Mit 46 das Abi nachholen – für ein Psychologiestudium? Katja über ihren Weg & das Fernabi der SGD
Shownotes
Mit über 40 das Abitur nachholen, um anschließend zu studieren – was bewegt jemanden zu diesem Schritt und wie lässt sich das neben Beruf und Alltag bewältigen?
Katja Elias ist 46, seit zwölf Jahren selbstständig und Heilpraktikerin für Psychotherapie. Um sich beruflich weiterzuentwickeln und später Psychologie zu studieren, holt sie derzeit ihr Abitur bei der Studiengemeinschaft Darmstadt (SGD) nach.
Christian spricht mit ihr darüber, warum sie sich für das Fernabitur entschieden hat, wie der Kurs bei der SGD organisiert ist und wie sie das Lernen neben ihrer Selbstständigkeit in den Alltag integriert. Dabei geht es auch um Fächerwahl und Prüfungsvorbereitung, ihre Lernmethoden mit Apps und KI sowie die Frage, wie sie langfristig motiviert bleibt.
Inhalt:
Vorschau
Katja stellt sich vor
Warum das Abitur mit über 40 nachholen?
Von der Musical-Ausbildung zur Psychologie
Instagram und die Zusammenarbeit mit der SGD
Fernabitur statt Abendgymnasium
Externes Abitur im Alleingang: Christians Erfahrung
So ist das Fernabitur bei der SGD organisiert
Seminare, Studienhefte und Einsendeaufgaben
Katjas Lernalltag und ihre Lernmethoden
Mathe und alte Glaubenssätze aus der Schulzeit
Deutsch, Englisch und Spanisch lernen
Lernen mit Apps und KI
Katjas Pläne nach dem Abitur
Mit Motivationstiefs umgehen
Katja Elias im Internet:
➡️ Instagram: www.instagram.com/abitur_mit_40
Im Podcast erwähnt:
🎓 Fernabitur bei der SGD – alle Infos zu Kurs, Voraussetzungen und Ablauf: www.fernstudi.net/weiterbildung/schulabschluesse/fernabitur/11324
🎓 B.Sc. Psychologie an der FernUniversität in Hagen – Katjas angestrebtes Studium: www.fernstudi.net/fernstudium/humanwissenschaften/psychologie/12672
📚 Fernabitur oder Abendgymnasium? Beide Wege im Vergleich: www.fernstudi.net/magazin/abendschule-vs-fernabitur
▶️ SGD-Onlinecampus im Einblick: www.youtube.com/watch
🤖 KILEA im Praxistest – der KI-Lernassistent der SGD: www.fernstudi.net/videos
📬 Fernstudium ohne die polierte Version – Christians Newsletter: www.fernstudi.net/newsletter
👉 Im Fernstudium den Überblick behalten mit unserem Study Tracker: www.fernstudi.net/studytracker
👉 Konzentriert lernen mit unseren Fokus-Sessions: www.fernstudi.net/pomodoro
Transkript
Christian: Ich habe mein Abitur um 2002 in Thüringen nachgeholt, ohne Schule, ohne Lehrgang und ohne dass mir irgendjemand gesagt hat, was ich wie lernen muss. Im Nachhinein betrachtet war das völliger Wahnsinn. Ich bin nämlich fast durchgefallen, mit einer 3,6. Und tatsächlich stehe ich damit nicht alleine da: Ganz viele, die das Abitur auf diese Art und Weise nachholen, fallen letztendlich durch die Prüfung und schaffen das gar nicht. Da ist die Bestehensquote beim Fernabitur zum Beispiel sehr viel höher.
Mein heutiger Gast Katja macht das Fernabitur. Sie hat sich für die vernünftigere Variante entschieden, das Abitur nachzuholen. Sie macht das bei der SGD und ist interessanterweise schon über 40. Sie hat sich also mit über 40 noch einmal entschieden, ein Abitur nachzuholen und ein Studium anzustreben. Warum sie das macht und was ihre Motivation ist, darum soll es jetzt in diesem Podcast gehen.
Der ist nicht nur interessant für euch, wenn ihr überlegt, ein Abitur oder eine Fachhochschulreife nachzuholen, sondern auch, wenn ihr schon studiert. Da geht es viel um Motivation, Katjas Beweggründe und vor allem um das Thema Lernen. Du musst ja ganz viel lernen. Ihr kennt das vielleicht noch aus euren Abiturzeiten, wenn ihr ein Abi gemacht habt. Wie sie das alles macht, wie sie das unter einen Hut bekommt und wie das Abitur bei der Studiengemeinschaft Darmstadt läuft, darum geht es jetzt in dieser Podcastfolge. Ich würde sagen, wir legen direkt los.
Katja stellt sich vor
Christian: Katja, herzlich willkommen in diesem Podcast. Für mich ist das ein spannendes Thema, weil ich vor vielen Jahren mein Abitur extern nachgeholt habe, im völligen Alleingang. Irgendwie war das auch ein bisschen die Grundsteinlegung für fernstudi.net und die Sachen, die ich später gemacht habe. In der Zeit habe ich gelernt zu lernen. Weil ich so viel lernen musste, habe ich angefangen, mich für das Thema zu interessieren. Deswegen super, dass du dich bereit erklärt hast, in diesen Podcast zu kommen. Bevor wir ins Thema eintauchen, stell dich doch erst einmal kurz vor.
Katja: Sehr gerne, hallo und ganz lieben Dank. Ich muss mich eher bedanken, dass du mich angeschrieben hast. Ich freue mich sehr und fühle mich geehrt. Ich bin Katja, bin seit einigen Wochen 46 und hole mein Abitur an der SGD in Darmstadt nach. Ich habe Mitte Juni angefangen und bin jetzt dran.
Warum das Abitur mit über 40 nachholen?
Christian: So bin ich auch auf dich aufmerksam geworden. Du hast einen Instagram-Account eröffnet, und da dachte ich: Cool, super interessant. Für mich ist das ein interessantes Thema. Dann natürlich auch die Frage nach der Motivation: Warum macht man mit über 40 noch ein Abitur nach? Sag uns noch einmal: Was war der Auslöser für dich, zu überlegen, dass du jetzt noch dein Abitur nachholen möchtest?
Katja: Der Auslöser war meine Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie, die auch sehr aufwendig ist. Ich habe mich ein Jahr dahintergeklemmt, weil das auch mit einer Prüfung verbunden ist: genau wie im Abitur eine mündliche und eine schriftliche Prüfung. Beim Gesundheitsamt in Wiesbaden, in meinem Fall in Hessen. Die schriftliche Prüfung ist im Grunde ganz normal, aber die mündliche Prüfung ist eine amtsärztliche Prüfung bei der Amtsärztin. Da war ich sehr aufgeregt, weil das natürlich eine Frau ist, die sehr viel Ahnung hat.
In der Ausbildung kam es irgendwie so, dass ich dachte: Ich möchte noch einmal Psychologie studieren. Da ich aber nur auf der Realschule war und mein Weg damals anders gelaufen ist, habe ich das Abitur damals nicht gemacht. Das brauche ich aber jetzt, um Psychologie zu studieren.
Ganz lustig: Als ich der Amtsärztin sagte, was ich vorhabe, hat sie die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und gesagt: „Wieso tun Sie sich das an, ein Psychologiestudium? Das ist fast nur Statistik.“ Aber man braucht es, um vielleicht später noch einen anderen Beruf einzuschlagen, zum Beispiel auch einmal in einer psychiatrischen Klinik zu arbeiten. Ansonsten kann man das leider nicht. Das interessiert mich sehr, und deswegen nehme ich das Ganze auf mich. Aber es macht auch Spaß.
Christian: Ich glaube, ein Psychologiestudium ist definitiv nicht nur Statistik. Da können wir vielleicht zum Schluss noch einmal drüber reden. Wir reden dann auch noch einmal über deine Heilpraktikerausbildung, weil die wichtig ist, wenn es um das Thema Lernen geht. Zumindest hast du im Vorgespräch gesagt, dass man da ganz viel lernen muss. Du hast die mittlere Reife gemacht. Gehen wir ein Stück zurück zu deiner Schulzeit, um noch einmal den Weg bis jetzt zu deiner Arbeit als Heilpraktikerin zu zeichnen. Ich denke mal, du arbeitest auch als Heilpraktikerin.
Von der Musical-Ausbildung zur Psychologie
Christian: Wie war denn deine Schulzeit? Was hast du da noch für Erinnerungen dran?
Katja: Zuerst: Ich arbeite noch nicht als Heilpraktikerin für Psychotherapie, weil ich gerade nebenbei noch die Ausbildung für die kognitive Verhaltenstherapie mache. Dann geht es aber los. Ansonsten gehe ich jetzt erst einmal zurück zu meiner Schulzeit.
Nach der Realschule war mein großer Traum und Wunsch, eine Musical-Ausbildung zu machen. Ich wollte unbedingt auf der Bühne stehen und singen, und das habe ich dann auch gemacht. Das war schon einmal das Erste. Deswegen habe ich keine weitere Ausbildung in dem Sinne gemacht, die mir jetzt für das Abitur weiterhelfen könnte.
Danach habe ich gearbeitet, nicht nur Musik gemacht, sondern auch andere Arbeiten, in Festanstellung und so weiter. Aber ich habe mich nie irgendwie angekommen gefühlt. Ich hatte immer das Gefühl, es ist nicht das, was ich machen sollte. Das Thema Psychologie hat mich eigentlich schon immer begleitet. Schon als Teenager habe ich gesagt: Psychologie studieren, das wäre auch was. Aber ich glaube, ich hätte mir das damals nie zugetraut. Vor allem hätte ich damals schon das Abitur machen müssen. Ich glaube, damals wäre ich noch nicht so bereit dafür gewesen. Da hat man andere Flausen im Kopf gehabt.
Dann ging mein Weg ein bisschen weiter bis in die Selbstständigkeit. Ich bin seit zwölf Jahren selbstständig und habe ein Nagelstudio. Da führe ich sehr viele Gespräche mit Kundinnen. Das Thema hat mich immer wieder eingeholt. Dann kam es dazu, dass ich gesagt habe: Ich möchte damit etwas machen. Das haben meine Kundinnen mir auch immer wieder bestätigt. Von daher habe ich den Weg zur Heilpraktikerin für Psychotherapie genommen, die Ausbildung und die Prüfung gemacht.
Mein Ziel wäre auf jeden Fall, in Richtung Psychologie und Psychotherapie zu gehen, aber in meinen Gegebenheiten: Psychotherapie als Heilpraktikerin für Psychotherapie. Für die Psychotherapeutenausbildung müsste man natürlich nach dem Psychologiestudium noch einmal weitergehen, und das wäre für mein Ziel, die FernUniversität in Hagen, auch gar nicht gegeben. Daher wäre mein Ziel, wenn es klappen würde, den Master in Psychologie zu machen und dann vielleicht an einer Klinik zu arbeiten oder je nachdem, wohin mich der Weg führt. Hauptsache das Thema Psychologie.
Christian: Super interessant. Ich hatte im Podcast auch schon zweimal Sarah Aschenbrenner, die auch ohne Abitur Psychologie studiert und einen fast ähnlichen Werdegang wie du hat. Sie hat eine Ausbildung als Friseurin gemacht, also in einem ähnlichen Bereich wie du mit deinem Nagelstudio. Sie hat im ersten Podcast auch erzählt, dass das ein bisschen der Auslöser war, sich für das Thema Psychologie zu interessieren. Vielleicht habe ich es auch gefragt, ich kann mich nicht mehr daran erinnern: ob das für sie ein Thema war, wenn man viel mit Menschen in Kontakt kommt und kommuniziert und das letztendlich ein sehr kommunikativer Beruf ist. Interessant, dass das bei dir auch dazu geführt hat, dass du dich mehr und mehr für das Thema interessierst.
Instagram und die Zusammenarbeit mit der SGD
Christian: Bevor wir schauen, was deine genauen Beweggründe sind und warum du dich zum Beispiel für das Fernabitur entschieden hast, lass uns noch einmal kurz darüber reden: Du hast im Vorgespräch gesagt, dass die SGD sich kurz nachdem du deinen Instagram-Account angelegt hast, bei dir gemeldet hat und ihr jetzt eine Art Kooperation führt. Wie kann man sich das vorstellen?
Katja: Genau. Das hat mich sehr überrascht, dass das so schnell ging, weil ich noch nicht viele Follower hatte. Ich hatte meinen Account erst eröffnet. Ich glaube, zwei Tage später hat die SGD sich gemeldet und gesagt, sie fänden das auf meinem Profil sehr interessant. Ich hatte schon ein kurzes Video darüber, warum ich das mache. Das fanden sie sehr interessant für ihren Account und haben mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte. Das hat mich natürlich gefreut, und deswegen habe ich das gemacht.
Das Hauptziel meines Accounts war eigentlich eine Motivation für mich. Ich dachte: Wenn ich das anfange, einen Account mache und anderen erzähle, was ich mache, dann kann ich nicht einfach aufhören und aufgeben. Dann habe ich diesen Druck im Hintergrund: Jetzt musst du das durchziehen. Da sind Leute, die sehen das. Dann kann man nicht einfach sagen: Ich habe jetzt keine Lust mehr. Was wahrscheinlich auch nicht passieren würde, aber das war für mich die Motivation, einen Instagram-Account zu machen.
Dass das hinzukommt, ist natürlich toll. Das hat mich sehr gefreut und auch überrascht, weil ich so wenig Follower hatte. Ich dachte, für so etwas braucht man viele Follower.
Christian: Ich habe das in letzter Zeit auch beobachtet: Die SGD und, ich glaube, auch das ILS, eine andere Fernschule, die zur Klett Gruppe gehört, machen gerade relativ viel Werbung auf diese Art und Weise. Sie arbeiten viel mit Influencern und Instagram-Account-Betreiberinnen und -Betreibern zusammen. Sie arbeiten übrigens auch mit uns zusammen. Ich will das an dieser Stelle einfach transparent erwähnt haben.
Das hat mit diesem Podcast gar nichts zu tun. Auch dein Vertrag mit der SGD hat mit diesem Podcast nichts zu tun. Wir können ganz normal über die SGD reden und wie das da war. Ich habe übrigens auch schon einmal eine Weiterbildung bei der SGD gemacht und dann abgebrochen. Das hatte nichts mit der SGD zu tun, sondern damit, dass bei mir viel dazwischengekommen ist. Ich habe die Studienunterlagen für diese Yogaweiterbildung hier noch, einen riesigen Packen. Nur, dass wir es noch einmal vorweg gesagt haben, bevor wir an der einen oder anderen Stelle über die SGD reden.
Fernabitur statt Abendgymnasium
Christian: Was mich und vielleicht auch unsere Zuhörerinnen und Zuhörer interessiert, ist dein Entscheidungsweg für diese ganze Ausbildung. Du hast dich entschieden, das an einer Fernschule nachzuholen, nicht so wie ich. Ich habe das im Alleingang nachgeholt, vor vielen Jahren. Ich kann gerne gleich erzählen, wie das genau ablief. Aber du hast dich für die Fernschule entschieden und nicht zum Beispiel für ein Abendgymnasium. Was waren deine Gründe?
Katja: Ich habe mich im Vorhinein natürlich informiert: Was kann man machen, wie kann man das machen? Zuerst bin ich auf das Abendgymnasium gestoßen. Wenn man dann sieht: jeden Tag Schule, abends meistens von 17 bis 21 Uhr, so um den Dreh, dann wusste ich für mich schon, dass ich das nicht schaffe. Neben dem Beruf, dem Haushalt, Partner und so weiter wäre das gar nicht gegangen.
Es ist eine super schöne Sache, weil man wieder in der Klasse sitzt, andere Kollegen hat, die das auch machen, und Lehrer, bei denen man direkt etwas fragen kann. Aber zeitlich wäre das für mich beruflich nicht möglich gewesen. Dann kam als Nächstes das Fernstudium. Da habe ich mich informiert, an welcher Fernschule man das machen kann. Mir ist immer wieder die SGD aufgeploppt, und das hat mich angezogen. Ich kann es nicht sagen: Ich war auf deren Seite, und das hat mich direkt angesprochen. Sie sind auch noch in Hessen. Ich bin selbst aus Hessen. Sie sind in Darmstadt, und da war das für mich sehr naheliegend.
Christian: Sie sind dann direkt bei dir vor Ort, wenn du das in Hessen machst. Du holst das Fernabitur auch nach hessischen Regeln nach. Ich hatte übrigens auch versucht, bevor ich mein Abitur so nachgeholt habe, das an einem Abendgymnasium nachzuholen. Es war auch so, wie du gesagt hast. Bei mir war es kein Zeitproblem, ich hätte die Zeit gehabt. Ich musste dafür aber immer in einen anderen Ort fahren, jeden Abend eine halbe Stunde Zug fahren und dann ganz spät wieder zurück.
Was bei mir eher das Problem war: Mir war das einfach zu langsam. Mein Lerntempo war anders. Ich hatte schon ein Jahr Oberstufe am Gymnasium mitgemacht. Dadurch, dass die Klasse so unterschiedlich zusammengesetzt war, war mir das langweilig und zu langsam. Dann habe ich das nach vielleicht zwei Monaten abgebrochen und eher zufällig mitbekommen, dass man das auch über ein externes Abitur machen kann.
Deine Entscheidung für die SGD war also vorher. Ihr habt später einen Vertrag gemacht oder euch auf eine Kooperation geeinigt. Aber du hast dich vorher für die SGD entschieden, weil sie zum Beispiel vor Ort oder näher an deinem Wohnort ist und dich mehr angesprochen hat?
Katja: Genau.
Christian: Andere Möglichkeiten kamen für dich nicht in Betracht? Es war dann klar, dass das Ganze über ein Fernabitur oder Fernstudium abläuft?
Katja: Ja, vor allem hat man, wie du gerade gesagt hast, sein eigenes Lerntempo. Man kann das Tempo ein bisschen anziehen oder sagen: Jetzt mache ich eine Pause. Dann kommt hinzu, dass jeder anders lernt. Das ist auch das, was in der Psychologie so interessant ist. Jeder lernt anders und hat eine andere Lernweise. Von daher kann ich mein eigenes Lerntempo und die Art, wie ich lerne, selbst gestalten. Das passt sehr gut.
Man kann die Unterlagen mit in den Urlaub nehmen, auf der Terrasse sitzen und lernen. Es hat mir einfach total zugesagt. Das passt für jeden in den Alltag rein, der berufstätig ist und so weiter.
Aber ich bewundere das total. Ich finde es krass, dass man das Abitur im Alleingang gemacht und sich vorbereitet hat. Hut ab, weil es wirklich nicht so einfach ist. Ich habe hier auch diesen Ordner, ich kann ihn zeigen. So sieht er aktuell aus. Das ist der erste Ordner für die ersten drei Monate. Das ist schon viel Stoff, den man lernen muss. Natürlich kaufe ich mir ab und zu noch ein Buch dazu, wenn mich etwas besonders interessiert oder einfach, um es noch ein bisschen besser zu lernen. Oder ich nutze die KI von der SGD, KILEA. Das ist schon sehr praktisch alles.
Christian: Bücher musste ich mir auch kaufen, vor allem für Mathe. Da hatte ich solche Stapel an Mathebüchern. Immer wenn ich etwas nicht verstanden habe, habe ich mir ein neues Matheübungsbuch mit Lösungen gekauft und versucht, das nachzuvollziehen. Dadurch habe ich Mathe auch bestanden. Über Mathe sprechen wir später noch einmal.
Externes Abitur im Alleingang: Christians Erfahrung
Christian: Vielleicht erzähle ich kurz, wie das bei mir ablief, damit unsere Zuhörerinnen und Zuhörer wissen, worüber wir eigentlich reden. Man kann sein Abitur als externes Abitur nachholen. Das machst du letztendlich auf dem zweiten Bildungsweg. Dann muss man sich über ein Schulamt anmelden und kann an den Prüfungen teilnehmen, eigentlich an den normalen Abiturprüfungen. Wobei das, soweit ich weiß, von Bundesland zu Bundesland ein bisschen unterschiedlich geregelt ist.
Bei dieser Anmeldung muss man auch nachweisen, wie man sich vorbereitet hat. Bei dir ist es ganz einfach: Du machst deine Vorbereitung über die Fernschule. Wenn man das ganz alleine ohne Fernschule machen will, muss man auch hingehen und erklären, wie man sich vorbereitet hat oder wie man lernt. So habe ich das gemacht. Ich habe eine Liste der Bücher gezeigt, die ich habe, und erklärt, dass ich schon am Gymnasium war und Erfahrung aus der Oberstufe habe. Ich habe gezeigt, wie und wann ich lerne und so weiter. Ich hatte ein persönliches Gespräch, und dann haben sie mir das bestätigt und gesagt: Sie sind jetzt angemeldet.
Ich konnte die Prüfung damals auf zwei Jahre aufteilen: im ersten Jahr vier Prüfungen, zwei schriftliche und zwei mündliche, und im zweiten Jahr auch noch einmal. Das ist, soweit ich weiß, ein Sonderweg, den Thüringen ermöglicht. Ich habe das Ganze in Thüringen gemacht. Ich habe in Vorbereitung auf diesen Podcast noch einmal gelesen, dass das nur noch ein paar Jahre so möglich ist, ich glaube bis Anfang 2030. Ab dann ist es nur noch möglich, alle Prüfungen in einem Jahr zu machen. Ich glaube, dann hätte ich es wirklich nicht geschafft.
So war das eigentlich ganz angenehm. Ich hatte ungefähr ein Jahr Zeit, mich auf die ersten vier Prüfungen vorzubereiten, wobei ich viel erst kurz vor der Prüfung gelernt habe. Im zweiten Jahr habe ich für den zweiten Teil der Prüfungen gelernt. Ich habe das mit meinem Job verbunden. Ich habe Zivildienst gemacht, das gab es damals noch. Da war das noch verpflichtend: entweder Bundeswehr oder Zivildienst. Ich habe mir eine Stelle ausgesucht, in der ich viele Nachtschichten hatte, in denen ich viel lernen konnte.
Letztendlich bin ich um ein Haar komplett durchgefallen. Ich glaube, für die Physikprüfung hatte ich eine Woche vorher angefangen zu lernen und bin auf gut Glück in die Prüfung gegangen, was völliger Wahnsinn war. Oder lass es mal einen Monat sein. Da kam ein Thema dran, das ich noch von der Realschule kannte. Ich hatte zwischendurch auch einmal einen Realschulabschluss gemacht. Da konnte ich mir aus dem Kopf ein bisschen etwas rausziehen. Sie haben mir wirklich einen Gnadenpunkt gegeben, damit ich nicht komplett durchfalle und das ganze Abitur für mich versaut war. Wenn sie nicht so nett gewesen wären, wäre ich wahrscheinlich durchgefallen.
In anderen Fächern habe ich sehr gute Ergebnisse gehabt, 14 Punkte, glaube ich, in Ethik und Englisch. In Mathe hatte ich letztendlich eine Drei. Trotzdem fast durchgefallen, weil sich das Ganze über einen langen Zeitraum gezogen hat. Da muss man immer am Ball bleiben. Das ist beim Fernabitur, denke ich, genauso.
Katja: Trotzdem krass, wirklich. Hut ab. Da braucht man sich gar nicht zu verstecken und zu sagen: Na ja, mit Ach und Krach. Dass man das im Alleingang geschafft hat, wow.
Christian: Mein Traum war damals auch, studieren zu gehen. Ich wollte unbedingt Geschichte studieren. Ich war so blöd, mein Abitur vorher abzubrechen. Dann wollte mich keine Schule mehr so richtig nehmen. Ich dachte: Ich versuche noch einmal, die Schule zu wechseln.
Der Moment, in dem ich die letzte Prüfung bestanden hatte, war richtig krass. Ich erinnere mich heute noch daran, wie glücklich ich war, dass ich bestanden habe und jetzt endlich studieren gehen kann. Ich hoffe, das ist für dich auch eine Motivation: dir immer vorzustellen, du hast irgendwann diesen Moment, in dem du alles bestanden haben wirst. Dann kannst du deinen Traum weitergehen.
Katja: Das Gute ist: Bei der FernUniversität in Hagen braucht man keinen Numerus clausus. Normalerweise braucht man für Psychologie an einer Präsenzuni einen Numerus clausus, ich glaube bei 1,4, 1,7, wie im Medizinstudium auch. Das ist noch mehr Druck. Von daher habe ich wenigstens diesen Druck nicht. Es muss bestanden sein, aber dann kann man loslegen.
So ist das Fernabitur bei der SGD organisiert
Christian: Dann lass uns darüber reden, wie das Ganze bei der SGD organisiert ist. Hier will ich auch dazusagen: Das soll keine Werbung für die SGD sein. Beim ILS zum Beispiel ist das ähnlich organisiert. Das sind zwei Fernschulen, die beide zur Klett Gruppe gehören, wie auch die FEB, die Fernakademie für Erwachsenenbildung. Sie bieten alle das Fernabitur und die Fachhochschulreife an. Es ist an allen drei Schulen im Prinzip ähnlich organisiert. Ich vermute, dass die Studienunterlagen letztendlich auch ähnlich sind.
Du kannst uns jetzt aber nur erklären, wie das bei der SGD organisiert ist. Erst einmal die Fächerwahl: Muss man vorher schon auswählen, welche Prüfungsfächer man dann hat, oder wählst du das im Laufe deiner Ausbildung aus?
Katja: Ich glaube, dass man sich nicht unbedingt schon festlegen muss. Ich habe es aber gemacht. Ich habe direkt geschrieben: Diese Fächer möchte ich. Sie haben Blöcke, die man wählen kann, mit der Sprache zum Beispiel. Will man das mit Englisch und Französisch oder mit Englisch und Spanisch? Dann wählt man diesen Block, und sie haben die Fächer schon aufgelistet. Ich habe zum Beispiel Geschichte abgewählt und dafür etwas anderes genommen. Ich habe direkt gesagt: Diese Fächer möchte ich haben und dafür möchte ich lernen. Dann haben sie das so eingetragen. Das ist auch im Onlinecampus alles hinterlegt.
Christian: Wird da auch zwischen Grundkursen und Leistungskursen unterschieden, oder heißt es mittlerweile anders?
Katja: Das heißt wohl immer noch Grundkurs und Leistungskurs. Aber das wählt man erst ganz zum Schluss. Ich muss jetzt nicht auswählen, was mein Leistungskurs werden soll. Zwei Leistungskurse sind es ja. Das kann man am Schluss auswählen. Kurz vor den Prüfungen kann man sagen, das soll mein Leistungskurs werden, und danach schreibt man die Prüfung.
Christian: Also wirst du eigentlich in allen Fächern auf demselben Niveau ausgebildet oder lernst alles auf demselben Niveau? Ich weiß noch, bei mir beim Abitur war das ein Riesenunterschied, ob ich zum Beispiel Bio als Leistungskurs oder Grundkurs gewählt habe. Geschichte, da weiß ich gar nicht mehr, ob es das als Leistungskurs gab, kann sein. Im Leistungskurs muss man viel mehr Sachen lernen oder hätte ich lernen müssen.
Katja: Das stimmt. Im Moment ist noch alles einheitlich. Ich habe meine Bücher hier stehen. Ich glaube, das kommt später im letzten Lernabschnitt oder so. Da gibt man das an und bekommt dementsprechend noch die Unterlagen. Einen Leistungskurs weiß ich bei mir schon. Beim zweiten bin ich noch total unsicher, ich habe keine Ahnung. Der erste soll natürlich Biologie werden.
Christian: Ich hatte vier schriftliche Prüfungen und vier mündliche. Davon waren zwei Leistungskurse. Deutsch oder Mathe musste man bei mir als Leistungskurs machen. Dann konnte man sich noch etwas aussuchen. Ich habe dann, glaube ich, Geschichte gemacht. Ich weiß es nicht mehr ganz genau.
Katja: Das ist auch so bei der Nichtschülerprüfung: vier schriftliche und vier mündliche Prüfungen, das muss ich auch machen. Aber es sind, glaube ich, nur zwei Leistungskurse, die man auswählen darf. Ich glaube nicht, dass es Pflicht ist, Mathe oder Deutsch als Leistungskurs zu nehmen. Das kann man, glaube ich, frei wählen. Nur so etwas wie Religion, glaube ich, kann man nicht als Leistungskurs wählen. Aber man hat die Pflicht, Deutsch und Mathe schriftlich zu machen. Das ist, glaube ich, die Pflicht.
Christian: Wichtig zu wissen: Es gibt genaue Regeln. Das läuft bei dir nach der hessischen Schulordnung. Da gibt es gewisse Regeln, nach denen man seine Grundkurse und Leistungskurse zusammenstellen kann. Die SGD hilft einem natürlich dabei. Sie hat vorgefertigte Pakete. Jemand, der mehr sprachlich begabt ist, geht eher in diesen sprachlichen Bereich. Jemand, der sich mehr für Mathematik und Naturwissenschaften interessiert, kann seine Kurse entsprechend zusammenstellen.
Latein war jetzt aber kein Thema für dich? Ich habe mitbekommen, dass ganz viele im Fernabitur Latein machen, weil die Fernschulen häufig sagen: Latein müsst ihr nicht sprechen, das ist eher eine Fleiß- und Logikarbeit. Aber das war für dich kein Thema. Du hast dich für Spanisch entschieden?
Katja: Ja, weil Latein für mich keine Sprache ist, die man spricht. Wenn ich schon eine Sprache lerne, dann möchte ich sie auch anwenden können. Spanisch war schon immer ein Ding für mich. Ich fand es toll, Spanisch zu sprechen oder zu verstehen. Von daher hat das sehr gut gepasst. Ich habe tatsächlich schon vor dem Abitur mit Spanisch angefangen. Da gab es gar keine andere Option.
Christian: Bei mir war es damals Russisch, aber auch nur, weil ich in der Schule vorher ein paar Jahre Russisch hatte. Ich dachte: Ich kann jetzt nicht bei null anfangen. Ich weiß nicht, ob ich das hinbekomme. Damals waren die Möglichkeiten, eine Sprache zu lernen, auch noch nicht so gut wie heute. Heute ist es mit Apps noch einmal anders. Auch über YouTube kann man viel lernen.
Ich habe damals Russisch gemacht und auch gerade so bestanden. Da musste man auch einen Aufsatz schreiben. Irgendwie bin ich durch die schriftliche Russischprüfung gekommen. Latein habe ich nebenher gelernt, weil ich wusste, ich brauche es fürs Studium. Wenn ich Geschichte studieren möchte, muss ich sowieso noch ein Latinum nachholen. Deswegen habe ich in dieser Abiturzeit auch Latein gelernt. Aber ich hatte mir nicht zugetraut, das von null auf zu machen.
Latein ist wirklich viel Lernarbeit. Wer sich gerne viel mit Sprachen und Grammatik beschäftigt, für den ist Latein bestimmt ein interessantes Fach. Für alle anderen ist es wahrscheinlich einfacher, das so zu machen wie du: Spanisch oder Französisch zu lernen, was man auch direkt anwenden kann.
Seminare, Studienhefte und Einsendeaufgaben
Christian: Wie sieht es mit Seminaren aus? Hast du schon ein Seminar gehabt? Gibt es Onlineseminare? Wie kann man sich das vorstellen?
Katja: Es wird angeboten, und man kann im Onlinecampus sehen, für welche Fächer es Seminare gibt. Das läuft auch über Zoom und ist kostenlos, also in der Gebühr enthalten. Bei einem war ich bisher dabei, bei Deutsch, ganz am Anfang. Da hatte ich noch gar nicht groß angefangen zu lernen, sondern gerade erst gestartet und gedacht: Ich schaue mir an, wie das aufgebaut ist.
Es hat mir sehr gut gefallen. Der Lehrer war sehr sympathisch. Da hatte ich schon einmal einen Einblick in die Textanalyse, und das war sehr interessant. Das kann man sich selbst auswählen. Ich glaube, einmal im Monat ist dann, je nachdem, ein Zoom.
Christian: Zur Prüfungsvorbereitung gibt es aber auch noch Vorseminare, die wahrscheinlich direkt bei der SGD in Darmstadt stattfinden?
Katja: Genau. Authentische Situationen kann man auch machen. Das ist auch kostenlos, das bietet die SGD an. Das werde ich dann machen, wenn es so weit ist: unter echten Bedingungen eine Vorprüfung machen. Man hat auch die Pflicht, das zu machen, weil man dann von der SGD ein Abschlusszeugnis bekommt. Das ist natürlich nicht das Abitur, aber das Abschlusszeugnis, das dazu dient, dass man an einer Schule angemeldet werden kann, um das Abitur zu schreiben.
Christian: Das macht auf jeden Fall Sinn: Bevor die richtigen Prüfungen stattfinden, bekommt man ein Gefühl dafür, wie so eine Prüfung abläuft. Wobei du durch deine Heilpraktikerausbildung im Prinzip auch ein gewisses Gefühl dafür hast. Ganz so anders ist es beim Abitur, denke ich, auch nicht.
Wie sieht es mit den Studienheften aus? Ich hatte gesagt, ich habe mir riesige Stapel an Mathezeug geholt. Ich habe aber auch die Bücher benutzt, die ich vorher am Gymnasium hatte oder die meine vorherigen Mitschüler hatten und mir zur Verfügung gestellt haben. Du hast richtige Studienskripte. Die sind für Menschen aufgebaut, die neben ihrem Job, so wie du, das Abitur nachholen. Aber du brauchst trotzdem noch zusätzliche Hefte, hast du gesagt?
Katja: Ich kann es mal zeigen. Das ist auch von der SGD: ein Übungsbuch für Englisch.
Christian: Ah ja, okay.
Katja: Für Spanisch ist auch so eines dabei. Dann hat man die Studienhefte. Da hat man einige, und am Ende sind immer Übungsaufgaben und Wiederholungsaufgaben drin. Man hat natürlich auch die Einsendeaufgaben, die man abschicken muss, bei den Sprachen tatsächlich auch mündlich. Man muss das als MP3 aufnehmen und abschicken.
Das wird dann auch bewertet. Meine Spanischlehrerin ist Spanierin. Da bin ich immer sehr aufgeregt: Wenn eine Muttersprachlerin dich bewertet, ist man schon aufgeregt. Ich war total happy, denn sie hat mir eine Eins gegeben. Das war toll, ich habe mich sehr gefreut. Das ist manchmal noch mehr wert als das Schriftliche, wenn eine Muttersprachlerin sagt, das war sehr gut.
Christian: Einsendeaufgaben hatte ich auch in der Weiterbildung zu bewältigen, die ich bei der SGD gemacht habe. Aber ich mochte das nicht so gerne. Ich musste wirklich viele machen. Am Ende von jedem Studienskript war eine Einsendeaufgabe mit ganz vielen Unteraufgaben. Man konnte immer erst dann sein Zeug wieder zugeschickt bekommen, wenn man die erledigt hatte. So gut bin ich damit nicht zurechtgekommen.
Es gab tatsächlich auch MP3-Aufnahmen, die man hätte machen müssen. Aber so weit bin ich gar nicht gekommen. Ich habe dann nur im Campus, glaube ich, gesehen, dass ich so etwas einreichen muss. Für dich ist das aber okay? Du arbeitest die Aufgaben durch und reichst sie über den Onlinecampus ein?
Katja: Genau, das geht alles online. Das ist zum Beispiel so eine Einsendeaufgabe. Die sind jetzt nicht besonders lang in dem Sinne, aber sie wird online abgeschickt. Man geht in den Onlinecampus und lädt die Sachen hoch. Ich lade das immer als Word-Dokument hoch, in dem ich das bearbeitet habe. Manchmal bekommt man sogar schon am selben Tag seine Note. Das kann auch passieren. Es ist einmal in Deutsch vorgekommen, der war sehr schnell.
Christian: Das ging bei mir auch mal flott. Nicht am selben Tag, aber zwei, drei Tage später habe ich die Bewertung für die Einsendeaufgaben bekommen, die ich eingeschickt hatte. Hast du auch Kontakt zu Mitschülerinnen oder Mitschülern?
Katja: Derzeit noch nicht. Man kann Kontakt aufnehmen. Wenn man in den Onlinecampus geht, kann man sich connecten. Das habe ich bisher noch gar nicht gemacht. Das kommt wahrscheinlich noch, ich bin ja noch ziemlich am Anfang.
Christian: Den Onlinecampus habe ich übrigens auch einmal auf unserem YouTube-Kanal vorgestellt. Das verlinke ich gerne in der Beschreibung für diese Folge. Wer will, kann sich einen ersten Einblick verschaffen, wie das Ganze bei der SGD aussieht.
Katjas Lernalltag und ihre Lernmethoden
Christian: Gib uns doch einen Einblick, wie dein Lernen und dein Lernalltag aussieht. Ich hatte mir, bevor wir ins Gespräch gestartet sind, als Notiz gemacht: dein Lernalltag nach 20 Jahren Pause oder nach vielen Jahren, in denen du nicht in der Schule gewesen bist. Aber eigentlich ist es natürlich nicht so. Du hast schon viel für deine Heilpraktikerausbildung gelernt. Kannst du erst einmal etwas dazu sagen, wie dir das Lernen beigebracht hat oder was das für deine eigene Lernsituation gemacht hat?
Katja: Ich glaube, das hat mir sehr viel geholfen. Als ich angefangen habe, für die Heilpraktikerin für Psychotherapie zu lernen, habe ich das auch über eine Heilpraktikerschule gemacht, mit Zooms und so weiter. Das war am Anfang eine Umstellung. Das musste der Kopf erst einmal kapieren: Man muss jetzt wieder lernen. Man setzt sich hin, schreibt etwas auf. Das war im ersten Moment ganz komisch, aber dann hat man sich wieder ganz gut eingefunden.
Mit der Zeit weiß man, wie man am besten lernen kann. In dem Fall muss man auch viel auswendig lernen. Ich habe viel mit Bildern oder mit Räumen gelernt. Dass man zum Beispiel in seinem eigenen Haus oder seiner Wohnung die Räume abgeht, in denen spezielle Sachen sind, um sich das so zu merken.
Ich habe mir auch einmal mit einer KI ein Bild für die ganzen Symptome, zum Beispiel für die Manie, erstellt. Dann hatte ich das Bild im Kopf und konnte das ganz gut abrufen. So habe ich festgestellt, wie ich am besten lernen kann. Oder auch übers Hören: Ich habe mir einen Podcast angehört. Wenn ich mit dem Hund Gassi gegangen bin, habe ich Podcasts gehört. So kann man auch ganz gut lernen.
Christian: Das hätte ich damals auch gerne gehabt. Du hast gesagt, du hast die Bilder erstellt. Das kann man heute zum Beispiel mit Gemini Notebook machen, oder NotebookLM hieß das vorher, von Google. Da kann man seine Quellen oder ein Skript hochladen und richtig gute Infografiken, Bilder, kleine Podcasts und Videos erstellen lassen. Oder du gehst in eine andere KI, ChatGPT, bei dir wahrscheinlich auch KILEA, und kannst dir vielleicht ein Bild erstellen lassen. Richtig gute Idee.
Das war bei mir damals nicht möglich. Ich habe mir eigentlich nur Zusammenfassungen erstellt. Das war der erste Schritt meiner Lernarbeit, der Monate gedauert hat. Ich habe den gesamten Lernstoff, den ich für ein Fach hatte, auf, lass es mal zehn oder 15 Seiten Papier sein, komprimiert. Je nach Fach hat man ein bisschen mehr gebraucht.
Das war für mich mehr Fummelarbeit, Abbildungen reinzubekommen, sie aus den Lehrbüchern herauszuscannen und alles zurechtzuschreiben. Da habe ich noch gar nichts gelernt. Vielleicht habe ich ein bisschen etwas dabei gelernt, aber ich hatte wirklich viel mit diesen Zusammenfassungen zu tun. Damit habe ich dann vor der Prüfung gelernt. Für Mathe natürlich nicht, da musste ich Übungen machen. Aber die Möglichkeiten, die es heute gibt, multimedial mit Videos, Podcasts und was auch immer zu lernen, gab es damals nicht in der Form.
Deswegen echt beneidenswert. Ich denke, ich hätte ein bisschen besser abgeschnitten, wenn ich die Möglichkeiten gehabt hätte, die es heute gibt. Du scheinst aber auch sehr professionell zu lernen.
Katja: Ich habe mir das für mich ein bisschen beigebracht, wie es bei mir am besten hängen bleibt. Einfach stumpf etwas auswendig lernen, das würde bei mir nicht hängen bleiben. Das hätte ich wahrscheinlich in drei Tagen wieder vergessen. Deswegen brauchte ich etwas, damit es wirklich ins Langzeitgedächtnis geht.
Bei einer Sache, bei den Verboten, habe ich mir vorgestellt, ich steige in ein Taxi ein. Da sitzen verschiedene Leute mit den verschiedenen Dingen, um mir die ganzen Verbote zu merken: was ich als Heilpraktikerin für Psychotherapie nicht darf. Tatsächlich kann ich damit am besten lernen. Ich glaube, das ist bei vielen so, visuell oder auditiv.
Christian: Für eine Weiterbildung, die ich später im Fernstudium gemacht habe, habe ich mir ganz viel auf dem Handy aufgenommen und dann immer wieder angehört, beim Autofahren und so weiter. Das war für mich auch hilfreich. Aber wie kann man sich deinen Lerntag vorstellen? Du arbeitest noch, du hast viel zu tun. Lernst du eher abends oder eher früh?
Katja: Das kommt immer darauf an. Da ich selbstständig bin, kann es sein, dass ich vormittags ein bisschen Zeit habe, zwischendurch oder auch abends, je nachdem. Dann setzt man sich mit so einer Unterlage hin. Aktuell ist es „Politisches System der Bundesrepublik Deutschland“, also Politik und Wirtschaft, das Studienheft.
Ich habe mir über die KI auch einen Stundenplan erstellt, damit ich weiß: Was lerne ich heute, was lerne ich morgen? Damit man sich nicht so verliert. Ich habe versucht herauszufinden, was besser ist: Wenn man eine Woche nur ein Thema lernt, bleibt das besser hängen? Oder ist es besser, wenn man jeden Tag etwas anderes lernt? Tatsächlich ist es so: Jeden Tag etwas anderes zu lernen ist besser, als eine Woche eine Sache voll zu lernen. Von daher habe ich mir einen Stundenplan erstellt.
Jetzt will ich aber demnächst die Einsendeaufgabe für Politik und Wirtschaft machen. Die ist allerdings nur online, das ist ein Onlinetest. Deswegen lerne ich aktuell etwas mehr Politik und Wirtschaft. Es kann aber auch vorkommen, dass ich vielleicht ein paar Tage nichts lerne, da bin ich ehrlich. Manchmal braucht man einen freien Kopf, und das ist auch wichtig für das Gehirn. Man muss eine Pause machen, damit das Gehirn wieder neue Dinge aufnehmen kann. Das ist ganz wichtig.
Wenn man sagt, man lernt jeden Tag so und so viele Stunden, wäre das auch nicht ganz so gut. Ich glaube, dann würde man sich selbst überfordern und vielleicht auch den Spaß verlieren. Es ist absolut in Ordnung. Die Schüler haben auch sechs Wochen Sommerferien, in denen man abschalten darf. Das dürfen wir natürlich auch.
Christian: Das ist interessant. Du wirst im Studium merken, dass sich das wieder ein bisschen verändert, weil du nicht so viele verschiedene Themen bearbeitest. Du hast im Studium eher ein Modul, in das du wahrscheinlich viel mehr Zeit reinstecken wirst als in einen einzelnen Abschnitt aus Mathe zum Beispiel. Du wirst dich wahrscheinlich über ein Semester mit einem, zwei, drei Modulen beschäftigen und nicht ganz so viel wechseln. Aber der Tipp mit dem Wechsel ist auch gut. Ich glaube, aus der Lernpsychologie weiß man, dass es sinnvoll ist, ein bisschen hin und her zu wechseln.
Mathe und alte Glaubenssätze aus der Schulzeit
Christian: Wollen wir ein paar einzelne Fächer durchgehen? Du kannst uns ein bisschen beschreiben, wie du dafür lernst. Ich weiß nicht, wie es mit Mathe aussieht, ob du schon viel Mathe hattest?
Katja: Mathe fängt erst demnächst an. In den ersten drei Studienmonaten ist Mathe nur noch einmal Wiederholung, ohne Übungsaufgaben oder Einsendeaufgaben in dem Sinne. Ich habe schon die Unterlagen für die nächsten drei Monate, aber die habe ich noch nicht bearbeitet. Da bin ich noch nicht dran, weil ich mir ein bisschen Zeit lasse. Da ist auch ein Mathebuch dabei. Gekauft habe ich mir diesen Casio-Taschenrechner, den wahrscheinlich jeder kennt.
Ich freue mich eigentlich auf Mathe. Ich war in der Schule immer ein bisschen die Niete. Bei mir waren es immer die Sprachen, und Mathe war immer schwierig. Aber ich hatte auch einen Glaubenssatz. Man hat mir immer eingeredet: In Mathe bist du schlecht, Mathe kannst du nicht. Ich habe das geglaubt und jetzt bei der Vorbereitung festgestellt, dass das gar nicht wahr ist. Das macht mir sogar Spaß. Einige Aufgaben waren so einfach, dass ich gar nicht glauben konnte, dass das jetzt wirklich die Aufgabe war.
Von daher ist es ganz wichtig, dass man das alles ablegt, wenn man so etwas anfängt. Nicht aus der Schulzeit heraus sagen: „Ach ja, Mathe, da bin ich eh nicht gut“, sondern sagen: „Nein, gerade jetzt probiere ich das mal.“ Es ist wirklich nicht so. Mathe ist etwas, das man auch erlernen kann. Das hat alles seine Regeln. Wenn man diesen Weg verstanden hat, dann kann man das auch.
Das ist auch etwas Wichtiges, was ich auf meinem Account sagen wollte: dass man diese Glaubenssätze aufgeben sollte. Man sollte nicht glauben, was in der Schule jemand zu einem gesagt hat, sondern an sich glauben und das einfach probieren. Ganz offen sein, als wenn man etwas ganz Neues anfängt. Dann sieht man: Das ist gar nicht so schlimm, und es macht Spaß.
Ich habe auch schon gesehen, ich weiß nicht, ob man Werbung machen darf: Es gibt eine ganz tolle Mathe-App zum Mathelernen.
Christian: Na klar.
Katja: Dieses Rocket Tutor oder so, das werde ich bestimmt ausprobieren. Das hat mir ganz gut gefallen, um das noch einmal zu erlernen. Es gibt heutzutage gute Möglichkeiten. Früher brauchte man einen Nachhilfelehrer. Heute kann man viel über Apps oder eine KI machen. Das ist schon ganz schön.
Christian: Selbst über YouTube. Ich glaube, Daniel Jung ist mittlerweile berühmt, müsste das sein. Er hat einen Kanal, auf dem er Mathe wirklich auf eine einfache Art erklärt.
Mathe war für mich auch das Fach, in dem ich mit einer Fünf oder Sechs vom Gymnasium runtergegangen bin. Das war, glaube ich, der Stand, als ich abgebrochen habe. Es war klar: Das Schuljahr werde ich sowieso nicht schaffen, auch wegen Mathe. Das war auch die Jahre zuvor ein ganz schlimmes Fach für mich.
Beim Abitur habe ich gemerkt: Das ist, wie du es beschrieben hast, eigentlich ganz anders. Es macht auch Spaß, wenn man sich die Lösungen selbst erarbeiten kann, durchrechnet und merkt: Ich muss einfach versuchen, das zu verstehen, was ich vorher irgendwann übersprungen hatte, weil ich nicht aufmerksam genug war oder was auch immer. Ich muss manchmal ein paar Schritte zurückgehen, um zu verstehen, wie ich auf diesen Lösungsweg komme oder wie das funktioniert.
Ich habe mir all das Wissen, das mir gefehlt hat, systematisch selbst erarbeitet, um bestimmte Dinge, die in der Mathematik etwas komplexer werden, besser zu verstehen. Ich habe mir viele Übungsbücher besorgt und die Übungen und Lösungen immer wieder durchgegangen, bis es irgendwann Klick gemacht hat. Ich habe nicht mit einer Zwei oder Eins bestanden, aber ich bin mit einer Drei durch Mathe gekommen, vielleicht war es auch eine 3,5. Das war für mich ein Moment, in dem ich dachte: Stimmt, ich kann es verstehen. Es ist wirklich gar nicht so schwierig.
Katja: Ich wollte dazu noch etwas sagen. Gerade bei Mathe gibt es mehrere Wege, wie man zur Lösung kommt. Bei unterschiedlichen Menschen ist es so: Der eine hat eher diesen Weg, der andere eher diesen. Das habe ich auch in der Schule festgestellt. Man kann verschiedene Wege haben, aber oft pochen die Lehrer darauf, dass man es auf dem Weg macht, wie sie das beibringen.
Das finde ich nicht in Ordnung, weil die Lösung doch das Richtige ist. Wenn dieser Lösungsweg genauso funktioniert, sollte man das anerkennen. Ich habe eine Bekannte, die mir erzählt hat, dass ihre Tochter in der Schule einen anderen Lösungsweg gefunden hatte und der Lehrer ihr das angekreidet hat. Ich finde, das sollte nicht sein. Es gibt mehrere Wege, die nach Rom führen, wie es so schön heißt. Dann sollte man das auch anerkennen.
Es gibt tolle Mathe-Nerds auf YouTube, wie du gesagt hast, die einem andere Wege beibringen. Eigentlich total einfache Wege, bei denen man denkt: Mensch, ist ja ganz einfach, so kann man das ausrechnen. Ich verstehe nicht, warum das in der Schule nicht auch so beigebracht wird. Warum werden manchmal so komplizierte Sachen beigebracht, anstatt mehrere Wege zu zeigen und den Kindern die Möglichkeit zu geben, das unterschiedlich auszurechnen, je nachdem, wie bei ihnen das Hirn am besten funktioniert?
Deutsch, Englisch und Spanisch lernen
Christian: Ein anderes wichtiges Fach ist natürlich Deutsch. Da hattest du jetzt aber noch nicht so viel, hast du gesagt?
Katja: Nein, Deutsch war bisher nur ein Studienheft und eine Einsendeaufgabe. Bei der Textanalyse oder so bin ich noch nicht angelangt. Das kommt erst bei den neuen drei Monaten. In diesen drei Monaten ist das noch nicht so dabei. Deutsch war immer ein gutes Fach für mich.
Christian: Für mich war das auch das stärkste Fach. Deswegen habe ich mich tatsächlich gar nicht oder fast gar nicht auf die Prüfung vorbereitet. Ich habe zwei, drei Fakten auswendig gelernt, bin reingegangen und dachte: Das bekomme ich mit links hin. Aber da habe ich eine Drei bekommen oder vielleicht auch eine Vier. Ich war dann doch gar nicht so gut, wie ich es von mir erwartet hatte.
Da wäre ein bisschen mehr Vorbereitung wahrscheinlich sinnvoll gewesen. Man muss auch hier und da Fakten auswendig lernen. Ich glaube, sie wollen in einer Textanalyse, dass man den Text in die richtige Epoche einordnet und vielleicht etwas über die Epoche sagt, aus der der Text stammt. Vielleicht auch etwas zur Biografie des Autors oder der Autorin. Bei dir ist noch nicht so viel, hast du gesagt. Aber du warst auch immer gut in Deutsch?
Katja: Ich war in Deutsch eigentlich immer ganz gut. Die Textanalyse könnte ich jetzt nicht einfach so machen, weil ich keine Ahnung habe, wie das aufgebaut ist oder funktioniert. Man muss schon wissen, wie man das machen sollte. Wieder Hut ab, dass man da ohne Vorbereitung reingegangen ist.
Man hat, glaube ich, in Deutsch vier Möglichkeiten zur Auswahl. Man bekommt vier Themen, darunter die Textanalyse und weitere Themen. Da kann man sich eines auswählen und darüber das Abitur schreiben.
Christian: Am Gymnasium war das Standard. Ich war eigentlich von der fünften Klasse an auf dem Gymnasium, und da hat man das von Anfang an eingeübt. Das Aufsatzschreiben war für mich einfach Alltag. Da musste ich nicht groß etwas Neues lernen.
Englisch ist ein anderes Thema. Englisch musst du auch machen, du brauchst ja immer zwei Fremdsprachen. Wie sieht es da aus? Du hast bestimmt schon Kenntnisse mitgebracht?
Katja: Englisch eigentlich schon sehr gut. Da war ich in der Schule immer sehr gut. Ich habe auch englische Bücher gelesen oder schaue Filme im Original an, wenn die Synchronisation so schlecht ist. Vor allem ist ja im Internet teilweise alles auf Englisch. Man liest etwas auf Facebook oder Instagram, da ist viel auf Englisch. Das ist schon fast normal, fast keine Fremdsprache mehr in dem Sinne, finde ich.
Christian: Ich glaube, in der Englischprüfung ist es ein bisschen wie in Deutsch. Da muss man auch einen kleinen Aufsatz schreiben. Das ist dann noch einmal herausfordernd.
Katja: Das muss man auf jeden Fall noch lernen. Ich kann zwar ganz gut Englisch, aber natürlich muss ich noch gut lernen, was nachher gefragt wird. Das ist klar. Da bin ich auch gespannt.
Christian: Die zweite Fremdsprache Spanisch hatten wir schon angeschnitten. Wie lernst du da? Wie kann man sich das vorstellen? Nutzt du zum Beispiel Apps?
Katja: Für Spanisch habe ich die Busuu-App, die hatte ich auch schon vorher. Da hatte ich schon einmal A1 durch. Die habe ich wieder aktiviert. Mit der lerne ich auch, weil ich die App super finde. Ich bekomme nichts dafür, wenn ich Werbung für Busuu mache. Aber das ist eine super App, weil man spricht, schreibt und sich von Muttersprachlern bewerten lassen kann. Das ist gegenseitige Hilfe, genauso wie ich jemandem in Deutsch helfen kann. Das finde ich super.
Ich habe auch eine oder mehrere spanische Serien in der Originalsprache mit Untertiteln geschaut, weil die sehr schnell reden. Da ist man erstaunt, wie gut oder wie schnell man einiges versteht. Ohne mitzulesen versteht man auch, worum es gerade geht. Das fand ich toll. So lerne ich eher, oder mit zusätzlichen Büchern. Ich habe mir noch diese Bücher von PONS gekauft, Grammatik und Verbtabellen für die Verbkonjugation. Ich finde es gar nicht verkehrt, sich zusätzlich Material zu kaufen.
Christian: Ich habe auch viele Wörterbücher gehabt, teilweise immer noch für Russisch in meinem Regal. Diese ganzen Bücher, die man hier im Regal sieht, wer uns auf YouTube zuschaut, stammen aus der Abiturzeit. Die habe ich damals zusammengesammelt oder in den ersten Studienjahren zugelegt. Die ganzen Lehrbücher, die ich hatte, habe ich irgendwann in eine Büchersammlung gegeben, weil sie nur noch eingestaubt waren.
Sprachen gingen bei mir damals noch nicht so einfach zu lernen. Ich hatte zwar schon Vokabelprogramme und Vokabeltrainer, das gab es als Software, aber keine Apps. Keiner hatte in der Zeit ein Smartphone. Die gab es damals einfach noch nicht, und es gab kein YouTube.
Was es damals für mich schon gab, waren Filme, auf DVD, die ich in der Sprache schauen konnte. Das habe ich später fürs Studium für Russisch gemacht. Das war noch nicht so ausgefeilt wie heute. Aber da gab es eine Software, die hieß oder heißt Rosetta Stone. Die war richtig gut, und ich habe sie benutzt, um Französisch zu lernen.
Wenn ich heute überlege: Ich habe wirklich viele Jahre Russisch gelernt, fürs Abitur, und mein Abitur damit gemacht. Aber wenn ich jetzt Russisch höre oder lese, kommt bei mir nicht so viel an. Wenn ich dagegen Französisch höre oder lese, kommt viel an. Ich verstehe die Grammatik viel besser.
Die Software funktioniert so: Da wird ein Bild gezeigt oder vier Bilder zur Auswahl, und etwas dazu gesprochen. Du musst dann die Sprache richtig zuordnen und auf das Bild klicken. Es ist sehr visuell und auditiv. Das hat für mich super funktioniert, weil ich auch sprechen und immer nachsprechen musste, was da gesprochen wurde.
Man lernt dann alles auf einmal, wie ein kleines Kind auch eine Sprache lernt. Bei meiner Tochter sehe ich das: Sie lernen einfach durch Nachahmung die Sprache und dann nach und nach die Sätze. Es wird immer komplexer, man kann längere Sätze sprechen. Das war für mich ein sehr hilfreicher Weg, eine Sprache zu lernen. Ich merke, davon ist heute viel mehr in mir drin als von Russisch, das ich nicht so gelernt habe.
Katja: War das diese Vera-Birkenbihl-Methode?
Christian: Es kann sein, dass diese Methode so ähnlich ist. Ich kenne sie vom Namen her, habe mich damit aber nie auseinandergesetzt. Ich glaube, das geht in eine ähnliche Richtung.
Katja: Sie hat auch eine tolle Methode.
Christian: Heute gibt es noch Apps oder KI. Ich kann einfach zu ChatGPT gehen, den Sprachmodus in der App aktivieren und sagen: Hilf mir dabei, ein bisschen Französisch zu üben. Lass uns Französisch quatschen. Du bist jemand aus Frankreich, wir treffen uns gerade. Oder frag mich einfach Vokabeln ab. Das funktioniert mittlerweile auch super.
Katja: Stimmt. Man kann sich richtig mit ChatGPT unterhalten. Man kann sagen: Sprich mal ein bisschen Spanisch oder was auch immer. Dann schaltet er sofort um. Das ist sehr lustig. Tolle Möglichkeiten heutzutage.
Es gibt auch die Möglichkeit, ich habe darüber nachgedacht, vielleicht noch einen Volkshochschulkurs zu machen. Den kann man auch online machen, gerade für Spanisch. Das ist mir wichtig, weil es doch eine neue Sprache ist. Um die gut zu lernen, würde ich das vielleicht noch mitnehmen.
Christian: Die Sprache lernt sich nicht von selbst. Das ist viel Arbeit im Abitur, wenn du es so nachmachst. Aber die Möglichkeiten sind heutzutage richtig gut: das überall nebenher zu machen, einen Film oder einen Podcast in der Sprache laufen zu lassen, sodass das wirklich in einen einsickert und man ein gutes, intuitives Verständnis für die Grammatik bekommt.
Das bekommt man bei Latein nicht. Da musst du alles lernen und auswendig lernen. Dann leitest du dir die Übersetzungen, die du in der Prüfung machst, logisch her. Das funktioniert auch, du kommst so durch. Aber das ist nicht so ein Sprachgefühl, wie du es entwickelst, wenn du die Sprache einfach sprichst.
Was gibt es noch für Fächer, mit denen du dich gerade herumschlägst?
Katja: In den ersten drei Monaten hat man noch nicht alles. Das kommt nach und nach. Das ist eigentlich ganz gut, sonst wäre man, glaube ich, direkt überfordert. Ich freue mich auf Biologie, aber das dauert noch ein bisschen.
Im Moment ist es tatsächlich Politik und Wirtschaft, was bei mir wegen der Einsendeaufgabe noch ansteht. Spanisch natürlich, weil ich da noch zwei Einsendeaufgaben habe. Da hatte ich sehr viele, insgesamt schon sechs Stück. Bei Englisch hatte ich eine Einsendeaufgabe, bei Deutsch eine und bei Spanisch, wie gesagt, sechs. Bei Politik und Wirtschaft kommt noch diese eine dran. Danach hätte ich erst einmal die ersten drei Monate durch und könnte weitermachen.
Lernen mit Apps und KI
Christian: Eine Frage noch zur KI-Nutzung: Du hast KILEA schon ein paar Mal erwähnt. Das ist der Chatbot der SGD, der teilweise auch in den anderen Fernschulen verwendet wird. Ich habe ihn übrigens auch einmal auf diesem Channel vorgestellt. Mittlerweile hat er sich wirklich stark weiterentwickelt. Ich habe neulich reingeschaut und gesehen, dass das mittlerweile ziemlich gut funktioniert. Das nutzt du auch im Alltag für dein eigenes Lernen?
Katja: Das nutze ich auch. Ich finde es super, dass es das gibt, weil da vor allem die ganzen Lernunterlagen eingespeist sind. Nicht so, wie wenn man zu ChatGPT gehen würde. Da müsste man erst etwas hochladen, damit er weiß, worum es geht. Dort kann man es gezielt auswählen.
Wenn man die neuen Unterlagen bekommen hat, sind die in KILEA enthalten. Dann kann man sie gezielt auswählen oder alle angewählt lassen und allgemein fragen. Das ist eine tolle Sache: Man kann etwas anklicken und sagen, ich hätte gerne eine Zusammenfassung. Dann bekommt man das. Man weiß, dass die Antworten, die man bekommt, auch die Antworten sind, auf die man sich verlassen kann. Bei ChatGPT zum Beispiel kann es sein, dass etwas abweicht. Dort bekommt man wirklich die Antworten, die auch in den Unterlagen enthalten sind. Das ist sehr praktisch und wichtig.
Christian: Was bei einem Test, den ich vor ungefähr einem Jahr gemacht hatte, noch nicht richtig funktioniert hat, ist der Lernplan. Aber du hast vorhin gesagt, du hast dir einen Lernplan oder Wochenplan erstellen lassen. Das funktioniert mittlerweile also auch?
Katja: Ja, einen Stundenplan. Man sagt: Das und das möchte ich mehr lernen. Spanisch zum Beispiel brauche ich ein bisschen mehr, weil es eine neue Sprache ist. Von daher hatte ich ein bisschen mehr Spanisch aufgelistet. Das hat super funktioniert, sodass man weiß: Heute macht man das, heute macht man das andere.
Sonst sagt man eventuell: Ach nein, darauf habe ich heute keine Lust, ich mache das. Aber so hält man sich wirklich daran und vergisst nichts.
Christian: Sehr interessant, wie du mit deinem Lernen vorgehst. Dein Lernen wirkt wirklich professionell, das habe ich vorhin schon gesagt. Du nutzt viele Lerntechniken, die ich hier im Podcast mit anderen Gesprächspartnern immer wieder aufgegriffen habe. Gabriel Gorbach ist ein Lerncoach oder Lernberater. Er beschreibt das eigentlich so, wie du es beschrieben hast: mit diesem bildhaften Lernen, sich vielleicht einen Raum vorzustellen, in dem man Erinnerungen ablegt.
Das kann ja nur von Erfolg gekrönt sein, um mit diesem immens umfangreichen Lernstoff zurechtzukommen, den du für dein Abitur brauchst.
Katjas Pläne nach dem Abitur
Christian: Lass uns noch ein bisschen in die Zukunft blicken. Ich hoffe, dass ich dir etwas Motivation mitgebe oder mitgegeben habe. Irgendwann kommt der Punkt, dann hast du dein Abi in der Tasche und kannst studieren gehen. Was hast du geplant? Wie lange wird das insgesamt für dich dauern?
Katja: Der ganze Lehrgang würde eigentlich 32 Monate laufen. Man kann auch noch einmal kostenlos verlängern, um 16 Monate. Immer die Hälfte der eigentlichen Länge der Studienzeit kann man noch einmal kostenlos draufsetzen.
Spätestens [Jahreszahl im Ausgangstranskript unverständlich] würde ich gerne das Abitur machen. Vielleicht ein bisschen schneller, aber ich weiß nicht, wie ich das schaffe. Ob ein Jahr früher oder später, ist auch egal. Wenn die Noten besser sind, dann gerne ein Jahr länger. Danach würde ich mich gerne direkt an der FernUniversität in Hagen anmelden und loslegen.
Ich folge auch einer, die ein Fernstudium in Psychologie macht. Da habe ich schon ein bisschen etwas gesehen. Es wird auf jeden Fall nicht leicht. Ich bin sehr gespannt und lasse mich überraschen, was noch kommt.
Christian: Die FernUniversität in Hagen ist auch als Hochschule sehr herausfordernd. Ich war dort auch schon eingeschrieben. Ich würde sagen, das ist noch anspruchsvoller als an den Fachhochschulen, an denen man Psychologie studieren kann, zum Beispiel der IU Internationalen Hochschule. Das soll nicht heißen, dass es dort leicht ist. Aber die FernUniversität ist eben eine Fernuniversität. Sie wird ihrem Ruf oder ihrem Namen gerecht, würde ich sagen.
Was für dich vielleicht interessant ist: Sie stellen ihren Psychologiestudiengang aktuell um, sodass es in Zukunft mit diesem Psychologiestudiengang auch möglich sein wird, in die Psychotherapie oder psychotherapeutische Richtung zu gehen. Der Master, der dafür auch nötig ist, wird da zwar aktuell noch nicht angeboten. Ich weiß auch nicht, dass das in Planung wäre. Aber der Bachelor wird dir das letztendlich ermöglichen, wenn du danach den richtigen Master findest.
Schon einmal als Hinweis: Das wäre möglicherweise auch ein Weg, zumindest teilweise über ein Fernstudium in diese Richtung zu gehen. Aber du sagst, du hast sowieso deine Ausbildung als Heilpraktikerin für Psychotherapie. Therapieren kannst du trotzdem.
Katja: Die Erlaubnis habe ich, die Heilerlaubnis. Das heißt, ich darf mit psychisch kranken Menschen arbeiten. Von daher war das nicht wirklich die Option. Dann bin ich, glaube ich, im Rentenalter, wenn ich damit fertig wäre. Das sind schon drei Jahre Bachelor, zwei Jahre Master und dann noch einmal um die vier Jahre für die Therapie. Ich glaube, das wird sich dann doch nicht mehr lohnen. Aber das wäre jetzt auch nicht so der Sinn.
Ich würde mich freuen, wenn ich danach etwas Psychologisches arbeiten könnte, vielleicht an einer Klinik, und trotzdem nebenbei meine Praxis für Psychotherapie hätte. Das wäre, glaube ich, das, was mir am meisten Spaß machen würde.
Christian: Mit Selbstständigkeit kennst du dich auch aus. Das ist dann auch ein Weg, bei dem man eher in die Selbstständigkeit geht.
Katja: Genau. Das muss man beim Finanzamt als freien Beruf anmelden. Das ist kein Gewerbe, sondern ein freier Beruf. Damit würde ich gerne nächstes Jahr loslegen, wenn ich mit der kognitiven Verhaltenstherapie fertig werde. Die Gesprächstherapie nach Carl Rogers habe ich schon gemacht. Die kognitive Verhaltenstherapie ist für mich sehr wichtig, das ist die Haupttherapiemethode. Wenn ich das in der Tasche habe, würde ich gerne loslegen.
Mit Motivationstiefs umgehen
Christian: Das klingt auf jeden Fall nach einem Plan. Ich wünsche dir viel Erfolg und Durchhaltevermögen mit dem Abitur. Da wird es Phasen geben, in denen du nicht so richtig Lust darauf hast, nicht nur ein, zwei Tage. Vielleicht als abschließende Frage: Hast du schon einen Tipp, auch an dich selbst, wie du mit solchen Phasen umgehen wirst?
Katja: Auf jeden Fall akzeptieren. Wenn man eine Phase hat, in der man sagt: Ich habe gerade keine Lust, dann sollte man sich nicht selbst den Druck machen, sondern sagen: Das ist jetzt in Ordnung, das ist so. Ich nehme einfach eine kurze Auszeit, und danach geht es weiter.
Letztendlich hat man ein Ziel, und es ist wichtig, das nicht aus den Augen zu verlieren, damit man dranbleibt und nicht aufgibt. Das kann man sich immer wieder sagen, wenn man keine Lust hat: Ich habe doch ein Ziel, und ohne das schaffe ich es nicht. Also muss ich mich jetzt ein bisschen zusammenreißen.
Christian: Alle, die dein Ziel mitverfolgen wollen und schauen möchten, wie du vorankommst, folgen dir auf Instagram. „Abitur mit 40“ heißt dein Instagram-Account, den wir natürlich in der Beschreibung für dieses Video verlinken. Ich wünsche dir viel Erfolg und vor allem viel Spaß mit deinem Fernabitur. Ich hoffe, wir machen irgendwann noch eine Update-Folge.
Katja: Sehr gerne. Ganz lieben Dank. Es hat mir viel Spaß gemacht, und danke auch für die Motivation. Das hat mir auf jeden Fall sehr geholfen. Ich werde immer darüber nachdenken, wenn wieder eine Phase kommt, in der man denkt: Ach, heute habe ich nicht so eine Lust. Dann hat man da noch einmal einen kleinen Arschtritt.
Christian: Gerne. Tschüss.

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