich psychologischer Berater interessieren. Dann, wie Sie schon sagten, auf betrieblicher Ebene: Das können Personalräte sein, das können Mitarbeiter in den Betrieben sein, Gruppenleiter. Aber auch im, sage ich mal, medizinischen Bereich können das Ärzte sein, Mitarbeiter in Praxen, damit sie eben auch mit den Leuten vernünftig umgehen können. Das können natürlich auch im psychologischen Bereich Leute sein oder in Beratungsstellen, die das benötigen. Aber auch als Ergänzung, zum Beispiel als Erzieherin, als Lehrerin. Wir haben also ein unheimlich großes Spektrum von Leuten, die sich gerne mit diesem Bereich befassen möchten.
Christian: Gehöre ich irgendwie auch zur Zielgruppe, als Geschäftsführer in dem Sinne, verantwortlich? Gibt es da viele Geschäftsführer, die sich das auch überlegen? Ich glaube, Coaching ist ja mittlerweile auch so eine typische Weiterbildung, auf die Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer eingehen. Nehmen die dann teil an diesem Kurs?
Rainer Gosch: Ich denke schon. Das ist ja auch der Umgang mit den Mitarbeitern – wenn ich da ein vernünftiges Konzept habe, wie ich das machen kann, kann das nur von Vorteil sein, ganz klar.
Kirsten Hoffmann-Grunert: Da könnte, glaube ich, ein bisschen mehr kommen, tatsächlich. Ich habe oftmals Mitarbeiter von Unternehmen als Dozentin, die sich dann weiterbilden, wo die Unternehmen schon fördern oder die Geschäftsführer das natürlich auch ermöglichen. Aber Geschäftsführer selber hatte ich zum Beispiel jetzt noch nicht, tatsächlich.
Rainer Gosch: Es kommt auf die Größe an, nehme ich mal an, der einzelnen Bereiche. Wenn ich einen Riesenkonzern habe, wird der Geschäftsführer das natürlich nicht machen. Aber in kleinen Betrieben, wo der Geschäftsführer auch den persönlichen Kontakt zu den Mitarbeitern pflegt, denke ich, ist das auch eine Zielgruppe – zwar nicht die größte, aber es ist nicht ohne Interesse.
Kirsten Hoffmann-Grunert: Absolut. Aber trotz allem nutzen Geschäftsführer auch psychologische Beratung für sich, das erlebe ich schon.
Psychologische Beratung, Coaching und systemische Beratung
Christian: Ich hatte schon das Wort Coaching genannt, und andere Kurse an anderen Instituten benennen sich ja häufig auch so – eine Weiterbildung zum psychologischen Berater oder Personal Coach. Frau Hoffmann-Grunert, vielleicht können Sie uns ein bisschen erklären: Gibt es da eigentlich einen Unterschied zwischen dem Coach und dem Berater, oder grenzt man das irgendwie ab?
Kirsten Hoffmann-Grunert: Die Zielgruppe ist oftmals eine andere. Die Zielgruppe psychologische Beratung ist halt ganz klar krisenbehaftet. Also irgendwie: Ich habe vielleicht eine psychologische Krise, ich unterliege aber noch nicht einer Depression oder einer Angststörung. Das heißt, es ist noch nicht krankhaft, es kann psychosomatisch sein. Coaching ist in der Regel oftmals berufsbezogen – ich möchte den nächsten Karriereschritt erreichen zum Beispiel, oder ich möchte mich in der Persönlichkeit weiterentwickeln. Was nicht heißt, dass die psychologische Beratung das nicht ein Stück weit auch tut: Wenn ich mich aus einer Krise heraus bewältige, sozusagen durch Unterstützung, dann betrifft das auch oftmals andere Bereiche. Das heißt, es kann auch die Persönlichkeit beeinflussen, es kann auch den Job beeinflussen. Aber klar ist: Wenn ich ganz klar von Coaching spreche, spreche ich eigentlich von Berufsorientierung oder Persönlichkeitsentwicklung in dem Sinne. Das ist so der klassische Unterschied.
Ich finde, beide Ansätze sind gleich, wenn es darum geht, dass sie lösungsfokussiert sind. Ich sage ganz gerne zu meinen Klienten: Ich wurstele nicht unbedingt in der Kindheit herum, sondern reiße das vielleicht kurz an, gucke, ob da zum Beispiel Glaubenssätze sind, die aufgelöst werden müssen, auch im Beratungskontext – bin aber lösungsfokussiert. Das heißt, ich schaue, dass es nach vorne orientiert ist, dass es recht schnell weitergeht, sozusagen in Anführungsstrichen schnell.
Christian: Und wichtig ist sicherlich auch, die eigenen Ressourcen zu aktivieren beziehungsweise dazu zu motivieren.
Kirsten Hoffmann-Grunert: Absolut. Es geht immer um Hilfe zur Selbsthilfe, das ist ganz klar, und die Lösung liegt in der Regel im Klienten selber, also in der Person selber. Nicht wir geben das vor, sondern der Klient gibt das vor.
Christian: Eine andere Abgrenzung, über die wir vielleicht noch kurz reden können, ist die zum systemischen Berater beziehungsweise zur systemischen Beraterin. Da gibt es auch einen Kurs am BTB, über den hatten wir hier auf diesem YouTube-Kanal auch schon einmal gesprochen, das verlinke ich natürlich auch in der Beschreibung für dieses Video. Können Sie uns vielleicht kurz erklären, Frau Hoffmann-Grunert, wo da der Unterschied ist?
Kirsten Hoffmann-Grunert: Das Wort System bezeichnet es ja schon. Ich unterliege sozusagen zum Beispiel einer Organisation, oder wir Menschen im Familienkontext. Oder ich bin Lehrer, das heißt, ich habe das System Schule, ich habe das System Kinder sozusagen, und ich habe noch mein eigenes, wo ich gucken muss, wie ich den Beruf ausfülle. Das ist sozusagen systemorientiert, das heißt, da schaut man: Was ist um mich herum? Ich kann nicht erwarten, dass das System mich verändert, sondern ich bin alleine dafür verantwortlich. Das heißt, verändere ich mich, verändert sich auch meine Umwelt, also mein System, in dem ich mich befinde.
Es geht also noch ein Stückchen weiter, man schaut im kompletten Kontext: Wer befindet sich außen herum? Was nicht heißt, dass man das mit der psychologischen Beratung nicht ein Stück weit gut verknüpfen kann. Aber wie ich es eingangs schon sagte – und das kann ich eigentlich immer wieder betonen – die psychologische Beratung ist ein Grundgerüst. Man kann sich das wie ein Baukastensystem vorstellen, und das ist das Fundament, und dann kann man wunderbar darauf aufbauen.
Christian: Also kann man schon so sagen, dass die systemische Beratung auch so eine Strömung innerhalb der Beratung ist.
Selbstständigkeit als psychologischer Berater
Christian: Herr Gosch, vielleicht an Sie noch eine Frage, die noch ein bisschen mit diesem Themenfeld zusammenhängt: Was macht ein psychologischer Berater oder eine Beraterin eigentlich genau, kann ich mich damit selbstständig machen? Oder was ist denn so meine Perspektive mit dieser Weiterbildung beziehungsweise Ausbildung?
Rainer Gosch: Wie Frau Hoffmann-Grunert gerade schon gesagt hat, es ist ein Basisbaustein. Jetzt ganz alleine, sage ich mal, mit diesem Baustein sich selbstständig zu machen, halte ich im Moment für nicht ganz so glücklich. Gut, man könnte das eben nebenberuflich anpassen – aber viele, die das dann auch machen, können das mit anderen Dingen verknüpfen. Und wenn es zum Beispiel um den Heilpraktiker für Psychotherapie geht, eben mit der psychologischen Beratung, dann ist das natürlich eine super Basis, um sich selbstständig zu machen.
Das bedeutet natürlich auch, dass wir hier eine Möglichkeit haben: Über das BTB bieten wir eine Existenzgründerberatung an, ganz klar, dass man sich da dann informieren kann, Businesspläne zusammen erstellt und so weiter und so fort. So gegen Ende der Ausbildung kann man da natürlich auf uns zukommen, und wir helfen da gerne.
Christian: Also Selbstständigkeit ist eigentlich auch ein sehr langer, steiniger Weg. Da sollte man sich frühzeitig bewusst sein, dass man das in der Regel nicht nur mit dieser einen Weiterbildung schafft, sondern sich sowieso kontinuierlich weiterbilden muss. Da gehört sicherlich auch so eine Existenzgründungsberatung dazu – Beratung kann man beispielsweise auch von einer IHK in seiner Nähe eigentlich kostenlos in Anspruch nehmen, wenn man diesen Weg gehen will. Aber das geht in der Regel nicht, dass man diesen Kurs macht und dann sofort selbstständig ist und sofort seinen Lebensunterhalt damit verdienen kann. Da gehört ein bisschen mehr dazu.
Die Voraussetzungen für den Kurs
Christian: Herr Gosch, vielleicht sagen Sie uns ein bisschen etwas zu den formalen Voraussetzungen. Gibt es da irgendwelche Voraussetzungen, oder kann jeder an dem Kurs teilnehmen?
Rainer Gosch: Im Prinzip sollte man nicht unter 25 sein – gut, das ist in Anführungsstrichen gesprochen, da gibt es auch Möglichkeiten. Dann sollte man sich natürlich für diesen Bereich auch interessieren. Was ganz wichtig ist: dass man auch, ich sage mal, die seelische Voraussetzung hat. Das heißt, ich mache den Lehrgang jetzt nicht, um mich selber zu therapieren – das sollte nicht Sinn und Zweck dieser Ausbildung sein.
Christian: Frau Hoffmann-Grunert, Selbstreflexion ist ja sicherlich trotzdem ein wichtiger Punkt so einer Weiterbildung, sollte jetzt aber nicht der ausschlaggebende Motivator sein. Können Sie uns noch ein bisschen etwas dazu sagen, was ich so persönlich auch mitbringen muss? Kommunikationsfähigkeit beispielsweise.
Kirsten Hoffmann-Grunert: Ja, auf jeden Fall, also Kommunikation auf Augenhöhe, ganz wichtig. Empathiefähigkeit, das heißt, ich sollte in der Lage sein, mich in andere hineinversetzen zu können – mitfühlen können, aber nicht mittrauern oder mitweinen, das sind Unterschiede. Ich halte es immer für wichtig, sich gut abgrenzen zu können.
Und auch: Menschen unterstützen zu wollen heißt nicht, allen helfen zu können. Viele kommen in die Praxis und haben die Motivation, ich möchte allen helfen – dann sage ich schon, das funktioniert so nicht. Sondern man unterstützt, dass Menschen sich am Ende selber helfen können. Und da ist auch die eigene Psychohygiene, sich abgrenzen zu können, ganz wichtig. Wichtig ist also, eine professionelle Haltung zu gewinnen.
Christian: Und die lerne ich natürlich auch durch diese Weiterbildung, die bringe ich jetzt wahrscheinlich nicht gleich von Anfang an mit, sondern ich lerne das dann auch im Verlauf des Kurses, auch im Verlauf der Seminare.
Die Ausbildungsinhalte und die Lernmaterialien
Christian: Vielleicht können wir erst einmal ein bisschen über die Ausbildungsinhalte reden, also was lerne ich jetzt genau – und im Zuge dessen auch darüber, wie ich das lerne. Wie kann ich mir das vorstellen, schaue ich Videos, lese ich Texte? Frau Hoffmann-Grunert, können Sie uns erst einmal einen groben Überblick darüber geben, was ich an einzelnen Inhalten zu lernen habe?
Kirsten Hoffmann-Grunert: Zum einen hat das BTB wirklich ganz exzellente Studienbriefe, muss man einfach sagen, die inhaltlich so toll ausgearbeitet sind, dass man da auf der sicheren Seite ist. Und das Wichtigste ist natürlich immer, das auch zu lesen und das auch durchzugehen. Es gibt am Ende der Studienbriefe immer die Möglichkeit, so eine Prüfung zu absolvieren, also zur Selbstkontrolle sozusagen.
Die Inhalte sind natürlich die Theorien aus der Psychologie, logischerweise nicht alle, aber die, die Sinn machen. Es werden verschiedene Methoden behandelt, es gibt immer wieder Übungen, also es ist immer wieder kontinuierlich ein Lernprozess dahinter. Und Kommunikationsmodelle werden da natürlich ganz klar angeschaut, die unterschiedlichen Möglichkeiten der Kommunikation, Ich-Botschaften, gewaltfreie Kommunikation. Das meinte ich auch ein Stück weit mit den Theorien, die als Grundlage dienen.
Aber klar ist auch: Das nutzt alles nichts, wenn ich mir nur die Theorien alleine vor mich hin lerne. Wichtig sind natürlich auch die Präsenz- beziehungsweise die Praxisseminare im Allgemeinen, das heißt, da, wo es ums Üben geht.
Christian: Da können wir gleich noch einmal genauer darauf zu sprechen kommen. Vielleicht noch etwas zu den Inhalten als Hinweis: Die ganz exakten Studieninhalte kann man auch der Webseite des BTB entnehmen, man kann sich dort Infomaterialien anfordern und, soweit ich weiß, auch eine Probelektion. Da hat man auch noch einmal eine Übersicht über die Inhalte und kann sich ganz genau anschauen: Passt das eigentlich zu mir, interessiere ich mich jetzt wirklich dafür?
Zu den Heften kann ich übrigens noch sagen: Ich habe ja selber auch eine Weiterbildung am BTB gemacht, in einem anderen Bereich, im Bereich Fitnesstraining. Ich hatte auch wirklich einen großen Stapel an Heften, und die waren auch wirklich super, sehr gut ausgearbeitet, damit habe ich auch gerne gelernt. Man lernt hauptsächlich mit Heften, dessen muss man sich auch bewusst sein – aber soweit ich weiß, gibt es auch einen Mix an Medien. Herr Gosch, können Sie uns da noch ein bisschen etwas dazu sagen?
Rainer Gosch: Da möchte ich mal ein bisschen ins Gröbere greifen, und zwar erst einmal auf unseren Webcampus. Wie Frau Hoffmann-Grunert sagte, auf dem Webcampus kann man sich selber kontrollieren. Wir haben dort einen Online-Test, der für jeden einzelnen Studienbrief dargestellt ist – den kann ich so oft machen, wie ich möchte, und auch wann ich möchte, um einfach mal das Lernen zu verfestigen.
Mittlerweile haben wir uns auch ein bisschen modernisiert: Wir haben viele kleine Videos zum Anschauen, die die Thematiken im Einzelnen betreffen, wir haben Podcasts, wir bieten Webinare an, die natürlich auch spartenübergreifend sind. Aber es gibt immer wieder Themen zum Beispiel im Bereich der Kommunikation, die ganz gerne mal angeschaut werden. Und wenn ich die Zeit für so ein Webinar vielleicht nicht habe: Wir haben einen Downloadbereich, hier kann ich Aufzeichnungen von Online-Veranstaltungen einsehen oder auch Aufzeichnungen von Webinaren. Ich kann da zwar nicht aktiv teilnehmen, aber ich kann mir das dementsprechend anschauen. Da sind wir schon sehr schön und auch sehr breit aufgestellt.
Und in dem Zusammenhang unser Highlight im Prinzip: Unsere Schüler können mit KI auch die Studienbriefe bearbeiten und sie als Unterstützung nutzen. Ich denke, da haben wir schon eine ganz tolle Möglichkeit, die Schülerinnen und Schüler zu unterstützen.
Christian: Also das BTB ist auch im KI-Zeitalter angekommen. Mehr und mehr Hochschulen, Fernschulen und Bildungsinstitute integrieren beispielsweise KI-Chatbots in ihren Online-Campus und verknüpfen das dann mit den Studienunterlagen. Da kann man ganz einfach eine Frage zu den Studienunterlagen stellen, kann sich wahrscheinlich auch Dinge zusammenfassen lassen, vielleicht noch einmal anders erklären lassen. Das ist mittlerweile also auch am BTB möglich.
Kombination mit anderen Lehrgängen
Christian: Ich habe noch eine Frage zu den Inhalten: Kann ich diesen Kurs auch mit anderen Kursen oder Fächern am BTB kombinieren, Herr Gosch?
Rainer Gosch: Ja, das hatten wir schon einmal kurz erwähnt. Zum Beispiel den Heilpraktiker für Psychotherapie kann ich mit dem psychologischen Berater kombinieren, dann kann ich natürlich den systemischen Berater mit dem psychologischen Berater kombinieren, was natürlich eine ideale Kombination ist. Und Burnout besteht auch als Möglichkeit. Da haben wir wirklich viele Möglichkeiten in verschiedensten Formen, das zu kombinieren. Auf unserer Webseite ist das Ganze, ich sage mal, alles was da machbar ist, eingestellt, und jeder muss gucken, was er machen möchte. Er sollte natürlich jetzt nicht alles machen, was wir anbieten – manchmal ist weniger mehr. Aber so eine Kombination ist mit Sicherheit auch sehr sinnvoll.
Christian: Der Vorteil ist ja dann auch, dass man Kosten spart, Kombirabatte. Und wenn man viel Zeit hat, kann man einfach in kürzerer Zeit studieren, letztendlich in kürzerer Zeit, als die beiden Ausbildungen hintereinander zu absolvieren.
Die beiden Praxisseminare
Christian: Frau Hoffmann-Grunert, wenn ich das richtig gesehen habe, gibt es zwei Praxisseminare beziehungsweise zwei Seminare, die verpflichtender Anteil dieser Weiterbildung sind. Können Sie uns mal sagen, wie das Ganze abläuft? Wo kann ich die absolvieren, kann ich die auch online absolvieren?
Kirsten Hoffmann-Grunert: Genau, also die Anmeldung erfolgt über den Webcampus. Das sind natürlich immer verschiedene Dozenten, die ihre Angebote jährlich dort einstellen oder einstellen lassen. Und dann ist es so: Der Schüler beziehungsweise die Schülerin meldet sich entsprechend über den Webcampus an, und ab dem Moment geht es direkt an den Dozenten, und der übernimmt dann sozusagen mit der Anmeldung alles.
Das sind immer zwei verpflichtende Seminare, die zusammengehörig sind. Sie laufen über zweieinhalb Tage, in der Regel Freitag bis Sonntag, aber teilweise mittlerweile auch unter der Woche, je nachdem, was das Angebot eben hergibt. Zum einen gibt es sie natürlich in Präsenz, das heißt vor Ort, und das handhabt jeder ein Stück weit anders – die einen mieten sich ein, bei mir ist es zum Beispiel in meinen eigenen Praxisräumen. Weil ich mir das irgendwann mal zum Ziel gesetzt hatte, nachdem ich mich auch immer eingemietet hatte: Ich möchte auch Workshops und so weiter geben, ich möchte unabhängig sein und dann entscheiden, wann es hineinpasst. Dadurch bietet sich bei mir die Möglichkeit, dass die Teilnehmenden auch direkt vor Ort sehen, wie funktioniert es eigentlich, wie ist das Setting. Das ist immer ganz schön.
Das ist das eine, in Präsenz sozusagen, und das andere ist natürlich online. Ich arbeite zum Beispiel mit Zoom, und das funktioniert gleichermaßen gut. Das heißt, Inhalte gehen weder in Präsenz noch online verloren, es wird eins zu eins umgesetzt. Der Vorteil ist natürlich, gerade wenn Mütter oder Väter mit Kindern dabei sind: Man kann von zu Hause teilnehmen und hat die Möglichkeit, da noch ein Stück weit flexibler zu sein.
Christian: Ich kann mich noch sehr gut an meine Praxisseminare in meiner Weiterbildung am BTB zum Fitnesstrainer erinnern. Da war es auch ein Fitnessstudio letztendlich, und da war es auch wichtig, ein bisschen zu trainieren, auszuprobieren. Das war auf der einen Seite natürlich ein gewisser Stress, sage ich mal, ein positiver natürlich – man hat die Reisezeit, bei mir ist das ein Stückchen, weil ich hier in der Mitte von Deutschland wohne und nach NRW kommen musste, dann ins Hotel einbuchen und da zwei Tage lang wirklich an diesen Seminaren teilnehmen, die Teilnehmer kennenlernen und so weiter. Ich hätte es nicht online gemacht, weil mir das sehr viel gegeben hat, da teilzunehmen – aber das ging damals, glaube ich, auch noch gar nicht. Mittlerweile geht das ja auch online.
Die Praxisfälle
Christian: Sie hatten im Vorgespräch ein bisschen über die Praxisfälle erzählt, dass die schon von Anfang an des Kurses für viele Teilnehmer ein großes Thema sind. Was sind denn die Praxisfälle genau, was kann ich mir darunter vorstellen?
Kirsten Hoffmann-Grunert: Zum einen muss ja am Ende, um ein Zertifikat zu erlangen, um den Abschluss zu bekommen, eine Prüfung geschrieben werden. Das ist häufig Multiple Choice und ein paar offene Fragen. Und dann müssen eben auch innerhalb der Praxisseminare zwei Praxisfälle präsentiert beziehungsweise beschrieben werden. Da ist es so, dass grundsätzlich immer nach dem ersten Praxisseminar bis zum nächsten Mal ein Fall ausgearbeitet werden muss.
Das heißt, Ziel ist es ja, dass die Schülerinnen und Schüler am Ende des ersten Seminars herausgehen und sagen: Yes, das schaffe ich, ich kann den ersten Fall auf jeden Fall bearbeiten und traue mich daran. Das ist ja immer die Hürde, vor der viele Angst haben. Und das funktioniert immer – wir gehen alle mit Angst und Schrecken raus und kommen alle beim zweiten Termin wieder und haben so viel gelernt. Das merkt man wirklich, was sich nach dem ersten Präsenzseminar alles da oben tut und vernetzt, und auch untereinander. Die Gruppenbindung hilft da häufig ganz gut.
Am Ende wird eine Präsentation verlangt, das ist immer individuell: Der eine macht eine Mindmap, der eine präsentiert am Flipchart, der andere, wenn es online ist, mit einer PowerPoint. Da ist immer eine hohe Flexibilität da. Das sind zweimal 60 Minuten, das heißt, sie müssen mit einer Person zweimal 60 Minuten in die Beratung gehen und das dann vorstellen. Und nach dem zweiten Seminar das Ganze noch einmal, aber mit einer weiteren Person, nicht mit der gleichen.
Das Ganze wird dann ausgearbeitet, das heißt schriftlich in Form einer Hausarbeit dargestellt, wenn man so möchte. Aber auch da: Das ist immer machbar, das sind jetzt nicht irgendwie 12, 15 Seiten wie in der Uni oder 30 Seiten, das ist keine Masterthesis oder Bachelorthesis, sondern wir sprechen hier von drei bis vier Seiten Ausarbeitung plus Feedbackprotokoll von der Supervisionsgruppe. Es gibt nämlich eine Supervisions- beziehungsweise Intervisionsgruppe: Man schließt sich einer Gruppe von Gleichgesinnten aus dem Praxisseminar an, die Schülerinnen und Schüler bilden eine Gruppe und geben sich gegenseitig Feedback. Und dieses Feedback wird mit an die Ausarbeitung gehängt. Dann bekommt das der Dozent wieder, und dann gibt es entsprechend mündliches oder schriftliches Feedback. Ich glaube, das macht auch jeder ein bisschen anders, von den Dozenten.
Rainer Gosch: Das ist individuell gehandhabt. Der Sinn und die ganzen Sachen sind natürlich gleich, aber jeder hat ja seine eigenen Methoden, das ist ganz klar.
Kirsten Hoffmann-Grunert: Genau. Ich arbeite da gerne mit Sprachnachrichten – die bekommen von mir eine persönliche Rückmeldung von meist um die sechs Minuten, die ich aufspreche. Weil ich es immer noch schöner finde, als wenn ich da jetzt irgendwie rot irgendetwas markiere. Die können sich das in Ruhe anhören, und es sind noch einmal individuelle Worte, die ich zu jedem sage. Das ist mir persönlich wichtig.
Rainer Gosch: Eine Sache würde ich gerne noch sagen, bevor das untergeht: Die Praxisseminare vor Ort und auch die Online-Veranstaltungen sind inhaltlich und von der Ausbildung her gleichwertig. Das muss man sagen, weil sonst vielleicht die Frage aufkommt: Ich mache lieber Praxis, ich bin lieber vor Ort, das ist wahrscheinlich länger und besser, und das mache ich nicht online. Also da gibt es keine Unterschiede, das ist auch ganz wichtig zu wissen.
Kirsten Hoffmann-Grunert: Absolut, da gebe ich Ihnen vollkommen recht. Ich biete auch beides an und kann einfach aus meiner Perspektive sagen, dass viele, die zum Beispiel nur online teilnehmen, oftmals sagen: Ich merke gar keinen Unterschied. Viele haben zum Beispiel den systemischen Berater schon gemacht und waren da vor Ort, machen das jetzt online und sagen: Wahnsinn, ich hätte nicht gedacht, dass ich so viel mitnehmen kann. Durch die Breakout-Rooms gibt es immer Möglichkeiten, auch in Zweierkonstellation zu arbeiten, in Dreier-, Vierergruppen und so weiter. Es geht also nichts verloren.
Christian: Also sehr starker Praxisbezug auch in diesem Kurs. Beim Fitnesstrainer ist es ähnlich – man kann so eine Weiterbildung nicht wirklich machen, ohne das auch irgendwie in der Praxis ausprobiert zu haben, schon während der Weiterbildung. Beim psychologischen Berater ist es ähnlich: Wer beraten lernen will, der muss es eben auch einüben, und dafür sind diese Praxisseminare und auch die Praxisfälle gedacht. Also keine Angst, sondern man sollte sich wirklich darauf freuen, dass man das macht – das ist der wichtigste Teil in dieser Ausbildung, würde ich sagen.
Organisation, Dauer und Kosten
Christian: Vielleicht lassen Sie uns noch ein bisschen über die Organisation reden beziehungsweise über generelle organisatorische Fragen. Herr Gosch, ich kann jederzeit in diesen Kurs einsteigen, wenn ich das richtig verstehe?
Rainer Gosch: Das ist richtig. Um zum Preis auch mal etwas zu sagen: Der Lehrgang dauert insgesamt 12 Monate, er kostet 2.280 Euro. Das kann man auf 12 Monate aufsplitten, das sind dann 190 Euro. Und wie gesagt, zu jeder Zeit kann man dort beginnen.
Christian: Und die Anmeldung ist super einfach – das war bei mir bei der Weiterbildung zum Fitnesstrainer auch so, wirklich in fünf Minuten konnte ich mich da über ein Formular auf der Webseite anmelden. Das ist alles wirklich einfach. Dann bekomme ich relativ schnell Zugang zum Online-Campus, und von dort kann ich mir dann die Skripte herunterladen. Ich weiß nicht genau, werden die monatlich freigeschaltet, oder habe ich mit einem Mal Zugriff auf alle Lernmaterialien?
Rainer Gosch: Sie bekommen mit den ersten Unterlagen und der Bestätigung der Anmeldung auch einen Vertriebsplan. Dort steht dann drin, wann welche Unterlagen versandt werden. Das heißt, wenn die Unterlagen hereinkommen, gucke ich auf meinen Vertriebsplan: Die und die Unterlagen sind richtig geliefert worden. Und dann geht das in verschiedenen Takten, das kann zwei, drei Monate dauern, und das sind dann unter anderem drei, vier Lieferungen. Ich sage immer: Wenn man gut in der Zeit sein will, muss man die Unterlagen abarbeiten, bis die nächsten kommen. So gestaltet sich dann eben der Rhythmus.
Christian: Vielleicht noch wichtig dazu zu sagen – eigentlich hätten wir darüber schon vorher bei den Voraussetzungen reden können – dass man auch lernwillig sein muss und sich auch ein bisschen organisieren können muss. Ich kenne das von mir: Ich habe dann immer mal ein bisschen aufgeschoben und die Unterlagen vielleicht nicht sofort durchgearbeitet und gelernt, und dann hatte ich am Ende so einen großen Berg durchzuarbeiten. Also hier ist auch wichtig, dass man in der Lage ist, sich ein bisschen selber zu organisieren, und dass man auch lernen, lesen und vielleicht auch ein bisschen schreiben können muss.
Rainer Gosch: Hier möchte ich vielleicht noch etwas zu sagen: Wir haben ja gewisse Regelstudienzeiten, wie ich schon sagte 12 Monate, aber darüber hinaus haben wir eine zweijährige kostenlose Studiumsverlängerung. Manchmal – wer nicht lernwillig ist, ist selber schuld, aber es gibt auch viele verschiedene Dinge, sage ich mal, wie private Sachen, die dazwischenkommen, Gesundheit, Krankheit, Arbeit. Und wenn man dann weiß, dass man nach hinten raus doch noch einen kleinen oder etwas größeren Puffer hat, ist das natürlich auch sehr beruhigend.
Förderung und Bescheinigungen
Christian: Ich habe noch eine Frage an Herrn Gosch. Sie haben uns jetzt schon gesagt, was das kostet – gibt es auch Förderungsmöglichkeiten? Jetzt mal abgesehen davon, dass ich vielleicht einen netten Chef oder eine nette Chefin habe, die mir die Finanzierung übernimmt. Gibt es noch andere Möglichkeiten?
Rainer Gosch: Das, was Sie gesagt haben, ist schon mal eine Art der Förderung. Speziell beim BTB sind wir AZAV-zertifiziert, das bedeutet, wir können auch Förderung über das Arbeitsamt bekommen. Und der psychologische Berater ist so ein Lehrgang, der durch das Arbeitsamt voll oder auch nur teilweise gefördert werden kann. Da muss man sich eben bei uns genauer informieren. Das bedeutet, dass die Förderung einmal für den Lehrgang ist und auch für die einzelnen Seminare. Da kann man sich vor Ort auch dementsprechend beim Jobcenter kundig machen.
Christian: Ansonsten zahlt man ja eben in Raten. Und die Kosten für diese Weiterbildung kann man sicherlich auch steuerlich in irgendeiner Form geltend machen – aber da müsste man sich natürlich entweder mit einem Steuerberater oder einer Steuerberaterin oder mit dem Lohnsteuerhilfeverein auseinandersetzen, der hilft dann dabei.
Rainer Gosch: Bescheinigungen stellen wir natürlich aus, das ist gar kein Thema.
Kirsten Hoffmann-Grunert: Genau, und was vielleicht auch noch zu den Präsenzseminaren zu sagen ist: Die Teilnehmenden bekommen natürlich auch eine Bescheinigung. Das Zertifikat gibt es hauptsächlich zum Abschluss vom BTB selbst, aber die Dozenten stellen auch eine Bescheinigung aus nach den bestandenen zwei Seminaren beziehungsweise dass sie dabei waren. Und da steht auch drauf, was man gemacht hat, was die Inhalte waren. Das ist vielleicht an der Stelle noch einmal ganz wichtig zu wissen, dass man da etwas bekommt. Ich erlebe immer wieder, dass das für viele ganz wichtig ist, oder viele Chefs wollen diese Bescheinigung dann auch sehen, dass die Teilnahme erfolgt ist.
Christian: Ich denke mal, wir haben über alles geredet im Zusammenhang mit diesem Kurs und haben ein gutes Bild gezeichnet für diejenigen, die sich für diesen Kurs interessieren. Frau Hoffmann-Grunert, letzte Frage: Sie haben heute auch noch eine Beratung beziehungsweise sind heute auch noch beratend tätig?
Kirsten Hoffmann-Grunert: Tatsächlich habe ich gleich einen Physiotermin für mein Knie, weil ich eine Knieverletzung hatte. Für heute also nicht mehr, ab morgen wieder – morgen um 8 Uhr starte ich wieder.
Christian: Dann herzlichen Dank Ihnen beiden für die Teilnahme und dafür, dass Sie uns hier so viele Auskünfte erteilt haben. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.
Kirsten Hoffmann-Grunert: Danke schön, ebenso. Tschüss.

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