Fernstudium Heilpraktiker am BTB: Interview mit Tutor & Lehrgangsbetreuer

Eine Ausbildung zum Heilpraktiker ist vielfältig und umfasst unter anderem Anatomie, Physiologie, Naturheilverfahren, Diagnostik, Pathologie, Infektionslehre, Gesetzeskunde und Berufskunde.

Das Fernstudium am @btb_bildungswerk dauert in der Regel 24 Monate und kann bei einem Lernaufwand von etwa 8 Wochenstunden berufsbegleitend absolviert werden.

Im Interview zu Gast bei Christian, stellen Lehrgangsbetreuer Rainer Gosch und Tutor Simon Gilljohann die Heilpraktiker-Ausbildung per Fernstudium am BTB im Detail vor.


Inhalt:

00:00 Vorschau
01:10 Rainer Gosch & Simon Gilljohann stellen sich vor
03:18 Aufgaben eines Heilpraktikers
07:42 Vorraussetzungen
11:38 Ausbildungsinhalte
18:36 Vertiefungsmöglichkeiten
22:47 Prüfungen
28:42 Praktikumsmöglichkeiten
30:32 Kosten
32:55 Weg in die Selbstständigkeit


Die Gäste im Internet:

➡️ Rainer Gosch & das Studiensekretariat am BTB: btb.info/bildungswerk/studiensekretariat-team.html
➡️ Simon Gilljohanns Praxis: schmerztherapie-leichlingen.de


Im Interview erwähnt:

👉 Alle Infos zur Heilpraktiker-Ausbildung vom BTB: btb.info/ausbildung-heilpraktiker.html
👉 Das BTB-Fernstudium Heilpraktiker auf einen Blick: fernstudi.net/weiterbildung/gesundheit/heilpraktiker/12223
👉 Onlinecampus des BTB: youtube.com/watch


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Transkript

Christian: Schönen guten Tag. In diesem Interview geht es um die Heilpraktiker-Ausbildung im Fernstudium, und zwar am BTB, dem Bildungswerk für therapeutische Berufe. Ich habe zu Gast Herrn Rainer Gosch, der Lehrgangsbetreuer am BTB ist, und ihm zur Seite steht Simon Gilljohann. Simon Gilljohann ist Tutor und Lehrkraft und damit auch verantwortlich für die Weiterbildung und Ausbildung der angehenden Heilpraktiker und Heilpraktikerinnen. Die können sich nämlich über so ein Fernstudium auf die amtsärztliche Überprüfung vorbereiten.

Wie das Ganze funktioniert, wollen wir jetzt besprechen. Wir gucken, was die Voraussetzungen sind, die man mitbringen muss, um diese Ausbildung überhaupt zu starten – auch die persönlichen Voraussetzungen. Dann schauen wir, wie dieser ganze Lehrgang aufgebaut ist: Was lerne ich da genau, wie viel muss ich auswendig lernen, wie gut muss ich beispielsweise die Muskulatur beherrschen, kann ich in diesem Lehrgang auch Injektionstechniken lernen? Dann schauen wir, wie es mit den Seminaren und Präsenzen aussieht. Wir reden auch über die Fachschwerpunkte und die Vertiefungsmöglichkeiten, die man am BTB hat, und natürlich auch über die Betreuung und die Kosten für diesen Lehrgang. Ich würde sagen, wir legen direkt los.

Vorstellungsrunde

Christian: Herzlich willkommen Ihnen beiden hier in diesem Interview. Ich freue mich, dass Sie sich bereit erklärt haben, mit mir darüber zu reden, wie so eine Heilpraktiker-Ausbildung eigentlich funktioniert und ob das Ganze per Fernstudium funktioniert. Vielleicht stellen Sie sich beide erst einmal ganz kurz vor – Herr Gosch, fangen Sie doch damit an.

Rainer Gosch: Mein Name ist Rainer Gosch, ich bin der persönliche Lehrgangsbetreuer des BTB. Ich bin für die organisatorischen Dinge zuständig, für Motivation meinetwegen auch. Auf alle Fälle begleite ich die Schüler durch die ganze Ausbildung, damit sie sich nicht so alleine fühlen. Und wenn irgendetwas ist, können sie sich bei mir melden – wie gesagt, aber alles im Rahmen der organisatorischen Dinge.

Simon Gilljohann: Genau. Mein Name ist Simon Gilljohann, ich bin seit 2016 beim BTB und dort fachlich für die Ausbildung der Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker verantwortlich. Das heißt, sobald fachliche Fragen kommen, wenden sich die Schülerinnen und Schüler an mich. Ich bin seit 2013 selbstständig als Heilpraktiker, kann also auch ganz viel direkt aus der Praxis miterzählen und den Leuten erklären, und begleite sie dann bis zur amtsärztlichen Prüfung.

Christian: Darf ich kurz fragen, wie Ihr Weg zum Heilpraktiker war? Selbstständig sind Sie seit 2013.

Simon Gilljohann: Genau, seit 2013 habe ich meine Praxis als Heilpraktiker. Ich habe davor auch schon in der Gesundheitsbranche gearbeitet, hatte vorher einen Massageraum, habe lange als Fitnesstrainer gearbeitet und Ernährungsberatung gemacht. Ich bin nach der Schule eigentlich direkt diesen Weg gegangen: Meine Idee war, ich möchte den Heilpraktiker machen. Und ich habe letztlich die Zeit nach der Schule bis zur Heilpraktikerprüfung so überbrückt, dass ich mich im Reha- und Physiobereich tätig gemacht habe, eben als Trainer und im Rehasport – und zwar so lange, bis ich 25 war. Das ist ja das Alter, ab dem man den Heilpraktikerschein machen, also die Prüfung ablegen darf. Genau so habe ich das überbrückt, im Sport- und Fitnessbereich.

Das Berufsbild: Was macht ein Heilpraktiker?

Christian: Über die Voraussetzungen reden wir auch gleich. Vielleicht sprechen wir erst einmal kurz darüber, was so ein Heilpraktiker eigentlich macht – wie kann ich mir dieses Berufsbild genau vorstellen?

Simon Gilljohann: Was viele, glaube ich, nicht wissen, ist, dass in Deutschland der Heilpraktiker neben dem Arzt berechtigt ist zu diagnostizieren. Das unterscheidet ihn zum Beispiel vom Physiotherapeuten oder vom Ergotherapeuten oder anderen Therapeuten.

Der Heilpraktiker selbst ist erst einmal schulmedizinisch in der Diagnostik ausgebildet. Das heißt, als fertiger Heilpraktiker ist man noch nicht zwangsläufig therapeutisch ausgebildet, sondern erst einmal in der rein schulmedizinischen Diagnostik. Man muss also Krankheiten erkennen und benennen können und vor allem auch seine rechtlichen Grenzen kennen.

Und was dann der einzelne Heilpraktiker als Therapiemethodik wählt, ist ganz individuell: ob er sich in der TCM, also in der traditionellen chinesischen Medizin, ausbildet, ob er sich in der Homöopathie ausbildet oder oder oder. Ich für mich habe zum Beispiel den Bereich der Schmerztherapie gewählt, sodass ich osteopathische Fortbildungen, Chiropraktik, Neuraltherapie – also verschiedene Ausbildungen – gemacht habe, die mich in der Schmerztherapie unterstützen, und dann noch stoffwechseltherapeutisch, Hormontherapie und so weiter.

Diese therapeutischen Sachen sind aber individuell. Das heißt, man hat diese Grundausbildung des Heilpraktikers, die einen in der schulmedizinischen Diagnostik ausbildet, und dann ist es therapeutisch ein individueller Weg, den man für sich selbst entscheiden kann. So ergibt sich eben auch diese breite Facette an Heilpraktikern. Ein Heilpraktiker ist also nicht immer gleich ein Homöopath oder ein Naturheilkundler im phytotherapeutischen Sinne, also Pflanzenheilkundler, sondern das kann ganz individuell sein – je nach Bedarf oder je nachdem, wohin sich der- oder diejenige ausbilden lassen möchte.

Christian: Ich glaube, das ist wichtig, hier auch noch einmal zu betonen. Weil das vielleicht ein ganz klein bisschen dem Klischee eines Heilpraktikers oder einer Heilpraktikerin entspricht – aber das muss eben nicht so sein.

Vielleicht können Sie noch etwas dazu sagen, wie viele Menschen eigentlich schon aus Gesundheitsberufen kommen, beispielsweise aus einer pflegerischen Berufsausbildung, und das dann als zusätzliche Ausbildung machen. Kann man sagen, ob das ein typischer Weg ist – ich weiß nicht, ob Sie das prozentual sagen können?

Simon Gilljohann: Ich kann das zumindest aus meinen Seminaren und Webinaren sagen, da ich mit den Teilnehmern natürlich immer erst darüber spreche, was ihr Werdegang ist. Ich habe jetzt keine für Deutschland generell geltenden Zahlen, aber aus den Seminaren bei mir würde ich sagen, dass 30 bis 40 Prozent in irgendeiner Form vorher etwas mit einem medizinischen Beruf zu tun hatten oder darin ausgebildet sind. Das können Pflegekräfte sein, Krankenpflegekräfte, aber auch Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und so weiter.

Meine Empfehlung geht auch oft dahin, dass ich sage: Wenn man therapeutisch in der Physiotherapie oder Ähnlichem schon unterwegs ist, ist es total sinnvoll, den Heilpraktiker zu machen, da man dann eben berechtigt ist zu diagnostizieren und ein bisschen freier arbeiten kann.

Das heißt, ungefähr 30 bis 40 Prozent – aber dann hat man eben auch den großen Teil an Menschen, die komplette Quereinsteiger sind, die vielleicht einen zweiten Berufsweg wählen, die für sich möglicherweise das Medizinstudium nicht machen möchten oder aus anderen Gründen nicht machen und sagen: Ich gehe diesen vermeintlich alternativen Weg, um mich medizinisch damit auseinanderzusetzen.

Die haben in der Prüfung aber weder Vor- noch Nachteile. Da gibt es nachher keine wirklich nennenswerte Statistik darüber, dass Vorkenntnisse notwendig wären, um die amtsärztliche Prüfung besser zu schaffen. Die ist dann für beide letztlich gleich schwer oder leicht, je nachdem.

Die Voraussetzungen

Christian: Dann lassen Sie uns vielleicht noch einmal über die Voraussetzungen sprechen. Herr Gilljohann, Sie hatten das schon angeschnitten: 25 Jahre ist das Mindestalter zum Zeitpunkt der Überprüfung. Was muss ich denn an rein formalen Voraussetzungen überhaupt mitbringen, um mich beispielsweise am BTB in diesen Kurs einzuschreiben?

Simon Gilljohann: Genau, 25 Jahre sind die rechtliche Voraussetzung, um die amtsärztliche Prüfung abzulegen – neben dem Absolvieren des Hauptschulabschlusses, den 25 Jahren und der körperlichen und geistigen Fitness, eben dem Gesundheitszeugnis. Beim BTB gibt es meines Wissens nach sonst keine spezifischen Voraussetzungen, die man erfüllen muss.

Für mich ist immer wichtig – das ist keine rechtlich geltende Voraussetzung, sondern das Bewusstsein darüber – dass man erstens für sich selbst gut zu Hause lernen kann, dadurch dass man ein Fernstudium wählt. Dass man sich eine Struktur bildet, die das Lernen zu Hause ermöglicht, dass man sich die entsprechende Zeit dafür nimmt, auch vom Zeitplan über zwei Jahre oder länger, bis man dann wirklich die amtsärztliche Prüfung absolviert. Dass man sich klar ist, dass man nicht beruflich so viel um die Ohren hat, dass man immer wieder ein halbes Jahr Lernpause hat, sondern dass man das schon als vollwertige Ausbildung für sich sieht – und dass es auch sinnvoll ist, das in diesem Zeitraum wirklich zu schaffen. Weil das erlebe ich dann doch immer wieder, dass viele den Lernaufwand unterschätzen, der aber machbar ist, wenn man diese Struktur hat.

Christian: Also ganz wichtig auch die persönlichen Voraussetzungen, neben den formalen: noch einmal zu gucken, ob ich überhaupt für so eine Weiterbildung im Fernstudium geeignet bin. Einen Erste-Hilfe-Kurs muss man noch absolvieren, soweit ich weiß – aber nicht gleich am Anfang, also den muss man nicht gleich nachweisen, um sich einzuschreiben, sondern kann ihn im Laufe des Kurses absolvieren.

Simon Gilljohann: Ganz genau.

Christian: Ich habe ja auch meine Weiterbildung am BTB gemacht, eine Trainerlizenz hatte ich dort gemacht, und da musste ich auch diesen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren. Ich kann sagen: Allein das hat mir auf jeden Fall wirklich weitergeholfen, das mal wieder aufzufrischen. Das habe ich dann im Kurs gemerkt – das war alles schon so lange her, ich glaube, als ich meinen Führerschein gemacht hatte, hatte ich das erste Mal einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht. Allein das ist schon super hilfreich, gerade wenn man im medizinischen Bereich tätig ist.

Simon Gilljohann: Unabhängig davon, ob man im Nachhinein eher kosmetisch oder medizinisch oder wie auch immer arbeitet: In dem Moment, wo man eine medizinische Ausbildung macht, muss man sich eben auch klar sein, dass man mit vermeintlich kranken oder beschwerdevollen Menschen zukünftig zu tun hat und gegebenenfalls auch gesundheitliche Notfälle dazukommen.

Die amtsärztliche Prüfung nachher ist ja auch eine Gefahrenabwehrprüfung. Das heißt, man wird darin geprüft: Kann man die Krankheit oder den Zustand des Patienten erkennen und benennen, und weiß man entsprechend damit umzugehen? Und natürlich sind lebensbedrohliche Notfälle da ein ganz wichtiger Teil. Auch dessen muss man sich bewusst sein, dass man damit nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch nachher umgehen können sollte.

Christian: Zusammengefasst: Die formalen Voraussetzungen sind eigentlich relativ einfach beziehungsweise ganz gut zu schaffen. Aber ganz wichtig ist eben auch, die persönlichen Voraussetzungen zu checken. Und den Erste-Hilfe-Kurs muss man zumindest im Laufe des Kurses machen – den kann man, glaube ich, sogar kostenlos machen, beim DRK beispielsweise in seiner Stadt.

Die Materialien am BTB

Christian: Lassen Sie uns über die Ausbildungsinhalte sprechen und auf der anderen Seite über die Materialien, die ich am BTB konkret bekomme, um mir diese Inhalte anzueignen. Herr Gosch, vielleicht können Sie da einspringen und uns erst einmal sagen: Was bekomme ich denn da eigentlich? Bekomme ich Studienhefte, bekomme ich Zugang zu Lehrvideos, wie sieht das konkret aus?

Rainer Gosch: Die Schüler bekommen 35 Studienhefte mit Praxisbeispielen, mit Übungen, mit Aufgaben, die sie durcharbeiten können. Nach jedem einzelnen Studienbrief hat der Schüler die Möglichkeit, bei uns im WebCampus eine Online-Prüfung über diesen Studienbrief abzuschließen – und das kann er so oft machen, wie er möchte, und auch wann er möchte. Da kann er also seinen Lernstand sehr gut verfestigen.

Dann haben wir elf Videos, in denen einzelne Themen entsprechend vorgestellt werden, die eben ergänzend zur Ausbildung gehören, sowie elf Podcasts, in denen ebenfalls Informationen zu den einzelnen Themen gegeben werden, natürlich auch fachlicher Art.

Christian: Den Online-Campus hatten wir auch schon einmal auf diesem Kanal vorgestellt, das verlinken wir einfach in der Beschreibung für dieses Interview, dann kann man sich mal angucken, wie der aussieht. Ich meine, diese Vorstellung war wahrscheinlich vor ungefähr einem Jahr, zu dem Zeitpunkt, an dem wir dieses Video aufnehmen. Ich weiß nicht, wie aktuell das noch ist, aber wir verlinken es einfach, da kann man sich einen groben Überblick verschaffen, wie dieser Online-Campus aufgebaut ist. Man kann praktischerweise auch alles als PDF oder, ich glaube, sogar als E-Book herunterladen und sich das, wer möchte, auch digital aneignen und durcharbeiten. Aber man bekommt eben vor allem einen richtigen Packen an Heften, die man dann Schritt für Schritt durcharbeiten kann.

Rainer Gosch: Ein kleiner Hinweis: Im WebCampus gibt es auch viele andere Möglichkeiten, sich etwas anzugucken. Wir bieten zum Beispiel auch übergreifend Webinare zu anderen Themen an. Auch in unserem Downloadbereich sind Veranstaltungen hinterlegt, die man herunterladen kann. Das ist schon ein sehr guter und toller Informationspool.

Christian: Ja, wer sich dafür interessiert – ich glaube, zum Thema Ernährung beispielsweise gab es auch mal das eine oder andere Webinar, das man sich hätte anschauen können, alles ein bisschen fachübergreifend. Daran kann ich mich auch noch gut erinnern.

Was lernt man inhaltlich?

Christian: Herr Gilljohann, vielleicht können Sie uns noch etwas dazu sagen, wie es mit den Inhalten aussieht. Was mache ich denn inhaltlich eigentlich – muss ich beispielsweise die gesamte Muskulatur auswendig lernen?

Simon Gilljohann: Ja, das ist zum Beispiel ein Teil davon. Wir haben die Studienbriefe natürlich auch sinnvoll aufgebaut, und das beginnt tatsächlich mit der Grundlage in der Biologie, mit der Zellbiologie – dass man wirklich die einzelne Zelle noch einmal kennenlernt. Viele kennen es aus dem Biologieunterricht, dass man da irgendwann ein bisschen die Zelle gelernt hat, das wird hier ein bisschen tiefgreifender sein.

Und dann baut sich das nach und nach auf. Das heißt, die Studienbriefe sind logisch aufgebaut: Man kommt aus der Zelllehre danach in die Gewebelehre, später kommt Genetik hinzu, dann geht man die verschiedenen Organsysteme durch. Und erst wenn man quasi diese ganze Physiologie durchhat, dann kommt man nach und nach in die Pathologie, also die Krankheitslehre.

Dazu kommen dann noch Sachen wie Gesetzeskunde. Dann erlernt man vor allem auch – ganz wichtiger Teil – die ganze Infektionslehre, also einen spezifischen Bereich der Pathologie, den wir als Heilpraktiker oft zwar nicht behandeln dürfen, da sind unsere rechtlichen Grenzen. Aber wir müssen uns dessen natürlich trotzdem bewusst sein beziehungsweise müssen diese Krankheiten erkennen können und dann eben unsere Grenzen kennen.

Und dann kommen noch wichtige Sachen wie Anamnese und Differentialdiagnostik – wie ich also nachher wirklich dahin komme, dass ich ein Symptom oder eine bestimmte Erkrankung auch diagnostizieren kann. So sind die Studienbriefe aufgebaut. Wir empfehlen dazu noch bestimmte Literatur, also einen Anatomieatlas et cetera.

Und zusätzlich bieten wir eben, wie Herr Gosch auch schon sagte, die Webinare an: Pflichtwebinare, in denen bestimmte Themen – einmal die Gesetzeskunde, einmal Differentialdiagnostik und einmal die Infektionslehre – noch einmal spezifisch besprochen und gelehrt werden. Und im Praxisseminar, das auch verpflichtend ist, lehren wir dann die für die amtsärztliche Prüfung notwendigen Kenntnisse in der Praxis, die aber auch in diesen genannten Lehrvideos, die man sich im WebCampus immer wieder anschauen kann, noch einmal detailliert beschrieben werden. Über die Seminare sprechen wir dann gleich noch gesondert.

Muss man die lateinischen Begriffe lernen?

Christian: Eine Frage noch zu den Inhalten: Wenn ich jetzt die Muskulatur lerne oder die Knochen und so etwas – muss ich da auch die lateinischen Bezeichnungen mitlernen?

Simon Gilljohann: Tatsächlich ja. Ich sage immer, dass das vergleichbar mit einem Grundstudium der Medizin ist. Und wenn man sich im medizinischen Kontext unterhalten will, eben Arztbriefe oder bestimmte Diagnosen verstehen will, muss man natürlich auch die Mediziner-Sprache und damit die lateinischen Begriffe kennen.

Am Anfang sind sehr viele mit der Masse an Fachbegriffen überfordert. Aber es ist natürlich so: Wenn man mit dem ersten Studienbrief beginnt – und dann erkläre ich immer, es ist wichtig, das erst einmal inhaltlich zu verstehen – diese Fachbegriffe wiederholen sich ja mit der Zeit in allen Studienbriefen. Wenn ich also dafür Sorge trage, dass ich erst einmal inhaltlich alles verstehe, und dann in die Wiederholung gehe, dann werde ich merken, dass mir schon ganz viele Begriffe viel geläufiger sind. Und wenn ich nachher Begriffe habe, die immer noch nicht gut sitzen, ist es wie ein Vokabellernen, wie eine Sprache, die man neu lernt: Man hat nachher immer mehr Verständnis für die Sprache, je mehr man davon grundsätzlich versteht.

Und so ist es, dass das, was am Anfang die Sorge ist – dass man bestimmte Sachen nie verstehen oder nie lernen wird – ich habe noch bei keiner einzigen Schülerin und keinem einzigen Schüler erlebt, dass das am Ende noch Thema ist. Weil dann sind diese ganzen Begrifflichkeiten völlig geläufig, weil sie routiniert sind.

Christian: Und hier hilft dann vielleicht auch die richtige Lerntechnik ein bisschen weiter. Soweit ich weiß, gibt es beim BTB dazu auch Hilfen, und dann bekommt man gleich in einem der ersten Hefte oder in einem Einführungsheft auch Hinweise dazu, wie man optimalerweise Dinge lernt. Und ich glaube, bei diesen Begriffen ist es auch so, dass man sich vieles logisch herleiten kann: Man lernt einfach erst einmal so eine Batterie an Grundvokabeln – lateral, medial und so weiter – dann kann man sich ganz viele Sachen viel schneller einprägen, wenn man das einmal gelernt hat.

Fachschwerpunkte und Vertiefungen

Christian: Fachschwerpunkte und Vertiefungsmöglichkeiten hatten Sie auch schon kurz angesprochen. Macht es Sinn, sich schon in dieser Ausbildung gleich auf einen bestimmten Schwerpunkt zu vertiefen? Das wäre eine Frage, die ich gleich an Sie hätte. Vorher würde ich aber vielleicht noch kurz Herrn Gosch fragen: Welche Vertiefungsmöglichkeiten gibt es denn, die ich von Seiten des BTB dazunehmen könnte? Ich habe auf der Webseite Akupunktur gesehen – ich könnte mich also gleich in Akupunktur vertiefen?

Rainer Gosch: Das liegt auch ein bisschen an der Neigung, die jeder hat: Wo möchte ich meinen Schwerpunkt sehen? Die Basis ist natürlich die Heilpraktiker-Ausbildung, dann bieten wir, wie Sie schon sagten, Akupunktur, Homöopathie, dann gibt es die Sportmedizin – da haben wir eine ganze Menge. Man kann das einmal mit einer Fachrichtung kombinieren, es besteht aber auch die Möglichkeit, das mit zwei Fachrichtungen zu machen. Je nachdem, wie man sich aufstellen möchte und was man auch für Vorkenntnisse hat, sollte man den Heilpraktiker vielleicht nicht unbedingt immer erst alleine anfangen, sondern mindestens mit einer Fachrichtung.

Christian: Und das ist dann wahrscheinlich auch ein bisschen günstiger, als wenn man das nacheinander macht – da spart man sich letztendlich auch Zeit und Kosten.

Rainer Gosch: Ich sag mal, der Heilpraktiker kostet 3.456 Euro gesamt, auf 24 Monate aufgeteilt, das sind dann 144 Euro. Eine Fachrichtung ist dann in Kombination zu sehen: Wenn ich zum Beispiel die Ernährungsberatung nehme, sind das dann 30 Monate inklusive Heilpraktiker, 164 Euro im Monat, da kommen wir auf 4.920 Euro. Wobei wir natürlich auch Fördermöglichkeiten haben.

Christian: Herr Gilljohann, dann vielleicht die Frage, die ich eigentlich schon an Sie gestellt hatte: Wie sinnvoll ist es denn, diese Fachrichtung sofort mit dazuzunehmen – oder sogar zwei?

Simon Gilljohann: Es kommt darauf an, ist die richtige Antwort. Es kommt ein bisschen darauf an, wie meine Möglichkeit des Lernens ist: Habe ich die zeitliche Kapazität, bin ich vom Kopf her so aufnahmefähig, dass ich die verschiedenen Lerninhalte wirklich aufnehmen kann? Wie Herr Gosch sagte: Die Basis ist die Heilpraktikerprüfung, und es ist ganz wichtig, dass ich das erst einmal für mich als Priorität setze.

Aber wenn ich natürlich vorhabe, auch aktiv beruflich damit tätig zu werden, dann sollte ich schon zumindest eine Idee haben, was ich überhaupt damit machen möchte: Möchte ich in Richtung Sportmedizin, in Richtung Pflanzenheilkunde, in Richtung Akupunktur oder oder oder gehen? Und dann ist es sinnvoll, dass ich zumindest eine Idee habe, ob ich das wirklich direkt parallel schaffe oder ob ich mich zeitversetzt erst ein bisschen mehr auf den Heilpraktiker fokussiere und danach das andere mache. Aber es ist auf jeden Fall sinnvoll, sich mit dieser Idee schon auseinanderzusetzen.

Und dass ich eine Fachrichtung oder eine zweite Fachrichtung habe, damit ich auch therapeutisch wirklich ausgebildet bin – dass ich eben nicht nur den Heilpraktikerschein habe, mit dem ich diagnostizieren kann, aber noch nicht das Wissen oder die Fähigkeit erlangt habe, jetzt auch eine Beschwerde irgendwie anzugehen. Das ist dann eben schön, wenn ich die Möglichkeit habe, mich auch mit einer Fachrichtung direkt auseinanderzusetzen. Und ob das parallel läuft oder zeitversetzt, das hängt von den individuellen Voraussetzungen ab, wie gut ich das wirklich schaffe.

Christian: Herr Gosch, die Frage an Sie: Kann ich auch im Laufe des Kurses noch eine Fachrichtung hinzunehmen, wenn ich merke, okay, das interessiert mich jetzt – Ernährungsberatung beispielsweise – oder muss ich das gleich am Anfang entscheiden?

Rainer Gosch: Nicht unbedingt. In den ersten drei Monaten haben Sie die Möglichkeit, noch eine Kombination hinzuzubuchen, dann würde der Kombipreis greifen. Wenn ich das später im Laufe des Lehrgangs mache, dann sind es 10 beziehungsweise 15 Prozent, je nach Lage – oder auch nach dem Lehrgang, weil man ja schon Schüler beim BTB war, gibt es eben auch diese prozentualen Rabatte.

Die amtsärztliche Prüfung

Christian: Gut, dann kommen wir mal zu einem der Angstthemen, sage ich jetzt mal, für diejenigen, die so einen Kurs absolvieren: der Prüfung. Muss aber keine Angst machen – wenn man sich vorher damit beschäftigt, sich über den Ablauf der Prüfung informiert und natürlich lernt, dann sollte das alles kein Problem sein. Aber soweit ich weiß, ist das auch eine ziemlich anspruchsvolle Prüfung. Vielleicht können Sie uns, Herr Gilljohann, kurz darlegen, wie das abläuft – von der Anmeldung für die Prüfung, wie früh muss ich mich anmelden, bis hin zum konkreten Ablauf?

Simon Gilljohann: Ich habe beim Gesundheitsamt letztlich zwei Teile der Prüfung. Es ist einmal eine schriftliche Prüfung, das ist in der Regel ein Multiple-Choice-Fragebogen, bei dem teilweise auch Fragen frei beantwortet werden müssen, also mit freiem Text.

Die Anmeldung zu dieser Prüfung sollte ich auf jeden Fall vorher zumindest geklärt haben, weil ich je nach Gesundheitsamt, je nach Stadt oder Region bestimmte Vorlaufzeiten habe – und die können sogar bis zu zwei, zweieinhalb Jahre betragen. Das ist wirklich von Kreis zu Kreis oder von Stadt zu Stadt ein bisschen unterschiedlich, es reicht da, sich einmal vorab zu informieren. Das heißt: Wenn ich meine Heilpraktiker-Ausbildung beginne, dann sollte ich schon einmal beim Gesundheitsamt anfragen, wie lange die Vorlaufzeit ist – damit ich, wenn ich lerntechnisch fertig bin und mich gut vorbereitet fühle und mich dann anmelde, nicht feststellen muss, dass ich zwei Jahre warten muss. Es gibt Kreise oder Städte, wo die Prüfungen in der Regel im März und Oktober stattfinden und ich auch zum nächsten Termin drankomme, aber eben manchmal ist ein bisschen Wartezeit mit einzurechnen.

Ich melde mich also entsprechend meinem Zeitplan an, dann lerne ich meinetwegen zwei bis drei Jahre mit Prüfungsvorbereitung, und dann habe ich die schriftliche Prüfung. Wenn die bestanden wurde, werde ich zur mündlich-praktischen Prüfung beim Amtsarzt eingeladen. Das findet dann beim Gesundheitsamt statt, da habe ich ein Prüfungskomitee, in dem der Amtsarzt oder die Amtsärztin sitzt, dann sind da meistens noch zwei bis drei Nebenprüfer und jemand, der das Protokoll führt.

Die Durchfallquote in der amtsärztlichen Prüfung ist verhältnismäßig hoch. Aber das liegt nicht unbedingt daran, dass die Lerninhalte so unglaublich schwierig sind – wenn man gut lernt, ist das absolut machbar. Sondern ich glaube, es liegt oft daran, dass in Deutschland die Voraussetzungen, wie man das Wissen erlangt, nicht festgelegt sind. Das heißt, viele Menschen haben Interesse daran, Heilpraktiker zu werden, melden sich dort an und haben sich zu Hause ohne Struktur, ohne die Möglichkeit über ein Fernstudium oder sonst wo, das ein bisschen autodidaktisch angeeignet – und sind dann eben nicht gut vorbereitet. Dadurch ist die Durchfallquote doch recht hoch. Es gibt zwar inhaltlich gesetzliche Vorgaben, was man wissen muss, aber wie man dieses Wissen erlangt, ist eben nicht vorgegeben.

In der amtsärztlichen Prüfung bekommt man entweder Fälle – ein Beispiel: Es kommt jemand zu Ihnen in die Praxis und hat Kopfschmerzen, und dann muss man anhand einer Anamnese und Untersuchung herausfinden, was für eine Krankheit dahintersteckt. Oder man bekommt differentialdiagnostische Fälle, das heißt, man muss aufzählen, welche Erkrankungen und welche Beschwerden überhaupt alles zu Kopfschmerzen führen können. Man muss bestimmte physiologische oder pathologische Dinge erklären, Gesetzeskunde kann abgefragt werden, es können praktische Übungen abgefragt werden, wie zum Beispiel das Punktieren einer Vene oder das Legen eines Zugangs, einer Venenverweilkanüle.

Diese Prüfung dauert in der Regel so eine Dreiviertelstunde bis Stunde. Und wenn dann alles geschafft worden ist, bekommt man die Erlaubnis, sich Heilpraktikerin oder Heilpraktiker nennen zu dürfen.

Wie lernt man die praktischen Techniken?

Christian: Sie hatten gesagt, im praktischen Teil könnte man auch darlegen müssen, wie gut man injizieren oder einen Zugang legen kann. Wie lerne ich das konkret am BTB?

Simon Gilljohann: Genau, dafür haben wir das Praxisseminar. Da gehen wir alle praktischen Dinge durch, die in der Prüfung abgefragt werden können. Das Ganze wird dann noch durch die Videos unterstützt, in denen wir die einzelnen Schritte zeigen.

Punktiert wird in der Regel am Gummiarm – es gibt wahrscheinlich keinen Prüfer, der sich in der Prüfung von den verschiedenen Prüflingen immer hintereinander in den Arm stechen lässt. Also gibt es in der Regel einen Gummiarm oder eine Gummipuppe, an der das geübt und gezeigt wird. Das üben wir dann auch im Praxisseminar, und in den Videos gehen wir all die Schritte noch einmal durch, sodass man das zu Hause immer wieder darstellen kann.

Wichtig ist dabei, dass man dem Prüfer auch erklärt, was man macht. Das heißt: Selbst wenn ich Pflegekraft bin und das vielleicht zigmal am Tag mache, muss ich die einzelnen Schritte auch darstellen können. Egal, wie routiniert ich bin – ich muss mich doch noch einmal darauf vorbereiten und das fachlich korrekt darstellen. Und dann Sachen wie: Was ist mit der Hygiene, wie desinfiziere ich richtig, welches Desinfektionsmittel darf ich nutzen? Das sind Dinge, die in der Praxis, in der Pflege ja nicht beachtet werden – ich schaue nicht jedes Mal darauf, was ich da für ein Desinfektionsmittel habe, ich mache es einfach. Und in der Prüfung muss ich aber all diese Schritte berücksichtigen. Auch als vorgebildete Fachkraft muss ich dafür also noch ein bisschen üben.

Christian: Ganz wichtig ist, glaube ich, auch das Desinfizieren zu üben. Ich kenne das aus den Erzählungen von meiner Partnerin, die ist Pflegepädagogin, und in den praktischen Prüfungen ist es auch immer wieder so, dass die Leute wirklich Schwierigkeiten haben, das fachgerecht zu machen. Ich persönlich weiß jetzt nicht, wie das fachgerecht wirklich funktioniert, aber eine Pflegekraft beispielsweise sollte das schon wissen – und ich denke mal auch ein Heilpraktiker: wie man da die Fingerkuppen einreibt und was man da alles konkret machen muss.

Ein Praktikum bei einem Heilpraktiker?

Christian: Eine Frage vielleicht noch zur Praxis am Rande: Kann man irgendwie auch ein Praktikum bei einem Heilpraktiker oder einer Heilpraktikerin machen, um sich das alles mal konkret anzugucken?

Simon Gilljohann: Ich biete das tatsächlich in jedem Seminar oder Webinar immer meinen teilnehmenden Menschen an. Die Sache ist die, dass ich es wichtig finde, das nach dem Absolvieren der Prüfung zu machen und nicht vorher. Denn das Lernen für die Prüfung und die fachlichen Inhalte bei der Prüfung kommen dem nicht gleich, wie ich hier in der Praxis arbeite – weil ich eben eine spezielle Fachrichtung der Schmerztherapie und Stoffwechseltherapie habe. Meine Anamnese ist nicht die gleiche Anamnese, wie man sie in der amtsärztlichen Prüfung macht.

Das heißt: Wenn man die Prüfung erfolgreich absolviert hat, hat man die Möglichkeit, bei mir in der Praxis zu hospitieren. Aber wenn man von weiter weg kommt, empfehle ich es immer, irgendwo zu hospitieren, um auch Erfahrung zu sammeln, wie es in der Praxis tatsächlich abläuft. Theorie und Praxis sind, wie wir oft wissen, nicht immer deckungsgleich. Und da ist es so, dass man je nach Fachrichtung – ob ich phytotherapeutisch oder homöopathisch arbeite – durch ein Praktikum oder eine Hospitation noch einmal viel mehr mitnehmen kann.

Kosten und Förderung

Christian: Herr Gosch, vielleicht können Sie uns jetzt noch ein bisschen weiterhelfen. Die Kosten hatten Sie eigentlich schon erwähnt – vielleicht fassen Sie das noch einmal kurz zusammen. Und was, glaube ich, ganz viele interessiert: Wie kann ich mir diese Weiterbildung fördern lassen, welche Fördermöglichkeiten gibt es von staatlicher Seite aus?

Rainer Gosch: Bei den Fördermöglichkeiten sind wir recht gut aufgestellt. Der Heilpraktiker ist AZAV-zertifiziert, das bedeutet, dass das Arbeitsamt beziehungsweise Jobcenter ihn zu 100 Prozent oder auch nur teilweise fördert – es kommt auf die Voraussetzungen an. Was schon eine sehr gute Sache ist. Weiterhin haben wir auch zwei Fachrichtungen, das sind die Heilpflanzenkunde und die Ernährungsberatung, die auch in Kombination mit dem Heilpraktiker durch das Arbeitsamt gefördert werden könnten.

Es gibt natürlich auch einen Katalog von Förderprogrammen, die wir haben. Da gibt es dann den Bildungsscheck Nordrhein-Westfalen – wir haben da eine ganze Liste auf unserer Webseite aufgelistet, da muss jeder mal gucken, wo er sich vielleicht wiederfindet. Wir haben auch eigene Förderungen, zum Beispiel für jemanden, der arbeitslos ist, oder für Frauen, die in anderen Umständen sind. Da gibt es also eine ganze Menge.

Ich würde in dem Fall immer dazu raten, dass sich die Leute bei uns beim BTB direkt informieren: zum einen, welche Förderungen habe ich, wie ist das mit den Kombinationen, was kann ich dann nehmen. Das ist immer besser, als wenn man einfach mal so loslegt und dann in der Ausbildung merkt, das war doch nicht das Richtige – oder die Förderung will ich dann in der Ausbildung beantragen, wo sie in der Regel ja vor der Ausbildung beantragt werden müsste. Das sind dann so die kleinen Probleme. Deswegen einfach mal zum Telefon greifen oder eine E-Mail schreiben, und wir helfen sofort.

Christian: Ist es beim Bildungsgutschein schon so, dass man arbeitslos sein muss? Oder könnte ich mir dann auch überlegen, ich gehe jetzt in die Arbeitslosigkeit, um diesen Gutschein zu beantragen?

Rainer Gosch: So einfach ist das nicht. In der Regel ist es so: Wenn jemand arbeitslos ist, dann wäre es zu 100 Prozent gefördert. Es gibt aber auch Weiterbildungsmaßnahmen, die das Arbeitsamt anerkennt, die werden bis zu einem Betrieb – ich glaube, bis zur Größe von fünf Mitarbeitern – zu 100 Prozent gefördert. Und da gibt es dann eine Staffelung, ich glaube, ab 300 Mitarbeitern zu 30 Prozent. Also wenn man einen Bildungsgutschein in Anspruch nehmen möchte, sollte man sich auch hier zu Hause informieren, was möglich ist. Aber die Arbeitsämter fördern das schon, also wenn man uns anspricht – auch am BTB.

Der Schritt in die Selbstständigkeit

Christian: Super. Ganz zum Schluss noch eine Frage, um das ganze Gespräch abzuschließen, an Herrn Gilljohann: Seit 2013 sind Sie selbstständig, hatten Sie gesagt. Wie läuft das Ganze dann ab? Ich mache diese Ausbildung fertig, ich beschäftige mich in der Ausbildung auch schon ein bisschen mit BWL-Themen, ich kann mich auch vom BTB beraten lassen, was die Selbstständigkeit angeht, wenn ich das richtig auf der Webseite gesehen habe. Wie gut funktioniert das dann eigentlich? Kann ich mir einfach so eine Praxis eröffnen, irgendwo Räumlichkeiten anmieten und habe dann sofort Kunden?

Simon Gilljohann: Ich habe seit 2013 die Heilpraktikerpraxis, ich bin auch schon länger selbstständig. Die Voraussetzung ist natürlich: Ich habe den Heilpraktiker. Und dann ist es so, dass ich mich natürlich beim Gesundheitsamt anmelden muss. Dann gibt es steuerrechtliche Aspekte, die ich berücksichtigen muss, und wenn ich Praxisräume neu anmiete, auch gewisse bauamtliche Voraussetzungen – das ist tatsächlich unterschiedlich von Region zu Region, die kann ich aber einfach bei den Ämtern erfragen. Diese ganze Unterstützung, was die Selbstständigkeit angeht, gibt es eben auch beim BTB: dass man anfragen kann, was ich jetzt berücksichtigen und was ich machen muss.

Für mich aus meiner persönlichen Erfahrung: Ich habe in den ganzen Jahren jetzt schon sehr viele Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker von der Prüfung in die eigene Praxis begleitet, und es ist tatsächlich so, dass die Vorstellung, was für große Hürden da auf einen zukommen, in der Praxis dann doch gar nicht so dramatisch ist. Das Wichtigste ist: Ich muss fachlich gut sein, ich muss in dem, was ich tue, kompetent sein. Und dann kann ich ganz entspannt mit einer kleinen Praxis oder einem Raum in einer Praxis anmieten, das beim Gesundheitsamt anmelden. Wenn ich zum Beispiel invasiv arbeite, also mit Spritzen, also in den Körper eingreifend, dann muss ich das auch anzeigen – anzeigen bedeutet, ich muss dem Gesundheitsamt einen Brief schreiben, dass ich das mache. Dafür braucht es dann keine spezielle Genehmigung, ich muss es eben nur anzeigen, und dann kann ich meine Tätigkeit dort starten. Da sind die Hürden also nicht so groß.

Das Wichtigste ist – was auch viele, glaube ich, unterschätzen – dass wir Berufsverbände haben. Auch das BTB arbeitet mit einem Berufsverband zusammen beziehungsweise bekommt die Unterstützung von einem Berufsverband, und darüber erhält man noch einmal unglaublich viel Unterstützung. Da hat man ein Portfolio an schon bestehenden Heilpraktikerpraxen und das Wissen, was da immer wieder aktuell ist – wenn es irgendwelche neuen Gesetze oder Richtlinien gibt, ist auch der Berufsverband unglaublich wichtig. Und da kann man auch schon als Heilpraktiker-Anwärter eintreten, und da gibt es, wie gesagt, auch Kooperationen vom BTB aus, sodass es Vergünstigungen gibt. Also Berufsverbände helfen einem da auch immens.

Christian: Und auch hier gibt es in diesem Rahmen die Möglichkeit, Zuschüsse zu beantragen, einen Gründungszuschuss zum Beispiel. Und es gibt auch ganz viele Beratungsmöglichkeiten direkt vor Ort bei den IHKs – da kann man auch mal gucken, da kann man auch Seminare kostenlos belegen, zum Beispiel zum Thema Buchhaltung oder zum Thema Marketing, teilweise auch online via Zoom. Da sollte man sich dann auch mal informieren, die helfen einem wirklich super dabei, diesen Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.

Dann würde ich sagen, haben wir alles besprochen, was wir besprechen wollten. Wer Fragen hat von unseren Zuschauerinnen und Zuschauern, der schreibt sie einfach in die Kommentare, und wir versuchen sie zu beantworten. Ansonsten packen wir natürlich auch die Links zur Website des BTB in die Beschreibung. Und ja, herzlichen Dank Ihnen beiden für das Gespräch.

Rainer Gosch: Gerne.

Simon Gilljohann: Danke auch. Tschüss.

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