3x Fernstudium an der SRH – Kerstin Obermeier über Studium mit Kind, KI & Masterarbeit
Shownotes
Was treibt einen Menschen an, nach einem Bachelor und einem Master noch einmal zu studieren? Lohnt sich ein zweiter Master wirklich – wenn er viel Zeit, Geld und Nerven kostet, beruflich aber möglicherweise weniger Türen öffnet als erwartet? Und wie lässt sich ein weiteres Fernstudium mit Familie, Kind und Arbeit vereinbaren?
Kerstin Obermeier hat an der SRH Fernhochschule Wirtschaftspsychologie, Systemische Beratung und Coaching sowie zuletzt Angewandte Psychologie mit der Vertiefung Kinder- und Jugendpsychologie studiert. Heute arbeitet sie freiberuflich als Dozentin und Coach. Schon 2022 sprach sie als Gast in Folge 9 mit Christian über Prokrastination im Fernstudium.
Diesmal geht es um Kerstins drei Fernstudiengänge, ihre Motivation für den zweiten Master und das Studieren mit Kind. Außerdem sprechen die beiden über ihre mit 1,0 bewertete Masterarbeit zum Medienalltag von Familien, KI im wissenschaftlichen Arbeiten, die beruflichen Grenzen des Abschlusses sowie Prokrastination und Perfektionismus.
Inhalt:
Lohnt sich ein zweiter Master?
Kerstin Obermeier: Was sich seit 2022 verändert hat
Kerstins Arbeit als Dozentin und Coach
Warum noch ein Master an der SRH?
Fernstudium mit Kind – Lernalltag und Deep Work
Zweifel, Prokrastination und bewusste Pausen
Masterarbeit über digitale Medien in Familien
Qualitative Forschung und Transkription mit KI
Wie digitale Medien Kinder beeinflussen
Die 1,0 – und der Kampf mit Perfektionismus
So hat sich die SRH Fernhochschule seit 2014 verändert
Neue Prüfungsformen im KI-Zeitalter
ChatGPT: Assistenz statt Autorität
Berufliche Möglichkeiten und Grenzen des Masters
Promotion und Kerstins weitere Pläne
Tipps gegen Prokrastination
Fazit und Kontakt
Kerstin Obermeier im Internet:
➡️ LinkedIn: www.linkedin.com/in/kerstin-obermeier
➡️ Instagram: www.instagram.com/kerstin_obermeier_
Im Podcast erwähnt:
🎧 Kerstins erster Besuch im Podcast – über Prokrastination im Fernstudium: https://www.fernstudi.net/podcast/9
🎓 B.Sc. Wirtschaftspsychologie an der SRH Fernhochschule: https://www.fernstudi.net/fernstudium/wirtschaft/wirtschaftspsychologie/12582
🎓 M.A. Beratung & Coaching an der SRH Fernhochschule: https://www.fernstudi.net/fernstudium/humanwissenschaften/psychologie/14155
🎓 M.Sc. Angewandte Psychologie an der SRH Fernhochschule: https://www.fernstudi.net/fernstudium/humanwissenschaften/psychologie/18392
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Transkript
Christian: Lohnt sich ein zweiter Master? Nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch, wenn man viel Zeit, Geld und Nerven investiert und am Ende einen Titel hat, der vielleicht nicht das eröffnet, was man sich davon versprochen hat. Ich habe heute jemanden zu Gast, die genau das durchgezogen hat: Kerstin Obermeier. Sie war schon einmal in diesem Podcast und hat nach ihrem Master in Beratung und Coaching noch den Master in Angewandter Psychologie an der SRH Fernhochschule mit der Vertiefung Kinder- und Jugendpsychologie absolviert. Gerade hat sie ihn mit einem sehr guten Ergebnis abgeschlossen.
Wir reden darüber, wie dieses Studium lief und wie sich die SRH Fernhochschule im Laufe der Jahre verändert hat. Kerstin hat dort insgesamt drei Studiengänge abgeschlossen. Uns interessiert auch, was ein solcher Abschluss beruflich tatsächlich ermöglicht. Außerdem erzählt sie von ihrer Masterarbeit über digitale Medien in Familien. Das dürfte besonders diejenigen von euch interessieren, die wie ich Kinder haben und sich mit deren Medienkonsum auseinandersetzen. Auf geht's.
Kerstin Obermeier: Was sich seit 2022 verändert hat
Christian: Kerstin, herzlich willkommen zum zweiten Mal in diesem Podcast. Unsere erste Folge haben wir 2022 aufgenommen. Diesmal reden wir weniger über Prokrastination und mehr über dich, deinen Werdegang und deine Studiengänge. Du hast mittlerweile deinen zweiten Master abgeschlossen. Stell dich bitte noch einmal kurz für diejenigen vor, die dich nicht kennen.
Kerstin: Vielen Dank, lieber Christian, dass ich wieder hier sein darf. Ich freue mich auch, dass die Zuhörerinnen und Zuhörer und die Zuschauerinnen und Zuschauer dabei sind. Ich bin Kerstin Obermeier, komme aus dem oberbayerischen Hinterland im schönen Chiemgau, bin 46 Jahre alt, verheiratet und Mutter eines Sohnes. Ein paar Tiere leben auch bei uns. Ich habe meinen zweiten Masterabschluss gemacht und arbeite freiberuflich als Dozentin und Coach.
Kerstins Arbeit als Dozentin und Coach
Christian: Du unterrichtest auch an der SRH Fernhochschule, an der du selbst studiert hast. Was machst du aktuell im Coaching?
Kerstin: Genau. Mein Spektrum ist ziemlich breit, aber durch das Studium verschiebt sich mein Fokus gerade zu Kindern und Jugendlichen. Früher habe ich überwiegend mit Männern gearbeitet. Jetzt arbeite ich zunehmend direkt mit Kindern und Jugendlichen und natürlich auch mit ihren Erziehungsberechtigten.
Christian: Damals hast du unter anderem Prokrastinationscoaching angeboten. So sind wir in Kontakt gekommen. Was ist seit unserer Folge 2022 noch passiert?
Kerstin: Der Schuleintritt meines Sohnes hat viel in Bewegung gebracht. Er ist sieben und kommt nach den Sommerferien in die dritte Klasse. Als die Schule vor zwei Jahren anfing, veränderten sich unser Alltag und das soziale Umfeld. Mein Blick auf Kinder, Erziehung und die Belastungen von Familien wurde weiter. Viele Eltern fragen sich: Wann mache ich es richtig, wann nicht? Das hat mich sehr beschäftigt.
Ich möchte Dinge genau verstehen. Einmal saß ich bei meinem Hausarzt und sprach mit ihm über digitale Medien bei Kindern. Wir kennen uns seit der Schulzeit. Er sagte: „Kerstin, steig da nicht zu tief ein, das macht dich völlig verrückt.“ Bei mir ist es genau umgekehrt. Ich wollte wissen, warum die Dinge so sind. Deshalb habe ich mich für einen weiteren Master entschieden.
Christian: Digitale Medien sind auch für mich ein relevantes Thema. Ich lebe mit drei Kindern in einer Familie und weiß an vielen Stellen nicht genau, wie ich damit umgehen soll. Meine Tochter ist zwei. Ich möchte das Fernsehen und andere Bildschirmmedien für sie noch möglichst lange hinausschieben. Auf die Mediennutzung kommen wir bei deiner Masterarbeit zurück.
Warum noch ein Master an der SRH?
Christian: Du hast Familie, einen Sohn und deine Arbeit. Warum wolltest du den neuen Abschluss gerade wieder an der SRH Fernhochschule machen?
Kerstin: Ganz klassisch: Never change a winning team. Ich bin seit fast zwölf Jahren mit der SRH verbunden; im November 2014 habe ich dort mit dem Bachelor begonnen. Ich war immer sehr zufrieden und unterrichte inzwischen seit vielen Jahren freiberuflich dort. Ich kenne die Menschen, Abläufe, Prüfungsformen und die Lernumgebung. Ich musste mich nicht an einer neuen Hochschule einarbeiten. Mit meinem konkreten Ziel wusste ich, dass mir die SRH das passende Angebot bietet. Deshalb habe ich auch nicht nach anderen Hochschulen gesucht.
Fernstudium mit Kind: Lernalltag und Deep Work
Christian: Die Vertiefung Kinder- und Jugendpsychologie ergab sich aus deinem Interesse am Thema. Die Entscheidung für die Hochschule stand also fest. Wie hast du geplant, das Studium mit deinem veränderten Familienleben zu vereinbaren?
Kerstin: Natürlich habe ich mit meinem Mann darüber gesprochen. Die meisten anderen in meinem Umfeld haben erst einmal die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen: „Jetzt fängt sie schon wieder an.“ Davon habe ich mich nicht abbringen lassen. Mein Mann unterstützt mich sehr. Er sagte von Anfang an: Wenn du ein Wochenende zum Arbeiten brauchst, unternehme ich etwas mit unserem Sohn oder fahre mit ihm weg. Dieses verlässliche Backup war entscheidend. Es geht sicher auch ohne, aber mein Weg wäre dann deutlich steiniger gewesen.
Christian: Wie sah dein Lernalltag konkret aus? Aus den vorherigen Studiengängen kanntest du das wissenschaftliche Arbeiten schon. Trotzdem musstest du Leistungen erbringen und die Masterarbeit schreiben. Hast du morgens, abends oder vor allem am Wochenende gelernt?
Kerstin: Zur Einordnung: Ich habe für den zweiten Master die verkürzte Variante mit 60 Credit Points gewählt. Leistungen aus dem ersten Master wurden anerkannt. Ich musste vier Modularbeiten und die Masterarbeit schreiben. Für mich funktioniert es nicht, mal eben eine halbe Stunde etwas zu erledigen. Ich brauche lange, um in ein Thema hineinzufinden. Wenn ich nur 30 Minuten habe, setze ich mich gar nicht erst an den Schreibtisch.
Meistens habe ich morgens meine Arbeit erledigt. Mittags kam mein Sohn aus der Schule; dann standen Essen und Hausaufgaben an. Inzwischen ist er alt genug, sich auch mit Freunden zu treffen. Manchmal habe ich danach am Schreibtisch gearbeitet, während mein Mann nach Hause kam. Das passierte aber vielleicht an ein oder zwei Tagen in der Woche. Mein Schwerpunkt lag auf den Wochenenden. Dann ging ich morgens im Pyjama in mein Arbeitszimmer und kam am Sonntagabend wieder heraus. Ich brauche längere, konzentrierte Phasen, um wirklich im Thema zu sein.
Christian: Bei mir ist es eher umgekehrt. Bei einer Hausarbeit hatte ich selbst ein Prokrastinationsproblem und merkte, dass mir kurze Einheiten von 25 Minuten helfen. Manchmal blieb es dabei, manchmal wurden daraus 30 oder 45 Minuten und ich kam tiefer hinein. Du bist eher der Deep-Work-Typ. In meiner Familiensituation mit einer Zweijährigen, die viel Aufmerksamkeit braucht, müsste ich für so lange Arbeitsblöcke einen ruhigen Ort suchen. Ich nutze dafür manchmal den Arbeitsplatz. Am Ende muss jeder sein eigenes System finden. Eine Patentlösung gibt es nicht.
Zweifel, Prokrastination und bewusste Pausen
Christian: Gab es auch Phasen, in denen du Aufgaben aufgeschoben hast?
Kerstin: Nein, natürlich nicht, ich bin völlig frei davon! Im Ernst: Es gab Momente, in denen ich weinend dastand und mich fragte, wozu ich überhaupt noch einen zweiten Master brauche. Natürlich habe ich auch aufgeschoben. Ich hatte einen Plan, der am Ende aufging, allerdings mit Mut zur Lücke, weil meine selbst gesetzte Zeit knapp wurde. Wenn ich bei einem schwierigen Thema nicht weiterkam und das Ergebnis anders ausfiel als gedacht, schob ich die Arbeit manchmal weg.
Ich musste mir aber auch bewusst Auszeiten nehmen. Das Thema meiner Masterarbeit war emotional belastend. Dann brauchte ich eine echte Pause, um den Kopf frei zu bekommen. Das war für mich keine klassische Prokrastination.
Die Masterarbeit über digitale Medien in Familien
Christian: Lass uns über die Masterarbeit sprechen. Medienkonsum von Kindern war ein wichtiges Thema darin. Wie hast du das Thema gefunden und wie bist du vorgegangen?
Kerstin: Wie schon beim ersten Master war die Themenfindung nicht leicht. Zunächst dachte ich: Keep it short and simple. Der Abschluss war mir persönlich wichtig. Dann hatte ich eine wunderbare Betreuerin, die mich gefordert hat. Meine ersten Exposé-Entwürfe bekam ich zurück, immer wertschätzend, aber mit der Botschaft: So noch nicht. Schließlich fragte sie mich in einem Gespräch: „Kerstin, was willst du eigentlich? Was soll der persönliche Mehrwert sein?“ Da wurde mir klar, dass ich nicht irgendeine Arbeit abliefern, sondern wirklich Erkenntnisse gewinnen wollte.
In meiner ersten Masterarbeit hatte ich qualitativ geforscht und mir danach gesagt: Nie wieder, das ist unfassbar viel Arbeit. Gemeinsam mit meiner Betreuerin kam ich aber zu dem Schluss, dass es hier der sinnvollste Weg war. Das Forschungsfeld war für meine Fragestellung noch so neu, dass mir keine passenden validierten Fragebögen zur Verfügung standen. Also habe ich wieder Interviews geplant.
Die nächste Frage war, wen ich interviewe. Interviews mit Kindern wären ethisch und datenschutzrechtlich schwierig gewesen. Deshalb entschied ich mich für Eltern von Grundschulkindern. Das schließt Verzerrungen natürlich nicht aus. Mein Sohn ist in diesem Alter. In den Familien um uns herum geht es ständig um Fragen wie: Wann bekomme ich ein Handy? Wie lange darf ich spielen? Was darf ich im Fernsehen anschauen? Das Thema ist für mich emotional, aber auch außerordentlich wichtig. Wenn man sich mit der Forschungsfrage wirklich identifiziert, trägt einen diese innere Motivation. Die Entwicklung des Exposés dauerte mehrere Wochen. Als es stand, war ich sehr glücklich. Ich bin stolz auf das Ergebnis, auch wenn mich der Weg emotional viel gekostet hat.
Christian: Wie hast du die Menschen für die Interviews gefunden?
Kerstin: Ich wollte bewusst nicht nur Personen aus meinem direkten Umfeld befragen, weil viele davon ähnliche Ansichten haben wie ich. In der lokalen Presse erschien ein Artikel; darüber meldeten sich zwei Elternteile. Außerdem suchte ich über LinkedIn und Instagram und bat meine Kontakte, den Aufruf weiterzugeben. Das funktionierte erstaunlich gut. Insgesamt führte ich elf Interviews. Drei Elternteile kamen aus meinem direkten Umfeld, die anderen acht waren mir entweder ganz unbekannt oder Kontakte, mit denen ich zuvor kaum Austausch hatte. Eine Verzerrung der Stichprobe ist trotzdem möglich.
Christian: Das ist an mir vorbeigegangen. Wir sind auf LinkedIn verbunden und ich habe deinen Weg zur Masterarbeit verfolgt. Vielleicht hätte ich mich sonst als Interviewpartner gemeldet, denn in meiner Familie ist das ebenfalls ein großes Thema.
Qualitative Forschung und Transkription mit KI
Christian: Bleiben wir noch kurz beim wissenschaftlichen Arbeiten. Du hast die Interviews geführt. Was passiert danach? Wie funktioniert qualitative Forschung für diejenigen, die damit noch nicht vertraut sind?
Kerstin: Danach kommt erst einmal die Transkription. Diesen Aufwand unterschätze ich jedes Mal. Bei meiner ersten Masterarbeit habe ich die Aufnahmen an Menschen gegeben, die sie gegen Bezahlung verschriftlicht haben. KI war damals noch kein so großes Thema. Diesmal habe ich eine KI-gestützte Software genutzt, die ein Schweizer Professor entwickelt hat und die vollständig lokal auf meinem Rechner läuft. So muss ich die Dateien nicht in eine Cloud laden. Bei Interviews ist der Datenschutz ja ein wichtiges Thema.
Die Software spart Arbeit, aber sie versteht Dialekt nicht immer gut. Ich habe im oberbayerischen Hinterland auch Menschen mit regionaler Färbung interviewt. Die Nacharbeit war entsprechend hoch: Für manche Transkripte saß ich noch etwa drei Stunden da, um sie zu korrigieren. Das ist trotzdem etwas anderes, als jedes Interview vollständig Wort für Wort abzutippen. Die Transkription bleibt für mich der lästigste Teil einer Interviewstudie.
Christian: Wir nutzen KI auch für unsere Videos und Podcasts. Die Untertitel von YouTube enthalten oft Fehler, gerade bei Namen von Hochschulen und Marken. Wenn man einem Tool Kontext zur Firma und zum Podcast gibt, lässt sich daraus ein sehr gutes Transkript machen. Bei wissenschaftlichen Interviews muss man aber den Datenschutz mitdenken. Eine lokale Lösung kann andere Ergebnisse liefern als manche Cloud-Dienste.
Kerstin: Die intensive Korrektur hat auch einen Vorteil. Ich bin jedes Interview noch einmal Wort für Wort durchgegangen und habe dabei schon vor der eigentlichen Auswertung bemerkt, welche Themen auftauchen. Für die wissenschaftliche Arbeit ist dieser Schritt durchaus sinnvoll.
Christian: Nun liegen die Transkripte vor. Was machst du damit? Ich möchte auch ein bisschen für qualitative Forschung werben. Wir hatten dazu schon eine Podcast-Folge mit viel Begeisterung für diese Arbeitsweise.
Kerstin: An der SRH arbeiten wir häufig mit MAXQDA, einer Software zur qualitativen Datenanalyse. Dort importiere ich die Transkripte, lege ein Codesystem an und ordne einzelne Textstellen Kategorien zu. Ich hatte ein wissenschaftliches Modell als Grundlage, das mir die Hauptkategorien vorgab. Ich musste also nicht bei null anfangen, sondern vor allem Unterkategorien entwickeln. Das ergab sich anhand des Modells und der Interviews relativ klar. Dabei spielte auch eine Rolle, dass sich manche Gespräche ähnelten; auf die mögliche Stichprobenverzerrung komme ich noch zurück. Danach bin ich jedes Transkript durchgegangen, habe es codiert und konnte die Aussagen systematisch auswerten.
Wie digitale Medien Kinder beeinflussen
Christian: Was waren die wichtigsten Ergebnisse? Bevor wir dazu kommen: Du hast gesagt, dass du zu digitalen Medien eine klare eigene Meinung hast und deshalb auch Menschen außerhalb deines Umfelds befragen wolltest. Wie sieht diese Meinung aus?
Kerstin: Ich bin bei digitalen Medien für Kinder und Jugendliche tatsächlich eine Hardlinerin. Wenn es nach mir ginge, würde ich bestimmte Formen der Nutzung sehr lange hinauszögern, vielleicht bis etwa 16. Man muss aber genau unterscheiden, worüber man redet. YouTube Shorts, Roblox, Fortnite oder Instagram sind etwas anderes als eine zielgerichtete Nutzung, etwa wenn Kinder programmieren oder den Umgang mit KI lernen. Mir geht es vor allem um die passive Nutzung als Babysitter: Ein Kind weiß nicht, was es tun soll, und bekommt ein Tablet in die Hand. Ich finde, Kinder sollten stattdessen draußen sein, sich bewegen und mit anderen Menschen in Kontakt kommen. Aus meiner Sicht können sie solche digitalen Angebote entwicklungsbedingt noch nicht allein ausreichend steuern.
Damit bin ich bei einem Kernbefund der Arbeit. Oft heißt es: Die Eltern müssen das eben in den Griff bekommen; sie wollen die Verantwortung auf Schule oder Politik abschieben. Das greift für mich zu kurz. Die Last liegt bereits auf den Schultern der Eltern. Zugleich wirken mehrere soziale Ebenen auf die Familie ein: das unmittelbare Umfeld, andere Familien, Schule, gesellschaftliche Entscheidungen und die Plattformen selbst. Eltern können nicht alles davon kontrollieren.
Ein Beispiel: Als mein Sohn in die erste Klasse kam, bekam er gleich Zugänge zu vier Lern-Apps. Ich schrieb der Lehrerin höflich, dass wir zu Hause lieber Stift, Papier und Bücher nutzen und diese Apps nicht einsetzen möchten. Sie akzeptierte das und erklärte, es sei ein freiwilliges Angebot, das anderen Familien helfe. Trotzdem entsteht Druck: Die Apps haben Belohnungssysteme, Kinder vergleichen ihre Punkte, andere haben schon ein Handy oder dürfen bestimmte Spiele nutzen. Dann fragt das eigene Kind: Warum ich nicht?
Dazu kommen die Algorithmen der großen Plattformen. Sie sind darauf ausgelegt, Menschen möglichst lange dort zu halten. Als Mutter kann ich diesen Algorithmus nicht verändern. Auf gesellschaftlicher Ebene wird die Verantwortung oft hin- und hergeschoben. Am Ende landet sie trotzdem bei den Erziehungsberechtigten. Meine Ergebnisse zeigen, wie schwer es ist, diese Last allein zu tragen. Natürlich haben Eltern einen Erziehungsauftrag. Man muss aber ebenso fragen, was sie tatsächlich steuern können und wie stark Einflüsse von außen ihren Handlungsspielraum einschränken.
Christian: Mir fallen die digitalen Tafeln in Schulen ein. Bei uns laufen darüber manchmal in der Pause Filme oder YouTube-Videos als Belohnung. Dann schaffen die Kinder es kaum, ihr Pausenbrot zu essen. Ich finde schon den Begriff „digitale Tafel“ etwas schwierig; es ist eben auch ein großer Bildschirm im Klassenraum. Gleichzeitig stecke ich selbst im Zwiespalt. Ich arbeite viel digital, Social Media gehört zum Beruf, und deshalb habe ich auch zu Hause oft das Handy in der Hand. Das wirkt auf die Kinder.
Hinzu kommen Streamingangebote, Spiele und Apps, für die sich Grundschulkinder anmelden sollen, obwohl sie vielleicht noch kein eigenes Handy haben. Bildschirmzeit zu begrenzen löst das Problem für mich nicht automatisch. Auf einer Familienfeier kamen mehrere Kinder zu ihren Eltern und baten darum, auf ihren Geräten wieder mehr Zeit freizuschalten. Das kenne ich aus dem Alltag. Was können Eltern sofort tun, wenn sie merken, dass es bei ihnen ein Problem gibt?
Kerstin: Begleitet eure Kinder, seid da und hört zu. Ein pauschales Zeitlimit überzeugt mich nicht. Ein Kind kann in 20 unbeaufsichtigten Minuten mehr Problematisches sehen als ein anderes in zwei Stunden, in denen jemand dabei ist. Entscheidend ist, welche Inhalte es sieht und wie es sie verarbeitet. Natürlich braucht ein Kind, das acht Stunden am Tag vor einem Bildschirm sitzt, eine Grenze. Aber die reine Zahl der Minuten reicht als Maßstab nicht aus.
Wenn eure Kinder Roblox oder Fortnite spielen, setzt euch dazu. Schaut euch an, was in den Spielen passiert und welche Situationen auftreten können. Bei YouTube Shorts folgt ein Clip auf den nächsten. Selbst wenn ich den ersten noch mitsehe, weiß ich nicht unbedingt, was fünf Clips später läuft. Fragt eure Kinder, was sie dort erleben und was sie belastet. Verliert die Verbindung zu ihnen nicht.
Ich war kürzlich in den vierten Klassen der Grundschule meines Sohnes. Wir vereinbarten mit den Kindern und den zwei anwesenden Lehrerinnen, dass das Gesagte im Raum bleibt. Als ich Kinder fragte, ob sie mit ihrer Mutter über ihre Erlebnisse sprechen, hörte ich mehrfach: „Mit der kann man nicht reden, die flippt sofort aus.“ Ich weiß selbst, wie schwierig es ist, als Mutter ruhig zu bleiben. Aber genau das ist wichtig. Ich kann sagen: Du darfst spielen, und ich setze mich dazu. Zeig mir das Spiel. Was geht dabei in dir vor? Begleitet eure Kinder so, wie ihr selbst begleitet werden möchtet.
Christian: Das ist ein bewegendes Thema. Ich würde gern auch in den Kommentaren lesen, wie andere Familien damit umgehen. Mein Tipp an mich selbst ist, ein besseres Vorbild zu sein und nicht ständig zum Handy zu greifen.
Die 1,0 und der Kampf mit Perfektionismus
Christian: Wie wurde deine Masterarbeit bewertet?
Kerstin: Mit 1,0. Zeitweise habe ich damit nicht mehr gerechnet. Eine Kollegin an der SRH kennt meine Betreuerin. Als ich ihr sagte, bei wem ich schreibe, meinte sie sinngemäß: „Die hat hohe Ansprüche. Von der 1,0 kannst du dich verabschieden.“ Das hat mich erst einmal getroffen, denn ich möchte immer das Bestmögliche erreichen und stecke viel Herzblut in meine Arbeit. Ich habe trotzdem weitergemacht.
Gegen Ende war die Arbeit inhaltlich fertig. Aber die letzten Feinheiten nach dem Pareto-Prinzip haben mich fast verrückt gemacht: Stimmt jedes Komma, ist jede Quelle richtig zitiert? Ich fragte meinen Mann irgendwann: „Liebst du mich noch, wenn ich mit 4,0 bestehe?“ Er lachte und sagte, ich solle die Arbeit endlich abschicken. Schließlich habe ich einen Teil nicht noch ein weiteres Mal Korrektur gelesen. Ich konnte und wollte nicht mehr. Dann wurde es trotzdem eine 1,0.
Das war für mich ein Lernprozess. Perfektionismus kann in Prokrastination umschlagen; manchmal steckt Versagensangst dahinter. Ich musste den Mut finden, mit einer Arbeit zufrieden zu sein, die mir in dem Moment nur „okay“ vorkam. Drei weitere Wochen hätten sie wahrscheinlich nicht besser gemacht. Ich bin froh, dass ich losgelassen habe.
Christian: Das kenne ich aus meiner Zeit als Wissenschaftslektor. Man sucht den kleinsten Fehler. Selbst im Verlag muss man irgendwann ein Buch freigeben, obwohl später noch eine zweite Auflage möglich ist. Bei einer Masterarbeit gibt es die nicht. Trotzdem muss man irgendwann loslassen. Über Perfektionismus hatten wir ja schon in unserer ersten Folge gesprochen.
Wie sich die SRH Fernhochschule seit 2014 verändert hat
Christian: Lass uns auf die SRH Fernhochschule schauen. Du kennst sie seit 2014 und hast dort bis heute drei Studiengänge absolviert. Dazwischen kamen technische Entwicklungen und die Coronapandemie. Was hat sich aus deiner Sicht verändert?
Kerstin: Als ich 2014 anfing, arbeitete ich Vollzeit und hatte noch kein Kind. Ich genoss die vielen Präsenzveranstaltungen an verschiedenen Orten in Deutschland. Zwei-, drei- oder viermal im Jahr fuhr oder flog ich von München nach Berlin, Hannover oder Köln. Dort lernte ich Mitstudierende persönlich kennen. Einige Freundschaften bestehen bis heute. Auch die Prüfungen waren gemischt: Klausuren, Einsendeaufgaben, klassische Hausarbeiten und Fallarbeiten. Das fand ich überschaubar. 2017 konnte ich meinen Bachelorabschluss in Stuttgart bei einer Feier in Präsenz entgegennehmen. Mit Professorinnen und Professoren und Mitstudierenden zusammen zu sein, war ein wertvolles Erlebnis.
Mit Corona verlagerte sich sehr viel stärker ins Netz. Onlineangebote gab es vorher schon, aber danach änderte sich der Schwerpunkt. Meiner Beobachtung nach nehmen Studierende Präsenztermine heute seltener wahr, besonders wenn sie weit anreisen müssten. Ich konnte mir das damals zeitlich und finanziell leisten und hatte keine familiären Verpflichtungen. Diese Möglichkeit hat nicht jeder. Heute gibt es an der SRH nur noch wenige Präsenztage. Das finde ich schade, zugleich erreichen Onlineveranstaltungen viel mehr Menschen.
Eine positive Veränderung ist, dass Veranstaltungen inzwischen für Studierende verschiedener Studiengänge offen sind. Früher konnte man nur Angebote des eigenen Studiengangs besuchen. Wenn ich heute im Coaching unterrichte, sitzen neben Coachingstudierenden auch Menschen aus der Psychologie, Sozialen Arbeit oder dem Management im Kurs. Dieser Austausch bereichert die Gespräche.
Was ich vermisse, ist eine Abschlussfeier vor Ort. Stattdessen gibt es „Graduation at Home“: Alle sitzen zu Hause vor ihren Rechnern. Ich habe das 2022 erlebt. Die SRH hat sich Mühe gegeben und uns sogar ein Paket mit Popcorn und Konfetti geschickt. Schön war das durchaus. Das Gefühl einer gemeinsamen Feier in Präsenz ersetzt es für mich aber nicht. Ich verstehe die organisatorischen und finanziellen Gründe, finde es persönlich dennoch schade.
Christian: Bei Präsenzveranstaltungen denke ich vorher manchmal an die Anreise, das Hotel und die Kosten. Wenn ich zurückkomme, bin ich aber froh über die Begegnungen und die unterschiedlichen Lebensrealitäten, die ich kennengelernt habe. Gleichzeitig stehen private Hochschulen unter finanziellem Druck. Im Fernstudium gibt es zwar weiterhin Nachfrage nach flexiblen Angeboten, aber auch hier wird auf Kosten geachtet. Vielleicht werden solche Feiern auch gar nicht von genug Absolventinnen und Absolventen wahrgenommen.
Kerstin: Genau. Wer Menschen aus ganz Deutschland zusammenbringen will, braucht einen Ort, den alle erreichen können. Für mich wäre die Anreise mit Familie heute ebenfalls schwieriger als früher. Ich kann die Entscheidung verstehen und trauere der Feier trotzdem ein bisschen nach.
Neue Prüfungsformen im KI-Zeitalter
Christian: Hat sich auch das Prüfungssystem seit 2014 verändert? Die SRH bietet ja neben Klausuren andere Formen der Leistungsprüfung an.
Kerstin: Ja, massiv. KI hat diese Entwicklung noch beschleunigt. Ich habe die SRH bei Prüfungsformen immer als offen für neue Ansätze erlebt. Im Coaching müssen Studierende zum Beispiel reale Coachingsitzungen aufzeichnen. Ich sehe die praktische Arbeit, danach präsentieren die Studierenden den Fall und wir sprechen darüber. Gerade im Coaching ist diese praktische Übung entscheidend. Eine von KI geschriebene Hausarbeit könnte das nicht ersetzen.
In anderen Modulen gibt es ebenfalls Aufgaben wie einen kurzen, aufgezeichneten Pitch und eine anschließende Präsentation. Da wird die eigene Leistung sichtbarer. Bei schriftlichen Arbeiten ist oft schwieriger zu erkennen, wo die Eigenleistung endet und KI beginnt. Natürlich kann inzwischen auch bei Videos KI eingesetzt werden. Aber wer selbst vor der Kamera präsentiert und Rückfragen beantwortet, muss andere Leistungen erbringen. In den letzten Jahren hat sich da viel getan.
ChatGPT: Assistenz statt Autorität
Christian: Gerade Hausarbeiten sind für Hochschulen und Studierende ein schwieriges Thema geworden. Ich habe selbst versucht, eine Hausarbeit nur mit KI zu schreiben. Für ein gutes Ergebnis musste ich trotzdem viel Arbeit investieren. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, weniger gelernt zu haben, als wenn ich sie selbst formuliert hätte. Ich bin gespannt, ob Hochschulen schriftliche Arbeiten künftig öfter durch mündliche Prüfungen ergänzen.
Kerstin: Bis vor Kurzem hatte ich mit KI wenig zu tun. Dann merkte ich: Wenn ich mich nicht damit beschäftige, fährt der Zug ohne mich ab. Während des Studiums ließ ich eine fertige Einsendeaufgabe von einer KI prüfen. Ich übernahm die Verbesserungsvorschläge, ließ den Text erneut prüfen, bekam wieder Vorschläge und wiederholte das Ganze fünf- oder sechsmal. Irgendwann war ich richtig grantig, weil die Arbeit eher schlechter wurde. Ich fuhr den Rechner herunter und schlief erst einmal darüber.
Am nächsten Tag schilderte ich ChatGPT das Problem: Warum wird es mit jeder Überarbeitung schlechter? Die Antwort war für mich sehr hilfreich. ChatGPT fragte sinngemäß: „Verwendest du mich als Autoritätssystem oder als Assistenzsystem?“ Da hat es bei mir Klick gemacht. Ich hatte mir eigentlich eine Instanz gewünscht, die sagt: „Super, das kannst du so abschicken.“ Für dieses endgültige Urteil ist die KI aber nicht da. Seitdem nutze ich sie gezielter als Assistenz.
Christian: Das führt zurück zu Kindern und Jugendlichen. Manche nennen ChatGPT schon liebevoll „Chatty“. Auch sie müssen lernen, das Tool sinnvoll zu nutzen und sich nicht in Gesprächen mit einem vermeintlichen Freund zu verlieren. Eine Assistenz ist etwas anderes als eine persönliche Autorität.
Berufliche Möglichkeiten und Grenzen des Masters
Christian: War es dir bei der Wahl des Masters in Angewandter Psychologie wichtig, dich später beruflich Psychologin nennen oder in einem bestimmten Berufsfeld arbeiten zu können?
Kerstin: Damals war das für mich kein Thema. Heute bereue ich ein wenig, dass ich mich zu wenig damit auseinandergesetzt habe. Ich habe das Studium aus persönlichem Interesse begonnen: Ich wollte die Forschung verstehen und mehr über Diagnosen und den Umgang mit Kindern erfahren. Deshalb wählte ich die verkürzte Variante mit 60 ECTS. Mir ging es vor allem um die Forschungsfrage.
Inzwischen sehe ich, dass ich mit diesem Abschluss beruflich nicht überall hinkomme, wo ich gern hinmöchte. Für bestimmte Tätigkeiten mit Kindern und Jugendlichen gelten hier im Regierungsbezirk Oberbayern Anforderungen an die Ausbildung, die mein Abschluss nicht erfüllt. Das wusste ich bei der Studienwahl nicht. Manchmal denke ich: Hätte ich einen längeren Studienweg gewählt, hätte mir das womöglich weitere Möglichkeiten eröffnet. Das ist meine Erfahrung vor Ort; ich möchte daraus keine pauschale Aussage für andere Regionen oder Tätigkeiten machen.
Ich kann weiter freiberuflich beraten. Ich darf mich aber nicht Psychologin oder Kinder- und Jugendpsychologin nennen, und ich bin schon gar keine Therapeutin. Manchmal rufen Menschen an und suchen einen Therapieplatz. Dann muss ich erklären: Ich habe Angewandte Psychologie studiert, kann beraten, aber keine Diagnostik oder Therapie anbieten. Wer einen solchen Studiengang wählt, sollte die beruflichen Anforderungen seines gewünschten Tätigkeitsfeldes vorher genau prüfen.
Promotion und Kerstins weitere Pläne
Christian: Weißt du schon, wie es weitergeht? Wäre eine Promotion für dich eine Möglichkeit?
Kerstin: Da triffst du einen wunden Punkt. Hätte ich unendlich viel Zeit und Geld, würde ich sehr gern promovieren. Mir geht es dabei nicht um den Titel, sondern um die Forschungsarbeit. Die örtlichen Möglichkeiten passen im Moment aber nicht zu meinem Leben. München als nächster Universitätsstandort ist für mich zu weit weg. Unter anderen Bedingungen wäre das ein großer Traum.
Aktuell bin ich mit einem Arbeitgeber im Gespräch über einen Einstieg in die kindliche Frühförderung. Nach einer Klärung mit dem Bezirk scheint meine Ausbildung dafür auszureichen. Ich befinde mich aber noch im Bewerbungsprozess. Daneben bleibt meine freiberufliche Beratung bestehen. Wir werden sehen, wohin sich das entwickelt. Und falls jemand eine Möglichkeit zur Forschung sieht, bei der wir die Entfernung überbrücken können: Ich bin offen dafür.
Christian: Vielleicht gibt es auch über die FernUni Hagen eine Möglichkeit. Eine Promotion ist jedenfalls aufwendig; als Lektor habe ich erlebt, wie viel Kraft das kosten kann.
Tipps gegen Prokrastination
Christian: Zum Schluss noch einmal zu unserem Thema von 2022: Was rätst du Menschen, die bei einer Abschlussarbeit oder einer anderen Prüfungsleistung gerade nicht vorankommen?
Kerstin: Akzeptiert eure Situation und behandelt euch selbst mit Wertschätzung. Bei meiner Abschlussarbeit hatte ich eine Phase, in der ich nicht weiterkam. Ich fuhr für eine Woche in den Urlaub, schaltete das Handy aus und beschäftigte mich nicht mit dem Studium. Ich brauchte Abstand von den negativen Eindrücken und musste wieder bei mir selbst ankommen.
Druck erzeugt manchmal Gegendruck. Manche Menschen kommen dadurch zwar ins Tun, aber wenn der Druck zu stark wird, kann er krank machen. Dann hilft es eher, zwei oder drei Tage bewusst Abstand zu nehmen und anschließend zu fragen: Was will ich eigentlich? Wichtig sind kleine Ziele. Der Abschluss in ein oder zwei Jahren ist weit weg; heute kann ich vielleicht eine Quelle suchen, morgen eine zweite. Solche Schritte bringen Erfolgserlebnisse.
Du hast beschrieben, dass dir kurze, fokussierte Einheiten von etwa 25 Minuten helfen. Für mich funktioniert das nicht, für dich schon. Es gibt verschiedene Techniken. Fangt klein an und akzeptiert auch, wenn es gerade nicht geht. Familie, Arbeit und andere Umstände brauchen manchmal zuerst Raum. Vielleicht ist das Studium in zwei oder drei Tagen wieder dran.
Fazit und Kontakt
Christian: Das Gespräch war für mich auf mehreren Ebenen anregend. Du hast gezeigt, wie ein weiteres Studium neben Familie und Arbeit möglich sein kann, wenn einen das Thema wirklich interessiert und das Umfeld mitträgt. Ich nehme auch viel zum Thema Medienerziehung mit: Ich möchte bei mir selbst anfangen und meine Kinder stärker begleiten. Und wir haben über Perfektionismus und Prokrastination gesprochen. Vielen Dank, Kerstin. Wie können Menschen mit dir Kontakt aufnehmen, vielleicht auch wegen eines Job- oder Promotionsangebots?
Kerstin: Vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich über den Austausch, auch wenn jemand eine andere Meinung hat. Auf LinkedIn und Instagram findet ihr mich unter meinem Namen, Kerstin Obermeier. Wenn es um eine E-Mail-Adresse oder Telefonnummer geht, könnt ihr euch auch über Christian und fernstudi.net an mich wenden.
Christian: Danke schön und bis zum nächsten Mal. Tschüss!
Kerstin: Bis bald. Ciao!

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