Mathe im Studium ohne Angst: Wie du spielerisch die härteste Prüfung knackst! Mit Viola Barwich
Mathematik im Studium kann für viele eine Hürde sein – doch was, wenn du durch die richtigen Strategien und ein verändertes Mindset spielerisch jede Prüfung meisterst? In dieser Folge von Fernstudi.fm spricht Christian mit Mathematik-Expertin Viola Barwich, die als promovierte Physikerin und ehemalige Lehrerin ihre Erfahrungen teilt, wie man Angst vor Mathe überwindet und das Lernen effizient gestaltet.
Viola erklärt, warum Mathe kein Talent, sondern eine erlernbare Fähigkeit ist, und zeigt, wie gehirngerechtes Lernen funktioniert. Zudem gibt sie wertvolle Tipps zum Umgang mit Prüfungsstress, aktiven Lernmethoden und der Nutzung moderner Hilfsmittel wie KI-Tools. Für alle Fernstudierenden, die Mathe vor sich haben, bietet diese Folge praxisnahe Ansätze, um motiviert durchzustarten und selbstbewusst zum Erfolg zu gelangen.
Inhalt:
00:00 Intro
02:10 Viola über ihren Werdegang
10:29 Warum haben so viele Menschen Angst vor Mathe?
18:06 Mindset und Motivation stärken
27:18 Effizientes und gehirnoptimiertes Lernen für Mathe
38:51 Lernorganisation speziell für Berufstätige und Eltern
43:20 Prüfungsvorbereitung und Erfolgsstrategien
53:08 Wo man Viola begegnen kann
Viola Barwich im Internet:
➡️ Website: https://viola-barwich.ch/
➡️ Youtube: https://www.youtube.com/@mathebeiviola
➡️ Instagram: https://www.instagram.com/mathebeiviola/
➡️ TikTok: https://www.tiktok.com/@mathebeiviola
Im Podcast erwähnt:
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Christian: Ja, Viola, dann herzlich willkommen in diesem Podcast und ich freue mich total, dass du dich bereit erklärt hast, hier mitzumachen. Wir haben schon im Vorgespräch ein bisschen darüber geredet, wer du so bist und was du machst, aber vielleicht stellst du dich unseren Gästen erst noch einmal selber vor.
Viola: Ja, ich freue mich auch sehr dabei zu sein. Ich bin Viola, ich bin promovierte Physikerin und habe lange Zeit am Gymnasium Mathematik und Physik unterrichtet. Dabei habe ich dann festgestellt, oh, Mathematik zu unterrichten ist gar nicht so einfach, wie sich das manche vorstellen. Das sind große Klassen und viele haben da schon auf dem Gymnasium von ihrer Vorgeschichte her Blockaden entwickelt, was die Mathematik angeht. Wirklich Ängste, dass sie sich da überhaupt nicht mehr dran getraut haben, dass sie sich nicht mehr zugetraut haben, dass sie überhaupt besser werden könnten in Mathematik.
Dann habe ich gemerkt, die Schule ist einfach nicht der Rahmen, wo ich meine Schüler so abholen kann, wie ich das gerne möchte. Ich möchte ja, dass sie Mathematik lernen und dass sie offen sind. Und dafür braucht es wirklich, dass man mal anschaut, was geht denn da emotional ab? Was sind denn das für Ängste und wie kann man denn jetzt diese Ängste auch lösen, dass sie wieder den Kopf frei bekommen? Man weiß ja, sobald man Angst hat, ist man überhaupt nicht aufnahmefähig. Sobald man Angst hat, schaltet das Gehirn ab in den Überlebensmodus. Und dann geht überhaupt nichts mehr rein. Da kann man stundenlang lernen und da wird einfach nichts hängen bleiben.
Und das bestätigt dann ja auch noch wieder solche Schüler, die sich dann dran wagen: „Ich kann kein Mathe." Da wollte ich unbedingt nicht mehr länger zuschauen, sondern denen auch wirklich die Chance geben zu sehen: Hey, in mir steckt einfach viel mehr Potenzial, als ich jetzt hier in der Schule zeigen kann. Deshalb habe ich mich selbständig gemacht und bin Expertin jetzt geworden für Mathe-Ängste, um die aufzulösen gemeinsam mit den Schülern und Studenten. So lernen sie dann auch wirklich: Oh, ich kann ja doch viel mehr als ich dachte.
Christian: Ja, also ich bin auch ein bisschen auf dich aufmerksam geworden, nicht nur über den Instagram-Account, sondern du hast auch einen sehr reichweitenstarken TikTok-Account mit über 100.000 Followern, wo du eben Mathematik zeigst. Das finde ich auch cool. In der heutigen Zeit kann man Mathematik auch noch mal auf eine ganz andere Art und Weise übermitteln, als es zum Beispiel in meiner Schulzeit war.
Ich bin so ein klassisches Beispiel für das, was du eben erzählt hast. Wir waren am Gymnasium eine sehr große Klasse mit über 30 Schülern und der Matheunterricht war super anstrengend für mich. Die Mathelehrerin hat Schwierigkeiten gehabt, uns das allen so zu vermitteln, dass es alle verstehen. Dann gab es ganz viele Schüler, die da einfach nicht vorangekommen sind und andere, die super gut waren. Und als Lehrer hat man dann wahrscheinlich so eine Tendenz, eher mit denen zu arbeiten, die wirklich gut sind, mit denen der Unterricht mehr Spaß macht, und alle anderen hatten dann eben Schwierigkeiten. Lass uns doch vielleicht noch mal ein bisschen in deinen Werdegang eintauchen. Kannst du dich noch an deine Schulzeit und an deinen Matheunterricht erinnern? War der auch eher unangenehm?
Viola: Also, ich habe Mathematik recht gerne gemacht, weil ich einfach so gesehen habe, es gibt entweder richtig oder falsch. Es gab nicht diesen Interpretationsspielraum, wie zum Beispiel in einem Deutschaufsatz. Da konnte der Lehrer dann irgendwie seine Meinung über mein Geschriebenes bringen und ich fand das irgendwie toll. Mathematik ist sowas Abgeschlossenes, es ist nicht irgendwie so unendlich, wie es mir bei manchen anderen Fächern vorkam. Hier ist dein Kapitel und das solltest du bis zur Prüfung können. Dann weiß ich doch, was zu tun ist. Dann bereite ich mich gut drauf vor. Und das kann ja nur gut werden, weil ich mich ja vorher auch testen kann, ob ich es kann oder nicht.
Christian: Und nach der Schule hast du dich dann dafür entschieden, in die Naturwissenschaften zu gehen, also nicht Mathematik direkt zu studieren, sondern erstmal Physik zu studieren.
Viola: Ja, ich fand es total spannend so zu entdecken, was hält denn unsere Welt so zusammen? Ich finde es immer noch total faszinierend, dass man mit einer einzigen Formel beschreiben kann, was so in der Natur abgeht. Das Gravitationsgesetz zum Beispiel. Das kann genau beschreiben, wie schnell jetzt der Stift ist, wenn ich den jetzt hier fallen lasse. Mit einer einzigen Formel. Ich fand das immer total spannend.
Christian: Okay, das ist schon mal ein cooler Ansatz jetzt auch für den Podcast und ich hoffe, das können wir auch unseren Zuhörerinnen und Zuhörern vermitteln und auch mir letztendlich. Ich bin auch ein bisschen betroffen, da sage ich dann später noch was dazu, was das Mathelernen angeht – dass das eigentlich total spannend ist, weil du eben mit Mathematik ganz viele Dinge auf so eine stringente Art und Weise beschreiben kannst. Hast du das auf Lehramt dann studiert oder wie bist du dann zu deiner Tätigkeit als Lehrerin gekommen?
Viola: Ja, ich habe dann die Ausbildung zur Gymnasiallehrerin gemacht und dann am staatlichen Gymnasium gearbeitet.
Christian: Okay. Und heute bist du selbständig und bringst auf eine modernere Art und Weise, als es aktuell immer noch an vielen Schulen der Fall ist, Studierenden und auch Schülern Mathe bei – mit Videos beispielsweise, aber auch einem Kurs, den du aktuell in den Start gebracht hast. Davon hast du auch schon im Vorgespräch erzählt.
Viola: Genau. Ich habe einen Kurs entwickelt, der eben diese vier Ebenen abdeckt, die meiner Meinung nach wichtig sind, um Mathematik zu lernen, wo der Schüler oder der Student, die Studentinnen alle dort abgeholt werden, wo sie gerade stehen. Es sind eben diese vier Ebenen: Wie klar kann ich bleiben, wenn ich mich an Mathematik dran mache? Kann ich mir überhaupt vorstellen, dass ich mich weiterentwickeln kann in Mathematik oder denke ich, ich brauche Mathetalent und ich gehöre nicht dazu?
Und die Lerntechnik ist auch extrem wichtig. Wie gehe ich überhaupt dran? Es gibt ja heutzutage Erkenntnisse darüber, dass man lieber so lernt, wie das Gehirn funktioniert, also diesen Prozess des Lernens im Gehirn unterstützt und nicht dagegen arbeitet. Und man muss auch schauen, dass man das regelmäßig lernt. Das gehört auch zum gehirnoptimierten Lernen dazu – dass man nicht nur kurz vor der Prüfung versucht, in wenigen Wochen Mathematik zu lernen, sondern dass man das so in seinen Alltag integriert, dass es einfach fließt.
Diese vier Bereiche werden in meinem Kurs abgedeckt und man kann auch vorher bei mir eine kurze Lernanalyse machen. Das ist persönlich, wir schicken uns Sprachnachrichten. Du kannst mir erzählen, wo du stehst und ich analysiere dann, was du brauchst, von diesen vier Stellschrauben, worauf du dich fokussieren solltest, damit du wirklich schlussendlich deine Prüfung schaffst.
Christian: Okay. Du hast mir aber noch gesagt, dass du einen Lerncheck online zur Verfügung hast, wo man ein bisschen seine Mathekenntnisse testen kann. Was war das genau?
Viola: Genau, das ist kostenlos und da kann man testen, wie effizient lerne ich denn schon für Mathematik. Das sind eben diese vier Bereiche, die ich dort genannt habe. Du bekommst eine Auswertung, wie stark du bist oder wo noch Luft nach oben ist in diesen vier Bereichen und kannst dann natürlich auch den Fokus besser setzen, um dich wirklich gut auf die Prüfung vorzubereiten. Da geht es eben um die Lerntechnik: Wie gut bin ich schon in der Lerntechnik? Wie gut ist mein Mindset, wie sehr glaube ich daran, dass ich Mathematik kann? Da kannst du dich testen und den Link findest du in den Shownotes.
Christian: Ja, wir packen das natürlich alles in die Beschreibung für diesen Podcast. Wir fangen mal an mit dem Thema: Warum ist Mathe jetzt eigentlich so schlimm für viele? Und vielleicht als kleinen Einstieg mal ein bisschen meine Geschichte. Ich hatte eben schon gesagt, in der Schule war ich nicht so gut in Mathe. An der Grundschule war das noch okay, da war Mathe nicht komplex, aber am Gymnasium wurde es dann immer schwerer und irgendwann bin ich auch nicht mehr so richtig hinterhergekommen mit vielen Themen. Ich habe dann letztendlich auch mein Abitur abgebrochen wegen Mathe, weil ich da auch auf fünf oder sechs stand. Ich war auch in anderen Fächern schlecht, aber Mathe war wirklich einer der Hauptgründe, weil ich das in der Oberstufe super kompliziert fand.
Viele sind mitgekommen, ich nicht. Ich bin da einfach gar nicht mehr im Unterricht mitgekommen. Der Lehrer, der war wirklich so ein richtiges Mathe-Ass, der hat sich auch immer gefreut, wie gut er kopfrechnen kann. Und hat auch immer so ein bisschen eine Attitude gehabt von wegen: „Ja, ich bin wirklich ein super Mathematiker und ihr seid einfach schlecht." Für mich war das schwierig und dann habe ich mein Abitur – das weiß unsere Community so ein bisschen – auf eigene Faust nachgeholt. Ich habe wirklich selber für alle Prüfungen gelernt ohne Lehrer.
Da musste ich eben auch Mathe lernen für das Abitur. Ich kann mich noch erinnern, ich hatte wirklich solche Stapel an Büchern für Mathe, bin fast jeden Tag in irgendeinen Bücherladen gegangen und habe geguckt, ob es da noch mehr Bücher gibt mit Aufgaben und Lösungen. Das hat mir wirklich geholfen, ganz viel einfach auszuprobieren, mir Lösungswege anzugucken. Letztendlich bin ich durchs Abitur durchgekommen, wirklich durch eigene Vorbereitung, und da war ich damals wirklich stolz drauf, dass ich das geschafft habe. Ich habe jetzt keine Eins geschafft und auch keine Zwei – wahrscheinlich eine Drei oder eine Vier, kann ich mich nicht mehr so richtig erinnern – aber ich bin durchgekommen.
Ich hatte wirklich so einen Effekt von: Okay, Mathe kann ich eigentlich verstehen, das ist gar nicht so kompliziert, wie mir das im Unterricht immer erschien. Ich muss einfach nur versuchen, die Lösungswege zu verstehen. Ich muss wirklich auch in die Grundlagen gehen, gucken, wo habe ich Grundlagen nicht beachtet damals in der Schule. Wenn ich die jetzt weiß, dann fällt mir das Lösen von irgendeiner Aufgabe viel leichter. Und so bin ich darangegangen und da habe ich auch eine gewisse Freude dann an den Übungen entwickelt. Viel mit dem Taschenrechner gearbeitet. Ich musste jetzt nicht so kopfrechnen können wie mein Mathelehrer damals.
Und aktuell stehe ich auch wieder vor etwas Ähnlichem: Ich muss ein Mathemodul absolvieren in einer Weiterbildung, die ich an der IU Internationalen Hochschule mache, und ein ganz kleines bisschen habe ich da jetzt wieder Bammel davor. Da geht es um Analysis und solche Dinge, die ich halt in der Schule auch hatte. Lauter Begriffe, die ich in der Modulübersicht gesehen habe, die mir völlig herausfordernd erscheinen, wo ich gar nicht mehr weiß, was ich da damals in der Schule eigentlich gemacht habe. Also, da ist bei mir jetzt ein ganz kleines bisschen wieder Angst da, obwohl ich damals das positive Erlebnis eigentlich hatte. Warum haben die Menschen – Studierende und Schüler – eigentlich so eine Angst vor Mathe? Was kannst du dazu sagen?
Viola: Also erstmal gratuliere ich dir, dass du diese Ängste überwinden konntest und dich so dorthin geführt hast, dass du Mathematik verstehen kannst und das Abi geschafft hast. Super genial, ganz alleine. Da kommen viele nicht hin.
Du hast es erwähnt: Lehrer unterrichten so in ihrem Denken. Sie erklären so, wie sie denken, wie sie Mathematik verstehen, und da wird auch ein bisschen zu wenig auf die Schüler eingegangen. Es fehlt so ein bisschen dieses Empathische: Wo stehst du, was brauchst du jetzt, um das zu verstehen?
Und zum anderen eben, wie du sagst, du bist irgendwann nicht mehr mitgekommen. Mathematik ist aufeinander aufbauend. Wenn du irgendwo mal krank warst, die Klasse gewechselt hast, gab es ein Thema, was neu war für dich und du hast es nicht geschafft in der Zeit das alles aufzuarbeiten, dann hängst du hinterher. Wenn du einmal nicht verstanden hast, wie du Gleichungen umformst, dann wird es auch schwierig beim Differentialquotienten.
Und dann fühlt man sich auch ein bisschen alleingelassen als Schüler. Wie arbeite ich denn jetzt meine Lücken auf? Und man gibt auch so schnell auf, weil da auch gefestigt wird, dass man so denkt: „Ich gehöre zu denen, die kein Mathetalent haben." Weil dieser Unterricht einfach nicht bestätigt, dass man überhaupt kein Mathetalent braucht, sondern wie du sagst: Ich muss mich einfach mit den Lösungswegen auseinandersetzen, ich muss es verstehen und dann kann ich es nachvollziehen und dann kann ich es selber machen. Alles ist mit Strategie möglich.
Und die Schule fördert dieses Denken, man bräuchte ein Mathetalent. Wie du sagst, der Lehrer hat lieber mit denen gearbeitet, die das schnell verstanden haben. Dann hatte man so diese andere Kategorie, die dann so das Gefühl hatte: „Wir sind die, die kein Mathetalent haben." Und das wird durch die Schule wirklich gefestigt. Jedes Mal, wenn man dann alleine vor der Mathematikaufgabe sitzt und es nicht sofort versteht, dann legt man weg und sagt: „Ja, stimmt, das hat damit zu tun, dass ich kein Mathetalent habe." Und das blockiert ja dann überhaupt das Denken. Du gibst Mathematik ja überhaupt keine Chance.
Jeder kann Mathematik lernen. Wir haben ein Gehirn, was sich jeden Tag weiterentwickeln kann, und wieso dann nicht in Mathematik? Die Schule hat dieses Denken gefördert – ich bräuchte Mathetalent, ich gehöre nicht dazu – und deshalb fällt es auch so vielen so schwer und deshalb sind die Ängste dann auch so groß.
Christian: Was ich dann irgendwann entwickelt habe, ist so diese Freude an Lösungen. Ich beobachte es aktuell bei meiner kleinen Tochter, die ist jetzt fast anderthalb Jahre alt und die fängt an, Dinge zusammenzustecken, wo man bisschen mehr Feinmotorik braucht. Das hat lange gedauert, bis sie das konnte, aber jedes Mal, wenn sie es schafft, irgendwas aufeinander zu stecken, hat sie immer so eine richtige kleine Freude und guckt dann so in die Runde und freut sich einfach darüber, dass sie das jetzt geschafft hat.
Und so ähnlich ging mir das dann auch irgendwann mit den Matheaufgaben. Jedes Mal, wenn ich dann die Lösung gefunden habe oder das selber geschafft habe, anhand des Lösungswegs, den ich mir angeguckt habe – wie komme ich jetzt dahin? – und dann mit den eigenen Aufgaben das auch selber geschafft habe, habe ich mich immer richtig gefreut. Ich denke mal, dadurch ist dann mit der Zeit bei mir auch so ein Gefühl entstanden, dass ich eben nicht mehr so eine Angst vor Mathe habe, sondern das auch ein bisschen mit positiven Dingen verbunden habe. Und dann zum Abitur natürlich, dass ich das generell auch schaffen konnte, durch so eine schwere Prüfung durchzukommen.
Viola: Ja, es ist ja eben so, dass das Gegenteil von Angst das Vertrauen ist und hier in diesem Fall das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Bin ich fähig, dass ich mich an so komplexe Sachen herantrauen kann und die auch schaffen kann? Ist mein System fähig? Das stärkt so wahnsinnig das Selbstvertrauen und das wird sich nicht nur in der Mathematik zeigen, sondern auch auf andere Gebiete. Da traut man sich dann auch eher hin, weil man weiß: Ich kann so komplexe Sachen wie Mathematik lösen und dann kann ich auch andere komplexe Sachen lösen.
Christian: Da sind wir eigentlich schon bei dem Thema Mindset. Das ist auch ein wichtiges Thema für dich, was wir auch im Vorgespräch besprochen haben. Wir haben jetzt eigentlich schon darüber geredet, dass man die Angst vor Mathe überwinden kann und dass die auch ein bisschen durch dieses Schulsystem geprägt wird, durch die Vorstellung davon, dass man Talent braucht. Dass es Menschen gibt, die eher besser in Mathe sind und die anderen besser in Deutsch. Dass das relativ schnell eingeteilt wird, schon früh in der Schule. Dabei ist das einfach ein Skill, den man üben und lernen kann – unabhängig vom Talent. Sicher gibt es immer Menschen, die ein besonderes Talent für sowas haben, die hatten wir auch in der Klasse. Die haben dann auch später eher Informatik oder ähnliches studiert, wo man auch wirklich ganz strikt mathe-orientiert denken muss.
Aber die meisten brauchen kein Talent, die brauchen eher Übung und das richtige Mindset. Du hast im Vorgespräch auch schon die Begriffe Fixed versus Growth Mindset erwähnt. Kannst du uns da vielleicht mal genauer erklären, was damit eigentlich gemeint ist?
Viola: Genau. Dieses fixe Mindset bedeutet: Ich habe kein Mathetalent, ich werde immer in dieser Kategorie bleiben, dass es meinem Gehirn schwer fällt, mich mit Mathematik auseinanderzusetzen, Mathematik zu verstehen. Ich kann mich da auch nicht so weiterentwickeln oder ich bräuchte dreimal so lang wie andere. Das ist dieses Fixed Mindset. Und sobald du dann bei einer Aufgabe nicht weiterkommst, siehst du das als Bestätigung.
Oder das andere: Du entscheidest dich – es ist wirklich eine Entscheidung. Entscheide ich mich dafür, meinen mathematischen Fähigkeiten eine Chance zu geben? Entscheide ich mich dafür zu denken, dass mein Gehirn sich weiterentwickeln darf und auch in Mathematik dazulernen darf? Und diesen nächsten Fehler, den ich mache, nicht mehr als Bestätigung zu sehen, dass ich kein Mathetalent habe, sondern dafür, dass ich mich getraut habe, dass ich den Mut hatte, mich mit komplexen Dingen auseinanderzusetzen. Man könnte das im Prinzip ja auch feiern und sagen: „Okay, hey, ich war so mutig. Jetzt bin ich da an eine Grenze gekommen, jetzt schauen wir mal, wie es eigentlich richtig funktioniert." Man geht einfach viel gelassener an dieses Thema dran und das Selbstvertrauen wächst von Mal zu Mal.
Christian: Ja, das ist ein guter Stichpunkt. Das wächst von Mal zu Mal, weil meiner Erfahrung nach, wenn ich jetzt versuche, mein Mindset zu ändern, geht das nicht mal so von einem Moment auf den anderen. Das braucht immer viele positive Erlebnisse, weil da eben sehr starke Konditionierungen sind. Ich sehe irgendwie eine Matheaufgabe und in meinem Körper laufen Stressreaktionen ab, die habe ich gar nicht so direkt unter Kontrolle. Das ist einfach durch ganz viele negative Erlebnisse geprägt. Wie wenn ich mal einen Unfall hatte und dann plötzlich Ängste entwickle, über eine Straße zu gehen. Das kann ich nicht einfach von jetzt auf gleich umprogrammieren, indem ich mir sage, ich habe diese Angst jetzt nicht mehr. Da ist eben viel Arbeit nötig. Hast du da vielleicht einen Tipp?
Viola: Ja, bei mir im Training geht es ja auch darum, dass wir überhaupt mal schauen, wo kommt denn das Ganze her? Und dass wir wirklich an die Wurzel gehen. Das vergessen auch die meisten Lern-Coaches. Wie du sagst, du bist da so im Stress und bist gar nicht aufnahmefähig. Ich setze mit meinen Schülern und Studenten wirklich da an, wo du sagst, du hast negative Erlebnisse gehabt. Vielleicht war es ein ausschlaggebendes Erlebnis, was dich in so eine Schockstarre gebracht hat und wo du dich entschieden hast: „Ich habe kein Mathetalent." Weil es einfacher war – das ist ja ein Schutzmechanismus gewesen, dich vor weiterem Versagen zu schützen.
Da gehen wir dran und lösen das wirklich in der Tiefe auf. Und dann gibt es dieses Training: Immer wenn du merkst, oh, jetzt kommt die Stressreaktion – sei doch erstmal aufmerksam, dass es überhaupt mit dir passiert. Dann kannst du nämlich eingreifen. Du musst einfach bisschen bewusster an diese Sache rangehen und sagen: „Oh, jetzt fangen meine Hände an zu schwitzen. Jetzt bin ich ganz kribbelig." Und jetzt greifen wir ein: Wir machen Embodiment-Übungen, wir atmen und machen einfach so eine kurze Lernpause, dass das ganze System sich wieder runterregeln kann.
Wir finden auch zusammen einen Powersatz, einen Satz, der wirklich dein Satz ist, wo du sagst: „Ja, dafür lohnt es sich." Ich möchte diese Traumkarriere, ich möchte Architektin werden. Und jetzt muss ich durch dieses Mathemodul durch. Dafür lohnt es sich. Ich will ganz schöne Häuser bauen. Dafür lohnt es sich.
Ich hatte auch eine Schülerin, die gesagt hat: „Ich möchte Musical-Star werden." Und jedes Mal, wenn sie dann bei einer Mathematikaufgabe nicht mehr weiterkam, haben wir diesen Zettel rausgenommen: „Ich möchte zum West End nach London. Das ist mein großer Traum. Deshalb machst du jetzt hier die Mathematikaufgabe. Deshalb schaust du, dass du gute Noten hast, weil du musst den Abschluss haben dafür."
Und dann ging das mehr und mehr. Sie hat ihr Vertrauen wirklich aufgebaut und eine super Abschlussprüfung gehabt. Sie hat mich irgendwann nicht mehr gebraucht, weil sie alles unter Kontrolle hatte. Sie hatte ihren Alltag unter Kontrolle. Sie hat nicht nur gelernt, sondern die hat wirklich auch Freizeit gehabt, die sie genießen konnte, und gute Mathenoten. Und schlussendlich hat sie sich tatsächlich beworben für das West End und ist an die beste Schule dort in London gekommen. Sie ist jetzt dort, sie lebt jetzt dort und macht Musicals. Einfach nur, weil wir in diesen Momenten gesagt haben: „Was ist dein großer Traum? Da will ich hin. Dafür lohnt es sich, jetzt hier runterzukommen und erst aufnahmefähig zu werden für die Mathematik."
Christian: Ja, das ist auch eine gute Geschichte für diejenigen, die Angst davor haben, ein bestimmtes Studium anzufangen, weil da eben Mathematik vorkommt. Das höre ich auch öfter in der Studienberatung, dass da jemand kommt und sagt: „Ich würde gerne das und das studieren, zum Beispiel Wirtschaftspsychologie, aber da gibt es leider auch Mathematik- und Statistikmodule. Ich denke nicht, dass ich das schaffe." Das ist eigentlich total schade, wenn man sich seinen Lebensweg so verbaut wegen solcher Kleinigkeiten eigentlich.
Du hast jetzt so nebenbei erwähnt, dass Entspannungstechniken da auch eine gewisse Rolle spielen, oder eine gewisse Achtsamkeit, Mindfulness, wie man das heute so modern sagt. Ich habe das auch gelernt in einer Coaching-Weiterbildung, die ich mal gemacht habe. Und bevor ich das gemacht habe, hatte ich eigentlich Sozialangst, Schwierigkeiten mich in Gruppen zu geben, mich mit Menschen in der Gruppe auszutauschen.
Da gab es ein Seminar, da musste ich tatsächlich progressive Muskelrelaxation üben. Das war total interessant, weil ich mich die ganze Zeit in der Gruppe befunden habe und gleichzeitig gezwungen war, mich in dieser Situation, die mir per se erstmal unangenehm war, zu entspannen. Und mein Gehirn hat dann einfach irgendwann gemerkt: Okay, das ist ja gar nicht so schlimm, du bist ja eigentlich total entspannt, kein Fluchtimpuls mehr, alles gut.
Und ich denke, so ähnlich kann man, wenn man wirklich schlimme Angst vor Mathe hat, vielleicht auch vor Prüfungen rangehen – dass man da einfach erstmal ein bisschen Entspannung übt und dann versucht, in sicheren Umgebungen, also am Schreibtisch zu Hause beim Lernen, bevor man diese Matheaufgaben macht, eine Entspannung in sich reinzubringen und dann versucht, entspannt in diese Aufgaben reinzugehen.
Viola: Genau, man kann das lernen. Ich habe da eine Strategie entwickelt, wo man zuerst mal aufmerksam wird: „Oh, jetzt bin ich in einer Stresssituation." Und dann wirklich eingreift mit Körperübungen, mit dem Powersatz. Wir kommen vom Kopf, von diesem Denken – „Oh, das schaffe ich nicht, das ist schwer" – erstmal in den Körper, und dann ist dieses Denken auch gar nicht mehr so wichtig und dann kann das ganze System auch runterfahren.
Christian: Dann lass uns doch mal den nächsten Schritt gehen thematisch, und zwar das Thema effizientes und vielleicht auch gehirnoptimiertes Lernen. Gehirnoptimiertes Lernen hatten wir hier auch schon in ein, zwei Podcast-Folgen mit Gabriel Gorbach, für den das ein großes Thema ist. Der hat uns auch ganz viel darüber erzählt, wie man jetzt eher nicht lernen sollte, beispielsweise mit Zusammenfassungen. Dass es einfach viel zu aufwendig ist, sich Zusammenfassungen zu schreiben, sondern man geht am besten direkt in das Skript rein und dann benutzt man gewisse Techniken, um die Inhalte sofort zu erfassen, ohne das fünfzig Mal durchlesen zu müssen.
Vielleicht kannst du uns erstmal sagen – das ist ja auch ein Thema für dich – warum sich das überhaupt lohnt, sich mit gehirnoptimiertem Lernen auseinanderzusetzen?
Viola: Ja. Du musst dir vorstellen, beim gehirnoptimierten Lernen lernst du nicht mehr passiv – wie du sagst, ich lese es hundert Mal durch – sondern du lernst aktiv. Das heißt, erstens musst du mal in dieses Mindset kommen: „Ja, ich traue mich jetzt mal an eine schwierige Aufgabe dran. Ich gebe dem Ganzen mal eine Chance." Und dann musst du deinen Kopf anstrengen, um wirklich Ergebnisse sehen zu können. Und wenn du Ergebnisse siehst, unterstützt dich das dabei, dass du dein Vertrauen wieder aufbaust.
Es ist so extrem wichtig, dass man gehirnoptimiert lernt, weil sonst lernst du passiv und wirst einfach nichts in deinen Kopf reinbekommen. Es wird einfach nichts hängen bleiben, weil du dein Gehirn nicht anstrengst. Da kannst du wirklich stundenlang lernen und das Gefühl haben: „Ich bin immer noch unsicher, ich habe es immer noch nicht verstanden." Und dann bestätigt das ja auch wieder: „Ich kann kein Mathe."
Je gehirngerechter man lernt, desto mehr Erfolgserlebnisse hat man. Es ist ein bisschen anstrengender, aber du hast schnellere Erfolgserlebnisse und das bestätigt ja dann auch wieder: „Oh, ich kann es schaffen, ich werde die Prüfung ohne großen Aufwand bestehen können, wenn ich mich hier ein bisschen anstrenge."
Passives Lernen kannst du dir so vorstellen: Dein Gehirn kann man vergleichen mit dem Muskelaufbau. Da passiert was, Neuronen vernetzen sich und so weiter. Stell dir vor, du möchtest jetzt deinen Bizeps trainieren und nimmst aber nur ein leichtes Gewicht, zum Beispiel diesen Stift. Dann bist du eine ganze Stunde dabei, kannst viele Wiederholungen machen, aber dein Muskel wird sich nicht aufbauen und du bist dann völlig frustriert: „Jetzt habe ich doch so lang gelernt, wieso ist da nichts hängen geblieben?" Je gehirnoptimierter du lernst, desto schneller hast du Erfolgserlebnisse und desto weniger Zeit musst du auch reinstecken. Desto mehr wird sich bestätigen, dass du Mathe kannst.
Christian: Also, du unterscheidest erstmal zwischen passivem und aktivem Lernen, und passives Lernen ist total ineffizient. Man kann auch passiv lernen, wenn man sich ein Skript einfach immer wieder durchliest. Wenn man da nicht aktiv wird, dann bringt es nicht so viel. Was wäre denn, wenn ich jetzt zum Beispiel ein Skript im Studium durchlese, eine aktive Form des Lernens, statt das einfach nur durchzulesen? Ist Markieren schon was Aktives?
Viola: Also, sehr wichtig ist, dass man das einfach mal selber probiert. Wie du sagst, du hast ja auch diese einzelnen Lösungswege dir angeschaut bei den Aufgaben. Ich sage immer: Mathematik lernen ist wie Vokabeln lernen. Manche von meinen Studenten haben sich immer fertig gemacht dafür, dass sie den Lösungsweg nicht selber auf die Idee gekommen sind. Und da habe ich gesagt: „Du musst doch erstmal diese Vokabeln lernen. Schau doch mal, was sind denn diese einzelnen Schritte, die da gegangen werden?" Erstens, versucht das mal nachzuvollziehen, wie eine neue Vokabel zu lernen. Und zweitens, leg das Ganze danach mal weg. Wenn du das Gefühl hast, jetzt habe ich es verstanden – die meisten gehen dann weiter – leg das Ganze mal weg, schreib die Aufgabe ab und versuch es mal selber.
Und wenn es eine Aufgabe ist, die mehrere Schritte hat, dann werden manche so sagen: „Oh, ich habe gedacht, ich hätte es verstanden, aber jetzt merke ich, ich habe es doch nicht verstanden." Eben, das ist das, was ich gesagt habe: Hier muss ich mich anstrengen.
Christian: Also, aktives Lernen ganz wichtig: Dass man zum Beispiel die Aufgaben einfach bearbeitet, die man im Skript hat. Da gibt es ja ganz häufig Aufgaben, aber ich kenne das auch von mir, das überspringt man auch ganz gerne mal. Oder dass man vielleicht zum Ende eines Kapitels die Aufgaben anguckt oder einfach mal laut mit jemandem über das Thema spricht, das man gerade gelesen hat. Und wenn es um Mathematik geht, dann Aufgaben lösen und einfach selber ausprobieren.
Hast du vielleicht einen Tipp, wie man gut Vokabeln lernen kann? Zum Beispiel mit Visualisierung oder man spricht sich das als Audio irgendwo ein. Hast du einen Tipp, wie man gehirnoptimiert vorgehen kann, um jetzt eine mathematische „Vokabel" zu lernen, sei es eine Gleichung oder eine Definition?
Viola: Also wichtig ist, dass du schaust: Woher kenne ich denn schon sowas Ähnliches? In der Mathematik wirst du nicht immer wie beim Bruchrechnen Pizzastücke aneinanderreihen können. Es war schön und gut – wenn man sowas findet, ist das genial, aber das wirst du nicht immer finden.
Wichtig ist: Woher kenne ich das? Gab es schon mal ein Thema, was so ähnlich war? Wie hängt alles zusammen? Dass du dir vielleicht auch mal eine Mindmap machst und schaust: Dieses Thema, das ich jetzt hier mache, wie hängt das mit den anderen Themen zusammen? Was für Aufgabentypen gibt es überhaupt, diese mal zu unterscheiden? Und man könnte den einzelnen Aufgabentypen lustige Namen geben, wie „Bruchworkout" oder irgendwas, dass man wirklich mal anfängt, ein bisschen kreativer zu sein. Der ganzen abstrakten Mathematik einfach ein bisschen mehr Anschaulichkeit geben – und so wird es dann natürlich auch besser in deinem Gehirn abgespeichert. Auch Eselsbrücken – die müssen nicht für andere stimmen, sondern nur für dich. Nur du musst sie verstehen und dann wirst du dich auch daran erinnern.
Christian: Okay, nehmen wir mal das Thema Differentialrechnung zum Beispiel. Den Begriff kenne ich noch aus der Schule, weiß aber nicht mehr genau, was man da macht. Ich glaube, da ist irgendwas mit Tangenten. Ich habe gar keine Ahnung mehr eigentlich. Wie finde ich denn jetzt raus, wenn ich mich da anfange einzuarbeiten, was das im realen Leben entspricht? Du hast gesagt, man sollte versuchen, eine Entsprechung zu finden oder zu gucken, wie man das ganz konkret im realen Leben verorten kann. Kann ich da vielleicht ChatGPT benutzen und sagen: „Ich muss jetzt Differentialrechnung lernen. Gib mir mal ein paar ganz einfache Beispiele, wie ich das im Alltag anwenden kann"?
Viola: Ja, ChatGPT kannst du schon fragen, hat manchmal ein bisschen komische Ideen. Pickst du einfach das raus, was dir passt. Bei Differentialrechnung ging es ja um Kurven. Kurven haben Höhen und Tiefen, da kannst du zum Beispiel sagen: Bei einer Kurvendiskussion ist das meine Berg-und-Tal-Fahrt. Und dann Tangentensteigung berechnen – das ist jetzt meine Rutschpartie oder irgendwie sowas.
Es geht in der Differentialrechnung um die Steigungen von Funktionen. Du kannst dir vorstellen: Ich müsste jetzt auf diesem Berg mit meinem Schlitten, und der Schlitten zeigt dann eben die Tangente, die da so drangelegt wird. Wo ist mein Schlitten gerade? Das sind dann deine Hochpunkte und da geht es wirklich steil runter, da kriege ich Fahrt. Dass du dir so ein bisschen die Mathematik erklärst.
Christian: Okay. Das Coole an ChatGPT ist, man kann sich da auch kleine Bilder generieren lassen. Wenn man sich einmal so eine Eselsbrücke überlegt oder rausgesucht hat, dann kann man einfach sagen: „Kannst du mir das bitte noch richtig als Bild visualisieren?" – mit dem Schlitten zum Beispiel.
Jetzt weiß ich auch schon wieder ein bisschen, worum es da eigentlich ging. Und wie gesagt, als ich das dann alles gemacht habe, war es in der Schule gar nicht so schwer. Aber irgendwie ist das schon wieder ganz weit weg. Ich freue mich schon richtig darauf, das jetzt alles mal wieder genau anzuschauen.
Ich weiß auch noch nicht, wofür brauche ich das jetzt eigentlich? Tatsächlich mache ich so eine KI-Weiterbildung. Es geht um das Thema KI, aber eher in Richtung Management und KI-Beratung. Da weiß ich gerade gar nicht, wofür brauche ich jetzt eigentlich Mathematik? Ist das auch sowas, was du häufiger als Lehrerin gehört hast? „Wofür brauche ich das?"
Viola: Genau. Wenn man nicht weiterkam, dann hieß es immer: „Ach, ich brauche das doch gar nicht." Ich sehe Mathematik immer als Chance, dein Selbstbewusstsein und dein Selbstvertrauen in deine eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. Und eben auch keine Angst mehr zu haben, wenn dir beim Job irgendwelche Zahlen oder Statistiken begegnen, dass du einfach diese Unsicherheit ablegen kannst. Du hast Vertrauen: „Ich lasse mich nicht mehr so schnell von Zahlen einschüchtern."
Das gibt einfach auch Selbstvertrauen, mit solchen Momenten umzugehen. Und Mathematik trainiert natürlich auch das problemlösende, analytische Denken. Das kannst du in jedem Bereich anwenden. Wenn du merkst, jetzt wird es ein bisschen komplexer – deine analytischen Fähigkeiten hast du in der Mathematik entwickelt, jetzt kannst du sie auf dieses komplexe Problem übertragen. Das kommt in jedem Job gut an. Du stehst gut da, du lässt dich einfach nicht mehr so schnell einschüchtern. Du bist einfach viel selbstbewusster im Umgang mit Statistiken, Zahlen und Auswertungen.
Christian: Das schult letztendlich damit auch das kritische Denken.
Viola: Ja, genau.
Christian: Also, wichtig ist, dass man versucht, immer auch gedanklich das alles in die Praxis zu übertragen. Selbst wenn da jetzt keine Beispiele im Lernmaterial gegeben sind, sollte man versuchen, etwas zu finden, wie man das Ganze in der Praxis nutzt, um sein Verständnis zu steigern. Das ist auch ein Beispiel für aktives Lernen.
Hast du vielleicht noch Tipps, wie ich jetzt als Erwachsener, als Berufstätiger, der vielleicht eine Familie hat und berufsbegleitend lernt und studiert, mir das Ganze organisieren kann? Mathe braucht ja auch relativ viel Zeit für die Übung. Wie kriege ich das alles gut in meinen Alltag? Du hast vorhin schon ein bisschen angemerkt, dass man das so in den Alltag integrieren sollte, dass man nicht fünf Stunden am Stück lernt.
Viola: Genau. Gehirngerecht lernen bedeutet auch, dass man nicht nur einmal in der Woche irgendwie fünf Stunden lernt. Dein Gehirn will Informationen abspeichern, von denen du den Impuls gibst, dass es jetzt wichtig ist. Und Sachen, die wir öfter hören, die sind wichtig, die sind relevant. Das heißt, es ist viel besser, wenn du in kleinen Einheiten, vielleicht täglich oder jeden zweiten Tag, dich mit Mathe beschäftigst, weil dein Gehirn sich dann auch öfter damit beschäftigt als nur einmal lang.
Am besten in solchen Momenten, wo du Zeit hast. Vielleicht kurz am Morgen eine Session. Ich empfehle so eine Power Hour zu machen: 50 Minuten, 10 Minuten Pause und dann geht es wieder weiter. Man könnte vielleicht zwei von diesen Sessions am Morgen machen. Und danach vielleicht nicht gerade wieder dich mit digitalen Reizen überfluten, weil dein Gehirn braucht eine Verarbeitungsphase, um das Gelernte wirklich zu verarbeiten. Am besten geht man da mal spazieren oder macht irgendwie etwas Ruhigeres. Und dann wird man auch merken: Ich denke über Mathematikaufgaben nach und plötzlich kann es sein, dass unter der Dusche oder was weiß ich eine Aufgabe viel klarer wird.
Christian: Gibt es da vielleicht irgendwelche Apps, die mir helfen können? Wenn ich jetzt unterwegs ein bisschen Leerlauf habe am Tag, dass ich Aufgaben präsentiert bekomme und über die Lösung nachdenken kann? Oder vielleicht einen YouTube-Kanal zum Beispiel, oder eben deinen TikTok-Kanal, dass man sich da Videos unterwegs anschauen kann, so im Alltag?
Viola: Ja, es gibt wirklich ganz geniale Plattformen. Ich empfehle mal Studyflix, die haben so super genial aufbereitete Videos eigentlich für jedes Thema, auch im Studium, was in Mathematik gefragt wird. Das ist so gut aufbereitet, dass sie erst eine kurze Erklärung machen, die Theorie erklären, an einer Beispielaufgabe wirklich erklären, wie es funktioniert, Schritt für Schritt, und sogar nachher noch ein Quiz dazu machen. Da bist du wirklich sehr gut bedient.
Christian: Okay, gerade so ein Quiz ist ja dann wirklich hilfreich. Ich habe das jetzt übrigens auch gemerkt in der Weiterbildung, die ich aktuell mache. Da ging es drum, erstmal ein Video zu schauen. Das war eigentlich so ein passives Lernen. Ich habe 15 Minuten das Video geschaut und kurz danach gab es ein Quiz. Und bei dem Quiz hatte ich tatsächlich zwei falsche Antworten von Dingen, die eigentlich wirklich laut und deutlich in diesem Video erklärt worden sind, aber einfach, weil ich nach einer Weile abgeschaltet habe gedanklich und mich mit irgendwelchen anderen Sachen kurz beschäftigt habe. Ich habe Instagram gecheckt oder sowas nebenher gemacht und das Video lief ja, aber ich habe das einfach nicht aufgenommen.
Deswegen noch mal ein Beispiel für aktives Lernen: Wenn man vorher schon weiß, da kommt jetzt eine Aufgabe danach, ist man dann vielleicht auch viel aufmerksamer, wenn man sich Inhalte anschaut, die man erstmal passiv konsumieren muss, wie auch eine Vorlesung zum Beispiel.
Viola: Genau. Viele denken ja eben, sie würden sich gut auf die Prüfung vorbereiten, wenn sie einfach regelmäßig in die Vorlesung gehen. Das stimmt nicht ganz. Manche sagen: „Ja, ich habe dann wenigstens alles schon mal gehört." Aber eben wie du sagst, du hast dieses Video da auch schon mal gehört, aber du kannst es nicht abrufen. Und das ist ja eigentlich das Entscheidende an der Prüfung: Dass du es abrufen kannst.
Christian: Und damit sind wir eigentlich schon beim letzten großen Thema, nämlich Prüfung. Das ist ja das, worauf die meisten Module dann hinarbeiten. Man hat dann an der IU zum Beispiel wahrscheinlich eine Online-Klausur in Mathematik. Was mir übrigens auch ein bisschen kompliziert erscheint, weil ich glaube, du musst so einen Online-Taschenrechner benutzen und darfst gar nicht so richtig deinen eigenen physischen Taschenrechner nutzen. Aber das wäre noch mal ein anderes Thema.
Lass uns mal ein bisschen über Prüfungsvorbereitung reden. Was sind so die Erfolgsstrategien, um dann tatsächlich auch durch die Prüfung zu kommen? Gibt es irgendwelche Besonderheiten bei Matheprüfungen, die man nicht so hat in anderen Prüfungen? Taschenrechner ist eine, die mir jetzt spontan einfällt.
Viola: Also teilweise muss man rechnen in manchen Prüfungsaufgaben. An der FernUni Hagen zum Beispiel ist das aufgeteilt: Du hast numerische Aufgaben und manche sind Multiple-Choice-Fragen. Man muss sich einfach gut vorbereiten und das eigentlich auch üben, schon mal testen. Am besten ist man eine Woche vor dem Prüfungsbeginn wirklich durch und könnte die Prüfung jetzt auch mit Bestnote abschließen. Das rate ich immer meinen Studenten, dass sie sich so vorbereiten und vor allen Dingen auch mit ehemaligen Prüfungen lernen. Dann sind sie wirklich auf alle möglichen Aufgabentypen vorbereitet, die häufig vorkommen. Die haben sich schon mehrmals durchgedacht und können das wirklich dann auch an der Prüfung bringen.
Christian: Okay, also in Matheklausuren gibt es auch Multiple Choice. Das gab es jetzt in der Schule nicht so, da hat man einfach sein Papier gehabt und musste die Aufgaben lösen.
Viola: Ja, genau.
Christian: Okay, also gut zu wissen, dass da auch ein bisschen Wissensfragen abgefragt werden – wie „Ist das die richtige Formel für …?" oder sowas. Wie finde ich denn jetzt raus, was prüfungsrelevant ist? Hast du da Tipps für uns?
Viola: Ja, am besten so viele ehemalige Prüfungen von der Uni sammeln, dich mit anderen zusammenschließen, dass ihr so viel wie möglich sammelt. Es gibt auch Portale im Internet, wo Prüfungen hochgeladen werden. Einfach so viel wie möglich. Und dann habe ich einen Prompt entwickelt, mit dem man ganz viele Prüfungen einfach analysieren kann, wie häufig bestimmte Aufgabentypen in den letzten Jahren vorkamen. So kann man sich eine Häufigkeitstabelle anlegen und sehen: Okay, dieser Aufgabentyp kam immer häufig dran, dieser weniger häufig. Und dann lerne ich vor allen Dingen mal die am häufigsten vorkommenden Aufgabentypen. Man muss natürlich auch lernen, Aufgabentypen zu unterscheiden. Das ist alles heutzutage mit der KI mit wenig Aufwand möglich.
Christian: Ja, sehr interessant. Du bist da also auch ein bisschen statistisch rangegangen: Statistisch gesehen müsste eher so ein Thema drankommen als so eins, deswegen lohnt es sich eher, da ein bisschen mehr Energie ins Lernen reinzustecken. Mit Prompt meinst du natürlich die Eingabe für zum Beispiel ChatGPT.
Kann ich das auch irgendwie noch zur Prüfungsvorbereitung nutzen? ChatGPT hat jetzt auch so einen Lernmodus, da kann man Dokumente hochladen, zum Beispiel vielleicht auch eine Klausur und dann sagen: „Erstell mir mal bitte Aufgaben, die ähnlich sind zu dieser Klausur." Funktioniert das gut?
Viola: Ja, das Abfragen funktioniert gut. Es gibt ja zwei Arten, wie du mit KI lernen kannst, mit ChatGPT lernen kannst. Du hast ein Thema, das du verstehen willst und lässt es dir erklären. Ist okay, aber Achtung bitte: Pass auf, dass du einfach nicht zu passiv dann lernst und dir nur alles erklären lässt. Wie gesagt, du musst einfach denken.
Das andere ist, was du ansprichst: Eine ehemalige Klausurprüfung hochladen und dich dann fragen lassen. Ich finde diesen Modus wirklich genial. So lernst du ja dann auch wieder aktiv, weil du dich anstrengen musst. Du musst die Aufgaben lösen in deinem Kopf – und nicht sich vom ChatGPT dann von den Antworten berieseln lassen. Das ist dann wieder die Gefahr.
Und am MIT haben sie ja auch Studien gemacht. Verschiedene Probanden: Die einen haben ChatGPT für eine Aufgabe verwenden dürfen, die anderen nur ein weißes Blatt. Und man hat danach die Gehirnaktivität gemessen und festgestellt, dass von den Leuten, die ChatGPT verwendet haben, die Gehirnaktivität geringer war als von denen, die wirklich ihren Gehirnschmalz verwendet hatten, um diese Aufgabe zu lösen. Und die Leute, die mit ChatGPT gearbeitet haben, konnten sich dann auch viel weniger an das erinnern, was sie gerade erstellt hatten, als die Leute, die das aus dem eigenen Denken und Gedächtnis hervorgeholt hatten. Das ist einfach mal nur die Warnung: KI ist super genial, dass es das heutzutage gibt, aber wenn du es falsch benutzt, kannst du auch stundenlang dich einfach berieseln lassen und hast wieder nichts gelernt.
Christian: Aber wenn man sich eben Aufgaben erstellen lässt und über die Lösung nachdenkt, dann ist das noch mal was anderes, als wenn man sich direkt eine Lösung erstellen lässt.
Viola: Ja, genau. In diesem Lernmodus geht es darum, dass er dich dann fragt: „Hier ist eine ähnliche Aufgabe" oder „Was denkst du, was wäre jetzt hier der nächste Schritt?" Das ist wirklich genial. So würde ich lernen.
Christian: Und das kann man übrigens auch mit Spracheingabe machen. In Mathematik wird das wahrscheinlich ein bisschen komplizierter, aber für andere Fächer geht das wahrscheinlich ganz gut. Ich weiß nicht genau, wie das in der kostenlosen Standardversion von ChatGPT ist, aber in der Pro-Version, wenn man da die App auf dem Handy hat, kann man auch einfach Fragen reinstellen. Der spricht dann einfach mit dir im Prinzip wie ein Lehrer. Das entspricht vielleicht auch dem Lernverhalten von vielen von uns, dass man das nicht so textbasiert vor sich hat, sondern zum Üben dann einfach noch mal mit jemandem in Anführungsstrichen sprechen kann.
So, sag mal: Die Prüfung läuft und ich habe totalen Stress, also richtig im Körper, Stresshormone werden ausgeschüttet und ich habe so ein Blackout. Hast du Tipps, was ich dagegen machen kann in der Matheprüfung?
Viola: Ja, am besten bist du schon bei mir im Training und wir haben das schon vorher geübt, dass du dann nicht irgendwie etwas Neues lernst, sondern du weißt genau, was du in solchen Momenten machst. Du gehst am besten vom Kopf in den Körper, von diesem Denken – „Ich schaffe das nicht, ich kann das nicht" – in den Körper: Spürst mal deine Füße, atmest, sagst deinen Powersatz, den wir vorher auch schon gefunden haben.
Diese Zeit hast du. Meistens geht es in ein paar Sekunden, dass du dich, wenn du das trainiert hast, runterregeln kannst, dass du dann wieder klar bist, dass dein Kopf wieder klar ist für die Aufgaben, die du machen sollst.
Christian: Okay, also auch vor diesem Blackout haben ja viele Angst, im Sinne von: „Wenn ich jetzt in diese Prüfung gehe, habe ich Angst davor, ein Blackout zu bekommen." Bei manchen ist es wirklich ganz schlimm mit der Prüfungsangst.
Viele sind froh über Onlineklausuren, die heutzutage so umfangreich möglich sind, weil man da am heimischen Schreibtisch irgendwie nicht so starke Ängste hat. Man hat dann auch entspannt gelernt an seinem Schreibtisch und zur Prüfung sitzt man auch wieder an dem Schreibtisch, in einem eigentlich für einen entspannenden Setting. Das hilft vielleicht auch vielen. Und ansonsten Entspannungsübungen vorher schon üben, die man dann wirklich auch so anwenden kann, dass das tatsächlich sofort in der Prüfung in so einer Situation funktioniert.
Was sind so ganz typische Fehler in Prüfungen, aus deiner Erfahrung?
Viola: Ja, es gibt zwei Arten von Fehlern. Die Flüchtigkeitsfehler, die kommen eben, weil du in diesem Stressmodus bist. Aber wenn du dich vorher schon runterregelst oder jedes Mal achtsam bist, wenn du merkst, du bist wieder in diesem Stressmodus, und dann deine Übung machst, dann werden die weniger häufig auftreten.
Und zum anderen können das Verständnislücken sein, dass du was nicht verstanden hast oder falsch verstanden hast. Das trainierst du einfach vorher so lange, bis du merkst: „Okay, ich bin sicher und ich habe mich auf jeden Aufgabentyp wirklich sehr gut vorbereitet." Dann wird das auch nicht passieren.
Christian: Okay. Und in der Prüfung löse ich dann auch erstmal die Aufgaben, von denen ich auf den ersten Blick schon weiß, da bin ich sicher drin?
Viola: Natürlich. Stärk dein Selbstbewusstsein, stärk dein Selbstvertrauen in dich, dass du Mathe kannst. Am besten die, die dir einfach fallen, natürlich.
Christian: Und zum Schluss überprüfe ich dann auch noch mal alles, wenn da noch ein bisschen Zeit ist. Das war auch immer so bei Klassenarbeiten.
Viola: Ja, auf jeden Fall. Wenn man Zeit hat, warum nicht? Würde ich auf jeden Fall empfehlen.
Christian: Viola, dann hoffe ich, dass wir wirklich ganz vielen jetzt auch Mut gemacht haben für das Thema Mathematik. Mir hast du auf jeden Fall Mut gemacht. Ich freue mich schon richtig auf das Mathemodul. Mal schauen, wann es losgeht, vielleicht so in ein, zwei Monaten. Aktuell bin ich noch an einem anderen Kurs dran, der mich viel Zeit kostet, und dann werde ich mich da anmelden und wirklich zuerst auch dieses Mathemodul absolvieren. Und ich sag dir dann auch noch mal Bescheid und unserer Community auch, wie das Ganze bei mir läuft.
Kannst du uns vielleicht noch sagen, wie kann man dir folgen, wie kann man mit dir in Kontakt treten? Wo findet man deinen Kurs beispielsweise?
Viola: Ja, man findet mich auf TikTok, mit so kurzen Mathe-Videos, die zeigen: Mathe kann auch einfach sein. Am besten erreichst du mich auf Instagram. Schreib mir eine Nachricht, wenn du eine Lernanalyse haben möchtest. Wir können dann einfach eine kurze Sprachnachricht senden oder du schreibst mir einfach, wo du gerade stehst, was deine Herausforderungen so sind. Du kannst mir das einfach per Instagram in die DMs schreiben. Ich bin auf jeden Fall für dich da und ich freue mich, wenn ich dir helfen kann, dir zu zeigen, was tatsächlich in dir steckt.
Christian: Du hast auch noch eine Webseite, die verlinken wir natürlich auch in den Shownotes für dieses Video, mit allen Links zu all deinen Profilen auf Instagram und so weiter. YouTube hast du auch, habe ich gesehen.
Viola: Ja, genau.
Christian: Ja, dann herzlichen Dank für das Gespräch und ich wünsche dir noch einen schönen Tag. Tschüss.
Viola: Ja, tschüss. Viel Erfolg bei dem Mathemodul. Danke.

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