21.05.2026

IU-Studie: Digitale Dauererreichbarkeit belastet Gesundheit und Alltag

Eine aktuelle Studie der IU Internationalen Hochschule zeigt: Der Großteil der Menschen in Deutschland steht unter einem konstanten digitalen Erwartungsdruck. 81 Prozent der Befragten checken mindestens einmal pro Stunde ihr Smartphone, Tablet oder Laptop – oft ohne konkreten Anlass. Besonders junge Erwachsene sind betroffen: In der Altersgruppe der 16- bis 30-Jährigen tun dies sogar über 90 Prozent.

Laut Studie fühlen sich 44,2 Prozent der Teilnehmenden gedanklich ständig „auf Empfang“, 46,9 Prozent erleben eine dauerhafte innere Anspannung, auch wenn sie abschalten möchten. Die Folgen sind spürbar: Ein Drittel berichtet über regelmäßige emotionale oder mentale Erschöpfung am Tagesende, ähnlich viele kämpfen mit Schlafproblemen. Frauen sind von diesen Auswirkungen häufiger betroffen als Männer.

Mehr als die Hälfte der Befragten wünscht sich, öfter offline zu sein, schafft es aber nicht. Die Gründe reichen von beruflichen Verpflichtungen bis zu sozialem Erwartungsdruck: 56,2 Prozent geben an, dass ihr Umfeld schnelle Reaktionen auf digitale Nachrichten erwartet. Bei 22,3 Prozent ist es im Bekanntenkreis sogar nicht akzeptiert, wenn Nachrichten nicht unmittelbar beantwortet werden.

Die Studienautor:innen Prof. Dr. Stefanie André (Gesundheitsmanagement) und Prof. Dr. Timo Kortsch (Wirtschaftspsychologie) ordnen die Ergebnisse als Ausdruck eines gesellschaftlichen Belastungsmusters ein. Sie betonen, dass nicht fehlendes Wissen, sondern äußere Faktoren wie soziale Normen, berufliche Erreichbarkeit und die Angst, etwas zu verpassen (FOMO), das Abschalten erschweren. Besonders auffällig: 48,6 Prozent der 16- bis 30-Jährigen fürchten, offline Wichtiges zu verpassen.

Auch die Konzentrationsfähigkeit leidet unter der digitalen Dauerpräsenz: Über die Hälfte der Befragten berichtet, dass ihre Aufmerksamkeit ständig zwischen verschiedenen Aufgaben springt. 44,3 Prozent fühlen sich von der Informationsflut überfordert, mehr als ein Drittel verliert schnell den Faden bei digitalen Unterbrechungen.

Als Gegenmaßnahmen werden vor allem das Ausschalten von Push-Benachrichtigungen (38,4 Prozent), die Nutzung des „Nicht-stören“-Modus (29,5 Prozent) sowie Bewegung und Sport ohne digitale Geräte (28,7 Prozent) genannt. Die Studie basiert auf einer repräsentativen Befragung von 2.000 Personen im Alter von 16 bis 65 Jahren im Januar 2026.

Für Hochschulmarketing- und Weiterbildungsentscheider liefert die Untersuchung wichtige Hinweise: Digitale Erreichbarkeit ist längst kein Randphänomen mehr, sondern betrifft alle Altersgruppen und wirkt sich direkt auf Arbeitsfähigkeit und Lebensqualität aus. Gerade für Anbieter digitaler Lernformate und Fernstudiengänge wird es zunehmend relevant, Strukturen zu schaffen, die bewusste Offline-Zeiten und gesunde Selbstregulation fördern.

Ein vertiefender Blick auf psychische Gesundheit und Hochschulstrukturen findet sich im Artikel „Hochschulen im Wandel: Warum psychische Gesundheit jetzt Chefsache ist“.

Quelle: Pressemitteilung vom 21.05.2026
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