21.11.2025 👍2

AKAD University beruft KI-Gastprofessor für Lehrforschungsprojekt

Die AKAD University hat eine Künstliche Intelligenz als Gastprofessor berufen. Der digitale Zwilling von Prof. Dr. Valters Kaže von der RISEBA University in Riga übernimmt für ein halbes Jahr eine Gastprofessur für Internationale Betriebswirtschaft und Marketing. Die Berufung erfolgte durch den Senat auf Vorschlag des Rektors gemäß § 55 (2) des Landeshochschulgesetzes Baden-Württemberg. Am 21. November 2025 hielt KI-Professor Valters seine Antrittsvorlesung und markierte damit den offiziellen Start des Lehrforschungsprojekts.

Halbjähriges Forschungsprojekt mit wissenschaftlicher Begleitung

Das auf sechs Monate angelegte Pilotprojekt ist Teil des EU-geförderten Projekts FORCE AI (Fostering Opportunities, Resources and Capabilities in AI for Effective Management of Higher Education Institutions). An dem Projekt sind neben der AKAD University weitere europäische Hochschulen beteiligt, darunter die FHM (Deutschland), die Anadolu University (Türkei), die University of Twente (Niederlande) und die RISEBA University (Lettland). Technische Partner sind die Organisationen Integrity4Education und Mindbank AI.

Die 30-minütige Antrittsvorlesung am 21. November 2025 behandelte das Thema Internationale Betriebswirtschaft und Marketing. Die Inhalte richten sich grundsätzlich an alle Studierenden der AKAD University, beziehen sich aber insbesondere auf den Studiengang International Management (B.A.).

Technische Grundlagen und rechtliche Rahmenbedingungen

Das KI-System basiert auf GPT-Modellen und nutzt sogenanntes Retrieval Augmented Generation (RAG), um externe Informationen mit präzisen Antworten zu verbinden. Der Einsatz wird wissenschaftlich, didaktisch und juristisch begleitet. Die Evaluation umfasst die Prüfung der Einhaltung des EU AI Acts sowie zentraler Prinzipien wie Datenschutz, Bias und Fairness.

Die akademische Verantwortung verbleibt bei menschlichen Professuren. Der KI-Gastprofessor arbeitet unter kontinuierlicher Aufsicht des Rektorats und der zuständigen Professur. Alle eingesetzten Systeme sind dokumentiert und auditierbar. Das System verfügt über Protokollierungen, Notfall-Abschaltmechanismen und die Integration eines Backup-Dozierenden.

Ziele des Lehrforschungsprojekts

Das Projekt verfolgt mehrere wissenschaftliche Ziele: Die Erprobung von KI-Methoden in der Wissensvermittlung und Lernbegleitung, die Analyse der Zusammenarbeit zwischen KI-Systemen und Studierenden sowie die Förderung der öffentlichen Debatte über den Einsatz von KI in der Bildungslandschaft. Die Ergebnisse sollen in eine wissenschaftliche Publikation einfließen.

Für Studierende soll der KI-Professor kontinuierliche Verfügbarkeit bieten und zeit- und ortsunabhängiges Lernen unterstützen. Das System ermöglicht die Interaktion in mehreren Sprachen und soll Sprachbarrieren überwinden. Die AKAD University nennt als Vorteil auch eine geringere Hemmschwelle bei Studierenden, Fragen zu stellen, die sie einem menschlichen Dozenten möglicherweise nicht stellen würden.

Digital-Twin-Ansatz statt Personalersatz

Prof. Dr. Valters Kaže, Prorektor für Forschung und Entwicklung an der RISEBA University in Riga, hat den KI-Gastprofessor als digitalen Zwilling trainiert. Kaže verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Bildung und ist Autor von über 40 internationalen wissenschaftlichen Publikationen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Konsumentenverhalten, internationales Marketing und Unternehmensstrategie.

Die AKAD University betont, dass der KI-Gastprofessor nicht als Ersatz wissenschaftlichen Personals fungiert, sondern als Erweiterung im Rahmen eines Digital-Twin-Ansatzes. Die KI diene ausschließlich Lehr- und Forschungszwecken. Eine Prüfungsabnahme durch die KI erfolgt nicht. Laut AKAD-Rektor Prof. Dr. Tim Brüggemann sollen KI-Professoren die menschlichen Professorinnen und Professoren entlasten und mehr Zeit für Forschung und individuelle Betreuung schaffen.

Gemischte Reaktionen in der Fernstudium-Community

Das Projekt löst in der Fernstudium-Community bisher unterschiedliche Reaktionen aus. In einem Diskussionsforum auf fernstudium-infos.de äußerten Nutzerinnen und Nutzer sowohl Interesse als auch Bedenken.

Eine Nutzerin kommentierte: „Spannend. Und sicher hilfreich und notwendig. Obwohl ich bei dem Gedanken, dass Lehre an KI ausgelagert werden soll, Bauchschmerzen bekomme.“

Kritisch wurde die Verwendung eines digitalen Zwillings hinterfragt: „Was sich mir nicht erschließt: Warum erschafft man einen digitalen optischen Zwilling? Das provoziert doch förmlich Verwechslungen und die Schranke zwischen Realität und Fake wird bewusst verwischt. Was spricht dagegen, klare optische Unterscheidungen zu machen?“

Auch die Begrifflichkeiten wurden diskutiert. Ein Nutzer merkte an, dass die Bezeichnung „Berufung“ bei Gastprofessuren unüblich sei und dass der Begriff „Künstliche Intelligenz“ im Zusammenhang mit einem digitalen Zwilling fraglich erscheine. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass ein „Training“ der KI während der Laufzeit technisch anspruchsvoll sei und „Trainieren“ nicht gleichbedeutend mit „mit Wissen füttern“ sei.

Ein weiterer Kommentar stellte die Konsequenzen für Studierende in den Raum: „Dann kann man als Studierende*r ja auch einfach einen ‚Digital Twin' bzw. einen ‚AI based Agent' seiner selbst erzeugen und ins Studium schicken.“

Projektleiter ist Prof. Dr. Tim Brüggemann, Rektor der AKAD University. Die wissenschaftliche Begleitung übernimmt Prof. Dr. Daniel Markgraf, Prorektor für Forschung und Digitalisierung an der AKAD University.

Quelle: AKAD University vom 21.11.2025
Fotos: AKAD University
Veröffentlicht am von
Aktualisiert: 24.11.2025 10:18