Was ist ein Fachabitur? Alle Wege zur Fachhochschulreife + Fachrichtungen

Von Christian Wolf, Wissenschaftsredakteur
· Letzte Aktualisierung 08.05.2020
  • Fachabitur ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für die Fachhochschulreife sowie für die fachgebundene Hochschulreife.
  • Die Fachhochschulreife als Bildungsabschluss ermöglicht es, einen beliebigen Studiengang an einer Fachhochschule in Deutschland sowie an einigen Universitäten zu studieren.
  • Die fachgebundene Hochschulreife ermöglicht es, bestimmte Fächer an Fachhochschulen oder Universitäten in Deutschland zu studieren.
  • Die Fachhochschulreife kann man typischerweise an einer Fachoberschule (FOS) absolvieren. Schüler absolvieren einen schulischen Teil sowie einen berufsbezogenen Teil.
  • Wer älter ist, kann das Fachabitur auf dem Zweiten Bildungsweg nachholen, etwa an einem Kolleg, an einer Abendschule oder im Fernstudium. Vorausgesetzt wird üblicherweise Berufserfahrung bzw. eine abgeschlossene Berufsausbildung.

Fachhochschulreife vs. fachgebundene Hochschulreife

Was bedeutet Fachhochschulreife? Die Fachhochschulreife ist ein Bildungsabschluss in Deutschland und ermöglicht es, ein beliebiges Studium an einer Fachhochschule aufzunehmen. Gegenüber dem Abitur ist die Fachhochschulreife stärker berufsbezogen und geht mit einem verpflichtenden Berufspraktikum einher.

Die Fachhochschulreife kann man wählen, wenn man sich nicht sicher ist, was man später studieren möchte bzw. wenn man an einer Fachhochschule studieren möchte. Die Fachhochschulreife ist außerdem vor allem für Praktiker interessant, da sie mit einem Praktikum kombiniert werden muss.

Was bedeutet fachgebundene Hochschulreife? Die fachgebundene Hochschulreife ist ein Bildungsabschluss in Deutschland, der zum Studium bestimmter Studiengänge an Universitäten und zum Studium aller Studiengänge an Fachhochschulen berechtigt. Im Gegensatz zum Fachabitur gibt es kein verpflichtendes Praktikum.

Die fachgebundene Hochschulreife ist im Prinzip fast wie ein Abitur und eignet sich für alle, die genau wissen, was sie später studieren möchten. Mit der fachgebundenen Hochschulreife kann man auch in bestimmten Fächern an einer Universität studieren. Mit der fachgebundenen Hochschulreife kann man alle Fächer an FHs studieren. Außerdem kann man leicht zum Abitur „aufstocken“, indem man sich in einer zweiten Fremdsprache prüfen lässt.

Schulischer Teil und berufsbezogener Teil

Je nach Fachoberschule müssen Schüler fürs Fachabitur eine Ausbildung oder ein längeres Praktikum absolvieren.

Bei der Fachhochschulreife müssen Schüler einen schulischen Teil und einen berufsbezogenen Teil absolvieren. Die Fachhochschulreife erwerben Schüler über eine Fachoberschule (FOS).

Der schulische Teil besteht aus den Schuljahren der gymnasialen Oberstufe, der schulische Teil wird also in den meisten Bundesländern nach der 12. Klasse abgeschlossen und dauert entsprechend 2 Jahre. Vorausgesetzt wird ein Realschulabschluss. Geprüft schriftlich meist in Deutsch, Fremdsprache, Mathematik und einem weiteren Fach sowie mündlich in einem Fach.

Der berufsbezogene Teil besteht aus einem Berufspraktikum oder aus einer Berufsausbildung. Das Praktikum von 2–4 Monaten können die Schüler beispielsweise in der 11. Klasse absolvieren. Wer eine Berufsausbildung abgeschlossen hat, braucht dieses Praktikum nicht zusätzlich zu absolvieren.

Bei der fachgebundenen Hochschulreife gibt es keinen berufsbezogenen Teil. Die fachgebundene Hochschulreife wird typischerweise über ein Gymnasium bzw. ein Berufsgymnasium erworben.

Fachrichtungen im Fachabitur

Im Fachabitur gibt es ganz verschiedene Fachrichtungen, sowohl an Fachoberschulen als auch an berufsbezogenen Gymnasien.

Hier einige der interessantesten und häufig gewählten Fachrichtungen der Fachhochschulreife.

  • Wirtschaft und Verwaltung: Wer BWL, Wirtschaftswissenschaften, Politikwissenschaften oder ein ähnliches Fach studieren möchte, für den eignet sich die Fachrichtung Wirtschaft. In einigen Bundesländern wird diese Fachrichtung auch Wirtschaft und Verwaltung genannt. Neben den üblichen Fächern wie Mathematik und Deutsch werden Fächer wie Wirtschaft und Verwaltung sowie Politik und Wirtschaft angeboten.
  • Gesundheit und Soziales: Die Fachrichtung Gesundheit und Soziales eignet sich für alle, die beispielsweise eine pflegerische Ausbildung oder eine Erzieher-Ausbildung absolviert haben, oder auch für alle, die Psychologie, Wirtschaftspsychologie oder Soziale Arbeit studieren möchten. Je nach Schule und Bundesland haben Schüler neben den Standard-Fächern wie Mathematik Unterricht in Pädagogik/Psychologie, Gesundheit/Pflege sowie Soziologie.
  • Technik: Die Fachrichtung Technik eignet sich für alle, die beispielsweise eine handwerkliche Ausbildung absolvieren und ein Fach wie Elektrotechnik, Informatik oder Maschinenbau studieren möchten. Etwa an hessischen Fachoberschulen können Schüler teilweise auch die Schwerpunkte Maschinenbau und Elektrotechnik belegen. Typische Fächer sind Technisches Zeichnen, Informatik und Elektrotechnik.
  • Gestaltung: Die Fachrichtung Gestaltung eignet sich für alle, die beispielsweise eine Ausbildung in Mediengestaltung absolvieren oder an einer Hochschule ein Fach wie Mediendesign studieren möchten. Typische Fächer sind Darstellung, Gestaltungslehre/Kunstbetrachtung und auch Technisches Zeichnen.

An Berufsgymnasien werden meistens ähnliche Fachrichtungen angeboten, beispielsweise die Fachrichtungen Bautechnik, Elektrotechnik, Maschinenbau, Gesundheit und Pflege sowie Wirtschaft. Darüber hinaus gibt es auch Wirtschaftsgymnasien, an denen ausschließlich die Fachrichtung Wirtschaft angeboten wird.

Fachabi an der Fachoberschule oder an einem beruflichen Gymnasium

Wo kann man das Fachabitur machen? Die FH-Reife absolviert man üblicherweise an einer Fachoberschule (FOS) auf dem ersten Bildungsweg. Wer also seinen Realschulabschluss in der Tasche hat und jetzt die Fachhochschule machen möchte, sollte erst einmal nach Fachoberschulen in seiner Stadt suchen.

Vorausgesetzt wird an den meisten FOS der Realschulabschluss  mit mindestens befriedigenden Leistungen. Einige FOS setzen auch eine abgeschlossene Berufsausbildung voraus.

Wann hat man Fachabitur? Der Unterricht an einer Fachoberschule beginnt normalerweise in der Oberstufe mit Klasse 11 und dauert 2 Jahre. An einigen FOS wird auch die FH-Reife in einem Jahr absolviert – vorausgesetzt wird dafür üblicherweise eine abgeschlossene Berufsausbildung. An Fachoberschulen mit dritter Jahrgangsstufe (FOS 13) dauert der Unterricht 3 Jahre und führt zur fachgebundenen Hochschulreife oder zum Abitur.

Die fachgebundene Hochschulreife oder das Abitur kann man auch an beruflichen Gymnasien machen. Der Unterricht dauert normalerweise 3 Jahre. Vorausgesetzt wird in der Regel die Mittlere Reife.

Fachabi nachholen am Kolleg oder an einer Abendschule

Wer auf dem ersten Bildungsweg kein Fachabi erworben hat, kann das Fachabitur nachholen, auf dem sogenannten zweiten Bildungsweg. Der zweite Bildungsweg ermöglicht es Erwachsenen, beispielsweise Schulabschlüsse nachzuholen. Das Fachabi oder die fachgebundene Hochschulreife kann man so an einem Kolleg oder an einer Abendschule nachmachen.

Voraussetzung für Kolleg oder Abenschule ist normalerweise Folgendes:

  • Die Schüler haben eine Berufsausbildung abgeschlossen oder befinden sich gerade in der Ausbildung.
  • Oder die Schüler sind seit etwa 3 Jahren berufstätig. Auf diese Berufstätigkeit können häufig Zeiten der Arbeitslosigkeit anerkannt werden. Wer einen Familienhaushalt führt, kann diese Zeiten auch anerkennen lassen.

Im Kolleg findet der Unterricht wie an einer normalen Schule tagsüber statt. An den meisten Kollegs kann man in 3 Jahren sein Abitur nachholen und in 2 Jahren die fachgebundene Hochschulreife.

Im Abendgymnasium findet der Unterricht meist in den Abendstunden statt. Das hat den Vorteil, dass die Schüler tagsüber arbeiten können. Nachteil ist, dass die Schüler sich permanent neu motivieren müssen, um die 2–3 Jahre Abendgymnasium durchzuhalten.

Übersicht über Abendschulen und Kollegs in Deutschland: Alle Abendgymnasium und Kollegs in Deutschland

Fachabitur von zuhause aus nachholen im Fernstudium

Das Fernabitur bzw. Fern-Fachabitur ist eine weitere Möglichkeit, um das Fachabi bzw. Fernabi auf dem zweiten Bildungsweg nachzumachen.

  • Vorteil: Schüler können voll berufstätig bleiben und lernen für ihren Schulabschluss flexibel nach Feierabend oder am Wochenende.
  • Nachteil: Das Fernabitur kostet vergleichsweise viel Geld, etwa 130,– Euro im Monat. Und es erfordert sehr viel Motivation.

Im Fern-Fachabitur erwirbt man an den meisten Schulen die fachgebundene Hochschulreife. Normalerweise können Fernschüler eine der Vertiefungen Technik, Wirtschaft oder Verwaltung wählen. Über die virtuelle Berufsoberschule Bayern kann man auch die Fachhochschulreife nachholen.

Auch im Fern-Fachabitur wird eine abgeschlossene Berufsausbildung oder Berufserfahrung vorausgesetzt.

Der Lernstoff wird durch Studienhefte, Präsenzseminare, E-Learning-Angebote, Probeklausuren und Einsendeaufgaben vermittelt.

Studienheft Fachabitur SGD
Lerninhalte, Abbildungen, Übungen und Lösungen: So sieht ein Studienheft der Fernschule Studiengemeinschaft Darmstadt fürs Fachabitur bzw. Fernabitur im Fach Biologie aus.

 

Hier eine Liste an Fernschulen, mit denen man das Fachabitur nachmachen kann:

FernkursFernschuleAbschlussDauer
Fachhochschulreife Wirtschaft und Verwaltung Studiengemeinschaft Darmstadt Fachgebundene Hochschulreife 24 Monate
Fachhochschulreife Elektrotechnik Studiengemeinschaft Darmstadt Fachgebundene Hochschulreife 24 Monate
Fachhochschulreife Maschinenbau Studiengemeinschaft Darmstadt Fachgebundene Hochschulreife 24 Monate
FH-Reife Technik Institut für Lernsysteme Fachgebundene Hochschulreife 24 Monate
FH-Reife Wirtschaft Institut für Lernsysteme Fachgebundene Hochschulreife 24 Monate
Fachhochschulreife Gesundheit Studiengemeinschaft Darmstadt Fachgebundene Hochschulreife 24 Monate
Fachabitur Virtuelle Berufsoberschule Bayern Fachhochschulreife 24 Monate

Mehr Infos zum Fern-Fachabitur: FH-Reife nachholen per Fernstudium: Alle Kurse im Vergleich

Abitur Fernabitur Fernabi

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