Zeitmanagement im Fernstudium: Das sagen Studierende

Zeitmanagement gehört zu den größten Herausforderungen im Fernstudium – besonders dann, wenn Beruf, Familie und andere Verpflichtungen mit dem Studium in Einklang gebracht werden müssen. Wie Studierende mit diesen Anforderungen umgehen, welche Methoden sich im Alltag bewährt haben und welche Stolpersteine es zu meistern gilt, darüber hat Christian mit seinen Gästen in vielen Folgen von Fernstudi.fm gesprochen.

Zu Wort kommen hier sieben Studierende verschiedener Hochschulen, Studiengänge und Lebenssituationen: ob im dualen Studium, mit Kindern, in Vollzeittätigkeit oder in parallelen Studienprogrammen. Sie berichten, wie sie ihren Studienalltag strukturieren, was ihnen hilft, motiviert zu bleiben, und welche Zeitmanagement-Techniken für sie persönlich funktionieren.

Ob Kalender-Apps, feste Lernfenster oder spontane Lernphasen am Wochenende – die Einblicke sind so vielfältig wie die Menschen dahinter. Diese Folge fasst zusammen, wie Fernstudierende Zeitmanagement individuell angehen – und bietet dabei praxisnahe Anregungen für alle, die ihr Studium besser organisieren möchten.

Inhalt:

00:00 Intro
02:08 Alba Schlesinger (Bachelor Pädagogik und Wirtschaftspsychologie an der IU gleichzeitig)
08:45 Tamara Bronsema (Bachelor Mediendesign an der IU mit Kind und Selbstständigkeit)
13:47 Kim Nguyen (Dualer Bachelor Online Marketing an der IST)
17:00 Norman Rost (B.A. Medien- & Kommunikationsmanagement an der Hochschule Fresenius mit Arbeit an der Hochschule)
24:28 Sarah Aschenbrenner (Bachelor Angewandte Psychologie an der APOLLON mit 3 Kindern)
33:34 Katja (Bachelor Soziale Arbeit an der APOLLON und Kindheitspädagogik für Erzieher:innen an der IU gleichzeitig)
42:54 Robin Strobel (Master Technologie- & Innovationsmanagement an der AKAD University mit Vollzeitarbeit)

Die Podcasts im Überblick:

👉 Alba: https://www.fernstudi.net/podcast/28
👉 Tamara: https://www.fernstudi.net/podcast/3
👉 Kim: https://www.fernstudi.net/podcast/40
👉 Norman: https://www.fernstudi.net/podcast/5
👉 Sarah: https://www.fernstudi.net/podcast/41
👉 Katja: https://www.fernstudi.net/podcast/45
👉 Robin: https://www.fernstudi.net/podcast/19

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Zusammenfassung der Podcast-Folge 49 von fernstudi.fm: "Zeitmanagement im Fernstudium: Das sagen Studierende". In dieser Kompilationsfolge kommen sieben Fernstudierende zu Wort, die von ihren ganz persoenlichen Erfahrungen mit Zeitmanagement, Selbstorganisation und Motivation berichten. Host Christian hat Ausschnitte aus verschiedenen Gesprächen zusammengestellt.

Zielsetzung und Planung: Vom grossen Ziel zu konkreten Teilschritten

Tamara beschreibt ausführlich, wie sie die SMART-Methode auf ihr Fernstudium anwendet. Am Beispiel ihrer Bachelorarbeit erläutert sie, dass sie jedes grosse Ziel in kleine, konkrete Teilschritte zerlegt: Thema formulieren, Forschungsfragen erstellen, vorläufige Gliederung anfertigen, Literaturliste zusammenstellen, Expose schreiben und einreichen. Jeden einzelnen Schritt versieht sie mit einem festen Datum, um sich selbst Deadlines zu setzen. Besonders wichtig findet sie die Attraktivität des Ziels, also sich die positiven Konsequenzen vor Augen zu führen: Das ist natürlich auch noch mal unglaublich attraktiv und motiviert mich auch viel mehr, als wie wenn ich mir jetzt vorstellen würde, ach ja, ich muss ja dann ja in 8 Wochen muss ich die Bachelorarbeit schreiben.

Christian ergaenzt, dass er selbst seinen Kalender als zentrales Planungswerkzeug nutzt. Er schätzt zunächst den Zeitbedarf fuer eine Aufgabe ein, trägt sie dann fest in den Kalender ein und synchronisiert diesen mit dem Smartphone. Was fuer mich im Kalender steht, ist irgendwie so immer fest. Das habe ich irgendwie mit mir vereinbart. Verschiebungen seien zwar möglich, aber die Grundhaltung sei: Was im Kalender steht, wird gemacht.

Tamara betont dabei auch die Bedeutung realistischer Zeitplanung. Sie berichtet von einer Situation, in der sie sich vorgenommen hatte, eine Hausarbeit innerhalb einer Woche einzureichen, ohne zu reflektieren, ob das angesichts von Arbeit, Besuch und anderen Verpflichtungen überhaupt machbar war: In dem Fall habe ich das überhaupt nicht reflektiert, ob das realistisch ist und das ging dann natürlich auch ein bisschen in die Hose am Ende.

Prokrastination überwinden: Eat the Frog und die 15-Minuten-Regel

Tamara beschreibt, wie sie mit der Methode "Eat the Frog" gegen Prokrastination vorgeht. Wenn eine unliebsame Aufgabe auf ihrer To-do-Liste steht, zwingt sie sich, diese als Allererstes am Tag zu erledigen: Wenn ich mich wirklich zwinge, die als allererstes zu machen, dann geht's eigentlich. Danach sei man viel motivierter fuer den Rest der Aufgaben.

Christian kombiniert diesen Ansatz mit der sogenannten 15-Minuten-Regel. Man sagt sich, man setze sich nur fuenf oder eine Minute an eine ungeliebte Aufgabe. Wenn man erstmal angefangen hat und zehn oder fuenfzehn Minuten vergangen sind, bleibt man oft länger dran. Er wendet dies selbst an, etwa beim Erstellen von Karteikarten am Computer, was ihm keinen besonderen Spass macht. Wichtig sei auch, morgens nicht zuerst E-Mails zu bearbeiten, sondern die wirklich wichtigen Aufgaben zuerst anzugehen: Möglichst nicht die E-Mails angehen, weil das sind normalerweise nicht die wichtigsten Aufgaben des Tages.

Individuelle Tagesstrukturen und Lernrhythmen

Kim, die ein duales Studium an der IST Hochschule absolviert, beschreibt ihren strukturierten Lernalltag. An Tagen mit voller Arbeitszeit lernt sie abends nicht mehr, weil sie dann erschoepft ist. Stattdessen nutzt sie ihren freien halben Tag und einen kompletten freien Tag in der Woche fuer das Studium. Die Wochenenden hält sie sich bewusst frei: Weil es mir auch einfach wichtig ist, noch auch noch Freizeit zu haben, auch noch ein bisschen Leben zu haben, weil man das Ganze sonst nicht durchsteht. Nur in Klausurphasen lernt sie auch abends, dann aber eher wiederholend als aktiv neuen Stoff erarbeitend.

Norman, der an der Hochschule Fresenius studiert und Vollzeit arbeitet, verfolgt einen flexibleren Ansatz ohne festen Stundenplan. Da er regelmässig Sport treibt und soziale Verpflichtungen hat, legt er sich nicht auf bestimmte Tage fest, sondern verlässt sich auf seine Disziplin, wochentlich auf seine Stunden zu kommen. Sein Schluessel: Nach Feierabend im Homeoffice direkt am Rechner bleiben und noch anderthalb Stunden lernen, bevor er zum Sport geht. Wenn ich so ein Switch machen würde, dass ich noch mal kurz rausgehe und dann noch mal nach Hause kommen würde, dann wird das nichts. Am Wochenende plant er sich jeweils zwei Stunden am Vormittag ein, was insgesamt mit den Abendstunden gut funktioniert.

Katja, die parallel an der IU und der Apollon Hochschule studiert und voll berufstätig ist, arbeitet beduerfnis- und bedarfsorientiert. Sie waehlt ihre Module nach Interesse aus und lernt überwiegend am Wochenende, wo sie mehr Ruhe hat. Da sie keine Kinder hat, kann sie sich ganze Acht-Stunden-Bloecke am Wochenende einrichten, um ein Modul am Stueck durchzuarbeiten: Ich habe meine 8 Stunden und ziehe die halt dann auch durch.

Effiziente Lernmethoden und Mediennutzung

Kim empfiehlt eine zeitsparende Herangehensweise an die Studieninhalte. Statt die kompletten Lehrhefte durchzuarbeiten, schaut sie zuerst die Online-Tutorien an, verschafft sich einen groben Überblick, vertieft das Wissen dann durch Online-Vorlesungen und schlaegt in den Studienheften nur gezielt nach: Das ist meiner Meinung nach viel zu zeitaufwendig. Zeitsparender wäre es, wenn man sich die Online-Tutorien anschaut.

Norman bevorzugt grundsätzlich die digitalen Skripte gegenüber den gedruckten Varianten, da er damit schneller vorankommt. Bei schwierigeren Modulen wie Mathematik druckt er sich jedoch einzelne Seiten aus, um Formeln auf einen Blick verfuegbar zu haben. Mobile Geraete wie iPad oder Tablet nutzt er, um auch unterwegs in der Bahn lernen zu können.

Katja setzt auf einen multimodalen Lernansatz. Sie nutzt sowohl gedruckte als auch digitale Materialien, wobei sie betont: Wenn ich greife, dann begreife ich. Darüber hinaus hört sie Podcasts von Universitäten zu Fachthemen, schaut YouTube-Videos und aufgezeichnete Vorlesungen und sucht den Austausch mit Experten. Sie empfiehlt, sich einem Thema über verschiedene Medien anzunaehern, statt nur das Skript durchzuarbeiten: Ich kann nur empfehlen, sich erstmal vielleicht an das Thema auf verschiedene Ebenen sozusagen ranzupirschen, um nicht gleich nur das Skript vor der Nase zu haben.

Robin Strobel, der sein Masterstudium in Vollzeit neben dem Vollzeitberuf als Logistikberater absolviert hat, betont die Bedeutung von Effizienz beim Lernen. Er hat seine Lernzeit konsequent getrackt und festgestellt, dass er fuer die erste Hausarbeit noch 40 bis 50 Stunden benötigte, am Ende aber nur noch 13 bis 15 Stunden pro Arbeit. Man wird immer besser und man wird immer schneller. Die Zahlen sind auch kein Bauchgefühl. Ich habe immer die Zeit getrackt, wie viel ich fuer welches Fach benötige. Er empfiehlt Lernsessions von mindestens anderthalb bis zwei Stunden am Stueck, da kuerzere Einheiten wenig effektiv seien.

Familie, Kinder und Studium vereinbaren

Sarah, die an der Apollon Hochschule angewandte Psychologie studiert und drei Kinder im Alter von einem, sieben und elf Jahren hat, beschreibt ihren flexiblen Lernalltag. Morgens bringt sie die älteren Kinder in die Schule, erledigt Haushalt und Alltaegliches und nutzt dann konsequent die Mittagsschlafzeit des Juengsten zum Lernen. Die Dauer ist dabei unvorhersehbar: Manchmal schlaeft er eine Stunde, manchmal zwei, manchmal auch nur 20 Minuten und dann heisst es fuer mich natürlich unterbrechen. Abends, wenn alle Kinder im Bett sind, lernt sie weitere ein bis drei Stunden. Sie betont, dass sie jede Gelegenheit nutzt, weil man nie weiss, was abends noch passiert, etwa ein krankes Kind.

Unterstützung und soziales Netz

Sarah beschreibt die verschiedenen Säulen der Unterstützung, die fuer ein Studium mit Familie essentiell sind. Ihr Partner übernimmt die Kinderbetreuung, sobald er von der Arbeit kommt. Daneben spielen Einrichtungen wie Kindergarten und Tagesmutter eine wichtige Rolle, ebenso Familienangehörige, Nachbarinnen und Freundinnen, die gegenseitig bei der Kinderbetreuung helfen. Besonders hebt sie die mentale Unterstützung hervor: Was aber wichtig ist bei den Leuten, die mich vielleicht nicht unterstützen, indem sie die Kinder abnehmen, das ist einfach die mentale Unterstützung, der Zuspruch, den man bekommt. Auch die älteren Kinder tragen bei, indem sie Ruecksicht nehmen, wenn die Mutter lernen muss, und gemeinsam Hausaufgaben gemacht werden.

Vollzeitstudium neben dem Vollzeitberuf: Disziplin und Verzicht

Robin Strobel hat seinen Master in der kompletten Regelstudienzeit von zwei Jahren absolviert, obwohl er als Vollzeit-Logistikberater arbeitete. Er ging pragmatisch vor und rechnete sich aus, dass er jeden Monat eine Prüfungsleistung ablegen muss. Um den nötigen Druck aufzubauen, meldete er sich sofort fuer Prüfungen an, sobald er ein neues Modul aktivierte: Immer anmelden und drauf hinlernen und nicht lernen und dann schauen, wann man sich den Prüfungstermin legt.

Er beschreibt offen die Entbehrungen, die damit verbunden waren: frueheres Verlassen von Partys und Geburtstagen, Verzicht auf Wochenendausfluege, taegliches Lernen nach der Arbeit und am Wochenende morgens vier Stunden. Während eines anspruchsvollen Projekts stand er morgens um sechs Uhr auf, lernte vor dem Fruehstueck eine Stunde, arbeitete den ganzen Tag und lernte abends im Hotelzimmer noch einmal zwei Stunden. Er betont, dass dieses Pensum nicht zwei Jahre lang durchgehalten werden kann, sondern dass es Hochphasen von einigen Wochen bis zwei Monaten gab.

Sein Umfeld reagierte gemischt: Also ja, auf der einen Seite klar irgendwie die Bewunderung. Aber auf der anderen Seite, wenn ich dann irgendwo nach zwei Stunden wieder gegangen bin bei irgendeinem wichtigen Event. Insgesamt überwog jedoch die Motivation durch das Umfeld.

Sport als Ausgleich und Lernvorbereitung

Katja betont die Bedeutung von koerperlicher Bewegung als Ausgleich zum geistigen Lernen. Sie geht vor ihren Lerneinheiten am Wochenende regelmässig ins Fitnessstudio und empfiehlt dies auch Sportmuffeln: Koerper, Geist und Seele ist eine Einheit und es braucht auch immer eine gegensätzliche Sache. Sport schaffe mentale Freiheit, Entspannung und koerperliche Auslastung.

Norman integriert Sport ebenfalls fest in seinen Alltag mit fuenfmal Sport pro Woche, darunter Fitnessstudio und Fussball. Er lernt bewusst vor dem Sport, um den Abend danach frei zu haben.

Christian berichtet, dass auch schon zehn Minuten leichtes Training mit Kettlebells oder Liegestuetze genuegen, um sich besser zu fuehlen und den Kopf fuer das Lernen frei zu bekommen.

Selbstorganisation als persoenliche Entwicklung

Tamara erzählt, dass sie frueher eine komplett unorganisierte Person war und nicht einmal einen Kalender nutzte. Erst durch ihre berufliche Selbstaendigkeit und das parallele Fernstudium wurde Organisation unverzichtbar: Das wurde halt alles so viel, das ging gar nicht mehr ohne, weil so viel Gehirnkapazität hatte ich gar nicht, um mir das alles zu merken. Sie probierte zahlreiche Planer und Kalender aus, bis sie ein eigenes System entwickelte, aus dem ihr "Ferniplaner" entstand.

Katja fasst die übergeordnete Bedeutung der Selbstorganisation zusammen und betont, dass ein Fernstudium weit mehr sei als nur Fachwissen: Man entwickelt sich weiter, man lernt sich zu organisieren. Da passieren ja so viele Dinge, die parallel laufen, wo man gar nicht erstmal auf dem Schirm hat. Ihr Rat an alle Fernstudierenden: Mindset ist alles. Habt Bock, seid neugierig, bleibt neugierig, habt keine Ängste und Fehler sind erlaubt.

Motivation und kuenstlicher Druck

Robin betont, dass im Fernstudium der soziale Druck fehlt, den man aus einem Präsenzstudium kennt. Es gibt keine Kommilitonen, die einen indirekt zum Lernen motivieren: Es gibt keine Klasse, die sich immer irgendwie trifft, wo dann der sagt, ich habe schon gelernt und dann irgendwie so innerlich der Druck sich aufbaut. Deshalb hat er sich selbst kuenstlich Druck geschaffen, indem er sofort nach Abschluss eines Moduls das nächste aktivierte und sich umgehend fuer die Prüfung anmeldete.

Sarah schildert, dass ihre Motivation besonders stark ist, weil sie das Gelernte direkt in ihrer Selbstaendigkeit umsetzen kann. Das verringert fuer sie das Problem der Prokrastination erheblich. Bei einzelnen unliebsamen Aufgaben hilft ihr die "Eat the Frog"-Methode.

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