Wird das Ernährungsberater-Zertifikat von APOLLON von BDEM, DAEM und DGEM anerkannt?

Mich interessiert gerade das Zertifikat Ernährungsberater von der APOLLON Hochschule, weil ich eine Weiterbildung machen möchte, die sowohl wissenschaftlich fundiert ist als auch in der Praxis anerkannt wird. Weiß jemand, ob dieses Hochschulzertifikat auch wirklich von den anerkannten Berufsverbänden wie BDEM, DAEM und DGEM anerkannt wird? Es ist mir wichtig, weil ich später eventuell mit Krankenkassen zusammenarbeiten möchte und deshalb eine möglichst breite Anerkennung brauche.

1 Antwort

Hi!

Das APOLLON-Zertifikat ist ein Hochschulzertifikat mit 16 ECTS und wissenschaftlichem Anspruch. Es kann fachlich sinnvoll sein, wenn du Grundlagen der Ernährungsberatung, Prävention, Lebensmittelkunde, Anatomie/Physiologie, Ernährungskommunikation und Beratungspraxis auf Hochschulniveau lernen möchtest.

Für dein Ziel „Zusammenarbeit mit Krankenkassen“ ist aber entscheidend: Ein einzelnes Ernährungsberater-Zertifikat reicht in der Regel nicht automatisch aus. „Ernährungsberater:in“ ist in Deutschland kein geschützter Berufstitel. Krankenkassen bzw. die Zentrale Prüfstelle Prävention prüfen nicht nur den Kurstitel, sondern vor allem deine Grundqualifikation und die Anbieterqualifikation.

Typische anerkannte Wege laufen über:

  • Ausbildung zum/zur Diätassistent/in
  • Studium der Oecotrophologie oder Ernährungswissenschaften
  • darauf aufbauende Zertifikate, z. B. DGE, VDD, VDOE, VFED, QUETHEB bzw. E-Zert
  • bei Ärztinnen und Ärzten: ernährungsmedizinische Qualifikation, z. B. Ernährungsmediziner:in DAEM/DGEM bzw. BDEM/DGEM-Kontext

BDEM, DAEM und DGEM sind deshalb nicht die passende Prüflogik für jedes Ernährungsberater-Zertifikat. BDEM ist der Berufsverband der Ernährungsmediziner, DAEM die Deutsche Akademie für Ernährungsmedizin und DGEM die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin. Diese Organisationen sind stark im ärztlich-ernährungsmedizinischen bzw. klinischen Bereich verankert. Das ist etwas anderes als ein allgemeines Hochschulzertifikat zur Ernährungsberatung für verschiedene Zielgruppen.

Wenn dein Ziel die Krankenkassen-Anerkennung ist, schau dir ergänzend eher akademische Ernährungsstudiengänge an:

  • IU: Ernährungswissenschaften, B.Sc. – Fernstudium, 6 Semester, 180 ECTS, ab 15.063 € insgesamt. Zugang mit Abitur/Fachabitur oder ohne Abitur über Aufstiegsfortbildung bzw. Berufsausbildung plus Berufserfahrung. Keine ernährungsbezogene Vorbildung zwingend nötig. Laut Kursprofil ist anschließend eine Zertifizierung zum Ernährungsberater möglich, z. B. über DGE oder VDOE.
  • EHiP: Ernährungswissenschaft, B.A. – Fernstudium, 6 Semester, 180 ECTS, ab 11.999 € insgesamt. Zugang mit Abitur/Fachhochschulreife oder fachgebundener Hochschulreife; ohne Abitur über anerkannte Aufstiegsfortbildung oder mindestens zweijährige relevante Berufsausbildung plus fachnahe Berufserfahrung. Keine ernährungsbezogene Ausbildung zwingend nötig.
  • Hochschule Anhalt: Ernährungstherapie, B.Sc. – berufsbegleitendes Fernstudium, 7 Semester, 180 ECTS, ab 7.000 € insgesamt. Zugang mit Hochschulzugangsberechtigung oder beruflicher Qualifikation nach Hochschulrecht Sachsen-Anhalt; zusätzlich erforderlich sind eine abgeschlossene gesundheitsbezogene Ausbildung und mindestens ein Jahr einschlägige Berufserfahrung.
  • Hochschule Anhalt: Ernährungstherapie, M.Sc. – berufsbegleitendes Fernstudium, 5 Semester, 120 ECTS, ab 7.500 € insgesamt. Zugang mit abgeschlossenem, mindestens dreijährigem Hochschulstudium in einem ernährungsbezogenen, gesundheitsbezogenen oder vergleichbaren Fach, z. B. Ernährungswissenschaften, Ökotrophologie, Medizin, Pflege, Pharmazie, Sportwissenschaft oder Psychologie; zusätzlich mindestens ein Jahr einschlägige Berufserfahrung.
  • IU: Diätetik, B.Sc. – verkürztes Fernstudium, 3 Semester, 180 ECTS, ab 9.481 € insgesamt. Zugang nur für staatlich geprüfte Diätassistentinnen und Diätassistenten mit in Deutschland abgeschlossener Ausbildung. Mit Abitur/Fachabitur ist der Einstieg möglich; ohne Abitur zusätzlich mindestens 3 Jahre hauptberufliche Tätigkeit im Berufsfeld.

Für Quereinsteigerinnen ohne ernährungsbezogene Ausbildung sind eher die Bachelor in Ernährungswissenschaften interessant. Für Diätassistentinnen ist Diätetik der direkte akademische Aufstiegsweg. Für Personen mit Gesundheitsausbildung bzw. einschlägigem Erststudium sind die Anhalt-Studiengänge Ernährungstherapie besonders relevant. 

Eine Übersicht aller Fernstudiengänge des Themenbereichs findest du hier: Ernährungswissenschaften im Fernstudium

Also – wenn du später Präventionskurse oder Ernährungsberatung mit Relevanz für Krankenkassen anbieten möchtest, würde ich vor einer dem nächsten Schritt klären:

  • Welche Grundqualifikation bringst du mit?
  • Willst du Präventionskurse nach § 20 SGB V anbieten oder Ernährungstherapie im medizinischen Kontext?
  • Erfüllt dein Gesamtprofil die Anforderungen der ZPP bzw. der jeweiligen Krankenkasse?
  • Soll das APOLLON-Zertifikat nur als Ergänzung zählen oder tatsächlich als Teil einer anerkannten Anbieterqualifikation?

Fazit: Als akademische Weiterbildung kann das APOLLON-Zertifikat sinnvoll sein. Wenn dein Hauptziel aber eine möglichst breite Krankenkassen-Anerkennung ist, solltest du nicht allein auf dieses Zertifikat setzen. Dann ist wichtiger, ob du bereits eine passende ernährungsbezogene Grundqualifikation hast oder ob ein Studium in Ernährungswissenschaften/Oecotrophologie bzw. ein DGE-/VDOE-/VFED-/VDD-/E-Zert-Weg besser passt.

Für schnelle Rückfragen oder Hilfe beim Einordnen deiner Vorqualifikation kannst du außerdem den Chat mit Sophie, unserer virtuellen Studienberaterin, nutzen.

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