WBH für fünf Jahre reakkreditiert: Das empfiehlt der Wissenschaftsrat
Der Wissenschaftsrat hat die Wilhelm Büchner Hochschule (WBH) für weitere fünf Jahre institutionell reakkreditiert. Das Gremium hat die Stellungnahme am 30. Oktober 2026 auf seinen Herbstsitzungen in Kiel verabschiedet und die Entscheidung am 2. November bekanntgegeben. Anders als bei der Reakkreditierung 2022 knüpft der Wissenschaftsrat diesmal keine Auflagen an das Votum, sondern spricht acht Empfehlungen aus. Nach seiner Einschätzung hat sich die Darmstädter Fernhochschule in allen Leistungsbereichen positiv weiterentwickelt und wird ihrem Anspruch als Hochschule für Angewandte Wissenschaften insgesamt gut gerecht.
Die institutionelle Akkreditierung prüft, ob eine private Hochschule in Lehre und Forschung anerkannten wissenschaftlichen Maßstäben entspricht. Bei der WBH fällt die Bilanz in mehreren Punkten besser aus als 2022. Die Betreuungsrelation von Professorinnen und Professoren zu Studierenden hat sich von 1:376 auf 1:246 verbessert, und in allen Studiengängen übernehmen hauptberufliche Professorinnen und Professoren mehr als die Hälfte der Lehre. Die Auflagen von 2022 zu Grundordnung, Personalausstattung und Literaturversorgung hat die Hochschule fristgerecht erfüllt. Positiv hebt der Bericht den KI-basierten Lernassistenten hervor und das Laborkonzept, bei dem Studierende virtuelle Labore und rund 30 externe Labore staatlicher Hochschulen und Forschungseinrichtungen nutzen.
An erster Stelle nennt der Wissenschaftsrat die Studiengänge mit psychologischen Bezügen. Weder der Bachelor Ingenieurpsychologie (Start 2024) noch der Bachelor Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftspsychologie (Start 2025) ist nach den Denominationen der vorhandenen Professuren durch eine hauptberufliche Professur mit psychologischer Qualifikation abgedeckt. Die WBH soll deshalb Psychologieprofessuren im Umfang von mindestens zwei Vollzeitäquivalenten einrichten und besetzen. Beide Programme sind noch klein. Laut den Hochschuldaten im Anhang der Stellungnahme waren 2025 in Ingenieurpsychologie 18 und im Wirtschaftspsychologie-Bachelor sechs Studierende eingeschrieben.
Für Studierende besonders greifbar ist die Empfehlung zu den Abschlussarbeiten. Weil die WBH überwiegend asynchron lehrt, ist die Abschlussarbeit eine der wenigen Gelegenheiten für direkten fachlichen Austausch mit Lehrenden. Betreut und bewertet wird sie bislang meist extern: 2024 stammten 53 Prozent der Erstgutachten von Lehrbeauftragten ohne Modulverantwortung und nur 12 Prozent von hauptberuflichen Professorinnen und Professoren, mindestens fünf Prozent der Arbeiten wurden ausschließlich von solchen Lehrbeauftragten begutachtet. Der Wissenschaftsrat empfiehlt, die Verantwortung stärker auf das eigene Professorium zu verlagern. Die Arbeitsgruppe schlägt vor, dass in Masterstudiengängen mindestens eines der beiden Gutachten von einer hauptberuflichen Professorin oder einem hauptberuflichen Professor der WBH kommt. Sie regt außerdem an, die Präsenzveranstaltungen zum Studienstart verpflichtend zu machen, und verweist auf Abbruchquoten von über 50 Prozent in einzelnen Studiengängen.
Die übrigen Empfehlungen betreffen vor allem Organisation und Forschung. Der Präsident und zwei Vizepräsidenten leiten zugleich Fachbereiche. Diese Doppelrollen soll die WBH auflösen und in der Grundordnung sicherstellen, dass die gewählten Professorinnen und Professoren in den Fachbereichsräten die Stimmenmehrheit haben. Der seit 2022 aufgebaute Fachbereich mit den Designstudiengängen soll seine gestalterischen Leistungen auf ein hochschuladäquates Niveau heben. In der Forschung empfiehlt der Wissenschaftsrat klar sichtbare Schwerpunkte statt der bisher 24 Forschungsfelder sowie mehr Drittmittelprojekte, ermöglicht durch planbare, längere Freistellungen. Weitere Punkte sind mehr Professorinnen (derzeit 19 Prozent) und mehr bibliothekarisches Fachpersonal als die bisherigen 0,4 Vollzeitäquivalente. Ob die WBH die Empfehlungen umsetzt, prüft der Wissenschaftsrat bei der nächsten Reakkreditierung.
Die WBH wurde 1996 als Private FernFachhochschule Darmstadt gegründet und ist seit 2008 unbefristet staatlich anerkannt. Sie bietet ausschließlich Fernstudiengänge in Ingenieurwissenschaften, Informatik, Wirtschaftsingenieurwesen, Technologiemanagement und Design an. Präsenzklausuren sind neben Darmstadt an 14 weiteren Prüfungsstandorten möglich. Anfang 2026 waren rund 5.700 Studierende in 52 Studiengängen eingeschrieben, das hauptberufliche Professorium umfasste 26 Personen mit 24 Vollzeitäquivalenten. Seit 2020 ist die Studierendenzahl um rund 400 gesunken, das beim letzten Verfahren angestrebte Ziel von 6.800 Studierenden bis 2024 hat die Hochschule deutlich verfehlt. Bis 2029 plant sie mit rund 5.800. Trägerin ist die Hochschule für Berufstätige Darmstadt GmbH, Betreiberin die mehrheitlich zur Klett Gruppe gehörende Deutsche Weiterbildungsgesellschaft, die auch die Euro-FH und die APOLLON Hochschule betreibt. Die vollständige Stellungnahme des Wissenschaftsrats ist online abrufbar.
Veröffentlicht am 03.11.2026 11:54 von Christian Wolf, Gründer und Chefredakteur