Hochschullehre im Wandel: Wie innovative Formate Future Skills fördern
Mit dem Blickpunkt „Next-Level Lehre“ präsentieren das Hochschulforum Digitalisierung und das CHE Centrum für Hochschulentwicklung erstmals eine datenbasierte Analyse zur Nutzung innovativer Lehr- und Lernformate an deutschen Hochschulen. Die Ergebnisse basieren auf der Befragung von über 9.000 Professorinnen und Professoren aus 30 Fachrichtungen zwischen 2022 und 2025. Deutlich wird: Neue Formate wie problembasiertes oder projektbasiertes Lernen sind weit verbreitet – doch es besteht weiter großes Potenzial zur Weiterentwicklung.
Am 26. Mai 2025 veröffentlichten das Hochschulforum Digitalisierung (HFD) und das CHE Centrum für Hochschulentwicklung den Blickpunkt „Next-Level Lehre“. Die Publikation untersucht auf Basis einer breit angelegten Professor:innenbefragung, wie verbreitet innovative Lehrformate an deutschen Hochschulen sind und welche Rolle sie bei der Vermittlung von Future Skills spielen. Die Befragung wurde im Rahmen des CHE-Hochschulrankings zwischen dem Wintersemester 2022/23 und 2024/25 durchgeführt und umfasst Rückmeldungen von 9.340 Lehrenden aus 30 Fachrichtungen an Universitäten, Fachhochschulen und Dualen Hochschulen.
Im Zentrum der Analyse stehen acht verschiedene Formate, darunter problembasiertes Lernen, projektbasiertes Lernen, Peer Learning, forschendes Lernen, Gamification, Flipped Classroom sowie klassische und interaktiv angereicherte Vorlesungen. Future Skills wie kritisches Denken, Problemlösungskompetenz oder Teamfähigkeit gelten als Schlüsselqualifikationen in einer dynamischen Arbeitswelt – und sie lassen sich nicht durch klassische Lehre allein vermitteln, sondern erfordern aktivierende und erfahrungsorientierte Ansätze.
Besonders häufig genutzt wird das problembasierte Lernen: In allen untersuchten Fächern geben mindestens 58 Prozent der Lehrenden an, dieses Format „oft bis sehr oft“ zu verwenden – in Wirtschaftsrecht sind es sogar 92 Prozent. Auch projektbasiertes Lernen ist weit verbreitet, insbesondere in Architektur, Geographie und Wirtschaftsinformatik. Peer Learning wird in der Pflegewissenschaft, Architektur und Erziehungswissenschaft häufig eingesetzt, jedoch seltener in wirtschaftswissenschaftlichen Fächern wie BWL oder VWL.
Deutliche Unterschiede zeigen sich beim forschenden Lernen: Dieses kommt vor allem an Universitäten zum Einsatz, etwa in den Fächern Romanistik, Biologie oder Germanistik. An Hochschulen für angewandte Wissenschaften wird es beispielsweise in der Wirtschaftspsychologie und Pflegewissenschaft häufig genutzt. Weniger etabliert sind hingegen Gamification und Flipped Classroom – diese Formate werden meist nur von einem Drittel der Professor:innen regelmäßig eingesetzt, in einigen Fächern deutlich weniger.
Ein bemerkenswerter Trend: Die klassische Vorlesung bleibt vielerorts präsent, wird aber zunehmend mit interaktiven Elementen wie Online-Quiz oder Gruppenarbeiten kombiniert. Besonders häufig ist dies in Pflegewissenschaft, Verfahrenstechnik und Psychologie der Fall.
Die Autorinnen Nina Horstmann und Johanna Leifeld betonen: „Innovative Lehr-/Lernformate sind keine Spielerei, sondern ein Schlüssel zur Entwicklung zukunftsrelevanter Kompetenzen.“ Der Blickpunkt liefert nicht nur eine Bestandsaufnahme, sondern auch praxisnahe Anregungen, wie Lehrende ihre didaktischen Konzepte weiterentwickeln können – etwa durch mehr Interaktivität, Praxisbezug und selbstgesteuertes Lernen.
Laut Reflexion der Ergebnisse zeigt sich, dass einige Fächer bereits weiter in der Umsetzung innovativer Formate sind, während andere noch stark auf klassische Methoden setzen. Die Studie plädiert nicht für ein Entweder-Oder, sondern für eine reflektierte Kombination verschiedener Formate – stets mit Blick auf den Fachkontext und die Lernziele. Der Blickpunkt versteht sich dabei als Einladung zum Austausch, zur Weiterentwicklung und zur stärkeren Verankerung zukunftsorientierter Lehre an allen Hochschultypen.
Quelle: Blickpunkt „Next-Level Lehre“, veröffentlicht am 26. Mai 2025 von Hochschulforum Digitalisierung und CHE Centrum für Hochschulentwicklung.
Quelle: Hochschulforum Digitalisierung (HFD) vom 26.5.2025
Veröffentlicht am 26.05.2025 12:31 von Christian Wolf