Heilpädagogik Studium an der AKAD University: Prof. Fink & Botschafter Wiegelmann im Interview

Heilpädagogik beschäftigt sich mit der Förderung und Unterstützung von Menschen mit besonderen Bedürfnissen in ihrer individuellen Entwicklung. Also die Förderung jener Personen, die aufgrund von physischen, kognitiven oder emotionalen Unterschieden oder Herausforderungen spezifische Unterstützung oder Anpassungen benötigen, um ihre Fähigkeiten zu entfalten und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Das Fernstudium in Heilpädagogik vermittelt pädagogische, psychologische und sozialrechtliche Kenntnisse, um diese Personen zu unterstützen und zu betreuen. Man lernt, individuelle Förderpläne zu erstellen und pädagogische Konzepte anzupassen, um die bestmögliche Unterstützung für Menschen mit besonderen Bedürfnissen zu gewährleisten.

Das Fernstudien-Angebot der @AKADuniversity bietet ein flexibles Studienmodell und ist interessant für jene, die im pädagogischen Bereich arbeiten möchten oder sich von dort aus spezialisieren wollen. Berufliche Perspektiven ergeben sich in Bereichen wie (Förder-)Schulen, sozialen Einrichtungen und Beratungsstellen.

Um über das Fernstudium Bachelor of Arts Heilpädagogik an der AKAD University zu informieren sind Prof. Dr. Sandra Fink, Studiengangsleiterin und Professorin für Erziehungs- und Bildungswissenschaften, und Tim Wiegelmann, Studiengangsbotschafter und „Bildungsrebell“, bei Christian im Interview zu Gast.

Inhalt:

00:00 Intro
01:32 Prof. Fink & Tim Wiegelmann stellen sich vor
03:45 Wieso man Heilpädagogik studieren sollte
08:14 Für wen eignet sich der Studiengang Heilpädagogik?
09:47 Wie hoch ist der Männeranteil in der Heilpädagogik?
10:42 Was macht man mit einem Heilpädagogik-Studium?
12:05 Tims Buch & Erfahrungen im Schulsystem
18:47 Studieninhalte im B.A. Heilpädagogik
21:02 Klausuren, Assignments etc. - Prüfungen im B.A. Heilpädagogik
22:56 Praxisphase & Anerkennung von Vorleistungen
23:52 Tim über positive Erfahrungen mit Pädagogen
26:20 Welche Botschaft möchte Tim Pädagogik-Studierenden mitgeben?
29:41 Wo man Prof. Fink & Tim Wiegelmann im Netz begegnet


Studiengangsleiterin Prof. Dr. Sandra Fink im Internet:

➡️ LinkedIn: linkedin.com/in/prof-dr-sandra-fink-a63626155
➡️ Website: lernbegleitung-fink.de
➡️ Instagram: instagram.com/lernbegleitung.fink

Botschafter Tim Wiegelmann im Internet:

➡️ LinkedIn: de.linkedin.com/in/tim-wiegelmann-bildungsrebell-199732266
➡️ Youtube: youtube.com/@TimWiegelmann
➡️ Instagram: instagram.com/timwiegelmann_bildungsrebell


Im Video erwähnt:

👉 B.A. Heilpädagogik auf einen Blick: fernstudi.net/fernstudium/humanwissenschaften/paedagogik/16…
👉 Das gesamte Studienangebot der AKAD: fernstudi.net/fernhochschulen/akad-university


#akad #heilpädagogik #fernstudium

Transkript

Schönen guten Tag. An der AKAD University gibt es einen neuen Fernstudiengang in Heilpädagogik. Und wenn ihr Heilpädagogik studieren wollt oder wolltet, habt ihr sicherlich schon mitbekommen: Da gibt es nicht allzu viele Studiengänge in diesem Bereich, da gibt es noch zwei, drei andere Hochschulen, die einen Studiengang in Heilpädagogik anbieten, einen Bachelor of Arts. Deswegen dachte ich, es ist ganz sinnvoll, wenn wir mal in einem Video diesen Studiengang ein bisschen genauer vorstellen.

Dafür habe ich mir Frau Professor Dr. Fink eingeladen, die an der AKAD Hochschule Professorin für Erziehungs- und Bildungswissenschaften ist, die aber auch noch ganz viele andere Sachen macht – das wird sie uns auch gleich im Interview erzählen. Und Frau Dr. Fink hat noch jemanden mitgebracht, einen Studienbotschafter für diesen Studiengang, und zwar Tim Wiegelmann, der sich selbst als Bildungsrebell bezeichnet, Speaker ist, ein Buch geschrieben hat und Bildungsaktivist ist. Er wird uns auch ganz viel dazu erzählen, worum es in seinem Buch geht – darüber wollen wir auch reden, das hat natürlich ganz viel mit dem Thema Bildung und Heilpädagogik zu tun.

Wir wollen aber primär natürlich den Studiengang in Heilpädagogik vorstellen: Was sind so die Voraussetzungen, was muss ich mitbringen, um diesen Studiengang zu studieren, was kann ich überhaupt machen mit dem Bachelor in Heilpädagogik? Wir gucken uns auch ein bisschen die Studieninhalte an, was gibt es für Prüfungsformen. Über all diese Sachen möchten wir reden – und ich würde sagen, wir legen direkt los.

Die beiden Gäste

Christian: Herzlich willkommen Ihnen beiden, und schön, dass Sie sich bereit erklärt haben, mir diesen Studiengang vorzustellen – natürlich unserer Community und denjenigen, die sich interessieren, Heilpädagogik zu studieren. Ich bin super gespannt, auch auf die persönlicheren Dinge und Themen, die wir jetzt ansprechen können. Aber ich möchte Sie zu Beginn beide bitten, sich kurz vorzustellen. Fangen Sie vielleicht an, Frau Dr. Fink.

Sandra Fink: Ja, vielen lieben Dank erst mal für die Einladung. Wir freuen uns natürlich sehr, den neuen Studiengang Heilpädagogik der AKAD vorstellen zu dürfen. Mein Name ist Sandra Fink, ich bin die Studiengangsleiterin für den Studiengang, und alle, die bei uns studieren, werden natürlich auch ganz viel mit mir zu tun haben.

Christian: Vielen Dank. Herr Wiegelmann, Sie sind Bildungsrebell, habe ich gesehen, beziehungsweise Sie bezeichnen sich als Bildungsrebell.

Tim Wiegelmann: Ja, das ist ziemlich lustig. Ich bin ja nicht nur Bildungsrebell, sondern zur Zeit selber wieder Schüler, wage mich an den sogenannten Bildungsaufstieg dran, weil ich gerade nur einen Hauptschulabschluss habe, und bin gleichzeitig Botschafter an der Universität und arbeite mit Universitäten zusammen – da sieht man schon die Absurdität dieses Systems.

Und der Titel, den mir Sandra gegeben hat, mit dem ich sehr glücklich bin, ist Botschafter für humane Bildung. Ich bin ja nicht der einzige Botschafter, es gibt ja noch eine Kollegin, die Botschafterin für Nachhaltigkeit ist – beides unfassbar wichtige Themen. Und ich freue mich sehr, dass es jetzt einen Studiengang gibt, der sich in bestimmten Bereichen einfach positioniert und der sagt: Wir sind nicht nur ein Studiengang, der vorgefertigtes Wissen lehrt, sondern ein Studiengang, der Haltung vermitteln will. Und das ist der AKAD sehr wichtig, weiß ich aus Gesprächen mit dir, Sandra, und deswegen freue ich mich sehr, dabei zu sein.

Warum es diesen Studiengang braucht

Christian: Ja, das Thema Haltung, das hatten wir auch schon in einem anderen Gespräch, das wir hier auf diesem YouTube-Kanal geführt haben, zum Studiengang in Kindheitspädagogik. Da geht es auch ganz viel um Persönlichkeitsentwicklung, und da schauen wir jetzt in diesem Interview auch noch mal ein bisschen in die Studieninhalte rein, um zu gucken, an welcher Stelle da angesetzt wird.

Aber lassen Sie uns ganz zu Beginn mal eine grundlegendere Thematik aufgreifen und erst mal darüber reden, warum das eigentlich so wichtig ist, dass es diesen Studiengang gibt. Es gibt ja nicht viele Hochschulen, die einen Fernstudiengang in Heilpädagogik anbieten. Klassischerweise ist das ja ein Ausbildungsberuf, also man absolviert eine Ausbildung zum staatlich geprüften Heilpädagogen oder zur Heilpädagogin, häufig auch aufbauend auf etwa eine Erzieherausbildung. Warum ist es so wichtig, dass es jetzt so einen Studiengang gibt und letztendlich auch mehr Studiengänge in diesem Bereich, zumindest als Fernstudiengänge, angeboten werden?

Sandra Fink: Also ein Hochschulstudium an sich bietet natürlich immer eine wissenschaftliche Grundlage. Da gibt es einen ganz engen Schulterschluss zwischen Forschung und Lehre – also das, was wir in der Theorie dann versuchen an die Studierenden zu kommunizieren, basiert auf den Erkenntnissen, die wir natürlich aus der Forschung erhalten. Und von daher ist es schon noch mal eine Vertiefung des Wissens, das man in der Ausbildung hat, und noch mal ganz viel Methodik, die man an die Hand bekommt und die noch mal detaillierter auf die Themenstellung zugeschnitten ist.

Christian: Herr Wiegelmann, vielleicht können Sie noch etwas dazu sagen aus Ihrer eigenen Erfahrung heraus. Ich weiß nicht, inwiefern Sie in Ihrem Leben mit Heilpädagoginnen oder Heilpädagogen zu tun hatten – die meisten werden ja wahrscheinlich ausgebildet sein im Sinne einer Ausbildung zum staatlich geprüften Heilpädagogen. Oder hatten Sie auch mit studierten Heilpädagogen zu tun?

Tim Wiegelmann: Ich hatte schon mit allerlei Berufsgruppen zu tun. Und so wie ich die AKAD verstehe beziehungsweise wie ich das verstehe, was Sandra gerade gesagt hat mit dem Schulterschluss zur Forschung: Es geht bei diesem Studiengang im Vergleich zur Ausbildung darum, das Ganze mehr als Lernfeld zu begreifen und zu sagen, wir machen jetzt auch hier ganz viel Sensibilisierung für die Themen der nachhaltigen Entwicklung und der humanen Bildung. Dass man sich also quasi selbst als Heilpädagoge mehr als Zukunftsgestalter versteht, nicht nur als Lernender von vorgefertigten Inhalten, sondern dass es darum geht, für bestimmte Themen anders zu sensibilisieren, um dann darauf einzuwirken – zum Beispiel im Bereich der Bildung für nachhaltige Entwicklung oder im Bereich der grundlegenden Veränderung des Schulsystems.

Und das ist das, was in der Forschung natürlich jeden Tag passiert, weil Forschung ja nie vorgefertigt ist, weil du in der Forschung ja immer neue Sachen entdeckst. Und das ist das, was sich die AKAD ein bisschen zur Aufgabe gemacht hat, glaube ich, und weshalb mich das einfach begeistert, wie der Studiengang konzipiert ist.

Sandra Fink: In der Heilpädagogik ist es ja auch enorm wichtig, dass man eben nicht, sage ich mal, auf altbewährte Theorien und Konzepte setzt, sondern dass man auch neue Entwicklungen mit integriert, mit aufnimmt, was daraus etwas Neues macht, neue Anwendungsfelder, Handlungsfelder schafft. Ich denke, das ist eben auch im Bereich zum Beispiel der Disability Studies – da gibt es ja ganz viele neue Erkenntnisse, also zum Thema Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in der Gesellschaft. Also wie müssen wir das Bild selbst verändern, den Blickwinkel sozusagen, dass wir sagen: Wir gucken aus der Richtung, was kann die Gesellschaft tun für Menschen, die eine Behinderung haben, wie können wir deren Bedürfnisse unterstützen – und eben nicht mehr die alten defizitären Sichtweisen weitertragen und weiterleben.

Für wen ist der Studiengang interessant?

Christian: Und dieser Fokus beziehungsweise diese Perspektive auf dieses humanistische Prinzip, aber auch auf Persönlichkeitsentwicklung, worüber wir gleich auch noch reden werden, scheint mir schon wirklich eine Besonderheit für diesen Studiengang an der AKAD zu sein, wenn ich das ein bisschen vergleiche mit den anderen Studiengängen, die in dem Bereich angeboten werden.

Ich würde aber erst mal gerne ein bisschen darüber reden: Für wen ist dieser Studiengang eigentlich interessant? Ich meine, die Voraussetzungen sind klar, man benötigt ein Abitur oder ein Fachabitur, also einen Schulabschluss, oder eine abgeschlossene Berufsausbildung, dann kann man auch zugelassen werden – das kann man auch alles nachlesen auf der Website der AKAD University. Mich interessiert ein bisschen mehr: Wer studiert das eigentlich, an wen richtet sich der Studiengang, und wer schreibt sich dann letztendlich für so einen Studiengang ein?

Sandra Fink: Ja, also wie Sie schon sagen, im Prinzip meistens sind es Personen, die entweder selber aus Bereichen kommen, die schon etwas mit der Heilerziehungspflege zu tun haben. Es gibt aber auch eine Tendenz dahin, dass es einfach Familienmitglieder von Betroffenen sind, die selber sagen: Mensch, ich habe mein Kind oder meine Schwester oder wer auch immer, ich würde gern mehr erfahren, ich möchte gern verstehen, wie es ist, als Mensch mit Behinderung zu leben, und wie ich denjenigen zur Teilhabe in der Gesellschaft unterstützen kann. Was sind die Methodiken, was sind die Didaktiken? Das ist ja Spezialwissen, das ich mir aneignen müsste, und dafür ist ein Studium eben sehr gut geeignet – also wenn ich sage, ich möchte wissenschaftlich fundiert erfahren, wie ich Menschen mit Behinderungen so in die Gesellschaft integrieren kann, dass sie ein ganz natürlicher Teil der Gesellschaft sind.

Christian: Und kann man sagen, dass es da eine Tendenz zwischen Männern und Frauen gibt, wenn es darum geht, diesen Studiengang zu absolvieren, oder ist es einigermaßen paritätisch?

Sandra Fink: Ja genau, wir haben ein bisschen darüber geredet: In der Kindheitspädagogik ist es tatsächlich so, dass ich eher sagen würde, ein bisschen höherer weiblicher Anteil. Das würde ich jetzt in der Heilpädagogik eher weniger sehen, also da habe ich so das Gefühl – wir haben jetzt noch keine belastbaren Zahlen, die Studiengänge haben wir gerade erst gestartet –, aber man sieht schon auch in der beruflichen Praxis: Ich bin ja auch noch Montessori-Pädagogin, bin selbst an der Grundschule tätig, und da haben wir schon Kolleginnen und auch Kollegen, die im Heilerziehungsbereich tätig sind. Von daher würde ich sagen, da kommt es mir ein bisschen ausgewogener vor. Aber das ist jetzt wie gesagt ein subjektiver Eindruck.

Wo arbeitet man danach?

Christian: Und was kann ich mir vorstellen, was mache ich dann mit diesem Studiengang? Ich bin ja beruflich in einem völlig anderen Bereich tätig – vielleicht interessiert sich auch jemand, ganz quer einzusteigen in dieses Thema, eben durch persönliche Erfahrung beispielsweise. Was arbeite ich denn dann, arbeite ich dann in Einrichtungen beispielsweise, was können das für welche sein? Können Sie uns ein paar Beispiele geben?

Sandra Fink: Ja, da gibt es natürlich eine ganz große Bandbreite. Also Sie können sich im Prinzip vorstellen, dass Sie als Inklusionshelfer zum Beispiel mit in der Schule dabei sind, oder Sie können tatsächlich auch in Heimen unterstützen, oder es gibt Behindertenwerkstätten, wo wir Heilpädagoginnen und Heilpädagogen drin haben. Also es gibt eine riesige Bandbreite. Es gibt aber auch Institute, die sich auf heilpädagogische Frühförderung konzentriert haben, bis hin zur wissenschaftlichen Mitarbeit – also auch in Ministerien bieten sich Möglichkeiten, in Hochschulen bieten sich Möglichkeiten. Also die Bandbreite ist da eigentlich enorm.

Christian: Und wahrscheinlich ist es auch so, dass diejenigen, die sich speziell für diesen Studiengang interessieren, die meisten davon werden ja schon berufstätig sein und wahrscheinlich auch in diesem Bereich arbeiten und dann ganz gezielt diesen Studiengang absolvieren, um da noch mal andere Möglichkeiten wahrnehmen zu können in dem Beruf, den sie jetzt schon machen.

Tim Wiegelmanns Buch und seine Schulerfahrung

Christian: Herr Wiegelmann, ich habe eine Frage zu Ihrem Buch. Sie haben ein Buch geschrieben, habe ich gesehen, mit dem Titel „Ich weiß, dass du nur Gutes willst“. Was war denn der Anlass für dieses Buch?

Tim Wiegelmann: Ja, der Anlass waren meine persönlichen Erfahrungen im Schulsystem. Ich habe ja Erfahrung immer nur an Förderschulen. Und da war es die ganze Zeit lang so – also wenn ich meine persönlichen Erfahrungen kurz zusammenzufassen versuche –, dass ich mich da sozial nicht eingebunden gefühlt habe, und die Erklärung war immer, dass ich ja unterfordert sei und dass ich jetzt endlich mal den richtigen Lehrplan lernen müsste. Das heißt also, ich bin von Grund auf aufgewachsen mit einem exklusiven Mindset, also dem Mindset, dass ich der Bessere wäre – das ist natürlich ein exklusives Mindset, und damit bin ich von Grund auf aufgewachsen.

Und dann haben wir gesagt: Na ja, an der ersten Förderschule, wo ich war, konnte man noch nicht mal einen Abschluss machen. Aber dann haben wir gedacht, was machen wir jetzt? Na ja, es gab dann eine Förderschule, die hat zumindest den Hauptschulabschluss angeboten, und da war so das Motto: Na ja, machst du erst mal den, und dann schauen wir mal weiter. Und dann saß ich da so richtig und dachte, jetzt wird es richtig gut, wenn ich jetzt endlich diesen ganzen Lernstoff lernen kann – ich dachte immer, dieser Lehrplan sei ganz was Tolles, und ich werde da nur nicht rangelassen.

Und dann habe ich mich in der ersten Klasse wieder unterlegen gefühlt, weil dieses exklusive Mindset, also dieser Fokus nicht auf die Gemeinsamkeiten, sondern wer beherrscht jetzt welchen Stoff, bei mir so stark war, dass ich dann unbedingt in eine höhere Jahrgangsstufe versetzt werden wollte. Und ich weiß noch genau: Ich hatte immer so meine Bereiche, wo ich ein riesiges Interesse hatte, und damals war das die Fußballtaktik – ein bisschen lustig mit meiner Körperbehinderung. Aber ich habe dann vor meiner Lehrerin gesessen und habe erzählt: Aber wissen Sie, ich kann doch schon so viel im Bereich der Fußballtaktik verstehen, dann bin ich doch falsch in dieser Klasse.

Eigentlich wollte ich nämlich fragen: Na ja, aber am Beispiel der Fußballtaktik sehen Sie doch, ich kann so wahnsinnig viel entdecken, was mich fasziniert, ich bin doch da schon so gut – warum muss ich hier vorgegebene Inhalte an dem vorgegebenen Ort zu einer vorgegebenen Zeit lernen?

Und jetzt ist eben, kurz zusammengefasst, die Situation: Ich habe jetzt einen Hauptschulabschluss und muss mich jetzt an diesen Bildungsaufstieg ranwagen, damit mir die Welt offensteht. Also die Aussage unseres Schulsystems ist quasi: Die Welt ist verschlossen, und du musst sie dir durch Abschlussprüfungen erst eröffnen.

Und ich stelle mir eben die Frage: Was ist eigentlich, wenn die erste Institution, mit der jeder in Berührung kommt – weil es gibt ja keine Kindergartenpflicht, aber mit der Schule kommt jeder in Berührung –, was ist, wenn die erste Institution, mit der ich in Berührung komme, mir eigentlich das Gefühl gibt, nicht gut genug zu sein? Wenn die erste Institution dieser Gesellschaft, mit der ich in Berührung komme, mir das Gefühl gibt: Okay, du weißt zu viel, und möglicherweise kannst du auch viel, aber jetzt musst du dich erst mal beweisen.

Die Idee unserer Gesellschaft ist ja eigentlich die, dass wir sagen: Wir finden euch alle super, alle gehören dazu. Und da ist jetzt die Brücke zur Heilpädagogik, weil das ja das Leitbild der Heilpädagogik ist. Es geht darum, wie Sandra eben schon gesagt hat, die Umgebung zu verändern und nicht auf den Menschen zu schauen, was an dem Menschen behindert, sondern: Warum erscheint das, wie dieser Mensch in seiner einzigartigen Individualität ist, gerade als Behinderung? Darum geht es – um dieses „Alle gehören dazu, wir finden euch alle super“ als prägendes Element, das eine Schule als Institution des gemeinsamen Zusammenlebens und gemeinsamen Lernens gewährleisten sollte.

Und ich habe anhand meiner eigenen Erfahrung gemerkt, dass eigentlich dieses Leitbild der Heilpädagogik im Schulsystem nicht gewährleistet ist – also dass das, was tagtäglich an Unis gelehrt wird, im Schulsystem, so wie es ist, gar nicht gelebt werden kann. Und das war der Anlass für das Buch.

Sandra Fink: Und wenn ich da noch etwas hinzufügen darf, und ich möchte das im Prinzip auf die gesamte Pädagogik ausweiten, also nicht nur auf die Heilpädagogik: Wir brauchen in den Studiengängen einfach Inhalte, die dafür sensibilisieren, dass der Mensch als Ganzes betrachtet werden muss, dass wir Anerkennung und Wertschätzung in den Vordergrund stellen müssen – egal ob jetzt im heilpädagogischen Bereich oder auch im kindheitspädagogischen Bereich. Das ist das, was bei unseren Studierenden ankommen muss: Zentral ist der Mensch, zentral ist das Kind und wie das Kind individuell lernt, das ist das Interessante daran – und nicht, ob das Kind dem Regelsystem entspricht oder ob es den Noten entspricht oder oder oder. Das ist eben das, was bei beiden Studiengängen im Vordergrund steht.

Christian: Also ganz viele Impulse, die Heilpädagogen und Heilpädagoginnen dann letztendlich auch setzen für die allgemeine Pädagogik. Denn die Probleme, die Sie geschildert haben, die scheinen mir ja irgendwie alle so zu betreffen – ich kenne das auch ähnlich aus meinem Schulleben, ich habe mich da auch nicht immer aufgehoben gefühlt, teilweise nicht gefördert gefühlt, teilweise zu sehr gefördert gefühlt. Also ist interessant: Dieser Studiengang richtet sich letztendlich auch an Menschen, die irgendetwas an unserem Bildungssystem bewegen möchten oder es zumindest kritisch reflektieren wollen.

Sandra Fink: Da muss man immer wieder auf den Punkt kommen: Wichtig ist, dass wir Studierende dazu befähigen, dass sie selbst kritisch reflektieren können. Das, was vorliegt – Theorien, Praxis, Methoden, Didaktiken –, das muss reflektiert werden. Wir dürfen es nicht einfach anwenden, weil es schon immer so gemacht wurde, sondern wir müssen darüber nachdenken: Wo ist der Vorteil, wie ist die Integration in die Gesellschaft, welche Auswirkungen hat es, wenn wir es so machen?

Die Studieninhalte

Christian: Schauen wir vielleicht mal ein bisschen auf die Inhalte, da können wir ein bisschen besser erschließen, wie das letztendlich im Studium umgesetzt wird. Können Sie uns mal einen groben Überblick geben, was ich dann eigentlich konkret in diesem Studium lerne, was es für Module gibt – mal abgesehen von diesen Modulen, die man natürlich immer im Bachelorstudium absolviert, in denen man sich mit wissenschaftlichem Arbeiten beschäftigt beispielsweise?

Sandra Fink: Also wie Sie schon sagen, es gibt natürlich Schlüsselqualifikationen, da gibt es auch wieder Module dafür, also erst mal wissenschaftliches Arbeiten ist natürlich auch wieder mit im Studium dabei. Aber es geht eben auch um die Geschichte, die Grundlagen und Theorien der Heilpädagogik. Hier muss man auch verstehen, gerade bei der Heilpädagogik: Wie ist Heilpädagogik im historischen Kontext entstanden, und wie müssen wir es heute einordnen, also wie ist es neu zu sehen, neu zu definieren, neu zu bewerten?

Es gibt wieder die Grundlagen der Pädagogik, die auch hier dabei sind, genau wie die Grundlagen der Soziologie, so etwas wie Sozialpolitik und Sozialrecht – wir müssen ja überlegen, wenn wir für Menschen mit Behinderungen einstehen wollen: Wie sind die rechtlichen Grundlagen? Dort gibt es ein extra Modul. Aber eben auch die Humanwissenschaften, da haben wir schon drüber gesprochen, also wie ist der Mensch als Ganzes zu bewerten, auch im historischen Kontext, was können wir heute daraus lernen. Bis hin zur Ethik: Also welche ethischen Strömungen gibt es, wie bewerten diese, wie können wir sie in die Praxis übersetzen?

Und eben auch neuere Themen wie Disability Studies: Wie ist die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in der Gesellschaft definiert, wie sollte sie neuerdings definiert werden? Es gibt praktische Anwendungsbeispiele, praktische Themen: Beziehungsaufbau, Beziehungsgestaltung, tatsächliche Förderbereiche der Heilpädagogik. Und dann gibt es noch ganz viele Vertiefungen, wo man sich dann noch mal speziell mit Methodiken beispielsweise befasst. Also ganz grob gesagt – mehr gibt es natürlich auf der Internetseite.

Die Prüfungsformen

Christian: Und wie kann man sich dann die Prüfungen vorstellen? In meiner Vorstellung ist es ja sicherlich auch so, dass ein Studiengang, der einen Akzent auf Persönlichkeitsbildung legt, jetzt nicht einfach nur mit Klausuren die meisten Inhalte abprüft. Das ist ja auch ein bisschen Trend gerade in den Fernstudiengängen: In der Betriebswirtschaft würde man sagen, das ist gut skalierbar, wenn man Online-Klausuren oder Klausuren in ganz vielen Modulen anbietet, die lassen sich super einfach kontrollieren und korrigieren, mehr und mehr auch technisch oder mechanisch. Wie ist es denn in diesem Studiengang, was gibt es da für Prüfungsformen?

Sandra Fink: Es ist tatsächlich genau andersrum: Also wir haben relativ wenige Klausuren, dafür haben wir sehr viele sogenannte Assignments. Assignments kann man mit einer Seminararbeit vergleichen, bei denen es eigentlich mehr darauf ankommt, wie der Studierende die Inhalte, die er in dem Modul erlernt hat, also die theoretischen, mit der Praxis verbindet. Wir geben sogenannte Korridorthemen vor, wo man sich wirklich selbst ein bisschen verorten kann: Wie lege ich jetzt dieses Modul aus, die Theorie für mich, und welchen praktischen Bezug kenne ich vielleicht schon oder welchen möchte ich kennenlernen, wie will ich sie in Zukunft verbinden? Und darüber wird dann tatsächlich eine Seminararbeit geschrieben.

Das heißt, wir als Hochschule machen uns da relativ viel Arbeit, weil natürlich all diese Seminararbeiten von uns dann wieder bewertet werden. Wir geben viele Tipps, wie man vielleicht tatsächlich ein Konzept praktisch noch verbessern könnte – und da lernt der Studierende am allermeisten daraus.

Christian: Also ganz viele Möglichkeiten hier auch zur Selbstreflexion letztendlich. Denn Schreiben bietet ja immer so viel mehr, als dann in Klausuren irgendwelche Definitionen wortgetreu abliefern zu müssen. Gefällt mir auch gut.

Die Praxisprojektphase

Christian: Eine letzte Frage noch zu diesem Studiengang, um das langsam abzuschließen: Die Praxisphase, habe ich gesehen, gibt es im Studium, die ist relativ umfangreich. Können Sie da noch etwas dazu sagen – kann man sich da Dinge anerkennen lassen beispielsweise?

Sandra Fink: Ja, also die Praxisprojektphase dauert 100 Tage. Es ist natürlich so, wie Sie schon vorhin gesagt haben, es kommen viele Studierende meistens schon aus den Berufen oder aus ähnlichen Arbeitsfeldern. Das heißt, wenn es in irgendeiner Art und Weise tatsächlich übereinstimmt mit dem, was wir uns vorstellen, dann wird der Praxisteil in der Regel anerkannt. Der Praxisprojektbericht muss deswegen trotzdem geschrieben werden, aber die Praxisprojektphase wird häufig angerechnet, manchmal auch in Teilen – also man kann sich da schon relativ viel sparen in dem Bereich.

Eine positive Erfahrung

Christian: Zum Schluss habe ich noch zwei Fragen an Herrn Wiegelmann. Vielleicht können Sie uns eine Erfahrung mitteilen, im positiven Sinne – ich weiß nicht, vielleicht haben Sie das auch in Ihrem Buch beschrieben, irgendetwas, was Ihnen einfällt, um zu zeigen, wie sich vielleicht auch Ihr Leben durch Pädagogen oder Heilpädagogen zum Positiven verändert hat. Vielleicht haben Sie eine Idee, irgendeine Situation mit einem Lehrer, einer Lehrerin, die besonders gut auf Sie eingewirkt hat, die Sie im Kopf behalten haben?

Tim Wiegelmann: Also ich kann sagen, dass zum Beispiel eine Lehrerin an der Förderschule immer gesagt hat, wie sehr sie ihr Sonderpädagogikstudium geliebt hat, weil da ganz viel von diesen ethischen Aspekten drin war. Und sie hat gesagt, sie bedauert es für alle, die Regelschul-Lehramt studiert haben – also in dem Fall war es Lehramt und nicht Heilpädagogik, Sonderpädagogik hatte sie studiert. Und sie hat gesagt, sie bedauert es für alle, die diese ethischen Aspekte, diese Auseinandersetzung mit der Würde und dem Menschenbild nicht im Studium lernen konnten, sondern nur den Fokus auf die didaktisch richtige Vermittlung der Lerninhalte. Das bedauert sie, dass da etwas fehlt, weil das In-Beziehung-Gehen ja immer zuerst kommt.

Und das kann ich wirklich sehr positiv berichten: Mit vielen Sonderpädagogen, mit denen ich die Erfahrung hatte, habe ich immer wieder gemerkt, dass die Menschen im System sehr viel weiter sind als das System. Und das war auch ein Antrieb für das Buch, weil ich gemerkt habe, dass ganz, ganz viele von den Dingen, die ich da schreibe, an Unis ja längst unterrichtet werden. Also der humanistische Aspekt ist ja sehr weit verbreitet – nicht in allen Studiengängen so stark wie bei der AKAD, aber dennoch in vielen anderen Studiengängen, das muss man auch dazu sagen. Und das ist das, was ich sehr positiv berichten kann: dass die Menschen im System immer weiter sind als das System selbst.

Die Botschaft an zukünftige Studierende

Christian: Und irgendwie haben Sie die zweite Frage, die ich Ihnen stellen wollte, schon ein bisschen mit beantwortet. Aber ich stelle sie trotzdem noch mal, vielleicht fällt Ihnen dazu auch noch etwas ein: Welche Botschaft würden Sie zukünftigen Studierenden mit auf den Weg geben, die sich interessieren, diesen Studiengang zu studieren? Was ist besonders wichtig aus Ihrer Sicht?

Tim Wiegelmann: Die Botschaft, die ich hätte – und das ist auch die Perspektive der Disability Studies –, ist, dass eigentlich jeder Mensch Behinderungen erleben kann und diese Behinderung auch erlebt. Und jetzt muss man da eine ganz große Klammer machen, weil dieses „Wir sind alle behindert“ sehr missinterpretiert werden kann, und zwar in die Richtung, dass man dann nicht anerkennt, dass Menschen mit Behinderung tatsächlich viel höhere Hürden haben.

Die methodischen Kenntnisse, die vermittelt werden, sind extrem wichtig. Aber wozu sind sie wichtig? Sie sind vor allen Dingen dafür wichtig, eine Umgebung kritisch zu hinterfragen – weil ich kann nur eine Umgebung kritisch hinterfragen, wenn ich genau die Bedürfnisse von demjenigen kenne, für den die Umgebung geschaffen wurde. Und das ist die Sache, worum es geht: dass es ganz viele unterschiedliche Arten von Behinderung gibt, denen wir alle begegnen, und wir mit Menschen arbeiten, die einfach eine sehr viel schwierigere Ausgangslage haben, es aber trotzdem darum geht, Behinderung als etwas Ganzheitliches zu betrachten.

Letztendlich ist Inklusion ja die Grundvision der Demokratie, eine inklusive Gesellschaft, das ist ja eigentlich das, worum es geht. Im Englischen wird das Wort „inclusive“ sehr viel mehr benutzt, nicht nur für Menschen mit Behinderung, sondern „inklusiv“ benutzt als Ort der Teilhabe. Und der Ort der Teilhabe ist glaube ich die Vision von ganz, ganz vielen. Und da bin ich davon überzeugt, dass die AKAD ganz viel anbieten kann, wie man mit seinen methodischen Kenntnissen und mit seiner Haltungsbildung dafür kämpfen kann, alle Orte, an die man kommt, mehr zum Ort der Teilhabe zu machen.

Christian: Ja, und ich hoffe auch, dass dieser Studiengang an der AKAD University nicht nur Impulse setzt für die Pädagogik – also abgesehen von der Heilpädagogik –, sondern auch ein bisschen für den Fernstudienmarkt, wo der Trend ja eben dazu geht, mehr und mehr zu automatisieren, zu mechanisieren, ein bisschen mit Online-Klausuren beispielsweise. Da vielleicht ein bisschen neue Impulse zu setzen und auch ein bisschen mehr darauf zu achten, dass Persönlichkeitsentwicklung eben ein ganz wichtiger Faktor im Studium ist. Das hat man eher in so einem normalen Präsenzstudiengang, weil man da eben viel mehr mit anderen Menschen zugegen ist als im Online- oder Fernstudium. Aber ich hoffe, dass sich da dadurch auch ein bisschen etwas bewegt – dass man merkt, so betriebswirtschaftlich wie das jetzt klingt, dass man eben auch mit Studiengängen Geld verdienen und Studierende gewinnen kann, wenn das Ganze persönlicher abläuft, ein bisschen mehr der Fokus auf Persönlichkeitsentwicklung liegt und eben auf diesem humanistischen Weltbild.

Also herzlichen Dank Ihnen beiden für dieses Gespräch. Frau Fink, vielleicht können Sie uns noch kurz sagen: Kann man Ihnen eigentlich noch woanders folgen als jetzt direkt über die AKAD University, LinkedIn beispielsweise?

Sandra Fink: Genau, also LinkedIn beispielsweise, oder ich bin auch auf Instagram, oder ich bin bei Facebook zu finden. Ich bin überall auch auf meiner privaten Homepage lernbegleitung-fink.de zu finden, aber natürlich auch ganz offiziell über die AKAD.

Christian: Herr Wiegelmann, wie kann man Ihnen folgen?

Tim Wiegelmann: Tim Wiegelmann Bildungsrebell findet man auch bei Instagram, bei YouTube und bei LinkedIn.

Christian: Genau. Das Buch zeigen wir noch einmal – wirklich eine sehr empfehlenswerte kleine Lektüre, wo man noch mal wirklich spürt, was junge Menschen sich wünschen. Das verlinken wir natürlich auch in der Beschreibung für dieses Video sowie auch die ganzen Möglichkeiten, wie man Ihnen beiden folgen kann. Also herzlichen Dank für das Gespräch und Ihre Auskünfte, und bis zum nächsten Mal, einen schönen Tag noch.

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