Studienskripte im Fernstudium: Was kann man erwarten (und was nicht)?
In den Kommentaren auf Youtube und in diversen Bewertungsportalen für Fernstudiengänge ist ab und an die Kritik zu lesen, dass die Skipte im Fernstudium zu flach seien und häufig nicht ausreichend in die Tiefe gehen. Deswegen geht Christian in diesem Video darauf an, was man sich von den Skripten erwarten darf, und was man generell an thematischer Tiefe insbesondere von Bachelorstudiengänge erwarten sollte.
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Transkript
Diese Aufnahme stammt aus dem Jahr 2021. Genannte Preise, Studiengänge und Studienbedingungen können sich seitdem geändert haben.
Schönen guten Tag. Ich habe jetzt schon öfter in den Kommentaren gelesen, dass einige von euch die Studienskripte im Fernstudium an einigen Hochschulen, in einigen Studiengängen ein bisschen zu flach finden. Das habe ich hier in den Kommentaren gelesen, das habe ich aber auch in Bewertungen für einzelne Hochschulen und Studiengänge gelesen.
Ich bin aber der Meinung, dass manche von euch mit ein bisschen zu hohen Erwartungen an so ein Fernstudium rangehen und auch an die Skripte, die man in so einem Fernstudium hat. Deswegen will ich in diesem Video erst mal ein bisschen was dazu sagen, was man sich von den Skripten erwarten kann und sollte, egal ob man jetzt an einer privaten Hochschule oder an einer staatlichen Hochschule sein Studium absolviert. Ich wünsche euch jetzt viel Spaß mit dem Video.
Wie ein Modul im Präsenzstudium aussieht
Ich will mal den Vergleich ziehen zu so einem normalen Präsenzstudium, einer normalen Präsenzhochschule. Wenn ihr jetzt ein Modul an einer normalen Präsenzhochschule studiert, an einer staatlichen Hochschule beispielsweise, etwa BWL oder so was, dann besteht so ein Modul in der Regel – vor allem im Bachelorstudium – erst mal aus einer Vorlesung natürlich. Und diese Vorlesung hat man dann einmal die Woche, teilweise auch zweimal die Woche, aber in der Regel eben einmal die Woche anderthalb Stunden.
In dieser Vorlesung wird dann etwa bei einem Modul Einführung in die BWL wirklich überblicksartig über den gesamten Fachbereich erst mal alles abgehandelt, was es da zu wissen gibt. Da gibt es dann einfach nur einen Überblick über diese ganzen einzelnen Themen, die in dem Fachbereich behandelt werden, und da wird einfach im Schnelldurchlauf so ein gesamter Fachbereich abgehandelt. Da geht überhaupt nichts irgendwie in die Tiefe.
In so einer Vorlesung hat man auch in der Regel keine Möglichkeit, irgendwie Fragen zu stellen oder was groß zu diskutieren. Da steht dann einfach nur der Professor, die Professorin oder ein wissenschaftlicher Mitarbeiter vorne und rattert das Thema einfach wirklich ab – teilweise dieselben Inhalte, die der oder diejenige schon seit zehn Semestern immer wieder abrattert. In der Regel kann man sich das dann auch schneller aus einem Buch oder aus dem Skript entnehmen, aber so ist es dann halt.
Zusätzlich zu dieser Vorlesung, die wirklich in der Regel gerade im Bachelorstudium per se einfach flach ist, weil eben einfach so viel Stoff abgehandelt wird, damit die Studierenden erst mal einen Überblick über den Fachbereich bekommen – zusätzlich zu dieser Vorlesung hat man dann typischerweise noch ein Seminar. Das ist natürlich unterschiedlich, auch von Modul zu Modul, aber häufig hat man dann eben ein Seminar auch noch einmal die Woche, und in diesem Seminar wird der Stoff dann ein kleines bisschen vertieft.
Und dann ist es aber nicht so, dass in dem Seminar der wissenschaftliche Mitarbeiter, der Tutor oder die Tutorin oder wer auch immer vorne steht und euch dann noch mal wirklich den vertieften Stoff runterbetet wie in der Vorlesung, sondern man bekommt da ganz typischerweise Aufgaben, jede Woche. Also etwa die Aufgabe: Lesen Sie mal bitte hier in diesem Buch der Sekundärliteratur Seite 30 bis Seite 70 oder so was. Dann hast du halt 40 Seiten durchzuarbeiten, musst vielleicht noch ein paar Fragen beantworten, oder du musst ein Referat halten, dir das Referat vorbereiten und das dann deinen Kommilitonen vortragen. Aber du musst einfach dann wirklich ganz häufig noch mal richtig Stoff selbstständig durcharbeiten, in Vorbereitung auf dieses Seminar.
Und diesen Stoff, also die Sekundärliteratur, die du dafür brauchst, die holst du dir sehr häufig aus der Bibliothek beispielsweise. Manchmal gibt es auch praktischerweise schon fertige Reader von den Lehrkräften zur Verfügung gestellt, da hast du dann einfach so einen dicken Schwung an kopierten Beiträgen, Artikeln beispielsweise oder Auszügen aus irgendwelchen Monografien, die dann durchgearbeitet werden müssen. Aber es ist jetzt nicht so, dass ihr dann in den Seminaren den vertieften Stoff vorgekocht bekommt, sondern man muss sich da ganz viel einfach selber erarbeiten.
Und zusätzlich hat man dann gelegentlich auch noch mal Übungen, also als dritte Veranstaltung in so einem Modul, wo man den Stoff dann noch mal vertieft, in den Rechtswissenschaften beispielsweise.
Was davon im Fernstudium fehlt
Im Fernstudium ist es jetzt nicht so, dass die Module so gesplittet sind, dass ihr die Skripte habt, die dieser Vorlesung entsprechen, und dann vielleicht noch irgendwelche Seminare oder Übungen dazu. Ihr habt eben nur die Skripte, teilweise noch den Videocontent, und der Rest, der liegt dann wirklich an euch.
Erstens mal die Skripte: Die können einfach, gerade in den einführenden Veranstaltungen, nicht den gesamten Stoff wirklich zu sehr vertiefen. Die versuchen euch einfach erst mal einen Überblick über den einzelnen Fachbereich oder über die einzelnen Themengebiete in diesem Fachbereich zu geben.
Ihr habt aber natürlich in den meisten Skripten auch immer Verweise auf Sekundärliteratur. Und ich weiß natürlich, wie das ist: Da steht halt, die sollte man sich besorgen, macht man dann aber nicht. Teilweise besorgt man sich diese Sekundärliteratur nicht – oder das, was die Autoren der Skripte empfehlen –, weil man aus Faulheit keinen Bock hat, das irgendwie noch durchzuarbeiten, durchzulesen, oder weil man auch kein Geld hat, sich dann noch zusätzlich ein, zwei Bücher zu kaufen. Viele Bücher gibt es natürlich auch in den Bibliotheken der Hochschulen, je nachdem, wo ihr studiert, aber das kostet natürlich zusätzlich Arbeit, sich das dann runterzuladen oder das Buch zu kaufen und noch zusätzlich durchzuarbeiten.
Aber ich finde es superwichtig, auch im Bachelorstudium einfach noch die Sekundärliteratur durchzuarbeiten, auch die Klassiker vor allem der einzelnen Fachbereiche sich zu besorgen und durchzuarbeiten. Aber das liegt dann natürlich im Fernstudium, wenn niemand da ist, der euch so wie im Seminar das als Aufgabe aufgibt, auch ein bisschen an euch, das zu machen.
Also bitte beachtet das einfach, bevor ihr so ein Studium anfangt: dass ihr gerade im Fernstudium sehr viel Eigenverantwortung habt, euch da vertieft in irgendein Thema einzuarbeiten, und dass ihr eben nicht alles wirklich bis ins kleinste Detail von irgendeinem Fachbereich über die Skripte vorgekocht bekommt.
Der Bachelor ist per se flach
Und noch was anderes, was ihr auch bedenken solltet, wenn ihr jetzt ein Bachelorstudium startet oder starten wollt: dass so ein Bachelorstudium per se einfach schon eine sehr flache Geschichte ist, fachlich gesehen.
Meine ersten Studiensemester habe ich im Magisterstudium studiert. Ein Magisterstudium – das war damals noch ein Studium, das neun bis zehn Semester gedauert hat, und die ersten vier Semester von so einem Magisterstudium, die waren das sogenannte Grundstudium. Da hat man dann eben diese ganzen Einführungssachen abgehakt, keine Ahnung, Einführung in die BWL, Einführung in die Geschichtswissenschaft, was auch immer man da studiert hat. Und ihr seht schon: Das waren vier Semester Grundstudium, das entspricht fast einem Bachelorstudium, ein Bachelorstudium sind sechs Semester.
So gesehen ist ein Bachelorstudium heutzutage nicht mehr als so ein Grundstudium oder so ein Studium, das halt in den Fachbereich erst mal nur einführt und einen groben Überblick über diese ganzen Themengebiete in diesem Fachbereich gibt. Da dürft ihr euch einfach nicht zu viel erwarten. Ihr dürft euch nicht von einem Bachelorstudium erwarten, dass ihr da extrem tief in irgendwelche Themengebiete eintauchen werdet. Ihr könnt euch natürlich teilweise dann schon, gerade in den letzten ein, zwei Semestern, noch ein paar Sachen vertiefen, die euch interessieren. Aber die eigentliche, wirkliche Vertiefung und das eigentliche Eintauchen in Spezialgebiete von irgendeinem Fachbereich, das habt ihr dann letztendlich erst im Masterstudium, das könnt ihr euch nicht von so einem Bachelorstudium erwarten.
Und entsprechend könnt ihr euch eben auch nicht von so einem Bachelorstudium und von den Skripten im Bachelorstudium erwarten, dass die zu sehr, zu tief in einen Fachbereich eintauchen. Die sind wie gesagt per se schon immer einfach ein bisschen flacher als in einem Masterstudium, aber auch ein bisschen flacher als im Präsenzstudium einer Universität, weil ihr eben diese vertiefenden Seminare nicht habt, sondern mehr auf euch alleine gestellt seid.
Fazit
Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Video so ein ganz kleines bisschen eure Illusionen nehmen, was die Studienmaterialien in so einem Fernstudium angeht. Das hat natürlich nichts damit zu tun, dass es teilweise wirklich Studienmaterialien gibt, wo hier und da mal Fehler drin sind oder die vielleicht wirklich auch einfach schlecht sind – das ist meiner Erfahrung nach aber nicht die Regel, egal an welcher Hochschule oder Fernhochschule ihr euer Fernstudium, Onlinestudium absolvieren wollt. Ich wollte einfach mal ein bisschen darüber aufklären, dass die Inhalte grundsätzlich mal ein bisschen flach sind in so einem Bachelorstudium. Das hat aber nichts mit der Qualität der Hochschule oder was auch immer zu tun.
Ich würde mal sagen, schreibt mir eure Meinung dazu in die Kommentare. Wir sehen uns in einem der nächsten Videos.

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