IU-Studie: Ständige Erreichbarkeit erschwert Erholung in den Sommerferien
Mit dem Start der Sommerferien rückt für viele Beschäftigte die lang ersehnte Erholungsphase näher. Doch eine aktuelle, repräsentative Studie der IU Internationalen Hochschule zeigt: Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland kann selbst im Urlaub kaum abschalten. Arbeitsstress und die Erwartung ständiger Erreichbarkeit verhindern bei vielen die dringend benötigte Regeneration.
Laut der Untersuchung „Leisure Sickness: Erschöpft statt erholt“ geben 54,4 Prozent der Befragten an, dass Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeiten ihre Erholung beeinträchtigt. Besonders ausgeprägt ist das Gefühl, auch in der Freizeit erreichbar sein zu müssen, bei den unter 25-Jährigen: In dieser Gruppe betrifft es sogar 42,6 Prozent. Fast die Hälfte (47,4 Prozent) ruft auch außerhalb der regulären Arbeitszeiten berufliche E-Mails oder Nachrichten ab, mehr als ein Drittel (36,7 Prozent) tut dies sogar während des Urlaubs.
Die Zahlen verdeutlichen, wie stark die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben mittlerweile verschwimmen. Obwohl 94,1 Prozent der Befragten ihre Freizeit als wichtige Ressource zur Erholung schätzen, gelingt es vielen nicht, im Alltag ausreichend Abstand vom Job zu gewinnen. 40,1 Prozent geben an, dass ihr Privatleben nicht genügend Erholung bietet, um den beruflichen Anforderungen gerecht zu werden. 38,4 Prozent fällt es schwer, nach der Arbeit abzuschalten.
Prof. Dr. Stefanie André, Professorin für Gesundheitsmanagement an der IU, betont, dass Erholung kein Luxus, sondern Voraussetzung für langfristige Gesundheit und Leistungsfähigkeit sei. Sie empfiehlt, Erholung nicht nur auf den Urlaub zu beschränken, sondern regelmäßige Entlastungsphasen und eine bewusste Abgrenzung vom Arbeitsalltag zu fördern. Unternehmen könnten durch gezielte Maßnahmen wie Bewegungspausen oder flexible Arbeitsmodelle einen wichtigen Beitrag leisten, um das Risiko für sogenannte Freizeitkrankheiten zu senken.
Die Studie basiert auf einer Befragung von 2.004 Erwerbstätigen im Alter von 16 bis 65 Jahren. Sie beleuchtet neben den Symptomen und Ursachen der Freizeitkrankheit auch Präventionsmöglichkeiten und gibt praxisnahe Empfehlungen für Beschäftigte und Arbeitgeber.
Weiterführende Inhalte:
- Interview und Tipps von Prof. Dr. Stefanie André zur Studie: Wie entsteht Leisure Sickness und wie kann man vorbeugen?
- Erklärvideo mit Prof. Dr. Stefanie André: YouTube-Video
Vertiefende Einblicke in das Phänomen Leisure Sickness und die Auswirkungen von Arbeitsdruck auf die Erholung bietet auch der Artikel Arbeitsdruck statt Erholung: IU-Studie beleuchtet wachsende Freizeitkrankheit bei Beschäftigten.
Quelle: Pressemitteilung vom 23.06.2026
Veröffentlicht am 23.06.2026 13:10 von Christian Wolf