Wie hoch ist der Anteil wirtschaftlicher und juristischer Fächer im Sozialmanagement-Studium?

Hallo in die Runde, ich interessiere mich für ein Bachelor-Fernstudium im Bereich Sozialmanagement, möchte aber vorab wissen, wie viel wirtschaftliche und juristische Inhalte da wirklich drinstecken. Ich bin zwar motiviert, aber wirtschaftliche Fächer wie Rechnungswesen und BWL sind nicht gerade meine Stärke. Außerdem ist mir wichtig, dass der Studiengang auch praxisnah auf die Arbeit im sozialen Bereich eingeht – idealerweise mit Bezug zur Flüchtlingshilfe oder Integration. Kann jemand berichten, wie sich bei den gängigen Anbietern der Schwerpunkt zwischen Wirtschaft, Recht und sozialer Praxis verteilt? Gibt es Studiengänge, bei denen der Anteil an BWL & Co. eher gering und der praxisnahe, soziale Bezug umso stärker ist? Oder habt ihr vielleicht sogar Vergleichslisten gefunden?

1 Antwort

Ehrlich gerechnet landest du in jedem Sozialmanagement-Bachelor bei ungefähr der Hälfte bis zwei Dritteln Wirtschaft und Recht. Das ist kein Beiwerk, sondern der Kern des Studiengangs: Sozialmanagement qualifiziert für die Steuerung sozialer Einrichtungen, nicht für die Arbeit am Fall. Die Unterschiede zwischen den Anbietern sind trotzdem groß, und zwei Programme gewichten den sozialfachlichen Teil spürbar stärker. Wenn dein Ziel aber die praktische Arbeit in der Flüchtlingshilfe ist, ist Soziale Arbeit der passendere Studiengang – dazu unten mehr.

Warum der BWL-Anteil so hoch ist

Sozialmanagement ist ein wirtschaftswissenschaftlich geprägtes Studium im sozialen Kontext. Rechnungswesen, Controlling, Finanzierung, Personal und Sozialrecht sind die Module, für die der Abschluss am Arbeitsmarkt steht. Das hat auch eine formale Folge, die viele übersehen: Die staatliche Anerkennung als Sozialarbeiterin bekommst du damit nicht. Die IU schreibt das in ihrer Kursbeschreibung ausdrücklich hin, die AKAD ebenfalls. Für Leitungsstellen bei Trägern und Verbänden ist das egal, für klassische Stellen in der Beratung und Betreuung oft nicht.

So verteilen sich die Schwerpunkte bei den gängigen Anbietern

  • Sozialmanagement (B.A.) an der Euro-FH – 180 ECTS, 6 Semester, ab 317 Euro im Monat. Der sozialfachlichste der Sozialmanagement-Studiengänge: Pädagogische, psychologische und soziologische Grundlagen, Ethik und reflexive Professionalität, Handlungsfelder und Adressaten. Dazu ein Wahlpflichtschwerpunkt, den du als Migration, Integration und Inklusion belegen kannst. Haken: Der zweite Pflicht-Wahlbereich ist reine Finanzarbeit (Entgelte in Behinderten-, Jugendhilfe und Pflege).
  • Sozialmanagement (B.A.) an der APOLLON Hochschule – 180 ECTS, ab 268 Euro im Monat, 12 Seminartage in Bremen oder online. Das erste Studienjahr ist stark sozialfachlich (Theorien und Methoden der Sozialen Arbeit, Ethik, psychologische und soziologische Grundlagen), das zweite praktisch komplett BWL und Recht. Im Wahlpflichtbereich gibt es ein Modul Migrationsarbeit, außerdem ein integriertes Praktikum.
  • Sozialmanagement (B.A.) an der AKAD University – 180 ECTS, ab 201 Euro im Monat, dazu laut Kursbeschreibung einmalig 960 Euro Prüfungsgebühr. Viele sozialfachliche Pflichtmodule (Grundlagen, Methoden und Profession der Sozialen Arbeit, Kommunikation, Beratung und Betreuung) und ein großes Praxisprojekt mit 15 ECTS, das du in deinem eigenen Arbeitsfeld machst. Ein Präsenztag in Stuttgart ist Pflicht, alles andere freiwillig.
  • Sozialmanagement (B.A.) an der IU – 180 ECTS, ab 259 Euro im Monat, keine Präsenzpflicht, Prüfungen rund um die Uhr online oder im Prüfungszentrum. Inhaltlich klar managementlastig: BWL, Rechnungswesen, Unternehmensführung, Controlling, Existenzgründung. Sozialer Bezug vor allem über Einführung in die Soziale Arbeit, Methoden und Instrumente und Interkulturelle und ethische Handlungskompetenzen.
  • Sozialmanagement (B.A.) an der Hochschule Wismar – staatlich, 180 ECTS, 8 Semester, ab 179 Euro im Monat bzw. 8.592 Euro gesamt und damit die mit Abstand günstigste Variante. Dafür ist es auch die wirtschaftslastigste: Buchführung, Bilanzierung, Bilanzanalyse, Kostenrechnung, Controlling, Mikro- und Makroökonomie, Statistik, Wirtschaftsinformatik. Sozialfachlich bleiben im Wesentlichen Grundlagen der Sozialen Arbeit, Sozialethik und Interkulturelle Kompetenz.

Der Vollständigkeit halber: Die SRH Fernhochschule führt den Studiengang als Betriebswirtschaft und Sozialmanagement (ab 199 Euro im Monat) – dort ist der Pflichtbereich am deutlichsten BWL, genuin sozialarbeiterisch ist im Kern nur ein Modul. Einen Überblick über alle Anbieter findest du auf unserer Vergleichsseite zum Bachelor Sozialmanagement.

Die ehrlichere Antwort auf deinen Wunsch nach Flüchtlingshilfe

Wenn der soziale Praxisbezug nicht nur dabei sein, sondern das Studium tragen soll, schau dir Soziale Arbeit an. Dort kippt das Verhältnis komplett: Wirtschaft ist ein Randthema, dafür bekommst du Praxisphasen und je nach Hochschule die staatliche Anerkennung.

  • Soziale Arbeit (B.A.) an der Euro-FH – 180 ECTS, ab 259 Euro im Monat, staatliche Anerkennung inklusive, Praxisphase von 100 Tagen fest integriert. Im Wahlpflichtbereich wählbar: Migration, Integration & Inklusion, dazu als Methodenschwerpunkt Interkulturelle Mediation. Diese Kombination gibt es so bei keinem anderen Fernstudiengang. Präsenz: 9 Tage in Hamburg plus vier Onlineseminare.
  • Soziale Arbeit (B.A.) an der APOLLON Hochschule – 180 ECTS, ab 278 Euro im Monat, Pflichtmodul Interkulturalität und Migration, Praxisphase mit 21 Credits (ein Praktikum mit 400, eines mit 96 Stunden). Im ganzen Studium schreibst du drei Klausuren, der Rest läuft über Fallaufgaben, Hausarbeiten und Projekte – relevant, wenn dir Rechenklausuren Bauchschmerzen machen. Die staatliche Anerkennung vergibt hier das Land Bremen, dafür ist ein Kolloquium nötig, das nur zweimal im Jahr stattfindet.
  • Soziale Arbeit (B.A.) an der IU – 180 ECTS, ab 235 Euro im Monat, keine Präsenzpflicht. Pflichtmodule Perspektiven auf die (Trans-)Migrationsgesellschaft und Soziale Ungleichheit und Diversität. Das Anerkennungspraktikum (600 Stunden) ist optional und nur nötig, wenn du die staatliche Anerkennung willst – ableisten kannst du es laut Hochschule unter anderem in der Ausländer- und Migrationsarbeit.
  • Preislich aus der Reihe fällt Soziale Arbeit (B.A.) beim Zentrum für Fernstudien im Hochschulverbund – staatlich, 210 ECTS, 8 Semester, 300 Euro pro Semester, insgesamt ab 1.945 Euro. Dafür bist du an Studienorte wie Fulda, Berlin, Koblenz oder Kiel gebunden.

Mehr zur Auswahl zwischen den Hochschulen steht in unserem Artikel Soziale Arbeit im Fernstudium: Welche Hochschule passt zu dir?

Worauf ich vor der Entscheidung achten würde

  • Prüfungsform schlägt Modulliste. Ob dich BWL wirklich quält, hängt weniger vom Umfang ab als davon, wie geprüft wird. Zwei Stimmen aus unseren Bewertungen dazu: „Mein Gesamteindruck ist gut. Ich habe mich für diese Hochschule entschieden, weil es einen geringen Klausurenanteil gibt und mir das Schreiben von Hausarbeiten mehr liegt. Dies bestätigt sich im Verlauf des Studiums.“ (Quelle: fernstudi.net-Bewertung von Theresia Lengert zur APOLLON Hochschule). Und als Gegenstück: „Was mich allerdings tatsächlich stört, die Klausuren und auch Onlineübungen fragen sehr kleinteilig ab. Es gibt Lückentexte, die man regelrecht auswendig lernen muss.“ (Quelle: fernstudi.net-Bewertung von Nicole Bach zur AKAD University).
  • Wahlpflichtmodule vorher schriftlich bestätigen lassen. Gerade die Migrations- und Integrationsschwerpunkte sind der Grund, warum du dich für einen bestimmten Anbieter entscheiden würdest. Ob sie im gewünschten Semester tatsächlich angeboten werden, steht in keinem Prospekt – frag das direkt bei der Studienberatung der Hochschule nach.
  • Präsenztermine früh einplanen. Ein Pflichttag in Stuttgart ist etwas anderes als neun Tage in Hamburg. Rechne Anreise und Urlaubstage mit ein, bevor du vergleichst.
  • Preise sind Startwerte. Alle Angaben hier sind „ab“-Preise aus unserer Datenbank und hängen am gewählten Zeitmodell; Prüfungs- und Graduierungsgebühren kommen teilweise obendrauf. Verbindlich ist immer der aktuelle Stand beim Anbieter.

Dein nächster Schritt

Leg dir zwei, drei Studiengänge aus beiden Listen auf den Merkzettel und fordere dort die Studienführer an – die Modulhandbücher zeigen die ECTS je Fachbereich, und damit siehst du den BWL-Anteil schwarz auf weiß. 

Arbeitest du aktuell schon in der Flüchtlingshilfe oder willst du erst dort einsteigen? Davon hängt ab, ob die staatliche Anerkennung für dich Pflicht ist und ob du dir Praxisstunden anrechnen lassen kannst.

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