Wie anerkannt sind Fernlehrgänge in der Wirtschaft?

Bevor ihr euch für einen Fernlehrgang einschreibt, solltet ihr euch überlegen, welchen Wert er für euch hat. Schließlich gibt es hierzu sehr unterschiedliche Meinungen. Dabei solltet ihr immer unterscheiden, ob es sich um einen Fernlehrgang handelt, der mit einer offiziellen Prüfung endet, oder ob es um einen Zertifikatslehrgang geht.

Wie Personalverantwortliche zur Weiterbildung stehen

Im Lebenslauf den Fernkurs angeben oder besser nicht? Wir sagen: Ja! (Foto: © Stockfotos-MG/Fotolia)

Das ILS ließ Anfang 2010 vom Marktforschungsinstitut forsa eine repräsentative Umfrage unter 300 Unternehmen mit mehr als 150 Mitarbeitern durchführen. Die Personalverantwortlichen mussten sich mit einigen Fragen rund um die Themen Weiterbildung und Fernlehrgänge beschäftigen. Hier sind mal einige der Ergebnisse, die die Umfrage hervor gebracht hat:

  • 81% der Befragten machen keinen Unterschied dabei, ob ein Bewerber den Ersten oder Zweiten Bildungsweg wählt.
  • 15% finden, dass das Abitur bei Mitarbeitern mit leitender Funktion sehr wichtig ist, 32% empfinden es immerhin als wichtig. Unwichtig erscheint es gerade einmal 5%.
  • Insgesamt 54% der Personalverantwortlichen geben an, dass ihnen nebenberufliche Weiterbildungen bei Bewerbern wichtig oder sogar sehr wichtig sind. Keine Rolle spielen sie nur bei einem marginalen Teil der Befragten.
  • Über die Hälfte der Arbeitgeber gab an, dass sie Wert darauf legten, dass sich die Mitarbeiter privat weiterbilden.
  • Höhere Chancen bei Beförderungen räumen 59% der Personalverantwortlichen den Mitarbeitern ein, die sich privat weiterbilden.

Personalverantwortliche bringen laut der Studie mit Fernlernern einige bestimmte Eigenschaften mit, die sie von anderen Arbeitnehmern unterscheiden. Dazu gehören unter anderem eine hohe Eigenmotivation (98%), Zielstrebigkeit (95%), eine hohe Selbständigkeit (89%), Organisationsfähigkeit (89%) sowie Flexibilität (85%). Auch die Offenheit für neue Ideen, Entscheidungsstärke, Kommunikationsfähigkeit und Durchsetzungsvermögen werden gelobt.

Besonders angesehen unter Personalchefs: Die hohe Eigenmotivation von Fernstudenten und Fernschülern (Bildquelle: ILS)

Somit können wir eines schon einmal festhalten: Fernlehrgänge werden von den Personalverantwortlichen deutscher Unternehmen absolut positiv gesehen. Die Frage ist allerdings, ob Fernlehrgänge wohl gleichartigen Weiterbildungen beispielsweise bei der IHK bzw. HWK oder anderen bekannten Bildungsträgern gleichgestellt sind oder eher als höher- oder niederwertig empfunden werden.

Warum manche Personaler den Wert nicht sehen

Natürlich hat es sich im Laufe der Zeit herumgesprochen, dass man die Lösungen für viele Fernlehrgänge bei Ebay und auf anderen Plattformen kaufen kann. Dementsprechend hat der Ruf von Fernlehrgängen leider allgemein ein wenig gelitten. Besonders bei Personalverantwortlichen, die keine persönlichen Erfahrungen mit dieser Lernform sammeln konnten und die sich damit noch nicht eingehender beschäftigt haben, wurde Tür und Tor für Spekulationen über Betrügereien und „erkaufte“ Abschlüsse geöffnet. Bei solchen Personen könnt ihr davon ausgehen, dass euer Fernlehrgang zwar nicht unbedingt negativ gewertet wird, aber euch auch nicht zum Vorteil gereicht.

Allerdings zeigt die erwähnte forsa-Studie schon, dass diejenigen, die das so sehen offensichtlich in der Minderheit sind, denn rund vier Fünftel der Befragten gaben ja an, dass sie den Ersten und Zweiten Bildungsweg als gleichermaßen gut ansehen.

Zertifikatslehrgang oder Prüfung?

Eines ist aber klar: Wenn ihr sicher sein wollt, dass ihr einen Abschluss bekommt, der in der Wirtschaft anerkannt ist, solltet ihr einen Lehrgang wählen, an dessen Ende eine offizielle Prüfung steht. Wenn ihr beispielsweise eine Prüfung vor der IHK ablegt, schreibt ihr die gleiche Prüfung wie alle anderen, die vielleicht einen Kurs bei der IHK oder einer privaten IHK gemacht haben. Ihr weist also mit dem Bestehen der Prüfung das gleiche Wissen nach, das auch andere mit einem entsprechenden Kurs erworben haben. Solche Fernlehrgänge, die einen Abschluss mit sich bringen, sind in der Wirtschaft sehr anerkannt und werden genauso geschätzt wie vergleichbare Weiterbildungen.

Bei Zertifikatslehrgängen legt ihr eine Prüfung ab, die keinen übergreifenden Standards genügt und die hausintern beim jeweiligen Fernlehrgangsinstitut abgenommen wird. Ihr bekommt nach dem Abschluss des Kurses ein Zertifikat, das euch die erfolgreiche Weiterbildung bescheinigt. Arbeitgeber wissen aber in der Regel nicht, mit welchem Maßstab dabei gemessen wird.

Schließlich gibt es noch diejenigen Fernlehrgänge, an deren Ende überhaupt keine Prüfung steht. Es wird dann lediglich ein Teilnahmezertifikat ausgestellt, das meist die in den Einsendeaufgaben erreichten Noten enthält. Dieses Zeugnis hat im Prinzip überhaupt keine Aussagekraft, da man ja tatsächlich die Lösungen irgendwo besorgen könnte. Die Teilnehmer an diesen Kursen müssen ihr Wissen nicht nachweisen, dementsprechend weiß niemand genau, ob es auch tatsächlich vorhanden ist.

Fazit

Das Problem bei der Bewertung von Fernlehrgängen ist, dass jeder dazu eine andere Meinung hat. Ihr könnt also nie sicher sein, wie gut ein Arbeitgeber eure Weiterbildung finden. Das werdet ihr jedes Mal aufs Neue herausfinden müssen.

Beitrag veröffentlicht vor 7 Jahren (aktualisiert vor 1 Jahr) .

Über Sabine

Sabine

Sabine Hutter hat ihr Abi mit dem Institut für Lernsysteme nachgeholt und im Anschluss über das ILS eine Ausbildung zur geprüften Betriebswirtin und zur Personalkauffrau IHK absolviert. Sabine arbeitet als freie Redakteurin.

Kommentare und Fragen

Oliver Lau

Hallo Sabine,

ich denke, dass es wichtig für einen selbst und für den Arbeitgeber sein sollte sich regelmäßig weiter zu entwickeln. Wer sich nicht weiterbildet, wird irgendwann, wenn der Arbeitgeber einem kündigt mal mit Problemen bei der Arbeitssuche am Arbeitsmarkt konfrontiert werden. Denn nichts hält für ewig und erlangtes Wissen kann mit der Zeit obsolet werden oder stellt mit der Zeit keinen Wettbewerbsvorteil am Arbeitsmarkt mehr dar, wenn es nicht weiterentwickelt wird. Außerdem ist es ja auch so, dass der berufliche Aufstieg durch Weiterbildung gefördert wird.

Wer bereits im Beruf ist, hat auch für Vollzeitfortbildungen i. d. R. nicht die Zeit, so dass sich Fernlehrgänge und Abendkurse zur Fortbildung anbieten. Ich sehe es allerdings auch so, dass am Ende eine anerkannte Prüfung, z. B. von der IHK oder einer Universität zumindest mit einer Klausur abschließen sollte, um neu erlangtes Wissen gegenüber dem Arbeitgeber dokumentieren zu können.

Sabine

@Oliver Lau: Ich bin da ganz bei dir - wer stehenbleibt, verliert in den meisten Berufen irgendwann an Reiz für die Arbeitgeber. Das ist mittlerweile selbst in Berufen so, in denen man noch vor 20 Jahren gesagt hätte, dass wirklich jeder sie ausüben kann. Die Anforderungen steigen und wer da mithalten will, dem bleibt fast nichts anderes übrig, als sich weiterzubilden.

Hallo Sabine,

ich würde gerne in der Buchhaltung arbeiten, da mich das sehr interessiert. Tätig bin ich zur Zeit in der Reingung. Für eine Ausbildung bin ich höchstwahrscheinlich für die meisten Arbeitgeber zu alt (47). Seit einem Jahr arbeite ich die Bücher von Schmolke/Deitermann "Industrielles Rechnungswesen" zusammen mit einem Weiterbildungsberater, der hier in unserem Viertel ein Projekt anbietet. Konkret heißt das, ich arbeite die Aufgaben und den Stoff zu Hause durch und treffe mich mit dem Mann ein mal wöchentlich, um offenstehende Fragen zu klären. Klappt auch sehr gut. Da ich immer wieder die Stellenanzeigen studiere, habe ich festgestellt, dass sehr viele Arbeitgeber SAP Kenntnisse wünschen. Bei der Fernschule ILS und bei der sgd bieten sie solche Kurse mit institutseigener Prüfung an. Da kann man auch zu Hause mit SAP üben. Das klingt sehr interessant. Aber der Spaß kostet auch ganz schön viel Geld. Meine Frage: Nutzt mir so ein Kurs überhaupt was? Ich habe keine Zweifel, dass ich das nicht schaffe, aber ich habe keine Lust, mein sauer verdientes Geld für nichts und wieder nichts zum Fenster rauszuschmeißen. Für eine baldige Antwort bin ich sehr dankbar. Viele Grüße von Ihrer Namensvetterin Sabine aus Gießen

fernstudi.net

Hallo Sabine aus Gießen,

du fragst:
Bei der Fernschule ILS und bei der sgd bieten sie solche Kurse mit institutseigener Prüfung an. Da kann man auch zu Hause mit SAP üben. Das klingt sehr interessant. Aber der Spaß kostet auch ganz schön viel Geld. Meine Frage: Nutzt mir so ein Kurs überhaupt was?

Ob das was nützt, liegt vor allem an dir. Interessiert dich das Thema? Möchtest du auch beruflich damit arbeiten? Falls ja, kann dir so ein Kurs mit hoher Sicherheit weiterhelfen, weil du systematisch neue Fähigkeiten lernst, und weil du am Schluss ein Zertifkat hast, das du bei Bewerbungen vorzeigen kannst.

Die Zertifkate, die du erwerben kannst, sind übrigens u.a. SAP-Anwender-Zertifikate, zusätzlich zu den institutseigenen Zertifikaten. Beispiel: Der Fernkurs Finanzbuchhaltung mit SAP® ERP am ILS. Den Kurs kannst du auch über Bildungsgutschein finanzieren.

Wie anerkannt sind Menschen mit Behinderung z.B. Lernbehinderung in der Wirtschaft? -überhaupt Nicht! bringen kein Geld, da das erforderliche Wissen nur schwer vermittelt werden kann. Fazit: wer nicht funktioniert und sich nicht Weiterbildet / weiterbilden kann, hat pech. In einer Leistungsgesellschaft sollte man funktionieren und alles Wissen aufsaugen wie ein Schwamm und schon freut sich der Geldbeutel besonders der Chef, denn er hat funktionierende Geräte immer einsatzbereit. Willkommen im Leben!

Sabine

@Heute so morgen so: Ich bin mir nicht so ganz sicher, wo da der Bezug zum Thema des Artikels ist, auch wenn du natürlich recht hast. Es tut mir leid, dass du in deinem Leben offenbar weniger positive Erfahrungen machen musstest. Ich muss sagen, ich habe bisher fast ausschließlich Arbeitgeber kennengelernt, die durchaus auch Menschen eine Chance gegeben haben, die keine perfekten Leistungstiere waren. Aber mir ist natürlich klar, dass das längst nicht in allen Unternehmen an der Tagesordnung ist. Im Endeffekt bleibt da nur, sein Bestes zu geben und zu hoffen, dass es fürs Leben reicht.

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