Fernabitur & Schule

Mein Externenabitur: Wie ich das Abi auf dem zweiten Bildungsweg fast nicht geschafft habe

Abitur auf dem zweiten Bildungsweg – ist das zu schaffen? Ja. Der lebende Beweis bin ich, Christian. Mein Abi habe ich über einige Umwege erreicht: 2x Gymnasium abgebrochen, Realschule, Abendschule versucht – und dann als Externenprüfung komplett auf eigene Faust nachgeholt. Ohne Fernschule, ohne Lehrer, nur mit Büchern. Mit einem Schnitt von 3,6 – und hätte es mit 3,7 nicht geschafft.

  • Ich habe mein Abitur 2x abgebrochen und dann als Externenprüfung nachgeholt.
  • Komplett ohne Fernschule – nur Lehrbücher, Übungshefte und Eigenmotivation.
  • Gesamtschnitt 3,6 – mit 3,7 wäre ich durchgefallen. 1 Punkt in Physik hat mich fast das Abi gekostet.

Vom Gymnasium auf die Realschule – und zurück

Seit der 5. Klasse war ich auf dem Gymnasium – und sicher kein schlechter Schüler. Aber pubertäre Flausen und zu viele Freiheiten führten dazu, dass ich in der 9. Klasse abging, auf eine Realschule.

Für einen „Gymmi“ war die Realschule eine besondere Erfahrung: Plötzlich war ich einer der Besten. Das motivierte mich, das Lernen machte Spaß, und ich schaffte einen Abschluss mit 1,7. So gut, dass ich beschloss, wieder aufs Gymnasium zu wechseln und doch noch das Abitur zu machen.

Zurück in der Oberstufe lief es erst gut. Bis zur Mitte der 11. Klasse. Dann kamen Zweifel – will ich das wirklich? Abitur, Studium, Wissenschaft? – und ich brach das Abi ab. Zum zweiten Mal. Von einem Tag auf den anderen.

Die Reue und der dritte Weg

Dass es ein Fehler war, merkte ich nach etwa zwei Wochen. Ich versuchte, an einer anderen Schule unterzukommen – aber keine wollte mich mehr. Ich sah meine ehemaligen Klassenkameraden weitermachen, auf das Studium zusteuern, und ich stand daneben.

Dann brachte mich jemand auf die Idee der Externenprüfung: Man kann das Abitur ablegen, ohne an einer Schule eingeschrieben zu sein. Ein paar Tage versuchte ich es an einer Abendschule, aber die war in der Nachbarstadt und jeden Abend hinfahren war nicht das Wahre.

Also entschied ich mich für den radikalsten Weg: Externenabi komplett auf eigene Faust. Keine Schule, keine Lehrer, keine Fernschule. Nur ich und die Lehrbücher.

Alleine lernen – zwei Jahre lang

Ich kaufte mir Lehrbücher – in Massen. Besonders für Mathe, Übungsbücher in rauen Mengen. Mathe hatte ich in der Oberstufe hassen gelernt. Aber als ich alleine übte, Tag für Tag, fand ich sogar Gefallen daran. Jedes Mal ein gutes Gefühl, wenn eine Aufgabe stimmte.

Für Russisch (meine zweite Fremdsprache) paukte ich monatelang: Vokabelprogramme, Lehrbücher, Filme. Fremdsprachen lagen mir zum Glück – andere hätten damit wahrscheinlich mehr Probleme gehabt.

Meine Methode: Ich arbeitete die wichtigsten Lehrbücher durch und exzerpierte den Stoff für jedes Fach auf 10 bis 20 Seiten in Stichpunktform. Gelernt habe ich dann erst kurz vor den Prüfungen – aus diesen Zusammenfassungen.

Meine selbstgebastelten Lernübersichten: Der komplette Stoff eines Fachs auf 10–20 Seiten verdichtet.

Die Prüfungen – und warum Physik mich fast das Abi gekostet hätte

Meine 8 Prüfungsfächer: Deutsch (LK, schriftlich), Geschichte (LK, schriftlich), Mathe (GK, schriftlich), Russisch (GK, schriftlich), Englisch (mündlich), Physik (mündlich), Ethik (mündlich), Bio (mündlich).

Ich hatte die Prüfungen auf zwei Jahre verteilt – im ersten Jahr Mathe, Deutsch, Bio und Englisch, im zweiten Jahr den Rest.

Mathe: Dafür hatte ich am meisten geübt. Jeden Tag. Die 4, die ich schaffte, war für mich ein Triumph – ich war in der Schule mit einer 5 in Mathe abgegangen.

Deutsch und Englisch: Kein Problem. Dafür lernte ich kaum.

Physik: Hier wurde es brenzlig. Ich hatte – das muss man sich mal vorstellen – erst eine Woche vor der Prüfung angefangen zu lernen. Für den Stoff von drei Schuljahren. Die Prüfer gaben mir gnädig 1 Punkt. Für Kenntnisse, die ich tief aus dem Gedächtnis hervorkramte und die noch aus der Realschule stammten.

Ethik: Die allerletzte Prüfung – an meinem Geburtstag, mitten im Sommer. 13 Punkte. Die Prüfer gratulierten mir zur bestandenen Prüfung, zum Abitur und zum Geburtstag.

Gesamtdurchschnitt: 3,6. Mit 3,7 wäre ich durchgefallen.

Was hat sich seitdem verändert?

Mein Erfahrungsbericht stammt aus dem Jahr 2003 – seitdem hat sich einiges verändert. Wer heute das Externenabitur auf eigene Faust macht, hat Zugang zu Ressourcen, die es damals nicht gab:

  • YouTube: Daniel Jung, simpleclub und andere erklären den kompletten Abi-Stoff – kostenlos. Hätte ich das für Mathe gehabt, wäre es deutlich einfacher gewesen.
  • KI-Tutoring: ChatGPT und Claude können Aufgaben erklären, Lösungen prüfen und Übungsaufgaben generieren – wie ein geduldiger Nachhilfelehrer rund um die Uhr.
  • Fernschulen: Das Angebot ist heute breiter und die Online-Plattformen besser als damals. Mehr dazu: Fernabitur-Anbieter im Vergleich.

Mehr zum Thema: Externenabi auf eigene Faust: Kann ich das Abitur ohne Fernschule schaffen?

Warum ich es geschafft habe – und warum ich es trotzdem nicht empfehle

Das Externenabitur auf eigene Faust ist ein Marathon – und manchmal ein Glücksspiel.

Dass ich es geschafft habe, lag an fünf Dingen:

  • Ich hatte einen enormen Willen, das zu schaffen.
  • Ich hatte Vorkenntnisse – nicht nur durch die Realschule, sondern auch durch 1,5 Jahre Oberstufe.
  • Ich bin stark autodidaktisch veranlagt und lerne am liebsten allein.
  • Ich habe gelernt, wie man lernt – und mir eine auf mich zugeschnittene Methode entwickelt.
  • Ich hatte Glück. Der eine Punkt in Physik hätte mir das Genick brechen können.

Trotzdem empfehle ich niemandem, das Abitur so zu machen. Es ist zu riskant. Die Themen sind zu umfangreich, du musst den Stoff von 2 bis 3 Schuljahren allein beherrschen, und in einem Fach wie Mathe oder Physik kann das ohne Anleitung fast unmöglich sein.

Wer autodidaktisch lernen möchte, aber nicht auf Unterstützung verzichten will, ist mit einem Fernabitur besser bedient. Die Studienhefte vermitteln den Stoff systematisch, Tutoren helfen bei Problemen, und Probeklausuren zeigen dir, wo du stehst. Die Chance, es zu schaffen, ist um einiges höher – und es wird kein Glücksspiel.

Häufige Fragen

Ja. Das Externenabitur (Nichtschülerprüfung) steht jedem offen, der die Zulassungsvoraussetzungen erfüllt – unabhängig davon, wie man sich vorbereitet hat. Aber: Die Durchfallquote bei Autodidakten liegt bei 50 bis 70 Prozent. Bei Fernschul-Absolventen nur bei etwa 10 Prozent. Mehr dazu: Fernabitur Durchfallquote.

Mit sehr vielen Übungsbüchern – Tag für Tag Aufgaben rechnen. Das war meine Methode: üben, üben, üben. Heute würde ich YouTube-Kanäle wie Daniel Jung und KI-Tools wie ChatGPT als Ergänzung nutzen – die gab es damals noch nicht. Mehr Tipps: Mathe im Fernabitur: So schaffst du es.

Nein. Ich war jung, naiv und hatte Glück. Ein Punkt in Physik – das hätte genauso gut 0 Punkte sein können, und dann wäre ich durchgefallen. Heute würde ich ein Fernabitur machen: systematisch, mit Struktur und ohne Glücksspiel. Oder ein Abendgymnasium, wenn eines in der Nähe wäre.

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