IU-Studie 2026: Smartphone dominiert Tagesablauf – Junge Erwachsene besonders betroffen
Eine aktuelle Studie der IU Internationalen Hochschule zeigt, wie stark digitale Geräte mittlerweile den Alltag in Deutschland prägen. Für die Untersuchung wurden im Januar 2026 insgesamt 2.000 Menschen im Alter von 16 bis 65 Jahren befragt. Die Ergebnisse machen deutlich: Das Smartphone ist für viele ein ständiger Begleiter – vom ersten Moment nach dem Aufwachen bis zur letzten Aktivität vor dem Einschlafen.
Rund drei Viertel der Befragten nutzen digitale Geräte innerhalb von 30 Minuten nach dem Aufwachen und ebenso kurz vor dem Schlafengehen. Besonders ausgeprägt ist dieses Verhalten bei jungen Erwachsenen bis 30 Jahre: Hier greifen 86,9 Prozent morgens und 86,3 Prozent abends innerhalb einer halben Stunde nach dem Handy oder Tablet. Mehr als die Hälfte der jungen Befragten nutzt das Smartphone sogar unmittelbar nach dem Aufwachen beziehungsweise direkt vor dem Einschlafen. Empfehlungen zur Schlafhygiene, die einen Verzicht auf digitale Geräte vor dem Schlafen vorsehen, werden damit von der Mehrheit nicht eingehalten.
Auch tagsüber ist das Smartphone omnipräsent: 62,8 Prozent der Teilnehmenden nutzen es parallel zu anderen Tätigkeiten wie Essen, Gesprächen oder Fernsehen. In der Altersgruppe der 16- bis 30-Jährigen liegt dieser Anteil sogar bei 73,1 Prozent. Die Studie macht zudem deutlich, dass die Nutzung häufig automatisiert abläuft: 71,3 Prozent der Befragten überprüfen Nachrichten oder Apps rein aus Gewohnheit, ohne konkreten Anlass. Bei den Jüngeren sind es fast 80 Prozent.
Ein weiteres zentrales Ergebnis: 81 Prozent der Befragten schauen mindestens ein- bis zweimal pro Stunde auf ihre digitalen Geräte, fast die Hälfte sogar noch häufiger. Jeder achte Teilnehmende hat das Smartphone permanent in Reichweite. Die intensive Nutzung dient laut Studie häufig auch als Emotionsregulation – insbesondere bei schlechter Laune greifen fast zwei Drittel der Befragten zu digitalen Geräten, bei den Jüngeren sind es sogar über 78 Prozent.
Obwohl viele das Gefühl haben, die eigene Nutzung gut kontrollieren zu können, zeigen die Zahlen ein anderes Bild: Über die Hälfte gibt an, das Smartphone länger zu nutzen als geplant oder Schwierigkeiten zu haben, Benachrichtigungen zu ignorieren. Gerade bei jungen Erwachsenen fällt es vielen schwer, ohne Smartphone in Reichweite ruhig zu bleiben.
Die Studienautor:innen Prof. Dr. Stefanie André (Gesundheitsmanagement) und Prof. Dr. Timo Kortsch (Wirtschaftspsychologie) interpretieren die Ergebnisse als Ausdruck eines verfestigten „Habit Loops“: Auslöser wie Langeweile führen zur automatischen Smartphone-Nutzung, die kurzfristige Belohnung verstärkt die Gewohnheit. Langfristig kann dies Erholung und Schlafqualität beeinträchtigen und Stress verstärken.
Die Untersuchung reiht sich in eine Serie von Studien der IU zur digitalen Dauererreichbarkeit und deren Auswirkungen auf Gesundheit und Alltag ein. Bereits frühere Befragungen zeigten, dass besonders junge Erwachsene Schwierigkeiten haben, Offline-Zeiten bewusst zu gestalten und unter digitalem Erwartungsdruck leiden. Für Hochschulen und Weiterbildungsanbieter ergeben sich daraus Herausforderungen: Digitale Lernangebote müssen nicht nur flexibel, sondern auch gesundheitsfördernd gestaltet werden.
Weitere Hintergründe zu digitalem Stress und den Folgen permanenter Erreichbarkeit finden sich im Artikel „IU-Studie: Digitale Dauererreichbarkeit belastet Gesundheit und Alltag“.
Quelle: Pressemitteilung vom 01.07.2026
Veröffentlicht am 01.07.2026 15:18 von Christian Wolf