Vorläufige Insolvenz bei der German UDS: Was das für Studierende bedeutet
Die Trägergesellschaft der German University of Digital Science (German UDS) in Potsdam steht unter vorläufiger Insolvenzverwaltung. Das Amtsgericht Potsdam hat sie am 14. September 2026 im Insolvenzantragsverfahren über das Vermögen der German University of Digital Science gGmbH angeordnet (Az. 660 IN 132/26). Ein Insolvenzverfahren ist damit noch nicht eröffnet. In dieser Phase prüft der vorläufige Insolvenzverwalter, ob das Vermögen die Verfahrenskosten deckt und ob sich der Hochschulbetrieb fortführen lässt. Über ihr Vermögen kann die Gesellschaft bis dahin nur mit seiner Zustimmung verfügen.
Zunächst hatte das Gericht den Magdeburger Rechtsanwalt André Löffler bestellt. Zum 16. September ersetzte es ihn durch den Berliner Insolvenzverwalter Sebastian Laboga, Gründe nennt die Bekanntmachung nicht. Laboga sagte den Potsdamer Neuesten Nachrichten, Vorlesungen und Kurse fänden wie gewohnt statt. Professorinnen und Professoren sowie Mitarbeitende seien weiter an Bord, Aufsichtsbehörden und Wissenschaftsministerium informiert, mit möglichen Investoren werde gesprochen. Nach Angaben der Hochschule sind Lehre, Prüfungen und Abschlüsse nicht betroffen, wie Mitgründer Christoph Meinel dem Fachdienst Table.Briefings sagte.
Für eingeschriebene Studierende zählt vor allem der Status der Hochschule. Das Wissenschaftsministerium Brandenburg führt die German UDS weiter als staatlich anerkannte Universität, die Anerkennung ist bis zum 31. Dezember 2029 befristet. Das Brandenburgische Hochschulgesetz sichert erworbene Abschlüsse ab. Ein Abschluss gilt auch dann als vollwertiger Hochschulabschluss, wenn das Land die Anerkennung später aufhebt, sofern das Studium während der Anerkennung aufgenommen wurde (§ 95 Abs. 1 BbgHG). Für den Fall einer Aufhebung schreibt das Gesetz außerdem vor, dass den Studierenden die Beendigung des Studiums zu ermöglichen ist (§ 96 Abs. 2 BbgHG). Wie das praktisch umgesetzt würde, legt es nicht im Einzelnen fest.
Wer zum nächsten Starttermin einsteigen will, sollte vor der Einschreibung klären, wann die Studiengebühren fällig werden und was mit bereits gezahlten Beträgen geschieht, falls der Lehrbetrieb eingestellt wird. Master- und MBA-Programme kosten 7.500 Euro pro Jahr. Ein zweijähriger Master wie Applied AI oder Cybersecurity summiert sich damit auf 15.000 Euro. Insgesamt bietet die Hochschule zwölf akkreditierte, englischsprachige Studiengänge an. Hinzu kommen dreimonatige Micro-Degrees für 900 Euro.
Wirtschaftlich blieb die German UDS deutlich hinter den eigenen Planungen zurück. Im Oktober 2025 nannte Mitgründer Mike Friedrichsen gegenüber dem MBA Journal 800 Studierende als Schwelle zum Break-even, erreicht werden sollte sie bis Oktober 2026. Im Frühjahr 2026 waren nach Angaben der Gründer rund 100 Menschen aus 22 Ländern eingeschrieben. Die Hochschule war im April 2025 als vollständig digitale Universität in der Medienstadt Babelsberg gestartet. Gegründet haben sie Christoph Meinel, langjähriger Direktor des Hasso-Plattner-Instituts, und Mike Friedrichsen, zuvor Professor an der Hochschule der Medien Stuttgart. Seit Dezember 2025 ist sie Mitglied im Verband der Privaten Hochschulen.
Wie es weitergeht, hängt vom Ergebnis der Prüfung und von den Investorengesprächen ab. Bei guten Sanierungsaussichten dauert die vorläufige Phase in der Regel etwa drei Monate. Das entspricht dem Zeitraum, für den das Insolvenzgeld die Gehälter der Beschäftigten höchstens absichert. Rechnerisch fiele die Entscheidung über die Eröffnung des Verfahrens damit um Mitte Dezember 2026, ein fester Termin ist nicht bekannt.
Quellen: Amtsgericht Potsdam, Bekanntmachungen vom 14. und 16.09.2026 (Az. 660 IN 132/26); Potsdamer Neueste Nachrichten, 28.09.2026; Table.Briefings, September 2026; Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur Brandenburg; Brandenburgisches Hochschulgesetz, §§ 95 und 96; MBA Journal, Oktober 2025; CMS Hasche Sigle, Insolvenzgeld und Insolvenzgeldvorfinanzierung in der Praxis
Veröffentlicht am 31.10.2026 08:34 von Christian Wolf, Gründer und Chefredakteur