Fernunterricht als Lösung für Ausbildungskrise: Bundesverband fordert rechtliche Verankerung
Der Bundesverband der Fernstudienanbieter fordert eine grundlegende Reform der beruflichen Erstausbildung in Deutschland. Angesichts von über 69.000 unbesetzten Ausbildungsplätzen und mehr als 70.000 suchenden Jugendlichen im Jahr 2024 soll staatlich zugelassener Fernunterricht künftig als fester Bestandteil in der Erstausbildung etabliert werden.
Angesichts wachsender Herausforderungen wie dem demografischen Wandel, akutem Fachkräftemangel und der fortschreitenden Digitalisierung fordert der Bundesverband der Fernstudienanbieter e. V. die Integration von Fernunterricht in die berufliche Erstausbildung. Wie in einem Positionspapier vom April 2025 dargelegt, sieht der Verband im staatlich geprüften Fernunterricht einen zentralen Baustein für ein zukunftsfähiges Ausbildungssystem.
Laut Verband blieben im Jahr 2024 rund 69.400 Ausbildungsplätze unbesetzt. Gleichzeitig fanden etwa 70.400 junge Menschen keinen Ausbildungsplatz. Diese Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage gefährde nicht nur die Chancengleichheit, sondern auch die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit des Landes.
Fernunterricht, der bereits in der Weiterbildung etabliert ist und durch die Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) sowie das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) kontrolliert wird, müsse nun auch in der Erstausbildung rechtlich verankert werden. Der Verband verweist auf die bestehende gesetzliche Grundlage durch § 43 Abs. 2 BBiG und einen Beschluss des Oberverwaltungsgerichts NRW vom 20. Dezember 2019, der die Gleichwertigkeit privater Ausbildungsgänge unter bestimmten Bedingungen anerkennt.
Konkret fordert der Verband:
- die gesetzliche Verankerung hybrider Ausbildungsmodelle im Berufsbildungsgesetz,
- die systematische Anerkennung digitaler Lerneinheiten in Ausbildungsordnungen,
- die staatliche Förderung innovativer Modellprojekte,
- bundesweit einheitliche Anerkennungsverfahren sowie
- einen partnerschaftlichen Dialog mit BIBB, BMBF und den Kammern.
Fernunterricht biete laut Verband nicht nur Flexibilität und Qualität, sondern eröffne auch neue Chancen für bislang benachteiligte Gruppen wie Menschen mit Betreuungspflichten, Mobilitätseinschränkungen oder Schichtarbeitende. Zudem würden digitale Schlüsselkompetenzen gestärkt, die für die moderne Arbeitswelt unerlässlich sind.
„Fernunterricht ist keine Notlösung, sondern eine Chance“, betont der Verband in einem LinkedIn-Beitrag vom 1. Mai 2025. Die Politik sei nun gefordert, die Weichen für ein modernes Ausbildungssystem zu stellen.
Veröffentlicht am 08.05.2025 08:57 von Christian Wolf